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Verfasst: Samstag 28. Februar 2015, 12:20
von Gast
Wie oft hatte ich hier schon gesessen und den Mann, meinen Mann, an meiner Seite beobachtet. Wie oft hatte ich mir die Frage nach dem Warum und Weshalb und der Zukunft gestellt und wie oft darauf keine Antwort erhalten. Und doch war es in dieser Nacht anders, denn ich wusste nicht einmal mehr, was der Tag danach bringen sollte und konnte und zum ersten Mal seit langem, verfluchte ich das fühlende Herz, das Amagar mir als gut verkauft hatte und ich wünschte mir die Kälte, die Gefühllosigkeit meiner Brüder, die nicht kommen wollte.
Stattdessen kamen Erinnerungen und Ängste.
Ein bisschen Heil versuchte ich in den Bildern meiner Hochzeit zu finden, die ich sorgfältig in meinem Kopf abgelegt hatte. Vorsichtig strich ich dann die Falten aus dem grünen Stoff des einen Kleides, das ich liebt und wahrscheinlich nie wieder tragen würde. Mein Hochzeitskleid, an dem ich keinen Anteil hatte. Das andere für mich ausgesucht hatten. Das ich erst am Tage der Trauung zu Gesicht bekam. Bei dem ich kein Mitspracherecht hatte. Wie bei meiner Hochzeit. Ich hatte schon einige Male darüber nachgedacht, ob es anders gewesen wäre, wenn ich die Planung voll und ganz in den Händen gehabt hätte. Ob es aufregender war. Aber im Prinzip war es egal, denn es war genauso wie ich es wollte. Der Schnee war da. Wenige Leute umgaben uns. Dazen war da und hatte seine Aufgaben gemeistert. Garvin war da. Und das war alles, was ich brauchte. Diese eine kleine Wahrheit hatte mich an dem Tage recht heftig getroffen und den Griff um Dazens Arm nur noch fester werden lassen. Immerhin sorgte er dafür, dass ich nicht weglief, vor dem, was ich am meisten wollte und den Weg von der Tür bis zum Altar unbeschadet überstand.
Woher mein Zittern kam, wusste ich nicht, aber ich nahm an, dass das schlichtweg meine Nerven waren, die mich zu einem kleinen Bündel an Nervosität machten.
Und doch war jeder kleine Seitenblick zu dem Mann da neben mir, der nach diesem Abend mein Mann sein würde, die Lösung für alles und das Heil allen Übels. Die Worte der Tetrarchin, dass Liebe Schwäche war, verhallten so schnell, wie sie fielen und die Belehrungen gleich mit, denn ich wusste, dass genau das nur Schall und Rauch war und erinnerte mich stattdessen an das, was mir jemand anderes vor langer Zeit gesagt hatte und ich erlaubte mir ganz kurz den Gedanken an ihn, ehe ich wieder Garvins angespanntes Antlitz ins Auge fasste und alles in Ordnung war.
Die Zeremonie lief an mir vorbei wie in einem viel zu schnellen Stück, in dem ich nicht selbst mitspielte, sondern Zuschauer war. Und als es soweit war, dass ich zustimmen musste, zögerte ich einen Moment. Nicht, weil ich mir bei der Antwort nicht absolut sicher war und auch nicht, weil die Aufregung mich auffraß oder der kurze Ausdruck der Panik auf Garvins Gesicht mich warten ließ. Ich zögerte, weil ich einen Moment darüber nachdachte, ihm das zu sagen, was ich ihm gesagt hätte, wenn wir alleine vor dem Altar gestanden hätten, mit niemandem um uns herum.
Die beste Liebe ist jene, die die Seele erweicht, die uns nach mehr Streben lässt, die Feuer in unsere Herzen pflanzt und Frieden in unseren Geist bringt. Das ist es, was du mir gibst. Das ist es, was ich hoffe, dir für immer zu geben. Du kennst mich besser, als jeder andere auf dieser Welt und irgendwie schaffst du es dennoch, mich zu lieben. Du bist mein bester Freund und meine eine Liebe. Es gibt sogar heute noch einen Teil von mir, der nicht glauben kann, dass ich die Eine bin, die dich heiraten darf. Wo Kälte war, hast du Wärme gebracht. Wo mein Leben dunkel war, hast du Licht gebracht. Und du machst es einfach, zu lieben und ich möchte niemals damit aufhören.
Und dann verwarf ich den Gedanken wieder und antwortete auf die Frage, ob ich gewillt war vor den Augen des Herren, Garvin Wolfseiche zum rechtmäßigen Mann zu nehmen, ihn in seinem Streben nach dem Herren zu unterstützen und mit ihm gemeinsam im Sinne des Herren zu leben?
stattdessen mit einem „Das bin ich, natürlich.“
It's the way that you know what I thought I knew.
It's the beat that my heart skips when I'm with you.
But I still don't understand,
Just how your love can do what no one else can.
Ich war sein Mädchen und seit diesem Tage auch seine Frau, ich trug seinen Namen mit allem Stolz und ich hatte eine Familie, eine kleine, aber sie war da. Und jetzt, hier, in dieser Nacht, war ich mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich das nicht alles wieder verloren hatte und wie viel mir davon blieb, wenn die Sonne am nächsten Morgen aufgehen würde.
Für diese eine Nacht erlaubte ich mir keinen Schlaf, blieb gedemütigt und verletzt wie ich war, neben meinem schlafenden Mann sitzen und betrachtete ihn, solange ich es noch konnte. Und neben allem anderen erlaubte ich mir, meinen eigentlich geliebten Schwager zu hassen. Die Worte der Ritterin hallten ab und zu ganz klar durch meine Gedanken „Er wird nicht nachgeben, ob zurecht oder nicht steht dabei nicht zur Diskussion. Die Frage ist, ob Ihr dieselbe Unnachgiebigkeit an den Tag legt.“ Ich kannte die Antwort darauf und an normalen Tagen hätte ich darüber geschmunzelt, wie ähnlich sie sich in manchen Dingen waren. Jetzt hatte ich das Gefühl, ich wusste nicht einmal mehr wie das geht, schmunzeln, lachen.
Der Tag, an dem es eskalieren würde, war unausweichlich, das war mir seit Langem klar und doch fragte ich mich, wie ich es verhindern konnte, ob ich es hätte verhindern können und vor allem, was die Zukunft nun bedeutete.
Dazens Worte stachen tief und auch wenn ich wusste, dass er außerhalb der geschützten Wände und der noch mehr schützenden Zweisamkeit, kein Gefühlsmensch war, schwappte eine Welle der Enttäuschung über mich. Dass er nicht einmal mehr zuhören wollte, schürte meine Wut über sein Benehmen in der Taverne nur noch mehr. Ich war schon sauer, dass er jedem dahergelaufenen Bürger erzählen musste, wen er als seinen leiblichen Vater vermutete, der Hohn und Spott gegenüber Garvin war aber einfach zu viel. Er war sein Bruder. Mir war es egal, dass er mich damit auch angriff, aber ich konnte mir das für meinen Mann nicht mehr ansehen und ich verstand Garvins Wut nur zu gut.
Ich hatte eine Ritter beleidigt und angegriffen, meinen Präfekten, meinen Schwager und wenn es das unpassendste war, hier mitten in der Nacht, auf meinem Bett sitzend mit leicht aufgeplatzer Unterlippe und sachtem Blauton am Jochbein, entwich mir doch ein kurzes Kichern, das sich aber nach ein, zwei Herzschlägen wieder in Tränen auflöste. Wahrscheinlich war ich gerade dabei, durchzudrehen und den Verstand zu verlieren. Dass die Konsequenzen folgen würde, war mir klar. Und ich fürchtete sie dieses Mal nicht.
Was ich viel mehr fürchtete, waren die Folgen aus zwei Dingen, die mein Leben aus der Bahn geworfen hatten.
„Für mich bist du nicht mehr mein Bruder.“
Es war sein gutes Recht das zu sagen. Und doch nahm es mir etwas weg, das ich gerade erst dazugewonnen hatte und ich fragte mich, ob man das so einfach tun konnte. War Familie nicht mehr Familie, wenn man sie verstieß? Oder änderte es daran nichts und es waren nur Worte, Worte die im Streit gefallen waren.
„Ich werde morgen abreisen, Mairi. Ich verlasse dich nicht, aber wenn du nicht willst, dass man mich hängt weil ich einen Ritter über Nacht meucheln wollte.. musst du mich wohl gehen lassen.“
Und da fragte ich mich, ob man es hören konnte, wenn Herzen brachen. Ich wusste, dass ich nichts ändern konnte an dieser Entscheidung. Ich hätte ihn bitten können, zu bleiben. Für mich. Nur ging es nicht um mich in dieser Sache. Ich war Kollateralschaden.
Es ging um sein Leben, um sein Glück, um seine Zukunft. Ein unser war in dem Moment nicht mehr wichtig. Und doch fragte ich mich, wie ich hier weitermachen sollte, ob ich hier weitermachen sollte oder ob ich seine Entscheidung in vollem Umfang mittrug, auch für mich und einfach mitging. Und genau da lag die Krux. Wir würden auch auf der anderen Seite dieses Stück Landes keine Ruhe finden. Er würde immer der kleine Bruder des Ritters bleiben. Und ich immer die Schwägerin, die Prätorianerin, die Gläubige. Ich hatte keine Hoffnung, dass es woanders besser... anders sein würde.
Ich hatte keine Hoffnung mehr. Ich hatte nur noch das kleine bisschen von mir, das glaubte, sich doch nicht so sehr getäuscht zu haben, das glaubte, dass Familie über den Dingen stand und am Ende doch irgendwie den Sieg davon trug.
Blut war doch dicker, als Wasser, oder nicht?
What screws us up most in life is the picture in our head of how it is supposed to be.
Verfasst: Samstag 28. Februar 2015, 15:29
von Gast
Als ich am morgen aufwachte, fühlte sich alles recht taub an. Das lag wohl auch daran, das die rechte Gesichtshälfte einfach taub war. Es interessierte mich sowieso nicht sonderlich, wie ich nun aussah, aber dieses Gesicht, als hätte man mit einem Hammer darauf herumgeschlagen, widerte gar mich etwas an. Zuschlagen konnte er, das musste man ihm lassen.
Und als ich dann die Treppen hinauf ging, an die Oberfläche kam un die Geräusche des Alltages mich einholten, kam es mir wie der schlimmste Kater der Welt vor. Trotzdem griff ich meine Sachen und warf sie mir über die Schulter. Mairi hinterließ ich einen Zettel, damit sie nicht annahm ich würde nicht zurückkehren und dann verschwand ich, wie jeden Tag, im Wald.
- Und doch ist mir recht heimatlich bei den Geschwistern, heimatlich, zugleich heimatlos.
Durch diesen verdammten Kerl tat mir jede Bewegung weh und ich verfehlte mindestens 10 Mal den Hirsch, wessen Leder ich verscherbeln wollte. Und als ich dann durch das Räuberlager zog, ihnen ihr Hab und Gut abnehmen wollte, weil jenes auf dem Markt auch ab und an ein paar Münzen brachte, knallte der Eine mir seine Keule ins Gesicht, wodurch ich mit einem Auflachen zu Boden ging. Es war echt ein Witz, die ganzen Tage waren ein Witz und ich konnte nicht anders als das alles zu belächeln. Den Keulenschwinger nahm ich dann trotzdem noch sein Leben, wenn die Schmerzen auch nicht mehr erträglich waren um weiter zu machen.
Eigentlich war mir das alles scheiß egal. Es stieß mir nur bitter auf, als ich einen Tag in Rahal unterwegs war, mir jemand begegnete den ich noch nie zuvor gesehen hatte und er, als er meinen Namen hörte lächelte und es kommentiere mit "Ach der Nichtsnutz von Bruder." Ich habe es eigentlich ertragen in seinem Schatten zu stehen, das stand ich immer, jedoch schlug es mir mehr und mehr auf den Magen, dass mein Ruf bereits vorhanden war, ohne das ich ihn selbst erschaffen hatte. Dazu kam nun noch, dass Mairi dazu zählte und sie sich auch unzählige Dinge anhören musste, wie unfähig ihr Mann doch sei. Den besagten Mann jedoch einmal gefragt, das hatte keiner. Sie haben sich natürlich alle auf den Ruf fest gebissen, welchen mein Bruder für mich schuf. Je mehr es zu nahm, um so voller wurde mein Fass und dann, dann bin ich explodiert.
An dem Abend musste ich mir erneut dumme Sprüche anhören, von Leuten die ich nicht einmal per Namen kannte. Sie haben mich beleidigt, kamen meiner Frau dumm und dann habe ich genauso reagiert, wie mein Bruder es seit Monden den Leuten erzählte. Ich hatte keinen Respekt mehr, kam ihnen dämlich und erhielt dafür die Strafe. Sie durften dabei sogar zusehen, konnten sich noch angucken wie der verlogene, faule Sack eine auf's Maul bekam. Ich schenkte meinem Bruder zwischen den Schlägen immer einen Blick, ich weiß nicht ob er ihn verstand, aber es war immer die selbe, stumme Frage: Zufrieden? Denn es interessierte niemanden warum es hier so ausartete, warum ich diese heiligen Bürger beleidigte, nein, mein, durch meine eigene Familie erschaffener Ruf, sorgte bereits dafür, dass man mir nicht mehr glaubte, obwohl man mich nicht kannte.
Die Worte der Ritterin waren die Wenigen, die an jenem Abend nicht die Galle in mir hinauf trieben. Sie sagte, sie könne sich über mich kein Urteil bilden, denn sie kenne mich nicht. Und wenn alle so denken würden, dann wäre es auch egal das mein Bruder meinen Wert in aller Öffentlichkeit immer bis in den Keller tritt. Aber wie man bei der Aktion an diesem Abend merkte, sind nicht alle wie sie. Vor der Ritterin Lilienhayn hatte ich natürlich auch wieder den nötigen Respekt. Denn auch wenn man es nicht glaubte, ich wusste mich zu benehmen. Aber um so mehr sie mit mir sprach, um so gleichgültiger wurde ich. Ich war nicht einmal mehr wütend. Ich glaube sogar ich war enttäuscht, ein weibisches Gefühl, aber was soll's. Ich wusste an diesem Abend, als ich mit Mairi nach Hause ging, dass ich meinen Bruder nun nicht mehr als mein Vorbild ansah, als den Menschen auf den ich stolz war. Er war für mich nur noch der Ritter Wolfseiche und jegliches Familiengefühl ist mit jedem Schlag, den er in der Öffentlichkeit vor versammelter Mannschaft tätigte, verflogen. Solle er sich rühmen, er habe dem faulen Nichtsnutz das Fürchten gelehrt, wenn er mit dem Preis dafür leben konnte, war es mir gleich.
- Wer keine Brüder hat,
hat weder Füße noch Hände.
Verfasst: Mittwoch 11. März 2015, 13:44
von Gast
So vieles auf der Welt blieb mir ein Rätsel, allen voran die nonverbale Kommunikation zwischen Brüdern. Sie hatten sich geprügelt, beleidigt und was nicht alles und am Ende wurde darüber kein wirkliches Wort verloren, sondern nur Gesten ausgetauscht, die ich zwar halbwegs verstand und mir einen Sinn dahinter zusammenreimen konnte und doch blieb mir so viel verborgen, dass es mich fast schon wieder ärgerte. Ich musste wirklich daran arbeiten, die beiden Herren der Schöpfung auch ohne Worte zu verstehen. Vielleicht funktionierte das aber auch nur zwischen Blutsverwandten. Ich hatte keine Ahnung.
Die Tage aber, die unter der Kategorie 'wünscht man nichtmal seinem Feind' liefen, schienen überstanden und ganz zu meinem Erstaunen war der Stein, der die nonverbale Entschuldigung ins Rollen gebracht hatte, gar nicht mal bei den Beteiligten zu liegen, sondern bei jemanden, der wahrscheinlich von der ganzen Familiengeschichte nicht einmal was mitbekommen hatte. Es war überraschend, dass gerade ich, die vor Kälte und Nächstenhass meinem Schwager gegenüber in den vorangegangenen Tagen nur so gestrotzt hatte, gefragt wurde, wie schlimm oder eher 'scheiße' er eigentlich tatsächlich war. Nein, ich war kein Maßstab. Ja, ich wurde trotzdem gefragt. Und dann konnte ich lospoltern und mir alles von der Seele werfen, was da so lag. Was ich nicht tat, war, ihn physisch anzugreifen, auch wenn er mich dazu aufforderte, um, um mir noch mehr Luft zu machen. Ich war niemand, der jemandem einfach so weh tat. Genau das sagte ich ihm auch, nur seine Antwort darauf ließ mich noch lange grübeln. Vielleicht hatte man von sich selbst tatsächlich ein verfälschtes Bild wie in diesen Spiegeln, die einen ganz groß und dürr oder ganz klein und dick aussehen ließen.
Dass er tatsächlich mit zu uns nach hause kam, war nicht weniger erstaunlich für mich, doch beschränkte ich mich vor allem darauf, nur der Puffer zu sein, wenn er benötigt wurde. Wurde er aber nicht einmal und so konnte ich einfach beobachten, wie die Gesten und das Verhalten dahin führten, wo sie eben hinführten und die Worte, die hätten gesagt werden sollen nie ausgesprochen wurden und doch irgendwie ihren Weg in das Bewusstsein des jeweils anderen fanden. In meines nicht - ich hatte es ja schließlich nicht so mit dieser Form der brüderlichen Kommunikation. Wichtig war aber, dass die beiden wieder auf einem Weg waren, der annehmbar und erträglich war und nicht den einen so weit wie möglich vom anderen - und von mir - weg trieb. Ich war mir meiner Position in dieser ganzen Geschichte durchaus bewusst, das änderte allerdings nicht daran, dass auch Kollateralschäden leiden konnten und nun umso froher waren, dass es ein ordentliches Ende gefunden hatte und sich auch der Umgang mit dem Schwager wieder normalisieren konnte.
Auf die Strafe wartete ich dennoch, auch wenn ich verstand, dass er nicht den normalen Weg gehen würde. Das machte das Warten allerdings nicht schöner, zumal ich die letzten Tage ohnehin nur mit Beschäftigungsmaßnahmen verbrachte, damit ich nicht vollends vor Langeweile starb. Das mit dem Knie wurde von Tag zu Tag besser, redete ich mir ein, aber ich vertraute auf Jexxes stinkende Wundermittelchen und der Verband ließ es wenigstens zu, dass ich mich einigermaßen fortbewegen konnte - im Tempo einer sehr alten, sehr langsamen Schnecke und lange nicht so elegant, aber immerhin war ich nicht an irgendwelche Betten gefesselt.
Trotzdem vermisste ich das Laufen jeden Morgen, das unvernünftige Herumtoben in irgendwelchen Höhlen auch gleich mit, vor allem jetzt, wo alle um mich herum wahnsinnig beschäftigt waren mit irgendwelchen Dingen und selbst mein Mann ständig unterwegs war oder in seiner neu gewonnenen Werkstatt Sachen baute, die ich mit Begeisterung in unserem Haus verteilte. Es war nichts neues für mich, dass er tagsüber unterwegs oder beschäftigt war, ed war nur anstrengend, weil ich eben nicht so viel zu tun hatte, wie ich wollte und viel zu viel Zeit hatte, um über irgendwelche Bemerkungen nachzudenken.
Ich bin niemand, der anderen, die noch irgendetwas bedeuten, weh tut. Weder körperlich, noch seelisch. - Das stimmt nicht. Vielleicht ist es dir nur nicht bewusst.
Hatte er damit Recht? Vermutlich, wenn ich daran zurückdachte, dass ich Menschen von mir gestoßen hatte, einfach aus purem Verdacht heraus, dass sie mir ohnehin irgendwann in irgendeiner Art und Weise Schmerzen zufügen würden. Ein gutes Beispiel war er selbst und schliesslich auch das kleine Rotkäppchen, das in den Fängen des Wolfes doch irgendwie ihre Ruhe gefunden zu haben schien. Die Frage war aber nicht nur, ob ich es tat und es mir nur nicht bewusst war, sondern eher, ob ich daran etwas ändern wollte oder konnte.
To improve is to change; to be perfect is to change often. (Churchill)
Verfasst: Sonntag 12. Juli 2015, 03:59
von Gast
Es vergingen bereits einige Tage, sogar Wochen, in denen ich zwar meiner Arbeit nachging, aber nie wirklich zur Ruhe kam. Es war nicht die Liebe die mir fehlte oder die Tätigkeit, es war wohl einfach das ganze Drumherum, welches mir die Heimat unerträglich machte. Heimat war generell ein recht großes Wort. Ich stelle die Monde mit Mairi fest, das meine Heimat eigentlich da war, wo sie war und doch offenbarte mir die Zeit, dass es doch mehr brauchte, um ein vollkommenes Glück zu finden. Glück, Liebe und Zufriedenheit wurden in dieser Stadt nicht unbedingt groß geschrieben und ich war wahrlich auch niemand, der das unbedingt brauchte. Aber ich merkte, mit der Zeit, dass Rahal zumindest nicht das war, was ich wollte, für den Rest meines Lebens. Da traf es sich somit eigentlich ganz gut, dass Mutter mir schrieb und von Vaters gebrochenen Bein berichtete. Sie brauchten Hilfe, Hilfe von mir oder von meinem Bruder und da mein Bruder hier sicherlich wichtigeres und besseres zutun hatte, als auf eine Reise zu gehen und auf einem Bauernhof zu helfen, war ich bereit diese Möglichkeit zu greifen. Das war ich allerdings schon vor einer Woche. Es benötigte nur Zeit, das auch für meine Frau begreiflich zu machen, ohne ihr das Herz in tausend Stücke zu reißen. Ich war zwar kein großer Schreiber, doch versuchte ich es und verfasste das wichtigste Papier meines Lebens.
Meine geliebte Mairi - mein Mädchen,
verstehe mich bitte nicht falsch, wenn ich diese Zeilen nun an dich sende, doch was folgt, wird weder dir noch mir gefallen. Es gab einen Tag, da kam ich hier an, betrachtete die Welt und all diese seltsamen Gestalten und war verwundert, wenn ich überhaupt wen kennen lernen konnte, der mir nicht nach wenigen Augenblick auf die Nerven ging. Doch dann, dann traf ich dich. Die kleine Frau, die weder wusste wo sich Norden oder Süden befand. Ich wollte mir das eher schwerlich eingestehen, aber ich glaube ich habe mich in dich verliebt, als du dich zum ersten Mal zu Wort gemeldet hat. Du warst, nach diversen Höhen und Tiefen, mein Seelenheil.
Das sind alles so Dinge, die man hier nicht laut aussprechen sollte und die ich persönlich auch recht selten von mir gebe. Aber ich will das du weißt, dass du mein Mädchen bist und das auch immer sein wirst. Die Ehe mit dir, sie ist wie ein Teil meines Blutes und wird für mich immer Bestand haben. Doch zwinge ich dich nicht, zu nichts. Das sage ich nicht einfach so: Du musst wissen, dass ich weg sein werde, wenn du wach wirst. Vater benötigt Hilfe auf dem Hof und ich, ich fühle mich nicht frei genug in dieser riesigen Stadt, als dass ich dieses Angebot mit einem Lächeln im Gesicht abschlagen könnte. Ich habe zugesagt, so wird mein Weg wieder nach Hause führen.
Was auf unseren Ringen geschrieben steht, ist die Wahrheit. Du gehörst zu mir, wie das Wasser zum Fluss oder die Wolke zum Himmel. So werde ich, so wie ich es einst vor Alatar bezeugte, die treu sein und loyal, wenn ich auch nicht mehr an deiner Seite weile. Gleiches verlange ich allerdings nicht von dir. Um so länger ich fort bleibe, um so einsamer wirst du vermutlich sein. Das will ich nicht, das wirst du irgendwann auch nicht mehr wollen. Und vielleicht wäre es auch einfacher für dich, denn ich kann nicht sagen ob ich zurückkehre, wenn du denkst ich hätte dich verlassen, ohne ein Wort, wie der letzte Idiot...
Ich liebe dich, Mairi Wolfseiche.
Zeilen, die ich überflog, wo ich Gedanken schrieb, bevor ich sie zum Ende brachte. Ich erinnerte mich daran, was ich einst in Büchern las und wie sie reagierte, als man sie ohne Worte gehen ließ. Eventuell wäre das hier auch besser gewesen. Doch wusste ich, dass ich es nicht konnte. Ich ging nicht im Groll, ich ging mit Trauer und wenn es die Zeit und das Leben wollte, wäre sie trotzdem die Person, mit der ich einst alt sein würde. Oder eben die, die glücklich wird, ein Glück, was mich glücklich macht. Ich legte meinen Ring nicht nieder, denn gab es für mich trotz diesem Schritt kein anderes Mädchen als dieses Eine. Ich konnte lediglich nicht mehr länger bei ihr sein.
Und so brach ich auf in die Heimat, berichtete dort mit einem Lächeln von meiner Frau und stürzte mich dann in die Arbeit. Ich wollte mich verlieren, bevor das beginnende Leben ohne meinen Seelenpartner mich zu Boden riss.
- Denn es sind du und ich und all diese Leute
Nichts zu tun habend, nichts zu verlieren
Und es sind du und ich und all diese Leute
Und ich weiß nicht warum,
ich meine Augen nicht von dir lassen kann
All die Dinge die ich sagen will
Kommen einfach nicht richtig heraus
Ich stolpere über Wörter
Wegen dir dreht sich alles in meinem Kopf
Ich weiß nicht wo ich von hier aus hin soll
Verfasst: Donnerstag 23. Juli 2015, 07:33
von Mairi Wolfseiche
Seit zehn Tagen hatte ich unser Haus nicht mehr betreten. Um ehrlich zu sein, war ich nicht einmal in die Nähe gekommen. Ich mied es. Ich mied den Platz, an dem das zerknitterte Pergament mit der Nachricht lag und das komplette Areal drumherum. Ich schlief nicht in unserem Bett, ich erntete nicht das Obst in unserem Garten, ich leerte nicht einmal unseren Briefkasten. Die Nachbarn würden denken, wir waren verreist oder so. Und eigentlich war mir egal, was die Nachbarn dachten. Ich zog mich, so gut es ging, zurück, verbrachte die meiste Zeit damit im Hof des Hauses der Prätorianer zu sitzen und den Stamm des Apfelbaumes zu beobachten, zumindest, wenn die anderen nicht da waren. Stämme veränderten sich nicht einfach mal so über ein paar Tage hinweg. Und das war gut. Damit kam ich zurecht.
Der ein oder andere hatte mich sicher bemerkt und ich war mir nicht sicher, wieviel von ihren Beobachtungen an den einen herangetragen wurden, den ich noch mehr mied, als den Rest der Bande.
Wenn viel los war, machte ich mich einfach so gut wie unsichtbar oder ging einer der wenigen anderen Beschäftigungen nach, die ich dieser Tage ertragen konnte - ich lief und dachte nur daran, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Ich lief die morgendliche Strecke manchmal drei-, viermal am Tag bis meine Muskeln so sehr schmerzten, dass ich vor Erschöpfung nur noch auf die mittlerweile hochgeschätzte Bank im Hof krabbeln konnte. Manchmal schlief ich dort ein, manchmal bezog ich eines der Betten, aber immer nur dann, wenn ich wirklich musste. Die meiste Zeit blieb ich einfach wach oder dämmerte vor mich hin, solange ich konnte. Schlaf war genauso wie das Haus und die Verwandtschaft eine Sache, die ich mied seit dem Tag.
Als mir die Nachricht in die Hände fiel, blieb meine kleine heile Welt für einen Moment stehen und bröckelte. Ich war todtraurig, verletzt, verzweifelt und so gebrochen, dass ich kurz nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte. Und ich war so unglaublich wütend darüber, dass er einfach denken konnte, ich würde irgendwann etwas anderes wollen, jemand anderen.
Und dann verbot ich mir all die Emotionen, die über mich hereinschwappten beim lesen. Mir war klar, dass allea immernoch schwelte und ich nur verdrängte, sonst würde ich die Dinge nicht meiden, die ich mied. Und ich hatte kurz das Gefühl, als der große Bruder mich in die Arme nahm, dass alles ausbrechen würde und ich damit wieder an dem Punkt ankommen würde, an dem ich nicht mehr verdrängen konnte. Aber es hatte gehalten. Ich hatte gehalten. Ich funktionierte, irgendwie, wenn auch mit wenig Schlaf und noch weniger Leben. Selbst die Süßigkeitentruhe im Gemeinschaftshaus war in den letzten Tagen ungewöhnlich voll, dafür die Küche und das ganze Anwesen unheimlich sauber.
Selbst die Beben rüttelten mich nicht wach oder unterbrachen meine Flucht. Eine Flucht vor mir selbst, von der ich nicht wusste, wie sie enden würde oder könnte oder sollte.
Der Filmstreifen hängt in immer gleichen Schleifen fest.
Die Bilder springen wie ein Insekt, das sich nicht greifen lässt.
Das Geschwirre macht mich irre und es hält mich wach.
Wie unter Fieber werden Glieder heiß, Atem kalt.
Was sich mit Widerhaken dann in meine Laken krallt,
Ist die Angst vor der Nacht und was sie mit mir macht.
Du bist so laut in meinem Kopf und alles dreht sich.
Ich versuch dich zu vergessen, doch es geht nicht.
Ich lieg wach und bleib ratlos.
Was soll ich tun? Du machst mich schlaflos.
Die Stille liegt mir in den Ohren, es zerreißt mich.
Ich zähl die Stunden bis zum Morgen und ich weiß nicht,
Was muss passieren? Ich bleib ratlos.
Was soll ich tun? Du machst mich schlaflos.
Verfasst: Donnerstag 23. Juli 2015, 18:44
von Gast
Ich hob den Handrücken an meine Stirn und drückte mich in die Gerade. Die Sonne knallte aufs Feld und ich wusste nicht wie ich diese Hitze früher ertragen hatte. Mutter lächelte mir immer zu, als sie sah wie ich mich auf dem Feld in die Müdigkeit rackerte, ab und an brachte sie mir auch frisches Wasser oder rief zum Essen. Eigentlich war alles wie früher, kurz nachdem Dazen abreiste. Doch, so oft ich versuchte es mir auszureden, war das Loch in meiner Brust so präsent, dass nicht einmal die zerrende Arbeit mich davon ablenkte. So auch nicht das Laufen, über Felder und den Wald am Abend. So stürzte ich mich in den nahe liegenden See, ließ mich treiben und fragte mich, was das Leben für mich bereit hielt. Die Nachrichten der Beben kamen auch bis hier, wenn sich Mutter natürlich auch nur Sorgen um Dazen machte und war das doch eigentlich meine geringste Sorge. Der große Kerl bricht sich nicht bei einem Marktbesuch den Fuß.
"Garvin! Wir gehen was trinken!"
Weckte mich dann die Stimme Safers aus den Gedankengängen, ich hob die rechte Hand an und stimmte mit einem Nicken zu. So dauerte es nicht lange, das ich wieder Kleider am Leibe hatte und ihm in die örtliche Kaschemme folgte. Tja, ein paar Bier später und mit weniger klareren Blick hing ich an der Theke. Wer sagte, dass Alkohol irgendwas retten würde, helfen könnte, der hatte gelogen. Man fühlte sich noch elender und konnte sich nicht einmal kontrollieren. Vielleicht war das auch der Grund, warum aus mir einem nicht erklärlichen Grund, mein Ehering über den Tresen rollte und zu Boden fiel. Ich drückte mich ruckartig in die Höhe, riss meinen Hock mit und taumelte dem schlichten Metall hinterher. Bevor ich es aber mit meiner lächerlichen Körperkontrolle greifen konnte, kam mir irgendwer zu vor. Irgendwelche Witze wurden gemacht, mit dem Metall spielerisch vor meinem Gesicht herum gewedelt. Ich hörte noch so etwas wie ein "Hol ihn dir, Großer." und ehe ich mich versah, rammte ich den Leib des 'Diebes' gegen die Wand und drückte meinen Unterarm gegen seine Kehle. Wieder flog der Ring zu Boden, wie ein Stein, ohne noch weiter seinen Weg über den Holz zu suchen und ich blickte einer schockierten Frau ins Gesicht. So viel Schminke und so eine aufgedonnerte Kleidung, dass ihre Absichten doch recht offensichtlich waren. Sie hatte Angst vor mir und ich drückte noch eine ganze Weile gegen ihre Kehle, bevor mich mein Kindheitsfreund an der Schulter zurück zog und mich ratlos ansah. Er sagte auch was, irgendwas, bla - es interessierte mich nicht. Ich schubste ihn weg, griff mein Eigentum vom Boden auf und verließ die Taverne. Den Ring hatte ich bereits wieder aufgezogen, da hatte ich noch nicht einmal die Schwelle erreicht.
Am nächsten Morgen, und das war mir persönlich vollkommen egal, war ich Dorfgespräch. Der unerzogene Wolfseiche, der wehrlose Frauen verprügelt. tötet. Wie die Leute eben reden. Allerdings konnte das zum einem mir egal sein und meinen Kater, den ich hatte, war es noch gleichgültiger. Leider sah mein Vater das nur anders, denn ich konnte nicht zwei Schritte auf dem Feld tun, da hatte ich schon eine Faust im Gesicht. Verdient? War mir egal.
Es war wie ein Alptraum.
Und ist es schmerzhaft für mich,
denn niemand will zu früh gehen.
Erinnere dich an den Tag des Kummers,
nun ist es fremd für mich.
Ich konnte dein Gesicht sehen,
ich konnte deine Stimme hören.
Erinnere dich an den Tag, an dem wir uns trafen.
Jetzt ist es schmerzhaft für mich,
denn niemand will zu früh gehen.
Erinnere dich an einen Tag, den wir uns erträumten.
Und ist es schmerzhaft für mich.
Ich konnte dein Gesicht sehen,
ich konnte deine Stimme hören.
Verfasst: Samstag 12. September 2015, 18:05
von Mairi Wolfseiche
Keine Ahnung, ob es stimmt, was die Leute so sagen. Dass die Zeit alle Wunden heilt und sowas. Ich wusste es nicht und ich vermied auch, darüber nachzudenken. Vielleicht war einfach noch nicht genug Zeit vergangen, um es irgendwie besser zu machen. Denn das war es nicht.
Mein Weglaufen hatte nichts gebracht. Meine Rückkehr noch weniger. Ich wurde von dem Fast-Ebenbild, der sich auch großer Bruder nannte, einfach geschnappt und umarmt und diese unübliche Geste brachte das Fass beinahe zum Überlaufen. Aber ich hielt mich zusammen, wechselte ein paar Worte auch mit den anderen und verschwand dann wieder. Wieder für einige Tage oder vielleicht auch zwei Wochen, keine Ahnung. Schlaf fand mich, wann er mich finden wollte oder eben musste. Alles andere ging irgendwie von alleine. Dass das nicht auf ewig so weitergehen konnte, war mir klar. Aber ich wusste nicht, wie ich es ändern sollte. Rationale Entscheidungen waren zur Zeit nicht meine große Stärke, also vermied ich einfach das, was mich irgendwie belastete.
Ich ordnete alle Sachen, die in dem lange getragenen Blau der Prätorianer gefärbt waren, faltete sie zusammen und brachte sie in das große Haus der Gemeinschaft. Genauso wie mein Armband, das symbolisierte, wo ich hin gehört hatte. Ich hatte viele schöne Stunden hier verbracht und war vor allem auch da wegen Dazen. Damit ich ein Auge auf ihn haben konnte und ihm den Schutz bieten konnte, den ich meiner Familie eben bieten wollte.
Alleine das Wort zu denken, das Zusammenhalt und Zuhause bedeutete, war nicht einfach. Mir war klar, dass ich dem großen Bruder damit Unrecht tat und vielleicht auch den anderen Mitgliedern, die mich vor Monaten bei sich aufgenommen und willkommen geheißen hatten, aber wie sollte ich hier bleiben, wenn ich nicht mal demjenigen, den ich meine Treue auch außerhalb der Familie geschworen hatte, in die Augen sehen konnte. Wobei die Augen nicht einmal das Problem waren, da lag immerhin der Unterschied, da hatte sein Vater sich durchgesetzt gegen das wolfseich'sche Aussehen, aber der Rest, der ganze große Rest war zu ähnlich. Und für mich zu viel.
Wahrscheinlich würde er es nicht verstehen, denn was ich zeigte, war Schwäche und die sah man hier ja genauso ungern, wie andere Dinge. Aber er würde es nicht verhindern oder mich überreden, davon war ich überzeugt. Und doch war der eine Weg, ihm die Erklärung abzuliefern, wieso und weshalb und ihm den Schlüsselbund in die Hand zu drücken, kein einfacher. Im Gegenteil.
Und ansonsten. Ansonsten versuchte ich mich auf das zu konzentrieren, was mir geblieben war. Ich hatte neben allem anderen, was meine Menschlichkeit noch ausmachte, auch noch ein anderes Schicksal zu erfüllen. Bei der Weihe des kleines Prinzesschens war ich auch seit Wochen wieder unter meinen Geschwistern. Das war im Großen und Ganzen nichts, was das andere besser machte, aber es brachte mich zumindest stundenweise auf andere Gedanken. Vielleicht war er auch deswegen gegangen und wollte es mir einfach nicht sagen. Vielleicht würde ich es irgendwann erfahren. Oder eben auch nicht. Ich hatte nicht einmal eine Ahnung, wie es ihm ging. Sicher, ich hätte den großen Bruder fragen können, denn er hatte Kontakt zu den Eltern. Aber es würde vermutlich nichts an meiner eigenen Situation ändern. Daher versuchte ich, einen Plan zu entwickeln, der mich beschäftigte und meine Gedanken davon abhielt, irgendwo zu diesem Hof zu wandern zu den Schwiegereltern, die ich nie kennenlernen durfte. Stattdessen ließ ich sie zu einer anderen Welt wandern, malte mir aus, wie es wohl dort aussehen würde, nicht hier auf unserer Ebene, sondern fernab von den Lebenden. Ich wollte wissen, wie es in dem Reich aussah, dessen Herr meinen weiteren Lebensweg vor einigen Jahren bestimmt hatte und es noch heute tat. Ich wusste, wen ich fragen konnte, hatte aber keine Ahnung, wo er steckte. Ein weiterer Mensch – oder so – der mir fehlte und von dem ich nicht wusste, wie es ihm ging. Also musste ich alleine durch und meinen Plan in die Tat umsetzen. Vielleicht mit Mios Hand in meiner. Wenn sie mich begleiten wollte.
Verfasst: Donnerstag 5. November 2015, 20:23
von Mairi Wolfseiche
Ich war seitdem das erste Mal wieder auf einem Fest gewesen. Seitdem war für mich ein fester Zeitpunkt, ein Tag, der nun schon eine ganze Weile zurücklag. Ich hatte seitdem versucht, weiterzumachen. Änderte Gewohnheiten, änderte sie wieder zurück, wenn ich merkte, dass es nichts brachte.
Ich hatte mein Haus lange nicht betreten, mittlerweile wohnte ich wieder darin. Ich lief noch immer jeden Morgen bis zur Erschöpfung. Mit vollem Rucksack, ohne Rucksack. Ich hatte meine Taverne wochenlang nicht geöffnet, mittlerweile kümmerte ich mich wieder darum. Obwohl ich Hilfe gebrauchen konnte. Bei der Taverne. Alles andere an Hilfe gestattete ich nicht. Ich hatte die Prätorianer verlassen. Das hatte sich nicht geändert. Dafür war ich der Garde beigetreten. Ich hatte Dazen gemieden. Das tat ich nicht mehr.
Aber egal, wieviele Dinge ich änderte oder nicht änderte, egal wieviele Dinge ich neu anfing oder beendete, sie änderten alle nichts. Seitdem hatte sich nichts geändert. Vor allem nicht ich.
Es war nicht besser. Ich hatte mich vielleicht daran gewöhnt, aber besser war es nicht. Wenn ich Dazen sah, sah ich immernoch ihn. Wenn ich unser Haus betrat, egal wie oft ich es umräumte, fühlte es sich noch immer an, als wäre er dort oder als würde er jeden Moment zur Tür hereinkommen, hungrig. Und es roch auch noch immer nach ihm, zumindest bildete ich mir das ein.
Die Nächte waren am schlimmsten. Das, was mir von meinem glücklicherweise traumlosen Schlaf geblieben war, war nicht viel, meistens nur wenige Stunden und jeden Morgen, wenn ich weit vor Sonnenaufgang erwachte, gab es diesen einen kurzen Moment, in dem es sich anfühlte, als wäre er da, als lägen seine Arme um mich herum, als vertrieb seine Hitze die Kälte aus meinem Körper, als streifte sein Atem meinen Nacken.
Und jeden Morgen klammerte ich mich daran, versuchte all das festzuhalten und dagegen anzukämpfen, dass er entschwand. Erfolglos bei jedem einzelnen Mal.
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Und so tat ich wieder eine Nacht etwas, das mich ablenkte und dazu noch bei meiner baldigen Reise helfen sollte. Rahal war leer in den Stunden kurz vor dem Morgengrauen, das hatte ich in den letzten Monaten immer wieder bemerkt. Die Briefe an meine Geschwister waren geschrieben, der Brief an Mio ebenfalls. Sie alle würden sich vorbereiten, um mir zu helfen, die Grenze zu überschreiten und vor allem bei Mio wusste ich, dass sie mich nicht dort lassen würde. Aber wenn ich schon ging, wenn ich in diese, in Seine Welt eintauchen würde, dann würde ich zumindest nach denjenigen sehen, die sie schon längst aufgesucht hatten.
Der Friedhof lag still. Außer das leise Gurren einer Eule war nicht viel zu vernehmen, auch nicht von mir. Ich musste zugeben, dass ich mir anfangs etwas Hilfe beim Graben verschaffte, nur das letzte Stückchen machte ich allein, an beiden Gräbern. Ich brauchte nur ein kleines Stück, ein kleines Teil der beiden, die dort lagen. Ein Knochen sollte reichen. Ton- und wortlos versprach ich den beiden, dass alles wieder an dem exakt gleichen Platz landen würde, wo ich es genommen hatte. Es war kein Stehlen. Es war ein Leihen. Als die Gräber wieder zugeschaufelt waren, pflanzte ich noch jeweils eine kleine winterfeste Pflanze auf dem Platz. Es würde am Morgen so aussehen, als hätte sich nur jemand um die Ruhestätten der beiden dort gekümmert.
Und ich hatte, was ich brauchte, um sie zu finden. Zumindest hoffte ich das.
Verfasst: Sonntag 10. Januar 2016, 18:44
von Mairi Wolfseiche
Mehr als zwei Wochen war es nun schon wieder her. Doch auch, wenn zwei Wochen nicht lange erscheinen, reichte auch das aus, um die Erinnerung schon wieder verblassen zu lassen. Ich vergaß Dinge. Das hatte ich ihm auch schon gesagt. Manchmal waren es ganz banale Sachen, die einfach eine Lücke hinterließen in meinem Gedächtnis, die ein schwarzes Nichts da festtackerten, wo vorher ein bewegtes Bild war. Manchmal waren es wichtige Dinge, für mich wichtig.
Ich weiß nicht einmal, warum ich es ihm erzählt hatte, aber wem auch sonst. Er war der einzige, der blieb nach... allem.
Das Vergessen machte mir mehr Sorgen, als die ständige Schwäche, der Husten, das Unwohlsein. Auch wenn alles zusammen mir langsam den Verstand raubte.
Diese... Gestalt hatte mich gewaltsam (und freiwillig) aus der anderen Welt entrissen. Und mir gesagt, dass ich einen Preis zu zahlen hatte, dass ich schwinden würde. Ich kannte keinen, der dort wieder herauskam oder wie der Preis ausfiel und hatte es meinem eigenen Leichtsinn zu verdanken, dass ich jetzt hier feststeckte. Es war auch unklar, ob meine Geschwister mir noch einmal helfen würden nach diesem Debakel, aber fragen musste ich sie, beizeiten. Vor allem Mio. Es drängte mich, sie wiederzusehen, mit ihr zu reden. Diese kleine Gestalt war mir so wichtig geworden. Und ich konnte mich auf sie verlassen. Sie hatte mich zurückgeholt. Mit den anderen und vermutlich mehr mit der Hilfe dieses... Wesens, aber sie hatte es versprochen und es gehalten.
Aber ich steckte fest, irgendwo zwischen zwei Welten, in denen ich beiden nicht richtig sein wollte. Die andere war grau und trist und ja... gruselig, angsteinflößend und ich war noch nicht bereit, dorthin zu gehen. Deshalb musste auch eine Lösung her, ein Handel mit der Wächterin. Ein Handel, der sich wieder um Macht drehte.
Und dann war da diese Welt. Ganz normal, sie drehte sich weiter, ganz egal, was passierte und verspottete somit alle, die darin gefangen waren. Wollte ich noch hier sein? Ja, das war die Antwort, sicherlich, aber nicht so, wie es jetzt war, wie ich jetzt war.
Ich steckte fest. Und schlimmer noch, als dass ich es sogar wusste, war die Tatsache, dass ich nichts dagegen tat. Das, was Dazen mir gesagt hatte, war mir klar, aber ich wusste nicht, wie ich es änderte.
Wie geht es dir? - Weiss nicht. Keine Lüge.
Es tat so gut, ihn zu sehen, dass ich nicht wusste, ob ich weinen oder lachen sollte. Ich wusste, was sein Besuch später mit mir machen würde, aber für den Moment, für die eine Stunde, die er bei mir war, war es gut. Ich erinnert mich. An alles. An ihn.
Ich vergess Dinge von ihm. Und andere. Und das machte mir ehrlichgesagt echt Angst. Was, wenn ich einfach vergaß? Und was, wenn die Erinnerungen verloren gingen?
Mir geht’s nicht besser. Es müsste doch mal besser werden, oder? Mir war klar, dass ich das Gespräch hätte einfach halten können. Die Mundwinkel heben, ihn anlügen. Aber wozu? Vor allem, weil er ohnehin viel mehr sah, als nötig war.
Ich denke, ich würde damit auch nicht zurecht kommen. Kam überhaupt irgendjemand mit sowas zurecht? Aus meiner kleinen eigenen Sicht konnte ich mir das nur schwer vorstellen. Aber es gab so viele Leute, denen so etwas nichts auszumachen schien. Weitermachen. Den nächsten in sein Leben lassen. Und alles war wieder gut.
Weißt du, wie es ihm geht? Diese Frage hatte ich mir so lange verkniffen. Ich hätte sie schon vor Wochen, mittlerweile Monaten stellen können. Ich hätte sie mir sogar selbst beantworten können, indem ich zu seinen Eltern gereist wäre. Aber ehrlichgesagt hatte ich so viel Angst vor der Antwort, dass ich mich drückte. Ich konnte die Antwort schlichtweg nicht ertragen, ganz egal, wie sie ausfiel.
Der ist voll mit Arbeit auf dem Hof und hat keinen Kopf für etwas anderes derzeit. Liegt eben daran, dass die alten Herrschaften nicht mehr so können, wie früher. Keine Ahnung, wie das ist, wenn er im Bett liegt, das habe ich ihn nicht gefragt, Mairi. Aber ganz ehrlich, wir könnten uns auch Knechte und Mägde leisten und er könnte hier sein. Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, hatte ich kaum eine andere Antwort erwartet und dennoch warf sie nur noch mehr Fragen auf.
Ist er aber nicht.
Ich finde, das sagt alles aus, mh? Sagte es das? Vielleicht. Ich wusste es nicht, aber ich klammerte mich auch mit allem, was ich hatte an das, was ich wollte, was ich hoffte. Es würde einen Grund geben. Irgendeinen. Und selbst, wenn es den nicht gab. Irgendwann würde es anders sein. So oder so.
Und selbst, wenn mein Schwager, sein Bruder für mich da war und bei allem unterstützen würde, selbst bei einer Lüge, war ich nicht bereit dazu, eine Ehe zu annulieren. Immerhin war das irgendwann mal etwas wert. Ich konnte es nicht loslassen. Nicht so.
Bei dir klingt das immer alles so einfach, Dazen.
Aber es ist doch so einfach. Das Vergessen vielleicht nicht, aber das mit abschließen jedenfalls. Man muss es nur tun und wollen halt.
Ich glaube, am letzteren scheitert es.
Du siehst scheiße aus, Mairi.
Du versumpfst mir eindeutig zu sehr in deinem eigenen Elend.
Ich versuch's ja.
Nicht wirklich. Du musst da selber raus wollen, ich kann dich da nicht rauszerren. Schließ damit ab, Mairi. Alles Dinge, die ich wusste. Und doch war es, als säße ich hinter einer dicken Glasscheibe, ich sah, was sein könnte, aber ich konnte nicht dorthin. Ich war wie gelähmt in meiner eigenen kleinen Welt. Irgendwann musste ich mich bewegen und sei es nur, um weiterzumachen. Und sei es nur, um nicht in diese andere Welt, die mir noch viel mehr Angst machte, als diese hier, zu gelangen.
Als ich ihn verabschiedete, meinte ich meine Worte so ehrlich wie noch nie zuvor. Es war schön, ihn zu sehen. Nicht nur, weil er mir ein paar Erinnerungen wieder zu mehr Leben erweckt hatte, sondern weil ich wusste, da war jemand. Ich würde immer ein Teil von ihm in seinem großen Bruder sehen und haben. Und auch wenn es jetzt schmerzte, würde es irgendwann etwas Gutes sein. Irgendwann würde es sich ändern.
They say that time's supposed to heal us, but i ain't done much healing...
Verfasst: Montag 11. Januar 2016, 23:53
von Gast
Ich lag die ganze Nacht wach, ich wusste nicht einmal ob sie es merkte. War sie auch wach? Ich hatte nicht den Schneid die Augen zu öffnen und es zu überprüfen. Ich hielt sie einfach fest. Ich wusste nicht einmal warum ich hier war, als ich sie das erste Mal wieder sah, habe ich angefangen mich noch mehr zu hassen. Ich hatte sie zerstört, auch wenn ich es nicht aussprechen konnte, ich hatte sie kaputt gemacht. Sie trug mein Hemd, sie war abgemagert, sie war krank. Ich hatte meinen wichtigsten Menschen zerstört - mein Mädchen. Doch das war sie nicht mehr, sie war die erbärmliche Schöpfung von meinen Taten und mir kam die Gülle hoch, wenn ich nur daran dachte.
Also tat ich so als würde ich schlafen. Ich ließ die Augen zu und wartete ab, bis sie aufstand und ich wusste nicht einmal, was ich dann tun sollte. Ich hatte keine richtigen Worte für sie und ich hatte sie auch nicht für mich. Ich wusste einfach nicht wo ich hin sollte und sie wusste anscheinend noch genau wo sie hingehörte. Was war ich nur für ein scheiß Arschloch. Ich schnappte nach Luft und nutzte den Moment, wo ich sicher war das sie schlafen würde und drückte mich hoch. Auch wenn ich nur die Etage wechselte, hinterließ ich ihr eine Zeile, dass ich nur oben wäre. Ziemlich albern, eigentlich sollte ich mich aus ihrem Leben fern halten.
Oben saß ich und kam mir so fremd vor, wie noch nie. Und das würde sich auch nicht bessern. Ich könnte ihr nichts erzählen, ich wusste nicht einmal ob hier bleiben noch die beste Idee wäre. Jedes Mal wenn ich sie ansah, sah ich wie ich versagt hatte und fing an mich zu hassen, für all das und für das Andere. Ich war froh das wir nichts emotionales sagten, keine Gefühle offenbarten. Denn hätte sie welche von sich gegeben, hätte mich das schmerzlich daran erinnert das ich sie nicht verdient habe. Und nachdem ich ein paar Stunden oben saß und wartete, dass die Zeit verging, ging auch wieder hinab, legte mich zurück ins Bett und nahm meine alte Starre ein. Ich war für nichts bereit, konnte mich nicht im Spiegel ansehen, aber ich musste liegen und die Augen zu machen, denn meine ganzen Muskeln taten weh, abgesehen von meiner scheiß Seele - daran verschwendete ich erst gar keinen Gedanken.
Verfasst: Samstag 23. Januar 2016, 16:36
von Mairi Wolfseiche
Gläser zersprangen, wenn sie auf Steinboden fielen. Es war einfach eine gegebene Tatsache, dass Glas, wenn es auf Stein traf, brach. In viele, viele kleine Scherben, die eine ganz andere Eigenschaft hatten, als das Glas, das sie vorher noch waren. Sie waren scharf, sie verletzten, sie schnitten durch Haut und in Fleisch.
Und so stand ich dort, auf dem Steinboden meines Schlafzimmers, wo der Teppich den kalten grauen Boden noch nicht erreichte, barfuß inmitten von Scherben und wusste für den Moment nicht, ob ich wachte oder träumte oder ob mich der Wahnsinn letztendlich doch in den Abgrund gerissen hatte, als ich den einen Menschen betrachtete – oder anstarrte – den ich am meisten genau dort sitzen sehen wollte. Mein Körper gehorchte mir nicht in diesen Minuten, die ich da stand und nicht begriff. Und mein Verstand verstand nicht, als ich mich doch in Bewegung setzte, weil ich mir nicht sicher war, ob ich mit meinem Versuch, den Abstand zu überbrücken nur gegen die Wand des Zimmers knallen würde oder dort landen würde, wo ich hingehörte. Beides passierte nicht. Stattdessen tat er das, was er tat. Er passte auf, dass ich mich nicht verletzte, dass kein Blut floss durch die Splitter, die meine nackten Füße aufzureißen drohten.
Wir sprachen nicht viel. Ich wusste, dass er nicht wusste, was zu sagen war. Und umgekehrt war es vermutlich genauso und wer wusste schon, was viele Worte anrichteten. Ich war nicht bereit für die Worte, ich war nicht bereit für Wut, die er erwartete. Worüber sollte ich wütend sein? Weshalb sollte ich ihn anschreien? Es würde nichts ändern. Und mein Kopf war leer, bis auf die Tatsache, dass ich ihn nicht gehen lassen konnte. Ich konnte es nicht ertragen, irgendeine Art Abstand zwischen uns zu haben, körperlich. Also hielt ich fest an ihm und an allem, an das ich mich die letzten Monate geklammert hatte. Alle anderen Arten, die vielleicht Abstand bedeuteten, wollte ich mir nicht ausmalen. Er war wieder da. Und ich erlaubte mir, loszulassen, erlaubte mir, einzuschlafen auch auf die Gefahr hin, dass es doch ein Traum war, ein ekelhaft bösartiger Traum, wenn ich aufwachen musste und ich erlaubte mir, zu hoffen, obwohl ich wusste, dass es für mich nicht gut ausgehen würde, wenn es doch nur eine Trugszene war, die mein wirrer Kopf mir vorgaukelte.
Sie war es nicht. Es war real, es war echt und jede Stunde, die verging – ich hatte mir abgewöhnt in Tagen oder gar Wochen zu denken – wurde es besser, auch wenn ich nie die Fragen gestellt hatte, die vermutlich brennend interessieren müssten. War ich deswegen eine schlechtere Ehefrau? Nein. Denn manche Reisen konnte man nur alleine antreten und bewältigen. Manche Wege musste man ohne den anderen gehen und man musste gehen lassen, wenn es nötig war. Er würde mir irgendwann alles erzählen, wenn er es für richtig hielt. Wenn er das Bedürfnis hatte, seine Reise mit mir zu teilen, wenn er es wollte und dann würde ich bereit sein, ihm zuzuhören und ihm trotzdem zu verzeihen, wenn es etwas gab, das verziehen werden musste.
Und ich konnte meine eigene Reise fortsetzen, konnte Dinge beenden, die ich im Wirrwarr meines Schmerzes angefangen hatte, konnte mich Sachen stellen, die keinen Aufschub mehr duldeten. Ich konnte wieder da sein, für ihn, für mich und für das, was mich hielt.
Ich fand Schlaf, wo er wachte und wachte, wo er ihn fand. So passte ich auf ihn auf, wie ich es vorher schon getan hatte. Und auch immer weiter tun würde.