Cira Ad Ethir - Rückkehr

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Cira Ad Ethir
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Cira Ad Ethir - Rückkehr

Beitrag von Cira Ad Ethir »

Seit einer gefühlten Ewigkeit stand sie nun schon am Bug des Schiffes und starrte unbeweglich auf die Wellen des Meeres hinaus. Die eisige Seeluft peitschte in ihr Gesicht, doch schien sie das nicht zu stören. Die Besatzung hatte ihr mehrfach gesagt, dass es noch Stunden dauern würde, bevor man auch nur die Umrisse Gerimors erkennen könnte. Doch sie stand einfach weiter da, den Blick in die Ferne gerichtet.
Zu lange war sie fort gewesen – viel zu lange.

Ihre Gedanken schweiften zurück…

Fast ein Jahr war vergangen seit die Bergbewohner sie in dieser Höhle gefunden hatten, bewusstlos, nur mit einer Robe bekleidet und mit keinerlei Erinnerung an das Geschehene. Anfangs wusste sie nicht einmal wer sie war. Treue Diener Alatars hatten sie gefunden und taten ihr Möglichstes, um Körper und Geist wieder zu heilen.
Aber nur langsam und bruchstückhaft kehrte ihre Erinnerung zurück.
Wieviel Zeit vergangen war, seit sie Gerimor in Richtung Festland verlassen hatte, wusste sie bis heute nicht zu sagen, doch es mussten einige Jahresläufe gewesen sein.
Der Auftrag des Alkas war damals einfach und klar gewesen und sollte nur wenige Monde in Anspruch nehmen. Sie sollte auf dem Festland die Truppen des Herrn inspizieren und Anleitung zu deren Ausbildung geben.
Doch es kam alles anders. Der Krieg breitete sich rasch aus und sie wurde in immer mehr Schlachten verwickelt. Die Kämpfe verliefen nicht gut für die Streitmacht des All-Einen. Zu zahlreich waren die Feinde und drängten sie immer weiter in die Berge zurück. Machtvolle Angriffe brachten ganze Felsen zum Einsturz, aber ob sie wirklich deshalb in diese Höhle gekommen war, wusste sie nicht mehr.
Sie wusste nur, dass sie versagt hatte.
Alatar hatte ihr einst seinen Segen und seine Stärke gegeben um für ihn zu kämpfen. Nun hatte er ihr alles wieder genommen. Sie hatte keine Rüstung, keine Waffen, keine Macht und kaum noch Erinnerung.
Aber sie hatte noch die Narben unter ihrer Brust und in ihrer Hand – die Zeichen des All-Einen - und somit auch ihren Glauben.
Sie wusste was sie einmal gewesen war unter Alatars Segen und dass sie ihr Weg auch wieder dahin führen würde. Und sie würde diesen beschwerlichen Weg gehen als seine treue Dienerin, gleiche welche Prüfungen Alatar ihr auferlegen würde…


Ein Ausruf der Mannschaft riss sie aus ihren Gedanken.
In der Ferne waren die ersten schemenhaften Umrisse Gerimors zu erkennen.
Endlich war sie wieder zurück.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Rahal

Kaum nachdem das Schiff angelegt hatte nahm sie ihren Weg aus dem Hafenviertel in Richtung der Stadtmauern.
Die Wachen am Tor fragten sie grob, wer sie sei und was sie hier wollte?
Ein Anflug von Zorn keimte in ihr auf, hätte es doch früher keine Wache gewagt, in diesem Ton mit ihr zu sprechen. Aber wie sollte der Wachposten es besser wissen? Nichts Offensichtliches an ihr deutete darauf hin, was sie einst gewesen war.
Demut ist eine Tugend des Herrn, also neiget sie leicht ihr Haupt und sagte der Wache, dass sie nur eine Dienerin des Einen sei. Der Wachposten schien damit zufrieden, denn er wandte sich an weitere Ankömmlinge in der gleichen Tonart mit ähnlichen Fragen.
Langsam ging sie durch die Straßen der Rahals. Die Stadt hatte sich verändert, war gewachsen und strahlte Stärke aus. Ein Eindruck der sie zuversichtlich stimmte. Sie suchte sich den Weg zum Tempel. Den Wachen nickte sie mit einem „Des Einen Segen“ leicht zu und betrat dann den Tempel. Sie verneigte sich vor dem Altar, kniete sich vor eine Bank und versank im Gebet.
Stunden verharrte sie so im Gebet, doch Alatar antwortete ihr nicht und gab ihr auch kein Zeichen. Hatte sie ihn so sehr enttäuscht?
Langsam erhob sie sich, verneigte sich nochmals und verlies ein wenig enttäuscht den Tempel.
Sie würde sich erstmal in der Stadt umsehen. Was hatte sich verändert? Und was würde ihr immer noch bekannt vorkommen? Waren noch Weggefährten aus früheren Tagen in der Stadt? Oder wer sind die neuen Würdenträger? Es gab viel in Erfahrung zu bringen…
Nach einiger Zeit erreichte sie das Rathaus, doch es war niemand zu gegen, mit dem sie hätte sprechen können. Also wandte sie sich zum Bankhaus direkt nebenan.
Der Bankier musterte sie kurz als sie eintrat.
„Des Einen Segen mit Euch“ sagte sie in ruhigem Tonfall.
„Seinen Segen“ erwiderte er knapp.
Sie erläuterte ihm kurz, dass sie einige Zeit nicht in der Stadt gewesen sei und fragte dann nach ihren Habseligkeiten.
Der Bankier fragte nach ihrem Namen und begann in einem großen Buch nachzuschlagen. Nach einer geraumen Weile klappte er das Buch mit der Bemerkung zu, dass er nichts unter diesem Namen finden könne. Er hätte im Archiv aber noch ältere Aufzeichnungen. Mit einem Seufzen verschwand der Mann im hinteren Raum und kehrte mit einem verstaubten Buch zurück. Er warf ihr einen fast ärgerlichen Blick zu, als er nun erneut begann, ihren Namen darin nachzuschlagen. Auch hier dauerte es eine geraume Weile bis er plötzlich innehielt.
„Ah, hier steht es. Cira Ad Ethir..“ doch abrupt stockte der Mann und sah sie erschrocken an. Vermutlich hatte er die Bemerkung hinter ihrem Namen gelesen.
Er verneigte sich rasch. „Erhabene, vergebt mir! Ich hatte ja keine Ahn...“
Mit einem knappen Wink unterbrach sie ihn.
„Spart euch diese Anrede für den Moment.“ sagte sie ruhig.
Er sah sie verwirrt an, neigte aber nur still sein Haupt. Dann fuhr er fort, ihr zu berichten, dass ein Großteil ihrer Habseligkeiten im Lager der Bank aufbewahrt wurde. Er führte sie umgehend dorthin und nach einigem Verrücken alter Truhen, konnte sie die Ihre in Empfang nehmen. Sie sah aber nur kurz hinein, nahm sich das nötigste für die nächsten Tage und dankte dem Bankier. Sie würde bald wiederkommen um alles genau in Augenschein zu nehmen.
Zumindest hatte sie nun mehr als nur eine Robe.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Erste Begegnungen

Den ganzen Tag war sie durch Rahal gelaufen, hatte sich Plätze und Gebäude angesehen, einige alte Häuser wiedererkannt und sich neue eingeprägt.
Da im Rathaus aber auch an diesem Tag niemand anzutreffen war, verlies sie Rahal durch das südliche Tor. Sie musste auch das Umland wieder neu erkunden. Also folgte sie dem Weg nach Süden, vorbei an einigen Gehöften und Ruinen, bis sie in eine Siedlung kam.
Die Wachen grüßten Sie mit „Des Einen Segen“, was sie ebenso erwiderte.
Sie lief durch die Straßen und Gassen, doch obhin der fortgeschrittenen Stunde und des Schnees war außer den Wachen war kaum jemand zu sehen.
Also machte sie sich auf den Rückweg nach Rahal. Doch noch bevor sie das Tor der Siedlung erreichte, trat eine Gruppe Menschen hindurch und blieb - sie eingehend musternd - vor ihr stehen.
„Des Einen Segen mit euch“ sagte sie ruhig, worauf ihr Gruß von allen erwidert wurde. Eine Frau aus der Gruppe ergriff das Wort und stellte sich ihr unter dem Namen Enomis Crain vor und fragte nach ihrem Namen.
Als sie den Namen der Frau vernahm, stockte ihr kurz der Atem, doch ließ sie sich nichts anmerken und stellte sich ebenfalls vor.
Anschließend führte sie die Frau nochmals durch die Siedlung und zeigte ihr die wichtigsten Häuser und Läden. Da die Frau annahm, sie sei erst vor kurzem auf Gerimor eingetroffen, lud sie sie für einen späteren Tag des Wochenlaufes in ihr Haus ein.
Cira nahm dies dankend an und verabschiedete sich.
Nachdenklich trat sie den Rückweg nach Rahal an. Enomis Crain… Crain!
Das konnte kein Zufall gewesen sein. Sie musste vom gleichen Blut stammen wie Tugor! Der Ritter, den sie zum Ahad ausbildete. Wohl ein Zeichen Alatars?
Ein leichtes Lächeln lag auf ihren Zügen, als sie Rahal wieder betrat.
Vielleicht sind doch nicht alle Fäden aus der Vergangenheit gerissen…
Sie würde Enomis Crain besuchen, und dort sicherlich erste Antworten erhalten.
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