Elisa, die neue Magd, musste wirklich ein fleißiges Mädchen sein, dachte sich Helmar, seines Zeichens Koch am Hofe seiner Hoheit Adrian von Hohenfels. Immerhin war jetzt jeden Morgen die Küche ordentlich sauber.
Helmar, der wortkarge Chef, war entweder furchtbar penibel oder arbeitswütig, dachte sich Elisa. So oder so drohte ihr wohl bald der Rausschmiß, wenn das so weiterging. Denn jeden Morgen war diese verdammte Küche schon sauber. Vom Koch selbst gereinigt, wie sie vermutete.
Dabei hätte das doch ihre Aufgabe sein sollen. Aber wann sollte sie denn aufstehen, mitten in der Nacht noch? Oder durcharbeiten? Es war zum Haareraufen.
Frustriert hielt sie die Augen offen, als sie in einer der folgenden Nächte aufwachte, als es noch lange wohl dunkel sein würde. Sie hatte den Abend zuvor lange gewartet, doch niemand hatte die Küche aufgeräumt. Eigentlich hatte sie bisher auch nicht den Eindruck gewonnen, daß man es damit hier sonderlich genau nahm - eigentlich eine Schande für eine gräfliche Küche.
Sie wendete den Kopf, hatte sie nicht eben ein Geräusch gehört? Leise stand sie auf, warf sich etwas über und schlich zur Küche.
"Nicht mal eine Mülltonne können die hier aufstellen, verteilen sie stattdessen lieber großzügig auf dem Boden, was da reingehört", hörte sie eine Stimme gerade brummen, als sie an die Tür kam. Die Worte waren nicht laut gewesen, aber gut zu verstehen. Instinktiv duckte sich die Magd und presste das Ohr an die Tür.
Sie wollte ja nicht lauschen, nein... aber seltsam war das schon. Wer war denn da drin, mitten zu nachtschlafender Zeit? Sie meinte, das Schaben von Metall zu vernehmen, das Geräusch kochenden Wassers...
So langsam wie noch nie öffnete Elisa die Tür und lugte durch den Spalt.
Auf dem Tisch lag ein kleiner Berg von grob zerteiltem Fleisch, neben dem Tisch stand ein Holztrog, wie er zur Fütterung dieses furchtbaren Wolfes verwendet wurde, den die Frau Eileen ins Schloß angeschleppt hatte. Kaum jemand traute sich an das Vieh heran.
Hinter dem Tisch stand eine Frau in dunkelblauer Hose und weißem Hemd, die Ärmel hochgekrempelt und wischte sich gerade eine breite Haarsträhne aus dem zernarbten Gesicht... das war die Lady von Elbenau!
Erschrocken weitete Elisa die Augen. Was, in Temoras Namen, tat sie denn da?
Sie sah zu, wie die Ritterin mit geübt wirkenden Schwüngen des Hackbeils das Fleisch zerkleinerte und nach und nach in den Trog füllte. Es waren sonst keine Tiere im Schloß... es musste tatsächlich für diesen Wolf sein.
Als die Lady sich dem Kessel über dem Feuer zuwandte und ihr den Rücken kehrte, wagte Elisa, die Tür kurz etwas weiter zu öffnen und in den Rest der Küche zu blicken - alles blitzsauber, sah man von den gerade benutzten Dingen ab. Auf einem anderen Brett lagen die Reste von geputztem Gemüse, das die Ritterin gerade in den Topf gab. Daneben Fischfilet.
"Fischsuppe", analysierte die Magd die Zutaten und zog sich eilig wieder zurück, als die Gefahr drohte, entdeckt zu werden. Das durfte doch nicht wahr sein, daß das des Rätsels Lösung war?
In der Küche des Schlosses wischte die neue Ritterin seiner Hoheit den Dreck weg und kochte... zu götterlosen Zeiten. Kopfschüttelnd ging Elisa wieder ins Bett. Was die Ritterin mit dem Essen anstellen mochte, darüber dachte sie nicht einmal nach. Stattdessen zermartete sie sich das Hirn, was diese Geschehnisse zu bedeuten haben würden.
Die Lady von Elbenau war penibel, das war schnell bekannt geworden. Und daß die Führung der Küche nicht gerade die beste war, war schon seit längerem bekannt...
Küchengerüchte
-
Darna von Hohenfels
Es gab ein paar Menschen, bei denen gehörte ein Apfel einfach dazu...
Wenn Lady Eileens einzige Auswahl bei spontanem Hunger jedoch einzelne Äpfel blieben, würde der Früchtekorb unten im Speisesaal wohl eher früher als später aus dem Fenster fliegen.
Es galt also, die hoheitlichen Fenster zu retten - schmunzelnd stellte Darna das Tablett auf den Steintisch, sah noch einmal prüfend auf den Nachtisch. Doch, sie hoffte, die kandierten Birnen würden Anklang finden.
Und der Lammbraten war auch gut gelungen.
Sie hatte mal Befürchtungen gehegt, nach der Zeit in Aradans Haus würde es mit ihrer heimlichen Leidenschaft vorbei sein, weil der Koch im Schloß sich sicher nicht in sein geschäftiges Handwerk "pfuschen" lassen würde.
Pfuschen... hm. Sie stellte sicher nicht den Anspruch, jeden Tag ein üppiges Bankett aufgefahren zu sehen, aber die Gerichte schienen teils einfach lieblos gewürzt, nicht scharf genug angebraten... es fehlte ihrer Meinung nach die Liebe zum Detail.
Nun ja. Vielleicht brauchte es auch nur etwas Konkurrenz, um die Lebensgeister wieder zu wecken? Sie deckte den gespickten Lammbraten gut ab und ging zufrieden summend in die Gemächer.
Wenn Lady Eileens einzige Auswahl bei spontanem Hunger jedoch einzelne Äpfel blieben, würde der Früchtekorb unten im Speisesaal wohl eher früher als später aus dem Fenster fliegen.
Es galt also, die hoheitlichen Fenster zu retten - schmunzelnd stellte Darna das Tablett auf den Steintisch, sah noch einmal prüfend auf den Nachtisch. Doch, sie hoffte, die kandierten Birnen würden Anklang finden.
Und der Lammbraten war auch gut gelungen.
Sie hatte mal Befürchtungen gehegt, nach der Zeit in Aradans Haus würde es mit ihrer heimlichen Leidenschaft vorbei sein, weil der Koch im Schloß sich sicher nicht in sein geschäftiges Handwerk "pfuschen" lassen würde.
Pfuschen... hm. Sie stellte sicher nicht den Anspruch, jeden Tag ein üppiges Bankett aufgefahren zu sehen, aber die Gerichte schienen teils einfach lieblos gewürzt, nicht scharf genug angebraten... es fehlte ihrer Meinung nach die Liebe zum Detail.
Nun ja. Vielleicht brauchte es auch nur etwas Konkurrenz, um die Lebensgeister wieder zu wecken? Sie deckte den gespickten Lammbraten gut ab und ging zufrieden summend in die Gemächer.
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Darna von Hohenfels
"Sie hat was? Gekochte Erbsen anbrennen lassen? Wie geht das denn?"
"Hat sie so lange auf dem Feuer vergessen, bis das ganze Wasser verkocht war. Ich weiß auch nicht, wie sie das geschafft hat, sie war überhaupt nicht bei der Sache, hat die meiste Zeit verträumt vor sich hin gestarrt.
Vielleicht verliebt?"
"Ach was - keine Ahnung vom Kochen hat sie, hab ich doch gleich gesagt. Und nu halt den Schnabel und putz die Küche, Elisa!"
Helmar nickte zufrieden. Diese Jungritterin würde es nach sowas bestimmt nicht mehr wagen, hier irgendwas anzumäkeln. Er ließ wenigstens keine Erbsen anbrennen.
An einem anderen Morgen, ein paar Tage später, stolperte Helmar fast rückwärts wieder aus dem Lagerraum raus. "Sie war jagen", erklärte Elisa nur rasch und verdrückte sich, unten das Frühstück abzuräumen.
Reh, Hirsch, Wildschwein...
Diese Frau brachte ihn bald zum Verzweifeln. Sollte er diese Mengen zubereiten? Da würde er wohl noch ein paar Rezepte für aussuchen müssen. Rehrücken. Ja gut - aber er konnte ja nicht vier Tage Rehrücken machen und den Rest wegwerfen, verflixt. Morgen würde er sich damit beschäftigen, das Fleisch konnte sicher noch einen Tag hängen bleiben.
"Danke, Elisa." Zufrieden nickte Darna. Wenigstens die Küchenmagd schien inzwischen begriffen zu haben, was für eine möglichst saubere Küche notwendig war und machte sich gerade daran, unbrauchbare Reste vom Fleisch in den Futternapf für den Wolf zu geben.
Als der Koch die Küche betrat und entgeistert auf die angerichtete Platte mit Wildfilets auf Rahmsoße, Preiselbeeren und mit zu kleinen Krönchen geschnittenen gebackenen Kartoffeln schaute, wagte er nicht mehr, auf angebrannte Erbsen zu hoffen.
Die Ritterin hob den Kopf und musterte ihn ernst.
"Ich soll Euch von seiner Hoheit was ausrichten, Helmar: Ihr legt in die Zubereitung der Speisen deutlich mehr Sorgfalt...", sie deutete demonstrativ auf das Wildbret, "oder die Küche des Truchsesses des Reiches muß bis zur Einstellung eines entsprechenden Küchenmeisters von einer Ritterin geführt werden - das liegt nicht in meinem Interesse und sicher auch nicht in Eurem, nicht wahr?" Es war beunruhigend, wie unüberhörbar etwas bedrohliches in den gleichzeitig höflich klingenden Worten liegen konnte.
Rauswurf. Ihm drohte tatsächlich der Rauswurf.
Ein paar Lidschläge lang sickerte diese Erkenntnis durch seine Gedanken und verlangte nach irgendeiner Veränderung. Nicht nur Darna sah den Küchenmeister überrascht an, als dieser sich zögerlich um ein Lächeln bemühte und vorsichtig nähertrat, das Essen einer eingehenderen Betrachtung unterzog.
"Was, ähm... habt Ihr denn hier Schönes gezaubert... Milady?"
"Hat sie so lange auf dem Feuer vergessen, bis das ganze Wasser verkocht war. Ich weiß auch nicht, wie sie das geschafft hat, sie war überhaupt nicht bei der Sache, hat die meiste Zeit verträumt vor sich hin gestarrt.
Vielleicht verliebt?"
"Ach was - keine Ahnung vom Kochen hat sie, hab ich doch gleich gesagt. Und nu halt den Schnabel und putz die Küche, Elisa!"
Helmar nickte zufrieden. Diese Jungritterin würde es nach sowas bestimmt nicht mehr wagen, hier irgendwas anzumäkeln. Er ließ wenigstens keine Erbsen anbrennen.
An einem anderen Morgen, ein paar Tage später, stolperte Helmar fast rückwärts wieder aus dem Lagerraum raus. "Sie war jagen", erklärte Elisa nur rasch und verdrückte sich, unten das Frühstück abzuräumen.
Reh, Hirsch, Wildschwein...
Diese Frau brachte ihn bald zum Verzweifeln. Sollte er diese Mengen zubereiten? Da würde er wohl noch ein paar Rezepte für aussuchen müssen. Rehrücken. Ja gut - aber er konnte ja nicht vier Tage Rehrücken machen und den Rest wegwerfen, verflixt. Morgen würde er sich damit beschäftigen, das Fleisch konnte sicher noch einen Tag hängen bleiben.
"Danke, Elisa." Zufrieden nickte Darna. Wenigstens die Küchenmagd schien inzwischen begriffen zu haben, was für eine möglichst saubere Küche notwendig war und machte sich gerade daran, unbrauchbare Reste vom Fleisch in den Futternapf für den Wolf zu geben.
Als der Koch die Küche betrat und entgeistert auf die angerichtete Platte mit Wildfilets auf Rahmsoße, Preiselbeeren und mit zu kleinen Krönchen geschnittenen gebackenen Kartoffeln schaute, wagte er nicht mehr, auf angebrannte Erbsen zu hoffen.
Die Ritterin hob den Kopf und musterte ihn ernst.
"Ich soll Euch von seiner Hoheit was ausrichten, Helmar: Ihr legt in die Zubereitung der Speisen deutlich mehr Sorgfalt...", sie deutete demonstrativ auf das Wildbret, "oder die Küche des Truchsesses des Reiches muß bis zur Einstellung eines entsprechenden Küchenmeisters von einer Ritterin geführt werden - das liegt nicht in meinem Interesse und sicher auch nicht in Eurem, nicht wahr?" Es war beunruhigend, wie unüberhörbar etwas bedrohliches in den gleichzeitig höflich klingenden Worten liegen konnte.
Rauswurf. Ihm drohte tatsächlich der Rauswurf.
Ein paar Lidschläge lang sickerte diese Erkenntnis durch seine Gedanken und verlangte nach irgendeiner Veränderung. Nicht nur Darna sah den Küchenmeister überrascht an, als dieser sich zögerlich um ein Lächeln bemühte und vorsichtig nähertrat, das Essen einer eingehenderen Betrachtung unterzog.
"Was, ähm... habt Ihr denn hier Schönes gezaubert... Milady?"