Ich muss mich erst dran gewöhnen
das du nicht mehr da bist
mir nicht mehr nah bist
mir nichts weiter da lässt
Tu was du tun musst, zeig allen was du kannst
und wenn du fertig bist dann flieg zurück auf meine Hand.
Dann sing mir vor was du dort so erlebt hast,
ich hoffe nur das du den besten Weg gewählt hast.
Ich öffnete die Augen und blinzelte ein paar Mal. Ein kurzer Blick folgte zu meiner rechten Hand, ich betrachtete den Ring und ich merkte, heute war es anders. Ich war nicht mehr betrübt oder traurig. Es war wie es war, es war... besser? Nach und nach merkte man, dass die Gewohnheit nicht allein zu sein, zwar eine Gute war, aber um so länger man sich wieder daran gewöhnte, eben seine Schritte alleine zu gehen, um so mehr registrierte man, dass das mit der Last gar nicht so weit her geholt war. So schob ich den Ring zurecht und drückte mich von der Matte empor und das erste Mal begann ich meinen Tag, nach Ewigkeiten, nicht mit einem schlechten Gefühl. Zumindest nicht in diese Richtung. Ich machte mich fertig, kämmte mir die Haare und verließ das Rathaus, um mein Leben wieder in die Hand zu nehmen, auch wenn ich wohl zur Zeit am meisten darum fürchten müsste.
Die Ansage der Magistra hatte ich nicht vergessen und ihre Worte über mein Ableben ebenso wenig. Seither hatte ich die Burg nie wieder betreten und versuchte den Arkorithern aus dem Weg zu gehen, so gut ich konnte. Nicht etwa, weil ich den Tod fürchtete, sondern mehr, weil ich gerade mal nicht das Bedürfnis hegte zu sterben. Ich hatte noch viel zu tun und ich wollte nicht an meiner Schwäche zerbrechen. Auch wenn ich kurzzeitig bei den Menekianern daran gedacht hatte. Ich wollte aufgeben, mich all dem hingeben, versagen. Nun hatte ich allerdings begriffen, dass Alatar das nicht gutheißen würde, das wohl niemand das Ganze gutheißen würde. Schwäche war nichts, was mit Lobpreisung bezahlt wurde. Ich war noch nicht bereit und das durfte die Welt auch merken.
Zwar erzählte ich mittlerweile niemanden mehr von irgendwelchen Leiden und ging auch niemanden mehr mit meinen persönlichen Problemen auf die Nerven, aber selbst das war in Ordnung. Ich habe die Monde begriffen, dass sich die Menschen größtenteils für sich selbst interessieren. Zwar fragten sie nach, wie es einen ginge, aber letztendlich hatten die Leute alle genug eigene Probleme und nicht wirklich die Kraft und Zeit, sich intensiv mit Anderen zu befassen. Das war nicht einmal schlimm oder dramatisch. Es war vollkommen in Ordnung. Dieses Image der jammernden Rothaarigen hatte ich zwar immer noch. Aber irgendwann würde es sicher ein Ende finden.
Niedlich war ja die Tatsache, dass Dazen mir anbot bei ihm und Thanaya auf den Fellen zu schlafen. Ich lehnte es nicht ab, weil ich die Beiden nicht schätzte, aber dieses Haus gehörte einfach zu einem Kapitel, was ich nun abgeschlossen hatte und ich würde wohl nie wieder eine Nacht darin verbringen. Die Frage an sich total nett und das bewies mir, ich konnte mich noch immer auf die Beiden verlassen, wenn es mal eng wurde. Aber zur Zeit gefiel es mir ganz gut, auf eigenen Beinen zu stehen und ich wollte das es so bleibt. Ich wollte nie wieder so abhängig von einem Menschen sein, wie ich es von Dazen war. Ich konnte ihn mittlerweile wieder ansehen, ohne das es weh tat. Es war eigentlich fast wie früher, wenn wir beieinander waren. Nur etwas kritisch und still wurde es, wenn außer uns niemand mehr da war. Aber auch dafür gab es eine Lösung: Aufstehen und gehen. Gemacht getan und man ist dieser unangenehmen Situation dann auch aus dem Weg gegangen.
Das Leben nahm seinen Lauf und Savar wurde ein Teil davon. Ich konnte mich glaube ich noch grob an ihn erinnern, als ich einmal seine Zieheltern besucht hatte und er dort stand. Ich glaube da konnte er mich nicht wirklich leiden, weil sie mich so schätzten. Aber nun ist es wohl anders, es ist recht harmonisch und er ist nett. Er kennt mich noch nicht wirklich, somit ist er aber auch noch nicht mit Urteilen belastet und sieht mich nicht so an, wie es diverse Andere tun. Es ist erfrischend und ich hoffte, dass es so blieb. Auch ihm erzählte ich nichts über mich, verlangte aber von ihm, dass er mir eigentlich alles erzählte, ohne es direkt auszusprechen. Eigentlich recht unfair, aber Vertrauen war in dieser Zeit nichts, was man leichtfertig vergeben sollte und in wie weit ich es bei ihm tun konnte, würde wohl der Lauf der Dinge entscheiden. Ich war gespannt, ich war wachsam.
Ich tat das Selbe wie jeden Morgen. Ich lief mit den Anderen hin und her, trainierte Ausdauer und Stärke und danach befasste ich mich mit der Wiederherstellung Düstersees. Das was meine Hände hergaben, leistete ich. Ich trug Steine aus der Stadt heraus und versuchte den Schutt zumindest weg zu kehren. Nur die Löcher in den Dächern war ein Problem. Ich hatte zwar einen Aushang gemacht, aber die Beteiligung war recht träge. Wem konnte man es verübeln. Ich sah es einfach als ein weiteres Training an, was eben nach den morgendlichen Runden noch anfiel. So verging die Zeit und man dachte nicht viel nach. Perfekt für mich...