WILLEM SCHOUTEN
Etwa 30 Sommer alt
Braune lange Haare, meist bärtig, meergrüne Augen, sehr gepflegtes Auftreten, abgesehen von den durch Wind, Wetter und Arbeit geschundenen Händen.
Groß gewachsen und durchtrainiert, tätowierte Ober- und Unterarme
Seemann, Abenteuer, Freibeuter
Schiffbruch im Nirgendwo: Der Untergang der „Sturmvogel“
„Alle Wasserweiber, seien mir gnädig!“, dachte sich Willem Schouten in dem Moment, als er mitten in der Nacht mit einem Hechtsprung von dem schon stark in Schräglage befindlichen Segelschiff in die unruhige See sprang. Die „Sturmvogel“, ein schnittiger Zweimaster, der ungefähr 2 Dutzend Seemänner beherbergte, ächzte im selben Moment fast wehklagend. Dann kaltes Nass. Kurz nahm es Willem die Luft – dann tauchte er mit kräftigen Arm- und Beinzügen vom nun immer schneller sinkenden Schiff weg. Nur nicht mit hinuntergezogen werden! Dann an die Oberfläche. Einmal Luft holen – und dann: Überleben. Ein Kampf gegen die Wellen und das tobende Meer begann.
Insel: Land in Sicht!
Und irgendwer war im gnädig. Zumindest starb er nicht in den Fluten: Nachdem – wie lange das auch immer dauerte – das Unwetter abklang und sich in der Nacht das erste Mal seit langem wieder ein Sternenhimmel zeigte, womit Horteras das inzwischen sanftere Meer erleuchtete, schwamm Willem immer noch. Besser: Er klammerte sich an etwas Holz fest und trieb einsam und alleine im Ozean herum. Doch inmitten der Nacht nahm er im Mond- und Sternenlicht plötzlich Umrisse war. Eine Insel? Eine Insel! Mit letzten Kräften stieß sich Willem von dem Treibholzhaufen ab und schwamm in Richtung des Festlandes. Dort angekommen krabbelte er auf allen Vieren den weißgrauen Sandstrand bis aus der Brandungszone ins Landesinnere, blieb erschöpft liegen und fiel in einen tiefen Schlaf.
Träume aus vergangenen Tagen
Träume aus seiner Jugend bestimmten den erschöpften Schlaf: Sein Aufwachsen in Bajard, dem südlichen Freihafen. Früh schon Waise und auf sich allein gestellt, bald schon – noch vor dem ersten Barthaar – an Deck eines Segelschiffes. Von irgendetwas hatte er ja leben müssen und Seemänner waren immer im Freihafen gefragt gewesen.
Die harte Schule an Deck. Schrubben, schrubben, schrubben. All das Wissen der Seemannskunst, welches es zu erlernen galt und wo zu anfangs jeder Handgriff ein falscher gewesen zu sein schien. Erste Erfolgserlebnisse, wie die erste alleinige Nachtwache im Krähennest: Die Erinnerung an die gespenstischschön baumelnde Signallaterne, die huschenden Schatten,… Oder der Unterricht im Waffengang. Nicht nur das kameradschaftliche Ringen, wenn man auf einer Insel schon etwas zu lange gerastet hatte, und sich Langweile auftat, die es zu bekämpfen galt. Auch hatten die Freibeuter, denen er sich anschloss, stets eine kleine Rüstkammer in ihren Segelschiffen. Neulinge bekamen Waffen zugewiesen, die Stammbesatzung hatte ihre Ausrüstung im Laufe der Jahre untereinander „ausgehandelt“. Bei seinem ersten Anheuern war er noch zu jung für diesen Kram, also drückte man ihm einen Dolch in die Hand und riet, sich im Zweifelsfall im Hintergrund zu halten.
Zum Glück verliefen seine ersten Seefahrerjahre erfreulich: Kein Schiffbruch (der für Freibeuter „gewaltige“ Dreimaster namens „Finnwal“ - Geschwindigkeit im mittleren Bereich, große Lagerkapazitäten, respektable Mannstärke und Bewaffnung – würde erst Jahre später beim Erproben neuer Bordkanonen durch einen verheerenden Brand sinken), , kein Mannschaftswechel, nur ein Todesfall (Schlangenbiss im Tropenparadies) – irgendwann war er auf der „Finnwal“ erwachsen geworden. Sein Leben änderte sich an Bord: Er bekam neue Aufgaben, lernte erneut Dinge, von denen er keine Ahnung hatte: Sei es das Fechten oder die Reinigung von Pistole und Muskete. Letztere bekam er aufgrund der begrenzten Anzahl an Schusswaffen nie in die Hand gedrückt, jedoch konnte er durch das Reinigen ein paar Eindrücke dazu gewinnen. Vielmehr interessierte ihn in diesen jungen Jahren ohnehin die körperliche Ertüchtigung: Das Hochseefischen mit langen Ruten, aber auch der Umgang mit Nahkampfwaffen: Irgendwann musterte ihn einer seiner Kameraden, und drückte dem stämmigen, großen Jungen einen grobschlächtigen Säbel und einen zerkratzten Holzschild in die Hand. Mit Konsequenz wurde geübt, wenn auch immer sorgsam, konnte man sich doch keine Verletzungen innerhalb der Mannschaft leisten, vor allem wenn man weit entfernt von der nächsten Ansiedelung war. Es waren lehrreiche Jugendjahre.
Aber auch von den dunklen Zeiten auf See träumte Willem: wenn die Nahrung an Bord langsam zu Neige ging, wenn ein Körper eines Mannschaftsmitgliedes der See übergeben wurde – man hörte von Meutereien, zum Glück blieb er von solchen Geschehnissen verschont.
Den düsteren Träumen folgten wiederum erfreuliche: Zum Beispiel von all den fremden Orten, welche er bereisen durfte. Diese Vielfalt an Natur und Lebewesen, die es zu entdecken galt. Auch der Spaß in den Wirtshäusern der Häfen, als Kontrast zu den teils ruhigen Tagen auf See. Oder die erste Tätowierung, die er bekam, als er vielleicht 16 Sommer zählte und die Mannschaft ihn am Landgang dazu überredet hatte, einen Dreimaster auf seinen Oberarm stechen zu lassen. Viele weitere Tätowierungen würden von da an folgen. Oder die „Sturmvogel“, das letzte Schiff, an dem er anheuerte. Ein Haufen Freibeuter auf dem Weg, ihr Glück in der Welt zu machen. Eine starke Mannschaft, die zusammenhielt. Dann jedoch das Unwetter. Die Untiefe. Der Sprung ins Wasser.
Als er aufwachte, war es schon Tag geworden. Er blinzelte aus den mit Sand und Salz verklebten Augen. Palmen. Kokosnüsse. Sandstrand. Nach zwei weiteren Blicken ringsumher, fügte er im Geiste hinzu: keine anderen Menschen weit und breit. Verdammt, dachte er sich, immer hatte er sich nur gewünscht, aus Bajard rauszukommen, Segeln zu setzen, weit weg zu sein, sein eigener Herr zu sein – und jetzt? Alleine auf einer Insel. Die „Sturmvogel“ scheinbar verloren. Seine Mannschaft scheinbar tot. Oder vermisst. Er schickte ein Stoßgebet in Richtung Himmel. Sein Leben scheinbar vorgezeichnet: Als Eremit auf einer einsamen Insel den Rest seiner Tage zu leben. Seine Befürchtungen bewahrheiteten sich in den nächsten Tagen und Wochen, denn die Insel war tatsächlich menschenleer und kein Schiff am Horizont zu sehen. Doch immerhin gab es Süßwasser aus einer kleinen Quelle und ein überschaubares, aber allzeit verfügbares, Repertoire an Nahrungsmitteln. Dazu Brenn- und Bauholz und ja, irgendwann hatte es sich Willem recht wohnlich eingerichtet. In der Mitte seiner 20er strotzte er glücklicherweise vor Kraft und Gesundheit und bewältigte damit das karge Leben auf der Insel. Und so wurden aus Tagen Wochen, aus Wochen Monate und dann Jahre.
Nach Jahren: Ein Schiff am Horizont
Eine Fata Morgana? Willem blinzelte, als er die drei Dreiecke am Horizont wahrnahm. Die Segel eines Dreimasters oder doch nur eine Illusion? Doch Willem war immer schon ein Mann der Tat gewesen, geprägt durch einen gesunden Optimismus und dem Drang, anzupacken. So blickte er sich um, nahm alles an Holz, was nicht niet- und nagelfest verbaut war und entzündete ein riesiges Signalfeuer. Rauch stieg auf, viel Rauch – frische Palmwedel taten ihr Bestes, bei ihrem Verbrennen Aufsehen zu erregen. Und dann sah er den Dreimaster ohne Zweifel! Noch traute Willem seinem Glück nach all der Zeit in Einsamkeit nicht, erst als ein kleines Beiboot zu Wasser gelassen wurde und das Rudern der Männer schon zu hören war – ein schöneres Platschen hatte Willem noch nie vernommen – sank er übermannt von seinen Gefühlen auf die Knie.
Gerettet: An Bord
Vor dem Fest der Heimkehr, damit noch Zeit sei, um abzuladen und das Schiff vor dem Winter in Stand zu setzen, wolle man bei der Roten Albatros sein, so meinte der Kapitän der „Seelöwe“, welcher den Schiffbrüchigen an Bord willkommen hieß. Er habe vor, pünktlich zu sein, denn er habe für Kapitän Schwertfisch ein kleines Mitbringsel für die Festivitäten. Willem nickte bei den Worten. Es ging also heimwärts. Der Kapitän der „Seelöwe“ fügte hinzu, dass er sich am Rückweg nützlich machen solle, sobald er wieder dazu in der Lage sei. „Mit dem heutigen Tag, Kapitän!“, antwortete Willem so schnittig, wie sein derzeit jämmerlicher Zustand es erlaubte. Trotz seiner immer noch optimalen Fitness hatte er, vor allem psychisch, dem Alleinsein über Jahre Tribut zollen müssen: All die Augenpaare, die ihn nun musterten… Willem flüchtete sich in Arbeit. Etwas, was er immer tat, wenn er nicht weiter wusste. Tätigkeit lenkt ab, hatte er früh gelernt, wie jeder Seemann, der mal eine tagelange Windflaute und den dadurch entstehenden Stillstand miterleben musste. Doch bevor er sein Tagwerk an Deck begann, bat er um ein Rasiermesser und eine Schere. Der braunhaarige Mann begann, Ordnung in sein Gesicht zu bringen – er wollte bei der Ankunft bei der Roten Albatros nicht verwahrlost aussehen. Nicht nur wegen des Festes, auch, um beim Anheuern aufs nächste Schiff einen herzeigbaren Eindruck zu hinterlassen. Ach, wie hatte er die Rote Albatros vermisst. Ein Ort, an dem man nur seinesgleichen antraf. Versteckt und geheim: Seeleute unter sich. Und das unter der Führung des alten Haudegens Kapitän Schwertfisch. Man würde Rum trinken, singen und tanzen, und die vergangenen Strapazen vergessen. Es wird angeheuert, gehandelt…was man eben so tut. Geschichten würden ausgetauscht werden – und ja, er musste schmunzeln, seine Geschichte würde wohl ein Gassenhauer werden!
VOLLE FAHRT VORAUS!
Willem Schouten
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Willem Schouten
Zuletzt geändert von Willem Schouten am Donnerstag 2. Januar 2025, 12:13, insgesamt 1-mal geändert.