Es waren schon einige Tage ins Land gezogen seit Thjorven mit seinem Gefährten Midirr das Dorf verlassen hatte. Nach dem Thing welches der Jarl einberief, packte das oberste Schwert das wichtigste für seine Reise zusammen und zog noch in der gleichen Nacht los. Ein Ziel vor Augen und auch seine Aufgabe stets im Blick, zogen die beiden durch die schneebedeckten Wälder. Mehr als einen Wochenlauf waren die beiden bereits unterwegs auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Nachts wurden provisorische Lager aufgebaut welche Ihnen Unterschlupf und Wärme für den Schlaf boten. Viel Zeit verbrachte das Schwert am Lagerfeuer und er schliff seine Klingen, polierte sein Trinkhorn und spähte die Umgebung aus. Er wusste es war nicht ganz ungefährlich alleine mit Midirr in den tiefen Wäldern, doch war er keineswegs unerfahren. Viele Schlachten überlebte der Hüne bereits und auch im Kampf war er ausgebildet worden, von seinem Rudel und den Anundr der Hinrah. Auf seinem Weg zum obersten Schwert der Sturmheuler wurden seine Waffen mehr als nur sein Werkzeug, sie wurden ein Teil des Wolfes. Der Schutz Midirr`s und seines Lebens wurden in dieser Zeit zur obersten Priorität. Er übernahm wie auch im Dorf die Nachtwachen, damit sein treuer Gefährte zur Ruhe kommen konnte und um Ihm etwas Erholung zu gönnen. Thjorven mochte die Wache, die Stille der Nacht und das Nutzen seiner Sinne. Jene Sinne welche er in etlichen Stunden der Lehren des Anundr schärfte. Die Spuren welche die beiden im Schnee hinterließen wurden sorgfältig verwischt um nicht unnötig viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch wenn sich doch ein Feind in die Nähe der beiden wagte, so war das diamantene Sax des Schwertes stets griffbereit.
Die letzten Tage blieben die beiden jedoch an der gleichen Stelle mitten im Wald und so nutzten sie auch das gleiche Lager vermehrt. Der wachsame, hellblaue Blick des Hünen lag auf den Bäumen welche an jener Stelle kräftig aus dem Boden ragten. Einer der Bäume fiel Thjorven ganz speziell ins Auge, ein wuchtiger, extrem breiter Baum aus Mahagoni. Das Schwert erinnerte sich an seinen Vater welcher als Holzhand viele Informationen mit seinem Sohn teilte. Darunter auch das Wissen dass Mahagoni Bäume ideal für den Bootsbau sind. Das Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht machte hier den Unterschied aus. Doch auch Eichen und Fichten hatten die beiden gefunden und auserwählt. Thjorven teile seine Jagdbeute regelmäßig mit den Waldgeistern und so vergrub er tagtäglich Nahrung an der Stelle wo die beiden zu arbeiten begannen. Mutwillig durften keine Bäume geschlagen werden, doch diese auserwählten schienen als wären sie ein Teil seines Weges geworden. Der Hüne ehrte seine Ahnen und die Geister mit der Jagd und dem Teilen der Beute. Nahrung für die Natur damit neue, kräftigere Bäume erwachsen können und diese ein neues Zuhause für die Waldgeister boten. Kleinere, rituelle Momente in welchen er sich seiner inneren Stimme hingab, etwas was Ihm die Ahnenruferin der Mandre über die Jahre beibrachte. Thjorven vereinte die Gemeinschaft der Sturmheuler in sich, nicht nur die Ausbildung als Schwert sondern auch von den Händen, Schamanen und Skalden konnte er vieles Lernen.
So wurde es Zeit sich der Aufgabe anzunehmen, er griff seine Axt und stellte sich vor den mächtigen Mahagoni Baum. „Stärke, Wille, Beherrschung“die Worte der Anundr gingen durch seinen Schädel und er begann die Axt einhändig gegen den Stamm zu führen. Erst mit rechts geführt, dann wurde die Axt in die linke Pranke gelegt. Immer abwechselnd begann er in einer schrägen Haltung gegen den Stamm zu schlagen. Beidhändig geführt würde der Vorgang viel schneller gehen und auch einfacher werden, doch das oberste Schwert hatte ein eigenes Ziel vor Augen. Sein persönliches Training welche er von seinen Lehrmeistern und Brüdern mitgenommen hatte. Etliche Tage verbrachte Thjorven bei dem Mahagoni Baum und schlug immer abwechselnd die Axt einhändig geführt gegen den Stamm, bis dieser endlich nachgab und zur Seite wegkippte. Midirr beobachtete das wilde Treiben aus sicherer Entfernung und behielt seinen Freund genau im Blick. Mit einem tiefen aufbrummen und einem stolzen Nicken gen Midirr, schulterte Thjorven seine Axt und atmete durch. Ein großer Teil war geschafft, doch die Aufgabe war noch längst nicht erledigt. Der gefällte Baum wurde sorgfältig von den Ästen befreit und auf eine ordentliche Größe für eine Person gekürzt ehe der Stamm auch in der Mitte der Länge nach zerteilt wurde. Der Baumstamm wurde ausgehöhlt und vorsichtig mit der Axt bearbeitet. Das Schwert besah seine Arbeit und nickte einige Male ehe er sich wieder ans Werk machte. Der geschlagene Baum war so gewaltig, dass er die restlichen Hölzer verwenden konnte um massive Planken zu formen. Kiel und Spanten bilden das Innenskelett des Boots und die Planken wurden je um eine weitere Spur vergrößert. Die Arbeit an diesem einem Baum ging über viele weitere Tage und auch die einziehende Kälte erschwerte es den beiden deutlich. Alte, traditionelle Tipps seines Vaters über das auflegen der Planken damit diese aneinandergedrückt werden konnten, halfen dem Hinrah Sohn bei seinem Tun. Und auch mit Baumharz und Hitze der Fackel konnte er mit dem verkleben beginnen, damit das Boot auch eines Tages wassertauglich und dicht werden konnte. Baumrinde wurden über die Planken gelegt und mit verklebt um mögliche kleine Luftlöcher zu verschließen. Bug und Heck wurden noch bearbeitet und nach fast sechs Wochenläufen konnte man zumindest ein Boot bei dem Anblick erahnen. Es war gewiss nicht schön, sondern man erkannte auf Anhieb, dass sein Erbauer ein grobes Schwert war. Doch würde es seinen Zweck eines Tages erfüllen, dessen war sich Thjorven sicher. Für das Segel wurde ein weiterer, kleinerer Mahagoni Baum gefällt und die größengerechte Einkerbung im Innenskelett gesetzt. Mit seiner Axt begann er den Mast abzurunden und gröbere Kanten abzuschlagen. In Wulfgard würde er sich um die Segeltücher kümmern und diese in gerechten Bahnen zuschneiden. Täglich wurde an dem Boot gearbeitet und zum Ende hin gab es nur noch kleinere Feinheiten zu bewältigen. Auch Midirr hatte Thjorven jeden Tag tatkräftig unterstützt und so verbrachten die beiden die Abende nahe der Feuerstelle und genossen den Anblick des Arbeitsergebnisses. Das oberste Schwert presste seinen Bärenschädel gegen den Kopf Midirr`s und meinte„Es wird Zeit für uns zurückzukehren, mein Freund!“Am nächsten Tag packte Thjorven alles zusammen und begann mit einem Seil das Boot für den Transport vorzubereiten. Eines der Seile wurde an Midirr befestigt und das andere schlang er sich selbst um die Schulter. Um seinen Gefährten zu entlasten zog auch das Schwert an dem Seil um das Boot zu bewegen. Auf dem Weg zurück würde das Bootgerüst gewiss einige Gebrauchsspuren erleiden, doch nichts was man in Wulfgard nicht reparieren könnte. So machten sich die beiden Bootzerrend auf den Weg nach Sturmouve, denn Ihre Rückkehr würde ebenfalls seine Zeit brauchen.