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Verfasst: Dienstag 29. März 2016, 21:37
von Gast
Die Handschrift dieses Eintrages ins Tagebuch wird wohl schlichter sein, als die der vorher gegangenen Seiten. Wie ein Spiegel seines Gemüts, welches an jenem Abend in gewisser Weise gespielt ruhig war. Lange Gespräche blieben bis zum nächsten Morgen allemale aus. Nach dem Verfassen des Eintrages wird er wohl auch nicht einmal das Trocknen der Schrift abwarten und einfach ins Bett gehen, ohne das Buch zusammen zu klappen..

Wir schreiben den 29. Lenzing im Herzogtum Lichtenthal. Am heutigen Abend wurde die Schwerverbrecherin Melina Waldesruh der Gerechtigkeit zu geführt. Eine junge Frau, etwa in meinem Alter und bestätigterweise im Geiste krank. Ich habe schon beschrieben, wie sie zu sein schien und auch, wenn sie heute einen ruhigen Eindruck machte, schien sie sich ihrer Situation gewahr gewesen zu sein. "Stolz und Ehre!" "Wir waren immer frei und wir sind es noch." Schwer zu begreifen sind jene Worte, wenn man nicht weiß, was sie und die Adressaten damit verbunden haben, als sie dies als die letzten Worte einer Bekannten vernahmen.
Ihre Seele dürfte vergebens sein und doch sehe ich einen Sinn in unseren Gebeten. Denn sie wahrten unser Mitgefühl einer fehlgeleiteten Seele, obwohl uns die Tugend der Gerechtigkeit dazu zwang ihr Leben zu beenden und das Risiko einzugehen, dass Kra'thor sich tatsächlich nun ihrer Seele angenommen hat.

Temora beschützt!
gez. Balian Sturmthal

Das letzte Wort - "ewig" - blieb diesmal aus. Vermutlich der einzige Hinweis auf die Rührung des Verfassers Herzen.

Verfasst: Freitag 8. April 2016, 12:24
von Gast
Spät abends saß Balian noch am kleinen Küchentisch und verfasste einige Zeilen im Tagebuch. Die Ausgehuniform hatte er noch nicht abgelegt und die Vollmontur lag bereits im Blickfeld. Seine Nacht würde ohnehin kurz werden, denn der Dienst in Junkersteyn rief wieder. Derzeit war er so etwas wie stationiert da. Zumindest fühlte es sich bei der Masse Rundgänge in jener Gegend so an. Leise kratzend bewegte sich der Federkiel also regelmäßig mit Tinte befeuchtet über das Pergament..

Wir schreiben die Nacht auf den 08. Wechselwind des Jahres 259. Entscheidendes hat sich getan in den letzten Tagen. Ich durfte zum ersten Mal einem Kennenlerngespräch zwischen dem Orden und einem Anwärter beiwohnen, was für mich persönlich eine gänzlich neue Rolle war, die ich einzunehmen hatte.
Zu dem verkündete der Herr Oberst am 5. Tag seinen unbefristeten Rücktritt aus privaten Gründen. Mit ihm geht offenkundig ein Veteran, Anführer und Vorbild für viele. Ich persönlich hatte nicht die Gelegenheit viel Kontakt oder so etwas wie eine Beziehung zu ihm aufzubauen, aber dennoch glaube ich, dass die nächsten Wochen- und Mondläufe für uns als Truppe, insbesondere aber für die Frau Oberstleutnant als nun oberste Truppenführerin anders, fremdartig und teils vielleicht sogar schwierig werden. Es wird neue oder alte Zugpferde brauchen. Auch im Anbetracht dessen, dass mit Korporal Janarey ein weiteres Urgestein der Reichstruppen demnächst austreten wird.
Nun und dann war vor wenigen Glockenschlägen die Ehrung einiger verdienter Kämpfer und helfender Hände der Schwingensteinbelagerung 2. Unter ihnen auch meine Person als eher neues Mitglied der Reichstruppen und -bürger. Es erfüllt mich einerseits mit Stolz den Orden verliehen bekommen zu haben, andererseits kann ich gewisse Dinge nicht nachvollziehen oder vielmehr möchte ich jene gewissen Dinge nicht als gut bezeichnen. Es ist mir nicht ersichtlich, wie ein Mensch öffentliche Ehrung und Beförderung verdienen kann, wenn er weder den Anstand hat anstößige Meinungen zu verschweigen, noch die Demut besitzt seine persönliche Missgunst einer Personengruppe oder einer Entscheidung gegenüber als eine von mehreren durchaus richtigen Meinungen zu betrachten. Aber es ist für mich nun auch keine Überraschung, dass nicht alles immer so läuft, wie es im Sinne der Tugenden wäre. Dafür bewegen wir uns im Zuständigkeitsbereich der weltlichen Macht, die sich bekanntlich etwas schwerer damit tut, alle Ideale unter den sprichwörtlichen Hut zu bringen. Mir bleibt zu hoffen, dass ich mich in meinem Kollegen irre oder ihn das Schicksal oben bemängelte Eigenschaften noch lehren wird.

Temora beschützt ewig!
gez. Balian Sturmthal

Verfasst: Samstag 7. Mai 2016, 17:27
von Gast
Ungewöhnlicherweise saß er in einfache Stoffkleidung gehüllt, auf dem Bett und nach ungezählten Wochenläufen fühlte es sich nicht mehr wie ein Wunder an, dass Eliana parallel dazu neben ihm lag. Sie ruhte sich von ihren Kopfschmerzen aus, die sich über die langen, gedankenreichen und arbeitsgefüllten Wochenläufe angebahnt hatten, während er, mit dem Tagebuch auf seinem Schoß und einer kleinen Kerze zur rechten Seite, Worte nieder schrieb. Die Handschrift war dabei wie gewohnt leserlich, schön in gewisser Maßen, aber nicht verschnörkelt..

Es ist bereits der 05. Eluviar im Jahr 259. Die Hälfte ist bereits bald wieder vergangen und generell einiges an Zeit, seit meinem letzten Eintrag. Aber gefühlt geschehen ist nicht einmal annähernd so viel. Ich habe ein paar Dienste angesetzt und durchgeführt, wie es meine Aufgabe als Gardist und erfahrener Soldat ist. Die neuen Rekruten haben sich zu einem geringen Teil bemüht gehalten und erscheinen regelmäßig, doch immer mehr scheint mir der alt bekannte Gedanke eines Vollblutsoldaten zu schwinden. Die Tugenden und das Gewissen, sowie der gute Ruf scheinen zunehmend dem Pflichtbewusstsein und der Ehre den Rang abzulaufen. Ein Soldat ist nicht mehr bloß ein Mensch, der sein Leben und sein Streben bereit ist für Krone und Reich aufzugeben. Die Grenzen verschwimmen immer mehr und ich beginne daran zu zweifeln, ob der Dienst weiterhin das ist, was mich vollends erfüllt.
Die bevorstehende Hochzeit mit Eliana ist ein zweiter Aspekt in meinem neuen Leben, welcher mich zögern lässt. Liebe bedeutet Hingabe, Familie besagt Verantwortung. Ich kann mich nicht für sie hingeben, wenn ich die Reichstruppenuniform trage und ich kann keine Verantwortung für ihr Wohlergehen tragen, wenn ich auf dem Schlachtfeld dem Feind gegenüber stehe. Valdor hatte Recht, als er sagte, dass die Liebe vom Dienst ablenkt. Anders herum lenkt der Dienst aber auch von der Liebe ab und irgendwann muss wohl jeder abwägen, was sein Herz mehr erfüllt.
Der Glaube an die Herrin wird immer mein Weg sein und das Reich immer meine Heimat. Doch wird der Dienst für Krone und Reich auch immer mein Marsch entlang des besagten Weges sein? Ich weiß es heute noch nicht und ich werde sicherlich auch noch einige Nächte darüber schlafen, bevor ich eine Antwort darauf haben werde. Nur werde ich nie wieder zuverlässig sein können, wenn ich diesen Gedanken nicht abgeschlossen habe und so lange wird mein Handeln ruhen müssen. Denn auch Leben heißt Verantwortung. Verantwortung für sein Tun, Verantwortung für die Anderen und nicht zuletzt Verantwortung für sich selbst.

Temora beschützt ewig!
gez. Balian Sturmthal

Verfasst: Mittwoch 11. Mai 2016, 17:08
von Gast
Lange hatt er an diesem Tag noch trainiert. Der Morgen hatte mit dem Abgeben des Austrittgesuchs bei der Frau Oberstleutnant begonnen und war dann in einen Lauf zum Trainingsplatz über gegangen, um dort latent wahllos Übungen zu wiederholen. Liegestützen, Sit-ups, Klimmzüge.. Von nun an würde er aller Wahrscheinlichkeit nach nur noch sich selbst trietzen und hetzen. Nur halb so interessant, wie es den Rekruten und Scharfschützenschülerinnen gegenüber war. Dennoch fühlte sich seine Entscheidung richtig an und so ging er nach etwa einem Stundenlauf wieder nach Hause, um sich dort ausgiebig zu waschen, bequeme Klamotten anzuziehen und dann einen weiteren Tagebucheintrag zu verfassen. Sich dafür auf der Bettkante am Fußende nieder lassend. Die Handschrift ist wie eh und je sauber, leserlich und wenig verschnörkelt..

Ehre der Krone und dem Reich! Diesen Gruß könnte ich fast vermissen, wüsste ich nicht, dass ich ihn von den Soldaten noch sehr oft entgegen gebracht werden bekomme. Nach nun mehr als 6 Tagen des Überlegens bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass nach 10 Jahren Dienst, inklusive 3 Jahren Dienstbefreiung für mich ein neuer Lebensabschnitt ansteht. Ich möchte das ruhige, aufrichtige Leben mit Eliana nicht mehr missen und mich fortan auch gänzlich darauf konzentrieren können. Keine nächtlichen Wachdienste mehr oder sich anhäufende Unterrichte, die uns auch noch die letzten freien, gemeinsamen Stundenläufe verweigern. Wie schon festgestellt, ist es keine Frage, ob ich Temora, dem König und seinem Reich treu ergeben bleibe. Vielmehr werde ich nun versuchen loyal und nicht ergeben zu sein. Schade ist es nur um die Rekruten Vandokir und Telion. Ich hoffe für sie, dass sie entweder einen starken Willen und viel Ehrgeiz haben oder in irgendeiner Person ihren Ansporn finden. Ich kann ihnen nicht mehr als Gardist hinterher rufen, dass sie schneller oder mehr machen müssen. Auch, wenn ich natürlich privat immer noch für sie da wäre. Aber dafür müssten sie auf mich zu kommen und mir zeigen, dass sie das wirklich wollen. Bis das abschließende Urteil der Frau Oberstleutnant gefällt ist, verbleibe ich jedoch in Ruhe wartend und die ersten warmen Tage des Jahres genießend.

Temora beschützt ewig!
gez. Balian Sturmthal

Verfasst: Montag 30. Mai 2016, 00:44
von Gast
Regen ergoss sich über Valeran in diesen bedrückten Stunden. Der Himmel weinte mit den zurückgebliebenen Menschen, welche um einen Mann voller Ehre und Eifer trauerten.  "Ich grüße euch mit dem Segen der lichten Herrin Temora.."  Der Blick hob sich geistesabwesend etwas an und blickte geradeaus, während die Worte des Priesters im Kopf nachhallten.  "Wir haben uns heute an diesem eher trostlosen Ort versammelt, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem Mann, der für viele ein Helfer gewesen ist. In Zeiten als Soldat hier, sowie in Lichtenthal und auch noch weiter danach als Streiter der Herrin Temora. Doch nun ist sein Weg hier auf Erden zu Ende und es liegt an uns, ihn ziehen zu lassen. Er ging zu früh von uns und vermutlich zu einem Zeitpunkt, der schlimmer nicht hätte gewählt werden können. Aus dem Leben gerissen durch fremde Hand lässt er eine Lebensgefährtin, Freunde, Kameraden und verlorene Hoffnungen zurück. Möge die Herrin Temora ihre schützenden Schwingen um ihn legen und ihn mit ihrer Güte empfangen! Möge sie einen Platz neben sich bereit halten für Balian Sturmthal, welchen wir als Knorrendurff hatten kennenlernen dürfen.."  Der Blick senkte sich wieder und anstelle der rot-orangen Flammen, welche sich in jener Nacht über den leblosen Leib seines Freundes hergemacht hatten, sah Silas nun auf das noch leere Pergament, welches auf seinem Schreibtisch ruhte. Nur durch den Schein einer einfachen Kerze erhellt war der Ram und ohne mehr groß nachzudenken, setzte er schließlich den Federkiel auf und begann zu schreiben:

Grafschaft de Arganta, Valeran,
26. Eluviar 259


Der Schild- und Schwertmaid zum Gruße Frau Oberstleutnant von Senheit,

unschöne Umstände zwingen mich dazu, Euch als meinen einzigen Anhaltspunkt anzuschreiben. Mit großem Bedauern muss ich Euch mitteilen, dass Euer Gardist a.D. Balian Sturmthal in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages verstarb. Ein einziger Trost bleibt die Gewissheit darüber, dass er ehrenhaft für die Herrin und seine Heimat kämpfte. Auch, wenn es ein Kampf war, den ich von ihm und auch von seiner Verlobten, welche ihn begleitete, niemals erwartet hätte. Valeran wurde in den Nachtstunden von einer großen Horde Orks angegriffen, welche nach Jahren unerwartet wieder ihr Fort verlassen hatte, gerade, als die Beiden hier angekommen waren, um vor ihrer Hochzeit einmal die Heimat Balians zu erkunden.
Mir bleibt wohl nicht viel mehr übrig, als Euch mein Bedauern darüber mitzuteilen, dass ich ihn nicht wohlbehalten in seine neue Heimat reisen lassen konnte. Ich werde mich noch so lange um das Fräulein Dyrion kümmern, bis sie sich wieder bereit für eine Rückreise nach Lichtenthal fühlt. Bitte informiert all jene, die meinem alten Freund in seiner neuen Heimat nahe standen über seinen Tod. Ich hatte nicht die Gelegenheit, entsprechende Namen von ihm zu erfahren. Möge das Licht der Herrin unsere Wege stets erleuchten und mögen ihre Schwingen sich schützend um jene legen, die in ihrem Licht streiten und wandeln!

Ich verbleibe mit achtungsvollen Grüßen
gez. S.Bracks
Hauptmann der Wachbrigade Valerans