"Wie lange noch bis Menek'Ur?" fragte Vyra den Kapitän.
"Wir brauchen etwas länger, du weisst doch, es ist ein Umweg, wir müssen noch etwas bergen"
"Rum?" Vyra grinste in das wettergeprüfte Gesicht Kapitän Langbarts.
Langbart lächelte und hob die Augenbrauen.
"Aye"
Der Blick des Kapitäns fiel auf einen Schiffsjungen, der gerade versuchte ein Segel auszurichten. "Nicht doch! Nicht dort ziehen!"
Verärgert und schimpfend rannte der alte Kapitän am Deck entlang.
Vyra blickte ihm nach, dann besann sie sich. Wenn sie so lange unterwegs waren, könnte sie zumindest ihre Arbeit fortsetzen.
Sie begab sich zurück in ihre Kajüte, setzte sich an den kleinen Tisch und betrachtete die kleinen Phiolen am Tisch, vor der auch ein Handschuh lag, sowie ein Sack mit einem noch leicht nach Säure riechendem Inhalt.
Ihre Hände öffneten den Sack und zu Tage kam ein Stück zerkautes Fleisch, welches etwas anverdaut zu sein schien, jedoch vorzeitig wieder ans Tageslicht befördert wurde.
Etwa fünf Brocken solches Fleisches lagen vor ihr, und sie nahm eine der Phiolen und blickte dann in ein Buch, welches neben den ganzen Sachen lag.
Murmelnd las sie die Zeilen. dann schüttete sie ungeschickt etwas von der Phiole über ein stück Fleisch, nahm das Pergament welches sie vorhin vorbereitet hatte und tauchte es in das Fleisch-Kotz-Phioleninhaltgemisch, um es dann zu anderen Pergamentstücken zu legen, auf denen kleine Zeichen mit Kohle gekritzelt waren.
Der Gedanke des Vorganges ekelte sie an und kurz musste sie sich recken. Es war nicht alltäglich in dem gerade Gegessenen von Lamprecht herumzustochern.
Das Schiff machte einen Schwenk und die Phiole kippte um. Die Flüssigkeit tränkte ihre Handschuhe und Vyra musste kurz fluchen. Hatte sie doch das andere paar Handschuhe noch nicht sauber gemacht, die sie extra anzog um die Fleischstücke vom kalten Boden Lameriasts zu kratzen, jetzt auch dieses Paar, welches sie davor getragen hatte.
Ohne nachzudenken nahm sie das restliche Blatt Pergament und wischte die Flüssigkeit vom Handschuh, und legte sie schnell woanders hin.
Hoffentlich war das Mittel nicht etwas, was Ausschläge verursacht.
Die Phiole war leer. Verdammt. Nun, man würde bestimmt wieder sowas auftreiben können. Wie hieß es nochmal?
Sie blickte ins Buch und versuchte den Namen des Mittels zu merken, als ihr Blick auf das Pergamentstückchen von vorhin fiel.
Es hatte sich leicht blau gefärbt.
Sie blickte erneut ins Buch: leicht blau mag hervorgerufen werden durch eventuellen Tabak- oder Nachtschattenkonsum oder bestimmte Pilze, schließt aber eine direkte Vergiftung der Trägermittel aus.
Verdammt.
Das Fleisch, also das Trägermittel, schien einfach nichts zu haben.
Hätte sie damals das andere große frische Stück bloss nicht in die Ecke der Taverne von Bajard geworfen.
Etwas erbost drehte sie sich auf ihrem Stuhl und ihr Blick streifte nur kurz das violette Pergament, welches neben ihr am Boden lag. Vor ihr bauten sich bereits die Pläne im Geist auf, was sie machen würde wenn sie wieder in Menek sein würde, als ihr Blick und ihre Gedanken kurz von einem Wort ergriffen wurden: Violett.
Das Pergamentblatt am Boden war tief violett.
Sie wendete den Kopf und sah auf die Beschreibung: violett.
hohe Konzentration an Nachtschatten, Pilzen, Tabak oder Kürbis im Trägermittel.
Dann erinnerte sie sich an die Flüssigkeit, welche in Bajard unter Scherben gelegen hatte, die Maske, die damit getränkt gewesen war, und das Rätsel, welches dies Ortus und ihr aufgetragen hatte: was war passiert?
Lamprechts Pupillen waren klein, nicht groß, er hatte nur ein Bierglas vor sich und seine - der Gedanke daran wie er sich in Lameriast übergab liess sie wieder recken - Reste an Erbrochenen stanken absolut nicht genug nach Alkohol oder Schnaps.
Sein Kopf war unversehrt gewesen, also war das nun...
bingo...
die Flüssigkeit die am Tisch war, war also vergiftet.
Vyra wirbelte im kleinen Raum umher und suchte nach Tinte und Pergament. Wenn sie in Menek ankam, würde sie Langbart sofort ein Schreiben an Eisenwart mitgeben. Hoffentlich war das Gift nicht lebensbedrohlich, welches Lamprecht verabreicht wurde.
Zugleich dachte sie an die beiden jungen Kinder und ihr Mundwinkel hob sich zu einem Grinsen. Die waren geschickt. Sie müsste die beiden mal aufklauben.
Sowas konnte man immer gut gebrauchen.
Bevor jemand, wie zum Beispiel Theradil, die beiden aufklauben würde und ihre Fähigkeiten für das falsche einsetzen würde...
Als das Schreiben fertig verfasst war, blickte sie in Gedanken vor sich hin. Es wäre wohl weise sich vor dem Auftrag in Menek wieder hinzulegen, und etwas zu schlafen. Wenn die Menekaner etwas gegen die Gefährtinnen planen würden... egal, ihr Auftrag war eine Sache, das Leben eines Menschen eine andere. Und das Schreiben müsse so schnell wie möglich wieder nach Lameriast, ohne sie damit in Verbindung zu bringen. Nichts wäre tödlicher, als wenn die Bananenfresser rausfänden, dass sie einem Eisenwartler gerade helfen wollte...
Deshalb unterzeichnete sie mit der Unterschrift:
gezeichnet, Karl.
Lamprecht würde den Wink verstehen.
Akte Karl - und die Mandeln
- Lamprecht
- Beiträge: 2
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Der Pechvogel
Lamprecht lag betäubt in seinem Bett im Mannschaftsquartier der Burg Eisenwart. Bleierner Schlaf lastete auf ihm - kein Schlaf eigentlich, sondern tiefe Bewußtlosigkeit. So schwer, daß sein Atem nur flach ging und kein Träum in seine Sinne vorzudringen vermochte. Sein Antlitz blaß, nicht nur vom schalen Schein der Fackeln an der Wand - nur wenig Blut rann durch die Haut seines Gesichts.
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Ein langer Tag wars gewesen, und ein einträglicher..
Dreitausend Taler hatte Lamprecht in Kämpfen gegen eine Gruppe von Riesen erbeuten können. So wars kein Wunder, daß er nun den Abend in der Schenke genoß und ihn für heute nichts mehr von dort wegbewegen konnte.
Auch als sich die Gesellschaft langsam auflöste und nur noch die beiden Halbwüchsigen ihm Gesellschaft leisteten, die um diese Zeit in einem Wirtshaus eigentlich nichts zu suchen gehabt hätten. Doch was kümmerte es ihn. Er saß bei seiner Flasche Bier und das reichte ihm für den Moment. Bei belangloser Unterhaltung verstrich eine Stunde um die Andere. Saufen wollte der Soldat heut nichts mehr, so wies er die Schnapsflasche zurück, die ihm das junge Ding ihm gegenüber zuschanzen wollte. Aber es dürstete ihn dennoch, drum hieß er den Jungen Burschen, ihrem Zwillingsbruder, einen Krug Wasser holen.
So ganz verschieden waren die beiden Geschwister voneinander. Er zurückhaltend, gar schüchtern, und sie, sie wußte die Reize ihres sechzehn Winter jungen Körpers einzusetzen, oder war zumindest darum bemüht.
Das Wasser kühlte seine Kehle. Ein Glas geleert. Der scheidende Tag lag ihm in den Knochen und die Nacht forderte ihre Ruhe.. oder war es denn die Nacht? Lamprechts Blick lag wie hinter einem Schleier, die Bilder vor seinen Augen zogen sich bei jeder Bewegung wie durch zähflüssiges Öl. Etwas durchströmte seinen Körper, das ihn träge machte, doch konnte der Soldat dies bereits nicht mehr unterscheiden. Sein nächster Griff zum Wasserkrug warf den Kienspan um und zerschlug damit das gläserne Gefäß. Alles ergoß sich über den Tisch.
Davon, daß er dann noch nach etwas zu essen suchte, da auf einmal ein Heißhunger in seinem Magen brannte, würde er am nächsten Tag schon nichts mehr wissen. Seine Sinne schwanden mehr und mehr..
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Die Nacht verstrich, und langsam graute der Morgen. Wie war er hier hergekommen, zurück in die Burg? Eine offene Frage, doch gab es bedeutendere. Was hatte seinen Körper vergiftet, und was würde es noch mit ihm anstellen?
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Ein langer Tag wars gewesen, und ein einträglicher..
Dreitausend Taler hatte Lamprecht in Kämpfen gegen eine Gruppe von Riesen erbeuten können. So wars kein Wunder, daß er nun den Abend in der Schenke genoß und ihn für heute nichts mehr von dort wegbewegen konnte.
Auch als sich die Gesellschaft langsam auflöste und nur noch die beiden Halbwüchsigen ihm Gesellschaft leisteten, die um diese Zeit in einem Wirtshaus eigentlich nichts zu suchen gehabt hätten. Doch was kümmerte es ihn. Er saß bei seiner Flasche Bier und das reichte ihm für den Moment. Bei belangloser Unterhaltung verstrich eine Stunde um die Andere. Saufen wollte der Soldat heut nichts mehr, so wies er die Schnapsflasche zurück, die ihm das junge Ding ihm gegenüber zuschanzen wollte. Aber es dürstete ihn dennoch, drum hieß er den Jungen Burschen, ihrem Zwillingsbruder, einen Krug Wasser holen.
So ganz verschieden waren die beiden Geschwister voneinander. Er zurückhaltend, gar schüchtern, und sie, sie wußte die Reize ihres sechzehn Winter jungen Körpers einzusetzen, oder war zumindest darum bemüht.
Das Wasser kühlte seine Kehle. Ein Glas geleert. Der scheidende Tag lag ihm in den Knochen und die Nacht forderte ihre Ruhe.. oder war es denn die Nacht? Lamprechts Blick lag wie hinter einem Schleier, die Bilder vor seinen Augen zogen sich bei jeder Bewegung wie durch zähflüssiges Öl. Etwas durchströmte seinen Körper, das ihn träge machte, doch konnte der Soldat dies bereits nicht mehr unterscheiden. Sein nächster Griff zum Wasserkrug warf den Kienspan um und zerschlug damit das gläserne Gefäß. Alles ergoß sich über den Tisch.
Davon, daß er dann noch nach etwas zu essen suchte, da auf einmal ein Heißhunger in seinem Magen brannte, würde er am nächsten Tag schon nichts mehr wissen. Seine Sinne schwanden mehr und mehr..
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Die Nacht verstrich, und langsam graute der Morgen. Wie war er hier hergekommen, zurück in die Burg? Eine offene Frage, doch gab es bedeutendere. Was hatte seinen Körper vergiftet, und was würde es noch mit ihm anstellen?