Szundabh, Hueter der Brandung

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K'awi
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Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von K'awi »

Im Westen der Insel stand der Tempel aus braunem Gestein, überwuchert von Efeu und vom Flüstern des Dschungels umgeben. Einst war er ein Ort des Gleichgewichts gewesen. Doch nun kamen die Bewohner der Insel immer häufiger dorthin. Sie brachten seltsame Nahrung und Geschenke und berührten Mauern, deren Bedeutung sie nicht verstanden. Als erste Spuren davon ins Meer sanken, wusste K'awi in ihrem verborgenen Reich unter den Wellen, dass sie handeln musste, doch nicht mit Zorn.

K'awi schickt Szundabh, den Hüter der Brandung, an die Oberfläche und lässt die Bewohner der Insel eine Zeit lang beobachten. In der Gischt verborgen sollte er ihre Gewohnheiten studieren, ihre Herzen prüfen und erkennen, ob noch Ehrfurcht in ihnen lebte.

Während Szundabh zwischen Wellen und Wind wachte, blieb K'awi in der Tiefe und wartete. Denn bevor das Meer spricht, hört es lange zu....
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Tomas Jan Levitt
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Registriert: Donnerstag 1. September 2022, 00:05

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Tomas Jan Levitt »

Die schwingenden Saiten der großen Standharfe vibrierten leise, als das Beben das Haus erschütterte. Tom unterbrach abrupt die Lehreinheit am Klavichord und brachte auch die Saiten der Harfe zu schweigen.

Was folgte, war Stille. Und in die horchte Tom ein paar lange Momente hinein. Kam noch etwas? Folgte auf das Beben Lärm? Schreie? Irgendwas?!

Was auf jeden Fall folgte, war das deutlich hörbare Schwappen von Wasser, das sich über die kleine Terrasse des Hauses ergoss, als es mit Schwung über die kleine Brüstung trat. Normalerweise erreichten die Wellen sonst nie die Oberkante des Mäuerchens.

Rasch nahm er sich dann seine Chaostasche und seine Beine trugen ihn in die Stadtmitte, wo er auf andere Bewohner K‘awis traf. Mit Sethrad drehte er dann eine Runde über die Insel, ehe sie am Hafen das Wesen im Meer entdeckten, das zweifelsohne einer der ‚Ersten‘ war. Auch Angelica, Althan, Andarc und andere folgten und musterten den Gast im Hafenwasser, als es völlig unerwartet Blitze vom Himmel regnete. Erschrocken entfernten sich die Schaulustigen von der Reling und berieten sich. Was zum Henker war hier los?

Sie einigten sich darauf, im Tempel mal nach dem Rechten zu sehen, doch als es auch dort ruhig war und sie nicht den Grund für die Geschehnisse ausmachen konnten, trennten sich die Wege wieder. Die Patrouillen um den Hafen herum sollten verstärkt werden, auch würden die ‚Zweiten‘ darum gebeten, mit den ‚Ersten‘ Kontakt aufzunehmen um zu fragen, warum sich das Wesen im Hafenwasser aufhielt.

Doch für diesen Abend konnten keine Fragen mehr geklärt werden. Man würde sehen, was die nächsten Tage brachten.


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Andarc Sardonn
Beiträge: 933
Registriert: Sonntag 28. November 2021, 22:06

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Andarc Sardonn »

Nachdem die aufmerksamen Bürger und Bürgerinnen der Insel zunächst nichts entdecken konnten, was das Beben samt Blitzen und dem Ersten am Pier hervorgerufen haben könnte, wies Andarc als Commodore an, bei den Wachdiensten vor Ort den Ersten genauer im Blick zu behalten. Nicht aus Skepsis, keinesfalls feindselig, sondern schlicht um mitzubekommen, wenn sich was tat oder er doch noch mit ihnen reden wollte. Um die Kontaktierung der Ersten über eine der Tempelwachen würde Sethrad sich kümmern und Tom einen Ereignisbericht in der Bürgermappe verfassen. Mehr konnten sie zunächst wohl nicht tun. Es galt also, dem alltäglichen Geschäft weiter nachzugehen.
"Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen."
- George Santayana -
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Althan
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Registriert: Freitag 26. März 2021, 21:02

Beitrag von Althan »

Als die ersten Wellen K’awi trafen, war ich noch mit Aayron in meiner Bleibe und wir hätten schwören können, es sei nur ein besonders kräftiger Windstoß gewesen. Doch dann bebte die Insel selbst nur kurz, aber deutlich. Dieses Zittern ging uns durch Mark und Bein, als hätte etwas Tiefes, Uraltes unter uns den Atem angehalten und wieder ausgestoßen.
Mein erster Gedanke galt Angelica. Ohne weiter nachzudenken lief ich los, hinaus, über die Straße zu ihrem Haus. Sie war wohlauf, nur etwas durchgeschüttelt, doch ihre Worte ließen mich innehalten: Vielleicht legt K’awi wieder ab. Dieser Satz hallte in mir nach. Eine wandernde Insel ich wusste inzwischen, dass es möglich war. Und doch fühlt es sich anders an, wenn der Boden unter den Füßen selbst entscheidet, fortzugehen.

Als wir am Hafen ankamen, spürte ich sofort diese eigentümliche Spannung in der Luft. Warm, beinahe angenehm und doch aufgeladen. Ich versuchte, mich auf das Lied Eluives zu konzentrieren, die feinen Strömungen der elementaren Kräfte zu erspüren, doch es blieb still. Kein Widerhall, kein klares Muster, nur ein gedämpftes Schweigen, als würde etwas Größeres zuhören.

Dann sah ich ihn.

Im Wasser, jenseits der Kaimauer, bewegte sich ein Wesen einer der Ersten wohl. Majestätisch. Nicht bedrohlich im herkömmlichen Sinn, eher… prüfend. Beobachtend. Als hätte das Meer selbst Augen bekommen. Ich blieb bewusst etwas im Hintergrund. Rüstung, Waffen, laute Worte, um mich herum und doch… all das schien mir fehl am Platz. Wenn ein solches Wesen erscheint, stört man besser nicht das Gleichgewicht.
Als die Blitze vom Himmel zuckten, wich ich dennoch zurück. Für einen Herzschlag dachte ich, der Himmel selbst würde uns verurteilen. Doch die Klänge von Toms Spiel breiteten sich aus, weich und beruhigend. Ich spürte, wie sich die Anspannung in mir löste, wie das Lied die Furcht in Nachdenklichkeit verwandelte. Vielleicht war es wirklich nur ein Schutz nicht gegen uns, sondern gegen etwas, das wir noch nicht begriffen.

Angelica sprach vom alten Schutzzauber K’awis, von den Tagen, als wir die Insel fanden. Ich erinnerte mich an die Geschichten an die Ersten als Hüter, nicht als Feinde.
Und während die Anderen diskutierten, spekulierten, rüsteten oder musizierten, beobachtete ich einfach schweigend. Das Meer hinter ihm. Die Wolken über ihm. Die Art, wie er nicht auf uns reagierte weder aggressiv noch freundlich. Nur wachsam.
Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir angegriffen wurden…
Ich hatte das Gefühl, geprüft zu werden… ein Gefühl was meine tägliche Begleitung zu sein schien, seitdem ich hier war.
"Ich denke, ein Mann tut, was er kann, bis sein Schicksal offenbart wird." (Algren)
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Caelis Therin
Beiträge: 16
Registriert: Samstag 1. März 2025, 20:03

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Caelis Therin »

Der Ruf in die Tiefe

Es war der 15. Alathar 268, als Caelis nach dem Unterricht die Aufgabe erhielt, die Anatomie der „Ersten“ zu studieren. Sie wusste, dass diese Hausaufgabe kein leichtes Unterfangen sein würde, und so verstrich einige Zeit, bis sich Caelis Therin, Discipula der Akademie der Arkanen Künste, schließlich an die Arbeit machte. Da sie in Erfahrung gebracht hatte, dass die „Ersten“ frischen Fisch schätzten, machte sie sich gemeinsam mit ihrem Gefährten Thaius auf den Weg zum Tempel. Beide hatten sich festlich gekleidet, schließlich wollte man förmlich und respektvoll erscheinen, sollten sich die Wesen tatsächlich zeigen.
Kaum im Tempel von K’awi angekommen, spürten sie die Luft in den Hallen, die von einem uralten Echo durchzogen war. Caelis war sichtlich von Aufregung geplagt, doch Thaius verweilte neben ihr wie ein Fels in der Brandung, was ihr half, wieder ruhiger zu werden. „Bitte, komm“, sagte sie mit ihrer klaren, sanften Stimme und klopfte neben sich auf den kühlen Steinboden. Sie streifte ihre Sandalen ab und stellte sie ordentlich beiseite. Als ihre nackten Füße die kalten Stufen und schließlich das Wasser berührten, schauderte sie kurz vor Ehrfurcht. Caelis schloss ihre lindgrünen Augen und begann, sich in das „Lied“ des Ortes einzustimmen. Sie konzentrierte sich tief und spürte, wie ein vibrierendes Summen ihren Körper durchflutete. Ganz langsam und vorsichtig berührte sie mit der flachen Hand die Wasseroberfläche. Ein magischer Impuls, getragen von einem lautlosen Singsang, floss von ihr aus hinab in die Tiefe. Unter Einsatz ihrer gesamten Willenskraft bildete sich ein kleiner Strudel unter ihrer Hand, der wie ein wirbelnder Bote ihre Worte immer weiter in die Abgründe trug. Um den Wesen ein Zeichen ihrer friedlichen Absicht zu geben, formte sie zudem ein Salambe, ein kleines, glühendes Licht, das wie ein einsames Glühwürmchen durch das dunkle Wasser nach unten sank. Ihre Nasenflügel bebten und ein leises Schnaufen entwich ihr. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn, während sich ihre Augenbrauen vor Konzentration zusammenzogen. Die Anstrengung raubte ihr fast den Atem. Ihre Hand schien beinahe magnetisch mit der Wasseroberfläche verbunden zu sein, bis sie sie schließlich mit einem ruckartigen Zug befreite und tief Luft holte. Caelis riss die Augen auf und keuchte erschöpft. „Meinst du, sie haben es bemerkt?“, raunte sie Thaius zu. Ihre Stimme zitterte noch immer. Er legte einen Arm um sie, eine stützende Geste, die ihr Sicherheit gab. Seine leise Stimme beruhigte sie: „Ich denke, sie haben es bemerkt. Ich schätze, sie bemerken sehr viel mehr, als uns klar ist.“ Mit einem enttäuschten Unterton murmelte Caelis: „Ich hab’s versucht.“ Sie war sich bewusst, dass diese Geschöpfe sehr alte Wesen waren und sie viel Geduld aufbringen musste, um sie eines Tages vielleicht sehen zu dürfen. Doch die zierliche Frau hob trotzig und auch stolz ihr Kinn, denn eines wusste sie genau. „Ich komme wieder! Denkt nicht, ich gebe auf!“, rief sie hinaus. Ihr Ruf hallte von den Steinwänden wider, ein Versprechen an die Tiefe. Sie hinterließ den Korb mit dem frischen Fisch und ein feines Pergament, auf das sie einige Zeilen geschrieben hatte. Es dauerte einige Momente, bis Thaius ihr schließlich aufhalf. Caelis blickte noch einmal über ihre Schulter zurück in die Tiefe. Das Studium der Anatomie der ``Ersten`` würde wahrlich kein leichtes werden, aber Caelis Therin hatte gerade erst begonnen, sich Gehör zu verschaffen.



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Sethrad Ryam Kethyrr
Beiträge: 157
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Sethrad Ryam Kethyrr »

Als plötzlich die Erde zu beben begann, versuchte er so schnell er konnte alles mögliche auf den Regalen, ja gar die Regale selbst festzuhalten. So schnell und unerwartet wie es begonnen hatte, so schnell verebbte es auch wieder und er rannte hinaus, um nach der Ursache zu suchen. Als er auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches entdeckten konnte, fand er schließlich wie zu erwarten eine chaotische und verwirrte Menschenansammlung die ganz offensichtlich ebenfalls dabei war nach Gründen für das plötzliche Beben zu suchen.

Nach etlichen Diskussionen und Mutmaßungen beschlossen Tom und Er die Küste, sowie alles was ihnen dabei über den Weg kam nach Ungereimtheiten abzusuchen. Auch im Lied war er am Hinhören und Untersuchen, ob er irgendwelche Anomalien feststellen konnte - jedoch alles ohne Erfolg.

Doch als sie schlussendlich auch am Hafen ankamen konnte er seinen Augen kaum trauen. Wie lange war es her gewesen, seit sie einen der Ersten auf der Insel antrafen. Mitten im Wasser des Hafens schien er auf und ab zu gehen - gar zu patrouillieren, doch wieso? Jegliche Bemühungen mit ihm Kontakt aufzunehmen schienen völlig ins Leere zu laufen. So besessen wirkte der Erste von dem zu sein, was er dort machte. War es jener Erste dessen Liebe sie vor vielen Monden einmal am Friedhof zurück gebracht hatten? Aus der Ferne konnte er sich nicht sicher sein, daher mussten sie andere Versuche unternehmen, um die Gründe für das Beben, die Blitze und dem Erscheinen des Ersten herauszufinden, so beschlossen sie einen letzten Versuch beim Tempel der Insel zu starten.

Dort angekommen konnten sie auch hier nichts Ungewöhnliches entdecken, so dass sie beschlossen wie in der Vergangenheit schon öfter mit den Ersten über den gewohnten Weg des Wasserfalls im Tempel Kontakt aufzunehmen. Daher machte er sich auf den Weg zu den Tempelwachen, welche bisher immer in der Lage dazu gewesen waren die Ersten anzurufen, sie um eine Audienz am Wasserfall zu bitten. Sie selbst hatten natürlich ebenfalls vernommen was geschehen war und willigten nach einigem Philosophieren und Diskutieren dann schlussendlich ein die Kontaktaufnahme zu 'versuchen' und sich beizeiten wieder zu melden...


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So blieb ihnen nichts anderes übrig als auszuharren und auf eine Reaktion und hoffentlich ein Treffen zu warten...
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Eske Finneken
Beiträge: 118
Registriert: Donnerstag 21. Dezember 2023, 12:11

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Eske Finneken »

Nachdem sie das Haus auf K’awi gefunden hatte, erlaubte ihr der untere Teil des Hauses mit Wasserzu- und ablauf eine kleine Sehnsucht zu erfüllen:
Schlafen, wie in einem Kojenbett auf See, mit dem Schaukeln in seichtem Wellengang.
Dicke Taue, die auf Zug gehalten wurden, sorgten für die Stabilität des kleinen Schlafbootes und verhinderten ein Anstoßen an die Wände.


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Sie war früh auf gewesen, den ruhigen Morgen zum Angeln genutzt und später ihren Tagesdienst angetreten. Sie war Seefahrerin aus Leidenschaft und mit eben jener und Pflichtgefühl auch Mitglied der Inselwacht.
Sie hatte schon vieles gesehen an Meereswesen, aber die uralten Wesen, die man ehrfürchtig „die Ersten“ nannte, waren vor ihren Blicken bislang verborgen geblieben… wenn man von der magischen Verwandlung in einen solchen Ersten vom Iggyjung einmal absah.
An jenem Abend legte sie sich behaglich in ihr Bootsbett, las noch die Sage vom angeblich riesigen Schatz des Seefahrers Schatten-Loki, dem man nachsagte, immer im Schatten zu verschwinden, wenn es Arbeit gab und nach einer Weile fielen ihr auch die Augen zu.

Ein Grollen ging durch die Tiefen, als würde das Meer seine Knochen strecken, hohe Wellen wälzten sich ans Ufer und brachen über die Uferkanten, Sand und Leuchtalgen wirbelten auf und das folgende Beben ließ den Boden K’awis erzittern.
Bewohner, die noch wach waren und andere die aus dem frühen Schlaf gerissen wurden liefen zusammen und dann sahen sie ihn: zwischen den brechenden Wassermassen zeichnete sich seine gewaltige Gestalt ab – einer der Ersten!
Mit großer Aufregung, Spannung, aber auch begleitendem leichten Unwohlsein wurde er angestarrt.
Würde es einen Angriff geben? War K’awi in Gefahr?

Nur eine bekam von alledem nichts mit.
Eske schlief. Und träumte. Allerdings war das sanfte Wiegen plötzlich nicht mehr ganz so sanft.
Sicher, einen Teil der Wucht fing das Ufer ab, einen Teil die Hausmauer, aber es reichte dennoch, das kleine Boot ordentlich ins Schwanken zu bringen.
Das Tauwerk löste die Spannung und spannte sich wieder bis zum Äußersten, in stetem Wechsel. Es knarrte, vibrierte, aber auf der schlafenden Eske zeigte sich ein Lächeln auf den Lippen.
In ihrem Traum stand sie auf der Brücke eines großen Seglers, dessen Masten ächzten, dessen Segel sich weit aufblähten, wie im Sturm, ja sogar Blitze zerrissen den Himmel.
Laut rief sie mit fester Stimme: „Refft dit Jroßsejel! Steuamann, zwee Strich nach dit Backboard! Wia koofn jejen dit Welle an!“
Ihre Mannschaft, wettergegerbte Gestalten mit Seetang in den Haaren und Salz auf den Lippen, gehorchte. Das Deck schwankte unter ihren Füßen, wie das kleine Boot im Untergeschoss des Hauses. Jede Erschütterung der Insel verwandelte sich zu einer Welle in ihrem Traum und als ein besonders starkes Beben durch die Insel lief, stemmte sich Eske gegen das Steuerrad und lachte dem „Sturm“ ins Gesicht.

Erst am nächsten Morgen erfuhr sie von der abendlichen Begebenheit. Vom Inselbeben, von den Wellen, den Blitzen und … dem Auftauchen des Ersten!
Die Aufregung war auch da noch zum Greifen nahe.
Eske wurde still, ganz gegen ihre Gewohnheit.
Ohne Worte zu verlieren warf sie sich in ihre Inselwachtkluft, packte reichlich Proviant ein und suchte stiefelte los. Sie wählte eine Stelle auf der Brücke, die zur Magierakademie führte. Gar nicht so fern zeichnete sich die Gestalt des Ersten ab, halb verborgen in Strömungen und Licht.
Mit glänzenden Augen und aller seefahrerischen Begeisterung starrte sie zu ihm hinüber und ließ ihre Stimme über das Wasser tragen, indem sie laut rief: „Ick pass uff uff dia, meen Earstajung!“


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Und während vielleicht einige Bewohner noch immer flüsterten und staunten, stand die Seefahrerin wach und bereit – mit Proviant, Uniform und einem Herzen, das selbst im größten Beben seinen eigenen, ruhigen Kurs hielt.
Einfach Eske.
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Ignaz Nefario Milan
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Registriert: Montag 15. Februar 2016, 20:07

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Ignaz Nefario Milan »

Doch recht irritiert durch das Auftauchen dieses vermeintlichen Widergängers,
hatte er sich doch dereinst mit dem Geist seiner verstorbenen Liebsten, Jatziri, vereint,
um gemeinsam mit ihr in Vollkommenheit und Vollständigkeit aufzugehen,
während sogar K'awi selbst ihm unwohlgesonnen schien,
ließ sie doch die Wellen peitschen und den Wind erzürnen,
in Zwist und Widerstreit ihn sich dem Land nähern zu lassen,
so wurde Szundabh, der Hüter der Brandung, jetzt argwöhnisch beobachtet,
wie sein durchscheinender Körper, der wie aus fremden Sphären wirkte,
über das Wasser hinweg gleitete, wo es doch vor seiner Erblickung
abermals der Insel, durch Blitz und Beben, zum Missfallen zu gereichen schien.

So grübelte er was dies zu bedeuten habe,
und ob das gar ein verborgener Spielzug des Widersachers K'awi's sein könne,
welcher nach wie vor im Verborgenen lauerte.
Discord: ignatius_milan
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Angelica Mondstein
Beiträge: 1840
Registriert: Freitag 24. Juni 2011, 04:44
Wohnort: K'awi

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Angelica Mondstein »

Im Inneren des Tempels standen Angelica, Zephirina, Nephele und Eva am Rand des großen Wasserbeckens. Rotes Fackellicht tanzte über die Wände und spiegelte sich auf der dunklen, reglosen Oberfläche. Trotz des Bebens vor wenigen Tagen wirkte hier alles unversehrt – kein Riss im Stein, kein verräterisches Flimmern im Wasser.

Sie waren gekommen, um nach Hinweisen zu suchen. Nach Spuren dessen, was die Insel erschüttert und einen der „Ersten“ an den Hafen gerufen hatte. Doch der Tempel schwieg. Zephirinas Blick glitt aufmerksam über Bögen und Pfeiler, Eva musterte die Halle mit ruhiger Gründlichkeit, während Angelica das Becken selbst nicht aus den Augen ließ.

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Schließlich trat Nephele vor den Augen der anderen drei an den Rand des Wassers. Bedächtig öffnete sie ihr kleines Säckchen und legte die gerösteten Bratapfelblüten mit Marzipan und Nüssen sorgfältig nieder – eine kleine, duftende Gabe inmitten des kühlen Steins. Die süße Note hob sich deutlich von der kargen, salzigen Luft des Ortes ab.

K'awi war für ihre Schweigsamkeit bekannt; sie beobachtete jedoch gerne und teilte die Freude mit jenen, die auf ihrer Insel wandelten. Wenn sie etwas annahm, tat sie es leise. Und sie naschte gerne - zumindest war das die bisherige Annahme. Verschwanden die Gaben, bedeutete das zumindest, dass sie weiterhin hinsah.

Da nichts weiter zu entdecken war, verweilten sie noch einen Moment in der flackernden Stille. Dann wandten sich die Vier gemeinsam dem Ausgang zu. Ihre Schritte hallten gedämpft über den Steinboden, während sie den Tempel hinter sich ließen – mit mehr Fragen als Antworten, doch entschlossen, Geduld zu bewahren.
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Kael Daymynd
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Registriert: Sonntag 18. August 2024, 18:05

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Kael Daymynd »

Nichtsahnend hatte der junge Hofbesitzer vor nach den Fohlen zu sehen, als er ihn erblickte.
Der Erste war um K'awis Insel herumgeschwommen und nun an ihrem Hof angelangt.
Und das in unserem Chaos!, dachte Kael und beobachtete eine Weile wie der eindrucksvolle Ureinwohner seine Kreise zog.
Wie konnte man dem Wesen nur begreiflich machen, das es durchaus hier erwünscht war und auch wenn es eine schier beängstigende Aura besaß, so wollte er es doch wie jeden anderen völlig unvoreingenommen willkommen heissen.
Sich Gedanken machend begab er sich ins Haus zurück und begann, wie immer wenn er grübelte, zu Kochen. War ja klar.
Dann aber begann Kael zu grinsen und legte das Ergebnis seines Kochens auf ein Holzbrett, welches auf dem Meer schwimmen würde.

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Zurück am Ufer der Meeresbucht liess er das Brett ins Wasser und auf den Ersten zutreiben.
"Auf das du keinen Hunger leiden musst verehrter Erster", rief er ihm zu und winkte lachend.
"Vielen Dank das du uns besuchst!"
Ob das Essen angenommen wurde oder irgendwann unterging bekam er nicht mehr mit, schliesslich galt es zig Arbeiten zu erledigen...
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Caelis Therin
Beiträge: 16
Registriert: Samstag 1. März 2025, 20:03

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Caelis Therin »

Der Schatten im flüssigen Glas
Die Brücke zum Wasser hin war still, als Thaius seinen Schritt verlangsamte. Er spürte die Veränderung in der Luft, bevor er sie sah, und zog Caelis sanft ein Stück zu sich herüber, während sein Blick die dunkle, spiegelglatte Wasseroberfläche absuchte.
Es war Caelis, deren lindgrüne Augen zuerst die Bewegung im Westen erhaschten. „Schau!“, hauchte sie, und die Aufregung in ihrer Stimme war kaum zu überhören. Unter ihnen, im tiefen Blau des Wassers, glitt etwas Unbekanntes dahin. „Was... ist... das?“, murmelte Thaius. Seine Stirn legte sich in tiefe Falten, während er angestrengt versuchte, die Schemen im Wasser zu fixieren. Caelis neigte den Kopf tief, eine instinktive Geste des Respekts vor dem Unbekannten. „K'awi xan'yasha“, rief sie dem Wesen einen leisen Gruß zu, ihre Stimme klar und sanft. „Wie schön“, flüsterte sie, fast ehrfürchtig. Thaius tat es ihr gleich und neigte den Kopf, doch er blieb stumm. Seine Gedanken waren praktischer Natur. „Was macht er hier wohl?“, fragte er leise. Er beobachtete, wie Caelis mit dem Gedanken spielte, die arkanen Energien zu nutzen, um die Präsenz in der Tiefe zu ertasten – oder gar selbst ins kühle Nass zu springen. Ein kurzes Kichern entwich ihr, als sie Thaius’ besorgten Blick sah. „Fressen werden sie einen nicht, oder?“, scherzte sie, doch die Neugier brannte in ihr. Hatten sie Schuppen wie Fische? Oder eine lederne Haut wie Schlangen? Es gab so viele Fragen, die in ihrem Kopf wirbelten. Doch Thaius erinnerte sie an Angelicas Worte: Diese Wesen wollten ungestört bleiben. Dass eines von ihnen sich so nah zeigte, war bereits ein seltenes Geschenk. „Ja, gehen wir lieber“, stimmte Caelis schließlich wehmütig zu. „Nicht, dass er sich gestört fühlt.“ Mit einer letzten, tiefen Verbeugung verabschiedete sie sich von dem Schatten in der Tiefe. Sie griff Thaius’ Hand fester, als sie sich wieder in Bewegung setzten. „Auch wenn es nur ein Schatten in der Tiefe war... es gibt sie, und sie sind unter uns“, sagte sie leise. Thaius spürte die Wärme ihrer Hand und blickte noch einmal zurück zum Wasser. „Das ist erstaunlich... und irgendwie auch etwas beängstigend.“

Die Tage strichen dahin, bis Caelis erneut den Weg zur Brücke nahe der Akademie suchte. Die Hoffnung, die Ersten ein weiteres Mal zu erblicken, begleitete jeden ihrer Schritte. Doch das Wasser blieb ein stummes Geheimnis. Nur die glatten Rücken einiger Delfine durchbrachen gelegentlich die Oberfläche, während von den mysteriösen Wesen aus der Tiefe keine Spur mehr zu finden war.


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Kurze Zeit später suchten sie das Gespräch mit der Matriarchin Angelica Mondstein. Sie hatte auch einiges zu berichten, und so fand Caelis in ihren Worten nicht nur die Bestätigung des Gesehenen, sondern begriff auch, wie wichtig ihre Zurückhaltung gegenüber diesen Wesen war. Getrieben von stillem Respekt besorgte sie erneut frischen Fisch und reifes Obst. Sie verweilte lange im Tempel, wartete geduldig in der Stille der Hallen, doch als sich auch an diesem Tag kein Wesen mehr aus der Tiefe zeigte, ließ sie ihre Gaben als Zeichen der Ehrerbietung zurück.


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Nephele Varmyld
Beiträge: 495
Registriert: Donnerstag 28. Juli 2016, 22:09

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Nephele Varmyld »

Sie konnte ihn spüren bevor sie ihn gesehen hatte, es klang so vertraut und doch irgendwie fremd.

Die Augen schliessen und dem Liedklang lauschen, das hatte Nephele die letzten Tage immer wieder gemacht. Zum Einen, weil es sie anzieht wie eine Motte das Licht und zum Anderen, hatte sie so eine Aufgabe für die Akademie erledigt.

Es klang nach Meer, Salz und etwas das Nephele nur schwer einordnen konnte. Der Erste war nicht das erste Wasserwesen dem sie näher kam, aber es war das erste Mal, dass sie sich so intensiv mit der Klangstruktur eines Wasserwesens beschäftigte.

Die Liedbegabte wusste nicht, wieso der Erste aufgetaucht war, er scheint einfach aufmerksam zu beobachten und die Insel zu umkreisen. Den genauen Grund dafür kannte sie nicht. Doch sie hatte auch keine Angst vor dem Ersten.

Im Gegenteil, sie freute sich über seine Anwesenheit, sie mochte fast alle Wasserwesen und dieser Hauch von Geheimnis, dass den Ersten umgab, machte ihn ungemein spannender.

Da Nephele nicht wusste, wie sie sich bei dem Ersten bedanken sollte, brachte sie immer wieder Gegenstände zum Tempel; Blumen und Fisch. Sie wusste nicht was die Ersten bevorzugten, also legte sie Blumen ab und liess ein paar Fische frei im Tempel, in der Hoffnung die Ersten würden sich darüber freuen.

Es dauerte Tage, in denen sie die Liedstruktur des Wesens studierte, doch nach einiger Zeit konnte sie schon nach kurzem die Aura ausmachen und hatte Gewissheit wo sich der Erste aufhielt.
Ob sie sich irgendwann getraute sich in ein solches Wesen zu verwandeln? Nephele zweifelte daran, nicht weil sie die Liedstruktur nicht verstand, das hatte sie jetzt nach langem beobachten und verinnerlichen gelernt. Es ging mehr um die Art der Ersten, oder eher des Ersten.
Das was sie an Emotionen spürte, war sehr widersprüchlich und manchmal einfach kaum zu Greifen.
Vielleicht hatte sie auch einfach zu viel Respekt vor den Ersten, um so tief einzudringen, dass sie das alles herausfinden konnte.

Ja, sie würde die Form eines Ersten annehmen können, aber ob sie darin lange bleiben konnte, wusste sie nicht zu sagen. Sie würde ihn weiter studieren solange er da war.
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Thaius Lark
Beiträge: 17
Registriert: Sonntag 12. Oktober 2025, 16:11

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Thaius Lark »

Das war schon.... Seltsam, faszinierend, irritierend und auch überwältigend.

Die junge Magierin zu begleiten, um ihr bei ihrer Hausaufgabe zu helfen war etwas Selbstverständliches, doch es dann zu beobachten, nicht mehr wirklich. Er musste einmal mehr anerkennen, dass er noch immer in den starren Strukturen wie früher dachte. Als er noch kein Gespür für das Lied hatte, als seine Realität noch den verlässlichen festen Pfaden folge.

Er wäre nicht darauf gekommen, einen magischen Impuls in das Wasser zu senden, wie einen Ruf. Da versagte sein zwar sehr präziser aber eben unbeweglicher Verstand. Aber es zu verfolgen, es zu sehen, auf mehreren Ebenen, das war mehr als nur „Interessant“.

Ob es sie nicht eher störte, als aufmerksam zu machen? Sie wollten in ruhe gelassen werden… so hatte er es zumindest verstanden. Wie weit ging solch ein magischer Impuls überhaupt? Würde er verfliegen, oder würde er wie eine Welle unter Wasser noch weit, weit gehen?

Zu viele Fragen, die warten mussten.

Doch dann war es dort, viele Tage später, dieses Wesen, unter der Wasseroberfläche. Etwas vergleichbares hatte er noch nie gesehen. Für Momente zweifelte er an der Realität, bis er sie akzeptieren konnte. Einer war gekommen. Waren sie der Grund? Gab es weitere?

Da war sie, die unglaubliche Möglichkeit ein solches Wesen zu beobachten. Und doch war sie so fern, fast außer Sicht
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Caelis Therin
Beiträge: 16
Registriert: Samstag 1. März 2025, 20:03

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Caelis Therin »

Die Begegnung im Tempel
Fragen standen noch offen, genau wie jene Antworten, die nicht erwidert wurden. Die junge Magierin hatte aber genug Ehrgeiz, um jene Antworten zu finden, und gab diesbezüglich nicht auf. Caelis wusste nicht, wieso der Erste aufgetaucht war, doch nutzte sie genau dies für ihre immer noch offen stehende Hausaufgabe. Man konnte ihn im Umkreis der Insel beobachten, und er war zuvor stets in allen Himmelsrichtungen von K’awi zu sehen gewesen. Doch diesen Abend schien alles anders zu sein. Wieder besuchte sie den Tempel, um ihnen frischen Fisch und Obst zu bringen. Sie spürte dieses Mal eine sehr nahe Präsenz von dem Ersten. Zumindest deutlicher als je zuvor, was sie von ihren bisherigen Besuchen im Tempel komischerweise nicht so wahrgenommen hatte. Sie stand mit ihrem hellrosafarbenen Kleid an den Stufen des großen Wasserbeckens, welches sich dort unten im Tempel befand. Sie nahm ein Geräusch, eine Bewegung wahr, und in dem sehr warmen und dunklen Gewölbe-licht sah sie zuerst nur den Schatten auf sich zukommen. Plötzlich war er direkt vor ihr. Caelis’ Atem stockte zuerst und sie stand steif da wie eine Statue. Die kleine Magierin ging langsam auf die Knie und neigte respektvoll sowie auch tief ihren Kopf entgegen. Sie wusste, wie scheu sie sind und dass sie sich nur sehr selten zeigen. Es dauerte, bis sie überhaupt einen Ton herausbrachte, und mit einem sehr leisen „K’awi xan’yasha“ begrüßte sie den Ersten. Es vergingen einige Momente, als sie ihr Lindgrün auf ihn richtete, und man könnte meinen, das Wesen habe ein Nicken angedeutet, oder war es nur in Caelis’ Vorstellung so? Letztendlich war sie sehr aufgeregt, dem Ersten so nahe zu sein, es dauerte auch, bis sie wieder klaren Verstandes war und begann, sich zu konzentrieren. Worte wurden hierbei nicht ausgetauscht, es schien, als wüsste der Erste, wieso die junge Magierin zugegen gewesen war.

Caelis nutzte die Gelegenheit und stimmte sich ins Lied ein, sie studierte seine Liedstruktur. Da die Magierin den Ersten zuvor schon mit Thaius im offenen Meer gesehen hatte, wenn auch nur als Schatten unter Wasser, wusste sie, dass jenes Wesen grundlegend die Fähigkeit besaß, unter Wasser zu atmen. Da der Erste nun unmittelbar neben Caelis auf den Stufen im Tempel verweilte, konnte er sich also auch auf dem Land bewegen. Stachelartige große und kleine Rückenflossen befanden sich über seine gesamte Länge hinweg. Einige größere sowie aber auch kleinere Flossen und Finnen befanden sich selbst an Kopf und Armen, mit denen sie sich in einer unglaublichen Geschwindigkeit unter Wasser fortbewegen können. Ihre dicken Schuppen sind deutlich härter als die Haut eines Menschen. Auch wenn Caelis ihn nicht zu berühren wagte, konnte man deutlich sehen, dass dies ihnen einen natürlichen Schutz bot. An einigen Schuppen sind kleine schimmernde Stellen, die einen perlmuttartigen Glanz aufweisen, sie reflektieren das Licht zu Land und brechen die Farbe unter Wasser. So wirken ihre Schuppen im Aussehen dunkel-grau-bläulich im Schimmer des Perlmutts und spiegeln aber auch viele facettenreiche Farben wider. Nicht nur ein natürlicher Schutz zu Wasser, nein, sondern auch zu Land. Da die Gaben von frischem Fisch und Obst stets im Tempel weg waren, geht die Magierin davon aus, dass ihre Ernährung auf roher Kost basiert und sie annehmend dann wohl auch im Meer selbst ihre Nahrung erjagen.

Caelis war überwältigt, dem Ersten so nahe sein zu dürfen, ihn zu lesen, zu studieren. Die schlangenartigen Bewegungen ließen erahnen, wie ihr Skelett im Inneren des Körpers aufgebaut schien. Eines Tages würde sich die kleine Magierin in so ein Wesen verwandeln?! Unfassbar, doch spürte sie jene Liedstruktur des Ersten, und je tiefer sie einzudringen versuchte, desto klarer wurde es ihr. Plötzlich zuckte Caelis zusammen, als sich der Erste in Bewegung setzte, und mit einem kurzen Blick zu ihr hin machte er sich auf in die Tiefe. Die junge Frau sah nur noch dem Schatten hinterher, in der Hoffnung, dass sie ihm im Klanglied nicht zu nah kam. Doch wäre dem so gewesen, hätte der Erste Caelis dies spüren lassen, und so stand sie mit geöffnetem Mund da, als wäre sie aus Stein. Es brauchte einige Momente, bis sie wieder zu sich kam und klar denken konnte. Ein leises Kichern ging von ihr aus, da sie es kaum begreifen konnte, was eben geschah. Nun hatten sich all die Besuche im Tempel gelohnt und somit hatte sich ihre Hausaufgabe endlich erledigt.



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Raven Vandokir
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Registriert: Donnerstag 26. März 2015, 00:16
Wohnort: K'awi

Re: Szundabh, Hueter der Brandung

Beitrag von Raven Vandokir »

Das Morgenlicht fiel in schrägen, goldenen Bahnen durch das Fenster der kleinen Küche und fing sich in Ravens Haar. Es war von einem so reinen, kühlen Weiß, dass es fast leuchtete, und floss wie flüssiges Mondlicht über seinen Rücken bis hinunter zu den Kniekehlen. Um seine Arbeit nicht zu behindern, hatte er es mit einem schlichten, ledernen Band locker zusammengebunden, doch einzelne Strähnen lösten sich immer wieder und tanzten bei jeder seiner Bewegungen.

Raven liebte das Ritual des Morgens. Für ihn war es keine bloße Handreichung, sondern ein Akt der Achtsamkeit.

Mit einer fast ehrfürchtigen Ruhe wählte er die Orangen aus. Er legte sie nebeneinander auf das hölzerne Brett – drei makellose Früchte, deren Schalen die Wärme der Sonne in sich zu tragen schienen. Er wusch sie unter kaltem Wasser, wobei er die raue Textur der Schale unter seinen Fingerspitzen aufmerksam wahrnahm, als wolle er die Geschichte jeder einzelnen Frucht spüren.

Seine Augen, ein tiefes, strahlendes Sternsaphirblau, in denen sich bei jedem Lichteinfall kleine, leuchtende Einschlüsse wie ferne Galaxien bewegten, waren vollkommen auf seine Aufgabe fokussiert. Er nahm ein kleines, scharfes Messer, dessen Klinge er zuvor akribisch poliert hatte.

Mit einer Präzision, die fast chirurgisch wirkte, schnitt er die erste Orange genau mittig durch. Ein feiner, süßlich-herber Duft stieg auf und erfüllte den Raum. Er betrachtete das Innere der Frucht – die strahlenförmige Anordnung der Segmente, die prallen Kammern, die unter der hellen Haut schimmerten. Er ließ sich Zeit, jede Faser zu prüfen, bevor er begann, sie auszupressen.

Er verwendete eine makellose Saftpresse aus Holz. Raven übte keinen stumpfen Druck aus; er führte die halbe Frucht in kreisenden, fast meditativ langsamen Bewegungen gegen den hölzernen Kegel. Er achtete darauf, das Maximum an Saft zu gewinnen, ohne die bittere weiße Haut unter der Schale zu verletzen. Sein Kiefer war leicht angespannt, die Lippen zu einem konzentrierten Strich geformt. Ein einzelner, saphirblauer Tropfen Licht schien in seinen Augen zu funkeln, während er beobachtete, wie das leuchtende Gold in den Behälter floss.

Nachdem er die letzte Orange gepresst hatte, betrachtete er das Ergebnis. Der Saft hatte eine lebendige, satte Farbe. Doch er war noch nicht fertig. Er nahm ein feines Sieb, um die allzu groben Fruchtfleischstücke zu entfernen, da er wusste, dass eine seidige Textur das Erlebnis vollendete. Er goss den Saft in ein hohes, dünnwandiges Glas, wobei er den Strahl so steuerte, dass keine Spritzer den Rand verunreinigten.

Er wischte die Arbeitsfläche mit einem Leinentuch ab, bis kein einziger Tropfen mehr zu sehen war. Erst dann, als alles wieder in vollkommener Ordnung war, hob er das Glas. Er hielt es kurz gegen das Gegenlicht des Fensters, sah, wie die Saphirreflexe seiner Augen sich im Glas brachen und den Saft in ein fast magisches Licht tauchten.

Ein leises, zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen. Er hatte nicht nur Saft gepresst; er hatte die Essenz eines sonnigen Morgens in einem Glas eingefangen. Behutsam, das Haar wie ein silberner Umhang hinter sich, trug er das Glas zum Tempel.

Dort angekommen stellte er das Glas auf den Boden und legte neben jenem Glas die schönsten Orangen aus, welche er finden konnte.

"K'awi mag Süßes sagte man..."

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