Wasser und Feuer [Teilnahme erwünscht!]

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Hajifa Yazir
Beiträge: 422
Registriert: Montag 16. Juni 2014, 01:36

Beitrag von Hajifa Yazir »

Lange stand Hajifa vor dem Aushang und betrachtete ihn. Wie viel Liebe aus diesen Zeilen sprach. Liebe für einen Mann, aber mehr noch, für das, was aus dem Mann wurde, durch die Verantwortung, die er trug. Natürlich träumte wahrscheinlich jede Natifah davon einmal die Frau des Erhabenen zu werden. Auch Hajifa hatte am Anfang diese Träume gehabt und sie schämte sich ihrer nicht. Doch in diesen Augenblicken wurde ihr bewusst, dass sie selbst niemals geeignet wäre solch eine Stellung im Volk zu bekleiden. Jene als Frau des Erhabenen.

Noelani musste Imraan stets mit allen im Volk teilen, sie hielt dies durch und beklagte sich nicht. Wenigstens durch Worte nicht. Manches Mal durch stille Gesten und innerer Abschottung. Hajifa wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Manchmal einfach nur durch Beistand und dabei sein.

Sie liebte Noelani wie eine große Fidah. Es hatte gut getan, dies ihr einmal sagen zu können. Gleichzeitig hatte sie selbst, Hajifa, Schuld auf sich geladen und Imraan in Beschlag genommen, mit einer Angelegenheit, die man besser und direkter hätte lösen können. Der Streit vor dem Tempel mit Callista war unnötig gewesen. Dennoch hatte er ein gutes Ende gefunden, wieder einmal in Gestalt des Erhabenen.

Einer der schönsten Augenblicke in Hajifas Leben war jedoch im Anschluss gekommen, als sie den Erhabenen um etwas bitten wollte und er dieser gar nicht bedurfte, weil er diesen Wunsch im Herzen trug. Vor Glück hätte die kleine Natifah weinen können.

Heute Abend würden sie wieder gemeinsam kämpfen. Schulter an Schulter, wie Abbas es gesagt hatte. Dabei war es egal, welches Haus als erstes wieder erkämpft wurde oder welches als letztes. Denn am Ende zählte nur, dass sie alle gemeinsam, als Einheit ihr Reich retten würden. Vor den Flammenkäfern und vor dem Schatten in ihren eigenen Herzen. Sie würden sich beidem stellen.
Gast

Beitrag von Gast »

Nachdem sie den Strand beim Yazir-Haus erkundet hatten und sich dem neuen Gegner stellten, hatten sie sich in den Palast zurückgezogen. Es gab Verwundete, sie hatten Leichen gefunden. Würde er behaupten, dass er keine Angst hatte, würde er lügen. Seine Angst konnte er nur durch Vertrauen und seinen Glauben zurückdrängen, oder gar eliminieren. Die Zukunft wurde ihm in der Nacht aufgezeigt. Kein Traum, eine Vision. Einfacher und deutlicher hätte sie nicht sein können. Mara wollte sie bestrafen, eine gütige Mutter, die jedoch nicht zum ersten Mal die Hand mahnend anhob. Mara war die, die das Leben brachte, die den Menschen, Tieren und Pflanzen Leben einhauchte, Seelen einpflanzte, die jeder Mensch für sich als kostbarstes Gut sah. Die Seele war die, die selbst entschied, in welche Richtung sich ein Mensch entwickeln sollte. Wenn er Menek’Ur retten wollte, dann musste er erst die Eindringlinge bekämpfen und sich danach um die Seelen seines Volkes kümmern. Wenn die Verderbnis kam, nahm sie sich diese. Wut, Hass, Neid, Misstrauen – Eigenschaften, die doch eigentlich dem Bastard unter den Göttern zuzuschreiben waren. War es der Waffenstillstand und die Pflege des Kontaktes nach Rahal, der sich langsam auf die Menekaner abfärbte? Nahmen wir alle zu viel mit?

Er wurde ungewohnt früh wach. Es war noch dunkel und Noelani schlief noch ruhig. Es dauerte eine Weile, bis er sich überhaupt aufrichten wollte. Die Knochen waren heute besonders schwer, er kam sich insgesamt schwerer vor, die Muskeln schmerzten, der Kopf war heute eine unerträgliche Last. Es wirkte, als würde er heute zwanzig weitere Stein mit sich herumschleppen. Er schnaufte, hob die rechte Hand zum Gesicht und fuhr über dieses entlang, griff sich in den Nacken, rieb sie dort entlang und starrte eine Weile die linke Hand an. Sie war faltig, die Haut viel dunkler, Adern zeichnet sich dort ab. Sie wirkte größer. Wie lange hatte er geschlafen? Verwirrte taumelte er zu seinem Ankleideraum herüber, stützte sich dort auf dem Sandstein ab und sah in den Spiegel, den beide von der Familie Masari zur Hochzeit bekommen hatten. Der Schreck traf ihn direkt und saß. Das Gesicht eines alten Mannes, graue Haare, das Gesicht wirkte runder, als hätte er einiges zugelegt. Er hatte noch einen großen Teil seiner ursprünglichen Kraft, dennoch merkte er den Verlust. Er hatte viel erlebt: Er hatte Magie wirken sehen, er hatte Eluive wirken sehen, er wusste, dass es Wunder gab und er wusste, wie mächtig das Böse sein konnte. Das war definitiv neu. Akzeptieren, runterschlucken, weitermachen. Eluives Wille durfte nicht angezweifelt werden, obwohl er es gerne getan hätte!

Das erste Mal, als sie ihn sahen, waren sie überrascht, manche waren geschockt, andere konnten es zumindest in gewissem Maße überspielen. Er wollte sich in keinem Fall und zu keiner Zeit etwas anmerken lassen. Wenn irgendjemand Kraft spenden konnte, dann waren es Callista und er. Er würde ganz gewiss seinen Teil dazu beitragen. Er war zumindest froh, dass es unter der aktuellen Truppe keine Verluste mehr gab. Das Leid war schon groß genug, doch die Hoffnung, die Wut und sicherlich auch der Wunsch nach Rache hatten die Menekaner beeinflusst. War das endlich der Zusammenhalt, für den er sich so lange eingesetzt hatte? Zumindest hoffte er, dass es lange anhalten würde.

Beim nächsten Mal dauerte es eine ganze Weile, bis er sich bei dem Notlager für die anderen zeigte. Er fragte sich selbst, ob das der richtige Moment war, ob er sich überhaupt ‚präsentieren‘ sollte. Eventuell würde er damit noch mehr Schaden anrichten. Doch wofür war er da? Genau für solche Momente. Er nahm tief Luft, zog den Bauch ein und drückte die Brust heraus. Der Körper wurde gerade durchgestreckt, der Kopf angehoben. Inzwischen war er körperlich ein Greis geworden. Kein schleichender Prozess, bei dem man sich an die körperlichen Gebrechen gewöhnt, keine Übergangsphase. Alles geschah innerhalb einiger Tage und war eine unheimliche Belastung. Mara hatte eine Prüfung für ihn, die er bestehen musste. Wohl eher, musste das Volk diese Prüfung bestehen. Und wenn schon, es gab andere, die diese Aufgabe übernehmen konnten.

So zeigte er sich den Menekanern, lächelte, wie er es immer tat und versucht sich Schmerzen und die schwere Last nicht anmerken zu lassen. Sein bester Freund war noch an seiner Seite, sein Dschinn. Das Gefühl verriet ihm, dass Radschish nicht sonderlich verwundert war. Entweder wusste er von Maras Vorhaben, oder es war einfach die Selbstverständlichkeit, die er nun mal mitnahm, als er die kurzlebigen Menschen und Menekaner epochenlang beobachtete. Vielleicht wollte er auch Imraan auf seine ganze besondere Art ärgern. Manchmal hasste er ihn dafür, dass er beinahe die gleichen Charaktereigenschaften besaß. Er sah diesen Abend nach den Verwundeten, zumindest die, für die er noch Zeit gehabt hatte. Sein Körper forderte seinen Tribut, so blieb auch nur für Nahlah und Tooru Zeit. Er war froh, dass es beiden verhältnismäßig gut ging und dass sich Atiya, wie auch Latifa hervorragend kümmerten. Alles nahm eben seinen Lauf und alles würde gut werden, ob mit, oder ohne ihn.

Der Erzähler

Beitrag von Der Erzähler »

Eine alte Sonne erstieg über den Dünen der Wüste und übergoss den Sand mit Blut. Verhaftet zwischen den Sandkörnern war das Salz des Meeres und des Landes, das Blut des Volkes und der Kreaturen ebenso wie der Staub der zerstörten Gebäude. Ausgetrocknet, zerschlagen, durchschnitten, getilgt, abgerungen unter Schmerz und Entbehrung, erkauft mit Schweiß und Leben. Jeder Salzkristall, jeder Blutstropfen, jedes Staubkorn im unermesslichen Sand der Dünen erzählte seine eigene Geschichte, ungehört mochte man annehmen.


Doch in ein Herz flossen all diese Geschichten. Das Herz des Landes, das Herz des Liedes, das Herz der großen Mara und sie lauschte bereitwillig und wohlwollend. Sie vernahm die Namen und machte keinen Unterschied wie groß die Rolle gewesen sein mochte, die der Name in der Geschichte gespielt hatte.

Ein Salzkristall erzählte ihr von dem Klackern in der Nacht und den unberührten Sternen, die sich gnädig über den zerschlagenen Körper spannten. Er erzählte ihr von dem Stallmädchen Damaris Bashir und einem im Lied aufgegangenem Leben. Er erzählte ihr von ihrem Lachen im Kreis der Familie und ihrem Leid, als die Wellen sie gegen die Steinmauer geschmettert hatten, auf der sie sonst so gerne gesessen hatte, um die Lamas und Pferde zu beobachten. Er erzählte davon wie der letzte zittrige Atemzug über ihre trockenen Lippen gedrungen war und wie die Kämpfer Menek‘Urs sie zwei Tage später im Sand fanden. Und er erzählte ihr von der Erschütterung, dem Wehklagen und den Gebeten für das Mädchen.

Ein Blutstropfen berichtete ihr von dem Feuerameisenarbeiter, der keinen Blick für die gleißend weiß schimmernden und irisierend gelb leuchtenden Fontänen von flüssigem Gestein, die ebenholzfarbenen, weich-verschlungenen Musterungen und Linien auf dem Boden oder dem sanft bronzenen Flimmern in der Luft gehabt hatte. Er berichtete ihr von dem schrecklichen Beben und der Panik durch die Tiefen des Ozeans getragen zu werden und in unbekanntes Land geschmettert zu werden. Er berichtete ihr von der Verwirrung und von dem Schmerz, als ein Säbel durch die Panzerung drang und sich wie Flammen ins Fleisch bohrten. Er berichtete wie die Augen, die für die Schönheit keine Zeit gehabt hatten, in jenem Moment des Todes endlich verharren durften und Schönheit fanden in einer banalen Wolke am Himmel.

Ein Staubkorn sprach zu ihr davon wie es einst Teil eines Berges gewesen war und später Baustein eines Hauses wurde, dessen Balkone überspannt waren von Baldachinen und dessen Böden bedeckt waren von Teppichen. Es sprach von Stimmen in den Wänden, von Streits und von Lachen. Von dem Geruch von Mocca und Tee, von Parfüm, Stoffen und Henna. Es sprach auch darüber wie das Meer an Land gekommen war und alle Stimmen verstummen ließ und alle Gerüche auslöschte außer dem nach Salz und Tod. Es sprach davon wie die Menekaner betroffen zurückkehrten an den Ort des Hauses und wie sie unermüdlich die Ruinen abbauten, wie sie die Blasen an ihren Händen ignorierten und sich weigerten aufzugeben über die Grenzen der eigenen Erschöpfung hinaus. Es sprach davon wie es zum Berg des Tempels geweht wurde und das Gebet der Einigkeit vernahm. Es sprach von der Verzweiflung, der Hoffnung, der Liebe, der Ehre und dem Schmerz, der den Gebeten zu entnehmen war.


Unglück und Zerstörung sind nicht immer das Ende.
Wenn das Gras verbrannt, die Mauern zerstört und die Herzen gebrochen sind,
wird die Hoffnung es wieder sprießen lassen, Stein für Stein neu aufbauen und sanften Trost spenden.
Gemeinsam stehen und hoffen wir für einen Neuanfang, Hand in Hand, Seite an Seite.


Eine junge Sonne erstieg über den Dünen der Wüste und übergoss den Sand mit roter Seide. Verhaftet zwischen den Sandkörnern war das Salz des Meeres und des Landes, das Blut des Volkes und der Kreaturen ebenso wie der Staub der zerstörten Gebäude. Verwoben zwischen den Dünen war die Hoffnung eines Volkes, die Gebete der Vielen, das Leben Unzähliger und die Geschichten aller. Und in dem Strahlen der jungen Sonne lag die Gnade der großen Mara, die das Alter von dem noch so jungen Geist wischte und ihren Kindern zärtlich über die Haut strich. Was die Welt bedeutet...



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Zuletzt geändert von Der Erzähler am Montag 15. Dezember 2014, 19:52, insgesamt 1-mal geändert.
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