Dem All-Einen zum Gruß Euer und Eure Heiligkeit,
bezugnehmend auf Eure Ausschreibung für das Amt des Diplomaten, möchte ich mich hiermit auf eben jenes Amt bewerben. Ich erlaube mir, Euch nicht schlicht mit einer Auflistung von Fähigkeiten und Qualitäten, die ich angeblich besitze, zu langweilen. Stattdessen erzähle ich Euch gerne in Kürze, wie mein bisheriges Leben und meine aktuelle Lebenssituation dafürsprechen, dass ich der ehrbaren Verantwortung des Diplomatenamtes gewachsen wäre.
Während meiner 38 Jahre im fahrenden Volk habe ich die meiste Zeit als Wanderbarde meinen Lebensunterhalt damit verdient, die Aufmerksamkeit von Menschen zu gewinnen, ihnen zuzuhören, sie zu verstehen und die Stimmung in Räumen zu wandeln.
Darüber hinaus haben mich das Großziehen meiner Tochter sowie das Leben mit Menschen unterschiedlichster Herkunft Geduld und Streitschlichtungsfähigkeiten gelehrt.
Wie damals schon, bewege ich mich auch heute noch zwischen diversen Gruppen von Leuten hin und her, genieße das Knüpfen neuer Kontakte und würde mich durchaus als neugierig in Bezug auf andere Weltanschauungen bezeichnen. So hatte ich zum Beispiel bereits sehr interessante Gespräche mit Vertretern des Arkorither-Ordens, der Letharen und der Rabendienerschaft. In der Vergangenheit habe ich auch vereinzelte Kontakte in Bajard und auf K’awi geknüpft. Beides hat zuletzt jedoch aufgrund meines wachsenden Engagements im Reich etwas nachgelassen.
Ich lebe Zeit meines Lebens im Alatarischen Reich (gebürtig aus Shevanor) und wurde im Glauben an den All-Einen erzogen. Seit bald zwanzig Jahren ist mein Glaube zu einem umso wichtigeren Bestandteil meines Lebens geworden, denn es waren Seine Lehren, die mir damals die Kraft gaben, nach dem frühen und plötzlichen Tod meiner Frau weiterzumachen.
Meine dadurch erlernte Fähigkeit, selbst unter (emotionalem) Druck Ruhe zu bewahren und weiter zu funktionieren, verleiht meinen Leistungen in der Garde und Tempelwache eine gewisse Abrufbarkeit und somit Verlässlichkeit für meine Vorgesetzten.
Dass Hauptmann Dhara mir beispielsweise zutraute, die Garde bei der Kapitelsitzung im Eisbruch dieses Jahres zu vertreten, werte ich als Vertrauen meiner Vorgesetzten in meine Fähigkeit, selbst in ungewohnten Situationen angemessen aufzutreten und die Garde würdig zu vertreten.
Ebenso dürfte für mich sprechen, dass man mir zutraute, mich im Rahmen einer Gefangenenbefragung, welche auf die Bekehrung des Gefangenen ausgerichtet war, mit den ketzerischen Glaubenslehren auseinanderzusetzen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, wem ich diene und was meine Aufgabe ist.
In der Hoffnung, dem Herrn, Euch und dem Reich zukünftig noch mehr dienen zu dürfen, verbleibe ich hochachtungsvoll.

