Anfangs war es ihr schwer gefallen, sich im Clansleben zurecht zu finden. Sie vermisste ihren Dah
und war diesen ganzen Troubel nicht gewohnt. So viele Menschen, nur selten war man allein für sich. Doch mit der Zeit wurde es immer besser. Wahrscheinlich lag es auch an Almarr ihrer großen Liebe, dass sie sich immer besser zurecht fand.
Es verging eine Zeit, in der sie beim Bau der Festung half, sich um den Clan kümmerte und sich herausstellte, dass sie den Diplomatenposten gut ausführen würde. Sie war sehr stolz, das ihr Jarl ihr so vertraute und sie oft um ihren Rat fragte. Almarr und Sefa hatten mittlerweile auch schon den zweiten Segen bekommen. Sie genoss die Zeit mit ihm sehr. Kaum noch schwelgte sie in traurigen Erinnerungen, sie lebte im hier und jetzt. Sie hatte auch wenig Zeit um groß nachzudenken. Der Clan wollte versorgt werden, das tägliche üben mit der Axt, der Diplomatenposten und nicht zu vergessen die Zeit mit ihrem Liebsten. All das führte dazu, das sie sich wohl fühlte. Nie hatte sie gedacht, dass sich das je ändern könnte.
Immer öfter kam nun dieses seltsame Gefühl. Sie kannte es, sie hatte es damals schon einmal gehabt. Damals, als sie ihren Dah verlassen hatte um sich auf die Suche nach dem Clan zu machen, hatte sie es schon einmal gehabt. Doch warum jetzt wieder? Sie war doch glücklich. Was hatte das bloß zu bedeuten?
Nacht für Nacht, während sie eng an ihren Liebsten geschmiegt da lag, grübelte sie. Versuchte sie es einzuordnen, dem Gefühl auf den Grund zu gehen. Sie mochte nicht darüber reden, wollte sich erst sicher sein was es zu bedeuten hatte.
Es war ein Tag wie jeder andere, sie war gut gelaunt und scherzte mit ihrem Jarl und Finna über die einzelnen Wölfe. Sie sprachen über Aktivitäten, die sie gemeinsam mit dem Clan unternehmen könnten. Einen Jahrmarkt, mit einem Jarl den man mit etwas Geschick ins Wasser fallen lassen könnte. Einem Bjoern als Tanzbären, einen Ragnar als Boxer, den man herausfordern konnte, eine Finna die leichtfüßig über ein Seil spatzierte und einer Sefa samt ihres Liebsten, die Küsschen verteilten. Gemeinsame Aktionen die den Zusammenhalt des Clanes fördern sollten. Und plötzlich war es wieder da, dieses Gefühl, das an ihr zerrte. Und zum ersten mal sprach sie darüber. „Falk, würde sich viel ändern wenn ich gehen würde?“ fragte sie unsicher. Falk und Finna schauten sie nur ratlos an. Sefa versuchte zu erklären was sie meinte. Mühsam nur gelang es ihr, die Gedanken zu ordnen und in Worte zu fassen. „Naja, der Clan wächst stetig und der Platzt ist nur begrenzt. Was ist wenn ich gehen würde um einen weiteren Clan zu gründen? Wäre ich hier noch willkommen? Und bliebe dann alles beim Alten?“ Falk brauchte einen Moment um es sacken zu lassen. „Nun ich würde meine Diplomatin sehr vermissen.“ sprach er ruhig und streichelte ihr den Rücken. „Doch du würdest hier immer willkommen sein, dies wird immer deine Familie bleiben.“ Auch Finna fand nun ihre Sprache wieder, „Geh nicht, dann würde sich auch nichts ändern.“ Einen Moment musste Sefa schmunzeln, dann versuchte sie ihr zu erklären, was sie bewegte. Erklärte ihr, dass sie das Gefühl habe, sie müsse es tun, als sei es ihre Bestimmung. Sie sprach von ihrem Zwiespalt, dass sie den Clan im Grunde nicht verlassen wollte, sie aber diese Prüfung nicht einfach so ausschlagen konnte. Ihr Jarl nickte bedächtig und riet ihr ruhig, sich an ihren Gefühlen zu orientieren.
Dringend musste sie mit Almarr sprechen, denn alleine würde es sowieso keinen Sinn haben. Ein Weib könnte nie einen Clan führen, sie brauchte einen Jarl. Ob Almarr ihr zur Seite stehen würde, so wie er es ihr immer wieder versprochen hatte? Sie hoffte inständig, dass er diese Prüfung mit ihr bestreiten würde. Sefa wollte ihm so schnell wie möglich, ihre Gefühle offenbaren.
Ihr Kopf schwirrte, sie wollte nicht weg, sie fühlte sich wohl. Doch sie konnte diese Gedanken nicht einfach ignorieren.
Zwei Clans, eine Familie