Rückblick: Das beste Gift ist ein unauffälliges Gift. Der beste Tod ein leiser Tod.
"Lethrusar … "
HASS TREIBT UNS AN
"…Lethrusar, ich benötige ein Gift von dir … "
WIESO REDET ER MIT MIR?
"… ich will es den Lichtenthaler .."
LICHTENTHAL, SIE MÜSSEN ALLE STERBEN
"… heimzahlen … heimzahlen … heimzahlen."
Das Wort hallte in seinem Kopf immer und immer wieder, so als würde man in eine leere Halle rufen und die eigenen Worte im Echo sich überschlagen hören. Mit dem zunehmenden Alter des Lethrusaren, nahm auch der Wahnsinn in ihm zu.
Lethrusar- wie würde man seine Berufung in die Menschensprache übersetzen? Heiler? HEILER?! NEIN, nicht im ENTFERNTESTEN! ER war ein Meister der Alchemie, NEIN, EIN KÜNSTLER DER ALCHEMIE UND DER GIFTE! HERR ÜBER LEBEN UND TOD!
Für einen kurzen Moment hielt der dem Wahnsinn nahe Lethrusar inne, um das wirre Abschweifen zu unterbinden und sich auf das Wesentliche wieder zu konzentrieren.
Mit leerem Blick starrte der Lethrusar den angehenden Letherx an. Der jüngere und rangniedere Letharf sprach auf den Lethrusaren ein und erzählte ihm von seinem Vorhaben seine Opfer subtil auszuschalten. Die Stimmen in Jyn’drarrs Kopf waren laut, sie redeten durcheinander und doch vernahm er jedes einzelne Wort des jungen Letharfen.
„Sofortiger Tod?“
„Schmerzvoller?“
„Langsam, schleichender Tod?“
„Innere Verbrennungen?“
„Lähmung?“
WAS GENAU WILL ER?
Dass Jyn’drarr schon selber soviele Fragen stellen musste nervte ihn unheimlich, doch verdrängte es auch die Stimmen in seinem Kopf, erstickte für den Augenblick den aufkeimenden Wahnsinn, um klarere Gedanken zu fassen.
„Es soll subtil wirken. So dass man nicht vermuten würde dass unser Volk verwickelt ist.“ erklärte der angehender Letherx dem Lethrusaren im Anschluss. „Wenn es vollbracht ist, sollen die Lichtenthaler denken dass es Rahal gewesen war..."
EIN AMÜSANTER PLAN!
„Lähmung und Atemstilllstand wird dienlich sein.“ fügte der angehende Letherx hinzu.
Das Funkeln in den giftgrünen Augen des Lethrusaren spiegelten seine heimtückischen Gedanken wieder und verrieten dem Gegenüber dass dieser schon genau eine Vorstellung hatte was und wie er ihm dabei behilflich sein konnte, die anspruchsvolle Aufgabe zu erledigen.
Jyn’drarr ist ein Letharf, der sich sofort an die Arbeit machte, wenn es Arbeit gab und die Aufgabe dazu noch wichtig erschien. Zumal es ihn mehr antrieb, es den Lichtenthalern heimzuzahlen.
Lähmung: Spinnenseide in Kombination mit grünen Trauben würden eine lähmende Wirkung hervorrufen, die jedem Alchimisten auf Gerimor bekannt war und niemand jemals daraus schließen könnte, dass es etwas mit dem Volk der Letharen zu tun hat.
Ein Allerweltsgift also.
Diese Kombination an Reagenzien war sehr effektiv und würde ihren Zweck voll und ganz erfüllen. Vorsichtig würde er diese beiden Zutaten klein mahlen, miteinander vermischen und aufkochen.
Schwäche: Um das Opfer gänzlich bewegungsunfähig zu machen, würde er noch pulverisierte Knochen und eine Prise Kupferstaub hinzufügen. Das Opfer wäre nicht nur gelähmt, auch alle anderen Funktionen des Körper würden geschwächt werden, so dass es nicht mehr viel brauchen würde um das Opfer ins Jenseits zu befördern.
Jyn’drarr entglitt ein finsteres und genauso maßloses Grinsen.
Nachdem alle Zutaten und Reagenzien zerkleinert, zusammengemischt und zerkocht wurden, würde er diese aufgießen und in eine Phiole umgießen. Dies geschah in einem komplexen, doch für den Lethrusaren routinierten Vorgang. Die Gase die dabei entstanden, machten dem Lethrusaren mittlerweile nichts mehr aus, hatte er in seinem nicht mehr so jungen Leben doch etliche toxische Mixturen kreiert und seine Empfindlichkeit gegenüber jegliche für andere Wesen tödliche Dosis an Gift verringert.
Es bereitete ihm keinerlei Probleme seine Arbeit zu verrichten und natürlich meisterlich zu beenden.
Der angehende Letherx wartete schon ganz geduldig auf das Ende der Arbeit des Lethrusaren und schaut ihm dabei zu wie dieser die komplizierten Destillen und Apparaturen bediente, um sein Werk vollkommen werden zu lassen.
Nachdem der Korken die befüllte Phiole schloss, überreichte der Lethrusar dem angehenden Letherx das Produkt. Der Schattenläufer würde das Mittelchen verwenden, um seine zwielichten Pläne umzusetzen.
Wird er meine Arbeit VERGEUDEN, werde ich ihn TÖTEN, FÜR VATER.
"Du musst dein Opfer dazu bringen, es zu trinken. Wie du das anstellst, ist mir egal, mach es aber richtig." Ließ der Lethrusar nur trocken verlauten. Weitere Worte der Drohung und der Belehrung sparte er sich. Jedoch ließ das gifttriefende Funkeln in seinem grünen Augenpaar erraten dass er kein Versagen duldete...
Der angehende Letherx verlor keine weiteren Floskeln, sondern machte sich sogleich auf den Weg sein Werk zu vollenden...
Dies war der Anfang vom Ende Eveliinas....