am heutigen Abend hat mich unser ehrenwerter Kalif dazu berufen am 2. Wochentag des kommenden Wochenlaufes einmalig Wache im Palast zu halten während die Esra dort ankommen und gebührend begrüßt werden wird. Einen neutral gefärbten Wappenrock werde ich noch auf Geheiß des Kalifs organisieren. Allerdings muss ich dich noch bitten, mich kurzfristig darüber in Kenntnis zu setzen, was es an jenem Abend für mich zu beachten und tun gibt, damit ich meinen Dienst im Sinne des ersten Hauses abhalten kann. So es dir möglich ist, kann ich dich dahin gehend am ersten Wochentag ab dem 17. Glockenschlag treffen, oder aber am zwoten Wochentag zwischen der 17. und 19. Tagesstunde, so es dir da möglich sei. Sollten beide zeitlichen Rahmen nicht realisierbar sein, bitte ich dich ausnahmsweise um eine kurze schriftliche Einweisung.
Stirnrunzelnd glitt der Blick des Sajneen über die Zeilen. Es dauerte eine ganze
Weile, ehe er das Schreiben kopfschüttelnd zur Seite legen und einen klaren
Gedanken fassen konnte. In den letzten Tagen und Wochen geschahen
so viele seltsame Dinge in der goldenen Stadt. Freunde schienen zu Feinden
zu werden und treffender als es Jusuf einst sagte, hätte er es auch nicht
in Worte fassen können. "Was heute noch gilt tut es Morgen nicht mehr."
Ahmad sollte eine kleine Notiz unter dem Schreiben finden. In der bekannten,
leserlichen Handschrift schrieb er - heute, fünfte Stunde nach dem Mittag -
als Antwort auf Ahmads Anfrage hin nieder.
Irgendetwas musste passiert sein, anders konnte er es sich neda erklären.
Nach einem kurzen Durchatmen und einem wirklich widerlichen Mocca nahm
er Tinte und Feder zur Hand, um ein offizielles Schreiben an den Befehlsgeber
Ahmads zu adressieren.
Ein Schreiben wird von einem Janitschar an den Palast überbracht:
"Salam Aleikum, ehrenwerter Kalif Tahir Kemal aus dem ersten Hause Omar,
mich betrübt es, Euch diese Zeilen zukommen lassen zu müssen. Mein Jijkban
Ahmad Fadlan aus dem Hause der Azeezah trat mit der Bitte an mich heran,
ihn für den morgigen Tag als Palastwache zu unterrichten, da er von der ersten
Familie selbst dazu berufen wurde. Natürlich werde ich dem Wunsch des Jijkban,
geäußert durch das erste Haus des goldenen Reiches, nachkommen. Dennoch war
solch ein Vorgehen in der Vergangenheit neda üblich. Wenn ich hier also nun
neue Verlautbarungen neda mitbekommen habe oder sie neda verinnerlicht
habe, so bitte ich um Nachsicht. Andernfalls war es sonst die Aufgabe des Sajneen,
auf Nachfrage des ersten Hauses, eine geeignete Wache abzustellen. Die direkte
Wahl einer Wache ohne Rücksprache mit dem Sajneen gehörte bisher neda zur
gängigen Vorgehensweise.
An dieser Stelle muss ich mich und durch diesen Brief nun Euch fragen, ob es
irgendwelche Gründe gibt, dem Posten des Sajneens diese Entscheidung zu entziehen?
Bin ich in Person meinen Pflichten neda nachgekommen oder habe das erste Haus
derart verärgert, dass mir die Befehlsgewalt über jemanden der Janitschare
entzogen wird? Mir ist keinesfalls daran gelegen, das erste Haus zu verärgern
oder ihren Wünschen neda nachzukommen. Dennoch fühle ich mich in der hohen
Funktion als Wesir der Streitkräfte der goldenen Stadt übergangen und
finde, so sehr auch auch darüber nachdenke, keine Erklärung.
Natürlich lege ich den Posten nieder und überlasse die Auswahl und Führung
der Janitschare selbstverständlich dem ersten Haus, so dies mit jener Berufung
gewünscht ist. Andernfalls, sollte das erste Haus weiterhin bestrebt sein, sein
Vertrauen in meine Fähigkeiten zu legen, bitte ich an dieser Stelle darum, bei
künftigen Wünschen informiert zu werden und es neda durch meinen Jijkban zu
erfahren. Ich verweile stets erreichbar in der goldenen Stadt und melde mich,
so es Dinge außerhalb zu erledigen gibt, auch stets von den Diensten ab.
Es kann also neda an meiner Erreichbarkeit scheitern.
Sajneen des Reiches der Sonne.
Maleem der Palastwachen"
*In den frühen Abendstunden erreicht die Nachricht des Sajneen die
Amtsstube des Erhabenen und Kalifen... Er wird das Siegel brechen, das
Pergament auffalten und beginnen die ersten Zeilen zu lesen... Hier und
da erfolgt ein seichtes nicken ehe er murmelt 'Aiwa, das habe ich ihm
aufgetragen' und so liest er weiter... Bei den Worten 'In der Vergangenheit
neda üblich' stockt er und zieht seine linke Braue eine Nuance empor..
Er verharrt kurz bei dieser Zeile, ein leises 'hm' ertönt, seine rechte Hand
wird angehoben und bevor er fortfährt streicht er sich einige Male durch
den Bart... Bei dem darauffolgenden Satz erhebt sich nun auch die zweite
Augenbraue... Abermals beginnt er zu murmeln 'Soso...' Während der
letzten beiden Absätze schieben sich die beiden Brauen bedrohlich
zusammen ehe sich die Stirn im Anschluss lediglich in Falten legt und
einige Moment über den Inhalt sinnieren wird...
Erst dann greift er zu Federkiel und Tinte und beginnt eine Antwort zu
verfassen... Es mag auffallen, dass direkt bei der Ansprache nur ein
schlichtes 'Sajneen' zu erkennen ist... Ansonsten wirkt das Schriftbild wie
gewohnt ordentlich...
22. Cirmiasum 262
- Menek'Ur
Sajneen
Ehe ich auf dein Schreiben eingehe möchte ich mich auf diesem Wege
erkundigen, weshalb ich vor dem gestrigen Abend kein Schreiben von dir
erhielt in dem Du dich aufgrund deiner Verpflichtungen abmeldest. Es
war in der Einladung von allen Bediensteten des Palastes die rede und
dazu gehört, so sehe ich das zumindest, auch der Maleem der Palastwachen!
Das du nun im Anschluss an diesen Abend und meiner Anweisung an den
Jijkban Ahmad verstimmt bist ist nicht nachvollziehbar. Ich möchte dich
auch wenn Du als Sajneen des Reiches der Sonne der Befehlshaber der
Janitschare bist daran erinnern, dass dieser Palast, seine Bediensteten und
auch die Armee unter der Führung des Erhabenen und meiner Person
stehen... Wenn wir also in deiner Abwesenheit und das trotz Einladung
eine Anweisung erteilen, ohne dich vorher darüber zu informieren, dann hat
das in diesem Augenblick einen oder vielleicht auch mehrere Gründe.
Diese kann ich dir auch gerne benennen:
1. Präsenz der Palastwachen & Schutz der Esra bei ihrer Ankunft
2. Die angeordnete Tätigkeit ist für die Ausbildung des künftigen
Charim Jijban Ahmad Fadlan Azeezah förderlich
Selbstverständlich hast Du und das möchte ich an dieser Stelle noch
einmal erwähnen, unsere Anerkennung und auch weiterhin unsere
Unterstützung und Respekt für deine Dienste am Reich der Sonne.
Sollten deinerseits noch Fragen zum vorliegenden Fall aufkommen,
gestatte ich dir die Palastschreiberin zu kontaktieren um einen Termin zu vereinbaren.
Mit einem weiteren Stirnrunzeln las er Zeile für Zeile. Ein kurzer Blick schweifte
auf die noch aktuell scheinbar gültige Niederschrift der Ansprachen. Die
Fingerspitze des rechten Zeigefingers hielt dann beim Schriftzug "Kalif" an.
Er hatte sich nicht in der Ansprache vertan. Ein kurzes Zucken des rechten
Mundwinkels, dann ein neuerlicher Blick auf das Schreiben. "Dann ist das wohl so..."
raunt er eher leise vor sich hin. Sicher, er hatte sich nicht am Putzen des Palastes
beteiligt, sondern den Hafen und dessen Umgebung auf mögliche Schwachstellen
und Gefahren überprüft. In diesem Punkt hatte der Kalif Recht und er würde sich zu
ungebrachter Zeit dafür persönlich entschuldigen. Der Rest des Schreibens wird zur
Kenntnis genommen und findet seinen Weg auf den Ablagestapel.
die erhabene Esra erreichte pünktlich und wohlbehalten den Hafen Menek'Urs in Begleitung eines Janitschars. Der zunächst offenbar erwartete Empfang seiner Erhabenheit höchst persönlich musste aufgrund höherer Pflichten unseres Emirs spontan ausfallen, sodass Akemi Sabri und Basinah mit mir zusammen die Esra alleine ohne Zwischenfälle bis zum Palast geleiteten. Ich gab der Esra af dem Weg, auf ihren Wunsch hin einen ersten Eindruck von der goldenen Stadt, indem ich ihr einige prominente Gebäude und Ansprechspersonen nannte. Am Palast ward unsere Esra von der Familie Omar samt Dienerschaft herzlichst empfangen. Dort befreite ich die Akemis von ihrer Aufgabe, die sie zu meiner Zufriedenheit erfüllt hatten. Besonders positiv überrascht bin ich von Akemi Sabri, da er den Unterricht dazu bisher noch nicht hatte, sich aber während der vorangegangenen Kurzeinweisung durch meine Person sehr interessiert zeigte und das frisch Gelernte dann in der Praxis auch direkt umsetzen konnte. Im Palast selbst verlief alles dann auch ohne Zwischenfälle und mein Dienst wurde kurz vor der 22. Tagesstunde vom ehrenwerten Kalifen beendet, der sich für meinen Dienst bedankte und seine Grüße an dich ausrichten lässt.
Ma'Salema!
gez. Jijkban
Zuletzt geändert von Ahmad Fadlan Azeezah am Dienstag 23. Juli 2019, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.
Unter dem Schreiben des Jijkban wird eine kurze formlose Antwort verfasst.
Salam Aleikum Jijkban,
dhabir für deine zuverlässige Ausübung der Pflicht. So hat sich aiwa unsere Vermutung
eines reibungslosen und gefahrlosen Ablaufs des Abends erfreulicherweise bestätigt.