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Der Lichtbringerin Segen Sir Heinrik
Es fällt mir nicht leicht, diese Zeilen zu verfassen, immerhin sind wir schon einen langen Weg gemeinsam gegangen. Noch gut erinnere ich mich an den Tag, an dem ich die Ehre hatte, Euch in den Stand des Ritters zu erheben.
Umso betrübter bin ich ob der Nachrichten die den Palast, in Bezug auf Angelegenheiten an denen Ihr beteiligt wart, in den vergangenen Monden erreicht haben. Die genauen Begebenheiten muss ich nicht näher erläutern, werden sie Euch doch ob der Brisanz gewiss noch sehr gut in Erinnerung sein.
Wie Ihr wisst, ist es die Aufgabe der Ritterschaften Alumenas, das Volk zu leiten sowie Vorbild in Tugend und Rechtschaffenheit zu sein. Teil dieser Aufgabe ist es auch, maßvoll zu entscheiden, wohldurchdacht zu sprechen wie auch zu schreiben und stets das Wohl des Ganzen im Blick zu behalten. Die Briefe und die Nachrichten die uns sowie seine Majestät ob Eures Verhaltens erreichen, zeugen jedoch nicht von dieser unabdingbaren Besonnenheit im Umgang mit jenen, die euch zum Schutz anvertraut wurden, noch mit jenen die in ihren eigenen Pflichten und Privilegien an der Seite der Ritterschaft stehen.
Sei ob Eurer Herkunft aus Winterfall noch die ein oder andere Unbeherrschtheit erlaubt und womöglich sogar erwartet, so ist Euer Verhalten mittlerweile spürbar eine Belastung für die Ritterschaft Lichtenthals geworden. Die Nachrichten die seine Majestät erreichten, liessen immer wieder auf verlorenes Vertrauen in die Entscheidungen und Worte der Ritterschaft, namentlich Euch, schließen. Wohl wissen wir, dass ein Ritter nicht stets entscheiden kann, was einem jeden gefällt. Doch steht es keinem Ritter gut zu Gesicht, das Vertrauen derer, über die er wacht verloren zu haben.
Aus diesem Grunde entschied seine Majestät nach Vorlage und Prüfung des gesamten Schriftverkehrts der letzten Monde, dass Ihr Sir Heinrik mit sofortiger Wirkung eure Adelsinsignien und Euer Ritterornat für die Dauer von vier Wochenläufen niederzulegen habt. Im Anschluss wird seine Majestät bei seiner Rückkehr nach Gerimor im persönlichen Gespräch mit Euch die Vorgänge erörtern, Euer Wort anhören und über die Zukunft entscheiden.
In dieser Zeit ist es Euch nicht erlaubt im Namen der Ritterschaft zu sprechen oder zu handeln. Es ist Euch nicht erlaubt Euren Titel zu führen, Eure Rüstung, Euer Schwert oder Euer Wappen zu tragen. Euer Dienst im Lichtenthaler Regiment bleibt davon unberührt. Ausgenommen von einer persönlichen Abschrift zu Händen von Lady Helisande, wird es keine öffentliche Verlautbarung über die Niederlegung Eurer Insignien und Eures Titels geben. Seid jedoch versichert, dass das Anliegen dadurch nicht weniger ernst ist. Seine Majestät ist überzeugt, dass Ihr mit diesem Entgegenkommen entsprechend umzugehen wisst.
Ich trage die große Hoffnung, dass Ihr die Zeit nutzt um Euch neuerlich darauf zu besinnen, was vor einigen Jahren erst zu Eurer Schwertleite führte. Adel verpflichtet. Die Annahme des Schwertes umso mehr. Euch wurde kein Privileg übertragen, sondern eine Aufgabe. Sie besteht nicht darin, ohne Rücksicht, ohne Kompromiss, ohne diplomatisches Geschick oder den Blick zu jenen die neben Euch stehen, durchzusetzen, was ihr für Notwendig erachtet, selbst wenn es das Vertrauen, die Zuversicht und die Verbundenheit aller kostet die um Euch sind.
Auf Wunsch seiner Majestät soll Euch Lady Helisande in dieser Zeit der Besinnung begleiten und Euch als Beispiel dienen. Auf dass Ihr wieder zu den Werten zurückfindet, die Euch einst ausmachten, als Ihr durch meine Hand den Ritterschlag erhieltet.
Mein freundliches Wohlwollen und was ich sonst mehr Gnädiges vermag
Gräfin von Liliensee