Der letzte Hammerschlag

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Rago Getwergelyn
Beiträge: 559
Registriert: Samstag 27. Januar 2018, 23:06

Der letzte Hammerschlag

Beitrag von Rago Getwergelyn »

  • Der Schleifstein glitt mit einer flüssigen Handbewegung über das rötliche Axtblatt. Die Pyrianaxt wies die ein oder andere Scharte auf und der Kâl Dâr schnaufte. Am Ende vom Tag war kein Metall so widerstandsfähig wie das heilige Mithrill. Die Zornesröte stieg ihm ins Gesicht und fluchend erhob sich der Wühler. Der Bergvater hatte ihm viele Gaben und Fähigkeiten in verliehen, doch Geduld und das Schleifen von Scharten gehörten nicht dazu! Es war ohnehin mal wieder Zeit für eine Patrouille durch den heiligen Berg. So machte sich Rago auf, schulterte die Waffe und mit zackigem Schritt und wachsamen Blick begab er sich zur alten Goldhandschmiede hinüber. Wie oft war er als Rhûkum bereits hier gewesen und hatte sich die Rüstung ausdellen lassen? Leise gluckste er in Gedanken an die Schimpftiraden des Goldhand-Meisters aufgrund des rücksichtslosen Umgangs mit der Ausrüstung. Kräftig pochte er an die Tür, doch es kam keine Reaktion. Erst jetzt stellte Rago fest, dass er ein Zottelrattenhirn war. Er was es so gewohnt gewesen, Brogrums Schmiede aufzusuchen, dass er vergessen hatte, dass der Kalure den Schmiedehammer an die Wand gehängt und sich der Graik angeschlossen hatte. Naja, musste er halt einen anderen Schmied finden …

    Grölend lachte Rago, als der Kurzbart-Rekrut der Graik schwitzend über den erdachten Hindernisparcours stolperte. Mit Argusaugen beobachtete er die Bewegungen der Graikler und die Ausrüstung. War es als Kâl Dâr doch mitunter seine Aufgabe die Truppe auf Zack zu halten. Zum Apell hatten sich alle die nicht gerade mit einer wichtigeren Aufgabe oder einem Wachgang beschäftigt waren eingefunden. Alle waren da, nur einer der neueren Rekruten des Berges fehlte. Es war zugegebenermaßen kein Kurzbart mehr, doch im Umgang mit einer Waffe war jener Kalure noch unerfahren. „Wo bei Cirmias Barte ist, Brogrum abgeblieben!?“ Als Schmiedemeister war er sonst stets pünktlich und legte Wert auf Genauigkeit und Pflichtbewusstsein. Das laute Scheppern eines gestolperten Graiklers riss den Wühler aus seinen Gedanken. „Eh! Aufstehen, wir sind nicht bei den Schweinsnasen hier!“ brüllte er jedoch mit einem Hauch Belustigung in der Stimme.

    Mit gefurchter Stirn besah sich der Getwergelyn die Diensttafeln. Es war üblich die Wachgänge für mindestens einen Mondlauf im Voraus festzulegen. Alle Kaluren hatten sich immer zurückgemeldet. Alle Kaluren bis auf Einen. Sorge machte sich im fülligen Wühlerkörper breit und sogleich eilte er zum Kâl Khâzad und besprach die Situation mit ihm. Brogrum war seit geraumer Zeit verschollen. Die Goldhandschmiede war verwaist, in der Mine war er nicht, zu Apellen ist er nicht erschienen und auch zu den eingeteilten Unterrichten und Wachgängen war Brogrum nicht erschienen. Jetzt war Eile geboten! Rago persönlich stellte einen Stoßtrupp zusammen und sogleich wurde die Suche begonnen. Auf dem Graik-Dienstplan wurde bestimmt, welche Routen Brogrum wohl zuletzt auf seiner Patrouille abgelaufen ist. Auf der Klamm und in den bewohnten Stollen im Nilzadan gab es keine Spur von Brogrum. Die erste Expedition in die Frostklamm und die eisigen Höhlen darunter wurde unternommen und auch hier gab es keine Spur vom Bart des Goldhands.

    So wurde eine ordentliche Pause eingelegt und schließlich begann die Gruppe der Graikler die tieferen Stollen des Nilzadan in Angriff zu nehmen. Brogrum hatte einen der Tunnel ablaufen sollen, dass wussten die Kaluren. Mit schnellem Schritt und voller Wachsamkeit schritten sie den Tunnel hinab, bis sie nach einer Biegung zum Stehen kamen. „Karte!“ bellte Rago. Er kannte die meisten Stollen natürlich, doch wollte er auf Nummer sicher gehen. An der Stelle hätte der Tunnel frei sein sollen, doch war er verschüttet. Die Graikler schmiedeten folglich einen Plan. Ein Teil der Gruppe ging zurück, um die fähigsten Stollenbauer zu holen und der Rest blieb vor Ort und hielt die Stellung. Es dauerte eine Weile, bis eine abgehetzte Truppe Kaluren mit dem entsprechenden Werkzeug eingetroffen war. Sogleich wurde sich daran gemacht den Tunnel wieder freizuschaufeln. Ungeduldig tippte der Wühler mit dem rechten Zeigefinger auf seine Schläfe. Seine Brüder gaben ihr Bestes, doch ging es ihm nicht schnell genug. Weiß der Seelenschmied was hinter den Felsen passiert ist!

    Als der Durchgang geöffnet wurde, war Rago bereit. Die Wühlerrüstung aus Brogrums Hand saß wie angegossen. Der Helm war festgeschnallt und die Krallenhände waren so scharf und bereit wie an dem Tag, als er sie zu Ehren der Wühlerweihe von Brogrum erhalten hatte. Als der Tunnel freigegeben wurde, eilte Rago an der Spitze der Graikler durch die Öffnung. Sie befanden sich in einer größeren Höhle. Schnell blickte er sich um. Keinerlei Bewegungen waren auszumachen, doch sah er einige Leichen. Hier hatte es einen großen Kampf gegeben! Überall lagen tote Zweiköpfe in der Höhle verteilt. Das Adrenalin pumpte durch Ragos Körper. Tote Zweiköpfe waren in den tieferen Stollen nicht unbedingt eine Seltenheit, aber so viele auf einmal – das war ungewöhnlich. „Kâl Dâr, schau!“ Ein Graikler an Ragos Seite deutete auf eine Stelle in der Höhle. Etwas bläuliches schimmerte dort unter einem Felsen hervor. Sogleich eilte Rago hinüber. Die Augen weiteten sich. Eine Ader an seiner Schläfe trat hervor und lautstark fluchte der Kâl Dâr. Ein Stein war herabgestürzt von der Decke, oder ein Ettin hatte ihn auf den Kaluren geworfen, das war nicht mehr auszumachen. Doch unter dem Felsen lag ein Kalure begraben. Ein Kalure, den Rago nur all zu gut kannte. Es war der verschollene Brogrum. „Helft mir mal, kommt schon!“ brüllte Rago und sogleich machten sich alle daran den Felsen von Brogrum wegzuschaffen. Wie ein wilder rüttelte Rago an dem Körper, doch es passierte nichts. Eine einzelne Träne rann die Wange herab, dann machte sich der Zorn im Körper Ragos breit. „Warum ist der alte Sturschädel allein in die Stollen gekommen!?“ Mit der Faust schlug Rago neben Brogrums regungslosen Körper in die Wand. Wieder und wieder. Nach einer Weile konnte sich Rago lösen und er bellte die Befehle. Die Graikler untersuchten die Höhle noch eine Weile und kamen zu dem Schluss, dass Brogrum auf seiner Patrouille in dieser Höhle von einer Horde Zweiköpfe überrascht wurde. Da die Stützbalken durchgeschlagen waren hatte er wohl versucht die Höhle zu versiegeln, sodass die Unwesen keine Gefahr für die Bewohner des Nilzadan werden können. Der Leichnam des Brogrum Goldhand wurde geborgen und zurück in die große Stadt gebracht. Nach kalurischer Tradition wurde Brogrum nahe der Bauhütte bestattet. Während der Zeremonie sprach Rago kein Wort. Er hatte nicht nur den Erschaffer seiner Rüstung und des Großteils seiner Waffen verloren, sondern auch einen guten Freund. Seit jenem Tag glänzt das Siegel des Schmiedes auf Ragos Brustplatte wie am ersten Tag.
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Rago Getwergelyn
Beiträge: 559
Registriert: Samstag 27. Januar 2018, 23:06

Beitrag von Rago Getwergelyn »

Rago Getwergelyn hat geschrieben:Eine besondere Steintafel wird sichtbar aufgehangen zu den anderen
Steintafel der Trauer


-Nilzadan, 17.Ashatar 267-


Mit schwerem Herzen und gesenktem Haupt gibt die Graik bekannt, dass unser geschätzter Bruder Brogrum Goldhand, ein Meister seines Handwerks und treuer Wächter des Berges, in den Tiefen von Nilzadan sein Leben ließ. Sein Mut und seine Hingabe führten ihn in die Stollen, wo er im Angesicht der Dunkelheit und Gefahr fiel. Die Stützbalken der Welt selbst mögen erzittern, doch die Gussform eines Kaluren wird niemals brechen.

Brogrum hat uns seine letzten Spuren hinterlassen, wie der Klang des letzten Hammerschlags, der im Echo der Hallen widerhallt. Er opferte sich, um unsere Heimat und unser Volk vor der drohenden Gefahr zu schützen. Die Schmiede, in der er seine unermüdliche Kraft bewies, steht nun still, doch sein Werk und sein Geist leben in uns allen weiter.

Möge seine Seele ihren Weg in die Hallen der Ahnen finden, wo die Flammen des Schmelzofens ewig brennen und die Lieder des Berges ihn in Frieden wiegen.

Im Gedenken an unseren Bruder,
Der Stein sei ihm leicht und das Licht von Cirmias führe ihn in die Ewigkeit.

Für alle Kaluren:
Versammelt euch in Trauer und Respekt, um den Verlust eines großen Schmiedes und wahren Freundes zu betrauern.

In Stein gemeißelt, im Herzen bewahrt.


Kal Dar und Wühler Cirmias
Rago Getwergelyn
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Ashanti Bashir
Beiträge: 471
Registriert: Donnerstag 4. Mai 2023, 17:03

Beitrag von Ashanti Bashir »

Eigentlich begann der Tag und ihr Dienst auf der Klamm recht ruhig.
Das kalurische Frühstück lag ihr noch immer schwer im Magen obwohl es bereits Mittag war.
Es war ganz offensichtlich das sie die kalurische Küche nicht gewohnt war und sie sich noch schwer damit tat.
Darum war sie ganz froh das sie Heute lediglich zum Tordienst auf der Klamm eingeteilt war.
Irgend wann bekam sie mit das ein Trupp Graikler, angeführt von Rago sich zügig auf den Weg machten um in die Stollen hinab zu steigen.
Dann wurde es still, eine lange Zeit tat sich nichts und sie blickte aufmerksam durch das Tor und kontrollierte lediglich hier und da mal fremde Besucher.
Irgendwann jedoch wurde es hektisch und die Kunde von einem Tod aufgefundenen Kaluren in den tiefen Stollen verbreitete sich rasch auf der Klamm.
Erst nach dem sie ihren Dienst am Tor beendet hatte eilte sie los um mehr zu erfahren.
Am frühen Abend schloss sie sich den Kaluren an um der Bestattung bei zu wohnen. Ehrfurcht erfüllte sie wärend der Zeremonie welche gleich die Erinnerungen an all die gefallenen Kameraden welche sie bereits mit zu Grabe getragen hatte.
Auch wenn sie diesen Graikler noch nicht kennen gelernt hatte, so konnte sie sich vorstellen welche Lücke er wohl bei seinen Kameraden hinterlassen würde.
Und so begab sie sich anschließend als Rago diese besondere Steintafel aufgestellt hatte zurück auf die Klamm.
Dort besuchte sie den Schrein um dort ihren Gedanken nach zu hängen welche sie plagten.
Sie verbrachte dort eine ganze Weile stumm und mit gesenktem Haupt ehe sie den Blick anhob und zum Wächter blickte.


Ich kannte seine Gussform neda Chirmias, doch eines deiner Kinder ist nun sicher bei dir angekommen.
Ich... möchte dir danken das ich dein Volk so kennen lernen darf wie ich es gerade tue.


Dann straffte sie ihre Haltung und führte langsam die geballte gepanzerte Faust gen Herzhöhe und schlug mehrere male feste gegen ihren Harnisch ehe sie auf Herzhöhe zum liegen kommt.
Diesen Salut dann einige Momente haltend setzte sie ihn ab und begab sich still schweigend erst einmal in ihre Unterkunft.
Florence Lascari
Beiträge: 305
Registriert: Sonntag 13. Februar 2022, 19:09

Beitrag von Florence Lascari »

*Sie kam von ihren Aufträgen gerade noch rechtzeitig, um die Nachricht zu erhalten, dass zu dem Seelenschmied ein weiterer Wächter des Berges eingehen würde. Eingehen zu den ewig glühenden Essen und dem Klang der uralten Schmieden.

Sie stand stramm während der Zeremonie, schweigsam lauschend in der Uniform, nur beim Abschied nehmen fiel sie in das donnernde "GRAIK!" am Ende mit ein, formte mit einer Hand nach altem Brauch der See eine hohle Hand über dem Mund. Ein langgezogener Pfiff, der tief anfing sich einmal zusammen mit den Fingern erhob und dann wieder senkte, war ihr ernster Abschied.

An dem anschließenden Umtrunk nahm sie nicht teil, schlich sich auf leisen Sohlen davon, um mit einer Buddel bewaffnet zum Strand bei Junkersteyn sich zu begeben. Der volle Humpen Rum wurde erhoben zum Meer hin und sie sang ein Lied, dass sanft und doch nicht traurig mit ihrer heiseren Stimme als Gruß erklang und endete mit den Zeilen.*


Aber weil das Schicksal es so will
an einem Tag sich erheben, und einem anderen zu falln

So füllet mir den Abschiedskrug
Gute Nacht, Ahoi, Glück auf ihr all


*und damit saß sie bis zum Boden der Flasche am Strand in der Dämmerung und sah dem schäumenden Wellenrauschen zu, bis der Rausch sie zur Koje rief*
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