Es war irgendwann zwischen Mitternacht und dem frühen Morgengrauen.
Es war kalt, sehr kalt. Das Licht des vollen Mondes ließ die gefrorene Nässe auf dem Boden wie unzählige kleine Brillianten glitzern.
Ein Geräusch, kaum hörbar, doch sie hatte es gehört..
Sharyzea setzte sich langsam auf, den Bogen greifend, lauschte sie aufmerksam in die Nacht hinein.
Die Übernachtung in den Wäldern hatten ihr Gehör geschärft. Jedwedes Geräusch versuchte sie schnellstmöglich einzuordnen.
Ein Raubtier! Das war sicher. Welches Wesen sollte sich sonst, fast lautlos bewegen können?
Sie zog, so vorsichtig und langsam es eben ging, einen Pfeil aus dem Köcher und legte ihn an den Nockpunkt des Langbogens, die Hand an den Pfeil zog sie die Sehne. Schussbereit horchte sie weiter aus welcher Richtung das Tier sich ihre näherte. Ihr Atem stieß feine, lange Atemwölkchen aus. Erst als sie den „Gegner“ endlich sah, schien sie den Atem anzuhalten.
Nur ein Schatten, schwarz wie die Nacht und Augen, die im Schein des Nachtmondes gespenstisch leuchteten. Ein Panther! Er schlich geschmeidig, ja, fast anmutig waren seine Bewegungen. Dann, fixierte er sie, ließ den Augenkontakt nicht eine Sekunde abreißen. Sharyzea wusste nicht, wie ihr geschah, doch sie vermochte sich nicht zu rühren.
Den Panther musternd ob seiner nächsten Bewegung, schienen die Gedanken, einfach wie von selbst, abzuschweifen. Ihre sonst recht stark ausgeprägte Konzentration, schien dahin zu schmelzen, wie Eis in der Wüstensonne.
Das tiefe schwarz seines Felles, glich wie das schwarz ihrer Seele, schoss es ihr durch den Kopf. Hinterhältig, wie er seine Opfer überfiel, schlich auch sie sich an ihre Opfer. So Ihr Pfeile das Ziel genau traf, stellte sich schnell der Tod ein.
Der Tod...Er schien für manchen eine Erlösung zu sein, wenn Schwäche, jedweder Form, sie übermannte. Manch einer suchte den Tod freiwillig, um sich der Verantwortung zu entziehen. Was waren das für Wesen, die Schwäche zuließen um sich letztend Endes von ihr auffressen zu lassen ?
Schwache sind einfach nur .. Abschaum, jammernde Wesen, die die Welt bewohnten und zu nichts zu gebrauchen waren.
Sie spürte etwas in sich, das sich aufzubäumen schien. Der Wunsch, etwas zu tun, irgendwo hinzugehören machte sich in ihr breit. Sie schüttelte die Gedanken ab. Wieso dachte sie an so etwas? Wieso kamen ihr diese Gedanken.. Jetzt?
Der Panther gab einen fauchenden Laut von sich und stellte sich drohend vor ihr auf. Zunächst dachte Sharyzea, das er sie nun endlich angreifen würde, und hob den Langbogen ein wenig höher, den Pfeil nun auf ihn gerichtet.. doch, er tat es nicht. Er wendete sich nach einer kurzen Zeit einfach ab und lief so lautlos davon, wie er gekommen war.
Sharyzea ließ den Bogen langsam sinken. Ihr Atem gibng schnell.
Ihre Gedanken überschlugen sich, angesichts des gerade geschehenen.
Die Worte des Fremden aus dem Fischerdorf kamen ihr ins Gedächtnis. Ein Panther... Sie ließ sich mit dem Rücken an den Baum sinken, zog den Umhang enger schützend um sich und ließ ihren ungeordneten Gedanken einen Augenblick Zeit, sich zu sammeln...Sortierte die unzähligen Fragen, die in ihr tobten.
Dann schreckte Sharyzea auf und blickte sich einen Augenblick orientierungslos um..
Ein Traum? Dunkelheit umgab sie und nur der Mond spendete ein wenig Licht. Sie hatte geträumt, aber.. so realistisch?
Sie schaute auf den Bogen, den sie mit fester Hand umklammerte.
Antworten.. sie brauchte Antworten!