Das neue Leben

Alin

Beitrag von Alin »




  • Ich muss mich erst dran gewöhnen
    das du nicht mehr da bist
    mir nicht mehr nah bist
    mir nichts weiter da lässt

    Tu was du tun musst, zeig allen was du kannst
    und wenn du fertig bist dann flieg zurück auf meine Hand.
    Dann sing mir vor was du dort so erlebt hast,
    ich hoffe nur das du den besten Weg gewählt hast.


Ich öffnete die Augen und blinzelte ein paar Mal. Ein kurzer Blick folgte zu meiner rechten Hand, ich betrachtete den Ring und ich merkte, heute war es anders. Ich war nicht mehr betrübt oder traurig. Es war wie es war, es war... besser? Nach und nach merkte man, dass die Gewohnheit nicht allein zu sein, zwar eine Gute war, aber um so länger man sich wieder daran gewöhnte, eben seine Schritte alleine zu gehen, um so mehr registrierte man, dass das mit der Last gar nicht so weit her geholt war. So schob ich den Ring zurecht und drückte mich von der Matte empor und das erste Mal begann ich meinen Tag, nach Ewigkeiten, nicht mit einem schlechten Gefühl. Zumindest nicht in diese Richtung. Ich machte mich fertig, kämmte mir die Haare und verließ das Rathaus, um mein Leben wieder in die Hand zu nehmen, auch wenn ich wohl zur Zeit am meisten darum fürchten müsste.

Die Ansage der Magistra hatte ich nicht vergessen und ihre Worte über mein Ableben ebenso wenig. Seither hatte ich die Burg nie wieder betreten und versuchte den Arkorithern aus dem Weg zu gehen, so gut ich konnte. Nicht etwa, weil ich den Tod fürchtete, sondern mehr, weil ich gerade mal nicht das Bedürfnis hegte zu sterben. Ich hatte noch viel zu tun und ich wollte nicht an meiner Schwäche zerbrechen. Auch wenn ich kurzzeitig bei den Menekianern daran gedacht hatte. Ich wollte aufgeben, mich all dem hingeben, versagen. Nun hatte ich allerdings begriffen, dass Alatar das nicht gutheißen würde, das wohl niemand das Ganze gutheißen würde. Schwäche war nichts, was mit Lobpreisung bezahlt wurde. Ich war noch nicht bereit und das durfte die Welt auch merken.
Zwar erzählte ich mittlerweile niemanden mehr von irgendwelchen Leiden und ging auch niemanden mehr mit meinen persönlichen Problemen auf die Nerven, aber selbst das war in Ordnung. Ich habe die Monde begriffen, dass sich die Menschen größtenteils für sich selbst interessieren. Zwar fragten sie nach, wie es einen ginge, aber letztendlich hatten die Leute alle genug eigene Probleme und nicht wirklich die Kraft und Zeit, sich intensiv mit Anderen zu befassen. Das war nicht einmal schlimm oder dramatisch. Es war vollkommen in Ordnung. Dieses Image der jammernden Rothaarigen hatte ich zwar immer noch. Aber irgendwann würde es sicher ein Ende finden.

Niedlich war ja die Tatsache, dass Dazen mir anbot bei ihm und Thanaya auf den Fellen zu schlafen. Ich lehnte es nicht ab, weil ich die Beiden nicht schätzte, aber dieses Haus gehörte einfach zu einem Kapitel, was ich nun abgeschlossen hatte und ich würde wohl nie wieder eine Nacht darin verbringen. Die Frage an sich total nett und das bewies mir, ich konnte mich noch immer auf die Beiden verlassen, wenn es mal eng wurde. Aber zur Zeit gefiel es mir ganz gut, auf eigenen Beinen zu stehen und ich wollte das es so bleibt. Ich wollte nie wieder so abhängig von einem Menschen sein, wie ich es von Dazen war. Ich konnte ihn mittlerweile wieder ansehen, ohne das es weh tat. Es war eigentlich fast wie früher, wenn wir beieinander waren. Nur etwas kritisch und still wurde es, wenn außer uns niemand mehr da war. Aber auch dafür gab es eine Lösung: Aufstehen und gehen. Gemacht getan und man ist dieser unangenehmen Situation dann auch aus dem Weg gegangen.

Das Leben nahm seinen Lauf und Savar wurde ein Teil davon. Ich konnte mich glaube ich noch grob an ihn erinnern, als ich einmal seine Zieheltern besucht hatte und er dort stand. Ich glaube da konnte er mich nicht wirklich leiden, weil sie mich so schätzten. Aber nun ist es wohl anders, es ist recht harmonisch und er ist nett. Er kennt mich noch nicht wirklich, somit ist er aber auch noch nicht mit Urteilen belastet und sieht mich nicht so an, wie es diverse Andere tun. Es ist erfrischend und ich hoffte, dass es so blieb. Auch ihm erzählte ich nichts über mich, verlangte aber von ihm, dass er mir eigentlich alles erzählte, ohne es direkt auszusprechen. Eigentlich recht unfair, aber Vertrauen war in dieser Zeit nichts, was man leichtfertig vergeben sollte und in wie weit ich es bei ihm tun konnte, würde wohl der Lauf der Dinge entscheiden. Ich war gespannt, ich war wachsam.

Ich tat das Selbe wie jeden Morgen. Ich lief mit den Anderen hin und her, trainierte Ausdauer und Stärke und danach befasste ich mich mit der Wiederherstellung Düstersees. Das was meine Hände hergaben, leistete ich. Ich trug Steine aus der Stadt heraus und versuchte den Schutt zumindest weg zu kehren. Nur die Löcher in den Dächern war ein Problem. Ich hatte zwar einen Aushang gemacht, aber die Beteiligung war recht träge. Wem konnte man es verübeln. Ich sah es einfach als ein weiteres Training an, was eben nach den morgendlichen Runden noch anfiel. So verging die Zeit und man dachte nicht viel nach. Perfekt für mich...
Zuletzt geändert von Alin am Samstag 31. August 2013, 00:54, insgesamt 1-mal geändert.
Savar Arlenn

Beitrag von Savar Arlenn »

Er hatte sich früh aus dem Bett gequält. Er war ohnehin nicht der Langschläfer und er hasste es, wenn er den ganzen Tag verschlief. Gestern Abend hatte er die Aushänge in Düstersee gelesen und wollte sich gleich nützlich machen. Sein Weg führte ihn also erst zum nächsten Fluss, wo er den Eimer Wasser voll machte, ein zweiter wurde ebenfalls gefüllt. Mit schweren Schritten stapfte er dann eilig Richtung des Hauses zurück. Er verhielt sich so ruhig wie es nur möglich war, auch wenn schon die Hähne und Vögel in der ganzen Umgebung ihr morgentliches Konzert gaben. Zu einer so frühen Stunde war das wirklich keine schöne Sache. Er hatte bereits einige Eier in der Pfanne zum Spiegeleiern gebraten, hatte sich vom Markt frischen Schinken geholt und einige Tomaten mit Kräutern angerichtet. Er war sicherlich kein Meisterkoch, aber zumindest holte man sich so Kraft für den Tag. Milch mochte sie auch, also wurde bereits eine Karaffe auf dem Tisch abgestellt, zwei Teller, zwei Gläser.

Er hatte es noch nie so gut, wie es gerade der Fall war. Sicherlich war er früher bei seiner Bande geliebt und geachtet worden, das war ein gutes Gefühl. Es ist aber etwas anderes in einem Bett aufzuwachen, ein Dach über dem Kopf. Keiner trachtete nach seinem Leben - er wusste, dass es etwas zu Essen gab. Er hatte sogar einige Goldmünzen. Die Dinge entwickelten sich gut, doch hatte er noch so viel vor sich. Er riss mit seinen Zähnen ein Stück Schinken ab, schloss die Augen und genoß den Geschmack sichtlich. Dann sah er auf die Milch, dachte wieder an den Schinken. "Das würde dann aber doch nicht zueinander passen", dachte er sich, doch wusste er wohl auch nicht, was Frauen in diesem Reiche zum Frühstück essen würden. Sie würde ihn hoffentlich korrigieren, oder er wird sie dann zum Abend hin selbst fragen.

So räumte er seinen Teller und sein Glas ab, wusch es in dem kleinen Wasserbecken und stellte beides in der Küche zum Trocknen ab, ehe er sich dann auf den Weg machte. In Düstersee gab es noch viel zutun und Savar wollte auf jeden Fall dazu gehören, wieder Leute um sich wissen, denen er vertrauen schenken konnte. Vertrauen war jedoch schwer zu erreichen und man musste vorsichtig sein, wenn man es selbst vergab. So legte er sich aus einem Haufen von Hämmern, Brettern, Nägeln und Gurten selbige heraus. Schnallte sich den Werkzeuggürtel um, nahm sich einen Hammer und einige Nägel, stieg auf das nächste Dach hoch und begann damit morsche und kaputte Dachziegel auszutauschen. Still und tüchtig.
Zuletzt geändert von Savar Arlenn am Samstag 31. August 2013, 12:25, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

Wird abgeändert.
Zuletzt geändert von Alin am Sonntag 15. September 2013, 17:41, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

„So soll es sein.“

Das waren die vier Worte, die unsere Ehe beendeten. Vier Worte die gesprochen werden mussten und trotzdem für Trauer in mir sorgten. Ich nickte alles ab, ich sprach jene Worte ebenso, ich bedankte mich und ich ging. Ich hatte mir vorgenommen nicht zu weinen, zumindest nicht vor der Erhabenen, nicht vor Dazen. Aber als ich den Wald betrat, den ich dieses Mal als Heimweg nutzte, quer hindurch, liefen mir stumm die Tränen übers Gesicht. Immer wieder musste ich die Augen etwas zusammen pressen, damit ich klarer sehen konnte und mein Herz tat weh. Ich hatte nun meine Schwäche abgelegt und ich war mir vollkommen im Klaren, dass es der richtige Weg war und doch konnte ich jenen nicht gehen, ohne dass es mich bewegte.
Ich blieb stehen und die Sonne neigte sich langsam in Richtung Horizont. Meine Augen glitten durch die Bäume hindurch, legten sich auf Grenzwarth nieder und ich wusste, wenn ich den Wald nun verlassen würde, musste Normalität einkehren. Ein Schritt voran, leise Worte über meine Lippen. „Danke für alles, Dazen.“ und die letzte Träne zog sich über mein Gesicht, bevor sich die Maske wieder hinein bewegte, die korrekt dort haftete, die dort hingehörte. Ich hob mein Kinn langsam an und meine Bewegungen wurden wieder normaler, kontrollierter und das Leben nahm seinen Lauf.

Als ich am Abend den Ring Dazens in die Hand nahm und ihn betrachtete und die eingravierten Worte las, senkte ich kurz die Lider ab. Mit einem beherzten Lächeln konnte ich das Schmuckstück wieder in seine Schatulle legen und verstauen. Ich wusste in dem Moment, dass er nie wirklich komplett an Wert für mich verlieren würde und doch wäre das Leben nun anders. Wir haben unsere Differenzen aus dem Weg geräumt und vielleicht konnten wir irgendwann wieder normal miteinander umgehen, was wohl die Zeit entscheiden würde und er.. und ich.
    • Ich lebe immer noch
      Immer noch
      Ich gebe immer noch
      Immer noch
      Ich taumle weiter
      VORWÄRTS!
      ABWÄRTS!
Ich versuchte mich nun wieder mehr auf andere Dinge zu konzentrieren. Auch wenn das nicht so leicht war, wie erhofft. Manche Dinge haben Spuren gerissen, die größer waren, als vorerst befürchtet. Aber ich nahm jene hin und wollte mich ihnen stellen. Nur war die Motivation zum Aufstehen noch recht gering. Es war so viel passiert und doch wollte ich nicht aufgeben. Mit einem Schwung erhob ich mich von der Bank und ließ das Leben auf mich zukommen. Und als Savar gerade zur Tür hinein kam, hob ich die Arme in die Höhe und begrüßte ihn mit einer Umarmung. Wir hatten kaum gesprochen die letzte Zeit, er hatte nämlich im Gegensatz zu mir zu tun und ich war zufrieden. Ich empfand fast schon ein wenig Neid, denn er war noch nicht vorbelastet, er war noch ein ungeschliffener Edelstein, der nur langsam die scharfen Kanten abgemacht bekam und während mir diese Gedanken durch den Kopf gingen, legte ich meine Hände auf dem Rücken ineinander und lächelte ihm zu. Es würde weitergehen, vielleicht nicht sofort und nicht morgen, aber bald...

„So soll es sein.“
Alin

Beitrag von Alin »

Ich legte meinen Kopf auf die Tischplatte und starrte in die Richtung des Torbogens. Ein Torborgen, wo zumindest heute und auch vermutlich nicht morgen, eine Runa durchkommen würde und höchstwahrscheinlich auch kein Savar. Es war schon seltsam in einem Haus zu wohnen, mit zwei anderen Leuten und dann doch so einsam da zu sitzen. Es war nicht so, dass es mich störte, aber irgendwie war es doch ein bisschen merkwürdig. Um Runa machte ich mir aber keine Sorgen, er hat mir versprochen auf sie aufzupassen und irgendwie vertraute ich auf sein Wort. Ich hatte sie lieb gewonnen, sie war wie eine kleine Schwester, großschnauzig und verzogen und doch erheiterte sie mein Gemüt. Sie war wie meine Thanaya, nur komplett anders. Vielleicht brauchte ich einfach so eine Person wie sie, wie es Thanaya einst war oder aber ich fand mich mittlerweile mit dem Einfachsten ab.

Savar war mir bereits vor einiger Zeit schon entglitten, bevor ich ihn richtig halten konnte. Ich habe ihn ins Reich gebracht, ihm Leute vorgestellt und irgendwann ging dann einfach der Weg auseinander. Es betrübte mich ein wenig, hielt ich doch so viel von seinen Worten und nun kann ich nicht einmal nach ihm greifen, ihn geschweige denn noch sehen. Er tauchte immer mehr in das alatarische Reich ein und entwickelte sich, passte sich an. Ich überlegte für wenige Sekunden sogar mal, ob es mein Fehler war, als ich ihn das erste Mal sah, ihn einbürgerte. Hätte ich ihn woanders hinschicken sollen? Damit er solch Änderungen nicht durchleben musste? Die Frage in dem Fall war wohl mehr, ob ich nun dachte, der Weg den er ging, würde das was er war zerstören oder ob es mich einfach störte, dass ich kein Teil mehr davon war. Dabei wusste ich nicht einmal genau, wovon ich eigentlich ein Teil sein wollte. Er war nur noch ein Teil meines Hauses, ein Schatten, den ich ab und an sah, nur um zu registrieren, dass er noch lebte. Ich sollte mich nicht so anstellen, das sollte mir doch reichen.

Dazen war einfach Dazen. Zwischen uns war es fast wie früher, außer das wir nicht mehr jeden Tag aneinander klebten wie zwei Kletten. Ich bereute es, wie ich ihn behandelt hatte und was für eine Last ich auf seine Schulter legte und ich vermisste die Zeit, wo es zwischen uns noch ungezwungen war. Am meisten hatte ich damit zu kämpfen, dass er anscheinend bereits in eine andere Richtung blickte, eine Richtung, die ich akzeptieren musste und wo ich allerdings trotz allem nicht lange hinsehen konnte. Ich hatte akzeptiert das es aus war und doch ist es immer wieder, wenn auch von Tag zu Tag weniger, seltsam. Aber ich wusste, er würde seinen Weg gehen und ich wusste auch, dass er der ist, wo ich mir am wenigsten Sorgen machen müsste. Vermutlich würde ich noch genau das selbe für ihn tun, wie vor diversen Monden, denn auch wenn wir kaum noch sprachen, hatte ich eine Bindung zu ihm, vielleicht nur einseitig, die auch dieser große Zwischenfall nicht zerstörte. Er war mein Vertrauter und würde es wohl immer sein.

Wen gab es da noch? Thanaya. Sie war auch ein kleiner Schatten, ich sah sie, wusste es geht ihr gut und ich wusste auch, wenn ich was bräuchte, wäre sie da. Ich vermisste sie recht oft, sie brachte eigentlich in jede trübe Situation immer einen kleinen Sonnenstrahl. Aber ich glaube die Situation zwischen Dazen und mir war für sie auch sehr merkwürdig. Theoretisch gehörte sie auch zu ihm, ich drängte mich vermutlich nur nicht auf, weil ich dachte, dass sie nun sein Sonnenstrahl sein muss, in der Zeit seiner Ausbildung. Ich konnte bei ihr und auch bei ihm nicht egoistisch sein.

Vermutlich grenzte ich mich selber ein wenig aus oder aber die Angst war einfach da, wieder zu verlieren. Und ich begab mich zur Zeit wieder auf einen Weg, wo ich die Enttäuschung fast schon schmecken konnte. Aber ich wollte nicht mehr jeden Abend auf einen Torbogen starren und so ging ich voran. Ich schloss wieder einmal ein Teil meines Lebens ab und begann den Nächsten, in der Hoffnung, jenen nur noch mit meinem Tod zu beenden. Ich war sicher auch zu gefühlsbetont für Rahal und das Umfeld und das machte es auch alles ein kleines Stück schwerer oder einfacher, wer wusste das schon so genau. Was mir da nur einfiel war: Ich sollte Endurael mal wieder schreiben, ich hatte mal wieder ein Gespräch verdient und vielleicht, ja nur vielleicht, fehlte er mir sogar ein Stück. Ich mochte seine Betrachtung der Welt, das war für mich wie, als würde ich einer noch unberührten Seele entgegen blicken, die irgendwann brechen würde und dann kam vermutlich auch wieder das Mitgefühl in mir hoch und ich war bereit, stand da mit Nadel und Faden und wollte flicken.
Alin

Beitrag von Alin »

Als ich an seine Tür klopfte, kam ich mir zuerst recht dämlich vor. Nicht etwa, weil ich das tat, sondern weil ich ihn die letzten Monde nur ansprach, wenn ich irgendwas wollte. Ich wartete eigentlich schon darauf, dass er meine nächste Bitte mit einem Holzkolben abwehrte. Doch es kam alles anders, als ich mir hätte vorstellen können. Denn wo die letzten Monde die Abweisung, die Distanz und dieses seltsame Unbehagen war, war es an diesem Abend so wie an jenen, wo wir einander kennen lernten. Es war ungezwungen und alles was wir sagten, war nicht so schwer, wie man es sich vielleicht mal gemacht hatte.
  • Was sind das für Hände, die dich am Nacken packen
    Was für Füße hacken dir beim Laufen in die Hacken
    Du kommst ins Wanken, kommst auf andere Gedanken
    Deine Hände, wieder blutig, sind nur Hände, keine Pranken.
Die ersten Unterhaltungen waren recht erheiternd, er glaubte mir kein Wort und er selbst antwortete auf keine meiner Fragen. Das Witzige daran war, dass alles was ich ihm sagte, auch wahr war, zumindest fast. Ich hatte auch weiterhin nicht vor, ihn anzulügen, auch wenn ich sicherlich vorsichtiger geworden bin. Manche Informationen, welche ich an diesem Abend erhielt, gefielen mir nicht, aber ich nahm es hin. Es wäre allerdings gelogen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht im Inneren etwas wurmte. Aber er war mir noch so vertraut, dass dieses Bündnis mehr Wert war, als dass, was ich dafür empfand, was er tat. So nickte ich, nahm es hin, sparte mir die Szene, die ich nicht einmal hätte vollführen konnte, weil einem kleinen Teil von mir die Vergangenheit so egal war.
  • Aber du musst dir oft genug die Knie aufgeschlagen haben
    bis du erkennst, dass weiche Knie dich nicht tragen.
    Haben wir uns zuviel aufgeladen, mit diesem Stein im Magen?
    Und da die wagen Fragen fragen, die wir nicht zu fragen wagen?
Fakt war, dass er mich besser kannte, als jeder Andere und er mich das an diesem Abend auch spüren ließ. Er weiste mich auf mein Verhalten hin und ich stellte fest, wie erwachsen er geworden war. Es machte mich glücklich und zeitgleich ärgerte ich mich über mich selbst. Denn er hatte recht, mit allem was er sagte und ich wusste, dass ich seinen Worten Folge leisten würde und wenn nicht aus eigener Kraft heraus, dann wohl mit seinem Fuß in meinem Rücken.

"Es zeigt auch Stärke, wenn man einen Posten abgibt und für eine andere Person frei räumt, weil man selbst weiß, dass man ihn selbst nicht mehr würdig vertritt."

Als ich wieder ging, war ich zwar ein wenig wütend, weil er Recht hatte und ich keinerlei Argumentationen hatte, die gegen all dies sprachen. Wütend, weil ich mich damit nun befassen musste und auch wollte. Denn er hat etwas hervor geholt, was ich versucht hatte zu verdrängen. Er wusste das ich ihn dafür dankte, auch wenn ich es nicht gesagt hätte. Wie einfach das Leben doch war, wenn man nicht von Gefühlen geleitet wurde. Zumindest nicht auf oberer Ebene, so dass noch andere Sachen darüber standen. Bedauerlich, dass es nicht die ganze Zeit so ging. Ich nehme an, wir hatten das einfach gebraucht, diese Zeit.
  • Wer hat die Karten so gemischt, so gezinkt,so gesehen
    wer hat die Gruppe hier so gelinkt?
    Das Karma ist korrupt, das Drama ist zum Schreien,
    aber wenn du schreist, schreist du nicht allein!
Ich brauchte auf jeden Fall ab und an wen, der mir auch ohne scheu ins Gesicht schlagen würde, wenn auch nur mental, der mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück brachte. Das taten die nicht unbedingt, mit denen ich mich zur Zeit befasste. Es war nicht ihr Fehler, wie könnte man ihnen auch vorwerfen, dass sie mich so nett behandelten. Aber ich kam mir vor wie ein Fisch, der nun auf Erde laufen musste und Luft atmen. Ich konnte damit nicht umgehen, konnte ich nie. Das Leben ist nicht Friede, Freude... das weiß ich, er und sie werden es auch einst wissen, spätestens wenn die Hölle sie erwartet, dort auf dem Meer. Es tat mir leid, sie taten mir leid und ich wollte da sein und helfen und ein kleiner, klitzekleiner Funken in mir wollte in dem Fall egoistisch sein, wurde aber immer wieder zurück geprügelt. Aber er hatte Recht, ich konnte nicht ewig dort weilen und fliehen und mich vor mir selbst verstecken.
  • Gehst du aus dir heraus, dann legst du Brotkrumen aus,
    so findest du jeden Abend deinen Weg nach Haus.
    Doch der Heimweg ist dunkel und mit Schuld behaftet.
    Wenn du in dich gehst, dann geh nicht unbewaffnet!
So ein elender Arsch...
Zuletzt geändert von Alin am Mittwoch 30. Oktober 2013, 15:27, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

Ich schlich in sein Haus und eigentlich wollte ich nur zu Thanaya. Er kramte in seiner Kiste herum und ich, mit meinem Talent für das lautlose Wandeln, konnte mich unbemerkt im Haus bewegen. Das Problem war, dass ich das nach ein paar Schritte doch ziemlich seltsam fand und mich dann einfach auf den Stuhl setzte und wartete. Ich blickte mich im Haus um und es überkam mich recht schnell ein seltsames Gefühl, denn es war schon gefühlte Jahre her, dass ich in diesem weilte, ohne das irgendwer anders da war. Meine Finger strichen kurz über die Tischplatte und dann kam er auch schon herein. Ich erwartete gleich einen Anschiss, ich wollte auch schon aufstehen, weil ich dachte er würde mich hinaus werfen und mich nochmal zum Klopfen antreiben. Aber es passierte nicht. Er sah sich kurz um und dann kam ein Satz über seine Lippen, der für einen Moment die Zeit für mich zurück drehte und all das, was uns zerstörte, weg schwemmte. Ich starte ihn eine Weile an und doch war es nur kurz, weil ich dann, wie automatisch, schon die Antwort von mir gab und er wieder verschwand. Ich blinzelte ein wenig und fragte mich, ob ich wieder auf dieser verfluchten Insel sei und jene meinem Kopf einen negativen Streich spielen wollte. Ich erinnerte mich nur kurz daran, wie ich erneut mit ansah, wie Erimh in Flammen aufging und versuchte dann einfach nicht mehr zu denken.

„Weißt du wo meine Balronschwertscheide ist?“
„Oben in deiner Waffenkiste, bei den Anderen bestimmt.“
„Mhm, ja, vielleicht irgendwo runter gerutscht.“


Ich hörte ihn eine Weile kramen und dann ging alles ganz schnell und versicherte mir, dass ich im hier und jetzt war. Schnell zogen seine Schritte über den Boden hinweg, die Treppen herab und er starrte mich nur an.

„Hat Thanaya dich reingelassen?!"

Seine Gewohnheit war vor und die Realität holte auch ihn ein. In lächelte nur, schüttelte meinen Kopf und lud mich selbst ein. Ich brabbelte vor mich her, erzählte Dinge, wo ich immer den kurzen Gedanken hatte, dass sie zu nervtötend für ihn waren und doch hörte er zu und das dieses Mal sogar ohne negative Reaktionen. Ich war doch recht dankbar dafür und doch ließ mich der Gedanke an die ersten drei Sätze, die wir zueinander sprachen, nicht los. Selbst nicht, als ich wieder in meinem Heim angekommen war. Ich setzte mich auf den Teppich, griff nach meinem kleinen Holzschiff und drehte es in den Händen. Ein leises Seufzen wich aus meiner Kehle und während ich mich in Gedanken verlor, an den, der mir jenes schenkte, traf mich ein wieder weit entfernter Schlag, mitten aus dem Nichts, der mir allerdings Fakten klarlegte, die einfach klar waren.
Was bildete ich mir ein, mh? Das so ein Satz alles wieder ändert? Wenn ich etwas gelernt hatte, dann wohl die Tatsache, dass alles was ich jemals irgendwo hinein interpretierte, vollkommen für den Arsch war. Eigentlich war ich dankbar für dieses Verhältnis und doch stellte ich fest, das ich dazu noch nicht bereit war, vermutlich nie bereit sein würde. Ich musste das akzeptieren und er, der das vermutlich leichter tat als ich, ebenso.
Ich blinzelte vor mich her und ich wusste nicht, in wie weit mich diese Gedanken zufrieden stimmte und doch wollte ich mich, zumindest an diesem Tage, nicht wirklich damit befassen.
Achja und die Schwertscheide war natürlich da, wo ich sagte...
  • "Wie knüpft man an, an ein frühres Leben? Wo macht man weiter, wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt, , dass man nicht mehr zurück kann? Manche Dinge kann auch die Zeit nicht heilen. Manchen Schmerz, der zu tief sitzt und einen fest umklammert."
    Frodo Baggins - Lord of the Ring
Zuletzt geändert von Alin am Freitag 15. November 2013, 18:55, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

Ich musste in den letzten Tagen feststellen, dass meine Bindung zu der Person, der ich gegenüber die Loyalste war, eine kleine Schauspielerei war. Mir fiel gar nicht auf, dass wir nicht mal wirklich mehr über ernste Themen sprachen. Grundsätzlich alberten wir nur herum und wenn es ernster hätte werden können, wurde das irgendwie, durch irgendwas, bewusst oder unbewusst, abgebrochen. Eigentlich war das auch vollkommen in Ordnung, es bedeutete nämlich, dass man nicht streiten würde. Denn Streit an dieser Stelle würde mir sowieso nicht gefallen. Aber am gestrigen Abend, als ich merkte, dass er eigentlich nicht einmal mehr im Ansatz mit mir über irgendwas sprach, was tiefer als ein Witz reichen könnte, musste ich doch kurzzeitig an meiner Menschenkenntnis zweifeln. Ich nickte es ab, akzeptierte es und es war auch nicht so wie damals, dass es mich wahnsinnig machte. Aber seltsam war es wohl trotzdem. Letztendlich ist es aber auch nur eine Sache, die ich wissen musste und akzeptieren. Ich musste es nicht ändern, es war in Ordnung. Ich könnte auch Loyal und die treuste Seele für ihn sein, ohne das er es wusste oder gar wertschätzte. Daher tat ich das Ganze mit einem Zucken der Schultern ab und ging meinen Weg. Es war ein leichtes Zwicken in meinem Kopf vorhanden, ihn da so stehen zu lassen, obwohl er vielleicht wen gebraucht hätte zum reden. Allerdings wusste ich auch, bei jedem Schritt, dass er diesen Jemanden nicht mehr in mir sah und so wendete ich mich nicht herum.
  • „Freundschaft ist, wenn dich einer für gutes Schwimmen lobt, nachdem du beim Segeln gekentert bist.“
Als ich zuhause ankam, gruselte es mich schon wieder ein wenig. Dieses riesige Haus war für meine Verhältnisse wirklich unnötig und durch die großen Räume rannte ich sogar immer, weil ich annahm, mir würde etwas aus der Ecke entgegen kommen. Was natürlich nicht so war.
Ich kuschelte mich mit meinem Kissen aufs Bett, breitete vor meinem Schneidersitz diverse Bücher der Magie aus und versuchte mich etwas mehr darauf zu konzentrieren. Immer mal wieder notierte ich mir dabei etwas und irgendwann huschte mein Blick zum Fenster hin und ich merkte, dass es bald Morgen schlägt.
Ich schob die Bücher zusammen, sortierte sie zurück in das Regal und begann mich für das Laufen fertig zu machen. Ich wickelte mir kleine Gewichte um die Fußgelenke, packte meinen Rucksack mit Steinen und legte mir zum Schluss auch kleine Pfunde an meine Handgelenke. Ich musste dabei jedes Mal schmunzeln, weil ich an meinen ersten Lauf dachte und dann sah, wie ich heute los ging. Ich war stolz über diesen Fortschritt.

Kurz blieb ich noch an dem seltsamen Schauspiel stehen, welches sich bei Grenzwarth offenbarte und betrachtete erneut nachdenklich den Dreck, die toten Tiere und schüttelte schnell einige Gedanken fort. Einen schnellen Schritt setzte ich an und dann sah ich auch schon die anderen, die ebenfalls das morgendliche Ritual noch nicht aufgegeben hatten. Doch heute war mir nicht nach Gesellschaft, so dauerte es nicht lange und ich kurbelte meine Schnelligkeit wenige Sekunden an, damit ein wenig Distanz vorhanden war.
Naja, das bereute ich dann auch, als ich wieder zuhause war und meine Muskeln sich zu Wort meldeten.
  • "Loyalität kann auch vorhanden sein, wenn man nicht miteinander spricht. Denn manche Bindung sieht man, bei allem Wunsche, nicht."
Zuletzt geändert von Alin am Dienstag 3. Dezember 2013, 15:01, insgesamt 2-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

Ich starrte eine halbe Ewigkeit in den weißen Schnee und meine Hände krampften sich an den schwarzen Stab, den ich kaum noch aus der Hand legte. Der Wind schoss mir um die Ohren, wirbelte die Kälte auf, zog sie um mich herum und der Winter nahm mich vollkommen ein. Die Luft wurde dünner, um so mehr Wind in mein Gesicht schlug. Aber das war kein Problem, denn ich hegte auch kein Bedürfnis, tief einzuatmen, wieder auszuatmen. Ich fühlte mich wie versteinert und betrachtete einfach, penetrant und vermutlich mit einem Hauch von Wahnsinn, den Ort, wo sich alsbald Mauern in die Höhe strecken sollten und es beginnen sollte, der Schutz des Reiches.
Ruckartig streckte ich meine rechte Hand voran, wurde eins mit dem Lied und nutzt die Kraft, die sich mir bot dazu, die Schneeschichten, die sich über Nacht auf dem Platz verteilten, wieder zur Seite zu pressen. Es war ein Akt der Kraft, ich konnte es nicht so leichtfertig tun, wie die Magistra am Vortag und doch gelang es mir, nach gefühlten Ewigkeiten. Meinen Stab ließ ich fallen und der Wind nahm langsam ein Ende. Ein dumpfer Laut nur, als das schwarze Holz auf den Boden knockte und dann fiel mir etwas in den Sinn, was mich erneut in eine apathische Starre brachte:

Ich konnte mich selbst nicht mehr leiden.

Das Verrückte an der Geschichte war, dass es mir ziemlich egal war. Es schien nur dieser Moment gewesen zu sein, wo es mich unangenehm traf, denn kurz darauf hoben sich meine Mundwinkel und das abstruse Lächeln in meinen Zügen wurde zu einem alltäglichen Begleiter.
Ich dachte schon gar nicht mehr daran, dass ich nun langsam wie alle anderen wurde, dass ich alles ablegte, was ich mal war und das, was sogar der Feind an mir zu schätzen schien, immer hinter mehr Mauern lagerte. Mein gutes Herz, eingepackt und verstaut, abgeschlossen, vergraben und den Schlüssel in die unendliche Ferne geworfen.
Denn selbst die Tatsache, dass ich gestern einem Ahad, einem Würdenträger, weit über mir, die Respektlosigkeit meinerseits vor die Füße warf, störte mich nicht. Nicht etwa, weil ich seine Position im Reich, die ihm von meiner Heiligkeit gegeben wurde, nicht anerkannte. Sondern mehr, weil ich es nicht für richtig erachtete etwas mit anzusehen, was so vollkommen gegen den Strich ging, dass ich vermutlich hätte brechen müssen, hätte ich meinen Mund nicht aufgemacht.
Ich habe, nachdem ich die Worte zu ihm sprach, darauf gewartet, dass seine Faust in meinem Gesicht landete, das er mich auf meinen Fehler hinwies, mir Respekt beibringen würde. Aber er bevorzugte es, dass Ganze eher stumpf abzunicken. Eigentlich wurde das Ganze dadurch nur um so lächerlicher. Alle sahen mich an und es war mir klar, dass sie vermutlich alle genau das dachten, was ich an diesem Abend ansprach, aber keiner hätte es gewagt, es so anzusprechen wie ich. Ich war nur für wenige Sekunden unsicher und dann hob ich mein Kinn in die Höhe. Ich stand hinter dem was ich tat und ich hätte auch Rüge vom Alka selbst entgegen genommen. Doch selbst dieser schwieg und sein Schweigen gab mir, vermutlich durch Vermutungen meinerseits, noch ein wenig mehr Kraft und verscheuchte den letzten Missmut in mir.

Ich wendete mich ab und ging meinen Weg wieder allein. Ich wusste, dass ich mir noch eine Predigt anhören durfte. Wie immer. Ich glaubte aber auch, dass er der einzige Mensch war, den es wirklich interessierte. Interesse an meiner Person? Sei es drum, es würde wohl eine witzige Unterhaltung werden. Ich werde ihn vermutlich anschreien und ihm innerlich dafür danken, dass es überhaupt noch einen Menschen gab, der bemerkte, wie ich mein altes Ich hinter Türen wegsperrte. Aber andererseits... es war nicht mehr seine Aufgabe. Er war nicht mehr für mich verantwortlich und ich denke, so sollte es auch aufhören, dass er sich so aufführte. Das Gespräch, das uns beide in dem Fall erwartete, würde wohl interessant werden.

  • Herz, mein Herz was soll das geben?
    Was bedränget dich so sehr?
    Welch ein fremdes neues Leben!
    Ich erkenne dich nicht mehr!
    Weg ist alles was du liebtest,
    Weg worum du dich betrübtest,
    Weg dein Fleiß und deine Ruh,
    Ach wie kamst du nur dazu.


    Johann Wolfgang von Goethe
Zuletzt geändert von Alin am Samstag 4. Januar 2014, 15:01, insgesamt 1-mal geändert.
Alin

Beitrag von Alin »

Ich glaube ich habe oft vom Feind gesagt bekommen, dass ich anscheinend eine der wenigen mit Herz in meinen Reihen wäre. Ich fragte mich, als ich mir das Blut aus dem Gesicht wusch, ob sie das nun noch immer sagen würden. Oder was interessanter wäre, ob es mir wichtig ist, dass sie eben genau das sagen. Als ich so meinen Kopf mehr zum Becken beugte, um auch die Reste aus meinem Haar zu spülen, überkam mich immer mal wieder der leichte Hauch von Wahnsinn. Ich musste lachen, hörte schlagartig auf irgendetwas zu tun, starrte penetrant in den Spiegel und hätte weinen können.
Ich glaube, das Lied, mit welchem ich mich immer weiter fortbewegte, fraß mich nach und nach auf. Manchmal musste ich deswegen oft an Rilas denken, wie er vom Lied regelrecht verschlungen wurde, weil er vergessen hatte, was die Realität war. Ich bat ihn so oft, es zu lassen und nun sah ich mich an und mir fiel leider nichts ein, womit ich mich strafen konnte - mich ermahnen konnte. Ich verlor mich im Klangbild und ich ließ es freiwillig zu. Denn das Herz, welches man mir so gern andichtete, wurde zu Stein, denn es gab nichts mehr, was es wirklich dauerhaft zum Schlagen brachte.

"Es gibt nur zwei Personen auf dieser blutigen Welt, für die ich sterben würde und du gehörst nicht dazu."

Ich griff zu meinen Haaren und band sie zu einem schlichten Zopf zusammen. Die grauen Strähnen versuchte ich mit dem Rot zu verbergen, was meinem Schopf noch geblieben war. Es war nicht recht schwer, aber irgendwann würde es das wohl sein. Ich wurde alt und ich akzeptierte das. Es war nicht einmal das Alter selbst, was mich so mürbe machte, nein. es waren die Ereignisse. Ich musste feststellen, dass seit ich nicht mehr Wolfseiche hieß, das Leben mich immer weiter und weiter in meine vorgefertigte Schlucht zog. Der einzige Unterschied zu damals war nur, dass ich daran nicht zu Grunde ging. Nicht so schnell, vermutlich weil es mir gleichgültig war.

"Es gibt nur zwei Personen auf dieser blutigen Welt, für die ich sterben würde und du gehörst nicht dazu."

Gleichgültigkeit hatte jedoch nicht immer nur etwas schlechtes. Denn es bewegte mich dazu konsequenter zu sein, ernster. Jeder, der mich noch nicht wirklich ernst nahm, meinen Rang mit Füßen getreten hatte, würde wohl in Zukunft merken, dass ich auch zurück trete. Und ich wie damals so gerne sagte: Niemand legt sich mit einem Wolfseiche an. Es war in dem Fall gleich, nicht mehr diesen Namen zu tragen, denn die Aussage traf noch vollkommen zu. Denn ich war mir mittlerweile im klaren, dass ich das verdient hatte, alles. Den Rang, dieses Leben und diesen Wandel.
Ich schob meine Finger in mein Gesicht und tastete es nach Falten ab. Die Augenringe zog ich ein Stück weiter herunter und irgendwann zog ich einfach nur ein abstruses Gesicht, nahm meine Handhaben nicht mehr sonderlich ernst. Aber so wie ich aussah, was geschehen war, welche Charakterzüge ich mir habe nehmen lassen, welche ich bekommen habe: Ich hatte es verdient und das durfte auch der kleine Rest begreifen, der dachte sich rebellisch aufzulehnen.

"Nur zwei Personen, die mein Leben haben könnten und mindestens 20 denen ich ihr Leben nehmen würde..."
Anisah Yazir
"21..."
Khalida Yazir
"22..."
Ghadir Tazim Omar
"23..."
Felina Thay
"24..."
Vaughain van Nordwind
"25"
Ador von Hohenfels...

Das blutige Wasser schüttete ich hinaus in den Schnee, erschuf eine blutrote Eisbahn und ließ meinen Blick noch eine Weile wandern. Ich hatte mich vor einiger Zeit schon dazu entschlossen, mich vollkommen aufzugeben. Aber nicht, um dann in mir zu versinken, sondern um das zu tun, was im Reiche das Wichtigste war - zu siegen.

Und er fehlte mir dabei so...
Alin

Beitrag von Alin »

Ich schnappte nach Luft, reckte meinen Kopf zur rechten Seite hin und versuchte mit verklärten Augen etwas zu sehen. Ich konnte mich gar nicht wirklich erinnern wie lange ich nun an dieser Stelle weilte. Ich hatte mich verloren, im Lied, in mir selbst, in Erinnerungen. Ich glaubte es waren drei Tage, zumindest rebellierte mein Magen ungemein und der Wasservorrat, den ich mir bereit gestellt hatte, nahm langsam ein Ende. Ich hatte vier Tage geschätzt, vier Tage, 96 Stunden. Das Lied ließ mich nur früher wieder gehen und ein leises Krächzen verließ meine Kehle, als ich versuchte ins Nichts ein paar Worte zu sagen.
Es war seltsam wieder in der Realität zu wandern und ich erinnerte mich daran, was Rilas einst zu mir sagte. Er erklärte mir, dass das Lied nicht von einem kontrolliert werden würde, sondern das es einen irgendwann kontrolliert, einnimmt und nicht mehr ziehen lässt. Ich wusste nicht wie viel Wahrheit hinter jener Aussage steckte, ich wusste nur, dass er sich gänzlich darin verlor und es ihn irgendwann zerfressen hatte. Ich wusste, ich wollte so nicht enden. Ich wollte irgendwann in einem Krieg sterben, für eine 'gute' Sache und nicht an meiner eigenen, fehlenden. Selbstkontrolle. Daher saß ich nun also da, auf diesem Fleck Erde, seit 72 Stunden und nun hatte ich genug. Ich drückte mich langsam in die Höhe, zeigte meinen Beinmuskeln, dass sie wieder arbeiten durften und schwankte, in meiner schwarzen Robe, den Gipfel hinab. Ich zog mich an den Felswänden weiter und irgendwann, irgendwann kam ich auch wieder dort an, wo ich zur Zeit hin gehörte, in der Burg, in meinem Hort.

Ich merkte natürlich, dass mir diese Distanz auf gewisser Art und Weise gut tat, aber in anderen Momenten zerriss mich die Sehnsucht, die ich für manche Dinge empfand. Aber es war anders als früher, es war keine Trauer mehr, die ich fühlte. Eher war es so, als würde einfach ein Stück in meinem Getriebe fehlen und die Bewegungen in manche Richtungen sind etwas holpriger als sie es gewöhnlich waren. Vielleicht war ich auch bald bereit wieder zurück zu kehren, mir die motzenden Worte von Dazen anzutun und vor ihm so zu wirken, als würde mich das ärgern und hinter der Fassade Jubelschreie von mir geben, weil es das war, was ich brauchte. Ich würde wieder Thanaya in die Arme nehmen können und wieder gehen, stehen, ohne das mich Erinnerungen zerfraßen und ich bei jeder neuen Sache, die mich ärgerte, innerlich zerfiel.
Ich war guter Dinge und ich war zur Zeit noch zufrieden wie es war. Jedoch irgendwann, irgendwann würde sich diese Abschottung, die ich zur Zeit durchmachte, lohnen und das ließ mich zuversichtlich voran blicken.
  • Heimat – was ist das für mich?
    Sind’s die Berge, ist’s mein Tal?
    Sind’s die Mauern, die mich schützen?
    Frag ich mich oft mal…

    Heimat liegt am Meeresstrand,
    auf dem Berg so hoch;
    leben kann ich überall,
    zu Hause sein auch noch…
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