Jedes Mal als Meliora an der Zunft vorbeiging, presste sie die Zähne aufeinander. Es behagte ihr nicht. Eine Handwerkerzunft mit kaputten Dach. War es so weit mit Bajard nun gekommen?
Als sie nach Gerimor gekommen war, hatte sie sich in das urige Fischerdörfchen verliebt. Die rauen aber herzlichen Bewohner mit ihrer entspannten Art. So viele unterschiedliche Besucher und Bekanntschaften und auch so mancher Ärger lockte der Freihafen an.
Und jetzt Bajard sah so müde und erschöpft aus wie sie es noch nie erblickt hatte. Alle Dächer mit Reed und Stroh waren beschädigt, nur wenige Privathäuser repariert. Die Zunftsitzung, in der die Reparatur besprochen wurde, war auch schon weit entfernt.
Meliora fasste sich ein Herz und hang die Terminliste ohne viel Hoffnung auf, doch ganz langsam und stetig füllte sie sich. Die Laune stieg. Vielleicht bekamen sie doch so zwei oder drei Helfer zusammen um zumindest die beiden Gemeinschaftshäuser der Zunft und der Wacht zu reparieren. Überall im Wasser schwamm noch Unrat und Bruchholz. Es war schrecklich anzusehen.
Der Termin nahte. Die Reed- und Strohmatten waren mühsam geflochten. Alle Holzbretter, die sie hatten geprüft und gestapelt. Weiteres Reed und Stroh als Füllmaterial in Ballen dazu gelegt.
Ungeduldiges Warten am Zunfthaus und da kamen sie, erst Eine dann der Zweite und rasch waren sie sechs Mann. Das war viel und Costa meinte noch es kämen mehr Helfer. Bajarder und Freunde griffen sich tatkräftig das Material und begannen.
Meliora war verblüfft. Es wurden immer mehr Helfer und nicht weniger mit der Zeit und sie konnte die Leute dann auch rasch für die eigenen Hausdächer einteilen. Die Helfer sollten ja etwas von der Mühe haben. Sei es auch einfach keinen Regen mehr im Haus. Bajard bekam wieder alten Glanz. Etwas Heimeliches und Altbekanntes machte sich wieder breit.
Bajarder, die zusammen hielten und gemeinschaftlich arbeiteten. Ein Hauch der guten Bajarder Zeiten lag in der Luft.
Die Zahl der Helfer und ihr Elan war beflügelnd und zu späterer Stund' waren die Gemeinschaftsorte und die Dächer der Bajarder Helfer alle wieder fast wie neu. Müde gingen Einige zu Bett und Andere kamen noch zu einem kleinen Feierabendtrunk in den Oger für ein paar letzte gemütliche Worte in geselliger Runde.
Erschöpft und überglücklich ginge die junge Schneiderin zu Bett.
Das war ihr Bajard.
Das Bajard, was sie so lang vermisst hatte.