Lange saß Tugor noch mit nachdenklichem Gesichtsausdruck in der Taverne. Seinen leeren Krug in den Händen drehend starrte er gegen die Wand und seufzte leise. Es war keine Stunde her als Aurana halsüberkopf aus der Taverne stürzte, hatte er etwas falsches gesagt? Hatte er ihre Ehre verletzt? Er wusste es nicht, konnte sich keinen Reim daraus machen. Tugor ertappte sich dabei wie er seine Gedanken abschweifen lies, sich ein Bild von ihrem Gesicht vor seinen Augen zu formen bagann. Er begann leicht zu lächeln, irgend etwas fastzinierte ihn an dieser Frau. Kalt und abgeklärt schien sie noch beim letzten Treffen zu sein, mehr berechnend als offenherzig. Nun hatte er eine andere Seite an ihr kennen gelernt , ein empfindliches Wesen das offen über Gefühle zu sprechen vermag. Tugor schüttelte den Gedanken ab, gab dem Schankwirt mit einer Handbewegung zu erkennen das er noch etwas zu trinken wünsche und bezahlte sogleich die Zeche. Er konnte sich keine weiteren Gefühle leisten die ihn schwächen würden, das hatte er längst begriffen. Sie könnten nur seinen Weg gefährten den er eingeschlagen hatte und das musste er unter allen Umständen verhindern. Mit einem mächtigen Zug leerte er seinen Krug bis zur hälfte und setzte ihn dann wieder hart auf der Theke ab, sich dabei seinen Mund mit der Hand abwischend. Wieder kreisten Gedanken in seinem Kopf und ein Name tauchte immer wieder vor seinem geistigen Auge auf... Melandra Lengie. Sie war die einzige Frau die sein Herz zu erwärmen vermag, sogar Liebe in ihm wecken konnte soweit er zu dieser Gefühlsregung fähig war. Tugor fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und so etwas wie Sehnsucht regte sich in ihm, Sehnsucht nach ihrem Lächeln, nach den zarten Berührungen ihrer Lippen und Händen. Wann endlich durfte er wieder ihr duftendes, weiches Haar spüren, ihren lieblichen Körper an sich drücken um für einen Moment alles andere vergessen zu können?
Scharf presste er die Luft in seine Lungen um sie mit einem lauten Seufzen wieder zu entlassen. Er besann sich seiner Bestimmung die er auferlegt bekommen hatte, führte den Krug an seine Lippen und leerte ihn schliesslich gänzlich. Wort und grußlos verliess er die Taverne in Richtung Kaserne alle weiteren Gedanken bei Seite schiebend, vorerst...
Eine Frage des Gewissens
- Tugor Crain
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