Zartgrün - wie frisches Leben
Sind wir mal ehrlich, die meisten Lebensaufschriebe fangen damit an. Ich wurde geboren, bin dort aufgewachsen...
Ich mach damit keine Ausnahme. Wer sich nun mehr erhoffte, epischer Stoff wie Rebellion oder besonders aufregende Begebenheiten, kann mich gerne Langweiler nennen. Ich bin kein herausragender Geschichtenerzähler, ich bin aber einer der viel nachdenkt – ein sogenannter Grübler. Vielleicht ist es langweilig – sogar mein ganzes Leben – doch für mich war es stets ein üppig duftender Blumenstrauss voller bunter Wiesenblumen, einige schöner, andere geradezu ekelhaft abstossend, dazwischen ein paar helle und dunkle Blüten, manche halten für ewig und wenige verdorren sofort.
Nun genug der Poesie. Lasst uns anfangen mit...
… meiner Geburt. Es war ein heller, warmer Tag im Cirmiasum, der 17. des Mondlaufes, als meine hochschwangere Frau Mama sich zu einem Umtrunk mit ihren Eltern traf, die sich aufgrund ihres Zustandes dazu entschlossen hatten, sie zu besuchen, statt ihr die Reise in die nächstgrössere Stadt zuzumuten. Mein Großvater hatte nämlich an diesem Tage Geburtstag und ja wir feierten bis zu seinem Tode jedes Jahr zusammen. Und auch jedes Jahr wurden aufs neue Wetten abgeschlossen, wer von uns beide mehr Zähne besaß, wobei Opa die ersten zwei Jahre immer gewann nur dann wandte sich der Spieß und ich prahlte glücklich damit mehr davon zu besitzen. Hätte ich damals gewußt, daß dies zeitgleich bedeutete, daß er nicht mehr der jüngste war, wäre meine Freude darüber gewiss deutlich geringer ausgefallen.
Nun gerade stießen sie auf das Wohl meines Großvaters an, da brachen die ersten Wehen über meine Mutter herein. Daraufhin wurde die Feier abgesagt und die junge Schwangere vollbrachte die wahrscheinlich größte Leistung in meinem Leben, sie quälte sich bis in die Abendstunden und brachte mich damit zur Welt. Noch heute ist eine Geburt für mich ein unvergleichliches Geschenk, denn einer Frau oder einem Tier hilflos dabei zuzusehen, wie sie unter womöglich entsetzlichen Schmerzen, neues Leben in diese Welt bringen, macht mir jedesmal bewusst wie großartig ihr Geschenk an uns tölpelhafte Männer ist.
Wir haben es gut überstanden, mein Vater so stolz wie kein andrer, meine Großmutter erleichtert, der Großvater ein bisschen um seinen Geburtstag betrogen, und Mutter und ich waren einfach nur fix und fertig.
Ich gedieh prächtig und Mama erholte sich schnell. Tja die ersten fünf Jahre waren wie die eines jeden Kindes, welches im temorianischen Gebiet, auf einem wohlsituierten Gestüt aufwuchs, herrlich friedlich und nur von gelegentlichen Knieaufschürfungen, Trotzanfällen, erziehungsbedingten Maßregelungen mit dem Rohrstock, sowie vieler neuer Entdeckungen geprägt.
Dann jedoch eröffnette mir meine Mutter kurz vor meinem sechsten Geburtstag, daß ich ein Geschwisterchen bekommen sollte. Zunächst dachte ich es sei ein Geschenk und doch dem war dann wohl nicht so, als ich am Geburtstag die völlig normalen Geschenke bekam. Kleidung von Großmutter, mein erstesVespermesser von Großvater, die Eltern meines Vaters waren nicht in der hiesigen Gegend zu Hause und dementsprechend hatte ich diese noch nie wirklich gesehen. Vater schenkte mir eine Zuchtstute, Nari, und ich vergötterte das Tier vom ersten Augenblick an. Doch als meine Mutter an der Reihe war, da waren es nur Bücher und eine Geburtstagstorte. Das versprochene Geschwisterchen war wohl noch immer in ihrem Bauch geborgen, was ich erst später verstand, mich aber damals extrem enttäuschte.
Vier Monate später wurde Lisbeth geboren und in unseren 16 gemeinsamen Lebensjahren, habe ich ihr oft vorgeworfen zu spät geboren worden zu sein. Anfangs im Streit, mit der Zeit um sie zu necken.
Doch davon mal ab ist so ein Säugling für einen Sechsjährigen sterbenslangweilig. Mit einem Jahr durfte ich sie endlich halten, mit zwei Jahren wandelte es von interessant zu ätzend. Erst als ich 12 Jahre alt war habe ich glaube ich zu schätzen gewusst, was ich durch diese Altersgrenze die ganze Zeit hätte mehr lieben müssen. Lizzy wollte ohne Ausnahme immer das was mir gehörte, sie wollte immer dabei sein, anfangs sogar wenn ich mein Geschäft verrichtete und sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, bei allem was sie wollte ihren Kopf durchzusetzen. Heute weiß ich man bekommt immer was man verdient oder sich unterschwellig wünscht, aber damals war sie ein wahrgewordener Alptraum. Denn nichts war mehr heimlich, nichts was ich ihr nicht früher oder später abtreten musste und selbst nachdem ich mit 12 Jahren mein eigenes Zimmer bekam, da es sich nicht mehr ziemte zusammen zu schlafen, schlich sie sich jede Nacht wieder in mein Bett und ließ ihres unberührt. Dreimal dürft ihr raten wer dafür die Prügel kassierte...naja das wisst ihr wahrscheinlich bereits.
Lizzy war unglaublich niedlich und Vaters Augapfel. Ich war der Hoferbe und für alles verantwortlich, was dort geschah. Selbst wenn ich nicht damit zu tun gehabt hatte. Vater war streng- zu mir- und auch wenn ihn Mutter oft um Nachsicht bat, vertrat er die Ansicht, das es mir nicht schaden konnte mit Disziplin großzuwerden.
Um aber nun meine Schwester nicht wie das pure Böse darzustellen, auch ich liebte das Mädchen, für das ich irgendwie immer der Held zu sein schien und sie bekam sehr oft diesen gewissen Gesichtsausdruck, den ich für mich gerne die aufgeplusterten Backen nannte, sobald ihr eine Schimpftirade oder Abstrafung unseres Vaters ungerecht vorkam. Sie war wirklich ein kluges Ding.
War...nun ja zu dem war ein anderes Mal mehr.
Mein Leben – Ein Regenbogen, Kaleidoskop der Farben
- Kael Daymynd
- Beiträge: 45
- Registriert: Sonntag 18. August 2024, 18:05
Mein Leben – Ein Regenbogen, Kaleidoskop der Farben
Zuletzt geändert von Kael Daymynd am Mittwoch 16. Oktober 2024, 21:31, insgesamt 1-mal geändert.
- Kael Daymynd
- Beiträge: 45
- Registriert: Sonntag 18. August 2024, 18:05
Kürbisorange – wie die Erziehung
Nun da wir uns kennengelernt haben, ein wenig dazu wie ich aufwuchs. Ja genau er zieht es durch das ganze Programm.
Im Alter von sieben Jahren, war das Leben in Saus und Braus endgültig vorbei, denn es drohte mir die zumindest theoretische Ausbildung in allen ihren grausamen Facetten. Dafür bestellte mein Vater eigens einen Privatlehrer zu uns, der ein eigenes Zimmer gestellt bekam und sich jahrelang meine guten sowie schlechten Fortschritte wirklich horrend entlohnen ließ. Später dann hatte ihn auch Lizzy an der Backe und wie das Schicksal so spielte, hatten ihre wunderschönen Himmelsaugen bei Herrn Präzeptor Larrenberg, oder Starrenzwerg wie ich ihn insgeheim nannte, keinerlei Wirkung. Wieso der Spitzname? Naja eines hatte Starrenzwerg in mir geweckt, eine Liebe zu Synonymen. Noch immer mag ich es Dinge und Leute mit in meinen Augen bezeichnenderen Namen zu belegen und Starrenzwerg war eine Kombination aus dem starren, strengen Blick und seiner eindeutigen Giftzwergmentalität. Nein, auch wenn ich gerne benenne werden körperliche Eigenschaften zumeist nur im Guten in der Synonymbildung genutzt.
Starrenzwerg trichterte mir also jahrelang Geschichte, Wort und Schrift, Rechnen, aktuelles Geschehen und Kultur ein. Und ich habe es gehasst! Ich nehme an auch das scheint ihr bereits geahnt zu haben, denn ja wir waren ein ländliches Gestüt und ich liebte es einfach auf den Koppeln herumzustreunen, am Flüsschen Forellen zu fangen, hin und wieder einen Frosch mit heimzubringen, der Mutter bis ins Mark erschütterte, aber Lizzy – dem Wildfang – größtes Entzücken bereitete.
Aber zurück zu meinem Unterricht. Mein zweiter Hauslehrer war mein Vater selbst, er mir die theoretischen Erläuterungen zur Pferdezucht gab. Dieses durften nur innerhalb unserer Familie geschehen, denner wollte sich nicht das Geheimnis für die herrausragenden Zuchthengste rauben lassen. Auch wenn ich diesen Unterricht wiederum liebte, teilten sich dabei eindeutig unsere Meinungen. Noch immer denke ich ist eine erfolgreiche Nachzucht nicht allein der Verdienst des Hengstes sondern auch der Stute. Wir wissen alle, das ein noch so perfekter Samen nicht in der falschen Erde gedeiht und wenn zufällig doch, meist nie das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Doch nach der ersten hitzigen Diskussion mit meinem Vater darüber, die zudem mit einer schallenden Backpfeife, wegen meines anscheinend mangelnden Respektes, endete schwieg ich darüber. Mir war wohl klar dass es in unserer Lage war es einfach wichtig war die sogenannten Deckhengste zu preisen, die dann oftmals gegen ein gutes Sümmchen ihre Potenz in fremden Ställen bewiesen. Dennoch ohne die Mütter gäbs die Hengste nicht....
Das Praktische an Pferdehaltung und der Zucht mit diesen wunderschönen Tieren, lernte ich täglich nach dem Unterricht bei dem Präzeptor, im Stall und auf den Wiesen. Ausnahmslos arbeitete ich sobald ich es vermochte bei allen körperlichen Aufgaben mit. Vater legte Wert darauf, daß ich ausnahmslos alles was uns betraf von der Pike auf lernte. So half ich im Sommer den Landwirten, dabei den Hafer und das Getreide für die Futtermischungen, die wir selbst anmischten, auszusähen in dem davor von mir selbst präparierten Boden. Und kam zur Ernte zurück. Half es zu dreschen, und zu veredeln, erkannte wann ein Pilz oder Schädlingsbefall vorlag und lernte neben den Grundlagen der Viehzucht auch die der Landwirtschaft. Körperlich hat mir das durchaus nicht geschadet und das wiederum schien Präzeptor Starrenzwerg nicht so richtig zu behagen. Zumindest wies er ständig daraufhin, daß ich mir vielleicht mehr die Bücher ansehen sollte. Es schien fast so als genösse er es daß ich ihm keine Widerworte gab. Wozu auch? Er hatte gewiss recht, ausser meiner zweiten großen Liebe für die Geschichten von Abenteurern und mystischen Ländern sah ich sehr selten in seine heißgeliebten Lehrbücher. Bei dieser etrappte mich mein Vater eines Tages jedoch als ich auf den Stühlen unserer Bibliothek herumlümmelte, ich muss zugeben bis dato hatte ich nie in Erwägung gezogen mich fürs Lesen zu verstecken, und es ergab wie so oft ein Wort das andere und es führte zu einer wiederholten Begegnung mit dem Rohrstock. Mitten in der Bibliothek über dem heissgeliebten Teezeittischchen meiner Mutter, welches ich seitdem nicht mehr als so angenehm empfinden kann. Rätselhaft war eher, wieso mein Vater ausgerechnet zu dieser Zeit , die Bibliothek aufgesucht hatte, wo er sie doch sonst selten während des Tages aufsuchte. Meine Vermutung geht in Richtung des Präzeptors. Wie ich darauf komme? Nun irgendwie hatte sich der Starrenzwerg just in diesem Augenblick dazu entschlossen durch den etwa zwanzig Finger breit geöffneten Türspalt zu linsen als ich nach oben sah. Das Grinsen in seinem Gesicht hat sich eingebrannt und ich lernte an diesem Tage auf schmerzhafte Weise das Wort Hass.
Oh nein nicht auf meinen Vater, seltsamerweise hasste ich ihn nicht dafür, daß er mir mit einem nie enden wollenden Eifer seine Wertvorstellungen einzuprügeln versuchte. Schließlich meinte er es ja zumindest gut und fand daran wenig Gefallen. Tagträumereien nachzuhängen, sagte er, und zu lesen, wo die Arbeit meines Erbes brachläge, wollte er nicht mehr von mir erleben. Von da ab wurde Heimlichkeit immer mehr mein treuster Begleiter und Erwartungen von mir wichtigen Personen zu erfüllen ebenfalls genauso wie der eigentliche, wirkliche Kael ein Stück weit in mir versank und sich nicht mehr so einfach zeigte. Dennoch muss ich bedauerlicherweise sagen, daß mein Vater die Person meiner familie ist, die ich am Wenigsten vermisse und doch ist er die Person, die mich am meisten bisher – teils nachteilig – teils positiv – geprägt hat.
Woher die Wut meines Vaters auf diese Angewohnheit kam, konnte ich mir damals nicht erklären, doch wie sagt man so oft, es kommt alles irgendwann ans Licht, nicht wahr?
Nun da wir uns kennengelernt haben, ein wenig dazu wie ich aufwuchs. Ja genau er zieht es durch das ganze Programm.
Im Alter von sieben Jahren, war das Leben in Saus und Braus endgültig vorbei, denn es drohte mir die zumindest theoretische Ausbildung in allen ihren grausamen Facetten. Dafür bestellte mein Vater eigens einen Privatlehrer zu uns, der ein eigenes Zimmer gestellt bekam und sich jahrelang meine guten sowie schlechten Fortschritte wirklich horrend entlohnen ließ. Später dann hatte ihn auch Lizzy an der Backe und wie das Schicksal so spielte, hatten ihre wunderschönen Himmelsaugen bei Herrn Präzeptor Larrenberg, oder Starrenzwerg wie ich ihn insgeheim nannte, keinerlei Wirkung. Wieso der Spitzname? Naja eines hatte Starrenzwerg in mir geweckt, eine Liebe zu Synonymen. Noch immer mag ich es Dinge und Leute mit in meinen Augen bezeichnenderen Namen zu belegen und Starrenzwerg war eine Kombination aus dem starren, strengen Blick und seiner eindeutigen Giftzwergmentalität. Nein, auch wenn ich gerne benenne werden körperliche Eigenschaften zumeist nur im Guten in der Synonymbildung genutzt.
Starrenzwerg trichterte mir also jahrelang Geschichte, Wort und Schrift, Rechnen, aktuelles Geschehen und Kultur ein. Und ich habe es gehasst! Ich nehme an auch das scheint ihr bereits geahnt zu haben, denn ja wir waren ein ländliches Gestüt und ich liebte es einfach auf den Koppeln herumzustreunen, am Flüsschen Forellen zu fangen, hin und wieder einen Frosch mit heimzubringen, der Mutter bis ins Mark erschütterte, aber Lizzy – dem Wildfang – größtes Entzücken bereitete.
Aber zurück zu meinem Unterricht. Mein zweiter Hauslehrer war mein Vater selbst, er mir die theoretischen Erläuterungen zur Pferdezucht gab. Dieses durften nur innerhalb unserer Familie geschehen, denner wollte sich nicht das Geheimnis für die herrausragenden Zuchthengste rauben lassen. Auch wenn ich diesen Unterricht wiederum liebte, teilten sich dabei eindeutig unsere Meinungen. Noch immer denke ich ist eine erfolgreiche Nachzucht nicht allein der Verdienst des Hengstes sondern auch der Stute. Wir wissen alle, das ein noch so perfekter Samen nicht in der falschen Erde gedeiht und wenn zufällig doch, meist nie das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Doch nach der ersten hitzigen Diskussion mit meinem Vater darüber, die zudem mit einer schallenden Backpfeife, wegen meines anscheinend mangelnden Respektes, endete schwieg ich darüber. Mir war wohl klar dass es in unserer Lage war es einfach wichtig war die sogenannten Deckhengste zu preisen, die dann oftmals gegen ein gutes Sümmchen ihre Potenz in fremden Ställen bewiesen. Dennoch ohne die Mütter gäbs die Hengste nicht....
Das Praktische an Pferdehaltung und der Zucht mit diesen wunderschönen Tieren, lernte ich täglich nach dem Unterricht bei dem Präzeptor, im Stall und auf den Wiesen. Ausnahmslos arbeitete ich sobald ich es vermochte bei allen körperlichen Aufgaben mit. Vater legte Wert darauf, daß ich ausnahmslos alles was uns betraf von der Pike auf lernte. So half ich im Sommer den Landwirten, dabei den Hafer und das Getreide für die Futtermischungen, die wir selbst anmischten, auszusähen in dem davor von mir selbst präparierten Boden. Und kam zur Ernte zurück. Half es zu dreschen, und zu veredeln, erkannte wann ein Pilz oder Schädlingsbefall vorlag und lernte neben den Grundlagen der Viehzucht auch die der Landwirtschaft. Körperlich hat mir das durchaus nicht geschadet und das wiederum schien Präzeptor Starrenzwerg nicht so richtig zu behagen. Zumindest wies er ständig daraufhin, daß ich mir vielleicht mehr die Bücher ansehen sollte. Es schien fast so als genösse er es daß ich ihm keine Widerworte gab. Wozu auch? Er hatte gewiss recht, ausser meiner zweiten großen Liebe für die Geschichten von Abenteurern und mystischen Ländern sah ich sehr selten in seine heißgeliebten Lehrbücher. Bei dieser etrappte mich mein Vater eines Tages jedoch als ich auf den Stühlen unserer Bibliothek herumlümmelte, ich muss zugeben bis dato hatte ich nie in Erwägung gezogen mich fürs Lesen zu verstecken, und es ergab wie so oft ein Wort das andere und es führte zu einer wiederholten Begegnung mit dem Rohrstock. Mitten in der Bibliothek über dem heissgeliebten Teezeittischchen meiner Mutter, welches ich seitdem nicht mehr als so angenehm empfinden kann. Rätselhaft war eher, wieso mein Vater ausgerechnet zu dieser Zeit , die Bibliothek aufgesucht hatte, wo er sie doch sonst selten während des Tages aufsuchte. Meine Vermutung geht in Richtung des Präzeptors. Wie ich darauf komme? Nun irgendwie hatte sich der Starrenzwerg just in diesem Augenblick dazu entschlossen durch den etwa zwanzig Finger breit geöffneten Türspalt zu linsen als ich nach oben sah. Das Grinsen in seinem Gesicht hat sich eingebrannt und ich lernte an diesem Tage auf schmerzhafte Weise das Wort Hass.
Oh nein nicht auf meinen Vater, seltsamerweise hasste ich ihn nicht dafür, daß er mir mit einem nie enden wollenden Eifer seine Wertvorstellungen einzuprügeln versuchte. Schließlich meinte er es ja zumindest gut und fand daran wenig Gefallen. Tagträumereien nachzuhängen, sagte er, und zu lesen, wo die Arbeit meines Erbes brachläge, wollte er nicht mehr von mir erleben. Von da ab wurde Heimlichkeit immer mehr mein treuster Begleiter und Erwartungen von mir wichtigen Personen zu erfüllen ebenfalls genauso wie der eigentliche, wirkliche Kael ein Stück weit in mir versank und sich nicht mehr so einfach zeigte. Dennoch muss ich bedauerlicherweise sagen, daß mein Vater die Person meiner familie ist, die ich am Wenigsten vermisse und doch ist er die Person, die mich am meisten bisher – teils nachteilig – teils positiv – geprägt hat.
Woher die Wut meines Vaters auf diese Angewohnheit kam, konnte ich mir damals nicht erklären, doch wie sagt man so oft, es kommt alles irgendwann ans Licht, nicht wahr?