
Die Heilige Stadt Rahal – sie liegt in dunkler Schwärze.
In ihren Gassen frieren sich nur noch die Wachmänner zu dieser Nachstunde weit über die Mitternacht hinaus die Zehen ab. Fast friedlich schlafend liegt sie da. Die meisten Bürger liegen in ihren Betten, die Kähne still im Hafen. Eisblumen bilden sich am Fenster, denn in dieser Nacht hat der Frost die Stadt in ihrer frostigen Hand. Nur in den Kaschemmen am Hafen flackert noch die ein oder andre Kerze kraftlos und kämpft gegen die Dunkelheit. Leichtes, dämmriges Licht ist an dessen Fenstern zu sehen.
Ein Matrose stürzt durch die offene Tür dieser Kaschemme, der Harn drückt auf seine Blase. Während er sich entleert blickt er gen Firmament und er erblickt, was ihm die Lebensfreude schon eine Weile verdirbt. Dieser verdammte Riss, der sich einst auftat, ward immer noch dort, niemand war mächtig genug etwas dagegen zu tun. Er stößt auf und blickt etwas hinunter, dort, oben auf den Felsen des Bergs, sah er die dunklen Umrisse der Burg des Ordens, die sich vage vor dem tief stehenden Mond abzeichnete.
Dies Bild weckte in ihm keine Emotion, keine Ehrfurcht. Er sah nur Stein, schon Jahre hatte man kaum oder wenig von dem Orden hoch oben am Berg gehört. Sie verloren ihre Bedeutung, ihre Ränge und spielten keine Rolle mehr in Rahal. Er sah nur ein kleines Licht, das sich durch die finstre Nacht zu seinem Auge kämpfte, oben am Balkon. Das Licht zuckte auf, er schüttelte sich etwas und wandte sich wieder der Tür zu.
Was er nicht sah, war die in schwarz gehüllte Gestalt mit dem alten Artefakt Stab, welche voller Gram und Hass auf die Stadt hinabblickte, neben ihm eine erkaltende Feuerschale, in der nur noch die Glut glimmt.
Zur gleichen Zeit auf der Ordensburg
Macht und Stärke grüßten Sie oder Adavens Segen. Ha! Armselig, was war von den alten Geschichten übriggeblieben. Kein Einfluss, keine Macht die sich über die Burg erstreckte übten sie aus. Sie waren beschlagen mit dem Wissen von vielen Jahrzehnten, doch die Taten waren wenige, zu wenige, wenn es um ihn ging. Es grämte ihn sehr an diesem Abend. Es reicht!
Brodelnder Zorn stieg in ihm auf. Ihn lechzte nach Macht, der in den alten Büchern besagt wurde. In den Zeiten, in denen sich die Kopfblinden vor den Arkorither fürchteten. Die Zeit ward nun bereit, in den Tagen, in denen die Welt an der Klippe zum Ende stand.
Eine gewaltige Dissonanz erschütterte das Lied. Er konnte es nicht halten. Die glimmende Glut formte sich zu einem lodernden Feuer auf. Und er begann zu schreien, „Die Zeit ist gekommen! Hörst du!“, er schrie, bis er atemlos zusammenbrach.
Die Schreibfeder kratzt über das Pergament. Es flackern Kerzen am kleinen Tisch in der Bibliothek. Darüber beugt sich der Greis, mit zittriger Hand bringt er folgende Worte auf das Papier brachte. Jedes einzelne Ordensmitglied, wird eine solche kurze Nachricht in ihrem Fach finden.
Schwestern und Brüder,
die Zeit ist gekommen, wir führen die Arkorither wieder zur alten Macht und darüber hinaus. Es wird uns nichts aufhalten.
Erscheint am fünfzehnten Lenzing um die achteinviertelte Abendstunde im Hörsaal.
Gezeichnet