Zerfall Varunas

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Der Beobachter
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Zerfall Varunas

Beitrag von Der Beobachter »

Schon viele Jahresläufe war es her, seit Varuna fiel. Der Name Krynlagor hing noch immer über den Ruinen wie ein Nachhall, der sich nicht auflösen wollte. Was einst eine Stadt gewesen war, hatte dem Zerfall nie widerstanden und doch war es nie still geworden.

Varuna zerfiel. Nicht auf einmal, nicht vollständig, sondern Stück für Stück. Ein Ziegel löste sich aus einer Mauer und fiel. Ein trockenes Geräusch, kurz und unscheinbar. Dann wieder Stille.

Zwischen den zerbrochenen Straßen standen noch Reste von Häusern, schief, aufgerissen, von Rissen durchzogen. Türrahmen ohne Türen. Fenster ohne Glas. Und immer wieder dieses leise Arbeiten im Inneren der Stadt, ein Knacken, ein Nachgeben, ein langsames Auflösen dessen, was einmal Halt gewesen war.

Doch die Stille hielt nie lange. Etwas bewegte sich immer.

In den Schatten zwischen den Mauern, in Spalten, unter Geröll und zwischen alten Balken lebte es weiter, nicht geordnet, nicht klar voneinander getrennt. Es war ein Durcheinander aus Formen, aus Bewegungen, aus Dingen, die sich denselben Raum teilten, ohne sich gegenseitig zu stören. Netze spannten sich über Gassen, zwischen Ruinen, durch offene Fensterrahmen, dicke Fäden, alt und zäh, die selbst den Zerfall überdauerten. Dazwischen krochen Körper mit zu vielen Beinen, ruhig und viel zu groß für das, was einmal natürlich gewesen war.

Am Boden glitt anderes, lautlos, kaum sichtbar zwischen Staub und Stein. Schuppen streiften über Geröll, verschwanden in Rissen und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Mal nur ein Schatten, mal ein massiver Körper, der sich durch die Überreste der Stadt schob.

Und dazwischen Bewegung, die nicht kroch und nicht glitt. Schritte. Unregelmäßig, schleifend, dann wieder still. Zwischen den Trümmern standen Gestalten, die einst etwas anderes gewesen waren. Knochen, die sich noch hielten. Körper, die nicht mehr lebten und doch nicht lagen. Leere Augenhöhlen, die nichts sahen und dennoch auf etwas reagierten.

Weiter hinten, tiefer in den Ruinen, wurde es dichter. Die Luft schwerer, als hätte sich dort mehr gesammelt als nur Staub und Verfall. Dort, wo Mauern enger standen und Schatten sich nicht mehr ganz auflösten, lagen größere Formen im Dunkel. Etwas, das sich nur langsam bewegte oder vielleicht auch nur atmete.

Ein Riss zog sich durch eine Wand. Ein leises Knacken. Dann ein Nachgeben. Ein Teil eines Gebäudes brach in sich zusammen. Staub stieg auf, breitete sich aus und legte sich über alles.

Und die Stadt antwortete. Nicht laut, aber überall. Netze spannten sich. Etwas glitt durch den Schutt. Schritte setzten ein, hier und dort, ohne Richtung und doch nicht zufällig.

Tiefer, kaum sichtbar zwischen Trümmern und Schatten, regte sich noch mehr. Alte Macht, die nicht zerfiel wie Stein. Präsenz, die blieb, selbst wenn alles andere nachgab. Etwas, das die Ruinen nicht nur bewohnte, sondern durchzog.

Varuna war nicht tot. Sie arbeitete weiter. Mit jedem Jahr, mit jedem fallenden Stein verlor sie mehr von sich und gab gleichzeitig mehr frei von dem, was sich in ihr festgesetzt hatte. Kein klarer Anfang, kein Ende. Nur ein fortwährendes Zusammenspiel aus Zerfall und Bewegung.

Vor den Mauern der Stadt standen einst weitere Gebäude, die dem Leben außerhalb der Tore dienten. Unter ihnen lag ein Anwesen mit Nebengebäude und Stallungen. Auch dieser Ort war dem gleichen langsamen Verfall preisgegeben. Die Dächer waren eingebrochen, Balken gebrochen oder verfault, Mauern von tiefen Rissen durchzogen. In den Stallungen hingen noch Reste alter Strukturen, halb eingestürzt und vom Zahn der Zeit gezeichnet. Immer wieder lösten sich auch hier Steine, gaben Wände nach oder brachen ganze Abschnitte in sich zusammen. Staub erhob sich und legte sich über Höfe und Wege, als würde selbst dieser abgelegene Teil nicht entkommen, sondern unaufhaltsam mit Varuna selbst zerfallen.

Und wer sich in diese Ruinen wagte, verstand es irgendwann. Nicht sofort. Nicht beim ersten Geräusch, sondern später. Wenn ein weiterer Ziegel fiel. Wenn irgendwo eine Mauer nachgab. Wenn sich Staub hob.

Und danach nichts still blieb.

Denn in Varuna folgte auf jedes Zerbrechen immer eine Antwort.

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Leandra Kalveron
Beiträge: 747
Registriert: Samstag 1. Februar 2020, 23:05

Re: Zerfall Varunas

Beitrag von Leandra Kalveron »

Die Wachstube des Klosters bot längst kein geordnetes Bild mehr, sondern glich vielmehr dem stillen Schlachtfeld zweier rastloser Geister, die sich durch Wissen kämpften, als hinge mehr davon ab als bloße Erkenntnis. Bücher lagen aufgeschlagen übereinander, einige halb vom Tisch gerutscht, andere achtlos auf dem Boden verteilt, während lose Pergamente zwischen ihnen wie vergessene Gedanken wirkten. Es mussten weit über zwanzig Werke sein, die sich in den letzten Tagen angesammelt hatten - zusammengetragen aus Archiven, geliehen aus Bibliotheken, abgeschrieben aus fremden Händen. Und doch hatte keiner von beiden das Gefühl, auch nur annähernd am Ende ihrer Suche angekommen zu sein. Leandra beugte sich über ein weiteres Buch, die Stirn leicht gerunzelt, während ihr Finger einer Passage folgte, die sie bereits zum dritten Mal las. Gegenüber von ihr stand Moira, ein anderes Werk in der Hand, kaum dass sie es geöffnet hatte, rief sie bereits: „Guck hier.“ Leandra hob den Blick, rückte das Buch beiseite und beugte sich herüber, während Moira die Stelle zeigte, die ihr ins Auge gefallen war. Es dauerte nur einen Moment, bis Leandra leise erwiderte: „Wusstest du das?“ und ihrerseits auf eine andere Seite deutete, die sie kurz zuvor entdeckt hatte. So ging es nun schon seit Stunden, vielleicht sogar seit Tagen, ohne dass eine von ihnen genau sagen konnte, wann diese rastlose Suche begonnen hatte. Immer wieder ein „Schau!“, ein erneutes Aufblättern, ein Vergleichen, ein Innehalten, wenn sich zwei scheinbar unabhängige Texte plötzlich berührten, oder Erfahrungen sich mit den Texten überschnitten.

Was als bloßes Nachschlagen begonnen hatte, war längst zu etwas anderem geworden. Sie arbeiteten sich durch Beschreibungen grüner Drachen, deren Wesen eng mit alten Wäldern verbunden war, durch Erzählungen über Silberdrachen, deren Erscheinung fast ehrfurchtsvoll geschildert wurde. Wasserdrachen, anderen Drachen und schließlich...
Schwarzdrachen. Während sie eine weitere Seite umblätterte, glitt Leandras Blick für einen Moment ins Leere, als hätte sich ihr Geist von der Wachstube gelöst. Bilder drängten sich unaufgefordert in ihre Erinnerung - der Gutshof von Elbenau, das Ritual, das sie dort vollzogen hatten, das Licht der Herrin, das sie angerufen hatten… und dann dieser Bruch, dieses plötzliche Umschlagen der Wirklichkeit, als die schattenhafte Gestalt erschien. Sie erinnerte sich nicht nur an den Moment des Angriffs, sondern an das Gefühl, das ihn begleitet hatte - etwas Kaltes, Zielgerichtetes. Nicht wie die wirren Überreste einer unnatürlichen Präsenz, sondern etwas, das wusste, was es tat – was es tun sollte. Für einen Herzschlag lang verharrte sie in diesem Gedanken, bevor sie sich wieder dem Buch vor ihr zuwandte.

Moira hatte inzwischen ein weiteres Werk aufgeschlagen, blätterte schneller als zuvor, als suche sie nicht mehr wahllos, sondern folge einer Ahnung. „Schau!“, rief sie erneut, diesmal mit einer Schärfe, die Leandra sofort aufmerksam werden ließ. Sie trat näher, beugte sich über die Seite, während Moira den Finger auf eine Passage legte, die kaum mehr war als ein überlieferter Rest, schwer zu deuten und doch von eigenartiger Bedeutung. Leandra las, zunächst flüchtig, dann noch einmal langsamer. Etwas daran ließ sie innehalten.
Ohne ein Wort griff sie nach einem anderen Buch, das sie zuvor beiseitegelegt hatte, blätterte hastig, bis sie fand, was sie suchte und legte es daneben. Die beiden Texte unterschieden sich in Sprache, Herkunft und Alter und doch war da eine Verbindung, die sich nicht leugnen ließ. Ihre Gedanken wanderten weiter, unwillkürlich zu dem Fund unter der Kirche, zu diesem seltsamen Objekt, das sich jeder einfachen Erklärung entzogen hatte. Dieses Schimmern… dieser unnatürliche Glanz… nichts daran hatte gewöhnlich gewirkt. Und dann der Bogen. Das er gerade dort war, wo er gefunden wurde, war ein sehr merkwürdiger Zufall, zumindest für diejenigen die wussten, was dort einmal geplant wurde.

„Guck hier“, murmelte Leandra nun selbst, beinahe unbewusst, während sie auf eine weitere Stelle deutete, in der von etwas die Rede war, das Drachen hinterließen oder gar besitzen? Nicht als bloßes Überbleibsel, sondern als etwas von bleibender Bedeutung, verborgen, geschützt, kaum verstanden. Moira trat näher, ihre Stirn zog sich zusammen, während sie die Worte aufnahm. Für einen Moment sagte keine von ihnen etwas, doch die Stille war keine leere. Sie war gefüllt von dem wachsenden Gefühl, dass sie sich einem Kern näherten, der weit über das hinausging, womit sie ursprünglich begonnen hatten.
Es war kein plötzlicher Geistesblitz, kein einzelner Satz, der alles erklärte. Vielmehr war es, als würden sich unzählige kleine Erkenntnisse zu einem Ganzen fügen. Leandra lehnte sich langsam zurück, atmete tief durch und blickte Moira an. Kein Wort war nötig. Der Ausdruck in ihren Augen genügte. Etwas war ihnen klar geworden - nicht in allen Einzelheiten, nicht vollständig greifbar, aber deutlich genug, um zu wissen, dass sie nicht länger im Dunkeln tasteten.

Und doch brachte diese Erkenntnis keine Ruhe. Im Gegenteil. Denn je mehr sich die Theorien verdichteten, desto deutlicher wurde, dass es nicht allein um Drachen ging. Die Texte, die sie lasen, die Hinweise, die sie fanden, deuteten immer wieder auf etwas hin, das darüber hinausging. Etwas, das auch ihren Glauben berührte, vielleicht sogar herausforderte. Unwillkürlich dachte Leandra an die Vision des Hohepriesters von Salberg. Worte, die damals schwer zu deuten gewesen waren, die sich jeder klaren Auslegung entzogen hatten. Jetzt jedoch klangen sie in ihrem Inneren nach, als hätten sie eine neue Bedeutung gewonnen.
Ihr Blick wanderte über die verstreuten Bücher, über die Spuren ihrer eigenen Suche und blieb schließlich an Moira hängen. „Das muss es sein“, sagte sie leise, doch mit einer Entschlossenheit, die keinen Zweifel ließ. Moira erwiderte den Blick, ohne zu zögern. Es war keine Frage mehr, was als Nächstes geschehen musste. Die Kunde von der Vision des Hohepriesters unterstütze noch die Vermutung, Temora sprach oft in Rätseln und doch waren sie nie ohne Grund.

Varuna.
Wieder.

Nicht aus Neugier.
Nicht aus bloßem Forschen.
Sondern weil sich dort Antworten verbargen, die sie anderswo nicht finden würden und weil es scheinbar Ihr Wille war.

Der Abend war inzwischen weit fortgeschritten, das Licht der Kerzen flackerte schwach, während die Kälte des aufziehenden Frühlingsabends langsam in die Mauern kroch. Leandra erhob sich schließlich, trat vom Tisch zurück und ging zum Kamin, dessen Glut noch schwach brannte. Sie streckte die Hände aus, suchte die Wärme, während ihr Blick in die Flammen sank.
Für einen Moment ließ sie alles Revue passieren: Den Gutshof, den Schatten, der Drache, die Ruinen von Varuna, die Funde unter der Kirche, die zahllosen Seiten, die sie gelesen hatten. Es fügte sich nicht vollständig, noch nicht. Aber es bewegte sich.
Doch während die Glut vor ihr leise knackte und die Wärme ihre Hände erreichte, blieb tief in ihr ein anderes Gefühl bestehen bei all diesen Gedanken. Sie musste diesen Satz der Schattengestalt erst vor einigen Wochen erneut zitieren, der von Kryndlagor und seinem Hauch handelte. Auch jetzt schwirrte er wieder in ihrem Kopf. Erneut überkam sie ein Schauer, Gänsehaut und das Frösteln.


Einige Tage nach ihren Studien führte es Leandra gemeinsam mit Moira in die Klamm, wo sie das Gespräch mit den Kaluren suchten. Die Hütte war ordentlicher als zuerst vermutet, am Kamin, wo sonst, versuchten sie, die losen Fragmente ihrer Erkenntnisse weiter zusammenzufügen. Sie schilderten ihren Fund, beschrieben das Ungewöhnliche daran, tasteten sich Wort für Wort an mögliche Bedeutungen heran. Es war eines dieser Gespräche, bei denen vieles im Raum stand, ohne dass es sofort greifbar wurde - bis ein Satz fiel.

„Im Griff.“

Für einen Moment verstummten Keldion, Leandra und Moira zugleich. Kein Zufall, kein beiläufiges Wort - es traf sie mit einer Wucht, als hätte es längst auf diesen Augenblick gewartet. Blicke wurden gewechselt, unausgesprochene Gedanken lagen zwischen ihnen. Konnte es wirklich sein? Hatte die Antwort all die Zeit offen vor ihnen gelegen, bereits seit Jahren, verborgen in etwas, das man zu oft gesehen hatte, um es noch zu hinterfragen?
Die Möglichkeit stand im Raum. Greifbar nah.

Doch sie hielt nicht lange.
Wenige Tage später erreichte Leandra die Nachricht von Morgosh. Das vermeintliche, worauf sich ihre Gedanken gestützt hatten, war verschwunden. Ohne Spur, ohne Erklärung. Es war nicht Eins, es war nicht Vier, es war nicht Zwei: Es war Drei. Was eben noch wie ein Schlüssel gewirkt hatte, zerfiel zu einem weiteren ungelösten Rätsel.
Und doch ließ es sie nicht los.

Die Worte blieben.
Hartnäckig.
Unruhig.

Sie kehrten immer wieder zurück, drängten sich in ihre Gedanken, ließen sich nicht verdrängen, nicht überhören.
„Wird er den Stein.. Alle Hoffnung fast ver…“
Wie ein Echo, das keinen Ursprung mehr hatte und dennoch nicht verstummte.


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Cid Erik Herzblut
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Registriert: Mittwoch 30. Oktober 2024, 20:10

Düstere Stätte

Beitrag von Cid Erik Herzblut »

Seine Schritte führten ihn durch Varuna, vorsichtig und achtsam, zwischen Untoten und anderen Wesen, die sich in den Mauern eingenistet hatten.

Selbst am helllichten Tage schienen die Sonnenstrahlen nie den Boden zu erreichen. Was blieb, war ein ewiges Zwielicht und das Stöhnen und Kratzen der ehemaligen und neuen Bewohner dieser Stätte.

Hoffnungslosigkeit und Tod lagen in der Luft.

Diese Stadt zu reinigen… was für eine gewaltige Aufgabe das war. Und das direkt zwischen den beiden Reichen. Sollte man so etwas beginnen, würde es wahrscheinlich in einem Blutbad enden.
Der Hochedle wollte allerdings nur Teile seines ehemaligen Familienanwesens reinigen. Einen Baum pflanzen, ein Mal der Mutter an diesem finsteren Ort errichten. Früher hatte hier wohl schon ein anderes Ritual der Temorakirche stattgefunden.

Ein fehlgeschlagener Versuch der Heilung, der aber das bedrückende Gefühl der Trostlosigkeit ein wenig lindern konnte. Neben den Pflanzen des Sumpfes wuchsen an diesem Ort auch Lavendelpflanzen, sogar eine seltsam blau-violette Variante, auffällig zwischen dem Rest.

Er blieb einen Moment stehen und ließ den Blick über die fremdartige Mischung aus Verfall und vorsichtigem Leben gleiten. Zwischen Moder und Fäulnis behaupteten sich diese zarten Farbtupfer, als hätten sie sich dem Ort widersetzt - oder als wären sie ein Überbleibsel eines gescheiterten Versprechens.

Er kniete sich neben die violett schimmernden Blüten, ohne sie zu berühren. Ein schwacher Duft lag in der Luft, kaum wahrnehmbar, und doch anders als alles, was der Sumpf des Stadtgrabens hervorbrachte. Für einen flüchtigen Augenblick schien das Stöhnen der Untoten leiser zu werden, als würde selbst die Dunkelheit hier einen Atemzug lang innehalten.

Ob es daran lag?

Ob das Lied, diese alte Melodie der Welt, zu heilen war an diesem Ort, der so tief verdorben war? Oder waren es die Reste von etwas göttlichem das die gesamte Stadt befleckte?

Er runzelte die Stirn. Heilung setzte voraus, dass noch etwas übrig war, das geheilt werden konnte. Doch was, wenn diese Dunkelheit längst alles durchdrungen hatte? Wenn sie nicht mehr Wunde, sondern Wesen selbst geworden war?

Seine Gedanken wanderten unweigerlich zu dem Hochedlen.
Die Überzeugung, mit der dieser von seiner Aufgabe gesprochen hatte, war nicht zu überhören gewesen. Die Verbindung seiner Familie zu diesem Ort - als wäre Blut ein Schlüssel, der Tore öffnete, die allen anderen verschlossen blieben. Vielleicht glaubte er tatsächlich, dass sein Erbe ihm einen Vorteil verschaffte. Dass die Geister der Vergangenheit ihn erkannten, ihn gewähren ließen.

Oder schlimmer noch: dass sie sich ihm beugten.

Ein leiser, bitterer Zug legte sich um seine Lippen.

Größenwahn hatte schon andere in den Abgrund geführt. Oft begann er genau so - mit der festen Überzeugung, auserwählt zu sein. Anders zu sein. Stärker.

Als es ihm selber so erging, wurde er nur allzu schnell an seinen wirklichen Platz erinnert.

Er ließ den Blick erneut über die Pflanzen schweifen.

Und doch … irgendetwas war hier geschehen. Ein Ritual, fehlgeschlagen vielleicht, aber nicht wirkungslos. Diese Lavendelgewächse waren kein Zufall, oder?

Sie könnten ein Zeichen sein - schwach, zerbrechlich, aber vorhanden.

Vielleicht war es kein Entweder-oder.

Vielleicht konnte weder das Lied allein heilen, noch die Herkunft des Hochedlen den Ausschlag geben. Vielleicht brauchte es beides - und mehr. Mut. Opfer. Macht. Wissen.
Und die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass nicht alles gerettet werden konnte.

Er erhob sich langsam.

Die Frage war nicht nur, ob dieser Ort geheilt werden konnte.

Die eigentliche Frage war, was dabei verloren gehen würde.

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Raven Vandokir
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Registriert: Donnerstag 26. März 2015, 00:16
Wohnort: K'awi

Der Vanitas-Gedanke

Beitrag von Raven Vandokir »

Hier und dort hörte man den Ruf eines Einzelnen Raben, welcher durch die dunklen und finsteren Ruinen dieser doch alten aber sehr bedeutenden Stadt flog. Einst war sie das Zentrum des lichten Reichs und heute war sie nichts weiter als eine Stadt, welche dem Zerfall gewidmet war. Der Rabe flog durch die Untoten, welche durch die Gassen zogen wie es einst die Bürger Varunas getan haben könnten, die Riesenspinnen kletterten während dessen die Mauern empor um nach Beute zu suchen. Raven erkannte ein größeres Netz, welche eine der Spinnen wob um offensichtlich größere Beute darin zu fangen um sie dann zu gegebener Zeit zu fressen.

Dann setzte sich der Rabe auf einen Grabstein und beobachtete die Untoten eine Weile, welche an ihn vorbei zogen als würde er irgendwie dazu gehörten. Raven war gerade unterwegs um sich die Lage Varunas anzusehen, da er gerade auf der Nimmerruh war und einen lauten Knall, welchen er nah bei sich vernahm und schnell wurde ihm klar, dass dieses wohl mit Varuna zu tun hatte. So machte auch dieser sich auf diese Gegend zu erkunden – als Rabe.

Er beobachtete, wie gerade noch eine Hauswand einstürzte und die nächste Mauer mit sich zog und schon dachte er an den Kreislauf des Lebens nach. Diese Stadt war einst erbaut wurden und doch war nichts für immer, denn alles endete. Durch Zerfall oder auch durch den Tod selbst. Er dachte auch nach, dass selbst Götter sterben konnten. Was lebt, stirbt, was erbaut wurde holt sich der Tod oder die Natur oder andere Mächte zurück. Er hob den Schnabel und beobachtete, wie ein Abenteurer versuchte vor einer Horde Skeletten zu flüchten und glaubte, dass das Netz welches unter ihn lag Sicherheit brachte. Jener verfing sich direkt in dem Netz und bemerkte, dass die Fäden ihn längst gefangen hatten. Da die Riesenspinne durch ihre Beine merkte, wo sich ihr Opfer befand ging diese Achtbeinige auf das Opfer zu, welches um sein Leben schrie, als er merkte, was mit ihn gleich passieren würde. Verzweifelt schlug er auf die Riesenspinne zu, welche ihren Giftfang in ihn presste, welches den Mann lähmte, wodurch der Schrei verklang und die Spinne sich die Zeit nahm, wie sie brauchte um diesen Menschen einzuwickeln um diesen für schlechte Zeiten zu fressen.

Ihm gefiel dieses morbide, welches er gerade vor ihm auftat dann senkte er den Schnabel um etwas tiefer zu blicken, die Geister schwirrten ziellos umher, Zombies wussten wie so oft nicht wohin mit ihnen, da sie stets auf die Suche nach Nahrung waren griff einer zu einem Käfer und aß diesen sogleich. „Der Trieb zu fressen einzigt sie alle….“ dachte er sich und weitete seine Flügel aus und flog auf den noch höchsten Punkt der Stadt und betrachtete das Ganze aus der Höhe. Seine Blicke fielen auf die Nimmerruh und er erwischte sich bei dem Gedanken, dass das wohl vielleicht auch mit der Nimmerruh passieren könnte, denn sie lag direkt neben dieser Stadt und wer weiß, vielleicht würde sie auch zerfallen, wie es die Stadt Varuna auch tat. Doch war die Hoffnung da, dass dieser Ort davon verschont blieb. Dann hob er seinen Schnabel und blickte den Mond an, welcher voll über ihn stand und atmete tiefer ein und erinnerte sich auch an die Krankheit, welche sich über die Dienerschaft gelegt hatte und der Zerfall der Welten welche er bereits miterlebt hatte. „Vielleicht hat es ja damit was zu tun….wer weiß das schon…. So schnell kann kaum eine Stadt zerfallen wie es jetzt der Fall ist. Ich werde beobachten müssen.“

Dann weitete er erneut seine Flügel aus und überflog die ganze Stadt und machte sich auf, auch über Nizladen zu fliegen, da diese Stadt angrenzend war, da zwischen Varuna und der Heimat der Zwerge nur ein Berg las. „Würde ihnen recht geschene, wenn es auf sie übergreifen würde und die Untoten in deren Stadt einmarschieren, wenn sie in varuna nichts mehr zu fressen finden….Wenn ich es mir echt überlege, verdient hätten sie es, was sie über die Monde Stress wegen zwei Personen in K’awi verbreiteten….irgendwann rächt sich alles...immer….man muss nur geduldig sein...denn der Tod ist garantiert….er wartet….er lauert….auch auf sie….grausam sollte der Tod der Zwerge allerdings sein….dann flog er einige Hundert Meter weiter durch die Lüfte...über einen Bergpass über ein Waldtal, welches noch friedlich war, wo auch einige sehr alte Bäume wuchsen….“Hm….auch jene könnte es treffen, so die Mauern fallen und das was die Untoten dort noch hält zerfallen….würde mir persönlich auch gefallen…“ Dann flatterte er wieder Richtung Varuna und beendete die größere Beobachtungstour dann auf dem ehemaligen Turm der Kirche und richtete sich einige Federn mit dem Schnabel und schüttelte sein Gefieder aus während er die Untoten wieder beobachtete...Dann legte er sein Köpfchen schief und ließ einiges an Zeit vergehen, während er sich einfach nur dort aufhielt wo er war und die Umgebung beobachtete. Dieses Morbide, dieser Zerfall, all jenes genoss er ziemlich dieses gerade vor sich zu beobachten….er hoffte so sehr, dass sich diese Untoten Richtung Nord-Osten ausbreiten würden zum zu fressen um zu vernichten...denn irgendwann, würden die Untoten diesen Hafen des endlosen Verwesens verlassen müssen um sich eine andere Stätte zu suchen, die dann so er hoffte nicht der Hort der Dienerschaft werden würde….und so weitete er seine Schwingen aus und begab sich in die Dunkelheit der Nacht….und verschwand am Horizont….

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