Altgewohntes und neue Gefühle

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Viola Ser´Rhal

Altgewohntes und neue Gefühle

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Sie wachte auf und öffnete die Augen mühevoll. Heute war es also soweit, der Tag war gekommen. Als Viola sich schlaftrunken umsah bemerkte sie schnell, dass der Schlafplatz neben ihr leer war und Tajara bereits wach sein musste. Nur mühsam richtete sie sich auf und streckte den Körper durch, jenen Körper den sie in wenigen Stunden verlieren würde und wieder so aussehen würde, wie er eigentlich sollte. Sie griff nach ihrer Kleidung, zog sich an und trat hinaus. Die frische Luft tat gut und bereits nach wenigen Minuten war Tajara zu ihr getreten. Eine innige Umarmung, Kraft sammeln und einfach den Moment genießen, denn der Verlauf des Tages lag wie ein dichter Nebel vor ihr, das Ende war nicht vorherzusehen. Ein kurzes Gespräch folgte, doch allzu viele Worte wurden zwischen den beiden nicht gewechselt, viel zu sehr gaben sich beide den Gedanken an das hin, was vor ihnen lag. Aber Viola war froh dass sie bei ihr war, dass sie in den Stunden des Rituals Beistand von ihr hatte. Doch nicht nur Tajara würde ihr beistehen, nein, auch Darna hatte sie darum gebeten, dabei zu sein und diese galt es nun abzuholen, auch wenn Tajara alles andere als begeistert von dem Gedanken war, Varuna zu besuchen. Viola bemerkte schon beim Betreten von Varuna eine gewisse Nervosität, die von Tajara ausging und diese schien sich sogar noch zu verstärken, als sie das Schloss betraten. Immer wieder blickte sie sich um, blieb atmete nervös und als Viola kurz in den Quartieren verschwand um nach Darna zu sehen, blieb sie die ganze Zeit wie angewurzelt stehen. Die Ritterin war nirgends anzutreffen, wo war sie nur? Doch kaum hatten sich Tajara und sie wieder hinausbegeben wollen, da war ihr Darna entgegengekommen, grüßte freundlich und musterte die Fremde an Violas Seite. Die drei waren bereits im Begriff zu gehen, als Viola Darna am Arm nahm und sie in die Bücherecke zog um mit ihr zu reden.

„Ich habe vor dir keine Geheimnisse, vor dem Grafen und den anderen vielleicht, aber dir wollte ich es sagen. Diese Frau, Tajara … ich liebe sie.“ Die Reaktion auf diese Worte waren ruhiger als Viola erwartet hatte, Darna nahm sie in den Arm, strich ihr über den Rücken, doch die Worte die folgten, waren etwas anders als erwartet. „Ich weiß ich war nicht viel für dich da … du suchst dir halt Freunde. Denkst du etwa ich sei deswegen eifersüchtig auf dich?“. Viola blinzelte. Verstand Darna da gerade etwas nicht so richtig? „Darna … ich … was ich grade sagte, das meinte ich wie ich es gesagt habe; ich liebe diese Frau. So wie du Adrenalon“. Und dann war es anscheinend rüber gekommen, wie es sollte, denn Darna schwieg, starrte sie verwirrt an und murmelte nur etwas von „Du hast viel durchgemacht … wir kriegen das hin ...“ was wollte sie hinkriegen? Doch diese Frage musste warten, denn das Ritual würde in Kürze beginnen. Die Stimmung während der Reise nach Tirell war eisig, Darna schwieg nur noch und warf Tajara eisige Blicke zu und Viola fühlte sich immer elendiger. Hatte sie nicht damit rechnen können? Sie wusste dass Darna immer sehr regelkonform und korrekt war, wie konnte sie da erwarten dass sie einer solchen Beziehung wohlwollend entgegenstehen würde? In ihr selbst schien eine kleine Welt zu zerbersten und zu der bisherigen Angst vor dem Ritual kam eine Niedergeschlagenheit dazu, welche sie nicht mehr wirklich positiv denken lassen wollte. Letztendlich stand sie dann aber doch Una Llastobhar und zwei weiteren Magiern gegenüber, das Ritual konnte beginnen.

Tajara, Darna, Yarin von Wolfenfels, zwei weitere Llastobhars und Una streiften mit Viola zusammen durch den Wald und suchten nach der geeigneten Stelle, welche die Magierin im Wald vorbereitet hatte. Bereits nach kurzer Zeit fanden sie das vorbereitete Pentagramm im Wald und Una erklärte wie der Vorgang sein würde; die Magier würden versuchen die Magie die in ihr steckte in einen Gegenstand, in ihrem Fall eine Kerze, zu bannen und diese dann mit Hilfe von Weihwasser zu löschen und die eingefangene Magie damit endgültig zu zerstören. Una nannte diese zwar „Dämon“ aber Viola war sich sehr sicher dass das nur Worte waren um das Ganze etwas spektakulärer wirken zu lassen. Das Ritual selbst begann ruhig und Viola konnte den meisten Gestiken und Worten nicht so recht folgen, doch als dann plötzlich ein starker Wind aufzog, schien es an Härte zuzunehmen. Dann ging plötzlich alles schnell; von einer Sekunde zur nächsten spürte sie einen starken und stechenden Schmerz in ihrem Kopf. Jener wurde immer stärker, so stark dass sie nichts weiter als den sehnlichen Wunsch verspürte sich die Haare aus dem Kopf zu reißen, nur um die Schmerzen zu überdecken, doch dafür fehlte es ihr an der nötigen Kraft. Die Kopfschmerzen nahmen zu aber als ob das nicht bereits alles wäre, begann nun ihr ganzer Körper sich zu verkrampfen, es fühlte sich an, als ob irgendetwas in ihr zu wüten schien, als ob in ihr eine Art Kampf ausgetragen wurde. Schmerzen wechselten sich mit seltsamen Eindrücken ab und dann geschah der nächste Schritt so schnell wie alle anderen. Die Schmerzen schienen mit einem mal wie weggeblasen, ihr Blick wurde glasig und sie starrte ins Leere. Vor ihrem Augen schien alles blendend hell zu werden und dann … dann sah sie es alles erneut, alles.

Sie sah ein junges Mädchen, vielleicht gerade mal vier oder fünf Jahre alt. Es wurde von einem etwas älteren Mädchen getragen. „Wieso müssen wir weg? Wohin gehen wir denn? Wieso wollen Mama und Papa das wir weggehen? Ich will aber nicht weg …“ das kleine Kind sah mit tränenden Augen zu dem älteren Kind auf. Dieses drehte sich um und winkte nur mürrisch ab. „DU bist nicht gewollt … deswegen müssen sie hungern. Ohne uns können sie leben, und jetzt komm!“

Dann sah sie das gleiche Mädchen wieder, nur einige Jahre älter, es war vielleicht acht Jahre alt und die ältere Schwester stand vor ihr. „Ich gehe. Ich werde in die Sklaverei gehen. Es gibt Menschenhändler, sie bringen mich zu Menschen die mir ein Heim geben, auch wenn ich dafür schuften muss bis ich umfalle. Kommst du mit mir?“ Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf und rannte weg … es weinte bitterlich.

Mehrere Kinder die wegrannten und sich einen Beutel zuwarfen. Sie bogen in eine Ecke und das junge Mädchen mit den mattschwarzen Haaren starrte den Beutel an. „Das ist genug dass wir uns endlich etwas Fleisch kaufen können …“

Das Mädchen, älter, vielleicht elf Jahre alt. Sie stand in einer Menge von Leuten die alle hinauf zu einem Galgen blickten. Sie alle jubelten und schrieen, reckten ihre Fäuste hoch und sahen auf die Gestalt die dort oben leblos am Galgen hing. Eine leise Stimme direkt neben ihrem Ohr. „Und er starb für uns … nur für uns.“

Das Gesicht eines jungen, rothaarigen Mädchens welches sie angrinste. Sie war ein Kopf größer als das elfjährige Kind und grinste hinab. „Du bist süchtig danach, mh? Er hats mir gesagt bevor sie ihn gehängt haben. Du musst klauen … du kannst nicht anders. Du wirst wahnsinnig wenn du es nicht tust.“

Ein paar große, kräftige Tiefländer die das junge, schwarzhaarige Mädchen, welches nun ein Jahr älter war, ansprachen und sie anlächelten. Sie mitnahmen und ihr ein Heim gaben … jene große, blonde Frau. Ihre Ziehmutter, Freia. Ihr Ziehvater, Leif- Jene Frau und jener Mann die ihr zusammen mit dem Clan Hinrah eine Zukunft gab und ihr ein Leben ermöglichten.

Ein stechender Schmerz, ein Dolch in der einen Hand, die andere blutig. Sie durfte nicht stehlen … sie musste sich ablenken. Schmerz lenkte ab … Schmerz war gut genug dafür.
Dann der Drang aufzustehen, in die Stadt zu gehen.

Das Bild eines Jungen, sein Körper leblos in ihren Armen. Er hatte sich gewehrt, er wollte ihr nicht das Gold geben dass er bei sich hatte, er wollte nicht und wollte sie schlagen. Er musste sterben … er musste, sie hatte ihn ermordet!

Das Gesicht von Falk, wie er sie anstarrte, das Gesicht voller Blut, wie er sie unter Schock setzte. Wie sie Schläge von Caillean kassierte als sie von dem Mord gehört hatte … wie der Clan ihr die Sucht austrieb.

„Ich bin alt genug um in Berchgard zu kämpfen! Lass mich dorthin! Lass mich sie umbringen! Diese Rahaler Bastarde haben es nicht anders verdient!“ Die Tage danach, die Wunden, die Schrecken … nie wieder Krieg, bitte nie wieder!

Helligkeit, ein Drücken. Ohnmacht. Als sie erwachte war ihr Körper erwachsen, von einem Tag auf den anderen war sie gealtert um fast sechs Jahre. Was nun? Wie sollte es weitergehen? Sie war Erwachsen … neue Wege.

Ein glühender Schmerz der sich in ihr ausbreitete als man einen glühenden Eisenbarren gegen eine Wunde am Rücken drückte, um sie auszubrennen. Alvis, ihre große Liebe, der erste Mensch den sie lieben konnte und der sie ebenfalls liebte.

„Varuna? Bei den Adligen? Die sehen in mir doch eh nur die Wilde …“ Die schmerzhaften Erfahrung der fehlenden Etikette und die schönen Momente und neuen Freundschaften die sich schlossen.

Darna. Ausbilderin, so streng und steif. Als ob sie niemals lachen würde. Aber sie tat es irgendwann, sie wurden Freundinnen und es wurde auf eine Art und Weise auch mehr, ohne dass man es beschreiben konnte was zwischen den beiden herrschte.

Das Verlassen des Clans, trennen von der Gemeinschaft. Unsicherheit die sich breit machte, neue Aufgaben in Varuna … Fuchs. Jenes Kind welches ihr Leben bereicherte und das zu so etwas ähnlichem wurde wie ihr eigenes Fleisch und Blut.

Innere Leere, neue Krisen, Zweifel und doch starke Momente. Freundschaften die sich schlossen und Erfolgserlebnisse die sich entwickelten.

Tajara. Eine Frau die ihr seit Ewigkeiten ein Gefühl schenken konnte dass sie sich geborgen und wohl fühlte. „Ich liebe dich …“ die Worte die sie erfüllten und ihr Mut gaben.

Der Moment den sie jetzt spürte ... der Moment an dem ihr Körper sich wieder zurückwandelte.



Und dann wurde alles schwarz. Sie bekam nicht mit wie sie zu Boden fiel, sie bekam nicht mit wie die Magier zusammensackten und wie ihr Körper mit einem mal jünger wurde, sich veränderte. Sie merkte auch nicht, wie sich ihre Haare durch einen seltsamen Schleier verfärbten, der in der Luft lag und sie merkte auch nicht wie Tajara und darna sie nach Varuna brachten und sich wegen ihr stritten. Sie bekam auch nichts davon mit, dass sie Darna die ganze Nacht erzählte, was sie in ihrem Rückblick gesehen hatte. Sie schlief nur, friedlich und ruhig. Sie fühlte nichts, sie war leer und doch; sie lebte. Sie würde die Augen öffnen und ein altes, neues Leben würde ihr bevorstehen. Altgewohntes kehrte zurück … es war nur die Frage; wann sie wieder aufwachen würde.
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Tajara Nair
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Beitrag von Tajara Nair »

Sie weinte. Die ganze Nacht hindurch überfiel sie ein Schwall von Traurigkeit - Es war so viel geschehen. Es war ein Strom nicht enden wollender Ereignisse, anrührend, entsetzlich, traurig, schockierend und einfach nur unverschämt.

: die strähnen, die ihr ins Haar hingen ignorierend stapfte sie zurück ins Lager der Gefährtinnen... Hein... Da wo sie nicht wie ein Stück Dreck behandelt wurde sondern wie eine Schwester. Da wo sie alle für sie da waren...

Der Tag begann ruhig. Zar war sie bereits voller Sorge um die Ereignisse, die geschahen, doch im Grunde genommen, wusste sie, dass sie nicht wusste, was sie erwarten würde, dass ein Dämon von ihr Besitz ergriffen hatte.

Natürlich wusste sie schon ziemlich bald, was Viola ereilt hatte, und anfangs war sie erschrocken... Doch angesichts schrecklicher Ereignisse die zuvor geschahen war dies alles einzig und allein eine Nachricht... Sie war Krisengeprüft. Sie würde auch diese Krise überstehen... - und tatsächlich merkten bald beide, was sie füreinander empfanden. Alles zum Trotz. Sie liebte sie.

Violas Angst, Taja könnte sie in Stich lassen waren hinfällig. Selbst wäre sie zu ung gewesen würde sie nicht von ihrer Seite weichen, komme was wolle würde sie ihr beistehen. Sie war selbst gerade kaum 20 Jahre alt, da würde erst noch der Winter vorüberziehen, ehe sie jenes Alter erreichte. Und letztendlich war es nicht das, sondern die Tatsache, dass sie NIEMALS jemanden in Stich lassen würde. Und sie schon gar nicht.

Sie gingen los. Tajara wollte natürlich nicht nach Varuna, und eigentlich war es ihr mehr als unrecht, gerade weil sie auch noch ins Schloss mussten. Sie wurde ein Nervenbündel, geschüttelt von Nervosität. Das Schloss... Schön zweifellos... Aber Adelige machten sie nervös. Viola meinte, Darna wäre anders, und das konnte wohl stimmen... Jedoch merkte sie schnell, wie unbehaglich sie sich selbst in ihrer Gegenwart fühlte.

Sie verschwanden, Viola und Darna - wohl nicht wissend, was sie zu besprechen hatten blieb sie stocksteif stehend, nervös, ausatmend... einatmend... Sie wollte eigentlich nur weg hier. Sie sehnte sich nach einem guten Schluck bier oder einer Pfeife Wildkraut... Aber nur weg hier...

Als sie zurückkam bemerkte sie schnell die Blicke dieser Adligen... Sie waren wie Messerstiche für sie... Unangenehm... Sie hatte das Gefühl, sie würde von Pfeilen durchbohrt werden, ihre Augen brannten sich förmlich in sie, und sie konnte den Schmerz richtig fühlen.

"Darna weiß das von uns", meinte sie... Alles klar! Das war es also. Sie wusste was bald kommen würde, eine Auseinandersetzung. Sie ahnte sie... Sie konnte es noicht ändern. Was wichtig war, war Viola... Die Frau der sie ihre Liebe und ihre Treue schwor... Sie würde sich daran halten, was auch immer kommen sollte, wie es auch immer kommen sollte, das was kommen würde, würde kommen.

Bei Tirell begegneten sie den Magiern... Eigentlich ein sehr merkwürdiger Haufen Leute... Aber es waren wohl Leute, die wussten, was sie taten, und von daher legte sie ihr Vertrauen besonders in die kleine zierliche Gestalt... Sie kannte sie... Sie war verwandt mit Alassea. Sie waren schonmal im Lager. Von daher konnte sie sich denken wer sie waren und sagte auch nichts weiter dazu.

Ein Kreis... Ein "Pentagramm" wie sie es nannten - hier im Walde, wo sie hinmarschierten war der Ort also. Nun wurde es ernst. Aufgaben wurden verteilt. Tajara bekam einen Behälter Weihwasser. Sie würde ihre Aufgabe meistern müssen.

Der Dämon, der von ihr Besitz ergriff würde in eine Kerze gebannt werden. Sie musste nur das Wasser über die Kerze gießen. Sie zitterte. Letztlich musste sie also den Dämon vernichten. Vielleicht war es das Beste, das Tajara für Viola tun konnte. Und sie würde es tun. Sie biss die zähne zusammen und blickte Viola nach, die ruhig gen Bannkreis stapfte und schließlich begannen die Magier ihr Ritual.

Sie bemerkte das Brausen und Toben um sie herum nicht, sie sah nur den Schmerz Violas - sie sah, wie sie litt. Jetzt... Es änderte sich alles... JETZT!

Einen inneren Impls der Stärke nachgebend begannen Tränen herabzulaufen. Was geschah mit ihr? Würde sie es überleben? Sie musste... sie ließ es nicht zu. "Oh bitte stirb nicht" meinte sie gedanklich in Violas Richtung. Sie hatte es nicht Verdient zu sterben... Nicht sie...

Irgendwann war alles vorbei. Die Magier sackten zusammen. Diese Darna stand neben Tajara, in voller Rüstung. - Jetzt musste Taara handeln, den Behälter die ganze Zeit fest umschließend musste sie den Inhalt nun über das Feuer gießen.

Zittrig trat sie leicht vor, versuchte präzise zu treffen... Und das Feuer erlosch. Der Dämon war tot...

Der Schleier der sich um ihre Haare legte... Sie konnte ihn durch den eigenen Schleier aus Tränen nicht sehen. und erst als dieser wich sah sie, dass sich ihre Haare grün gefärbt hatten.

Langsam gingen die müden Magier zurück und ließen Darna und Tajara mit der armen bewusstlosen Viola alleine. Rührseligkeit breitete sich in ihr aus. Sie war kleiner geworden, doch äußerlich kaum älter als 16, aber auch kaum ünger. Sie... war wunderschön, selbst as jüngere Frau... gerade in dem Alter, in dem aus einem Mädchen langsam eine Frau wurde... Und erneut liefen Tränen über ihr Gesicht... Gerührt war sie,

Versuchend, sie hochzuheben bemerkte sie wie leicht sie plötzlich war. Widerstrebend gab sie die arme Viola Darna. Sie hätte Viola persönlich und zu Fuß in eine Bettstatt gebracht. Die ganze Nacht hätte sie über sie gewacht. Doch Darna bestand darauf, sie nach Varuna zu bringen, bissige Kommentare von sich gebend, die Tajara zwar vernam aber ignorierte. Sie dachte nur an Viola.

Und dann bewies sie wirklich, was für eine hochnäsige Schnäpfe sie doch war, genauso wie diese Stolzenfels. Hochnäsiges Pack. Was bildeten sie sich ein wer sie waren. Sie schwor Viola doch, dass sie sie nicht in Stich ließ. Sie würde über sie Wachen, eine Nacht... zwei Nächte... DREI NÄCHTE! - Doch was war die Reaktion, ein bissiges, ja direkt freches Gehabe von ihr. Sie war den Tränen schon wieder nahe. Sie konnte Viola nicht beistehen... Doch sie hatte es versprochen. Was sollte sie denn nur tun? Sie wurde schon wieder wie ein Stück Dreck behandelt. Was dachte sie denn wer Tajara war? Sie war wütend, enttäuschht, traurig...

Und so machte sie sich - ständig mit den Tränen kämpfend auf dem Weg zurück... nach Hause... nach Lameriast... Zum Lager der Gefährtinnen... zu ihren Schwestern... Heim!



Daheim angekommen sagte sie zu den anwesenden am Feuer keinen Ton. Sie ging in den Gemeinschaftsraum und war ihre grüne abgetragene Robe in die Kiste. Dann stapfte sie wortlos zurück - ins Zelt.

Sie legte sich aufs Zelt und weinte. Allen Kummer auslassend vergoss sie einen Schwall tränen. Sie weinte mal laut, mal leise.

Sie bemerkte nicht, wie Lyn leise die Tür hereinkam, doch bemerkte sie ihren Versuch sie zu trösten. - Sie war lieb wenn sie Tajara tröstete. Das bewies, dass sie wirklich zuhause war, man wurde nicht wie ein Stück Dreck behandelt, sondern wie eine Schwester.

Sie schlief nicht, diese Nacht. Sie saß erneut auf ihrem Nachdenkplatz, der Plattform.

Ronya meinte, sie würde mit Darna reden... Doch eigentlich wünschte sich Tajara nur, in diesem Moment an Violas Bett zu verweilen, über sie wachend, hoffend, dass sie bald wieder auf die eine kam... Doch sie ahnte, es würde lange dauern, bis Tajara Viola sehen konnte... Und so weinte sie noch einige Male in dieser kalten verregneten Nacht.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Sie hatte sich das Erwachen eigentlich nie vorgestellt doch eines wusste sie, so wie es von Statten gegangen war. Stück für Stück war ihr Körper aufgewacht, erst fühlte sie die Finger wieder richtig, dann die Zehen, die Arme und die Beinen und letztendlich spürte sie auch wieder das verlangen, ihre Augen zu öffnen. Darna war da gewesen, von Tajara keine Spur. Es war alles so langsam gegangen, Stück für Stück hatte sie gemerkt wie ihre einzelnen Körperteile wieder mit Leben gefüllt waren, kribbelnd und zittrig, es war ein seltsames Gefühl. Stellenweise hatte sie sich ernsthaft die Frage gestellt, ob sie gerade wirklich in ihrem eigenen Körper steckte, doch dem war eindeutig so. Als sie an sich hinabblickte, bestätigte sich ihre Vermutung auch; es war ihr Körper nur er war jünger. Sie war kleiner geworden und hatte etwas an Masse und Muskeln verloren. Sie trank vorsichtig ein paar Schlücke Tee, redete mit Darna über das Passierte, und lauschte ihren Worten, während sich ihr Körper Stück für Stück erholte. Auch der Umstand, dass ihre Haare seit dem Ritual grün verfärbt waren, bemerkte sie, und ihre Laune wurde dadurch nicht gerade besser. Doch dies alles wäre nicht so schlimm gewesen wenn sie dieses eine Thema nicht angesprochen hätte, das alles eskalieren ließ.

Tajara.

Und in dieser Sache prallten zwei Welten aufeinander. Darna, welche ihre festen Ansichten hatte und Viola, welche nicht wahrhaben wollte, was Darna ihr entgegenbrachte. „Hör doch noch einmal auf deinen Verstand …“ als ob sie das nicht tun würde! Sie hörte auf ihren Verstand und nur weil Darna sich strikt an jede Regel hielt und erst seit wenigen Monden gelernt hatte, Freude am Leben zu haben, hieß das noch lange nicht, dass Viola keine richtigen und wahren Gefühle entwickeln konnte. Beide warfen sie sich Worte an den Kopf und Viola ging soweit, Darna in ihrem Glauben anzugreifen, das Gespräch schien immer hitziger zu werden, bis die Ritterin sich abwandte. „Ich werde wieder mit dir reden wenn du klar denken kannst“ … das war doch die Höhe! „Achja?! Weißt du was! Ich werde dich nie wieder mit meinen widerlichen Gefühlen belästigen, DAS verspreche ich dir!“ sie brüllte Darna die Worte hinterher und kaum hatte sie den Raum verlassen, zog sie sich mühsam an und begab sich wankend nach Bajard auf das erstbeste Schiff nach Lameriast. Der Weg zum Lager der Gefährtinnen war eine kleine Qual für sie und jeder Schritt wurde anstrengender, bis sie endlich ihr Ziel erreichte und Tajara in die Arme fiel. Es waren nicht viele Worte, welche die beiden wechselten, zu erschöpft war Viola und zu schnell fiel sie in einen tiefen Schlaf, doch sie war froh bei ihr zu sein. Zu Darna wollte sie in diesem Moment nicht mehr zurück, sie war bitter enttäuscht. Doch all diesen Gedankengänge gingen in dem traumlosen Schlaf unter.
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Tajara Nair
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Beitrag von Tajara Nair »

Ruhig lag Viola in ihren Armen, sich an sie schmiegend saßen sie im Feuer.

"Sie ist so schön", meinte sie noch. Und auch Viola hatte sie dies gesagt.

Sie hatte seit dem vorfall nicht geschlafen. Und obgleich sie müde war plagten Tajara die Sorgen um Viola. Sie wollte so gerne bei ihr sein, doch konnte sie nicht. Sie wünschte, sie hätte mehr tun können, aber das ging nicht.

Quälend lang zog sich der Tag hin, immer wieder zogen schwere graue Wolken über das land und entließen ihre schwere Last. Schwer prasselte der Regen auf Tajara hernieder, als würde der Himmel mit ihr weinen.

Dann plötzlich war sie da! Sie kam schwach und zittrig... Taara konntte nicht anders als die geschrumpfte verüngte Gestalt im Arm nehmen. Sie war jü+nger, aber sie war so schön.

"Ich bin ein Kind." meinte sie. Aber das war sie nicht. Sie war gerade in dem Alter, indem aus einem Mädchen eine Frau wird. Sie war kein Kind.

Ganz gleich was in Varuna geschah... in diesem kalten Schloss... Hier würde Tajara für Viola sorgen, wie und wann sie nur konnte. Sie würde sie so lange hier behalten wie Viola selbst bleiben wollte.


Und so saßen sie letztlich auch am Feuer, sie hintragend, um sie zu wärmen setzte sie sich. Sie murmelte im Schlaf, doch schien man zu merken, dass es ihr behagte.

Gerade in diese Falle schien es Viola hier besser zu haben ans in diesem kalten Schloss, wo sie alle so frmlich waren. Dort halfen sie, weil sie es mussten. doch sie half Viola nicht, sie pflegte sie, wo es nötig war. Hier wäre sie wirklich sicher.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Nirgendwo anders als in ihren Träumen konnte sie an einem Ort wie diesen verweilen. Sie saß auf einer kleinen Erhöhung, neben ihr ein breiter Bach, welcher sich am Rand der Erhöhung hunderte von Metern tief in die Ebenen unter sich stürzte. Wolken schwebten nicht unweit von ihr in der Luft und durch ihren dünnen Schleier konnte sie die weiten Graslandschaften und die Wälder sehen, die sich bis ins Nichts erstreckten. Nur in ihren Träumen existierte dieser Ort und wenn sie ruhig und tief schlief, dann verweilte sie hier, jedenfalls dachte sie dass es immer dann war, ob hierbei eine Regelmäßigkeit bestand, das konnte sie nicht wirklich sagen. Ihr Körper war in eine bequeme Stoffhose und in ein Hemd gehüllt, Schmerzen, Wehleiden oder dergleichen waren fernab von diesem Ort, so als hätte es sie nie gegeben. Und doch, nachdenklich war sie trotz allem. Ihre Gedanken schwirrten nur so umher aber eigentlich waren sie nur bei dem Grund, weswegen sie bei Tajara war; Darna.

Gestern war sie noch weinend und fluchend durch Lameriast gewandert um herzugelangen, hatte Darna alle Verwünschungen und Flüche dabei an den Kopf geworfen und sich geschworen sie niemals wieder anzusprechen. Dazu kam noch die Wut über das Gespräch, wie konnte sie sich so etwas anmaßen? Wer glaubte sie eigentlich zu sein? Im Grunde konnte es Viola vollkommen egal sein, sie war nicht ihre Mutter, sie war nur eine Ritterin welche die Aufsicht über sie im Schloss hatte, es hatte diese Frau nicht einmal etwas anzugehen mit wem sie sprach. Und doch, Darnas Worte hatten sie verletzt, ihr wehgetan und dass mehr als sie im ersten Moment vermutet hatte. Als sie bei Tajara angekommen war, war sie zu erschöpft gewesen um sich wirklich Gedanken über diese Sache machen zu können, doch jetzt hatte sie Zeit und auch bedeutend mehr Kraft. Warum hatte Darna das gesagt? Sie missglückte Viola kein Glück? Natürlich nicht … deswegen sagte sie ihr ja auch nach sie wäre nicht bei Verstand und solle mal wieder vernünftig werden. Ihr ganzes Verhalten war so widersprüchlich zu dem was sie sagte, dass es zum Haare ausraufen war. Was konnte sie denn dafür, wenn Darna ein paar Wochen brauchte nur um mal einen Mann anzulächeln und vielleicht mal seine Hand zu nehmen? Darna war nun mal simpel gestrickt in diesen Sachen und verklemmt wie die wenigsten Dinge die sie kannte. Viola war das nicht; wozu den Gefühlen die sie empfand den Rücken zudrehen? Darna mochte das vielleicht aus Angst vor Veränderungen tun, aber Viola tat es nicht. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr schien eine gewisse Wut wieder in ihr zu wachsen und sie spürte selbst hier in ihren Träumen den Drang, einfach loszubrüllen.

Aber da war halt immer noch etwas anderes, was unter all der Wut und den Verfluchungen steckte. Und das war die Tatsache, dass Darna ihr fehlte und sie das Gefühl hatte, dass sie selbst etwas zu weit gegangen war. Spätestens nachdem sie ihr den Vergleich mit Temora an den Kopf geworfen hatte, hätte sie einen Gang hinabschalten sollen. Doch wenn man einmal in Fahrt war … es war einfach zuviel gewesen. Darna hatte die letzten zwei Tage an ihrer Seite gewacht und auf sie aufgepasst, etwas das „Selbstverständlich“ war, wie Darna meinte aber war es das? Nein. Sie hätte genauso gut sagen können dass sie ihre Ruhe brauchen würde oder sie hätte Viola auch in dem Zimmer liegen lassen können; eine Gefahr bestand nie. Sie hatte trotzdem da gesessen und war da, als Viola erwacht war. Sie tat das nicht aus Selbstverständlichkeit, das wusste Viola. Es war aus dem gleichen Grund wieso Viola damals nach Rahal marschiert wäre, nur um Darna von dort herauszuholen, und dieser Grund kannte für sie keinen Namen. Oder vielleicht auch doch. Sorge. Viola hatte sich immer Sorgen um Darna gemacht, nicht zuletzt wegen der Tatsache dass sie so lange im Kloster gewesen war und wer sagte dass Darna nicht genau aus dem gleichen Grund gehandelt hätte? Nunja vielleicht mit deswegen, aber auch weil sie verbohrt war, zu sehr an Traditionen hing und tierisch verklemmt war! Sie lächelte kurz bitter. Es war schon irgendwie etwas wahres dran gewesen, was sie zu Tajara gesagt hatte; Darna war für Viola mitunter zu einem der wichtigsten Menschen geworden. Wie lange hatte sie ihren Vater nicht mehr gesehen, wie lange ihre Mutter nicht mehr? Darna war für sie immer mehr in diese Rolle gerutscht ohne dass sie es wirklich wahrgenommen hatte.

Sie würde abwarten was geschehen würde, Darna wusste wo Viola war und auch wenn es auf eine Art und Weise gemein war, würde sie Darna noch etwas im Ungewissen lassen. Sie würde sicher ein Zeichen von sich geben und wenn der richtige Zeitpunkt da war, würden die beiden noch einmal miteinander reden müssen. Eine Tatsache die das Lächeln wieder von ihren Lippen wegwischte …
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Es ging ihr besser, von Tag zu Tag. Ihr Körper erholte sich immer mehr von dem Ritual und auch das Grün aus ihren Haaren begann langsam zu weichen, ein Zeichen dass es endlich vorbei war? Eigentlich war es das alles bereits gewesen als sie vom Ritualsplatz fort geschaffen wurde, von diesem Moment an war sie wieder sie selbst. Und nun war es der Körper und der Geist, die sich beide erholen mussten. Die letzten Nächte hatten sich ihre Erinnerungen, ihre Einprägungen von früheren Zeiten geordnet. Ihr Kopf hatte alles noch einmal verarbeitet und neu angeordnet und Dinge die vor einer Weile für sie nicht von Belang schienen, waren nun plötzlich interessant und wichtig. Viola selbst hatte dafür keine rechte Erklärung, wie auch? Sie verstand nicht was in ihr gerade vorging, aber es war etwas Natürliches, nichts Magisches, DAS wusste sie. Vielleicht war dies das Ergebnis der Tatsache, dass sie sich nun nicht mehr zwanghaft wie eine erwachsene Frau benehmen musste, sondern sich auch ein ganzes Stück lockerer geben konnte, als sie es sonst tat. Das merkte man ihr auch an, vor allem im Gespräch mit Darna, Selissa und Taja. Öfters rutschten ihr wieder ein paar freche Worte von den Lippen, die schlechten Gedanken der letzten Wochen schienen wie verflogen und sie grinste über Dinge, die sie früher nur im Stillen lustig fand. Doch völlig bereit war ihr Körper noch nicht, das konnte sie diese Nacht bemerken. Die Gedanken und Erinnerungen waren geordnet, was nun noch fehlte waren die Emotionen und Gefühle … und wie so oft kam das Schlechtere immer zuerst.

Sie schlief seelenruhig in ihren Fellen, doch die Träume die sie hatte, waren es nicht. Ganz im Gegenteil, es schien so als ob sie Bilder durchging, Erinnerungen die sich sortiert hatten, doch nun gesellten sich Gefühle dazu und alle hatten sie eines gemeinsam; sie waren schlecht und hasserfüllt. Neid, Wut, Hass, Eifersucht … alles was man wohl an schlechten Gefühlen aufzählen konnte, machte sich in ihr breit, spukte wie ein Gespenst in ihrem Kopf umher und als die Bilder wichen, kamen Schemen vor ihrem Auge, vertraute Schemen … die sie jedoch jetzt in einem anderen Licht sah als sonst, nämlich ausschließlich im Schlechten.



Da war zuerst Una. Die junge Magierin. Magie. War es nicht die Magie die ihr so vieles angetan hatte? Und diese Frau verteidigte sie sogar, verbreitete sie mit ihren Worten, ihren Taten und ihren Gesten. Sie war doch eine von jenen, die diese unvorstellbare Macht in die Welt entließen und das war einfach nicht gut. Und nun versuchte sie sich noch bei Viola einzuschleimen, indem sie ihr den Fluch, dessen Ursprung in IHRER Magie lag, wieder zu entfernen? War sie denn blind? Diese junge Frau gehörte gevierteilt …
ja … die Angst vor der Ungewissheit …

Eine weitere Frau tat in ihren Blickwinkel. Caillean. Sie lächelte, wie sie es oft tat. Immer lieb, immer auf das Wohl im Clan bedacht, so war es doch … und doch konnte sie auch so gemein und egoistisch sein. Wie oft beharrte sie immer auf IHREM Recht in der Vergangenheit? War sie es nicht die Viola geschlagen hatte als sie von dem Mord Violas hörte … sie wollte nur ihr Verderben, mehr wollte sie doch niemals mit ihren Taten …
ja … der Trotz vor der Wahrheit.

Neben Caillean tauchte ein Hüne auf. Falk. Er schaute stolz und majestätisch drein. Ein majestätischer Barbar vielleicht. So wild und unzivilisiert. Wie Recht sie doch alle hatten in der Stadt. Wenn man die Rohheit von Falk betrachtete, konnte einem manchmal schlecht werden. Seine dumme Vernarrtheit in Traditionen, so weit dass er seine Familie ein Stück auflöste für sie. Er konnte sich doch nur an diese Dinge klammern, dieser Dummkopf, dieser Narr! …
ja … Unverständnis vor fremden Regeln und Bräuchen.


Sie machten Platz für jemanden, es war … eine sie. Zierlich, edel. Die Baronin von Stolzenfels … Felicitas. So hochnäsig, so eitel, so selbstverliebt. Nicht mehr als eine einfache Bardin und doch hatte sie das Sagen wenn es soweit sein sollte? Respekt sollte sie kriegen? Niemals, nicht jemand wie sie, der es niemals verdienen würde Respekt zu kriegen, diese schwache Pute! …
ja … das verweigern der Tatsache dass auch ohne Kraft etwas erreicht werden kann …

Es war beinahe klar wer folgte. Sie musste hier erscheinen und Violas Augen verengten sich. Darna. Die Frau Ritterin die doch so weise war und so viel wusste. Verbohrt war sie, altmodisch, stocksteif und sie klammerte sich an ihren Glauben! Dieser Glauben! Wenn man ihn angriff dann tat man etwas Schlimmes. Wer war sie eigentlich dass sie sich das erdreistete, nur weil sie an eine Gottheit glaubte, die nichts als Kummer und Leid brachte?! Dass sie immer alles besser wusste und sie belehrte, immer mit ihrem Rat zur Seite stand! …
ja … die Inakzeptanz dass es manche nur Gut mit einem meinten und dass ein Glaube auch stärken kann, wenn man sich ihm verschreibt.

Ein Schemen vor den Augen und nur sachte wurde er fester. Das strahlende Gesicht ihrer Freundin Selissa kam zu Tage. Jenes Mädchen, das ihr Darna wegnehmen wollte. Knappin war sie nun … und damit raubte sie ihr Darna immer ein Stück mehr, nahm ihr Zeit, die sie mit Viola verbringen könnte. Dieses Gör dass immer so lieb tat, sie wollte Darna doch für sich alleine! …
ja … die Missgunst und die Eifersucht.

Als ob es nicht genug gewesen wäre trat eine weitere Person mit wiegenden Hüften näher und lächelte zu ihr. Tajara. Der Mensch den sie liebte. Und der Mensch der ihr Leben zerstören würde. Sie würde immer mehr einen Keil zwischen Viola und den Menschen bringen, mit denen sie verkehrte. Sie würde Viola immer mehr für sich beanspruchen und irgendwann würde sie dann weg sein … wie alle anderen vor ihr! Sie würde sie am Ende innerlich zerstören …
ja … die Angst vor der Zukunft und die Befürchtung der schlimmsten Dinge

Und dann waren sie alle weg. Sie war alleine. Nein, das stimmte nicht. Sie blickte vor und sah die Gestalt vor sich an. Es war der pure Hass der in ihr aufzukeimen schien. Blanke Zerstörungswut und der Drang zu Morden stieg auf. Ihr Blut schien zu kochen, sie hätte sich am liebsten auf sie gestürzt, sie zerrissen und ihr jedes Leid der Welt angetan …
ja … der pure und unverfälschte Hass



Als sie am nächsten Morgen die Augen öffnete, fühlte sie sich ausgeschlafen und ruhig. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, was sie geträumt hatte, was sich in ihrem Kopf abgespielt hatte aber sie wusste, das war nur ein Teil des Ganzen. Dem sollte auch so sein, denn auf alles Schlechte, folgt bekanntlich immer das Gute …
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Wo immer man schlechtes erfährt oder wo immer Schatten zu finden ist, dort findet man auch Licht. Die niederen Emotionen waren geordnet und als sich Viola diesen Abend schlafen legte, ließ der gegenteilige Part nicht auf sich warten. Die Bilder waren ähnlich, fast identisch mit denen der letzten Nacht, doch wurde ihr vor jedem dieser Bilder das pure Gegenteil aufgezeigt. Die Tatsache, dass sie Freunde, Verwandte und Orte hatte, an denen sie sicher und geborgen war, erfüllten sie beinahe die gesamte Nacht und der nächste Morgen hätte kaum friedlicher ablaufen können, sah man von der Tatsache ab, dass sie alleine die Augen öffnete und neben sich nicht Tajara erblicken konnte. Doch die beiden würden sich alsbald wieder sehen, sie hatte schon eine kleine Überraschung für die Gefährtin im Sinne und sie war sich sicher dass sie ihr gefallen würde, so wie sie Tajara mittlerweile einschätzte.

Der Morgen war schön, doch einige kleine Wehmutstropfen vom Vortag waren zurückgeblieben. So mitunter die Tatsache, dass sie einen Maurer suchen musste, der sich um das Schlossquartier der Ritter kümmern würde, nach ihrem kleinen Unfall am gestrigen Abend, bei dessen Verlauf sich ein Bolzen recht wuchtig in die steinerne Zimmerdecke gebohrt hatte und auch nicht wirklich einfach zu entfernen war. Dann noch die ganzen Akten und Berichte die kaputt gegangen waren, alleine der Gedanke an all die Schreiberei ließ Viola wehleidig seufzen, aber sie hatte ja schließlich auf eine gewisse Art und Weise selbst Schuld gehabt. Doch waren nicht nur die Sehnsüchte nach Tajara und die drohende Arbeit die Dinge, die ihr aufs Herz drückten. Nein es war auch die simple Tatsache, dass das Schloss, jedenfalls so wie Viola es jeden Tag erlebte, tot wirkte ohne Darna. „Wenn es einen Grund gibt dass du mich dringender brauchst als Adrenalon …“ das waren ihre Worte gewesen und was hätte sie schon sagen sollen? Dass sie ihren Liebsten im Kloster liegen lassen sollte, ohne nach ihm zu sehen? Dass sie Darna in den Mauern einfach vermisste die gerade jetzt, wo Tajara zusätzlich noch fern war, für sie wie ein lebloser Haufen wirkten? Doch es war ja nicht nur die Tatsache dass Darna nicht da war, es war noch etwas anderes. Als Erwachsene hatte sie dieses ganze Gefühl immer beiseite geschoben, sich auf ihr äußerliches Alter verlassen und den Zeitpunkt ignorierte der nun immer mehr nahte; Selissas Knappentum. Sie mochte das, nun ältere, Mädchen und sah sie als gute Freundin an und doch war sie ein wenig eifersüchtig auf die Tatsache, dass Darna mehr Zeit mit ihr verbrachte und Viola sie höchstens alle paar Tage einmal zu Gesicht bekam. Dass das alles nicht gewollt war von der Ritterin, war ihr irgendwo tief in ihrem Hinterkopf klar, doch diese Stelle war noch nie dafür bekannt gewesen, sehr aufmerksam und laut auf sie zu wirken. Nun war die Ritterin wieder für eine Weile im Kloster und Viola blieb zurück im Schloss. Und was sollte nun folgen? Sie hatte überlegt wieder nach Lameriast zu gehen, zu Taja, die sie im Gegensatz zu Darna sehnsüchtigst erwartete und sich freute wenn sie Viola sah. Doch die Pflichten die ihr Darna aufgebrummt hatte, kamen nun dazwischen, was den Unmut in ihr nicht gerade verringerte. Abschreiben … „und ich hoffe deine Klaue ist dann leserlich“ … sie hatte es so trocken wie eh und je gesagt und immer noch war sich Viola nicht ganz bewusst, wie die Ritterin diese Worte gemeint hatte. Zum Spaß Mit Vorwurf? Um sie zu triezen? Sie seufzte leise. Wieso musste sie sich über solche Dinge schon am frühen Morgen Gedanken machen?

Brummelnd kleidete sie sich an. Was half es schon, sich über solche Dinge Gedanken zu machen? Früher oder später würde etwas passieren aber darüber wollte sie nun nicht weiter nachdenken. Und so machte sie sich auf die Suche nach einem Maurer in Varuna … Hauptsache schnell fertig und dann nach Lameriast … mehr zählte gerade nicht.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Wutentbrannt stiefelte sie in Richtung der Quartiere im Schloss. Sie war sauer, nein, noch mehr, sie war außer sich. „Ich will dass du im Schloss bleibst und beim Grafen bleibst“. Natürlich, beim Grafen bleiben! Ging es denn noch fadenscheiniger? Der Graf war ja bestimmt so sehr in Gefahr, dass es nötig war dass Viola zurückblieb. Sie erreichte den Vorhang der ihr Bett von den anderen abtrennte, zog ihn ruppig beiseite und warf sich aufs Bett, dessen Decke sie erst einmal mit den Fäusten bearbeitete. Darna würde dort sein, und sich in Gefahr begeben und sie? Sie würde hier sitzen, die Däumchen drehen und dann scheinheilig lächeln wen sie wiederkommen würden und ein falsches und geheucheltes „Danke“ vorgesetzt bekommen dass sie doch so toll und artig hier geblieben war.

Und dann fand diese Sache auch noch die vollste Zustimmung von Falk. Falk! Was wusste er denn schon zurzeit über Viola? Gar nichts. Vertrauten sie ihr nicht? Sie konnte kämpfen, sie würde bereitstehen und Darna oder den anderen den Rücken decken, aber nein, sie sollte nicht. Hatte sie nicht schon in Berchgard und Bajard bewiesen dass sie kämpfen konnte? Wieso behandelte man sie nun wie ein kleines Kind? Die Schläge auf die Bettdecke nahmen kurz etwas mehr zu, wurden kräftiger und dann verstummten sie. Was bildeten sie sich alle eigentlich ein wer sie waren? Weder der Graf, noch Falk, noch Darna hatten das recht zu bestimmen wohin sie ging. Sie war keinen von ihnen verpflichtet! Darna hatte gesagt dass ihr Verhalten einer Leibwächterin von Eileen nicht entsprechen würde, was ihr aber nicht mehr als ein Schnauben entlockte. Ohja, wie konnte sie vergessen dass sie die Leibwächterin einer Frau war, die keine Leibwächterin wollte und die eh keinen Wert auf Schutz legte, war? Wie dumm von ihr. Das alles war so falsch und es machte sie nur noch wütender je mehr sie darüber nachdachten. Bitte! Sollten sie doch kämpfen gehen, und dann als Helden gefeiert heimkehren. Sie selbst würde keinen von ihnen ein Lächeln schenken, sie würde kein Wort mit diesen „Helden“ sprechen. „Ich würde dir jederzeit meinen Rücken anvertrauen“ das waren einmal Worte von Darna gewesen und nun sah man wie wahr diese Worte doch waren, kein Stück. Sie konnte ihr noch so viel erzählen, sie trauten ihr es nicht zu, DAS war es! Sie hätte auf Lameriast bei Taja bleiben sollen, da wurde sie wenigstens nicht wie ein Kleinkind behandelt dass man beschützen und einsperren musste …

Tajara. Sie seufzte leise. Die Wut war ganz gewichen und machte Platz für die Sorgen die nun aufkeimten. Gedächtnisverlust, wieso gerade jetzt? Es war ein bitterer Schlag gewesen als sie Tajara gesehen hatte, den Kopf verbunden und der fragende Blick und dann die Tatsache, dass sie nicht wusste wer Viola war. Es war wie als ob jemand sich ein Messer nahm es und es einmal frontal in ihr Herz stach. Eine Weile hatte es gedauert bis sie mit dem Umstand im Allgemeinen klargekommen war und die beiden eine ganze Weile geredet hatten. Die Sorgen konnte Viola vor ihr nicht verstecken, auch nicht die Angst, die in ihr aufkam. Was wenn Taja sich an nichts erinnern würde? Wäre es dann aus? Die Nähe von ihr, ein paart vertraute Gesten, die sie wie von selbst zu machen schien, munterten Viola dann aber doch auf; nein es würde alles wieder gut werden, dessen war sie sich sicher. Die beiden verbrachten die Nacht miteinander, auch wenn Viola die meiste Zeit wach da lag und auf die Schlafende schaute. Wieso konnte das Leben nicht einmal ein wenig Ruhe mit sich bringen?

Aber das war der gestrige Tag gewesen und nun war sie hier, im Schloss und der Drang irgendeines von Darnas Büchern zu nehmen, jede einzelne Seite rauszureißen und in den Gemächern zu verteilen stieg immer mehr in ihr auf. Was ihr dabei auch in den Sinn kam, war wieder ein Name; Selissa. SIE würde sicher mit beim Angriff dabei sein, zu ihr hatte Darna ja eh schon mehr Bezug als zu Viola … natürlich konnte man IHR da mehr Vertrauen schenken als einem jungen, dummen Mädchen dass auf jeden Falle im Schloss bleiben solle. Sie vergrub das Gesicht in ihr Kissen, brüllte einmal mit ganzer Kraft erstickt dagegen und schnaubte aus. Immerhin wusste sie jetzt wo sie stand und wo sie bald stehen würde, im Vergleich zu Selissa hatte sie wohl einfach nicht so viel zu bieten. Sie blieb den ganzen Abend im Schloss, fluchte vor sich her und verließ ihr „Quartier“ nicht.
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

"Du hast ihn getötet?" Ihre eigene Stimme schien nicht zu ihr zu gehören, und sie wollte die Antwort, die sie kannte, nicht wissen.
"Ja... er war tot..."

"Und nun? Sie vor den Grafen schleppen? Einsperren? Drüber hinweg sehen, es vergessen? Ist ja Viola? Wieso eigentlich immer Viola? Verzeihen? Wieso schaffst du das nicht? Sieben Morde können dir gebeichtet werden und du kannst dein Herz offen halten, und jetzt nicht? Warum kannst du das jetzt nicht? Weil es in 'deiner Grafschaft' ist? Weil es nicht in einer Kirche ist, sondern in einer lausigen Schloßküche? Ungläubig? War er doch auch. Er ist tot. Weil er ihr ein paar Münzen nicht geben wollte...? 'Reizbar'... Nein, Viola. Niemand muß klauen. Falk... Ein ungesühnter Mord. Ungesühnt? Falk..."
Sie hängte den Kessel vom Feuer weg, ehe das Fleisch völlig anbrannte.
"Ich hab mir geschworen, nie wieder in meinem Leben Leid zuzufügen ... nie mehr zu töten ... nie mehr Leid zu vollbringen ....", flüsterte Viola hinter ihrem Rücken heiser weiter. Das Mädchen stand mit zusammengekniffenen Augen vor dem Tisch, die Ritterin starrte in das Herdfeuer. "Und dann ... kam Berchgard .... wo kein Bolzen traf...."

"Aber nach Rahal wolltest du mit. Alles klar. Himmels Willen, manchmal könnt ich dir links und rechts eine Ohrfeige verpassen. Wieso du? Wieso immer du? Warum erzählst du mir das? Wär hier das Meer, ich wüsste nicht mal, was ich reinschreien sollte.
Weil sie dir vertraut. Weil es sie belastet.
Und mich belastet es nicht? Lad es auf meine Schultern, ich kann's ja tragen...
Soll sie alleine sein? Alleine bleiben? Damit?
Kein Verzeihen ohne Reue. Bereut sie?
Sieh sie dir doch an..."

Langsam drehte sie sich um. Musterte die schmale, kleine, junge Gestalt, die zitternd vor dem Tisch stand, die Hände daraufgepresst, als wäre es die letzte Stütze.
"Bricht gleich zusammen.
...
Und woher nimmst du deine Kraft?"


"Egal ... wie oft man ... sich für etwas verdammt ... es holt einen immer wieder ein ... egal wie oft man büßt und man sich dafür selbst richten will ...."
"So oft du büßt und dich richtest, es wird wiederkehren, ja." "Wieso kannst du so ruhig sprechen?" "Weil es dir noch immer ungerecht scheint, und das ist es auch - solange dir dein Tun nicht selber schwer genug wiegt, um dir verzeihen zu können."
"Wie kann ich .... mir soetwas verzeihen ..? Ich bin das, was man Abschaum nennt."
Es mutete seltsam an, wie die Ritterin ein mildes Lächeln zuwege brachte.
"Das weiß ich nicht, Viola... wieviel ist ein Menschenleben wert?" Leise fügte sie hinzu: "Vielleicht weiß es Adrenalon, er litt wie du."
"Warum landet das eigentlich alles immer bei dir? Erhoffen sich die Leute bei dir eine Verteilungsbehörde für Absolution bei Geständnissen schwerer Verbrechen, oder was?
Tja... was soll's."


Sie wischte das hartnäckige Wispern beiseite, das sie fragen wollte, woher sie die Kraft nähme und ob sie nicht schon genug Probleme am Hacken gehabt hätte, als sie Viola die Treppe hinuntertrug und sie zu Bett brachte.
"Es tut mir leid."
"Es ist in Ordnung." "Schon gut, Kleines." "Deine Rechnungen dort sind noch offen, Viola. Und auch deine Wunden, die dir das Armenviertel geschlagen hat."
Sie sah den gebrochenen Blick der jungen alten Augen und schüttelte leicht den Kopf, strich ihr eine Strähne aus der Stirn. "Wieviel ist ein Menschenleben dort wert?"
"Sie sagen immer alle 'nichts'... von wegen."
"Dort ... nichts .... jeden Tag stirbt wer ... und man darf glücklich sein, wenn man es nicht selbst ist", lautete die matt gemurmelte Antwort.
Erneut ein sachtes Kopfschütteln.
"Es sollte so nicht sein - und wäre das die Wahrheit, wie könnte dich dann etwas quälen, was keinen Wert hat?
Die Antwort lautet anders - schlaf am besten eine Nacht darüber."
Mattes Nicken.
Still verließ Darna die Kammer.

"Soviel zu einem gemütlichen Abend in der Schloßküche... was soll's."

Die Nächte waren inzwischen bitterkalt. Auf den Wehrgängen des Kastells die üblichen Wachen. Schwere Schritte, die neben dem Zugang verharrten. Der Blick hinunter offenbarte in Schemen ein vertrautes Gesicht, mit kaum verwechselbaren Narben gezeichnet.
"Gardist Brandos - holt eine Ablösung und kommt dann mal mit."
Nur kurz währte das verwunderte Furchen der Stirn, bis der Armbrustschütze dem Befehl der Oberst nachkam. Was jetzt? In den letzten Wochen wurde sie zunehmend für seltsame Einsätze berüchtigt... Früher waren es nur die verdammten Spindkontrollen.
Arnwolf vom Osttor wunderte sich nicht weniger, als er auch noch mitgewunken wurde. Das Armenviertel. Was, bei allen Göttern, wollte sie um diese Stunde im Armenviertel?! Die beiden wechselten einen kaum deutbaren Blick miteinander und griffen ihre Waffen fester. Mit drei geschulterten Strohbündeln zündete Darna eine Laterne an und steuerte zielstrebig zum südlichen Bereich der schmalen Gassen, ehe der Blick deutlich suchen wurde. Doch immernoch schien sie grob zu wissen, wohin und was sie wollte.

Kaum jemand kreuzte ihren Weg - und die Ritterin wusste sehr gut, daß das nicht allein an der Uhrzeit und dem Wetter lag. Wer hier noch selber die Zeit eher wartend verbrachte, der machte einen Bogen um das Dreiergrüppchen.
"Früher hingen hier Steckbriefe von Aradan. Wieviele handvoll Münzen sind wohl auf deinen Kopf ausgesetzt? Zu verwechseln bist du ja kaum."
Ihr suchender Blick hielt inne, hatte sein Ziel gefunden.

"Isch hhhab doch garnüscht gemachd!", lallte der Betrunkene, als er plötzlich von zwei Händen zielstrebig am Kragen gepackt und gegen eine Wand gepresst wurde. Am Kopf der narbengesichtigen Frau vorbei glänzten hinter ihr zweimal die Rüstungen der Garde. Dreck, nicht mal in Ruhe seinen Rum konnte man bei dem scheiß Wetter trinken!
"Von dir will ich nichts", klang die knappe sachliche Stimme, die mit ihrer Strenge den alkoholumwölkten Geist dazu aufforderte, besser ein bißchen Aufmerksamkeit zusammenzukratzen.
Oha. Das klang an sich beruhigend, aber Ärger verheißend zugleich - Ärger für jemand anderen. Und Ärger wohl für ihn, wenn er dafür nicht behilflich war. Blinzelnd glitten die geröteten Augen kurz einschätzend die Gestalt hinab, die ihn am Wickel hatte... ein einfacher Mantel, aber hier zu überleben hieß, einige Dinge trotz Besoffenheit registrieren zu können - beispielsweise, ob jemand unter dem Mantel, wie in diesem Fall, schlecht verborgen ein Schwert trug. Und die 'Dame' schien sich auch nicht daran zu stören, daß an den Füßen im Schein der Laterne Rüstzeug aufblitzte... goldenes Rüstzeug. Ritter. Er sah ihr wieder in die verengten Augen.

Darna ließ ihm die nötigen Lidschläge Zeit, bis sie in seinem Gesicht den Gedanken "Oh Scheiße!" ablesen konnte, erst dann fragte sie, was sie wissen wollte:
"Wo find ich Mariella?"
Als der Mund nur fischartig zweimal auf und zu klappte, schwante ihr schon, daß selbst dieser trunkene Kerl das nur brauchte, um sich eine Lüge einfallen zu lassen. Schüttelnd rückte sie ihm nochmal den Kopf zurecht.
"Die Verrückte", fügte sie streng an, und noch eine Spur strikter: "Jeder kennt sie hier. Jeden Abend hockt sie an der gleichen Stelle. Also rede - wo?"
Er ließ die Schultern sacken. Sie nickte zufrieden, als sie gehört hatte, was sie hören wollte. "Temora mit Euch." Blinzelnd schaute er auf die paar Münzen in seiner Hand - und kehrte in die Spelunke zurück, aus der er gerade gekommen war.


Was soeben geschehen war, wusste Mariella hinterher wohl selber nicht mehr so recht zu sagen. Vielleicht hätte es schon was vom Tod gehabt, als sie sich so leicht fühlte, als würde sie emporgehoben, und wärmer war es geworden in der bitteren Kälte. Vielleicht hatte sie bei dem Rascheln erst gedacht, es wären die Ratten gewesen, um ihren steifgefrorenen Körper zu fressen, doch als sie die Augen aufschlug, fiel ihr Blick auf sauberes, trockenes Stroh, auf dem sie lag, sogar zwei heile Decken waren unter ihr ausgebreitet. Gerade ließen die Arme sie behutsam wieder los, die den dürren Leib mühelos hochgehoben hatten.
Weniges, doch in der dunklen Nacht satt scheinendes Licht verlieh der Gestalt, die neben ihr kniete, an einigen Stellen ein goldenes Glänzen. Die langen Haare verbargen teils das Gesicht, doch es hatte ein mildes, sanftes Lächeln.
Verwundert sah sie, wie zwei weitere wollene Decken über sie gelegt wurden und Tränen traten in die Augen der alten Frau. Stumm fragend sah sie zu der Fremden - wofür?
"Ihr habt... Eure Tochter nicht vergessen."
Es klang so warm, tröstend - und als solle es die Antwort sein.
Während der Blick Mariellas sich weiter vor Tränen verschleierte, nahm Darna die Laterne wieder an sich, der Lichtschein brach sich glänzend in den Augen der Fremden.
"Halte durch... ich weiß, du wirst die Decken wohl nicht behalten. Halte durch. Nicht viel, was ich dir geben kann - vielleicht ein bißchen Zeit, für dich, für Viola... ein bißchen Zeit für euch. Halte durch, wenn es Hoffnung sein darf, was ich geben kann."
Wohlige Wärme und ein Gefühl von Kraft, was Mariella durchströmte, bevor die Ritterin ganz verschwunden war, gefolgt von zwei Gardisten, die nicht mehr wagten, sich Fragen zu stellen.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Matt legte sie sich schlafen. Wieso jetzt wieder? Wieso brach alles wieder hervor? Fast ein ganzes Jahr hatte sie nicht mehr einen Gedanken daran verschwendet, es aus dem Sinn verloren und nicht mehr darüber nachgedacht. Erst war es eine harmlose Plauderei über diese seltsame Frau aus dem Armenviertel geworden, die Viola früher adoptieren wollte, doch es entwickelte sich mit der Zeit in eine andere Richtung; in eine die Sachen wieder in ihr wachrief, mit denen sie nicht mehr gerechnet hatte. Sie erzählte Darna Dinge von früher, erwähnte die Sucht, jenen Drang den Falk damals zerstört und ausgemerzt hatte, sie wollte eigentlich nicht weiterreden, aber irgendwas in ihr sprach, jedes einzelne verdammte Wort und sie wusste in welche Richtung ihre Worte sie lenken würden. Und dann fing ihr Körper an zu zittern, sie sprach nun vielmehr nicht mehr mit Darna als mit sich selbst. Vor ihrem geistigen Auge spielte sich alles wieder ab, jener eine qualvolle Moment, der Moment in dem sie einen Menschen getötet hatte.

Mittlerweile antwortete sie nur nochleise, sie nahm nichts mehr um sich herum war, ihre Stimme zitterte, wie ihr ganzer restlicher Körper; wieso jetzt wieder? Warum sagte sie all das? Darna … sie würde Viola hassen, sie hatte es ihr gegenüber immer verschwiegen um nicht verstoßen zu werden und nun tat sie genau das, was sie niemals machen wollte, was dachte sie sich eigentlich? Sie konnte nicht mehr, ihre Beine wurden schwerer, schienen einfach nicht mehr stehen zu wollen, sie musste sich mit den Händen aufstützen. Das Gesicht des Jungen vor den Augen, Falks Gesicht, jene eiskalten blauen Augen die sie anstarrten, der Abend in dem Bad, die Zeit danach, die schlaflosen Nächte, die Angst. Nie wieder wollte sie jemanden töten oder willentlich Leid zufügen; drohen, ja das war legitim aber sie würde nie wieder jemanden etwas tun. Das war der Grund gewesen weswegen sie in Berchgard niemanden wirklich getötet hatte, weswegen sie den Krieg fürchtete, weil der Tod sie genau hier wieder einzuholen schien. Sie spürte nur vage eine Hand an ihrer Schulter, es schien sich alles zu drehen, sie konnte nicht mehr; wieso nur jetzt wieder? Sie redete mit Darna, sie sprach mit ihr aber sie bekam nur die Hälfte davon wirklich mit, bis ihre Beine nachließen, sie würde fallen und dann würde sie nicht mehr aufstehen können.

Darna hatte sie aufgefangen, sie hochgehoben und runter getragen. Sie zitterte am ganzen Körper, sie schloss die Augen, wie sehr wünschte sie sich just in diesem Moment ein Messer um es sich durch die Brust zu stechen, aber es war keines da. Darna hatte sie zurückgelassen, sie lag alleine da und war eingeschlafen, doch der Schlaf hielt nicht an, er ließ ihr nicht die verdiente Ruhe. Sie war Abschaum. Oh wie sehr musste Darna sie nun verachten? Sie hatte einen Menschen getötet, und so sehr sie sich auch dafür hasste, so sehr sie sich zu jener Zeit selbst Leid zugefügt hatte, es kehrte immer wieder und ließ ihr keine Ruhe. Erst Fuchs war es damals gewesen, die Viola wieder aufgebaut hatte, als sie dem kleinen Mädchen das Leben gerettet hatte und sich um sie gekümmert hatte. Wieso strafte sie sich so sehr selbst? Sie bereute es, sie bereute es mehr als alles andere und es würde auf ewig ein Schatten in ihrem Herzen sein, der aus dieser Zeit war aber sie hatte auch Gutes getan, hatte Menschen geholfen. Sie zitterte immer noch leicht die ganze Nacht über, sie hatte Angst vor Darnas Reaktion. Was mochte sie nun über Viola denken? Erst der Streit mit ihr vor einigen Wochen und nun das? Würde sie irgendwann den Schritt gehen, den Viola so sehr fürchtete und sie gehen lassen, sie nicht mehr willkommen heißen? Sie wollte es ihr niemals erzählen, genau aus diesem Grund und je mehr sie darüber nachdachte, umso mehr Tränen zogen ihre Bahnen durch das Gesicht. Sie wollte nicht weg. Nicht weg von ihr. „Ich brauch dich doch …“
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Schnellen Schrittes bewegte sich eine Gestalt durch die Nebelwälder im nördlichen Teil Gerimors. Eingewickelt in einen wärmenden Mantel bewegte sie sich recht zielstrebig in eine Richtung. Sie schien zu wissen wohin sie wollte und ohne wirklich um sich zu schauen, bewegte sie sich weiter in Richtung der Küsten. Das Gelände wurde langsam etwas unebener, der Wald ließ nach und in der Ferne waren die felsigen Klippen erkenntlich, die hoch über dem Meer ragten. Man musste hier aufpassen wo man hintrat, denn wenn man nicht bedächtig vorantrat, konnte man schnell ausrutschen und eine schmerzhaften Überraschung erleben; Viola wusste wo sie ihre Füße hinzusetzen hatte. Sie kannte sich nicht sonderlich gut im Nebelwald und dessen umgebenden Landstriche aus, aber diesen Platz hatte sie seit einiger Zeit bereits entdeckt und seine Schönheit hatte sie fasziniert. In unregelmäßigen Abständen suchte sie die Klippen auf und genoss einfach nur den Anblick des brechenden Wassers, welches gegen die Felswände schlug und lauschte dem gewaltigen Rauschen der Wellen. Hier konnte sie wirklich für sich sein und abschalten, sie bezweifelte auch dass wirklich jemand anders von diesem Ort wusste, und so war es auch heute. Sie saß nahe an den Klippen und sah in die Ferne wo das Meer bis zum Horizont zu reichen schien. Oh wie sie diese Momente doch irgendwie genoss, aber ganz fernab von Gedanken war ihr Kopf nicht, denn schließlich war sie auch hierher gekommen um ein wenig zu reflektieren.

Und vielleicht war es auch nötig, die Gedanken und Gefühle zu ordnen, die sie erfüllten. Viel Besonderes war nicht geschehen in den letzten Tagen und das war auch gut so, sah man ab von dem Tod des Ritters Krenor und den damit entstandenen Schmerzen für Darna. Viola nahm einen kleinen Kiesel und warf ihn hinab in die brausenden Wellen. Eigentlich war es nicht fair was die Götter da für ein Spiel mit ihr trieben. Darna gab immer ihr Bestes um für andere da zu sein, sich um alles Gedanken und Sorgen zu machen und dann schlug ihr das Schicksal immer mit einer solchen Heftigkeit ins Gesicht, dass Viola sich fragte ob Darnas Göttin, Temora, ihr half oder sie eher schikanierte. Aber das wiederum war etwas, wovon sie nicht viel verstand; Götter, sie waren für Viola fast alle gleich, sie alle verursachten Streitereien und aus diesen Streitereien wurden meistens Kriege im Namen der Götter, was konnte da schon so tolles an ihnen sein? Aber sie schweifte wieder auf einen Gedankengang ab, der schier leer war. Vielmehr blieb ihr Gedanke nun wieder bei Darna. Viola hatte die letzten Tage alles versucht um der Ritterin zur Hand zu gehen, sie etwas aufzumuntern und ihr zu zeigen, dass sie ihr beistand wenn sie sie brauchen würde, aber irgendwie kam es ihr so vor als ob es nicht viel half. Aber was erwartete sie eigentlich? Sie war eine junge 16 Jährige und sie konnte keine Wunder vollbringen und sie konnte genauso wenig Schmerzen und anderes verschwinden lassen, die in anderen Menschen wüteten. Sie würde ihr Bestes geben und Darna beiseite stehen, ihr helfen wo es ging und immer an ihrer Seite sein, wenn sie sie brauchte, denn das war sie ihr schuldig. Kurz kam die Frage nach dem „wieso?“ auf, doch die Antwort war doch simpel genug. Darna war mit der Zeit zu viel mehr als einer Freundin oder Mentorin geworden, schwer zu beschreiben doch war sie etwas Nahes, etwas Herzliches.

Dann sah sie wieder in die Ferne. Irgendwo in dieser Ferne fand sich eine riesige Insel namens Lameriast und jener Name brachte ein Seufzer über ihre Lippen. Zwei Dinge waren dort, die ihr schwer auf den Schultern und auf dem Herzen lagen. Der erste Punkt war der Clan. Einst hatte sie den Clan der Hinrah als Familie bezeichnet, als Rückzugsstätte wenn irgendetwas war, doch mittlerweile war viel Zeit vergangen. Vom Clan hatte sie wenig gehört, einige spontane Besuche waren damals glücklos verlaufen und die Zugehörigkeit zu den Tiefländern schrumpfte immer mehr. Sie hatte keinen Bezug mehr zu ihnen; wie lange hatte sie nichts mehr von Leif und Freia gehört? Jene, die sie einst Eltern genannt hatte? Diese Bezeichnung war verblasst und verschwamm immer mehr. Natürlich liebte sie beide immer noch sehr, doch es war nicht mehr so wie einst und die Zeit schien dies alles auch nicht heilen zu wollen. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr hatte sie es gemerkt, sie würde nie wieder dort verweilen. Ihr Leben, ihre Heimat, all das war mittlerweile in Varuna, dort wo ihre Wurzeln lagen. Sie war zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und doch, sie büßte keine Sekunde die sie unter den Tiefländern gelebt hatte ein, denn von ihnen hatte sie Dinge gelernt und vermittelt bekommen, die sie in Varuna niemals gelehrt bekommen würde und selbst heute nutzte sie diese.

Der zweite Punkt hatte den Namen Tajara und hatte die Eigenschaft der Liebe und dies war der Punkt, der ihr im Herzen weh tat. Wie lange hatten sie sich nicht gesehen? Ihr Gesicht verzog sich zu einer schmerzhaften Miene. Sie hatte sich das alles anders vorgestellt, dass die beiden sich jeden Tag sehen würden, viel Zeit miteinander verbringen würden und ewig zusammenbleiben würden und niemals auch nur ein Zweifel aufkommen würde. Doch die Realität sah anders aus, das durfte sie nun spüren. Viola lebte in Varuna; sie hatte ihr Leben hier und auch ihre Pflichten, wenn auch nicht viele doch reichten sie aus, dass sie nicht einfach so für einen längeren Zeitraum einfach verschwinden konnte. Tajara lebte auf Lameriast und auch sie hatte ihre Pflichten und Aufgaben in der Gemeinschaft der Gefährtinnen. Beides zusammen ergab die Tatsache dass ihre Treffen immer recht sporadisch und kurz geworden waren in der letzten Zeit. Dazu kam der Krieg gegen Rahal in dessen Zeitraum es Viola nicht möglich war die Stadt zu verlassen oder überhaupt eine Nachricht zu schicken. Seit der Wandlung war alles irgendwie anders; auch ihre Gefühle? Sie liebte Tajara, doch sie hatte auch immer den Schmerz in ihren Augen erkennen können, wenn Viola sich verabschiedete und das eigene Drücken des Herzen war nicht schön. Wie sollte es nun weitergehen? Würde es weitergehen? Sie wusste die Antwort nicht, sie wusste nur sie würde mit Tajara reden müssen.

Sie blickte die Klippen hinab, hinab in das brausende Wasser. Oh wie einfach wäre es doch manchmal sich einfach fallen zu lassen und dann alle Sorgen zu vergessen. Der Gedankengang verschwand jedoch so schnell wie er gekommen war. Sie hing zu sehr an den schönen Dingen in ihrem Leben, zu sehr an den Momenten in denen sie, wie jetzt, da saß und das Schauspiel der Natur mit einem Lächeln verfolgte und jene Momente wie jetzt, in denen sie die Augen schloss und sich entspannte.

Sorgen und Ängste gehörten zum Leben , wie auch Glück und Fröhlichkeit. Und ohne das jeweils andere, wäre das Leben doch zur Einseitigkeit verdammt
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Schnelle Schritte hallten durch die Gänge des Schlosses, zwei Wachmänner traten zur Seite als das junge Mädchen an ihnen vorbeieilte, direkt in Richtung der Quartiere. Es war nichts ungewohntes dass die Ansässigen Wächter Viola in den letzten zwei Tagen öfters mal stumm ins Schloss rennen sahen, man wunderte sich zwar immer noch, aber fragen wollte man auch nicht; ein halbes Kind eben noch, was sollte man da schon erwarten.

Der Vorhang ihrer Kammer wurde beiseite gezogen und sie sah sich um. „Darna?“ Es war mehr ein leises, hoffnungsvolles Wispern, doch wie erwartet kam keine Antwort. Viola ließ die Schultern hängen, sie war immer noch nicht zurück. Der trübe Blick richtete sich nun wieder auf das eigene Bett, die Armbrust die an diesem lehnte und schon seit Ewigkeiten keinen Einsatz gefunden hatte, die letzten Wochen war ihr einfach nie danach gewesen auf die Jagd zu gehen. Sie spielte sich ein wenig am verdreckten Haar herum, sie war auch nicht wirklich groß dazu gekommen sich zu waschen, ihr Gesicht war teils mit Dreck versehrt und ihre Stiefel waren über und über mit getrockneten Schlamm versehen. Mittlerweile hatte sie es aufgegeben, nach Darna zu suchen, schon alleine weil dieses Unterfangen wohl sinnlos war. Die letzten vier Tage war sie durch das Land gewandert, hatte sogar Lameriast teilweise angefangen abzusuchen aber nichts; keine Spur von der Ritterin. Sie hatte im Schloss nicht nachgefragt ob man wisse wo sie sei; wieso auch? Wenn Darna irgendwohin gehen würde, dann würde sie Viola das sicher irgendwie wissen lassen; doch umso größer war die Schmach als sie heute Morgen einer Wache gemeldet hatte dass Lady von Elbenau fehlte. Kommentiert wurde dies von einem trockenen Gelache, und der Erklärung, dass Lady Elbenaus verschwinden bekannt sei, es aber angekündigt sei. In diesem Moment verspürte Viola nichts sehnlicher, als im Boden versinken zu dürfen; aber eine gewisse Erleichterung war auch da. Das einzige dumme war, dass sie nun keine Zeit mehr damit verbrachte nach Darna zu suchen, sondern im Schloss saß und den Vorhang anstarrte und die letzten Geschehnisse reflektierte.

Eines dieser Ereignisse war garvierender und schwerwiegender, ein Opfer für die Liebe. Sie hatte Leif und Falk getroffen, beide getrennt, und beiden hatte sie es gesagt. Sie hatte ihnen gesagt dass sie eine Frau liebte, dass es alles andere als normal sei aber sie glücklich wäre. Beide hatten sie unterschiedlich reagiert: Während Leif zwar innerlich zu explodieren schien und Viola mehrmals fragte wieso und warum, war er am Ende doch bereit jenes Geheimnis schweigend an sich zu nehmen und freute sich sogar für das Glück von ihr. Anders Falk. Er hatte zwar Verständnis dafür dass sie glücklich war, doch nannte er die Liebe zu Tajara eine Krankheit Alatars und das Gespräch endete so, wie Viola es erwartet hatte. Falk verstieß sie aus dem Clan, aus der Familie. Sie war kein Mitglied mehr von jenen Menschen, die sie damals aus dem Elend geholt hatten. Er war gegangen, er hatte Viola eine Warnung hinterlassen und jene drückte ihr noch übler auf, als es der Verstoß schon tat. Im Nachhinein hatte sie darüber nachgedacht, ob sie es hätte verschweigen sollen, es nie erwähnen und jedesmal lügen sollen. Doch das wollte sie nicht. Sie kannte das Leben zu gut, als dass sie gehofft hätte, es wäre nie an das Tageslicht gekommen und nun trug sie die Konsequenzen für ihre Gefühle.

Nun starrte sie den Vorhang an und in ihr tobten die unterschiedlichsten Dinge. Trauer; über den verstoß, den Verlust von Menschen und ihrer Nähe die sie immer mochte. Unverständnis; dass man sie verstoßen hatte für die Tatsache, dass sie nach drei gescheiterten Beziehungen endlich glücklich war. Hass; ein blinder, innerer Hass auf all jene, die sie verurteilten für Gefühle, die sie nicht einfach abstellen konnte, für Emotionen die da waren, ganz gleich ob bei einem Mann oder einer Frau. Und dann war da noch das Verlangen Darna bei sich zu haben um sich in ihre Arme zu werfen und einfach nur zu weinen, ihre Nähe zu fühlen und vielleicht auch ihre tröstenden, aber manchmal auch altklugen, Worte zu vernehmen. All das erfüllte sie jetzt gerade und da Darna nicht zugegen war, kamen die Tränen von alleine.
Manchmal konnte das Leben grausam und ungerecht sein.
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