Es war gerade die Nacht herein über Varuna eingebrochen. Die meisten Bewohner schliefen und nur wenige Gestalten trieben sich zu dieser Zeit noch wach. Eigentlich war das kleine Trainings- und Kampfhaus um jene Zeit auch eher unterbesetzt. Auf dem kleinen Balkon stand eine Gestalt, angelehnt an einen der festen Holzbalken und blickte etwas über die Dächer der kleineren Häuser Varunas hinweg. Ihr weißes, helles Haar hing ihr in einem kleinen Pferdeschwanz im Nacken und die nachdenklichen Augen, welche mit ihrer hellblauen Farbe dem bleichen Gesicht gut entsprachen, fixierten einige Punkte. Feine Schweißperlen glänzten auf ihrer Stirne und der frische Windzug tat ihr recht gut, als er ihr um das Gesicht wehte. Ihr Hemd klebte an ihrem Körper und ihr Brustkorb hob und senkte sich etwas schneller. Sie war eindeutig außer Form, das hatte sie die letzten Tage festgestellt. Das Leben auf der Insel war zwar auch nicht gerade ereignislos gewesen, doch in ihrer Position als Leutnant der Garde hatte sie es sich gerade in den letzten Wochen etwas bequemer gemacht. Nun war das wohl die gerechte Strafe für ihre kleine Faulheit, doch bereute sie es immer noch nicht, jenen Schritt unternommen zu haben. Varuna war eine Stadt für sich, größer als die kleinen Städte und Dörfer auf der Insel und weitaus lebendiger, etwas was Sorcha lange nicht mehr so richtig erlebt hatte. Daheim kannte man sich, sie war als Leutnant Llastobhar bekannt und nunja, man scherzte, war locker und ging auch immer gerne mit den Anwohnern einen Trinken, doch dies hier war eine Stadt, wie sie schon fast an Anonymität gewann und irgendetwas daran faszinierte sie. Sie streckte sich ausgiebig und spürte dann ein kurzes Ziehen an ihrer Hüfte. Ihr Blick fiel auf ihre Schwertscheide, in welcher das silberne Bastardschwert ruhte. Es war ein Geschenk, es und eine ganze Rüstung, ein Geschenk von Cathal. Und nun nahmen ihre Züge ein Lächeln an. Familie.
Wie verdammt glücklich war sie gewesen, als sie sie alle getroffen hatte? Niemals hätte sie sich erträumt, dass sich so viele aus ihrer Familie zusammengefunden hatten. Natürlich die Magier waren wegen Tirell hier, welches anscheinend aber nicht mehr existierte, aber dass es doch so viele waren? Sie alle waren etwas Besonderes, jeder für sich.
Cathal. Sie war imponiert von dem jungen Knappen. Er war kaum jünger als sie und zeigte deutlich, dass er eine gewisse Führerrolle innehatte. Er war stark und Sorcha konnte ihn mit einem Schmunzeln „Leidesgenossen“ nennen, denn er und sie waren die beiden einzigen Krieger unter den ganzen anderen Magiern.
Dann war da Una, dieses augenscheinlich junge Mädchen. Sie wirkte so manchesmal etwas verloren aber doch erwachsen, weise und verantwortungsvoll, auch wenn sie wohl nicht viel Alkohol vertrug.
Shanna. Sie verzog kurz die Miene. Wie hatte sie sich verändert. Una hatte es ihr erklärt, hatte ihr von dem Gedächtnisverlust erzählt. Und trotzdem, sie benahm sich sehr sonderbar und distanziert. Es war schmerzhaft gewesen, wie die eigene Schwester nach so vielen Jahren reagierte. Und doch, sie würde sie erneut aufsuchen, sie wollte mit ihr reden.
Niall. Das Lächeln kehrte wieder, wurde zu einem kurzen, verträumten Strahlen. Ihr kleiner Bruder, ihr großer Stolz. Es ging ihm gut im Waisenhaus bei Shanna und er hatte auch an Kräften gewonnen, das sah man dem Kleinen an. Der erste Besuch im Waisenhaus bei ihm, tat Sorcha gut, mehr als sie sich erhofft hatte und sie würde ihren kleinen Bruder auch bald wieder aufsuchen.
Aleen, Tara und Viljo waren eher unscheinbar. Sorcha hatte noch nicht viel mit ihnen zu tun gehabt aber es würde sich ändern, da war sie sich sicher.
Und dann, ja dann waren da noch Leith und Owyn. Sorcha sah nachdenklich voraus. Sie waren direkt mit ihr Verwandt und sie wusste nur zu gut, wie ihre Familie über die von Sorcha dachte. Unwürdig, weil Mutter keinen Magier heiratete. Unrein, weil sie ihren Kindern die Kampfkunst näher brachte anstatt der Magie. Man merkte es ihnen an, man merkte ihnen beiden deutlich an, wie sie über Sorcha aber auch über Cathal dachten. Leith hatte sich etwas mehr an sie herangenähert, er schien nicht so schlimm zu sein doch sein Bruder Owyn. Sorcha schüttelte es kurz. Jener Blick, jener arrogante und herablassende Blick, sie konnte ihn nicht vergessen. Ja, sie und Cathal waren die einzigen Krieger in der Familie, aber machte sie das zu niedrigeren Menschen? Sie schüttelte den Kopf. Sorcha grinste dann kurz stolz. Einzigartig in ihrer Familie, das waren sie und Cathal wohl und das würden sie vielleicht noch lange bleiben.
Ruhig wandte sie sich wieder den Puppen zu, sie würde noch etwas schwitzen, ehe sie sich zurück nach Hause aufmachte um zu schlafen. Sie musste einiges nachholen.
Von einem neuen Umfeld und Familie
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
Kräftig, aus braunen, festen Holz. Die beiden Türen des Befehlraumes waren verschlossen, der Raum war gefüllt mit zwei Gestalten die sich über eine Karte gebückt hatten, einige Schriftrollen betrachteten. Sie unterhielten sich, ihre Blicke hafteten jedoch fest auf den Unterlagen, die vor ihnen lagen, bis sie feste Schritte vernahmen, die sich näherten. Mit einem kräftigen Ruck wurden die Türen geöffnet und eine junge Frau trat ein, sie mochte vielleicht gerade einmal die zwanzig Sommer erreicht haben. Das blasse Gesicht hatte eine nachdenkliche Maske auf den Schein gesetzt und der kurze, schneeweiße Haarzopf drückte sich angenehm in ihren Nacken. Ihre Blicke trafen sofort die beiden Personen am Tisch, welche sich eiligst straff stellten und salutierten. „Leutnant Llastobhar!“ nur sachte wurde der Gruß erwidert, der Blick auf die beiden gerichtet. „Wie ist die Lage Korporal?“ die Frau blickte ihre jüngere Vorgesetzte nachdenklich an. „Wir haben Meldung das Berchgard angegriffen wurde, auf Gerimor. Der Angriff erfolgte vor gut anderthalb Tagen, über dend erzeitigen Status der Stadt ist nichts bekannt. Der Angreifer ist Rahal und …“ der Leutnant hob die Hand an und unterbrach sie kurzerhand. „Irgendwelche Befehle vom Hauptmann?“. Die Ältere schüttelte den Kopf. „Der Hauptmann befindet sich immer noch auf den Nachbarsinseln, die Befehlsgewalt liegt damit bei euch.“ Ihre Miene verdüsterte sich kurzerhand. Befehlsgewalt, militärische Entscheidungen. „Wenn die Schlacht bereits seit nun gut zwei Tagen im Gange ist, dann wird es noch gut die gleiche Zeit dauern bis wir dort ankommen würden. Und ich will nicht die Zeit mit einberechnen die wir zur Vorbereitung brauchen, geschweige denn die Aufrufung aller Aktivisten … nein, wir werden uns nicht dort einmischen, solange wir keine Order vom Königshaus selbst erhalten.“ Sie konnte die unheilvollen Blicke auf sich spüren. „Aber Leutnant ...“ begann der Korporal wieder „was ist wenn Berchgard in Schwierigkeiten ist? Was ist wenn man uns dort dringend benötigen würde?“ ihre Augen schlossen sich und sie versuchte gegen das Pochen an ihrer Schläfe anzukämpfen. Entscheidungen, sie mussten her, sie musste nun weiträumig denken. Dann schüttelte sie den Kopf. „Ich habe Order gegeben. Es wird keinerlei Einmischungen in dem Konflikt geben solange wir keine direkte Order erhalten! Und nun wegtreten!“
Sie ließen Sorcha alleine zurück, welche sich dem Fenster zuwandte. Hatte sie richtig gehandelt? Was wenn dieser Angriff auf Berchgard sich ausweiten würde? Aber die Streitmächte Varunas waren doch stark, stark genug um dagegen anzukommen, was konnten sie schon erreichen?
Fünf Tage später erreichte ein Bote die Inselreiche. Berchgard war eingenommen worden, man sprach von Toten, Morden und einer erbitterten Schlacht. Selbst freiwillige wurden zu den Kämpfen bezogen. Sie waren hier, sie hatte entschieden. Die steinerne Miene wich nicht, doch was hinter der Fassade war, war Verzweiflung.
Sorcha schreckte aus ihren Gedanken auf. Sie befand sich gerade im Kastellhof, zurückgekehrt von ihrem Dienst. Eingedöst war sie, Sekundenschlaf, was auch immer. Seit einer Weile war sie nun Kadettin der Garde zu Varuna, war es da Zufall dass sie nun an jene Tage dachte? Sie war gestern in Berchgard gewesen, hatte die Stadt gesehen, es war beinahe unvorstellbar für sie, dass jene Stadt gebrannt haben sollte, hier die Rahaler Menschen ermordet hatte. Und dann sah sie an sich hinab; sie hätte auch dort stehen können, wäre sie nur einige Monde früher hier gewesen. Was wäre dann? Hätte sie geflucht über jenen Leutnant, der seine Leute nicht hierher schickte? Wäre sie vielleicht im Kampf gefallen? Dinge die sich nicht weiterdenken ließen. Sie seufzte leise. Sie war die Älteste in der Familie; auch von ihren Verwandten gehörte sie mit zu den Ältesten und wie oft hatte sie es von ihrer Mutter gehört. „Du musst stark sein Sorcha. Niall sieht zu dir auf, viele sehen zu dir auf. Du bist jemand, der anderen Hoffnung gibt.
Hatte sie damals richtig gehandelt, als sie ihre Truppen zurückhielt? War sie stark oder war sie gar feige? Zweifel waren etwas Wunderbares, und grade schienen sie Sorcha zu zerfressen. Stark sein … die starke Sorcha. Sie fühlte sich nicht stark. Ganz im Gegenteil, sie fühlte sich schwach. Sie stieß sich ab und trat in das Kastell, sie musste noch einen Bericht anfertigen über jenen Tag am Portal. Sie brauchte Ablenkung, sie musste stark sein, anders kannte man sie ja nicht. Die starke Sorcha.
Sie ließen Sorcha alleine zurück, welche sich dem Fenster zuwandte. Hatte sie richtig gehandelt? Was wenn dieser Angriff auf Berchgard sich ausweiten würde? Aber die Streitmächte Varunas waren doch stark, stark genug um dagegen anzukommen, was konnten sie schon erreichen?
Fünf Tage später erreichte ein Bote die Inselreiche. Berchgard war eingenommen worden, man sprach von Toten, Morden und einer erbitterten Schlacht. Selbst freiwillige wurden zu den Kämpfen bezogen. Sie waren hier, sie hatte entschieden. Die steinerne Miene wich nicht, doch was hinter der Fassade war, war Verzweiflung.
Sorcha schreckte aus ihren Gedanken auf. Sie befand sich gerade im Kastellhof, zurückgekehrt von ihrem Dienst. Eingedöst war sie, Sekundenschlaf, was auch immer. Seit einer Weile war sie nun Kadettin der Garde zu Varuna, war es da Zufall dass sie nun an jene Tage dachte? Sie war gestern in Berchgard gewesen, hatte die Stadt gesehen, es war beinahe unvorstellbar für sie, dass jene Stadt gebrannt haben sollte, hier die Rahaler Menschen ermordet hatte. Und dann sah sie an sich hinab; sie hätte auch dort stehen können, wäre sie nur einige Monde früher hier gewesen. Was wäre dann? Hätte sie geflucht über jenen Leutnant, der seine Leute nicht hierher schickte? Wäre sie vielleicht im Kampf gefallen? Dinge die sich nicht weiterdenken ließen. Sie seufzte leise. Sie war die Älteste in der Familie; auch von ihren Verwandten gehörte sie mit zu den Ältesten und wie oft hatte sie es von ihrer Mutter gehört. „Du musst stark sein Sorcha. Niall sieht zu dir auf, viele sehen zu dir auf. Du bist jemand, der anderen Hoffnung gibt.
Hatte sie damals richtig gehandelt, als sie ihre Truppen zurückhielt? War sie stark oder war sie gar feige? Zweifel waren etwas Wunderbares, und grade schienen sie Sorcha zu zerfressen. Stark sein … die starke Sorcha. Sie fühlte sich nicht stark. Ganz im Gegenteil, sie fühlte sich schwach. Sie stieß sich ab und trat in das Kastell, sie musste noch einen Bericht anfertigen über jenen Tag am Portal. Sie brauchte Ablenkung, sie musste stark sein, anders kannte man sie ja nicht. Die starke Sorcha.
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
Still stand die junge Frau vor dem hochgewachsenen Mann der mit strengem Blick zu ihr hinab sah. Seine Miene war streng und ernst, die gewohnte Freundlichkeit war gewichen. „Leutnant Llastobhar, ich weiß ihr habt dieses Amt noch nicht lange inne, aber ihr SEID verantwortlich für diese Leute!“ Ihre Miene verzog sich stark und sie starrte ins Gesicht des Hauptmannes. „Jawohl Hauptmann, es war ein Fehler meinerseits … ich hätte sie bei dem Übergriff begleiten sollen aber es gab einige formelle Dinge zu erledigen und …“ auf einmal wurde sie ruppig unterbrochen. „Verdammt Sorcha! Du bist nun kein Korporal mehr! Seit Beginn deines Amtes hast du die volle Verantwortung für jeden Einzelnen von ihnen! Du musst für sie da sein, DAS ist das wichtige! Nicht irgendwelche Formalitäten die noch offen sind! Diese Menschen werden für dich bald wie eine feste Familie sein …!“
Familie …
Sie schreckte auf und holte tief Luft. Wo war sie? Varuna … genau sie war gerade in Varuna. Bajard, sie hatte den Ort verlassen, ihre ganze Familie schien noch dort zu sein, sie war aber gegangen. Die heutige Familienjagd hatte Dinge aufgewühlt, und sie waren ungewollt gekommen. „Sorcha hat ja Truppenerfahrung, also übernimmt sie die Führung“ das waren die Worte der anderen gewesen und was wohl nur Augenzwinkernd gemeint war, nahm für sie im Laufe des Marsches zu den Höhlen immer mehr an Bedeutung. Ihr wurde nun immer bewusster, dass sie diejenige war, die auf sie achten sollte, sie war lange Zeit die einzige Kriegerin hier, bis Cathal dazu gestoßen war, und daher oblag es ihr, auf die anderen aufzupassen. Als Owyn dann zu Boden fiel, verzog sie das Gesicht. Es war mitten im Kampf gewesen, sie war nicht schnell genug an seiner Seite gewesen.
Owyn … ausgerechnet er.
Sie konnte ihn nicht ausstehen, nicht im Geringsten und doch sorgte sie sich um ihn, kniete neben ihn, passte auf dass sich keine der Monstren näherten und ihn angriffen. Hier spielten alte Dinge keinerlei Rollen mehr, hier war sie und ihre Truppe, ihre Familie, hier musste sie auf sie alle aufpassen, egal wer es war. Und sie sorgte sich ernsthaft um Owyn, auch wenn es ihr seltsam erschien. Die ganze Jagd über war sie nachdenklich geworden, ruhig und zurückhaltend, lauernd, niemandem sollte etwas geschehen.
Das war doch ihre Aufgabe, oder? Sie war es doch, die auf sie achten sollte, nicht wahr?
„Du bist für ihre Sicherheit verantwortlich!“
Jawohl, Sir!
Familie …
Sie schreckte auf und holte tief Luft. Wo war sie? Varuna … genau sie war gerade in Varuna. Bajard, sie hatte den Ort verlassen, ihre ganze Familie schien noch dort zu sein, sie war aber gegangen. Die heutige Familienjagd hatte Dinge aufgewühlt, und sie waren ungewollt gekommen. „Sorcha hat ja Truppenerfahrung, also übernimmt sie die Führung“ das waren die Worte der anderen gewesen und was wohl nur Augenzwinkernd gemeint war, nahm für sie im Laufe des Marsches zu den Höhlen immer mehr an Bedeutung. Ihr wurde nun immer bewusster, dass sie diejenige war, die auf sie achten sollte, sie war lange Zeit die einzige Kriegerin hier, bis Cathal dazu gestoßen war, und daher oblag es ihr, auf die anderen aufzupassen. Als Owyn dann zu Boden fiel, verzog sie das Gesicht. Es war mitten im Kampf gewesen, sie war nicht schnell genug an seiner Seite gewesen.
Owyn … ausgerechnet er.
Sie konnte ihn nicht ausstehen, nicht im Geringsten und doch sorgte sie sich um ihn, kniete neben ihn, passte auf dass sich keine der Monstren näherten und ihn angriffen. Hier spielten alte Dinge keinerlei Rollen mehr, hier war sie und ihre Truppe, ihre Familie, hier musste sie auf sie alle aufpassen, egal wer es war. Und sie sorgte sich ernsthaft um Owyn, auch wenn es ihr seltsam erschien. Die ganze Jagd über war sie nachdenklich geworden, ruhig und zurückhaltend, lauernd, niemandem sollte etwas geschehen.
Das war doch ihre Aufgabe, oder? Sie war es doch, die auf sie achten sollte, nicht wahr?
„Du bist für ihre Sicherheit verantwortlich!“
Jawohl, Sir!
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
„Gardist … weißt du Sorcha, als ich diesen Rang inne hatte früher, war ich verdammt stolz und wusste genau, es wird nicht der letzte Rang sein den ich innehaben werde. Und glaub mir, ich kenne mich mit Menschen aus, du hast noch einen weiteren Weg vor dir.“ Der ältere Hauptmann lächelte zu der Jugendlichen hinab welche neben ihm stand. Ihr langes Haar wurde leicht vom wehenden Wind umspielt der an der Küstenstadt wehte. „Ich werde euch sicher nicht enttäuschen, Hauptmann. Ich hab meiner Mutter versprochen, sie stolz zu machen und das werde ich auch.“ Er nickte nur und sein Blick glitt in die Ferne. Sorcha sah ebenfalls schweigend vor. Gardist, ein erster Schritt auf der Treppe nach oben … und es würde weitergehen, da war sie sich sicher.
Wie seltsam dass ihr diese Bilder noch so genau im Kopf lagen. Sie stand nun auf dem Wehrgang des Kastells und überblickte die Dächer von Varuna. Gardistin. Seit kurzer Zeit hatte sie diesen Rang wieder inne. Kadettin war sie gewesen und es waren Tage gekommen, da hatte sie selbst daran gezweifelt jene Laufbahn wieder von vorne durch zu leben. Doch nun war wieder ein Schritt getan und sie fühlte einen nicht gerade minderen Stolz in der Brust aufkeimen. Sie hatte die letzten Tage viel Zeit der Garde geopfert, war ihren Pflichten so gut es ging nachgegangen und hatte sich dann abends müde und erschöpft ins Bett gelegt. Doch es gab noch etwas mehr als die Garde, und daran wurde sie letztens erinnert als sie Cathal, Una und Viljio wieder getroffen hatte; Familie. Die letzten Wochen hatte sie sich etwas abgekapselt, das Heimweh nach ihrer Mutter war gewachsen, sie war alleine weit weg von hier und Sorcha nicht bei ihr. Es bedrückte sie, ohne jeden Zweifel. Auch hatte sie Shanna lange nicht mehr gesehen, Lameriast, dort war sie angeblich hingereist um sich dort niederzulassen, doch hatte sie niemals eine Botschaft oder dergleichen erhalten. Es stimmte schon auf eine Art, sie kapselte sich vollends ab von ihnen allen und das lange ausbleiben einer Nachricht ihrerseits bestätigte nur Sorchas Gedankengänge. Natürlich, sie hatte ihren Disput mit den anderen aber was hatte Sorcha damit zu tun? Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich war es am Ende sowieso jene Frau die sie öfters bei ihr getroffen hatte, Ronya, die sie soweit gebracht hatte. Verdenken konnte sie es jener Frau nicht, welche ihre Familie und sie förmlich beleidigt hatte mit den Worten, Sorcha hätte sich nie um Shanna gekümmert. Ihre Augen verengten sich kurz, wie lange hatte sie nach ihrer Schwester gesucht? Wie viele Jahre waren es gewesen? Und nun musste sie sich von einer Wildfremden solche Worte an den Kopf werfen lassen, es trieb ihr beinahe die Wut hinauf. Doch Shanna war alt genug, sie würde wissen was sie tat und wenn sie ihr neues Leben fernab von Sorcha beginnen wollte, so war dies ihr Recht.
Aber nicht nur um sie machte sich die Kriegerin Gedanken. Auch um die anderen schweiften ihre Gedanken, sie würde sie bald alle wieder besuchen, sich mit ihnen treffen und es würde wieder einen der angenehmen Familienabenden geben, sie brauchte derzeit ihre Nähe, wenn sie die direkte Familie schon nicht mehr aufheitern konnte. Sie lächelte kurz dünn als sie an das letzte Gespräch mit Cathal dachte, das Thema über Beziehungen. Sie hatte es locker und lässig genommen, was er gesagt hatte, und doch machte sie sich Gedanken. Sie hatte in der ganzen Zeit hier auf Gerimor keinen Mann gefunden, der wirklich Interesse an ihr zeigte oder der für sie wirklich begehrenswert war. Vielleicht war es auch nur ihr äußerliches, denn eine Schönheit war sie mit der blassen Haut nicht wirklich und auch das schneeweiße Haar hatte nicht zwingend etwas Anziehendes oder dergleichen. Vielleicht musste sie einfach nur damit leben, dass sie nicht die Frau war, die für Männer geschaffen war, vielleicht würde sich aber auch etwas ergeben, wer wusste das schon?
Dann schloss sie kurz die Augen und besann sich auf eines der aktuelleren Probleme, welche sie beschäftigten; Kailen. Ihre Suche nach dem Magier war erfolglos gewesen, doch schien es ruhig um ihn geworden zu sein, zu ruhig. Sie würde alsbald wieder das Land bereisen, nach ihm suchen und wenn sie ihn finden würde dann … ja was dann? Das würde wohl nur die Zeit zeigen.
Wie seltsam dass ihr diese Bilder noch so genau im Kopf lagen. Sie stand nun auf dem Wehrgang des Kastells und überblickte die Dächer von Varuna. Gardistin. Seit kurzer Zeit hatte sie diesen Rang wieder inne. Kadettin war sie gewesen und es waren Tage gekommen, da hatte sie selbst daran gezweifelt jene Laufbahn wieder von vorne durch zu leben. Doch nun war wieder ein Schritt getan und sie fühlte einen nicht gerade minderen Stolz in der Brust aufkeimen. Sie hatte die letzten Tage viel Zeit der Garde geopfert, war ihren Pflichten so gut es ging nachgegangen und hatte sich dann abends müde und erschöpft ins Bett gelegt. Doch es gab noch etwas mehr als die Garde, und daran wurde sie letztens erinnert als sie Cathal, Una und Viljio wieder getroffen hatte; Familie. Die letzten Wochen hatte sie sich etwas abgekapselt, das Heimweh nach ihrer Mutter war gewachsen, sie war alleine weit weg von hier und Sorcha nicht bei ihr. Es bedrückte sie, ohne jeden Zweifel. Auch hatte sie Shanna lange nicht mehr gesehen, Lameriast, dort war sie angeblich hingereist um sich dort niederzulassen, doch hatte sie niemals eine Botschaft oder dergleichen erhalten. Es stimmte schon auf eine Art, sie kapselte sich vollends ab von ihnen allen und das lange ausbleiben einer Nachricht ihrerseits bestätigte nur Sorchas Gedankengänge. Natürlich, sie hatte ihren Disput mit den anderen aber was hatte Sorcha damit zu tun? Sie schüttelte den Kopf. Wahrscheinlich war es am Ende sowieso jene Frau die sie öfters bei ihr getroffen hatte, Ronya, die sie soweit gebracht hatte. Verdenken konnte sie es jener Frau nicht, welche ihre Familie und sie förmlich beleidigt hatte mit den Worten, Sorcha hätte sich nie um Shanna gekümmert. Ihre Augen verengten sich kurz, wie lange hatte sie nach ihrer Schwester gesucht? Wie viele Jahre waren es gewesen? Und nun musste sie sich von einer Wildfremden solche Worte an den Kopf werfen lassen, es trieb ihr beinahe die Wut hinauf. Doch Shanna war alt genug, sie würde wissen was sie tat und wenn sie ihr neues Leben fernab von Sorcha beginnen wollte, so war dies ihr Recht.
Aber nicht nur um sie machte sich die Kriegerin Gedanken. Auch um die anderen schweiften ihre Gedanken, sie würde sie bald alle wieder besuchen, sich mit ihnen treffen und es würde wieder einen der angenehmen Familienabenden geben, sie brauchte derzeit ihre Nähe, wenn sie die direkte Familie schon nicht mehr aufheitern konnte. Sie lächelte kurz dünn als sie an das letzte Gespräch mit Cathal dachte, das Thema über Beziehungen. Sie hatte es locker und lässig genommen, was er gesagt hatte, und doch machte sie sich Gedanken. Sie hatte in der ganzen Zeit hier auf Gerimor keinen Mann gefunden, der wirklich Interesse an ihr zeigte oder der für sie wirklich begehrenswert war. Vielleicht war es auch nur ihr äußerliches, denn eine Schönheit war sie mit der blassen Haut nicht wirklich und auch das schneeweiße Haar hatte nicht zwingend etwas Anziehendes oder dergleichen. Vielleicht musste sie einfach nur damit leben, dass sie nicht die Frau war, die für Männer geschaffen war, vielleicht würde sich aber auch etwas ergeben, wer wusste das schon?
Dann schloss sie kurz die Augen und besann sich auf eines der aktuelleren Probleme, welche sie beschäftigten; Kailen. Ihre Suche nach dem Magier war erfolglos gewesen, doch schien es ruhig um ihn geworden zu sein, zu ruhig. Sie würde alsbald wieder das Land bereisen, nach ihm suchen und wenn sie ihn finden würde dann … ja was dann? Das würde wohl nur die Zeit zeigen.