An diesem Abend soll es genau so geschehen.
Eng in dem Umhang geschlungen saß er am Lagerfeuer, mit dem Blick gedankenverloren in die glimmende Glut. Der Rotschopf wollte schon einfach vorbei ziehen. Ist es doch nur ein weiterer Kerl, der in der Kälte ausharrt, in der Hoffnung irgendwie Beachtung zu finden. Doch der Blick stockte, diese Gesichtszüge waren vertraut. „Der Schildmaid Segen!“ Raunte der rüstige Mann in ihre Richtung. Es war lange her, seitdem sie diese Stimme vernahm. Ewig schon, hat sie auf diesen Moment gewartet, Rache zu üben für diese schändlichen Worte in den Hallen des All-Einen, die einst aus seinem Mund flossen. Gefühlt ist es schon ewig her, doch solche Dinge werden niemals vergessen. Man hätte ihn direkt festnehmen sollen, als er den Glauben und Würdeträger in Frage stellte, doch herrschte zu große Nachsicht in dieser Tage, vermutlich immer noch. Sie wird diesen Umstand nun berichtigen, es zumindest versuchen.
Der Arm wanderte in eine Schonhaltung, sie wollte weiter treten, das Bein nachziehend. Worte der Provokation wurden ihm entgegen geschleudert, dabei wie ein verletztes Tier immer ein Stückchen weiter gepirscht. Der Plan ging auf, der rüstige Kriegersmann, in reiner Stoffkleidung, dachte an ein leichtes Spiel und so folgte er ihr. Sie wusste genau wohin sie ihn bringen wird. Sie spürte den Blick im Nacken, hörte die schweren Schritte im Schnee. Immer weiter drang sie in den Wald, bis das bröcklige Mauerwerk und der zerstörte Turm in Sichtweite gelang. Ein direkter Blick über die Schulter und sie rannte los, direkt in diese Ruine.
Dieser Ort war bereits einige male ihr Unterschlupf und Ort ihrer Machenschaften. Für sie hatten die maroden Möbel Bedeutung, viele verband sie mit Personen und Erlebnissen, wie eine eigene kleine Geschichte.
Schnell rannte sie die Treppen hinauf und kauerte sich an die Ecke genau über dem Treppenanstieg. Er wird ihr folgen, sie hörte seine Stimme bereits unter ihr. Das knarzen der Treppendielen und sein schwerer Schritt kündigten ihn an. In der Hand ihren Wegbegleiter, der sonst verborgen unter den vielschichtigen Lederlagen liegt, mit dem Knauf voraus stürzte sie auf ihn herunter, als er die Treppe ein Stück hinauf kam, direkt auf den Hinterkopf. Ein Schwanken, ein Schmerzensschrei, er fiel die Stufen hinauf. Doch reichte die Kraft des schmalen Rotschopfs nicht auf, direkt wirbelte er herum und sprang in ihre Richtung. Der Dolch in der Hand, die Spitze nach vorne... sie wollte nicht weg weichen. Sie wusste was passiert und das es schmerzvoll wird.
Mehrere dumpfe Aufschläge, doch krallte sie sich an den Dolch, sie darf ihn nicht verlieren, das war der einzige Gedanke. Sie purzelten und polterten, Schlugen sich die Gliedmaße ein auf dem Weg hinab. Ihr linker, ausgestopfter Handschuh flog einfach davon und offenbarte den Handstumpf.
Kurzzeitige Benommenheit, sie lagen Kreuz und Quer übereinander, doch die Hand hielt immer noch den Dolch, welcher benetzt von Blut war. Er schlug direkt nach ihr, sie hatte keine Chance dem zu entgehen, fiel nach hinten weg auf den Boden, gerade als sie den Oberkörper wieder aufrichten wollte. Erneute Benommenheit, doch konnte er nicht nachsetzen, der Dolch hat sein Werk getan. Eine klaffende Wunde an der Magengegend, die er direkt abdrücken musste. Sie versuchte sich schwer keuchend davon zu ziehen, sich mit Fußtritten von ihrem Widersacher zu entfernen. Wie eine Furie nutzte sie alles um Abstand zu gewinnen, fauchte wie eine Katze, mit Erfolg.
Ihre Atmung war schwer, nur mühsam kam sie wieder auf die Beine, die Glieder schmerzten, bereits jetzt war sie erschöpft, doch ihr Kontrahent hat es schlimmer getroffen. Er konnte sich nicht mehr hoch drücken, kniete mit der Hand auf der Wunde und brüllte ihr Wutentbrannt entgegen.
Nach kurzen Momenten starrten die dunklen Augen herunter auf seine Gestalt, sie hatte die Oberhand und das wusste sie. Der Mundschutz wurde gelöst und legte das schnaufende, leicht verschwitzte Gesicht frei. „DU!“ Schrie er ihr entgegen, er wusste genau wen er dort vor sich hatte und in dem Moment wurde ihm wohl auch bewusst, wieso er hier war. Mit Worten versuchte er sich zu erwehren, sich irgendwie noch heraus zu winden, sie abzulenken. „Was hat dir dein Erlöser gebracht?! Ein Krüppel bist du geworden!“ Seine Hand glitt mittlerweile von der Wunde weg, immer weiter, Stück für Stück, als wolle er nach etwas greifen.
„Damit haben sie nur meinen Zorn geschürrt... und somit Alatar gestärkt.“
Nachdem sie ihre Atmung wieder einigermaßen kontrollierte, setzte sie vorsichtige Schritte in seine Richtung, streunte wie eine Raubkatze vor ihm entlang und lauerte. Der Dolch war weiterhin in der Hand, wurde hin und her gedreht, wie in einem Taschenspielertrick.
„Dir zu dienen, heisst sich im Kampfe zu schulen, denn jene unbelehrbaren Ketzer werden zur Ankunft deines Reiches auf Erden gerichtet werden. Bedauerlich, das du dies nicht mehr erleben wirst.“
Sein Kopf sank ein Stück herab, er wusste wohl, das sein Ende bevorstand. Fassungslos schüttelte er den Kopf hin und her und murmelte nur benebelt vom Schmerz. „Wenn es so sein soll.“ In dem Moment schleuderte die Hand nach vorne, er griff tatsächlich nach etwas, ebenso einen Dolch, welcher direkt auf die Schulter der Schurkin zuflog und sich durch Gugel, Mantel und Lederrüstung bohrte. Zum Glück trug sie so viele Lagen übereinander, trotzdem wurde das Fleisch getroffen, wenn auch nicht alzu schwer. Sie wankte zur Seite, krachte gegen die Wand und jaulte vor Schmerz. Seine letzte Handlung und die Bewegung hat die Magenwunde nur noch schlimmer gemacht, das Blut quoll noch mehr hervor, er sackte nach vorne weg mit dem Oberkörper.
Zornesentbrannt schrie sie ihm entgegen, sprang wie von einer Tarantel gestochen auf seinen Leib und holte immer wieder aus, um die Spitze des Dolches in seinen Fleisch zu rammen. „SCHMERZ! SING! LEIDE!“ Er wischte mit seinen Armen umher, zwecklose Versuche sich zu erwehren. Mit jedem Stich weichte das Leben weiter, bis er keine Regung mehr von sich gab. Sie Stach und Stach, bekam nicht einmal mit das keine Regung mehr von ihm ausging, bis sie erschöpft und von Schmerz geplagt einfach zur Seite wegsackte, inmitten der mittlerweile großen Blutlache. Der Ledermantel ebenso überströmt davon konnte sie sich nur schwerfällig aus dem fanatischen Zorn befreien. Sie starrte seinen leblosen Leib an, einige Momente dauerte es, bis sie wieder zu sich kam und klare Gedanken fassen konnte.
Er wurde durchsucht und beraubt, bis sie genug Kraft hatte, um ihn zu einen der zahllosen Löcher zu schleifen, die sich zwischen den Bodendielen auftaten. Dort versank sein Leib, irgendwo im Nirdgendwo. Wohin diese Löcher führten, wusste sie nicht. Hauptsache der Leib ist weg. Zurück blieb nur der Rotschopf, welcher mit einem Lächeln herunter blickte, in der Hoffnung das ihr Herr Notiz von diesem Abend nahm und das ein Ketzer weniger auf der Welt wandelt.

Sie sammelte den gefütterten Handschuh wieder auf, ein flüchtiger Blick auf den Handstumpf und doch gewisse Unzufriedenheit über diesen Zustand. Ist es doch eine große Beeinträchtigung, wie sie an ihren Wunden erneut feststellen musste, die sie die Tage darauf lecken musste.
