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Geschwisters Zorn

Verfasst: Freitag 31. August 2012, 17:48
von Qis´arx
  • Die Tür fiel ins Schloss und der Alathraxor Tluth'Xarlor verriegelte den recht zerbrechlichen Eingang der Höhle. Es wäre keine Arbeit gewesen, die Tür aus den Angeln zu reißen und das, was hinter ihr verborgen lag, zu befreien. Und doch ließ ihr Respekt gegenüber dem Letharfen es nicht zu, sich irgendwie gegen sein Befehl zu stellen. So stand sie also da, mitten im Weg, direkt vor dem Letharfen und in ihr flackerte die Wut. Er war vollkommen ruhig, die ganze Zeit, was allerdings nicht für weniger Emotionen im Leib der Frau sorgte. Genüsslichen Schrittes ging er auf sie zu und wiegte den Kopf zur rechten Seite hin. Die Lippen der Templerin vibrierten ab und an, wodurch auch einem schlechten Beobachter recht schnell klar werden würde, dass sein Gegenüber drauf und dran ist seinen Gefühlsregungen freien Lauf zu lassen. Das es bei ihr so offensichtlich war, lag nicht daran, dass sie nicht fähig war ihre Mimik perfekt hinter einer Maske der Neutralität zu verbergen, nein, an jenem Abend lag es daran, dass so viel Zorn sich in ihr aufstaute, so viele Monate lang und der Alathraxor mit seiner Handlung alles hervor zog und regelrecht mit einem Wink danach lockte.

    „Du willst etwas sagen?“

    Natürlich wollte sie das, so viel wollte sie sagen und doch folgten nicht viele Laute aus ihrem Mund. Sie erinnerte sich an die Tage zurück, an welchen ihr damaliger Herr sie für jede Dreistigkeit in den Erdboden stampfte und in diesem Moment war sie schutzlos, vollkommen – jene Strafe, die bei der Kundgebung ihrer Meinung gefolgt wäre, musste umgangen werden. Und in diesem Moment, in diesen wenigen Sekunden durchfuhr sie ein kurzer Schleier von Unbehagen. Während der Bruder sie abwartend ansah, schossen ihr so viele Gedanken durch den Kopf, Gedanken, welche nach ihrer Entstehung nur ein Wort erzeugten.

    „Warum?“

    Er sah sie an und auch wenn er was sagte, haben ihre Ohren bereits auf Durchzug geschaltet. Sie wusste was er ihr sagen würde, sie hätte nicht einmal fragen müssen, denn im tiefsten Inneren kannte sie die Antwort, sie kannte den Grund seines Handelns und sie wusste auch, dass sie die Letzte wäre, die sich dagegen aufbäumen würde. Aber sie wusste auch, dass er sie in gewisser Art und Weise schätzt, eine Art und Weise, die sie zu nutzen wusste. Er hörte ihre Worte an und das auch mit Bedacht und ohne jeglichen Spott. Aber in diesem Fall war er stur. Vermutlich ahnte er bereits, welche Bindung Qis'arx zu dem hatte, was er da hinter Türen verborgen hielt. Er wollte auch nicht mehr lange über dieses Thema sprechen, schwenkte er doch bereits weiter, während er sie mit sich winkte und sie ihm wieder folgte wie ein viel zu kleiner Schatten. Ihr Blick war gesenkt und ihre Lippen formten lautlose Worte, welche gegen Höhlenboden gesprochen wurden.

    „Blut ist dicker als Wasser, Schwester.“

    Seifenblasen

    Ohne Schutz. Ich weile ohne Schutz auf den Höhlenboden, der vor Monaten noch der sicherste Ort auf Erden für mich war. Und die Erwartungen sind so hoch. Die hochrangigen Geschwister sind alle an Orten, an welchen sie dringend gebraucht werden, an Orten, die für Fragen, Befehle und ähnliches unerreichbar scheinen. Die Erwartungen sind so hoch...
    Und doch ist es meine Aufgabe sie zu erfüllen und zumindest im Ansatz zu versuchen, solche Problematiken aus dem Weg zu räumen. Und nun stehe ich hier und habe Zweifel und ich würde am liebsten zu Yxul'lerlatox gehen und all das fragen, was ich mir zur Zeit nicht beantworten kann. Der Letharf, der für alles immer die richtigen Worte findet und doch besitzt er momentan weniger Wert als ich. Es widert mich an! Die Erwartungen sind so hoch... Und jedes Wort welches ich spreche, muss mit Bedacht gesprochen werden, jede Regung die ich Tätige, sollte vorher durch meinen Geist wandern und wenn ich dann denke, dass es richtig ist, in meiner Position, meine Meinung zu vertreten, dann wird dies geschehen. Denn die Erwartungen sind so hoch und ich werde jeden Tritt, jeden Stoß der sie höher treibt, auf mich nehmen und es wird der Tag kommen, an dem ich das Wort erheben kann und niemand mehr daran zweifelt! Und dann, Schwester, werde ich dafür sorgen, dass man dich schätzt, wie es für dich vorhergesehen sein sollte. Ich werde dein Pech zu Glück schmieden und wir werden uns nur noch neblig an die Zeiten zurück erinnern, wo wir weniger Wert waren als der Dreck unter den Nägeln der Männer! Vater wird stolz auf uns sein, denn wir werden, nach dem Fehler als Frau geboren zu sein, weitere Fehler gering halten und kämpfen!


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Und einst waren es Sieben

Verfasst: Donnerstag 6. September 2012, 18:13
von Qis´arx
  • Vor 1415 Jahren hörten sieben Hochelfen die Stimme Alatars. Jedoch konnten sie seine Worte nicht verstehen, waren ihnen jene Laut fremd. Die Neugierde und das Verlangen nach Wissen trieb sie allerdings dazu, Alatar anzuflehen, ihnen die Sprache zu lehren und das, was sich aus dem Wissen jener formte, zu greifen. Der Panther willigte ein und sendete folgende Worte an die Sieben:

    „Ich lehre euch meine Worte, mein Wissen. Doch kann diese Gabe nicht geschenkt werden, sie verlangt einen Lohn. Dient mir, folgt meinem Willen, und ich werde euch geben was ihr wünscht.“

    Sie unterwarfen sich seinen Worten und Alatar führte sie aus ihrer Gemeinschaft, löste sie vom Lied der Mutter und offenbarte ihnen den freien Gedanken. Er lehrte seine Worte, zeigte ihnen seinen Macht und offenbarte ihnen den Weg, der sie nun erwarten würde. Die Sieben wollten seine Kraft offen in die Welt tragen, sie präsentieren und das, was für sie neu war, offenbaren. Sie geiferten Regelrecht danach den Worten Taten folgen zu lassen. Doch Alatar gebot in Einhalt, denn es war noch nicht an der Zeit. Der Panther hatte größere Pläne und es war noch nicht an der Zeit, in die Öffentlichkeit zu treten und die Macht zu präsentieren. Die Welt konnte sich in Sicherheit wiegen, während der All-Eine eine befahl, dass die Sieben sich Menschenfrauen suchen sollten, mit welchen sie sich paarten und die Blutlinie fortführten. Sie gehorchten, wählten und alsbald wusste jeder ein Weib an seiner Seite. Doch es waren Frauen, Nutzobjekte, welche nur diesen Sinn erfüllten und niemals auf gleicher Ebene betrachtet wurden.


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    „Die Wertlosigkeit deines Geschlechtes ist dir hoffentlich bewusst, Junglethoryxae. Dein Potenzial wird dir dabei auch nicht helfen. Du wirst irgendwann versagen, du bist eine Frau, es liegt in deiner Natur. Aber vielleicht haben wir Glück und ein Letharf vergeht sie vorher noch an dir und du schenkst dem Vater einen oder gar zwei Jungen – dann könntest du mit Stolz das Zeitliche segnen.“

    Qis'arx stand still da und ihr Blick ruhte recht nüchtern im Gesicht des Letharfen, welcher anscheinend mit Worten versuchte, sie aus der Fassung zu bringen. Die Augen der Lethra flackerten dabei sogar ein wenig, aber vermutlich eher deswegen, weil sie der Müdigkeit sicher alsbald erlag und nicht etwa aus Zorn. Sie hob ihre Hand langsam an und machte eine schlichte Geste, der könnte wohl fortfahren, so er denn will. Er redete schon ein paar Stunden auf sie ein und zumindest blieb jener Satz bei ihr hängen, auch wenn all die Anderen ihren Zweck nicht erfüllten. Nachdem die Lethra das Ganze allerdings erneut nur mit der Hand abwinkte, verging ihrem Gegenüber fast schon die Lust, denn zumindest folgten keine weiteren Laute mehr. Irgendwas übernahm ihn gänzlich und schnellen Schrittes rannte er auf sie zu, zog seine Fechtwaffe und gab einen wutentbrannten Schrei von sich. Qis'arx ihr Unterkiefer tänzelte von links nach rechts, während sich ihr Leib nicht vom Fleck bewegte. Nur ihre Lippen bewegten sich langsam und ließen Gebete durch die kleine Kammer hallen, welche den Letharfen, Schritt für Schritt, zu Boden zwangen. Zuerst hörte man die Waffe, wie sie auf den Boden schepperte, dann den dumpfen Laut des Leibes selbst.

    „Beherrschung.“

    Sprach sie dann in Richtung Boden, bevor sich ihr Leib abwendete und sie dem niedrigeren Blut auf der Erde keinerlei Beachtung mehr schenkte. Doch er wusste, trotz der Qualen, die ihn gerade durchfuhren, dass es am nächsten Tag genau so weiter gehen würde. Nur die Lehre sollte jedes Mal eine Andere sein.
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    Das Treiben Alatars und seiner Kinder wurde von allen Seiten mit Misstrauen und Furcht verfolgt. Eine Furcht, die dazu verleitete zu handeln. Jene Bewegungen in Richtung Feind ließen sie auf eine Seele treffen, welche schwach war und recht schnell den Worten verfiel. Rhad'il, der erste Verräter Alatars wurde nach und nach bekehrt und verstand irgendwann gar die Sprache des Allmächtigen nicht mehr. Der Letharf war schwach geworden und war kein würdiges Mitglied mehr, Aus Sieben wurden sechs. Rhad'il wollte fliehen, doch Alatar warf seine mächtige Pranke über ihn und ließ seinen hinterhältigen Leib nicht entkommen. Er befahl den verbliebenen sechs Letharen, einen Menschen zu bringen, einen kräftigen Knaben. Die Sechs taten wie ihnen befohlen und brachten alsbald einen Jungen zum All-Einen, sein Name lautete Gabriel.

    „Ich dulde keinen Verrat, keine Schwäche. Du wirst mir dienen Rhad'il, denn du bist mein!“

    Mit diesen Worten legte er eine Pranke auf die Brust des Kindes und eine auf die Brust Rhad'il's. Der Letharenleib wurde schwächlich, zerfiel. Die Seele des Körpers floh aus der nicht mehr zu brauchenden Hülle und nistete sich in den Menschenleib...


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    Dann wandte sich der Allmächtige an den letzten Arkorither und sprach:

     „Lehre diese Sieben, dann werde ich dir Gabriel als Schüler überlassen. Dein Wissen wird weiterleben, solange dieser Pakt besteht.“

    Und der Arkorither tat das, worum man ihn bat. Er lehrte die Manipulation des Liedes, so das seine Kinder lernen konnten, durch die Disharmonie Alatars, jenes Lied zu gebrauchen. So kam alsbald der Tag, an welchem der Panther seine Kinder, Gabriel und den Arkorither zu sich rief, sie sich bei ihm sammelten. An jenem Ort, Minuten, Stunden, Tage, sammelten sich nun die Kräfte derer, welche anwesend waren, in einem großen Ritual. Die Hände der Blauhäute färbten sich in einem giftigen Grün, während sie ohne Pause immer wieder die selben Worte Alatars wiederholten.
    Schließlich schnitt der Arkorither seine Handfläche, um durch sein Blut den Dämon herbei zu rufen. Die Kreatur fuhr durch die Lava empor, Geist und Körper des Arkorithers für sich beanspruchend. Und Alatar sprach zu ihm:

    „Kra'thor sei dein Name, und du wirst mir dienen. Geh zu den Menschen, trage Leid und Tod über diese Welt.“

    Dann wandte sich der Panther an seine zahlreich gewordenen Kinder.:

    „Ihr, meine starken Kinder, werdet ebenfalls handeln. Was Eluive schuf, ist lediglich Illusion, ihr Lied eine Lüge. Vernichtet, was Ihr heilig ist, tötet was Sie liebt. Denn der freie Gedanke kann nur auf dem Grund der Wahrheit Wurzeln schlagen.“


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    Als Qis'arx den Tempel verließ, lagen noch immer die Worte des Letharfen auf ihrer Seele. Die Worte, welche sie an ihre größte Schwäche erinnerten, ihr Geschlecht. Und doch kam kein Zorn mehr in ihr auf und kein Zweifel regte sich. Sie war über diesen Punkt hinaus gewachsen, an welchem sie sonst so oft zu Boden ging. Worte erreichten nicht mehr ihre Seele, denn jene war mittlerweile gestärkt, abgehärtet und frei von jeglichem Zweifel.
    Unten angekommen, als die Fußspitze den Boden berührte und der andere Fuß die Tempeltreppen verließ, wurde ihr genau das bewusst. Ein Moment, der sie eine Weile stehen ließ, als hätte man die Zeit angehalten. Ein Augenblick, der ihr Blut stoppte und ihre emotionsmageren Augen gleiten ließ. Es war ein Fortschritt, ein enormer Fortschritt, der viel mehr bedeutete, als es vielleicht den Anschein erweckte. Die junge Templerin wusste das und doch ließ der Fortschritt keine emotionale Regung dafür zu. Sie nickte es lediglich ab, als hätte sie eine Information vernommen, die eben nun ist wie sie ist und welche keine Freude erzeugt und auch kein Leid. Doch als sie dann den nächsten Schritt setzte, rasten ihr Bilder in den Geist, was sie für weitere Herzschläge außer Gefecht setzte...


    Ein dichter Nebel umgab das Bild, welches sich offenbarte, Ein Nebel, der so wuchtig erschien, dass man annahm, dass die Hand fähig sei, jenen wegzuwischen. Kurz ließ jene Offenbarung den Geist ausfallen und alle Muskeln schienen zeitgleich nicht mehr das tun zu wollen, was sie sollten – arbeiten.
    Der Nebel wurde ab und an schwächer, dann bäumte er sich wieder auf und doch war recht klar, dass er dazu gedacht war, etwas zu verbergen. Hinter dem Nebel, sollte man sich konzentrieren, wird man 7 Schatten erkennen, welche sich aufreihen. Dünne Schatten, hager, nicht sonderlich groß und doch mit einer Präsenz, die jedem Respekt in den Leibe trieb. Und je öfter jene Bilder die kommenden Tage in die Geister aller wanderten, um so präsenter wurden die Konturen. Es war eine Illusion der Sieben, auch für jene, welche sie nie trafen oder nie ein Bild sahen, wird das nichts sein, woran sie zweifeln könnten.
    Was allerdings Unbehagen bereiten sollte, ist der achte Schatten, welcher sich anscheinend nicht genau offenbaren wollte und doch gehört er wohl zu den Sieben Auswählten Alatars. Denn auch er stand mit in dieser Reihe, so nah wie jeder andere und auch jene Kontur war der eines Elfen gleich und auch die blaue Haut schimmerte ab und an hindurch, so ist es die Frage, die sich alsbald durch alle Köpfer der zur Zeit wandernden Letharen schleichte:


    Was hat es mit dem achten Abbild auf sich?

Verfasst: Mittwoch 6. Februar 2013, 13:49
von Qis´arx
  • Wieder weckte sie der Schrei aus ihren Träumen, der Verlust dieser Dinge, die ihr einst so heilig waren. Und wieder schreckte es sie so auf, dass ein weiteres Mal die Augen schließen nicht möglich gewesen wäre. Sie griff ihre Waffe, die noch blutverschmiert neben dem Bette lag, befestigte jene an ihren Waffengurt, welchen sie noch trug, und setzte einen Schritt voran. Die Müdigkeit trieb sie sogar mit Rüstung in den Schlaf und die Qual erweckte sie, welche ihr Leib nun erfuhr. Die dunklen Schatten unter den Augen sollten sie auch heute nicht daran hindern, in die Welt zu ziehen und jene von dem zu befreien, was Alatar so verachtete. Und wieder war sie dabei allein, wie sie es seit Monaten war und wie sie es seit Monaten so schätzte.

    Die Klinge zog sich durch die schwachen Leiber der Banditen, während ihre Lippen immer wieder Gebete formten und manche Leiber im Feuer aufgingen, andere sich vor Schmerz krümmten und an jenem verendeten, weil jenes Leid ihre Lunge nicht mehr atmen ließ. Die Augen der Lethra waren von Hass und Zorn geprägt, während das Blut der Opfer sich über ihren Körper ergoss und die Seelen dahin schwanden. Ab und an zuckten ihre Mundwinkel in die Höhe und der verrückte Ausdruck, der auch ihren Geist besiedelte, legte sich auf ihrem Gesicht nieder. Und so ging ein Körper nach dem anderen zu Boden, bis eine Stimme an ihr Ohr drang, laut und doch mit so viel Melodie bestückt, dass ihr Leib vor Schmerz vibrierte. Eine Sprache, welche sie nicht verstand, Worte, die sie nie erreichen würden.

    Ihr Kopf drehte sich langsam herum und ihre Augen erblickten, während sie sich versuchten trotz Schmerz offen zu halten, den Feind der Zeit. Eine Hochelfe erstreckte sich vor ihr und trug Verachtung in ihrem Blick, als sie den Leichenberg mit den Augen überflog. Wieder sprach sie ein paar Worte, führte der Lethra schon dadurch Leid zu, bevor sie dann bemüht in allgemeiner Sprache, erneut ihre melodische Stimme durch die Waldlichtung schallen ließ:

    „Welch Qual du dein Leben bereits mit dir tragen musst, verunstaltete Elfe. Welch falschen Weg du gehen musstest, um so etwas hier zu tun, ohne das es deine Seele erreicht. Ich werde deinem Weg ein Ende setzten und diesem Blutbad hier ebenso. So gebe ich dir mit diesen Worten die Möglichkeit, nochmal zu sinnen, nochmal dein Leben über dich ergehen zu lassen und dich dann zu verabschieden, kleine Lethra. Denn hier und heute wird es ein Ende finden.“

    Und nach diesen Worten sang sie ein Lied und griff ins Liedbild ein. Ein Lied, das nicht nur ihre Macht verdeutlichte, sondern auch das Licht ihrer Welt. Die Lethra Qis'arx sackte auf die Knie, drückte die Hände in die blutverschmierte Erde und begann Gebete zu sprechen. Gebete zu Alatar, welche den Boden um sie herum beben ließen und ihre Aura verfinsterten. All die Macht, welche sie besaß, würde sie nun verwenden, um nicht zu sterben, nicht durch solch ein Wesen, nicht hier. Und so prallten Mächte aufeinander, gut gegen böse, schwarz gegen weiß. Und wieder spritzte Blut, dieses Mal allerdings nicht nur das von fremden Leibern, sondern auch das der Lethra.

    Die Klinge Alatars legte sich auf den Hals der Hochelfe nieder, während auch die Waffe jenes Geschöpfes die Kehle Qis'arx's berührte. Sie sahen sich beide eine ganze Weile an und der erschöpfte Atem der Gestalten ließ keine Ruhe einkehren. Das Blut tropfte von Qis ihrem Kinn und es war recht klar, dass in den nächsten Sekunden zwei Seelen das Reich verlassen würden. Die Hochelfe zog noch einmal tief Luft in ihre Lungen, bevor sich ein bemitleidendes Lächeln auf ihr Gesicht legte und sie Qis'arx ansah, als würde sie ihr sagen wollen, dass sie ihr für ihre Fehlexistenz vergeben würde. Eine Emotion die einen Schock in ihr auslöste und im nächsten Moment ihre Waffe bewegte. Ein Moment, wo auch die Elfe ihren Arm ruckartig zur Seite zog und zwei Leiber zu Boden gingen und Blut floss, sich zwei rote Farben vermischten und eins wurden. Und während das Gesicht der Hochelfe im Einklang mit allem war, stand Qis'arx der Schock ins Gesicht, als ihre Augen den Glanz verloren. Und die letzten Gedanken, welche ihr Kopf erzeugten, nahm sie mit in den Tod.

    Ich habe versagt, Vater, Yxul...

Verfasst: Montag 13. Mai 2013, 20:55
von L´ysstzrr
Blut ist dicker als Wasser...
>>Bald schon werden wir wieder vereint sein, kleine Schwester Qis'arx.<<



Sie stand am Abgrund weit oben auf den Felsen, die Rahal umgaben und sah mit leeren Blick in das tiefe Meer hinab. Der gebrochene Verstand hatte sie dort hinauf getrieben. Sie hatte sich den wirren Stimmen in ihrem Kopf hingegeben, während das pochende Herz durch Mael'Rayats Lebenssaft schmerzte. Er wollte sie stürzen - sie in ihr eigenes Versagen treiben. Es war Seine Prüfung - ob sie all dem standhalten konnte?
Was war ein kurzer Schmerz durch die brennende Lava, wo sich die meisten Letharen im Axorn hinein stürzten, um ihr Leben zu beenden? Nichts im Vergleich zu dem, durch die schwere Rüstung versunken, am Grund des Meeres zu ertrinken. Welch Qual musste es sein, wenn die Lunge keinen Sauerstoff mehr fand?

Nun stand sie dort, regungslos und lauschte den Stimmen, die immer lauter wurden und ihr einen falschen Gedanken nach dem andern vor heuchelten. Sie sah auf ihren Ringfinger und den Abdruck eines nicht vorhandenen Ringes. Das erste Mal nach Jahren, dass sie den Palastring ablegte und ihn sichtbar für Isidor auf dem Schreibtisch hinterließ. Konnte er ahnen, was sie damit sagen wollte? Wahrscheinlich würde sie ihm nicht einmal fehlen, kannten sich die Beiden nicht und Faolan, den sie über Jahre hin mit ihrem Leben beschützt hatte, war bereits tot. Sie hoffte nur, dass sich Isidor für einen fähigen Nachfolger entscheiden würde, der sich mit ihren Fähigkeiten messen konnte. Die giftgrünen Schlieren in ihren Augen verstärkten sich, er gewann die Uberhand und drängte sie sich in die Arme des Todes zu stürzen. Ein leichter Schwindel überkam sie, als sie wieder zu den Wasserwellen herab sah und krampfhaft versuchte den inneren Kampf unter Kontrolle zu halten. Die Stiefel rutschten über das Gestein und hinterließen ihre Kratzspuren.
Für sie war es ein schneller Fall, zog sie das Gewicht ihrer Rüstung in die Tiefe, bevor sie mit einem Bauchplatscher schmerzhaft auf der Wasseroberfläche aufschlug. Sie spürte den Druck in ihrer Magengegend, doch hatte sie es der Rüstung zu verdanken, dass sie das Bewusstsein nicht verlor. Konnten Letharen schwimmen? Sie hatte es nie gelernt. Es war auch nie ihre Aufgabe gewesen schwimmen zu können. Das kalte Nass trieb ihr einen kurzen Schock durch den Leib, wodurch sie erst jetzt bemerkte, zu was der Wahnsinn sie getrieben hatte. Ihre Augen rissen sich panisch auf, die Wangen durch einen einzigen Atemzug aufgeplustert, versuchte sie dennoch mit heftigen Armbewegungen wieder an die Oberfläche zu gelangen. Allerdings vergebens. Die schnellen Bewegungen ihrer Arme zogen sie nur noch tiefer in die Dunkelheit des Meeres, bis sie nach wenigen Herzschlägen den Meeresgrund erreichte und nur noch in einem fahlen Licht die Sonnenstrahlen über sich erkennen konnte. Sie hatte versagt. Versagt, indem sie sich von den Stimmen hatte leiten lassen. Das Gegenteil von dem, was sie hätte lernen sollen und was sie gelehrt bekam!
Sie spürte den Druck in ihren Ohren, einen kurzen stechenden Schmerz in ihnen - vermutlich ihre Trommelfelle die durch das Absinken in die Tiefe platzten. Auch der letzte Atemzug presste sich kurz darauf aus ihrer Lunge, konnte sie der Tiefe des Meeres nicht mehr entkommen. Sie wandte sich einige Male im Sand, wirbelte ihn durch ihre unbeherrschten Bewegungen auf und sank letztlich hilflos zu Boden. Die Sicht war durch den aufgewirbelten Sand verschwommen und auch das Bewusstsein verlor sie wenig später.

Einen Gedanken hatte sie noch. Den Gedanken an ihre Blutsschwester, die vor wenigen Mondläufen ihr Leben ließ, um sich von den Qualen des Lebens zu befreien. Nun hatten sie beide versagt und dennoch gefiel ihr der Gedanke wenigstens wieder in die Nähe Qis'arx zu gelangen. Sie fühlte sich ohne Sie einsam, auch wenn L'ysstzrr es niemals vor ihren Geschwistern zugegeben hätte – sie war auch eine Lethra geworden, an der die Einsamkeit nagte. Alatar war seit ihrer Geburt an bei ihr. Sie war seine Schöpfung, seine Tochter und dennoch war der Gedanke an ihn zur alltäglichen Gewohnheit geworden, wie der Hass und die Schmerzen.

Aus ihren Augen wich allmählich das Leben, während die Lider immer schwerer wurden. Ein schwaches Lächeln hob den linken Mundwinkel, war die rechte Gesichtshälfte durch die vielen Narben bereits gelähmt gewesen. Durch einen kleinen Spalt ihrer Augen sah sie das Antlitz ihrer Schwester in der kalten, nassen Dunkelheit spiegeln. Das Treiben des Wassers offenbarte ihr den letzten Streich, als würde Qis'arx ihr Lächeln erwiedern. Seicht wog die Lethra im Meer. Eine Frage der Zeit und der Naturgewalten, wann der leblose Körper an das Ufer gespült werden würde.

Sie hatte versagt. Und die Konsequenz zu Ertrinken wollte sie spüren.
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