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Verfasst: Dienstag 22. April 2014, 15:11
von Caillean
Taps, taps, taps.... er kam viel schneller vorwärts. Und viel einfacher an die großen, hohen Sachen. Es war toll. Es gab viel mehr, was man entdecken konnte.

Und wenn sie dann hinaus gehen durften... dann kam dieses dumme Tuch. Es war lästig.. nervig... er wollte es nicht, er wollte laufen, er wollte erforschen... das Tuch hielt ihn gefangen. Er strampelte und schrie und wehrte sich... und das dumme Ding hielt ihn fest.

Da half nur noch eines... schreien, bis Mamli aufgab und er runter durfte... je lauter, desto besser... irgendwann mußte sie es ja mal verstehen....

Verfasst: Freitag 25. April 2014, 13:32
von Gast
"Piepie", schrie eine kindliche, vergnügte Stimme. Sophie richtete den Blick nach unten und sah in zwei große, funkelnde Augen über einem vergnügten Lächeln. Der Knirps klatschte fröhlich in die Hände und hob die Arme an. Die hochgewachsene Schwarzhaarige ging in die Hocke und schwang den Kleinen auf ihren Unterarm, während sich die freie Hand auf dem Rücken des Kindes niederlegte. Immerzu starrten sie die großen Kinderaugen fasziniert an. "Meintest du mich mit 'Pipi' oder musst du mal?", fragte Sophie das quirlige Bündel auf ihren Armen. Wie zur Antwort kicherte der Kleine und das Händchen schnellte auf die Nase der vollbusigen Ersatztante zu. Hier war sie sich sicher: Nur Gillean fand Gefallen daran, sich stundenlang damit zu beschäftigen, ihr Riechorgan festzuhalten.

Sophie schätzte die Harmonie, die sich in ihrem neuen Leben in Rahal nach langer Zeit einzustellen vermochte. Meistens waren es Teron und Linejra, die es schafften, ihrem vom Zorn erfüllten Geist Ruhe zu vermitteln. Nach Hause zu kommen, sich in den Armen ihres Liebsten zu wiegen, oder Linejra mit ihren süßen Knirpsen aufzusuchen, waren Dinge, die einen regelrechten Kontrast zu den sonstigen, meistens vom Kampf geprägten, Ereignissen in Rahal darstellten. Diese Kontraste waren für ihre innere Ausgeglichenheit notwendig, wie sie feststellen musste. "Dada Piepie", schrie eine andere quietschende Stimme, während sie Gillean eine angenehm ruhige Melodie vorsang und dem schläfrigen Bündel in ihren Armen eine Wiege bot. Ja, singen und ein Instrument spielen - das waren ebenfalls Dinge, für welche die dralle Schwarzhaarige keine Zeit mehr gefunden hatte. Und tatsächlich saß Caillean, der zuvor ihren vermeintlichen Spitznamen gerufen hatte, in einer Ecke und klopfte mehrmals auf den Bauch einer Laute, wie befehlend. "Piepie" war zudem eine sehr gewöhnungsbedürftige Bezeichnung. Manchmal wusste Sophie nicht, ob die Kleinen mal mussten oder tatsächlich nach ihr riefen. So vergingen viele der entspannten Abende, während sie ihr Partner mit einem zärtlichen Kuss begrüßte und Linejra von der Jagd zurückkehrte. Auch das sanfte Lautenspiel, das Sophie für die Kinder begonnen hatte, fand mit harmonischen Akkorden ein Ende.

Verfasst: Montag 9. Juni 2014, 01:14
von Gillean
Oft wachte er auf in der Nacht, während sein Bruder und Mamlin schlief. Er wollte keinen von denen wecken. Spielte mit den Spielzeug, ganz allein, was eben da war. Aber ganz besonders kümmerte er sich um das Kätzchen ... von dem er stets annahm, dass es Hunger hatte.

Er mochte das warme, weiche, flauschige Wesen, und so häufte er immer wieder, wenn es nachts still war im Haus und er pipi musste oder nicht schlafen konnte, alles, was er in der Küche fand, um das Haustier auf, auf dass es genug zu fressen hatte, dessen ungeachtet, dass seine Futterschüssel rand voll war.

Verfasst: Donnerstag 3. Juli 2014, 01:46
von Gillean
Im Haus von Mamlin fühlte er sich geborgen und sicher. Auch in den Wäldern, in die sie oft gemeinsam gingen.

Alles dort war so einfach, so geregelt und leicht verständlich.

In der großen großen Stadt, in der er immer wieder neue Leute traf und kennen lernte, war er sich inzwischen höchst unsicher. Er fragte und lernte dadurch auch viel, doch hatte er immer das Gefühl, vieles falsch zu machen.

Zutiefst steckte die Angst vor Alathar in ihm, wovon ihm sein Vater erzählt hatte. Auch wenn dies schon einige Zeit her war, wälzte er sich des Nachts manchmal unruhig im Schlaf.

Das alles war oft sehr unverständlich für ihn. Aber es gab da auch liebe Leute, die ihm und seinen Bruder geduldig etwas erklärten. Und diese Leute mochte er ganz besonders.

Verfasst: Mittwoch 6. August 2014, 23:58
von Gillean
Es war kein Tag wie jeder andere. Zutiefst betrübt krabbelte er letztendlich ins Bettchen, höchst verwirrt und seine kleine Welt nicht mehr verstehend.
Immer war Mamlin für ihn und seinem Bruder stets in all den Jahren in jedem Augenblick da gewesen. Jetzt aber schien sich das geändert zu haben.

Da war ein neuer Onkel in ihr Leben getreten. Ein Onkel, von dem Mamlin schon ein paar Tage lang sagte, dass er sehr sehr lieb wäre.

Als Gil ihn kennen lernte, konnte dieser den Kleinen fürs erste auch gut für sich gewinnen. Er schenkte ihm ein Würfelspiel. Leider vergaß er, dem Kind zu erklären, dass es ein Spiel wäre und wie die Regeln dazu wären. So hielt Gil den Würfelbecher für einen Trinkbecher und mit dem Würfel selbst konnte er vorerst gar nichts anfangen.

Später dann, wieder daheim, maßen sie sich - Gil und der neue Onkel - im Armdrücken. Der Onkel unterlag. Er musste eben wohl noch viel üben, aber er hatte es gewagt, gegen Gil anzutreten, was er ihm hoch anrechnete.

Weiters fand es Gil gut, dass der Onkel sich selbst anzog, dass er Mamlin mehrfach fragte, ob er ihr etwas helfen könne und Gil das Spiel mit dem Würfel erklärte.

Dann aber musste der Onkel weg und Gil sprach mit Mamlin. Das was er da von ihr hörte, betrübte ihn zutiefst.
Die beiden wollten alleine sein.
Sie hätten Geheimnisse.
Und sie brauchten noch viel Zeit füreinander.

Gil verstand die kleine, heile Welt, die er stets um sich hatte, nicht mehr. Mamlin, die in jedem Atemzug ihres Lebens für ihn und seinen Bruder da gewesen war und der er sowie sein Bruder immer ehrlich ihre Herzen ausschütten konnten, wollte die beiden plötzlich nicht mehr um sich haben???

Als Lin ihren Kleinen ins Bett brachte und er sich trotzig von ihr abwand, versuchte sie es ihm zu erklären. Gil verstand ihre Worte nicht. Warum wollte sie und der neue Onkel die beiden nicht um sich haben?

Das Geschenk, das der Onkel ihm gemacht hatte und welches er zuerst geschätzt hatte, verlor in diesen Momenten an Bedeutung. Wütend warf Gil es auf den Boden und wollte nichts mehr davon wissen.

Todmüde und recht verheult kuschelte er sich in die Decke. In jener Nacht suchten ihn üble Träume heim, in denen er immer und immer wieder weggewiesen wurde von Mamlin und dem neuen Onkel.

Verfasst: Sonntag 10. August 2014, 01:29
von Gillean
Gil überlegte lange, was er dem Onkel schenken könnte. Er hatte nicht viel. So entschied er sich, ihm ein Stückchen des Karamells abzugeben, was der auch augenscheinlich zu schätzen wusste.

An jenem Abend ging es recht zu im Handelshaus, was Gil dazu benutzte, neue Leute kennen zu lernen. Ganz fasziniert war er von Onkel Flynn, der nur ganz oben am Kopf noch wenige Haare hatte, was er noch nie zuvor gesehen hatte und der ihm von einem Baumhaus erzählte, das er und sein bester Freund dazumal gebaut hatten.

Das war aber später dann. Zuvor versuchte Gil, dass Onkel Dunk und Mamlin ein wenig allein sein konnten, indem er vortäuschte, dass im Obergeschoss was mit den Pflanzen nicht stimmte.

Später dann verwirrte ihn total, dass Mamlin mit Leng alleine sein wollte. Ja sogar Onkel Dunk wollte unbedingt, dass Gil bei dem Gespräch nicht stören sollte. Später sagte Mamlin, dass sie auch gerne für Leng Gulasch kochen würde, was Gil noch mehr verwirrte.

Gil sprach es nicht aus, aber er wollte nicht, dass Mamlin für Leng Gulasch kochen würde. Sie sollte für Onkel Dunk Gulaschsterz kochen.

Auch wenn er über all die neuen Bekanntschaften und das rege Treiben im Handelshaus sowie die sehr späte Stunde, in der er an jenem Abend ins Bett kam, sehr ermüdet war, waren ihm gewisse Dinge höchst unklar.
Gil war aber dermaßen müde, dass er beim leisen Gesang seiner Mutter alsbald einschlief. "Morgen" würde er vielleicht mehr erfahren und verstehen können.

Verfasst: Montag 3. November 2014, 01:04
von Gillean
Was für ein verwirrender Tag!

Zuerst der Ausflug mit Onkel Tugor und Tante Enomis zum Bach mit ihren Hunden, als plötzlich die Glocken Rahals Unheil verkündeten.
Schnell liefen er und seine Mutter nach Düstersee, wo sie die Tore schlossen und am Nordtor oben am Gang über dem Tor Ausschau hielten.
Ausschau nach nichts. Und trotzdem meinte Mamlin immer wieder, es wäre sooo gefährlich da draußen. Dabei war da gar nichts zu sehen, außer ein paar Vögeln.

Plötzlich tauchte Tante Enomis auf und verkündete, dass wir gesiegt hätten und ein Oberst gefangen genommen worden wäre. Gil wollte diesen Oberst unbedingt sehen. Genauso wie vom König von Adoran tuschelte man sich zu, dass auch er kleine Kinder fressen würde.
Gil war fest entschlossen, diesen Oberst das selbst zu fragen.

Doch er durfte nicht zu ihm. Nicht mal, als er seine Gardeuniform übergestreift hatte, die er stets bei sich trug. So bezog er eben Wache am eisernen Tor, hinter das der Oberst verbracht wurde, bis ihm Dienstschluss erklärt wurde.

Da war er nun Landsknirps und immer, wenn es spannend wurde hieß es: Es sei zu gefährlich oder Dienstschluss. Und am meisten hasste er es inzwischen, wenn ihn Mamlin an der Hand nahm und wegzog. Weil es wieder einmal sooo gefährlich wäre.
Dabei passierte nie etwas. Dort, wo sie dann hingingen, war es total langweilig.

Sein ganzer Frust kam hoch, als sie noch ins Handelshaus gingen. Gil war alles um ihn so egal, sogar Onkel Syr, der noch in der Werkstatt arbeitete. Dann kam auch noch dieser Mann zu ihnen, setzte sich mit an den Tisch, ohne sich vorzustellen, mischte sich aber gehörig in Gils und Mamlins Angelegenheiten ein.
"Bist du ein Ritter?", fragte ihn Gil.
Der Mann verneinte, schwafelte aber etwas davon, dass er "vielleicht" einmal "Knappe" werden würde.
'Jaaaa jaaa', dachte sich Gil. 'Vielleicht würde Mell (die Hauskatze) auch einmal ein großer schwarzer Panther werden.'
"Bist du mein Vater?", fragte Gil weiter.
Auch das verneinte der Fremde, gab aber weiter wichtige Worte von sich, die Gil überhaupt nicht interessierten.
Als er ihn dann noch "Kleiner" nannte, kochte es in Gil über.

Er wusste nicht mehr weiter, fühlte sich betrogen von der Garde, die ihn einbläute, dass er die seinigen schützen sollte, aber jedesmal, wenn eine solche "Gefahr" drohte, wurde er weg gebracht.

Er - Gil - solle nicht so frech sein zu seiner Mutter und er - der Fremde - hätte keine solche gehabt, äußerte der Mann.
"Dann hat dir wohl auch keiner beigebracht, dass man seinen Namen sagt", grummelte ihm Gil entgegen.
Endlich stellte der Mann sich vor und auch Gil sich selbst, etwas versöhnter.

Menos zog das Gewand über seinem Bauch hoch und zeigte Gil seine Narben. Gil konnte sich auf die Wulste auf seiner Haut keinen Reim machen. Ja, auch er hatte sich schon einmal geschnitten, an einem Krug, der seinen Händen entglitt, als er ihn wegräumen wollte. Aber auf seinen Händen waren keine solchen Narben geblieben. So etwas sah er zum ersten Mal. Und trotzdem konnte er sich nicht vorstellen, was dies verursacht hatte und was die Folgen davon waren.

Dann ließ Menos noch einen Schwall Weisheiten über Gardisten über ihn nieder, was die tun sollten und was er - Gil - in seinen jungen Jahren üben sollte: Klettern, laufen und springen.
Damit stieß er wieder einen verbalen Dolch in das junge Kinderherz. Gil konnte doch nicht laufen. Immer, wenn er schnell rannte, bekam er diese Beschwerden, rang nach Luft und drohte zu ersticken. Er, sein Bruder und Mamlin kannten das, für sie war das normal, aber immer wieder passierte es. Und das bedrückte Gil sehr.

Dann erklärte ihm Menos, dass er erst mit so vielen Fingern an Jahren - es waren viel zu viele, als dass Gil sie zählen konnte (konnte er doch gar nicht zählen) - erst eine Waffe bekäme. So viele? Das waren so viele, dass er glaubte, das nicht zu erleben.

Völlig entnervt fiel Gil in die Arme seiner Mutter, heulte sich an ihrer Schulter aus und kuschelte sich an sie. Da kam Menos zu ihnen.
Gil spürte tief in sich, dass er Menos sagen musste, dass er nicht schnell laufen konnte und das tat er auch. Doch hatte er das Gefühl, dass nun Menos genauso wenig etwas damit anfangen konnte, wie Gil etwas mit Menos Narben.

Menos hatte aber etwas für Gil ... ein kleines Holzschwert. Schon wollte Gil begeistert die Hände danach ausstrecken, da riss etwas in ihm die Hände wieder zurück. Sein zweites Ich - sein Zwillingsbruder. Es war nur EIN Schwert. Seine Bedenken äußernd, kam man zu dem Schluss, dass doch einmal er, dann wieder sein Bruder damit üben könnten. Und noch etwas hatte Menos anfertigen lassen: Eine Übungspuppe, die nicht größer war, als Gil selbst.

Das, und die Müdigkeit, die langsam in ihm aufkeimte, trocknete Tränen und besänftigte die Enttäuschung. Schnell brachte ihn Mamlin ins Bett.
Eine ganze Weile konnte er nicht einschlafen, weil eines musste er Mamlin noch klar machen. Er wollte nicht immer an der Hand geführt werden. Er war doch schon groß.