Opferberreitschaft
Das klingen von Schwert auf Schwert, von Klinge auf Schild, von Waffe auf Rüstung, das markant schmatzende Geräusch wie sie in Leiber eindringen, Schlachtrufe, Kriegsschreie, Stöhnen, jammern, letzte Gurgler. Sie liebte es, kostete jede Sekunde der Schlacht voll aus, und ergab sich ihrem Selbstsicheren Sieges und Blutrausch, gerade wieder beförderte sie einen „Feind“ mit einem tritt von ihrer Klinge mit einem selbstzufriedenen grinsen. So selbstsicher... nein, es war keine Selbstsicherheit, es war Arroganz, das sie den blick auf dem Schlachtfeld um sie herum wie so oft wenig Beachtung schenkte. Sie sah noch in ihrem Augenwinkel etwas auf sie zu rasen, sie riss herum, im selben Moment vernahm sie das surren eines Pfeiles der knapp an ihrem Kopf vorbei zog, und sie blickte in das mit einem Pfeil durchs Auge bestückten Gesicht eines Speerträgers, der vielleicht noch einen weiteren Schritt gebraucht hätte um ihr seinen Spieß in den Leib zu rammen. Während dieser zu Boden sackte, blickt sie schon in die andere Richtung, jene aus der der Pfeil gekommen war um in das grimmige Gesicht ihres Kommandanten zu blicken der sie nur anfauchte: “Bei Alatar, wenn ihr nicht aufpasst Soldatin, degradiere ich euch schon wieder zur Rekrutin, sofern ihr diese Schlacht überhaupt überlebt!“ Sie unterdrückte ein missmutiges brummen und ersetzte es durch ein knappes:“ Jawohl. Kommandant.“ Doch im Grunde hätte er genau so gut gegen eine Wand sprechen können, und das wussten sie wohl beide, im nächsten Moment wäre die Schellte schon wieder vergessen. Klack.... Klack.... Klack Jeden schritt den sie die Treppen hinab tat, tat sie überlegt, und mit einer kleinen Pause. Sicherstellend das sie nicht gehört wurde, sicherstellend das sie alleine war, sicherstellend das nicht plötzlich ein göttlicher Blitz vom Himmel brauste der ihrer kümmerlichen Existenz ein Ende bereitet. Es waren nur leise Schritte, doch jedes mal wenn einer ihrer Schuhe die nächste Stufe berührte, war es für sie wie ein Donnergrollen. Es war wie das erste mal, als die die große Halle des Klosters des Lichts betreten hatte. Sir Beak hatte ihr gesagt, sie solle doch hin sehen. Sie hatte etwas mit sich gerungen... würde sie ob all der Dinge die sie in den letzten dreizehn Jahren getan hatte tot umfallen sobald sie die Schwelle übertrat? Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr hatte sie in der Armee des Reichs gedient, hatte Müttern ihre Söhne und Töchter, Kindern ihre Mütter und Väter auf dem Schlachtfeld geraubt. Gut, das hatten viele, mit dem großen unterschied das sie es nicht getan hatte weil sie an den einen, an die Sache, an das Reich glaubte. Nein, sie wollte einfach nur kämpfen, und nicht wie ihre Eltern ihr Lebtag als Fischerin zubringen, irgend einen hässlichen Dorftrampel heiraten, Kinder werfen und verbittert sterben. Wie hochmütig sie doch war, und nun war es zu spät um noch um Vergebung zu Bitten. Wie auch... Es tut mir leid das ich euren Sohn, Eure Tochter, euren Gatten, euren Vater, eure Mutter getötet habe, aber wir standen nun einmal auf zwei Unterschiedlichen Seiten in einem Konflikt. Und so nebenbei, ich habe nie an das geglaubt was meine Seite von sich gibt? Und so versteckte sie sich hinter einer Maske von übertriebener Selbstsicherheit und Humor der ab und an zu wünschen übrig lies.
Wie eine Furie kreischend stürzte sie sich Schild voran in die Schlachtreihe des „Feindes“. Man kann der beste Kämpfer, der erfahrenste Krieger und der nobelste Ritter sein, wenn die Schlacht tobt, die Massen um einen einbrechen, jeder Zentimeter Fläche mit toten und lebenden Leibern bedeckt ist stirbt die Taktik, stirbt die Kampfkust, stirbt das Talent. Es geht nur noch ums überleben, man schlägt auf alles ein was die falsche Farbe trägt und nicht vertraut wirkt, und ab und zu erwischt es schon mal einen der eigenen. Man sticht zu, schlägt zu, holt mit dem Schild aus, versucht den Feind von sich fern zu halten und gleichzeitg so vielen von ihnen wie möglich ein Ende zu berreiten. Überall Blut, Gedärme, Verwundete. Und sie mitten drin, und so sehr sie dies Heute zu ihrer Schande gestehen musste, damals.. liebte sie es. Dafür lebte sie, für diese Momente, denn in diesen Momenten fühlte sie sich wahrlich lebendig. Sie stand da, Blut tropfte von ihrer Klinge, Blut tropfte von ihrer Rüstung, Blut tropfte von ihrem Gesicht. Irgendwann in der Schlacht hatte sie wohl ihren Helm verloren. Ihr rotes Haar klebte teils durch das getrocknete Blut an ihrem Gesicht. Sie schnaufte aus und sah sich wirsch um. War die Schlacht vorüber? Zumindest soweit sie bemerkte, ihr blick wurde jedoch schnell von einem weiteren Kampfbataillon angehalten. Sie waren angehalten, anstelle weiter auf sie zu zu stürmen. Sie wollte sich schon nach ihrer Einheit umsehen um dann auf die angreifer zu zu rennen, als eine Schar Bogenschütze aus den reihen hervor trat, und begann Pfeile an zu legen. Panik machte sich in ihr breit. Sie versuchte aus zu machen ob sie den Feind noch erreichen würde, ehe die Pfeile abgefeuert waren, aber der abstand war zu groß. Es war nur eines was sie tun konnte. Wie das verängstigte kleine Mädchen das sie in diesem Augenblick war, und wofür sie sich in diesem Moment abgrundtief hasste, machte sie sich so klein wie möglich, und versuchte sich unter ihrem Schild zu ducken. Dieses eine mal hasste sie es, das sie so groß war und dem Drachenschild Vorzug vor dem Turmschild gab. „ SCHIEßT!“ Hörte sie hallend den feindlichen Kommandant rufen, kurz gefolgt vom Aufziehen mehrerer Bogensehen, dem schnalzenden Geräuschen als sie unzählbar viele Schüsse lösten. Sie schloss die Augen und sie hörte es, das schmatzende Geräusch von Pfeilen, die auf Fleisch trafen...
Ob der Jahreszeit war es schon recht Kalt in der Krypta. Als ihr letzter Schritt mit einem leisen doch für sie Ohrenbetäubenden „Klack“ das Ende der Treppe erreicht hatte, und sie glücklich das sie noch lebte keuchend ausatmete, konnte sie ihren eigenen Atem sehen. Ein kleines Hauchwölkchen entwich ihren Mund und verteilte sich rasch in der Umgebung und erstarb. Noch einmal atmete sie tief durch und rieb sich die Hände. Es war wenige Tage her, das Sir Beak ihr die Krypta gezeigt hatte. Der Ort an dem die Toten zu ihrer letzten ruhe gebettet wurden, und der Ort wo hinterbliebene ihnen Gedenken konnten. Und was sie Schlussendlich hier her führte war die Tatsache das sie nicht hier liegen musste. Man konnte für jeden der verstorbenen einen Kerze entzünden. Und in dem Moment war ihr klar was sie zu tun hatte. Nun, es gab wohl nicht genug Kerzen auf ganz Gerimor um für alle die direkt oder indirekt ihretwegen zu Schaden gekommen waren, aber was dies anbelangte hatte sie sowieso wenig Hoffnung je Vergebung zu erlangen. Seitdem er ihr gezeigt wurde hatte sie ihn kein einziges mal besucht, hatte es noch nicht gewagt ihn erneut zu betreten, und war mit den Hallen noch nicht so genau vertraut, doch sie wusste das die Kammer mit den Kerzen zu ihrer rechten war. Vergessen war der versuch so leise wie möglich zu sein und mit einem schnellen Schritt näherte sie sich der Kammer, um das zu tun wofür sie gekommen war, so schnell wie möglich. Sie wollte die ruhe der Toten nicht länger stören als irgend notwendig.
Kein Schmerz, nur Dunkelheit. Sie war sich sicher, sobald sie die Augen öffnen würde, und die Pfeile aus ihren Körper ragen sah würde der Schmerz kommen. Vielleicht hatte auch ein Pfeil ihren Kopf getroffen, und das war es nun. Dunkelheit auf ewig. Aber sie spürte immer noch die Verletzungen der Schlacht, das langsam trocknende Blut in ihrem Gesicht, gemischt mit Tränen der Panik. Zaghaft linste sie durch ihre Augenlider, es wirkte dünkler als gerade noch, waren die Pfeile gerade im Fall und brachen jeden Moment wie ein Hagel auf sie herab? Doch nichts. Eine Sekunde, zwei Sekunden.... Fünf... Zehn.... Jede Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit, ein halbes Leben an, sie rang sich dazu durch ihr Augen zu öffnen. Es viel ihr etwas schwer das selbst ihre Augen von Blut verklebt waren. Auch wenn es ihr während der Schlacht nicht so viel vor kam. Und da war er, über ihr thronend, Wachend, die Arme von sich gestreckt , schützend vor sie gestellt mit dem Rücken, aus dem noch einige Pfeilspitzen ragten zu ihr. Doch sie musste nicht sein Gesicht sehen um zu wissen wer es war. Conner, ein Hühne von einem Mann, aber im Grunde noch ein Knabe von vielleicht 19 Sommern. Er war ein guter Mann, sofern man wenn man in diesem Reich überhaupt gut sein konnte, half den Menschen wo er nur konnte, war bescheiden, handelte stets überlegt und mit Rücksicht. Er war jemand der nicht lange im Reich überleben würde, soviel war ihr klar. Und irgendwie hatte der Junge als er in ihr Regiment kam einen Narren an ihr gefressen. Sie konnte es erkennen als er sie das erste mal ansah, der blick eines liebestollen Jünglings. Zu oft hatte sie ihn schon gesehen. Und er tat, was sie alle taten, zumindest die besseren von ihnen, kam mit romantischem Gesülze, versuchte sie mit Lautenspiel bei der nächtlichen Wache zu beeindrucken und so weiter eben. Sie blockte ab, sobald Gespräche in diese Richtung verliefen, sie hatte weder an ihm, noch an den Kerlen die vor ihm oder nach Ihm kamen Interesse. Und nun, stand er da... durchlöchert von Pfeilen, und sie war starr. Es war nicht richtig, nicht gerecht. Er war ein Guter Mann, ein Guter Mensch. Er sackte nach hinten, sie weiß nicht wie sie es getan hatte, sie hatte wohl einfach reagiert, sie hatte seinen Körper abgefangen und bette seinen Kopf auf ihren Schoß. Sein Körper war mir Pfeilen gespickt, seine Augen waren weit aufgerissen, ein Rinnsal von Blut an seinem Mund. Sie sah zu den Schützen, doch dort lagen nur noch Leichen, und etwas weiter dahinter ihr Regiment, das sich durch die Feinde metzelte, ohne sich noch einmal um zu drehen. Sie saß da, mit Conners Kopf auf ihrem Schoß, und alles woran sie denken konnte war, das es anders hätte sein müssen. Sie hätte es sein sollen die da lag, nicht Conner. Ihr tot wäre kein Verlust für diese Welt gewesen, nicht im geringsten, während sein Tot, ein großes Loch riss, den die Welt, war nun etwas dünkler geworden.
Eine weile lang besah sie die Kerzen die zur Entnahme bereit lagen, und entschied sich dann für eine Rote lange Kerze. Natürlich musste sie Rot sein. Sie stellte sie zu den anderen ehe sie ein Schwefelhölzchen zückte. Er war ein guter Mensch gewesen, und somit so vieles mehr als sie war. Ein Guter Kampf, und ein Gutes Bier, das war alles was sie interessiert hatte vor diesem Tag. Wie konnte sie weiter Leben, wo er für sie gestorben war. Wie konnte sie diesem Opfer jemals Gerecht werden? Es war an diesem Tag, auf diesem Schlachtfeld, von Leichen und Aasfressern umgeben, das es nur einen weg gab Conners Opfer zu ehren. Indem sie jeden Tag versuchte, ein besserer Mensch zu sein als sie es gestern war, auch wenn sie sich sicher war, das sie nie an ihn heran kommen könnte. Alleine wenn sie es schaffen würde nur halb so gut zu sein, so würde sie die Welt zu einem besseren Ort machen, Zumindest hoffte sie das. Mit dem angezündeten Schwefelhölzchen entzündete sie die Rote Kerze und murmelte leise:“ Ich danke dir, und, es tut mir leid...“ Sie schluckte schwer und lies offen, was genau ihr den leid tat. Es waren viele Dinge. Mit eiligen Schritten verließ sie die Krypta, eine brennende Rote Kerze hinterlassend.
