Sie erwachte...

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Leith Llastobhar

Sie erwachte...

Beitrag von Leith Llastobhar »

Leith saß zusammengesunken auf einem Stein kurz vor der Küste, halb im Gras, halb im Sand versteckt, nahe dem weiten Meer, auf das er nun schon so unzählige Male gestarrt hatte. Des Nachts, wenn niemand sonst hier war. Des Nachts, wenn ihn diese Träume plagten.

In seinem Kopf spielten sich noch einmal die letzten Stunden wieder:
Una war wieder aufgewacht.

Zuerst hatte sie nur kurz mit den dünnen Fingern gezuckt, dann hatte sich langsam die Brust auf und ab bewegt.
Mehr als zuvor waren nun ihre Atemzüge zu bemerken, scheinbar kräftig genug um dem kleinen Körper Leben einzuhauchen.

Dann - Die Pupillen regten sich unter den Augenlidern, wie in einem Traum. Fieberhaft glitten sie hin und her, scheinbar wild nach etwas suchend.
Leith zog unterdess sein Kopftuch ab und knüllte es in den Händen hin und her. Sie musste es schaffen...

Und noch bevor er seinen Gedanken richtig zuende denken konnte hoben sich die Hände Unas nach oben, schnappten nach Sorchas Hand und keuchend, voller Schrecken im Blick wisperte sie in heiserem Ton einen Namen.

Kailen.

Sie hatte von ihm geträumt... und sie wusste, dass er hier war, auf Gerimor.

Wie von einem heißen, sengenden Blitz getroffen wich Leith plötzlich zurück und kauerte sich an die Wand. Gedankenfetzen und Erinnerungen aus den Träumen schossen ihm durch den Kopf. Konnte das sein?
Kailen... das brennende Schiff
Und dann Una, der fallende Engel...

Hatte es alles einen Zusammenhang?

Dann stand er zitternd auf, die Augen in Tränen getränkt von seiner Fassungslosigkeit, der kalten Angst, dem unbekannten Grauen in seinen Träumen. Er schritt zur Tür, hörte nichtmehr auf irgendwelche Worte. Er musste nachdenken, nachdenken über die Zusammenhänge.

"Sucht nicht nach mir, ich komme schon wieder"

das waren seine letzten Worte gewesen, bevor er durch die schweren Eisentore des Konvents hinaus in die Nacht stürmte.



Und nun saß er hier auf diesem Felsen, dem starren, kalten Gebilde aus Stein.
Wieder stellte er sich vor wie es wäre frei über den Wolken und über dem Wasser dahinzufliegen.
Doch noch bevor er sich richtig in seine Vorstellung hineinversetzen konnte, brannte sich die Erinnerung stechend zurück in seinen Verstand.

Er hatte von Kailen geträumt. Nur wenige Tage bevor Una beinahe gestorben wäre.
Das konnte kein Zufall gewesen sein. Kailen musste in genau diesem Moment Gerimor betreten haben.
Und der Traum von Una war ebenfalls kein Zufall. Doch wieso und warum kamen diese Träume genau zur selben Zeit?

So wäre es doch Leith lieber gewesen, er hätte Schlimmes verhindern können, indem er schon vorher wusste, was geschah.

Er kam zu spät. Zu spät um Una zu retten.



Hatte Kailen vielleicht etwas mit dem ganzen zu tun? Hatte er Una vergiftet?
Nein. Cathal hatte ihr das Brot von der Armenspeisung gegeben... und er hätte Kailens Gesicht erkannt, wenn dieser etwas gespendet hätte. Zaubern konnte er ja wohl unmöglich, so dass sich vielleicht sein Gesicht vor Cathal hätte verbergen können... und Freunde hatte er hier wohl auch noch keine.

Oder etwa doch?


Leith rutschte seinen großen Reiserucksack ein wenig zurecht, als ihm plötzlich etwas einfiel.

"das Buch!"

Und in der nächsten Sekunde hatte er es auch schon hervorgezogen und blätterte hastig auf der Suche nach irgendetwas.

"Warum ist mir das nicht gleich eingefallen?"

Und dennoch wusste er nicht, wieso es ihm überhaupt eingefallen war. Scheinbar ohne Grund blätterte er in dem Buch mit dem dunklen Einband.
Dann, wie aus dem nichts, fiel ihm eine Seite auf, die er vorher nie beachtet hatte.

Anhänge, Anmerkung 7, C
der Rest war verwischt und nicht lesbar, doch darunter stand ein Text.

"Das Buch, welches Aufschluss über die Artefakte gibt in seiner ursprünglichen Fassung sei von Niemandem unter keinsten Umständen zu öffnen, so er sich nicht auf ewig dem Fluch..."

der Rest des Textes war ebenfalls verwischt.
Eine kleine Notiz war am Rande der Seite zu erkennen, doch Leith konnte sie im Licht des Mondes kaum lesen.

"Habe es geschafft den sehenden Schlaf in das Buch zu sperren - C.L."


Leith stockte der Atem.
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Sorcha Llastobhar
Beiträge: 84
Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37

Beitrag von Sorcha Llastobhar »

Sie öffnete die Augen, sie verkrampfte sich in Sorchas Hand, welche Una sanft entgegendrückte, damit sie sich nicht zu sehr belastete. Es war mehr Instinkt gewesen und als Una die Hand umklammerte, war sie nicht minder verwirrt wie danach, als sie die Worte genannt hatte. Kailen. Er war also hier, und er suchte sie … wen suchte er? Una? Sie alle? War er am Ende gar verantwortlich für diese Tat? Sie schüttelte den Kopf nachdenklich. Kailen. Immer wenn sie diesen Namen in ihrem Kopf wiederholte, erschauderte sie leicht, und eine Gestalt, die sie selbst nie gesehen hatte, aber in ihren Gedanken bereits eine Form angenommen hatte, tauchte vor ihrem geistigen Auge auf. Dieser Mensch, bei dem alles begonnen hatte, jener Mensch der das Konzept der Reinheit mit sich führte. Sie wusste nicht viel über ihn, ihre Mutter hatte sich immer verhalten darüber geäußert, sie wollte nie zuviel über jenen Menschen reden, der für Sorcha die Wurzel vielen Übels war.

Er war also hier, er war auf Gerimor. Una hatte es selbst gesagt, und woher sie auch immer diese Ansicht zu haben schien, in ihrer Ohnmacht musste irgendwas geschehen sein und Sorcha vertraute diesen Worten ohne wirklich darüber nachzudenken. In diesen Sachen war Una ihr weit voraus, war klüger und intelligenter als Sorcha es jemals sein würde und daher dachte sie nicht im Träume daran, in ihren Worten nach Unsinn oder Fehlern zu suchen. Sie hatte sich am gleichen Abend noch aufgemacht, die Waffe gescheidet und war durch gerimor gewandert, durch die nahen Dörfer, durch Bajard, Berchgard und am Ende auch noch einmal durch Varuna. Die ganze Nacht war sie unterwegs gewesen, hatte nicht geschlafen und die eh schon vorhandene Müdigkeit schien wie ein dunkles Tuch um sie gelegt, bis sie es irgendwann aufgab. Kailen war im Land und Sorcha war bestrebt ihn zu finden … und ihn daran zu hindern zu den anderen zu kommen. Was immer er wollte, was immer er vorhatte, es konnte nichts Gutes sein und sie würde dafür Sorgen dass sich die anderen nicht einmal Sorgen darum machen mussten, was wohl passieren würde wenn er sie finden würde.

Sie lag nun im Bett des Kastells, schloss die Augen und gab sich der erdrückenden Müdigkeit hin.

„Ich finde dich Kailen. Ich finde dich und dann zeige ich dir was ich von deiner Reinheit halte und dann stell ich dir die Fragen die ich habe …“
Leith Llastobhar

Beitrag von Leith Llastobhar »

Er las und las... verlor sich in den Seiten, blätterte wieder nach vorn, suchte fieberhaft.
Wo stand es nur? Es musste dort stehen.
Mit schlaffen Lidern und dicken Rändern unter den Augen saß Leith neben dem Stein, welcher die größte Hitze durch seinen Schatten von ihm abhielt.
Wo war die Zeile, die Überschrift, das Kapitel...
Der Text über den "sehenden Schlaf"

Er musste doch irgendwo in diesem Buch zu finden sein. Was war der sehende Schlaf? Etwa das was Leith mit Una und Kailen verband? Konnte er im Schlafen etwas sehen? Etwas das gerade geschiet?

Weshalb war die Notiz unter der Anmerkung über den Fluch geschrieben?
War dies der Fluch? Sehen zu können was geschiet?

Leith hielt es eher für einen Vorteil, doch sein Gewissen sagte ihm, dass die Insignien C.L. nichts gutes zu bedeuten hatten.
Alassea

Beitrag von Alassea »

Sie atmete auf als Una die Augen aufschlug, der Name Kailen war ihr nicht unbekannt, auch wenn sie grösstenteils schon vergessen hatte was Una ihr von ihm berichtete. Leise zog sie sich zurück in ihre Heilerstube, sie wusste das sie da jetzt nichts mehr verloren hatte bei Una, irgendwie sagte ihr Gefühl ihr das die Näherstehenden jetzt eher besser für Una waren als sie selber die ja sonst kaum jemanden der Familie sah, ausser Sorcha. Es war jetzt überstanden, den Rest schaffte Una selber und Angelina würde sicher auch die Nachuntersuchung durchführen.

Müde legte sie sich in das leere Krankenzimmer in eines der Betten und seufzte tief. Sacht legte sie eine Hand auf ihrem Bauch und döste langsam ein. Im Traum gingen ihr die Worte über Kailen die Una gesagt hatte durch den Kopf, aber sie konnte es ja doch eh nicht ändern, man würde eh eher Cathal, oder Leith oder sonstwen zur hilfe rufen, wenn was wäre. Zu ihr würden sie eh nicht kommen, warum denn auch? Sie war nur eine kleine Heilerin die nichtmal Patienten hatte, geschweige denn Kunden für ihre Tränke, ausser einem Schmied.

Jener hatte ihr einen Kredit gegeben damit sie Thancred bezahlen konnte und er kaufte bei ihr immer mal Tränke oder machte ihr Flaschen. Sacht lächelte sie im Schlaf.
Tara Llastobhar-Naweya

Beitrag von Tara Llastobhar-Naweya »

Sie war wieder aufgewacht. Endlich. Endlose Erleichterung.
Sie hatte von Kailen berichtet. Erschrecken.
Er schien in Unas Träumen aufgetaucht zu sein. Sorge.
Er sollte hier sein, in der Nähe. Angespannte Erwartung.
Er suchte die Familie. Wut!?

War ER Schuld an Unas Zustand? Oder nützte er ihn nur aus? Beides denkbar, beides möglich.
Kailen... Der eine Gedanke wurde immer mehr Gewissheit. Er hatte wirklich...
Er würde kommen und ihrer Familie schreckliches antun wollen.
Sie waren alle in heller Aufregung. Düstere und erschrockene Gesichter um sie herum.
Sie schienen alle ihre Erfahrungen mit ihm gemacht zu haben.
Kailen, wenn du mir in die Finger kommst...
Erschrocken über sich selbst. Solche Gedanken hatte sie noch nie gehabt. Wut. Rache.
Sie überspielte es. Kümmerte sich um Una. Versuchte sich abzulenken. Doch ab und an spürte sie es wieder eisig in ihr hochkriechen.
Rache... Wut.... Hass...
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