Die Kapiteln meiner Seele

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Erich Rothstein
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Registriert: Samstag 15. Juli 2023, 22:10

Die Kapiteln meiner Seele

Beitrag von Erich Rothstein »

02. Alatner 267

Ich will Dir meine Geschichte erzählen, obgleich es eine Last ist, die Worte zu finden, die das Grauen meines Daseins schildern. Doch vielleicht, so hoffe ich, mag mein Bericht etwas Licht in die dunklen Kammern meines Herzens bringen.

Ich erblicke die Welt in Breitenstein, einer Stadt, deren Name heute wie ein Fluch auf meinen Lippen liegt. Dort wuchs ich auf, ein sorgloses Kind, dessen Tage erfüllt waren von Spielen und Träumen, bis der Himmel über mir zerbrach. Es war ein Tag, den ich niemals vergessen werde – die Sonne schien, als wollte sie die Gräuel, die uns bevorstanden, verhöhnen.

Die Banditen kamen wie der Sturm. Ihre Gesichter waren vermummt, ihre Augen gierig. Sie drangen in unser Heim ein, wie Wölfe in eine schlafende Herde. Meine Mutter – ich wage kaum, es niederzuschreiben – wurde vor meinen Augen geschändet und getötet. Ihr Schrei, durchdringend und voller Schmerz, hallt noch immer in meinen Träumen wider. Mein Vater, ein tapferer Mann, versuchte uns zu verteidigen, doch ein Dolchstoß ins Herz ließ ihn zu Boden sinken.

Ich aber, ein Kind von kaum zehn Jahren, blieb verschont – nicht aus Gnade, sondern weil sie mich für unwürdig hielten. Ein jämmerlicher Knirps, der keine Gefahr darstellte. Ich weiß nicht, wie lange ich danach im Staub saß, zwischen den leblosen Körpern meiner Eltern. Die Zeit verlor ihre Bedeutung, und mit ihr auch mein Glaube an eine gerechte Welt.

Die Jahre, die folgten, waren ein zähes Ringen um das nackte Überleben. Ich stahl Brot von den Marktständen, schlief in den kalten Gassen von Breitenstein, und wärmte mich an dem bitteren Feuer des Hasses. Ich schwor mir, eines Tages stark genug zu sein, um die Schuldigen zu finden und ihnen das gleiche Leid zuzufügen, das sie mir angetan hatten.

Doch der Hass allein war kein Halt. Er ließ mich weiterleben, ja, doch erfüllte mich nicht. Als ich älter wurde, erkannte ich, dass Breitenstein mich nur an meine Wunden erinnerte. Und so beschloss ich, fortzugehen, einen Neuanfang zu wagen. Ich hörte von Gerimor, einer Stadt jenseits des Meeres, die wie ein Versprechen in meiner Vorstellung wuchs. Dort, so sagte man, lebten Männer, die aus einfachen Anfängen zu großen Helden wurden.

Ich heuerte auf einem Schiff an, das gen Gerimor segelte. Der Kapitän, ein raubeiniger Mann namens Brandur, verlangte von mir Arbeit an Bord, doch die Aussicht auf ein neues Leben ließ mich alle Mühen ertragen. Die See war wild, doch sie befreite mich auch – jeder Sturm, jede Welle spülte ein wenig von der Schwere meines Herzens fort.

Als wir schließlich Ost-Gerimor erreichten, lag die Stadt Adoran wie eine Perle vor uns. Ihre Mauern schimmerten im Licht der untergehenden Sonne, und ich fühlte eine Hoffnung, die mir lange fremd gewesen war. Ich wusste, dass mein Weg hier nicht enden würde, sondern erst begann.

Und so stehe ich nun auf diesem fremden Boden, ein Mann, geformt von Schmerz und Verlust, aber auch von unbändiger Entschlossenheit. Mein Name ist Erich Rothstein, und ich werde meinen Platz in dieser Welt finden – nicht als Opfer, sondern als jemand, der aus der Asche seiner Vergangenheit aufsteigt.

Möge dieses Land mir gnädig sein, möge es mir die Kraft schenken, meinen Frieden zu finden.
Erich Rothstein
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Re: Die Kapiteln meiner Seele

Beitrag von Erich Rothstein »

18. Rabenmond 268

Wie meine Gedanken über die Schönheit schweifen, so wandert mein Geist, der eines untröstlichen Toren. Es dünkt mich, als läge es mir fern, die Zartheit mit meinem inneren Sturm zu verdunkeln, der in mir tobt; und doch… ich vermag mich weder wahrlich dagegen noch vollends dafür zu entscheiden.

Wäre es doch nur anders! Schon mein eigener Atem dröhnt mir wie ein Vorwurf entgegen. Jeder Schritt, den ich wage, ist mir Last und Wagnis zugleich. Die Neugier, die mich ergreift, reicht mir die Hand, doch hält sie gleichermaßen die Vorsicht an meiner Seite. So suche ich nach dem Worte, o du, der mir so sehr fehlt. Ich sehne mich nach dir.

Ich suche den Trost, ja, das eine Wort, das mich löste von den Fesseln, die mich in unsichtbaren Flammen halten.

Wer wirst du sein?
Und wann wirst du mir erscheinen?
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