Man muss wissen wo sein Platz ist

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Enghwyn

Man muss wissen wo sein Platz ist

Beitrag von Enghwyn »

Kochen

Mit ruhigen Bewegungen rührte sie die kräftige Brühe um. Man musste wissen wo sein Platz war, und in ihrer Lage durfte Enghwyn nicht wählerisch sein.

Nach langem Umherirren hatte sie jemanden gefunden, dessen Wesen geeignet schien, es bei ihm auszuhalten.
Er war ausgeglichen und offen in seinem Denken. Sie fühlte keine Angst in ihm, keine Agression, kein Leid was durch ihre Anwesenheit entstand. Sie hatte in keiner Weise eingreifen müssen, wie sonst, ... beruhigend.
Der Mann hatte vor geraumer Zeit seine Frau verloren. Eine besondere Frau wie es schien, und der Steinkreis vor dem Haus, zwischen den Bäumen, sprach eine eigene Sprache.

Was immer er von seiner Frau gewusst hatte über diese Dinge, hatte Enghwyn den Boden bereitet jetzt hier kochen zu dürfen.
Nach langer Zeit mal wieder ein Dach über dem Kopf.
Sie war immer genügsam und dankbar gewesen, auch über Kleinigkeiten, aber das wichtigste an diesem Ort war, jemanden zu haben, der sie nicht zum Teufel jagte nur weil sie, sie selbst war.
Das konnte gar nicht hoch genug zu Buche stehen.

Er brauchte es nicht zu wissen. Sie würde hier ein einfaches, zufriedenes Leben führen können, weit weg von all den schlimmen Eindrücken, gegen die sie sich immer noch nicht wehren konnte.
Vieleicht fand sie hier die Muße um die Geschicke neu zu ordnen, zu Papier zu bringen was keiner so recht hören wollte, etwas zu bewegen.

Zufriedenheit.

Mit ruhigen Bewegungen rührte sie die kräftige Brühe um.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Nachdenklich betrachtete er das dünne Eis auf den Teichen und seufzte schwer. Für die Rosen war es zu spät im Jahr. Er konnte sie nicht mehr ausgraben, die Mauer ziehen und die Rosen wieder einpflanzen. Er konnte aber wohl das Eis im See brechen. Den Stab hebend, zog er ihn kräftig durch das Eis. Die Fallen am Brund der Teiche brachten wenig, wenn die Gegner einfach auf dickem Eis darüber hinweg liefen. Also zerschlug er jeden Morgen das Eis, wenn er welches fand. Götter, er war müde. Holz schlagen für seine Pfeile und für den Kamin, Eisschlagen, Spionieren... Geld in die Kasse bringen... Nachts, wenn Enghwyn schlief, noch ein paar Stunden Wache schieben auf seinem Turm, gen Rahal gewandt, ob sich da etwas tat. Alles Arbeit oder Konzentration – nicht selten beides.
Fröstelnt holte er zwei Eimer Wasser und trug sie ins Haus. Enghwyn holte jeden Morgen zwei Eimer Wasser vom Meer... barfuss durch den Schnee, soweit er das beurteilen konnte. Sie zog keine Schuhe an.... Cyrion hatte irgendwann eine ihrer Fussspuren im Schnee gemessen und einem Schneider die Masse gegeben, ihr weiche Stiefel zu schneidern. Auch hatte er ihr lange Stiefel herstellen lassen, für den Fall der Fälle, dass es tiefen Schnee gab. Er hoffte immer noch leise, dass sie endlich Schuhe trug. Draussen herrschten eisige Temperaturen vor.
Durch zauselige Strähnen langen schwarzen Haares blickend, stellte er leise die Eimer auf dem Küchentisch ab. Durchgefroren von der morgendlichen Arbeit, dachte er nunmehr an ein Kaminfeuer, vielleicht einen heissen Tee mit einem ordentlichen Schuss Rum. Tee oder gleich ein heisses Bad... Aber ohne Badewanne nur ein hübscher Traum... Eine Badewanne... ein Pool... Eine Sauna... Er seufzte schwer, zog sich weitgehend die feuchtkalte Kleidung aus und rollte sich in die Felle vor dem Kamin ein. Die gewärmten Felle waren angenehm, aber der Gedanke an einen Pool liess ihn nicht los. Bei Hudgarr hatte er einen gesehen... Einen Pool im Keller und eine Sauna im Garten. Er würde einiges geben um diesen Luxus sein eigen nennen zu können. Ein richtiges Bad... Sitzgelegentheiten, Frisiertisch... Blütenblätter auf dem Boden und Kissen... feinster Marmorboden und ein Pool in dem mehrere Leute sich wohlfühlen konnten... Wie heizte man das Wasser? Vielleicht durch Kupferrohre... Sogar ein Kamin war darin gewesen. Ein Lächeln zeigte sich auf seinen Lippen. Das wär was feines. Hätte er sowas... Enghwyn müsste nicht mehr trotz Eis und Schnee zum Meer gehen, um ein Bad zu nehmen – da wurde einem ja beim zugucken kalt... Er öffnete leicht die Augen. Naja... vielleicht auch nicht... Bequem streckte er sich auf den Fellen aus. Ein Pool... und eine Sauna. Beides zusammen laut Hudgarr und Rafael etwa 200 kronen wert. Wahrscheinlich auch mehr. Aber wenn er dafür ein paar Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte... Wenn Enghwyn dafür nicht mehr frieren musste... Wenn er dafür endlich mal ein richtiges Bad bekam... und eine wirklich grosse Badewanne? Der Gedanke gefiel ihm. Sehr sogar. Er würde darüber mit Enghwyn und Khazkal sprechen... Es war eine Überlegung wert. Entspannt drehte er sich um und blickte zur Decke. Dort oben in Khazkals Bett schlief sie noch. Khazkal war ja selten hier und übernachtete noch seltener.
Enghwyn... Sie war noch nicht lange hier. Und dennoch hatte sie still wie eine Katze, unaufdringlich und doch mit sanfter Hand seine Küche übernommen. Von angenehmen Wesen führte er mit ihr stundenlange Gespräche. Inzwischen frug er sie auch ab und an um Rat in manchen Dingen. Der Blick wurde weicher, während er über sie nachdachte. Ein bemerkenswertes Geschöpf. Sanft und anschmiegsam, wie sie wahr mochte man sie in den Arm nehmen und einfach halten, als wäre sie das Kätzchen, an das sie ihn erinnerte. Eine junge Frau, die hier ihr Heim gefunden hatte und er gedachte, sie so schnell nicht wieder weg zu lassen. Wo sollte sie auch hin? Er wusste genug von ihrer Geschichte, dass er sich denken konnte, das sie anderswo vielleicht weniger Glück haben würde. Er mochte sie. Er merkte durch sie, wie sehr ihm und dem Haus die zarte Hand einer Frau gefehlt hatte. Durch Kleinigkeiten bemerkte er ihre Anwesenheit... Tee am Morgen, wenn er herunterkam. Sauberkeit, wo er hinblickte. Düfte von warmen Essen, wenn er heimkam. Eine weibliche Stimme, manchmal Summen, wo vorher alles irgendwie... leer wirkte. Er versuchte es ebenfalls, ihr annehmlich zu machen. So wie er das Wasser holte, das sie brauchte, bevor sie aufstand. Versuchte festzustellen, welche Angewohnheiten sie hatte und ihr das eine oder andere zu erleichtern. Warum auch nicht. Dankbarkeit zu zeigen, das sie seinem Leben ein wenig Farbe gab und die Einsamkeit vertrieb... Ein kleines Lächeln zierte seine Lippen, während er sich auf den dicken weichen Fellen am Boden gemütlich zusammen rollte und die Wärme vom Kaminfeuer genoss. Es wurde langsam heller draussen. Doch war es immer noch so früh, dass er sich gut noch ein Schläfchen leisten konnte. Angenehmen Gedanken nachgehend, drifftete er langsam in den Schlaf hinüber.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

Ihm war kühl... Schon seit einiger Zeit, aber es reichte bisher nicht aus, ihn aus den Schlaf heraus zu lösen. Schlaftrunken nahm er wahr, dass ein warmes Gewicht ihn am Drehen hinderte. Etwas hatte sich an ihn geschmiegt, weich wie eine Katze und schwer vom Schlaf. >Eine Frau...< ging es träge durch seinen Kopf. Dann war es wieder verschwunden, doch was blieb, war ein Gefühl, dass er sich nicht drehen sollte - ähnlich dem Gefühl, welches einen im Schlaf am Umdrehen hinderte, so man ein kleines Kätzchen unter der Decke am Körper geschmiegt hatte. Wieder streichte ein frostiger Lufthauch über ihn hinweg, liess ihn an Beinen und Armen frieren. Eine Hand wanderte schlaftrunken umher, suchte tapsend nach der Decke. Schliesslich stieg ihm ins Bewusstsein, dass da schlichtweg keine Decke war.
Blinzelnd schlug er die Augen auf und blickte ins Dunkel. Wo war er? Umrisse schälten sich aus den Schatten heraus. Dunkler Stein, das im Dunklen schwarz wirkende Holz von Tischen. Geisterhafte Blässe von weissen Kerzen. >Wo...?< Seine Hand bewegte sich zur Seite, wollte er sich doch aufrichten, doch hielt er inne, als diese auf das weiche fliessende Fell unter ihm traf. Er erinnerte sich... Er war von seiner Nachtschicht in Rahal zurück gekommen, hatte sich am Feuer aufwärmen wollen, bevor er zum Turm schlafen ging... und war hier eingeschlafen. Wann war sie herunter gekommen? Wann hatte sie sich zu ihm gelegt? War er wach geworden? Musste er ja, denn sein einer Arm lag um ihre zierliche Gestalt. Enghwyn schlief mit ruhigen Atemzügen, den Kopf auf seine Brust gelegt. Zauseliges Haar umrahmte ihr Gesicht, das durch die Schatten weichere Züge annahm. Wie hübsch sie war... Wie friedlich sie wirkte... Der weiche Zug um seinen Mund verzog sich, als erneut ein kalter Luftzug um sein Gesicht wehte und den Geruch von Schnee und Frost mit sich führte. Den Kopf schwer in den Nacken legend, sah er kopfüber auf die Feuerstelle. Der Kamin... Das Feuer war ausgegangen.
Wieder schwenkte er den Kopf nach links und rechts und stellte fest, das seine Bewegungsfreiheit eingedämmt war. Sie lag auf seinen Haaren. Und er selbst wohl auch. Mit eingeschränktem Gesichtsfeld linste er um sich herum. War gar nichts greifbares in der Nähe, was sich als Decke verwenden liess? Innerlich brummelnd legte er den Kopf zurück und schloss einen Moment die Augen. Was machte er nun? Frieren? Wieder ein Stoss kalter Luft und er hörte den Wind heulen, hörte, wie er leise an den Fenstern ratterte. Ein Schneesturm war im Gange. Cyrion hob die verschlafen protestierende Frau von seiner Brust und liess sie sanft in die Felle hinab. Sich auf die Seite drehend und zusammen rollend, entspannte sie sich wieder, versank erneut in den Schlaf. Sie weiter schlafen lassend, bewegte er sich zu einer Truhe, von deren Deckel er eine gefaltete Decke hob. Die Decke auf die fellige Bettstatt legend, kniete er sich vor dem Kamin nieder und versuchte, so leise wie möglich, trockenes Heu, Rindenstücke und schliesslich kleine Äste in den Kamin zu stapeln. Ebenso baute er über dieses drei verkeilte Scheite auf. Kurz schweifte sein Blick zu der Frau, als das Holz dumpf zusammenstiess. Wieder ein Windstoss, der kalte Asche anhob und an den Fenstern rüttelte. Hatte sie ihn gehört? Sie schien nach wie vor zu schlafen, die Gesichtzüge ruhevoll, die Wimpern langen dicht und seidig darnieder. Doch zierte etwas wie ein Lächeln ihre Lippen. Ein lächeln im Schlaf? Ein angenehmer Traum? Oder nahm sie doch mehr oder weniger bewusst war, was er tat? Grübelnd drehte er sich wieder um und fand verdeckt unter der Asche doch noch einige wenige glühende Kohlen. In das Heu gebettet, fing dieses bald Feuer und unter Cyrions sorgsamer Hand leckten bald die ersten Flammen an der rauhen Rinde der Scheite. Zufrieden schaut er zu der schlafenden Enghwyn. Das Feuer würde bald im Gang sein, der kalte Wind draussen bleiben. Gleich würde sie ihren wohlduftenden Körper wieder an seinen schmiegen und er ihren Herzschlag spüren. Ein anderes lebendes Wesen auf diesem Gut.
Gedankenvoll zog er sich das Hemd aus, schüttelte die Decke aus und liess sich neben ihr nieder. Sich entspannend, rückte er heran und schmiegte sich an sie, mit einer Hand die Decke bis zu seinem Kinn ziehend. Langes schwarzes Haar fiel um seine und ihre Gestalt, legte sich seidig um ihre Arme. Verschlafen wischte sie die Decke vom Gesicht und rückte näher an Cyrions Gestalt, schmiegte sich eng an ihn, um sich wieder entspannt in den Schlaf zu flüchten. Ihr Haar kitzelte seine Brust, als er einen Moment innehielt und auf sie niederblickte. Wie süss sie aussah. Die Lieppen leicht geöffnet, ringelten sich einzelne Stähnen zersault um ihr Gesicht. Die Augen schliessend, lehnte er sein Kinn an ihr Haupt und den Arm warm um ihre Tallie. Ihren warmen Duft einatmend überliess er sich wieder dem Schlaf, den Rücken der jungen Frau an seine Brust gezogen, den Arm beschützend um sie gelegt, lagen seine Finger auf ihren Handgelenken auf, die sie an ihre Brust gezogen hatte. Friede kehrte in das Haus ein, bis auf das Knistern und Knacken von harzigem Tannenholz und flackernden Schein, der sich blutrot auf Schwarzem und rotgolden auf weissblondem Haar wiederspiegelte. Ein Hauch von Frieden im Herzen eines Schneesturms.
Enghwyn

Beitrag von Enghwyn »

Es tat ihm unbestreitbar gut. Er mochte die Beschützerrolle und ihre Nähe war für ihn eine einzige Herausforderung.

Enghwyn war sich recht sicher in Cyrion einen Gefährten für lange Zeit gefunden zu haben, wenn sie nichts Dummes anstellte, ... so wie damals.
Sie konnte es nicht jedem recht machen.

Wie besorgt er um sie war, wie leise seine Bewegungen als er das Feuer anfachte, wie bedacht er sie herumhob und wieder bettete.
Sie fühlte Zuneigung in ihm, Besorgnis und Wärme. Er würde weit gehen für sie, und es oblag ihrer Verantwortung zu entscheiden wann es genug war.

Unabhängig von dem, was sie positives von Cyrion auffing, was ihr selbst somit gut tat, mochte sie ihn.
Ja sie mochte ihn sehr, weil die Worte, die er nutzte, mit dem übereinstimmten, was er ausstrahlte.

Enghwyns Lächeln vertiefte sich als er die Arme wärmend um sie legte, aber ihre Gedanken waren schon wieder ganz woanders.
Cyrion Sha´Ar

Beitrag von Cyrion Sha´Ar »

„War das ein Husten?“ fragte Enghwyn nebensächlich, während sie in Ruhe ein Hemd flickte. Cyrion hielt in seinem Tun inne. Er war gerade von draussen herein gekommen und stellte seine Stiefel an die Wand. Sie hatte das leise Husten draussen mitbekommen? Verdammt, sie hatte gute Ohren! „Nun... Steinstaub.“ Es stimmte. Er nahm an, es war Steinstaub. Er hoffte es. Er hatte Unmengen von Steinen verbracht, eine Knochenarbeit, die ihm trotz Gesichtsmaske zum Husten gebracht hatte. Der Staub hatte sich auf sein Gesicht gelegt wie auch auf seine Kleidung. Er hatte sich kräftig abbürsten müssen, bevor er reinkam.
Aber es war nicht nur Steinstaub. Die Reise hatte ihn erschöpft, an seinen Kräften gezehrt. Sein Hals schmerzte, juckte. Ein Husten wartet daruf, sich Gehör verschaffen zu können.
„Wenn du meinst...“ Und er hörte ein mildes Lächeln in ihrer Stimme.

Wärme herrschte in dem Wohnzimmer. Das Feuer knisterte friedlich und einige Kerzen brannten, den süssen Duft von Bienenwachs verströmend. Sich einen Kecks aus einer Schale nehmend, ging er hinüber zu seinem Schreibtisch, bei der Bibliothek und holte, leise Knuspernd, Pergament, Tinte und Federn hervor. Eine Kerze am Tisch anzündend, schaute er sich seine Unterlagen an. Briefverkehr, Pläne, Inventarslisten... Und nun ein weiterer Brief, auf den er Antwort zu bekommen hoffte. Mit sicherer Hand führte er die Feder über das Pergament, an den Zwerg Karggosch Hammergrund gerichtet. Doch die Feder ruckte leicht und er unterbrach das Schreiben, als er husten musste. Ein leises Klacken ertönte, als eine Tasse neben ihm abgesetzt wurde. Blinzelnd schaut er zu Enghwyn hoch. „Danke dir.“ Wieder dieses zarte Lächeln, während schlanke Finger sich auf seine Schultern legten. „Danke mir noch nicht.“ murmelte sie leise. Klack. Ein Topf Honig landete neben der Tasse. Die Miene verzog sich angewidert. „Sag mir bitte nicht, das dies dieser widerliche Tee ist.“ Das Lächeln verblieb, wie es war, während sie noch einen kleinen Flakon daneben stellte. Cyrions Schultern sackten herunter. „Muss das wirklich sein?“ Ein nahezu flehendlicher Blick ging zu ihr herauf. Amüsement schimmerte in ihren Augen, bevor sie sich abwendete. „Wer trotz Krankheit meint, des Nächtens sich herumtreiben zu müssen und am nächsten Tag eine weite Reise antritt, der kann auch widerlichen Tee und bittere Medizin trinken.“ >Verdammt....< Sie hatte doch mitbekommen, wie er am späten Abend davon geritten war. Den Mund verziehend linste er zum Tee. Er konnte diesen nur mit viel Honig geniessen, wobei von geniessen nicht wirklich die Rede war. Schwer seufzte er und nippte am Tee, den Mund erneut kräuselnd. Ordentlich Honig hineingebend, hob er den Flakon hoch. Dies Zeug hier schmeckte noch ekelhafter. Bitter genug, um einem alles im Mund zusammen zu ziehen und sauer genug, dass der Gaumen davon zu rennen versuchte. Tief atmete er ein – hustete prompt. Enghwyn hatte Recht. Er war dumm gewesen, nach Lameriast zu reisen. Der Staub, die Kälte, der Wind und die Schiffahrt, die er hasste... dies alles hatte seinen Zustand wieder verschlechtert. Schwer seufzend öffnete er die Ampulle und kippte sich den Inhalt in den Schlund.

Ein mitleidiger Ausdruck erschien auf Enghwyns Zügen, als sie ein Geräusch hörte, dass von überwältigendem Ekel sprach. „Oh Götter...“ Mehrfaches Schlucken, das schliesslich verebte. Er kämpfte damit, den Trunk nicht wieder auszuspeien und trank schnell den heissen Tee hinterher. Sie schloss mitfühlend die Augen, als er leise fluchend immer noch angewiderte Laute von sich gab. Tief atmete sie ein, so wie er auch tief eintatmete Der Geschmack wich nur langsam. Ein kräftiges Schütteln, ein Räuspern und er konnte sich langsam wieder entspannen, verschwand der verkniffene Ausdruck aus seinem Gesicht, während er den Brief weiter schrieb. Die Steine, die er geschleppt hatte, würden nicht die letzten sein. Er hatte einiges vor. Doch konnte er sicher sein, dass Enghwyn weiterhin ihn mit ekelhaften Zeug versorgen würde, wenn er sich nicht ernsthaft dem Gesund werden widmete. Schwer seufzend las er erneut den bereits geschriebenen Teil durch und bald darauf kratzte die Feder weiterhin auf das Pergament. Weitere Pergamente wurden gelesen.
Stille kehrte ein. Dem Knistern des Feuers gesellte sich erneut ein leises Kratzen der Feder hinzu. Stoffe raschelten leise... Tee wurde getrunken und ein leises Klacken ertönte, wenn die Tasse wieder abgesetzt wurde. Pergamente raschelten trocken und ein verhaltenes Husten erklang. Ruhevolles Arbeiten in einem von brennenden Nadelgehölz duftendem Raum.
„Hmm...“ Enghwyn blickte auf, als Cyrion seinen Stuhl zurück schob und um die Ecke kam, einige Pergamente in der Hand. Wieder verfiel ihr Blick auf die Nadel, die sie führte, welche den warmen Schein des Feuers wiederspiegelte. „Wir haben kein Heu mehr...“ Gab Cyrion gedankenvoll von sich, sich an einen der Tische lehnend und die Beine kreuzend. „Auch werde ich erneut Holz schlagen müssen. Hmm...“ Den Blick gedankenvoll auf das Pergament legend, fuhr er mit der Feder über seine Unterlippe. „Ich sollte für dich vielleicht auch noch Stoff besorgen. Stoffe... und Leder gegebenenfalls.“ Weissblonde Locken fielen vor ihre Augen, als sie ihr Haupt senkte und in sich hinein lächelte. „Das musst du nicht.“ „Wenn du mir Hemden machen willst, brauchst du Stoffe.... auch wenn du dir Kleider nähen willst. Hmm...“ Blätter raschelten leise. „Noch 900 Steine... Dann noch Gespräche mit dem Zwergen wegen dem Umbau und den Marmorplatten. Hm... ich muss auch noch Federn für Kissen besorgen...“ Von dem Pergament schaute er zu ihr herüber, beobachtete sie friedlich, wie sie nähte. Als er leise hustete, schaute sie erneut auf. „Leg dich ans Feuer. Du solltest es warm haben.“ Zufrieden schaute er zu den Fellen, das Pergament in der Hand. „Hmm... mach ich gleich.“ Gedankenvoll lächelte er und legte seine Pergamente nieder. Einen kleinen Topf ergreifend, goss er Wein in diesen und suchte einige Gewürze heraus, die er dazu gab. Ein Blick zu Enghwyn sagte ihm, das er ihre volle Aufmerksamkeit hatte. „Gewürzwein?“ fragte sie leise, die Stimme warm wie ein milder Sommerregen. „Aye.“ Freude zeigte sich auf ihrer Miene. „Wie lange wird er brauchen?“ Er schaute auf das Stück, welches sie gerade nähte. Häufiger beobachtete er sie bei ihren Arbeiten und wusste drum, wie lange sie an etwas nähte. „So lange, wie du mit dieser Naht da brauchst.“ Wieder zauberte sich dieses leichte Lächeln auf ihre Lippen. Ein Lächeln, dass er gerne sah.
Mit entspannter Miene beobachtete er sie, wie sie weiter nähte. Sie war so schön mit ihrem weissblonden Haar, das offen um ihre Schultern lag. Er mochte offenes Haar und sie wirkte schön wie eine Elfe, wenn sie so ruhevoll da sass, die Beine im Schneidersitz, in warmen Feuerschein gehüllt. Der Geruch von Wein stieg ihm in die Nase und er lächelte leicht, unbewusst. Wieviel Zeit war vergangen? Er wusste es nicht. An ruhevollen Abenden, wie diesem, verlor die Zeit an Bedeutung. Den dampfenden Wein in zwei Tassen giessend, ging er auf leisen Füssen herüber, liess sich hinter ihr hernieder und reichte ihr die Tasse, als sie ihr Nähzeug beiseite legte. Den Rücken an ein Tischbein lehnend, zog er ihren Rücken an seine warme Brust, genoss ihre Wärme und den süssen Duft des Duftöls, dass sie ab und an auflegte. Die Tasse an die Lippen führend, genoss er den heissen Wein. Sachte strich sein Daumen über ihre Rippenbogen, spreizten sich die Finger, als sie tief und entspannt einatmete. Den Wein in beiden Händen haltend, genoss sie den warmen Duft, dem dieser entströhmte, nippte an diesem und lehnte den Kopf an seine Schulter zurück. Weiches helles Haar kitzelte ihn im Gesicht und er rieb seine Wange an ihrem Hals, schloss die Augen und genoss es, einfach hier mit ihr zu sitzen und die Nähe und das Feuer zu geniessen. Leise knackte das Holz und Funken stoben auf. Cyrion blickte ins Feuer, die veilchenblauen Augen durch dieses zu flackernden Amethysten geworden. Blickte ins Feuer und lächelte.
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