Ein vielleicht ruhiger Abend für viele Bewohner der eigentlich durch und durch rauhen Insel. Der Himmel war klar und die Sterne vermutlich so gut zu sehen wie lange nicht mehr. Wer wirklich Glück hatte und zur rechten Zeit noch wach war, hätte sogar einen Schweif am Sternenhimmel entlang ziehen und sich vielleicht etwas wünschen können, wie es in manchen Gegenden Brauch war. Doch waren es manche Wünsche, die in dieser Nacht einen endgültigen Weg einschlagen oder für immer zerbrochen werden würden.
Unruhig war der Schlaf einiger weniger. Die Gezeichneten hatten sich vielleicht fast daran gewöhnt, doch gerade, als sie wieder Hoffnung schöpften, schlugen ihre Träume ganz neue Wellen, die sie wieder in Erhohlung raubende Nächte warf und ihnen einmal mehr den so dringend benötigten Schlaf raubten.
Doch selbst die Gesegneten fanden in dieser Nacht in eine Traumwelt, die sie über den Schlaf hinaus verfolgen würde.
Träumten sie alle zu Beginn, für ihre Verhältnisse, gewöhnlich, war es eines, das alle Träume der Gesegneten einten...
(Den Traum haben alle bereits geweihten(!) DK)
Ein hölzernes Knarzen dringt an deine Ohren, surreal und nicht zur Szenerie passend, doch wirkt es fast vertraut und dein ganzer Fokus richtet sich, wie von fremder Hand gelenkt, in Richtung eben dieses Knarzens. Dein Blick wandert über den Boden und verfolgt kleine Schatten, die aus dem Boden empor steigen und sicherst auf dich zu bewegen, dann aber an dir vorbei huschen. Kribbeln durchfährt dich, als ein paar wenige Schatten sich dabei deine Beine entlang schlängeln, ehe sie den anderen hinterher schnellen. Du drehst dich, gebannt von diesem Schauspiel, unbewusst dabei um und folgst den Schatten mit wenigen, kleinen Schritten, als zögen die Schatten selbst an deinen Füßen und reißen dich, wenn auch nicht agressiv, mit sich. Da hörst du es wieder, das Knarzen von Holz, das nun lauter und deutlicher und scheinbar von direkt vor dir zu kommen scheint. Deine Hand geht instinktiv nach vorne, als würdest du nach einem Türknauf greifen und.. tatsächlich stößt du auf Widerstand. Die Schatten bäumen sich unter deiner Bewegung auf und formen eine alte, hölzerne Tür, dessen Knauf du in der Hand hältst. Vorsichtig drehst du den Knauf und drückst die Tür auf.
Ohne, dass du durch die Tür schreitest, verändert sich die Umgebung, von Schatten geformt. Ein dunkler Raum, aus glattem, fast spiegelnden Stein offenbart sich dir, in dem du kaum zwei Meter weit gucken kannst. Eine nur allzu bekannte Stille umfängt dich und lässt jedes Geräusch verstummen. Doch es dauert nicht lange, bis ein Trippeln die Stille unterbricht, das erst rechts von dir erklingt. Ein Fauchen gesellt sich zu dem Trippeln, als das erste Licht den Raum erhellt, düster aber nur allzu vertraut. Das Trippeln huscht im Kreis um dich herum und dwie als zünde genau das die Fackeln an, folgt ihm das Fauchen und das Licht.
Der Raum ist nicht wirklich groß und bis auf ein paar Spiegel an den Wänden, wirst du neben den Fackeln nichts weiter ausfindig machen können. Weder Tür noch Fenster.. noch Decke. Eine tiefe Schwärze thront über dir, wie du es wohl schon so oft gesehen haben magst.
Dein Blick wandert umher, du willst dich bewegen, doch bewegt sich viel mehr der Raum um dich selbst und scheint dir genau das zu zeigen, was du sehen sollst...
Neun Spiegel sind es, die im Kreis angeordnet sind und an den Wänden hängen. Neun leere, schwarze Spiegel, die nichts widerspiegeln, bis du dich ihnen näherst, nein, bis du vor sie gezogen wirst.. Du starrst in den ersten Spiegel, erwartest vielleicht ein Abbild deiner Selbst, doch bist nicht du es, den du erblickst. Das Gesicht eines anderen zeigt sich dir, das du ganz offenbar schon einmal gesehen hast. Einer der Gezeichneten sieht dir emotionslos und fast unbeweglich entgegen.
Du musterst dein gegenüber ein paar wenige Herzschläge, da beginnt es sich zu verändern, zu verzerren.. Das Gesicht verzieht sich zu einer grotesken Fratze und Blut beginnt der Person aus den Augen, nase und Mund zu laufen.. du verstehst und nickst nur vage.
Der nächste Spiegel zeigt dir einen weiteren der Gezeichneten. Wieder dauert es ein paar wenige Herzschläge, bis sich im Spiegel etwas regt. Dieses mal sind es jedoch dunkle Rabenschwingen, die sich schützend um den gezeichneten legen. Auch hier verstehst du und nickst nur vage.
So wirst du letztlich vier Gezeichnete erblicken, die von Seinen Schwingen beschützt werden. Alle anderen wirst du in verschiedensten Varianten.. untergehen sehen.
Alle anderen bis auf zwei. Das Spiegelbild bei den letzten beiden scheint noch unklar, nicht ganz greifbar und auch hier verstehst du schnell..
Mit einem mal erlischen alle Fackeln zur gleichen Zeit und lassen dich wieder in der Dunkelheit zurück. Du erwachst aus deinem Schlaf.. und weißt.
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Der Erzähler
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Zuletzt geändert von Der Erzähler am Sonntag 8. Dezember 2024, 16:41, insgesamt 1-mal geändert.