Mein Leben – Ein Regenbogen, Kaleidoskop der Farben
Verfasst: Mittwoch 16. Oktober 2024, 21:31
Zartgrün - wie frisches Leben
Sind wir mal ehrlich, die meisten Lebensaufschriebe fangen damit an. Ich wurde geboren, bin dort aufgewachsen...
Ich mach damit keine Ausnahme. Wer sich nun mehr erhoffte, epischer Stoff wie Rebellion oder besonders aufregende Begebenheiten, kann mich gerne Langweiler nennen. Ich bin kein herausragender Geschichtenerzähler, ich bin aber einer der viel nachdenkt – ein sogenannter Grübler. Vielleicht ist es langweilig – sogar mein ganzes Leben – doch für mich war es stets ein üppig duftender Blumenstrauss voller bunter Wiesenblumen, einige schöner, andere geradezu ekelhaft abstossend, dazwischen ein paar helle und dunkle Blüten, manche halten für ewig und wenige verdorren sofort.
Nun genug der Poesie. Lasst uns anfangen mit...
… meiner Geburt. Es war ein heller, warmer Tag im Cirmiasum, der 17. des Mondlaufes, als meine hochschwangere Frau Mama sich zu einem Umtrunk mit ihren Eltern traf, die sich aufgrund ihres Zustandes dazu entschlossen hatten, sie zu besuchen, statt ihr die Reise in die nächstgrössere Stadt zuzumuten. Mein Großvater hatte nämlich an diesem Tage Geburtstag und ja wir feierten bis zu seinem Tode jedes Jahr zusammen. Und auch jedes Jahr wurden aufs neue Wetten abgeschlossen, wer von uns beide mehr Zähne besaß, wobei Opa die ersten zwei Jahre immer gewann nur dann wandte sich der Spieß und ich prahlte glücklich damit mehr davon zu besitzen. Hätte ich damals gewußt, daß dies zeitgleich bedeutete, daß er nicht mehr der jüngste war, wäre meine Freude darüber gewiss deutlich geringer ausgefallen.
Nun gerade stießen sie auf das Wohl meines Großvaters an, da brachen die ersten Wehen über meine Mutter herein. Daraufhin wurde die Feier abgesagt und die junge Schwangere vollbrachte die wahrscheinlich größte Leistung in meinem Leben, sie quälte sich bis in die Abendstunden und brachte mich damit zur Welt. Noch heute ist eine Geburt für mich ein unvergleichliches Geschenk, denn einer Frau oder einem Tier hilflos dabei zuzusehen, wie sie unter womöglich entsetzlichen Schmerzen, neues Leben in diese Welt bringen, macht mir jedesmal bewusst wie großartig ihr Geschenk an uns tölpelhafte Männer ist.
Wir haben es gut überstanden, mein Vater so stolz wie kein andrer, meine Großmutter erleichtert, der Großvater ein bisschen um seinen Geburtstag betrogen, und Mutter und ich waren einfach nur fix und fertig.
Ich gedieh prächtig und Mama erholte sich schnell. Tja die ersten fünf Jahre waren wie die eines jeden Kindes, welches im temorianischen Gebiet, auf einem wohlsituierten Gestüt aufwuchs, herrlich friedlich und nur von gelegentlichen Knieaufschürfungen, Trotzanfällen, erziehungsbedingten Maßregelungen mit dem Rohrstock, sowie vieler neuer Entdeckungen geprägt.
Dann jedoch eröffnette mir meine Mutter kurz vor meinem sechsten Geburtstag, daß ich ein Geschwisterchen bekommen sollte. Zunächst dachte ich es sei ein Geschenk und doch dem war dann wohl nicht so, als ich am Geburtstag die völlig normalen Geschenke bekam. Kleidung von Großmutter, mein erstesVespermesser von Großvater, die Eltern meines Vaters waren nicht in der hiesigen Gegend zu Hause und dementsprechend hatte ich diese noch nie wirklich gesehen. Vater schenkte mir eine Zuchtstute, Nari, und ich vergötterte das Tier vom ersten Augenblick an. Doch als meine Mutter an der Reihe war, da waren es nur Bücher und eine Geburtstagstorte. Das versprochene Geschwisterchen war wohl noch immer in ihrem Bauch geborgen, was ich erst später verstand, mich aber damals extrem enttäuschte.
Vier Monate später wurde Lisbeth geboren und in unseren 16 gemeinsamen Lebensjahren, habe ich ihr oft vorgeworfen zu spät geboren worden zu sein. Anfangs im Streit, mit der Zeit um sie zu necken.
Doch davon mal ab ist so ein Säugling für einen Sechsjährigen sterbenslangweilig. Mit einem Jahr durfte ich sie endlich halten, mit zwei Jahren wandelte es von interessant zu ätzend. Erst als ich 12 Jahre alt war habe ich glaube ich zu schätzen gewusst, was ich durch diese Altersgrenze die ganze Zeit hätte mehr lieben müssen. Lizzy wollte ohne Ausnahme immer das was mir gehörte, sie wollte immer dabei sein, anfangs sogar wenn ich mein Geschäft verrichtete und sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, bei allem was sie wollte ihren Kopf durchzusetzen. Heute weiß ich man bekommt immer was man verdient oder sich unterschwellig wünscht, aber damals war sie ein wahrgewordener Alptraum. Denn nichts war mehr heimlich, nichts was ich ihr nicht früher oder später abtreten musste und selbst nachdem ich mit 12 Jahren mein eigenes Zimmer bekam, da es sich nicht mehr ziemte zusammen zu schlafen, schlich sie sich jede Nacht wieder in mein Bett und ließ ihres unberührt. Dreimal dürft ihr raten wer dafür die Prügel kassierte...naja das wisst ihr wahrscheinlich bereits.
Lizzy war unglaublich niedlich und Vaters Augapfel. Ich war der Hoferbe und für alles verantwortlich, was dort geschah. Selbst wenn ich nicht damit zu tun gehabt hatte. Vater war streng- zu mir- und auch wenn ihn Mutter oft um Nachsicht bat, vertrat er die Ansicht, das es mir nicht schaden konnte mit Disziplin großzuwerden.
Um aber nun meine Schwester nicht wie das pure Böse darzustellen, auch ich liebte das Mädchen, für das ich irgendwie immer der Held zu sein schien und sie bekam sehr oft diesen gewissen Gesichtsausdruck, den ich für mich gerne die aufgeplusterten Backen nannte, sobald ihr eine Schimpftirade oder Abstrafung unseres Vaters ungerecht vorkam. Sie war wirklich ein kluges Ding.
War...nun ja zu dem war ein anderes Mal mehr.
Sind wir mal ehrlich, die meisten Lebensaufschriebe fangen damit an. Ich wurde geboren, bin dort aufgewachsen...
Ich mach damit keine Ausnahme. Wer sich nun mehr erhoffte, epischer Stoff wie Rebellion oder besonders aufregende Begebenheiten, kann mich gerne Langweiler nennen. Ich bin kein herausragender Geschichtenerzähler, ich bin aber einer der viel nachdenkt – ein sogenannter Grübler. Vielleicht ist es langweilig – sogar mein ganzes Leben – doch für mich war es stets ein üppig duftender Blumenstrauss voller bunter Wiesenblumen, einige schöner, andere geradezu ekelhaft abstossend, dazwischen ein paar helle und dunkle Blüten, manche halten für ewig und wenige verdorren sofort.
Nun genug der Poesie. Lasst uns anfangen mit...
… meiner Geburt. Es war ein heller, warmer Tag im Cirmiasum, der 17. des Mondlaufes, als meine hochschwangere Frau Mama sich zu einem Umtrunk mit ihren Eltern traf, die sich aufgrund ihres Zustandes dazu entschlossen hatten, sie zu besuchen, statt ihr die Reise in die nächstgrössere Stadt zuzumuten. Mein Großvater hatte nämlich an diesem Tage Geburtstag und ja wir feierten bis zu seinem Tode jedes Jahr zusammen. Und auch jedes Jahr wurden aufs neue Wetten abgeschlossen, wer von uns beide mehr Zähne besaß, wobei Opa die ersten zwei Jahre immer gewann nur dann wandte sich der Spieß und ich prahlte glücklich damit mehr davon zu besitzen. Hätte ich damals gewußt, daß dies zeitgleich bedeutete, daß er nicht mehr der jüngste war, wäre meine Freude darüber gewiss deutlich geringer ausgefallen.
Nun gerade stießen sie auf das Wohl meines Großvaters an, da brachen die ersten Wehen über meine Mutter herein. Daraufhin wurde die Feier abgesagt und die junge Schwangere vollbrachte die wahrscheinlich größte Leistung in meinem Leben, sie quälte sich bis in die Abendstunden und brachte mich damit zur Welt. Noch heute ist eine Geburt für mich ein unvergleichliches Geschenk, denn einer Frau oder einem Tier hilflos dabei zuzusehen, wie sie unter womöglich entsetzlichen Schmerzen, neues Leben in diese Welt bringen, macht mir jedesmal bewusst wie großartig ihr Geschenk an uns tölpelhafte Männer ist.
Wir haben es gut überstanden, mein Vater so stolz wie kein andrer, meine Großmutter erleichtert, der Großvater ein bisschen um seinen Geburtstag betrogen, und Mutter und ich waren einfach nur fix und fertig.
Ich gedieh prächtig und Mama erholte sich schnell. Tja die ersten fünf Jahre waren wie die eines jeden Kindes, welches im temorianischen Gebiet, auf einem wohlsituierten Gestüt aufwuchs, herrlich friedlich und nur von gelegentlichen Knieaufschürfungen, Trotzanfällen, erziehungsbedingten Maßregelungen mit dem Rohrstock, sowie vieler neuer Entdeckungen geprägt.
Dann jedoch eröffnette mir meine Mutter kurz vor meinem sechsten Geburtstag, daß ich ein Geschwisterchen bekommen sollte. Zunächst dachte ich es sei ein Geschenk und doch dem war dann wohl nicht so, als ich am Geburtstag die völlig normalen Geschenke bekam. Kleidung von Großmutter, mein erstesVespermesser von Großvater, die Eltern meines Vaters waren nicht in der hiesigen Gegend zu Hause und dementsprechend hatte ich diese noch nie wirklich gesehen. Vater schenkte mir eine Zuchtstute, Nari, und ich vergötterte das Tier vom ersten Augenblick an. Doch als meine Mutter an der Reihe war, da waren es nur Bücher und eine Geburtstagstorte. Das versprochene Geschwisterchen war wohl noch immer in ihrem Bauch geborgen, was ich erst später verstand, mich aber damals extrem enttäuschte.
Vier Monate später wurde Lisbeth geboren und in unseren 16 gemeinsamen Lebensjahren, habe ich ihr oft vorgeworfen zu spät geboren worden zu sein. Anfangs im Streit, mit der Zeit um sie zu necken.
Doch davon mal ab ist so ein Säugling für einen Sechsjährigen sterbenslangweilig. Mit einem Jahr durfte ich sie endlich halten, mit zwei Jahren wandelte es von interessant zu ätzend. Erst als ich 12 Jahre alt war habe ich glaube ich zu schätzen gewusst, was ich durch diese Altersgrenze die ganze Zeit hätte mehr lieben müssen. Lizzy wollte ohne Ausnahme immer das was mir gehörte, sie wollte immer dabei sein, anfangs sogar wenn ich mein Geschäft verrichtete und sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, bei allem was sie wollte ihren Kopf durchzusetzen. Heute weiß ich man bekommt immer was man verdient oder sich unterschwellig wünscht, aber damals war sie ein wahrgewordener Alptraum. Denn nichts war mehr heimlich, nichts was ich ihr nicht früher oder später abtreten musste und selbst nachdem ich mit 12 Jahren mein eigenes Zimmer bekam, da es sich nicht mehr ziemte zusammen zu schlafen, schlich sie sich jede Nacht wieder in mein Bett und ließ ihres unberührt. Dreimal dürft ihr raten wer dafür die Prügel kassierte...naja das wisst ihr wahrscheinlich bereits.
Lizzy war unglaublich niedlich und Vaters Augapfel. Ich war der Hoferbe und für alles verantwortlich, was dort geschah. Selbst wenn ich nicht damit zu tun gehabt hatte. Vater war streng- zu mir- und auch wenn ihn Mutter oft um Nachsicht bat, vertrat er die Ansicht, das es mir nicht schaden konnte mit Disziplin großzuwerden.
Um aber nun meine Schwester nicht wie das pure Böse darzustellen, auch ich liebte das Mädchen, für das ich irgendwie immer der Held zu sein schien und sie bekam sehr oft diesen gewissen Gesichtsausdruck, den ich für mich gerne die aufgeplusterten Backen nannte, sobald ihr eine Schimpftirade oder Abstrafung unseres Vaters ungerecht vorkam. Sie war wirklich ein kluges Ding.
War...nun ja zu dem war ein anderes Mal mehr.