[MMT] Die Alatarische Handwerkszunft

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Mychael Dalvon
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[MMT] Die Alatarische Handwerkszunft

Beitrag von Mychael Dalvon »

Der Anstoß:

Es war sicher kein ehrenhafter Kampf gewesen und auch kein Training. Aber beide hatten nach dem Streit gewusst, dass dieser zu lange geschwelt hatte und irgendwann einfach explodieren würde.
Die beiden Männer saßen schließlich Rücken an der kalten Steinwand, die Knie angewinkelt. Blut an Mychaels Lippe, ein dunkler Fleck an Alecs Augenbraue. Keiner von beiden sah den anderen an.
Nur das schwere Atmen. Alec war es, der zuerst sprach.
„Du kannst das nicht ewig so weitermachen.“
Mychael schnaubte leise, spuckte Blut zur Seite. „Was genau?“
Alec drehte den Kopf ein wenig, musterte ihn aus dem Augenwinkel.
„Alles. Dieses… Treibenlassen. Arbeiten, schlafen, trinken. Wieder von vorn.“
Er fuhr sich mit der Hand über seinem Arm. „Wir sind beide nicht mehr die Kerle von früher, Mychael. Du kannst nicht zurück. Seh’s endlich ein.“

Stille.

„Du brauchst eine Aufgabe“, fuhr Alec fort, ruhiger jetzt. „Eine, die dich fordert. Die dich bindet. Und…“
Er zögerte kurz.
„…etwas, das bleibt.“
Mychael lachte leise, trocken.
„Und was soll das sein? Ein Haus? Eine Frau? Ein schöner Tod?“
Alec schüttelte den Kopf.
„Etwas Richtiges.“
Das Wort hing zwischen ihnen.
Schwerer als jeder Schlag.



Die Erkenntnis:

Später saß Mychael allein in seinem Atelier. Nicht betrunken. Nicht schlafend. Nur da.
Das Feuer in der Esse war längst heruntergebrannt, nur ein matter Schimmer glomm noch zwischen Ruß und Asche. Der Geruch von Metall, Öl und kaltem Stein hing in der Luft, vertraut wie ein alter Mantel. Seine Werkzeuge lagen dort, wo er sie immer liegen ließ.
Ordnung, geschaffen aus Gewohnheit, nicht aus Absicht.
Durch die großen Atelierfenster schien der beinahe volle Mond in den Raum
Die Stadt lag still unter ihm, beinahe friedlich. Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund, Holz knackte im Gebälk eines Nachbarhauses. Schritte hallten kurz durch eine Gasse und verklangen. Diese Stille war keine bedrohliche. Sie war...ruhig. Für seinen Geschmack zu ruhig.
Seine Finger spielten mit einer Münze, ließen sie über die Knöchel tanzen, fingen sie wieder auf. Immer und immer wieder. Ohne Ziel.
Eine Aufgabe, hatte Alec gesagt.
Mychaels Blick wanderte durch den Raum. Über halbfertige Arbeiten. Über sein Reich hier und die Gedanken glitten weiter. Zu Dingen, die er geschaffen hat. Für seine Kunden, für Freunde, Familie, Fremde – für den Palast, für die Alkas, für den Glauben. Werke, die Bestand hatten. Dinge, die bleiben, auch wenn ihre Träger weiter zogen.

Er hatte hier etwas erreicht, das konnte er nicht leugnen. Der Titel, den er trug, war ihm nicht wichtig. Titel waren Schall und Rauch. Viel mehr interessiert hatte ihn die Reaktion der Alkas, das Regen in Amaras Gesicht, der Moment, als ihm Kyrian das Glas mit Whisky reichte. DAS waren die Momente, die für ihn zählten.

Rahal war zu seiner Heimat geworden. So wie Düstersee auch. Zwei Städte, rau und eigenwillig, die ihm unter die Haut gegangen waren, ohne dass er es je geplant hätte. Orte, an denen er nicht nur arbeitete, sondern ankam.
Er dachte an die Worte anderer. An das leise Zögern in den Stimmen der Handwerker. An Zweifel, die man nicht laut aussprach. An Lehrstätten, die leer standen. An Werkstätten, in denen die Feuer nur noch selten brannten.
Die Gassen waren still. Nicht verlassen. Aber wartend.
Diese kaum greifbare Ruhe war kein Frieden. Sie war ein Zeichen. Dafür, dass Rahal und Düstersee nicht das waren, was sie hätten sein können. Noch nicht. Vielleicht nie – wenn niemand den ersten Schritt tat.
Mychael schloss kurz die Augen. Zum ersten Mal seit Langem stellte er sich eine unbequeme Frage.
Was, wenn Alec recht hatte?




Der Impuls:

Am nächsten Abend war die Werkstatt hell erleuchtet.
Die Esse brannte, Funken tanzten in der Luft. Und zwischen Amboss und Werkbank stand ein Mann, der dort eigentlich nicht hingehörte.
Ferdinand Drago.
Der Schneider hatte seine Stoffballen nach oben gebracht und sorgfältig auf einer Kiste ausgebreitet, die Ärmel hochgekrempelt, eine Nadel zwischen den Lippen. Er wirkte fehl am Platz – und gleichzeitig überraschend richtig.
Seltsamer Kauz.
Aber es war wie bei Alec, nur ein Blick, nur wenige Worte und sofort wusste er, dass das klappen würde.
Er würde ihn vermutlich in den Wahnsinn treiben, aber er war die Chance, die sich wie aus dem Nichts angeboten hatte.
Mychael beobachtete ihn eine Weile schweigend.
Stoff neben Stahl. Faden neben Hammer.
"Hach, allein ists doch auch langweilig, nich'?", meinte Ferdinand irgendwann beiläufig, ohne aufzusehen und man hörte das Lachen beinahe in seiner Stimme. „Schneider brauchen Schmiede. Schmiede brauchen Schreiner. Und irgendwann… braucht jeder jemanden.“
Der Satz blieb.




Der Entschluss:

Jadia hatte die Taverne geöffnet und er war da. Mehr oder weniger zumindest. Sie schaffte das ziemlich gut, auch ohne ihn, das wusste er. Dennoch war er da, um zu unterstützen.
Es war einer dieser Abende, an denen niemand geplant hatte, lange zu bleiben.
Und genau deshalb waren plötzlich so viele da.
Erst am Tresen, dann am Tisch. Bekannte Gesichter und Fremde.
Stimmen, Lachen, neue Namen, die an einem Tisch zusammen saßen.

Mychael saß mittendrin, ein Glas Whisky vor sich und beobachtete, hörte für einen Augenblick mehr zu, als dass er sprach.
Und dann, ganz plötzlich, sah er es.
Nicht als fertige Idee.
Mehr als Gefühl.

„Also wenn wir so weiter machen…“
Mychael sagte es erst wie einen Scherz, halb ins Glas hinein, halb an niemanden direkt. Der Glimmstängel zwischen zwei Fingern, die Schultern locker, der Blick irgendwo zwischen Ferdinand und der neuen Schneiderin hängen geblieben, als hätte die Stadt ihm gerade ein Zeichen zugeworfen.
„…können wir gleich heut ’ne Zunft der Handwerker bilden.“
Ein paar Lacher. Ein Schnauben. Ein Klirren von Krügen. Jemand hustete sich am Rauch fast die Seele aus dem Leib und die Polka von der Bühne ratterte im Hintergrund wie ein Herzschlag.
Ferdinand grinste breit, als hätte er nur darauf gewartet.
„Haha! Konkurrenz! Wie wunderbar!“
„Kollegen“, warf Lingor ruhig ein, als würde er ein Brett auf einen Nagel drücken, bis es wirklich saß. „Ich nenne gleiche Gewerke ja lieber Kollegen.“
Lessi nickte eifrig, der Schnaps kaum abgesetzt. „Konkurrenz ist was Gutes. Treibt einen zu besseren Leistungen… und mehr Individualität.“
„Und bei so vielen tollen Männern braucht’s ohnehin eine ausgleichende Frau“, setzte sie nach, schwer überzeugt, was ihr ein Schmunzeln aus der Runde eintrug.
Velia, die bisher eher zugehört hatte, hob leicht die Hand, als würde sie einen Faden aufnehmen: „Oh, ich bin stetig auf der Suche nach Schneidern und Schmieden.“
Amanda, die irgendwo zwischen Überforderung und Begeisterung pendelte, platzte dazwischen, als wäre es das Normalste der Welt: „Leute, ich hab tausende Kronen und weiß nicht wohin damit. Krieg ich ’nen Termin?“

Ein kurzes Gelächter ging herum, und Mychael spürte, wie die Worte zuerst nur als Spruch gedacht gewesen waren – aber plötzlich nicht mehr zurück in den Mund passten.
Er sah über den Tisch.
Da waren nicht nur Gäste.
Da saßen Hände, die arbeiteten.
Augen, die suchten.
Menschen, die etwas konnten und die doch alle auf ihre Art denselben Mangel kannten: zu wenig Struktur, zu wenig Anlaufstellen, zu wenig Handwerk im Reich wie es sein sollte.

Mairi sprach es so beiläufig aus, dass es fast wie ein Scherz klang – und trotzdem blieb es hängen: „Dann können ja auch alle kommen, wenn es mal wieder einen Handwerkermarkt gibt.“
Jadia räusperte sich leise, als müsse sie erst sicher sein, dass noch alles versorgt war – und doch lag in ihrer Stimme schon dieses Jetzt wird’s ernst.
Mychael lehnte sich ein Stück vor, der Glimmstängel brannte still vor sich hin. Der Blick ging einmal um den Tisch, von Gesicht zu Gesicht, nicht prüfend, eher… zählend.
Als würde er zum ersten Mal sehen, was da eigentlich gerade vor ihm saß.
„Im Ernst“, sagte er. Diesmal ohne Grinsen.
„Zusammenarbeit. Keine Konkurrenz.“ Er nickte dabei erst zu Ferdinand, dann zu Lessi, dann zu Lingor als wolle er jeden einzelnen abholen, bevor er weiterging. „Gegenseitiges Unterstützen.“
Er tippte mit dem Fingernagel gegen die Tischkante, ein kleines Geräusch, das irgendwie mehr Ordnung in den Moment brachte als alles andere.
„Und wo du’s schon so gut angekündigt hast…“ – der Blick zu Lessi – „Meister sollten ihr Wissen weitergeben, aye?“
Lingor brummte etwas, das fast wie Zustimmung klang, und trotzdem war da dieser ehrliche Einschlag: „Ich wär dabei. Krieg nur den Hof schlecht rüber.“
„Kommt vorbei“, sagte er gleich darauf, als wäre der Rest plötzlich nicht mehr so schwer. „Ihr kennt den Weg.“
Ferdinand hob sein Glas, ohne zu zögern. „Ich? Dagegen? Mitnichten, nein!“
Und irgendwo am Rand, zwischen Tee und einem entschuldigenden Lächeln, saß Nyxara, die bisher eher still gewesen war – und gerade dieses stille Dabeisein machte den Tisch noch voller. Nicht voller Lärm. Voller Möglichkeit.

Mychael atmete einmal aus. Langsam. Als würde er etwas ablegen.
„Wenn wir das hinkriegen“, sagte er leise, „ist das der Beginn von was Gutem.“
Er sah zu Lingor. Nickte.
„Das klingt danach“, sagte Lingor, „als begänne hier heute etwas Großes.“
Und Mychael, der sonst so oft Dinge einfach laufen ließ, bis sie sich von selbst ergaben, traf an diesem Abend eine Entscheidung, die man später nicht mehr wegreden konnte.

„Dann machen wir’s“, sagte er.

Nicht groß. Nicht pathetisch. Einfach klar.
„Ich hau Ennika an. Teira noch und wer uns sonst einfällt.“ Sein Blick wanderte wieder über den Tisch. „Und ihr…“
Er hob den Krug ein kleines Stück, als wäre es kein Trinkspruch, sondern ein Siegel.
„…ihr kommt vorbei. Wir setzen uns zusammen, schreiben’s auf. Regeln. Lehrlinge. Aufträge. Markt. Qualität.“
Ein kurzer Blick zu Jadia – als wäre sie der ruhige Anker in diesem ganzen Chaos.
„Und wir machen Rahal wieder zu dem, was es sein könnte.“
Amanda schnappte sich den Faden sofort, wie Menschen das tun, die schon lange warten, dass jemand endlich anfängt: „Das klingt gut, Mychael! Und Klamotten und Getränke brauche ich.“
„Wir stoßen am besten an“, meinte Mychael dann doch wieder halb grinsend – der alte Ton, damit es nicht zu schwer wurde.
Aber das Grinsen war anders.
Nicht spöttisch. Nicht nur Charme.
Mehr… ruhig.
Als hätte er gerade etwas gefunden, das bleibt.




Der Anfang:

Und so begann es.
Nicht mit Siegeln.
Nicht mit großen Worten.
Sondern mit einem Tisch in der Pantherklaue.
Mit Handwerkern, die blieben, statt zu gehen.
Mit der Idee, dass aus vielen Einzelnen etwas Größeres werden könnte.
Was daraus wird, liegt nun in den Händen vieler.
Ferdinand Drago
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Registriert: Sonntag 25. Januar 2026, 20:10

Der Morgen

Beitrag von Ferdinand Drago »

Am Morgen danach in Ferdinands Werkstatt


Die Werkstatt roch nach Stoff, Hafen und einem einnehmenden Rest abgestandener Nacht. Es war jene Mischung aus materieller Nüchternheit und menschlicher Schwäche, die den Morgen nach einem feuchtfröhlichen Abend stets begleitet und ihn unerquicklich ehrlich macht. Das Licht fiel durch das kleine Fenster in einer Schräglage, die weder freundlich noch feindselig war; es beleuchtete die Dinge, ohne sie zu entschuldigen.


Ferdinand Drago saß bereits an seinem Tisch.

Ich sage „bereits“, obwohl die Stunde nichts Heroisches an sich hatte. Er war nicht früh aufgestanden, um sich zu überwinden. Er war aufgestanden, weil Aufstehen die einzige denkbare Fortsetzung des Abends war. Sein Kopf war schwer, doch nicht verwirrt; er trug jene matte Klarheit, die man nach zu viel Wein empfindet und die den Gedanken eine merkwürdige Schärfe verleiht.


Der Kater Idref lag zusammengerollt auf einem Ballen dunklen Stoffes und beobachtete ihn mit der unbeteiligten Würde eines Wesens, das menschliche Exzesse weder verurteilt noch bewundert. Ferdinand warf ihm einen Blick zu, der weniger Zuneigung als Anerkennung enthielt. Zwischen ihnen bestand kein sentimentales Verhältnis; sie teilten lediglich den Raum und die Gewissheit, dass er sinnvoll genutzt werden müsse.

Vor ihm lag ein halbfertiges Kleidungsstück. Er betrachtete es nicht wie ein Handwerker seine Arbeit betrachtet, sondern wie ein Richter ein Urteil prüft, das er selbst gefällt hat. Seine Finger ruhten auf dem Stoff, ohne ihn zu bewegen. Man hätte meinen können, er lausche ihm.


Der Abend in der Pantherklaue war noch in ihm, nicht als Erinnerung einzelner Bilder, sondern als Zustand. Das Lachen, die Stimmen, Dalvons ruhige Hartnäckigkeit, Lessis herrliche Heiterkeit, Lingors vielsagenden Blicke entgegen vieler Worte – all das hatte sich zu einer einzigen, klaren Erkenntnis verdichtet: Er hatte sich verpflichtet.

Nicht offiziell. Nicht feierlich. Doch unwiderruflich.


Ferdinand war keiner, der Beschlüsse romantisierte. Er hatte keinen Hang zum Pathos. Gerade deshalb empfand er eine gewisse Strenge in sich, die ihm sagte, dass aus gesprochenen Ideen Arbeit folgen müsse. Alles andere wäre unerquicklich und nicht im Sinne eines Virtuosen wie er es sein wollte – und dieses Wort hatte in seinem inneren Vokabular das Gewicht eines moralischen Urteils.
Er nahm die Nadel auf.

Der erste Stich des Tages war stets entscheidend. Nicht technisch – Ferdinand zweifelte nicht an seiner Technik –, sondern geistig. Mit ihm erklärte man sich bereit, weiterzumachen. Seine Hand bewegte sich ruhig, beinahe gleichgültig, doch hinter dieser Gleichgültigkeit lag eine Präzision, die nichts dem Zufall überließ. Jeder Faden, der sich zum Muster ergab, war ein stilles Einverständnis mit der Aufgabe, die er sich am Vorabend auferlegt hatte.

Die Zunft.

Er dachte das Wort, ohne es auszukosten. Es war kein Traum, sondern ein Maßstab. Eine Ordnung, die noch nicht existierte und gerade deshalb von ihm verlangte, existierend gedacht zu werden. Ferdinand empfand keinen Stolz darüber, Teil dieser Idee zu sein. Stolz war unerquicklich. Er empfand vielmehr eine nüchterne Erleichterung: Die Richtung war benannt.

Idref sprang vom Stoffballen und landete lautlos auf dem Tisch. Ferdinand ließ ihn gewähren. Der Kater setzte sich neben das Kleidungsstück und betrachtete die Arbeit mit einer Aufmerksamkeit, die an Spott grenzte. Ferdinand schnaubte leise – ein Lachen ohne Laut – und arbeitete weiter.

Es gab in diesem Moment nichts Feierliches. Keinen Schwur oder hochwohlgeborenes gesäusel. Nur einen jungen Mann, einen Kater und ein Stück Stoff. Und doch hatte die Szene jene stille Gravität, die entsteht, wenn ein Mensch beginnt, eine Idee in Handlung zu übersetzen.


Draußen erwachte Rahal langsam. Schritte, Stimmen, das entfernte Schlagen von Werkzeug. Ferdinand hörte es, ohne den Kopf zu heben. Die Stadt war noch träge, doch er empfand darin keinen Vorwurf.
Als er den Faden abzog und die Naht prüfte, nickte er kaum merklich. Es war kein Triumph, sondern Zustimmung. Der Stich war gelungen. Und in dieser gelungenen Kleinigkeit lag bereits das Versprechen der größeren Ordnung, die er mit den anderen begonnen hatte.

Ferdinand stellte das Kleidungsstück beiseite, legte die Nadel hin und sah für einen Moment aus dem Fenster. Sein Blick war nicht träumerisch. Er maß die Straße, die Häuser, die Bewegung. Rahal erschien ihm nicht als Problem, sondern als Aufgabe.

Diesmal kein vorfreudiges Lachen. Doch wer ihn in diesem Augenblick gesehen hätte, hätte verstanden, dass Lachen bei ihm nur eine vorübergehende Form der Freude war. Arbeit war die dauerhafte.
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Jadia Conandil
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Registriert: Montag 27. Oktober 2014, 18:10

Re: [MMT] Die Alatarische Handwerkszunft

Beitrag von Jadia Conandil »

Sie hatte die Taverne geöffnet in Düstersee. Die Melodie auf der Harfe wollte im ersten Anlauf nicht fließen, sich nicht in die Bahnen lenken lassen, in die sie sollte. Hinzu kamen die diffusen Schmerzen einer Bauchlandung am Vormittag. Die Prellung heute gut verdeckt von mehr Kleidung am Oberkörper als der männliche Gast gewohnt war. Es spielte keine große Rolle, meist kamen eh nicht viele Leute. Doch heute war es anders. Als hätte jemand einen Besen verbrannt, strömten die Menschen hinein.
Erst alle Plätze an der Theke belegt, dann noch Bänke an den großen Tisch gestellt.

Die Worte und Gespräche flogen munter durcheinander, dazu passte besser eine fröhliche Polka und ein Volkslied, das schnell umgedichtet wurde. Mychael karrte eine Lage Schnaps nach der anderen zum großen Tisch. Sie fand dort in der Menge der Handwerker jedoch keinen Platz und Raum. Jetzt nicht, noch nicht. Die schwarzen Locken wurden mühsam zurück gestrichen. Sie war Bardin, die Gespräche dort waren nicht ihre Heimat. Und doch...
Und doch nahm sie Anteil daran, freute sich mit über die Geburt einer Idee. Die Zunft, die entstehen sollte. Ein Verbund aus Verständnis, gegenseitiger Unterstützung und Lehre und gemeinsamen Arbeiten. In ihr war ein tiefes Verständnis für die Sehnsucht dahinter. Wahre Gemeinschaft und Partnerschaft war selten und wenn sie von allen Beteiligten getragen und gepflegt wurde doch ein ungeheuer starkes Band.
Langsam aber sicher waren Lessi und Ferdinand mehr als nur angesäuselt. Yoline hatte ein Opfer fest im Blick und das besagte Opfer war mit allen Tugenden der Unschuld gesegnet und bekam seinen Opferstatus nicht mal mit.

Wirtin, Musikerin und Tänzerin. Nichts was eine Zunft brauchen konnte und doch, doch wurde sie am nächsten Tag schon Teil davon. Jemand kannte sehr gut ihre Stärken und ihre geheimen Talente im Bereich Verkauf und Ordnung. Kein großes Zaudern oder Zieren, sie sagte zu. Ordnung und Zahlen, Verkauf und vielleicht ein bisschen Regulieren der kreativen Köpfe, die allesamt mehr Künstler gerade als Handwerker waren.

Sie schob die Ärmel hoch und beschaute sich den Ausstellungsraum. Ein tiefer Atemzug, ein noch tieferes Brummen bevor sie begann sich einen Überblick zu verschaffen. Nur die ganz Mutigen würden ihr vermutlich in den nächsten Tagen dabei versuchen in die Quere zu kommen. Oder die Ahnungslosen.

"Du hättest mit am Tisch sitzen sollen."
"Aye."


Hier würde etwas wachsen, was einen Fortbestand bedeuten könnte. Eine vage Hoffnung hielt neben all der Sorge des Tages Einzug in das schmale Weib. Vielleicht war es für sie möglich, für mehr als einen Winter. Doch jede Beständigkeit, jeder Fortbestand, der im Kopf eines Mannes oder einer Gruppe Menschen keimt, braucht Arbeit. Und jetzt erstmal sehr viel davon.

"Kohlestift, Kisten und ein Hauptbuch!"
Leopold Barthel
Beiträge: 3
Registriert: Montag 16. Februar 2026, 13:09

[MMT] Die Alatarische Handwerkszunft - Leopold

Beitrag von Leopold Barthel »

Die Tage des Holzfällerlagers waren gezählt. Zahlungen blieben aus, die Hütten marode und kurz vor dem Zusammenfall, dann stand auch noch der Winter vor der Tür. Das Lager, tief im Wald versteckt war nicht mehr das, wofür Leopold sich einst mit heller Freude hin verlaufen lies, den Weg zeigte ihm sein Vater. All die Schönheit, versteckt im Wald mit den verspielten Hütten und den gezähmten Brombeerranken all das was ihm einst so viel gefiel, fort. Seit dem Wechsel des Vorarbeiters ist alles anders. Die Arbeit wurde mehr, der Lohn weniger, später gab es nur noch feuchtes Brot und trockenes Wasser. So schlug er sich noch ein paar Jahre durch, doch nun kam der Zerfall. Die Hütten morsch die Äxte stumpf, das Lager wirkt wie ausgestorben. Sein Vater verließ das Lager nach einem Unfall und war wieder in sein Heimatdorf zurück gegangen.
Vor dem Winter traf auch Leopold den Entschluss das Lager nun zu verlassen, für wenig Gold und schlechtem Essen könnte er sich auch wo anders anstellen lassen. Noch einmal besuchte er sein Heimatdorf, seine Familie und Freunde, dann machte er sich auf den Weg zum Hafen. Er heuerte auf einem Schiff als Zimmermann an und flog über das Meer, das Ziel: Gerimor.
Am Hafen Rahals angekommen schwiff sein Blick umher. Kalter Stein, überall. Die Heuer die er bekam setzte er direkt um, natürlich nicht in ein Haus. Er war frei, naja… so frei wie man eben sein kann, so ganz ohne Bürgerbrief, ohne Arbeit ohne Heim, aber immerhin betrunken! Das war ein toller Start für die Ankunft. *der Erzähler räuspert sich*
„Nun, wo war ich stehen geblieben?“
*räuspert sich wieder*
Als er wieder zu sich kam, seine Sinne wieder langsam seinen Blick schärften und er fror wurde ihm klar, dass auch in Rahal der Winter Einzug gehalten hat, es war kalt, ihm war kalt. So bahnte er sich den Weg durch die Stadt. Am Badehaus angekommen wärmte er sich, nach der Abgabe einiger Münzen, und wusch sich und seine Kleider, dann ließ er sich die Überfahrt aus dem Gesicht schneiden und rasieren und sah wieder aus wie der Mensch der er eigentlich ist. Unterwegs in den Gassen fand er ein Schreiben darüber, dass die alatharische Handwerkszunft noch Mitglieder suche, daraufhin begann er diese zu suchen. Angekommen im hintersten Eck der Stadt wollte er die Suche bereits aufgeben bis er die Hammerschläge, das Geschrei und das Kratzen der Möbel die verschoben worden. „Dort köööönnte es sein!“, bibberte es aus seinen Zähnen hervor. So machte Leopold sich auf den Weg und ging die Stufen hinauf.

„Wer seid ihr?!“, murrte ihn die gut gelaunte Stimme Mychaels an, „Und was macht Ihr hier?“
Vorsichtig hielt Leopold den Schrieb in die Höhe. An Mychaels eisig warmen Blick merkte er sofort, er hätte ihn wohl nicht abreißen sollen, dennoch umspielte ein weiches schmunzeln seine Lippen. „Leopold Barthel, ich suche Arbeit.“
„FERDINAAAND!“ Brüllte er von liebe erfüllt. „Komm her, da ist jemand für Dich!“ Kurz danach kam rumpelte etwas die Treppe hinunter, wie ein Blitz sprang er die Stufen hinab, hibbelig, aufgeregt.
„W-Was?! Wer ist’n das?“, die Frage ertönte hektisch, nervös und aufgeregt. Das brachte selbst Leopold etwas aus der Fassung. „Leopold Barthel, ich…“ „Jajaja, Barthel…! Was, was machst Du? Was kannst Du?“ bei diesen Worten flog Ferdinand schon wieder durch den Raum. Mit erhobenen Brauen blickte Leopold ihm nach. „Ehrm.. Holz?“ Kurz an seiner Entscheidung zweifelnd sprach er nur noch in kurzen Sätzen.
„Deine Kleider! Herrje deine Kleider! Ausziehen, mitkommen! Reihenfolge egal!“ Mit dieser Aussage verschwand Ferdinand wieder im Obergeschoss. Die Verzweiflung packte Leopold schließlich wusste er nicht was ihn erwarten würde. „Los jetzt, der wird Euch nicht umbringen, zumindest nicht gleich“ Sprach Emeron. Wie befohlen folgte Leopold langsam dem hektischen Ferdinand. Nach einiger Zeit bekam er dann seine grüne Latzhose, ein paar Wechselkleider und den Auftrag zwei Regale aufzustellen, dies tat er dann auch. Natürlich, sie lehnen an der Wand, wackeln wie die Regale von Ignes Karl Agata und Emma, aber sie stehen.
„Angestellt! Hier, nehmt, nehmt! Los!“ Ferdinand warf das Buch der Lektionen auf den Schemel den Leopold nutzte um darauf die Bretter zurecht zu sägen. „Durcharbeiten! Lehrling Bartel, Leopold! Das schaffst Du, mach mich stolz! Hier ist Dein Platz!“ Dann verschwand er wieder im Obergeschoss. Ein tiefes durchatmen war von Leopold zu hören als er das Buch durchblätterte. So viele Lektionen, so viel zu lesen und noch mehr zu bauen. „Na dann, an die Arbeit!“ Sprach er recht schwermütig zu sich.

Im Laufe der Zeit lernte Leopold auch die restlichen Mitglieder der Zunft kennen und mögen. Er schlug und schlug Holz in Grünwaid, warf die Stämme auf seinen Esel und bahnte sich den Weg wieder durch die Bäume hin zur Zunft um dort in seiner kleinen Ecke seine Werke zu verrichten. Wochen, nein ganze Monate vergingen bis er sich von Kleinaufträgen hin zu den etwas größeren arbeiten konnte. Lektion folgte an Lektion, die Schnitte wurden sauberer, die Maße präziser und die Möbelstücke genauer. Der Schemel mit den Holztischen die er Arbeitsplatz nannte wich einer stabilen Werkbank, die Sägen wurden durch eine Hobelbank ersetzt, doch war es noch immer nur die kleine Ecke. Sein Holz lagert draußen geschützt durch Leder und die Aufträge wurden größer. „Das, das wars!“ Er schlug die letzte Seite des Lehrbuchs auf und las den Spruch: “Ihr habt die Lehre nun beendet, die eigentliche Arbeit steht Euch noch bevor.“ Ein Kopfschütteln konnte er sich nicht verkneifen, dennoch setzte er seine Unterschrift zu den anderen schon etwas ausgeblichenen Unterschriften. Er legte das Buch zurück in das Regal, dann nahm er das Buch der Lektionen für die Schnitzerei hervor. „Dem Herren sei Dank, dass dieses nicht so Dick ist.“ Sprach er ruhig zu sich während Idref, Ferdinands Kater, einmal wieder nichts besseres zu tun hatte als ihm in den Sägemehlhaufen zu kacken. „Dreckeimer du verschimmelter!“ Murrte Leopold auf und nahm einmal wieder die Schaufel und seinen Eimer.
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