kurzer Tumult am Schloß

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Darna von Hohenfels

kurzer Tumult am Schloß

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Jeronee? Sag mal, hattest du was mit dem jungen Fräulein Viola zu schaffen?"
"Fräulein? Seit wann nennt die hier wer Fräulein?", grinste der Stallbursche.
"Wenn ich du wäre, würde ich zuse..."

Jeronee furchte die Stirn, als sein Kollege Albrecht sich drei Bündel Stroh zusammenklaubte, daß er sich glatt dahinter hätte verstecken können. Was sollte das denn jetzt?
Dann registrierte er, daß er wohl einige Dinge gerade nicht registriert hatte: die sich nähernden ruhig marschierenden Schritte... das kurze Scheppern, wenn Gardisten auf dem Weg stramm standen... die dann eintretende Stille... und die schwarze Gestalt, die sich hinter ihm aufgebaut hatte...

Langsam drehte er sich um.
Sehr wohl registrierte er die stumme Botschaft, die in den braunen Augen verkündet wurde, die ihn unnachgiebig anstarrten: "Ich hätte an sich Wichtigeres zu tun, aber du verärgerst mich gerade."
Jeronee schluckte. "Mmm.. Milady?", brachte er hervor und hatte schon das dumme Gefühl, zuviel gesagt zu haben.

"Mistforke...", wehte ihm unheilvoll entgegen. Er hätte sicher länger irritiert geblinzelt - wär da nicht eben die Erwähnung von dem knackigen Tiefländermädel gewesen. Daß nun stattdessen die Ritterin vor ihm stand, ließ ihn kalkbleich werden. Er wusste nicht, ob sein Mund auf und zu klappte, aber sie fuhr ihm auch schon mit schneidend strenger Stimme ins Wort:
"Er ist also der Meinung, er habe bald genügend Geld zusammen, sich ein eigenes Zimmer zu leisten... das groß genug für Damenbesuch ist... und für eine Mistforke, die zu zeigen es sich lohne..."
Die Ritterin holte Luft, nur um das immer kleinlauter werdende Häufchen Elend vor sich weiter zusammenzustauchen:
"Mag er Viola für 'angenehm naiv' halten, Bursche... ich bin es nicht. Ich sehe aber, er ist naiv genug, sich ungebührlich meiner Schutzbefohlenen zu nähern, unwissend, wie er sich dabei wohlweislich besser zu betragen hätte, wenn schon überhaupt..."
"Ääää...ää...es tut mir leid, Mi..."
Scharf und unvermittelt kamen ihm die nächsten Worte entgegengebrüllt:
"VERSUCHE DU ODER EIN BESITZER ÄHNLICH DUMMER GEDANKEN NOCHMAL, VIOLA IN DIESER NICHTSWÜRDIGEN WEISE ENTGEGENZUTRETEN, UND DU BEKOMMST DIE ZINKEN DEINER MISTFORKE AN STELLEN, AN DENEN DU SIE NICHT HABEN WILLST!
PACK DEINE SACHEN! GNADE DIR, DU ZIEHST LEHRE HIERAUS ODER EIN BAUERNHOF IST DUMM GENUG, SICH VOR ABLAUF DES WINTERS DEINER ANZUNEHMEN! UND NUN RAUS!"

...

Die Stimmung der nächsten paar Stunden gemahnte an die trügerische Ruhe in einem Hühnerstall, nachdem der Fuchs "Hallo" gesagt hatte. Und am nächsten Tag hing am varuner Markt ein Zettel, im Schloß werde ein neuer Stallbursche gesucht - mit dem gebotenen Maß an Manieren...
Rai´a Lalaith

Der lange Weg eines Schreibens

Beitrag von Rai´a Lalaith »

*lange Zeit stand die junge Frau vor dem Zettel, der deutlich auf dem Marktplatz prangte. Nachdenklich strich sich die Frau mit den feuerroten Haaren und moosgrünen Augen über die schlichte, dennoch gepflegte Kleidung. Nach unendlichen Momenten drehte sie sich entschlossen auf dem Absatz um und suchte einen Schreiber auf. Doch auch jenes stellte sich schon als schwierig heraus, in der so unendlich groß wirkenden Stadt Varuna.
Nachdem sie im Gewirr der unzähligen Gassen endlich eine kleine gemütliche Stube eines Schreibers gefunden hatte, trat sie entschlossen ein und bat um einen Bogen. Der Schreiber sah sie verwundert an. Gewiss, eine Bauerstochter konnte nicht edelste Worte verfassen, aber sie hatte nun mal ein wenig Schreiben gelernt, also sollte das Schloss auch ihre eigenen Worte lesen. Sie war nun mal nur eine Bäuerin. Der Schreiber lächelte, als er die Anstrengungen der jungen Frau betrachtete, die nun schon Stunden an einem kleinen Tisch in seiner Stube saß und mit so großer Konzentration und Sorgfalt, um ein schönes Schreiben bemüht war. Es war schon dunkel draußen, als Rai'a zum Schreiber ging, mit der Bitte ihr Schreiben zu überprüfen. Lächelnd laß er ihre Worte und nickte dann zufrieden. Rai'a war bewusst, dass sie jede kleine Münze sparen sollte und bot dem Witwer somit ein Mahl an, welches sie ihm bereiten wolle. Der Schreiber war davon begeistert und so aß er seit langer Zeit einmal wieder etwas köstlich Warmes. Und in dieser Nacht, in der draußen der Wind eisig heulte, schlief Rai'a das erste Mal seit Monden wieder vor einem warmen Kamin, auf einem weichen Fell. Ohne Angst vor Wölfen und Räubern. Es war ein friedlicher und erholsamer Schlaf.
Am nächsten Morgen, es graute erst, stand sie leise auf, räumte die Stube des Schreibers ordentlich auf, machte ihm ein herzhaftes Frühstück und schlich sich leise mit einem Dank heraus. Eilig trugen sie ihre nackten Füße über die eisigen gepflasterten Pfade gen Schloss. Vor dem großen Tor atmetet sie einmal tief durch und übergab der Wache das gerollte Pergament, mit der Bitte, es an die richtige Person auszuhändigen, die einen Stallburschen für das Schloss suche. Die Wache sah die junge Frau mit den nackten Füßen, aber dem eisernen Willen an, nickt und übergab einem Diener die Letter, so dass sie aufbald in die richtigen Hände geraten mögen. Würden diese Letter bald geöffnet, würde sich folgender Inhalt finden*


Das Wohle der Welt zu Euren Füßen,

die Kunde ob der Suche nach einem Stallburschen, erreichte mich, Rai'a Lalaith, als ich soeben meine Schritte in die fremde Stadt führte.
Ich komme von dem Hof meiner Großeltern, weit aus dem Norden des Landes. Leider war es nach dem Tod meines Großvaters nicht mehr möglich das Gehöft zu halten und ich musste meiner Wege gehen.
Nach einer langen und erfolglosen Reise kam ich hier her und fand Eure Worte, die mir Hoffnung gaben, wieder Arbeit zu finden.
Zu meinen Aufgaben gehörte die Betreuung der Tiere. Das Kochen und der Ackerbau sind mir nicht fremd, dennoch bin ich darin noch etwas ungeübt. Ich hoffe zu wissen, dass ich über recht gute Maniere verfüge, wenn ich auch nichts über die erforderlichen Manieren in einem Schloss weiß, so will ich mich tugendlich darum bemühen, ihnen gerecht zu werden.
Ich bin noch jung, 17 Sommer alt, dennoch kein Kind mehr und ich war noch nie ernsthaft krank. Ich arbeite fleissig und gerne.
Und ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mich kennenlernen wollen würdet.

Hochachtungsvoll

Rai'a Lalaith
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Nickend hielt der Stallmeister den Brief in Händen - das sah ordentlich aus. Vermutlich würde die Ritterin damit zufrieden sein... doch gestaltete sich das Warten auf diese als länger, denn gedacht - hieß es nicht, sie würde nach der Bestattung Sir Aradans im Schloß zurückerwartet?

Etwas ratlos fragte der gute Mann sich durch, bis wohl am ehesten seine Hoheit selber erst Antwort zu geben wüsste und so auf das Anliegen aufmerksam werden könnte.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Jener Diener, welcher das Schreiben und die Nachricht über diese junge Frau vor den Grafen trug, wurde angewiesen, den Brief im Quartier der Ritterin zu hinterlegen, wo er auf die Rückkehr der Ritterin warten mochte. Jene Frau, welche den Brief überbrachte, wurde den Wachen zu suchen aufgetragen, man möge sie unterrichten, dass die Ritterin auf unbestimmte Zeit nicht erreichbar sei, sie möge etwaige Anliegen direkt schriftlich an den Grafen herantragen, so es wichtig sei oder auf die Rückkehr der Ritterin von Elbenau warten.
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