Das Flüstern der Insel La Cabeza

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Jynela Dhara
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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Jynela Dhara »

Der Nebel kam an jenem Abend ohne Ankündigung und gerade darin lag seine größte Höflichkeit. Dinge, die sich erklären, geben einem die Gelegenheit falsche Entscheidungen bewusst zu treffen. Der Nebel tat das nicht. Er war einfach da, legte sich über Stein und Holz, über Stimmen und Atem und nahm sich die Freiheit, die ihm niemand gewährt hatte.
Die Kapelle stand ruhig in seinem Griff, als hätte sie schon immer dazugehört. Drinnen sammelten sich Worte, die an etwas Höheres gerichtet waren, als könnte man durch ausreichende Wiederholung erreichen, dass die Welt zuhört. Sie hingegen war spätestens bei den ersten Geräuschen nach draußen gegangen und hielt Wache. Aus Gewohnheit. Wache halten war oft ehrlicher als manches Gebete. Sie versprach nichts außer Aufmerksamkeit.

Als der Nebel sie streifte, die leisen Worte sie berührten, war es kein Angriff. Kein Bruch, kein Schmerz, kein Moment, der sich groß genug anfühlte, um erinnert zu werden. Es war eher ein Versehen, ein flüchtiger Kontakt, wie er zwischen zwei Dingen entsteht, die sich auf unterschiedlichen Wegen begegnen und sich doch nicht wirklich wahrnehmen. Und doch blieb etwas zurück.

Drinnen begann die Zeit zu zerfallen, auch wenn die ersten Anzeichen nicht sofort zu sehen waren.
Zuerst kaum merklich, wie ein feiner Riss in Glas, den man nur sieht, wenn das Licht ungünstig fällt. Dann schneller, gieriger, bis die Stimmen der Kameraden brüchig wurden und die Körper begannen, sich gegen ihre eigene Form zu entscheiden. Es war kein Kampf, weil Kämpfe Gegenseitigkeit voraussetzen. Was dort geschah, war ein einseitiges Urteil. Und sie musste zusehen.

Sie stand nicht im Zentrum. Sie war nicht im Raum gewesen.

Der Nebel, die leise Stimme, die Worte, die sie nicht verstanden hatte, hatten kein sichtbares Zeichen an ihr hinterlassen. Keine Wunde, kein Mal, keine Geschichte, die sich leicht erzählen ließ. Stattdessen war es ein leiser Bruch im Inneren, ein Versatz in etwas, das bislang verlässlich gewesen war. Ihr Herz verlor nicht seine Kraft, sondern seine Gewissheit. Es schlug weiter, aber nicht mehr mit der stillen Selbstverständlichkeit eines Werkzeugs, das seine Aufgabe kennt. Es begann zu zögern.
Und Zögern ist ein Luxus, den sich der Körper nur selten leisten kann.

Die anderen zahlten ihren Preis offen. Jahre fielen von ihnen ab oder legten sich auf sie, als hätte jemand die Zeit beschleunigt und dann das Interesse verloren, sie wieder anzuhalten. Stärke verließ sie, Stimmen wurden leiser, Bewegungen vorsichtiger. Es war ein sichtbarer Verfall, klar genug, um benannt zu werden.

Bei Jynela war es anders.

Ihr Körper blieb, was er war, doch in ihm arbeitete etwas, das nicht dazu gehörte. Eine Schwäche, die sich nicht in Muskeln oder Knochen zeigte, sondern in den Zwischenräumen – in Atemzügen, die einen Moment zu lange brauchten, in Schlägen, die nicht mehr ganz im Takt lagen. Es war kein Versagen. Es war ein Hinweis.
Und Hinweise sind selten zufällig.

Es wäre einfacher gewesen, darin eine Form von Gnade zu sehen. Ein Verschontbleiben, ein Entkommen, vielleicht sogar eine Auswahl. Doch Jynela war nie jemand gewesen, der sich von einfachen Erklärungen beruhigen ließ. Was sie sah, war keine Gnade.

Etwas hatte sie berührt und sich entschieden, nicht zuzupacken.

Noch nicht. Vielleicht auch nur langsamer?

Seitdem geht es weiter wie zuvor. Nur ihr Handeln hatte sich verändert.
Nicht schärfer, nicht misstrauischer – aber langsamer.
Sie tat weiterhin ihren Dienst für das Reich, so zuverlässig wie zuvor.
Doch jede Bewegung wirkte nun bewusster, fast als würde sie ihre Kräfte einteilen.
Nicht aus Vorsicht, sondern aus der leisen, beständigen Angst heraus, dass ihr Herz sie im falschen Moment im Stich lassen könnte.

Und dass ihnen allen die Zeit davonlief.

Jynela ignorierte diesen Gedanken, so gut sie konnte.
Doch er blieb.
Mit jedem Schlag.

Jedes Mal, wenn ihr in der Kommandantur einer der Kameraden begegnete, die grauen Haare auffielen, die langsamen Bewegungen – Männer und Frauen, die unter ihrem Kommando stolz wie Eichen gestanden hatten und nun wie mürbes Holz zerfielen – zog sich ihr Innerstes zusammen. Es war kein Mitleid, das sie empfand, es war die brennende Last der Verantwortung.

Sie sollte ihr Schild sein. Und dieser Schild hatte Risse bekommen. Feine Linien zuerst, kaum sichtbar. Jetzt tief genug, dass sie hindurchsah. Und jede einzelne davon trug ihren Namen.
Sie sollte sie schützen. Immer. Deshalb stand sie an jenem Abend draußen.
Zwischen ihnen und allem, was kommen konnte.
Nicht aus Mut, sondern aus Pflicht. Aus Schuld.
Ihr Leben gegen ihres. Eine Rechnung, die für sie immer aufging.
Sie nahm den ersten Schlag, damit keiner von ihnen ihn tragen musste.
So wollte sie es, und so hatte sie es als Hauptmann gehalten.
Nur hatte sie nicht damit gerechnet, dass die Gefahr diesmal nicht vor ihr stand.
Sondern hinter ihr. In jenem Raum.

Und das verfolgte sie.

In den kommenden Nächten, wenn das Zögern in ihrem eigenen Herzschlag zu laut wurde, suchte sie die Stille des Tempels auf. Immer und immer wieder die Gedanken, die leisen Worte zum Einen.

„Bewahre sie. Wo mein Schutz nicht reicht, sei du es. Lass nichts durch, was sie bricht.“

Es war kein herkömmliches Gebet, es war ein leises Flehen an den Gott, an den Tempel, an das Schicksal selbst.
Sie vertraute den Templern, sie vertraute ihrer Weisheit, doch Vertrauen war ein schwacher Trost gegen die Sichtbarkeit des Todes. Mit jedem Atemzug, den ihre Leute schwerfälliger taten, wuchs in ihr die verzweifelte Hoffnung, dass dieser Fluch keine Einbahnstraße war. Dass man die Zeit wieder gerade rücken konnte, so wie man ein verbogenes Schwert in der Esse richtet.

Denn wenn es keine Umkehr gab, was blieb ihr dann noch anzuführen? Eine Kompanie aus Schatten?

Jynela straffte die Schultern, obwohl ihr Körper sich fremd anfühlte. Der Tempel würde eine Lösung finden. Er musste. Bis dahin würde sie weiter machen, ihre Kameraden würden weitermachen, zur Not auch erneut gegen den Nebel, gegen die Zeit und getragen von der Gewissheit, dass Alatar sah, was sie nicht sehen konnte. Seine Hand, sein Schutz war stets bei ihnen gewesen, er hielt sie auch wenn sie es nicht sehen konnten.
Der Eine und jene, die ihm dienten, würden nicht versagen.
Und solange sie noch stand, würde sie es auch nicht.


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Die Erzaehlerin
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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Die Erzaehlerin »

Die Tage verlieren zunehmend ihre gewohnte Struktur. Was einst vertraut war, wirkt fremd und verzerrt, als würde die Zeit nicht mehr im gleichen Takt schlagen wie zuvor. Stunden dehnen sich, während die Kräfte schneller schwinden, als es sein dürfte. Die Veränderungen sind nun nicht mehr zu übersehen.

Gesichter wirken gezeichneter, als hätten Jahre ihre Spuren hinterlassen, obwohl nur wenige Tage vergangen sind. Die Haut verliert an Spannkraft, wirkt fahler, müder, manch einer vermag sogar die ersten Altersflecken sehen. Bewegungen, die zuvor agil wirkten werden schwerfälliger und weniger geschmeidig. Selbst einfache Handgriffe verlangen Konzentration, wo zuvor Routine genügte.

Der Körper beginnt sich sichtlich zu verändern. Während bei manchen nur die falsche Schlafposition zu Gelenkschmerzen führen könnten, wird es bei anderen ganz klar der körperliche Zerfall wegen des Alters selbst sein.

Doch nicht nur der Körper leidet.

Auch der Geist beginnt bei manchen nachzugeben.

Gedanken verlaufen sich, Erinnerungen wirken unscharf, als würden sie langsam verblassen. Worte fallen schwerer, Entscheidungen dauern länger. Manche verspüren Momente der Verwirrung, kurze Augenblicke, in denen ihnen selbst einfache Dinge entgleiten.

Während jeder seine Zeit in eigenem Tempo verliert, wohl gänzlich der eigenen Natur geschuldet, scheint das Ende noch nicht erreicht.
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Horatio Bes
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Registriert: Sonntag 11. August 2024, 18:06

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Horatio Bes »

Wie Sandkörner in einem Stundenglas, so rinnt die Zeit.
Anstrengend die Tage, so eilig ist es, eine Lösung zu finden. Eine Lösung für den Fluch den er wohl selbst herbei beschworen hat.
Trübe Augen, die immer wieder zusammengekniffen werden, als er sich im Spiegel in seiner Bleibe auf Cabeza versucht anzusehen. War es wirklich der Vicarius Bes, der dort im Spiegel zu sehen ist?
Alt, gar gute 60 Jahre, so würde man einen Mann schätzen – so man ihn in den Gassen sieht.
Mit Furchen und Falten im Gesicht, die Augen beginnend mit einem grauen Schleier übersäht.

Bücher um Bücher wurden angestrengt gewälzt, in der Hoffnung etwas zu finden das Ratschläge gab.
Der Abend im alten Tempel von Rahal, am Blutbecken, brauchte nicht allzu viel Erkenntnis.
„man habe alles was sie brauchen“ – Aber was haben sie, die Templer und vor allem Horatio?

Die Sonne war bereits wieder untergegangen, die Nacht hereingebrochen und die Stille der Insel Cabeza ließ Horatio nachdenken.
Die Türglocke ging. Wer stört so spät am Abend?
Es war Fräulein Lorene, welche das Gespräch mit ihm suchte. Anfangs erschrocken, des Aussehens willen von dem Templer, doch später erzählend ihrem Wissensstand zu Mahu.
Zeit verstrich und irgendwann war es an der Zeit, das junge Fräulein zum gegen zu bitten, denn seine Zeit war scheinbar begrenzter als die ihre.
Bevor es schwerfällig und mit ächzend in die Nachtruhe ging, schrieb er sich selbst noch einige Notizen.
Notizen, falls er sich am nächsten morgen nicht mehr an alles des Vortages erinnern könnte.



Mahu;
Inselhexe, Schamanin oder auch Voodoo Frau.
Keine feste Gestalt, man kann sie nicht aufsuchen.
Sie erscheint, wenn sie es will.
Sie ist die Insel

Einst den Menschen gut gesonnen, so schützte sie jene die vor einem Dämon Hilfe suchten.
Doch ließ sie auch die Isla – Cabeza- einst für einige Zeit untergehen.
Sie will Ruhe auf der Isla – fühlt sie sich durch Alatar vertrieben und bedroht in ihrer Existenz?

Vernichten?
Da wäre die gesamte Insel in Gefahr und jene würde womöglich vernichtet. Sein, Alatars Reich wäre geschwächt und verkleinert.
Und, löst es den Fluch? Läuft die Sanduhr dann Rückwärts für die Zeit, bis zum Anfang?

Vertreiben?
Bedeute sie verschwindet, doch es bestünde stehts die Gefahr der Wiederkehr. Noch mächtiger und mit noch mehr Hass auf ihre Vertreibung erfüllt. Der Fluch, sie würde alles daran setzen das jener anhält. Bis die Zeit uns dahin rafft und wir verrotten.

Pakt oder Handel?
Dies wäre das, was irgendwie ein jeder mir rät. Jeder dem Mahu ein Begriff ist.
Doch was kann man der Insel anbieten?
Etwas, was das Ziel, im Sinne Alatars, nicht nichtig macht, aber sie, Mahu, besänftigt.
Sie den alatarischen Glauben auf ihr duldet.

- Eine Statue errichten, nicht übergeordnet Alatar, aber den Inselbewohnern und Gästen der Isla ein Denkmal?

- Sie, Mahu, als Priesterin der Isla einsetzen, als Dienerin Alatars? Eine Zwiegläubige Kapelle?

- Oder im Garten einen Mahu-Schrein errichten?

- Feinde, Bedrohung von Mahu vernichten, umso in ihre Gunst zu gelangen, sich so in ihre Schuld zu schlagen?

Pakt mit Gaben und Opfer?
- Gold und Edelsteine? Die einstige Piraten-, Freibeuter- und Seefahrerinsel Cabeza lebte davon. Für den Herren verstieße dies, im Überfluss, eh gegen das 6. Gebot.

- Das Salz des Meeres im Alatar geopferten Blute?
So wäre ein jeder der die Insel aufsucht, befleckt mit dem Salz der Meere von der Überfahrt um zu ihr zu kommen – Dies wäre vielleicht möglich.
Die Last der Meere als Opfer für Mahu, und das Blut, der Lebenssaft, für Alatar?

- Mit meinem Blut ein Pakt schließen, dass die Isla geschützt wird und nichts größeres auf ihr, der Isla, ohne Rückspräche mit Mahu passiert? Was würde sie als Sicherheit von mir verlangen?


Was könnte sie so stimmen, dass der Fluch aufgehoben und Rückgängig gemacht wird- sofern möglich, und Alatar sein Glaubensort behält?

Das Gespräch am letzten Tag dieses Wochenlaufen muss abgewartet werden.
Eine Anrufung von Mahu müsse im Anschluss geplant werden.
Fragen was ihre Missgunst auf mich und Alatar schürt und was dagegen getan werden könne.
Müssen alle Verfluchten dazu kommen?

"


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So endet die Notiz
Ennika Farnsstedter
Beiträge: 224
Registriert: Sonntag 3. Juni 2018, 21:05

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Ennika Farnsstedter »

Wann war es das letzte mal so viel gewesen...?

Bei der schieren Masse des orangeroten Bündels am Boden kamen mir auch nur ungute Erinnerungen wieder hoch. Der geplante und dann doch so rasche Aufbruch. Ja, es könnte hinkommen. Nur... waren das damals gefühlte Jahre, die ich dort zurückgelassen hatte... keine paar Monate.. schon gar nicht Tage...

Dass ich mich im Spiegel nicht ansehen wollte, das kam noch nie vor. Im Traum vielleicht, wo etwas nicht stimmt, man es sich genauer betrachtet und dann doch aufwacht. Oder die andere Variante: Man schaute zu genau hin und das Bild wurd immer schlimmer und man konnte nicht aufwachen. Dieses ungute Gefühl. Irgendwie schien dies die letztere Situation zu sein, mit dem bösen Zusatz, dass ich mir sicher war, wach zu sein.

Seit der Kapellenweihe auf Cabeza hielten sich die Träume eher zurück. Grad die erste Nacht abgelenkt und traumlos und sicher... die Erschöpfung trug dann nur andere Nuancen mit sich, eine ungewohnte Schwere und Müdigkeit, anders als sonst.
Dacht es sei einfach mein Kopf, zu beschäftigt mit den Bildern, diesen nebligen Augen, der Bosheit dahinter. Ich hätt verstanden, wenn der Stress sich wieder einen üblen Scherz mit meinem Körper erlaubt, aber mehr noch als die Schwere machte mir der Spiegel zu schaffen und das Bündel Haare auf dem Boden.

Es war zu viel...

Zu viel Länge für die Zeit seit dem letzten Haarschnitt, zu viel Erschöpfung verglichen zur Arbeit, die ich verrichtete, zu viel Vorsicht in manchen Schritten, als traue ich meinem eigenen Körper nicht mehr genug, zu viel der gerunzelten Augenbrauen bei den paar Passanten, als dass ich mir die feinen Linien im Gesicht nur selbst einbilden konnte...

Hatte sie das nicht gesagt? Sie, Er, Es... egal. Wie Sandkörner durch ihre Hand würde Zeit durch den Körper rinnen.

Eine andere Stimme rief mich aus meinen Gedanken ins Jetzt zurück und doch auch in den nächsten inneren Kampf. Ja, Nein, endlich, bitte nicht... mit jedem raschen Atemzug überschlugen sich die Gedanken wieder bis mit dem Blick auf den Durchgang ein verstecken nicht mehr möglich war und dann auch überflüssig.
Meine Sorgen kreisten nicht nur um mich. Glaub es wär anders, wenn... Nein, das wär ausgeschlossen. Mein vergangenes ich hätte nicht so gedacht, aber es hatte auch noch nicht wirklich gelebt, nicht wie ich.

Auflockernde Scherze, doch blieb der Sand, das ungute Gefühl im Unterbewusstsein, Auswirkungen dessen was auch immer dort auf Cabeza passiert war. Schnaps und einmal alles von der Seele reden bis zu der Tatsache, dass ich anderen aufbürde, was ich mich selbst nicht trau. Ungewiss und unausgesprochen, ob es nun nicht Jahre sind sondern Tage. Morgen zum Tempel, so der Plan. Sich nicht verrückt machen ein anderer, gut vorgenommen, nur an der Umsetzung liegt deutlich mehr Arbeit als gedacht... aber wer denkt sich schon sowas aus?
Gut auch wenn einem ein Teil dieser Arbeit abgenommen wird.
Gerade ist es wie es ist. Und auch mit ungewissen Aussichten...

Hier, jetzt... alles andere morgen.
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Raven Vandokir
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Wohnort: K'awi

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Raven Vandokir »

Erneut waren einige Tage ins Land gezogen wo sich Raven erhoffte, dass es nicht noch schlimmer werden sollte. Doch es kam anders als erhofft. Als er sich des Morgens aus dem Bett pellte sah er wie üblich in den Spiegel um seine eigentliche Schönheit zu begrüßen. Auch hoffte er, dass nun der Albtraum vorbei war, den er die letzten tage durchleben musste und damit nicht alleine war, denn er hatte Leidensgenossen, was es für ihn doch erträglich machte.

Er machte sich an diesen Abend auf den Weg zum Tempel um mehr zu erfahren, wie nun weiter vorgegangen wird. Als er dann den Tempel betrat fand er den Vicarius und Ennika vor die über die Sache redeten, doch bevor er mit ihnen ins Gespräch kam wurde sich vor dem Altar gekniet, was ihm sehr schwer fiel. Dann wurden einige Gedanken leise an Alatar gesprochen ehe er sich dann erhob und sich den beiden näherte. Auch jenen beiden konnte man ihren Umstand gut ansehen. Das Thema war die Inselhexe und wie man sie besänftigen könnte oder maximal wie vernichten. Doch irgendwie schien der Weg der Vernichtung nicht der richtige Weg zu sein, da er Paralelen zu Kawi erkannte. Wie Die Isla hatte Kawi auch eine höhere Macht die über die Insel wachte und wenn man gegen diese vorgehen würde würde sich die Insel durch die Ersten rächen. So war Raven der festen Überzeugung, dass auch die Isla sich auf diesen oder anderen Wege rächen wollen würde. Mahru als Inselhexe die mit der Insel verbunden war könnte seiner Auffassung nach auch so agieren nur eben anders, heftiger...man sollte sie nicht unterschätzen so sprach Raven seine bedenken offen dem Vicarius aus, wie er darüber denkt.
Weniger später kamen noch Osswyn und Asyrian dazu und es begann eine lebhafte Runde, wie vorgegangen werden sollte.
Lösungsansätze wurden gesucht und auch gefunden doch welche Lösung die Richtige sein sollte das würde so oder so Mahru obliegen, dessen war sich Raven so sicher. Dann trennte sich die Gruppe und jeder zog seiner Wege....

....auf der Insel Kawi angekommen ging Raven zu jeden Spiegel und hing diese ab, da er sein altes Erscheinungsbild nicht länger ertragen konnte und meinte dann krächzend..."Ich will mich so vorstellen wie ich damals war....schön....hübsch.....keine Alterserscheinungen....ich sollt Wege finden wie ich mir diese Schönheit erhalte, wenn dies durchgestanden ist...."
Oswyn Grunland
Beiträge: 61
Registriert: Samstag 7. Juni 2025, 17:03

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Oswyn Grunland »

Der Morgen nach der Weihe lag bereits einige Tage zurück. Was mit ihm geschah, interessierte Oswyn zunächst wenig. Nicht, weil es ihm gleichgültig war, sondern weil die Arbeit keinen Raum dafür ließ. Eine Auftragsarbeit band ihn über Tage hinweg an seine Schneiderei. Der schwere Kopf und die müden Glieder mischten sich mit routinierten Handgriffen, die keine große Aufmerksamkeit brauchten. Er arbeitete. Wie immer.

Wer trinken konnte, der konnte auch arbeiten.

Die Erschöpfung war da, die Schwere ebenso, doch beides war ihm nicht fremd. Arbeitstage konnten lang sein, Nächte kurz. Es war ein Abspulen von Bekanntem, auch wenn sich alles anfühlte, als läge ein bleierner Mantel über ihm. Solange die Hände wussten, was zu tun war, brauchte es keine Gedanken. Und Gedanken waren in diesen Tagen ohnehin Mangelware.

Erst als er nach drei Tagen seine Schneiderei wieder verließ, drang die Welt von außen wieder zu ihm durch. Am Hafen von Cabeza blieb sein Blick an einem Aushang hängen – von Vicarius Bes.

Also doch nicht nur er.

Oswyn las die wenigen Zeilen, runzelte die Stirn. Viel stand dort nicht. Mehr Fragen als Antworten. Wenn alle betroffen waren, warum hatte niemand etwas gesagt? Warum nur dieser Zettel am Hafen? Eine Lösung ließ sich daraus jedenfalls nicht ziehen.

Er ließ den Blick noch einen Moment darauf ruhen, dann wandte er sich ab. Ob ihn das beruhigen sollte oder nicht, konnte er selbst nicht sagen.

In den klareren Momenten tat er, was er kannte: arbeiten. Das war ein Halt in unsicheren Zeiten. Doch diese Momente wurden seltener. Die Gedanken griffen ins Leere, verhedderten sich, verschwanden, bevor sie Form annehmen konnten.

Stattdessen sah man ihn nun häufiger über die Isla taumeln. Nicht betrunken. Eher suchend, als hätte er vergessen, wohin er eigentlich wollte.

Noch vor wenigen Tagen war er kaum dreißig. Dann ging alles schnell. Schlagartig wirkte er wie Mitte dreißig, und inzwischen lag ein grauer Schimmer in seinem Haar, die Linien in seinem Gesicht waren tiefer geworden. Jetzt sah er eher aus wie Anfang vierzig. Vielleicht war er es längst.
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Auriane Treuwind
Beiträge: 1809
Registriert: Dienstag 5. Juni 2018, 01:06

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Auriane Treuwind »

Sie hatten sich am Blutbecken versammelt, gemeinsam, um ebenso gemeinsam Alatar um Rat zu fragen. Dass sie selbst nicht wirken konnte war ihr einerlei, sie wusste dass sie für die Templer ohnehin einen anderen Zweck erfüllen würde... erfüllen musste. Der Dienst im Tempel forderte Opfer. Und gleich wieviele es sein sollten, jedes davon war seinen Preis wert. An diesem Abend aber waren ihre Gedanken noch schwerer, sie konnte sich fast selbst beim Altern zusehen, ohne dass es indes wirklich so geschah. Noch ruhte das Blutbecken vor ihnen, still und unberührt, während leise vergangene Erinnerungen in ihrem Hinterkopf sich zu regen begannen und nur wenige von ihnen an die Oberfläche gelangen konnten. Einen Teil der Macht hatte sie bereits einmal zu spüren bekommen als sie daraus trinken sollte, dieser Strom und Strudel der über einen hineinbrach und einen bis ins Innerste auf Standhaftigkeit und Willen prüfte, der einen unbarmherzig hinabreißen wollte war unvergleichlich, doch ebenso unvergleichlich war auch das Blut, welches man gelegentlich kosten durfte, aufbereitet von den Templern. Und all das war nur ein Bruchteil dessen was alles möglich war.

Dann waren sie wieder fort, nur eine klebrige Spur der Erinnerung hinterlassend dass sie da gewesen waren, präsent im Geiste. Hier im Alten Tempel waren ihre Gedanken etwas geklärter, aber noch immer zäh und träge und so begann sie mit den anderen mehr aus einem Impuls heraus denn gänzlich bewusst, spürte das kalte Metall in ihrer Handfläche und hieß es willkommen, denn verhieß es auf eine besondere Art ein Versprechen an Vertrautheit. All die Narben, frisch und alt, in ihrer Handfläche sprachen davon wie oft sie diesen Handgriff bereits getan hatte und auch heute sollte er ohne Zögern sein, allerdings auch ohne Präzision ob der zitternden Hände. Das Ritual begann.

Im Großen und Ganzen war es eines der ruhigeren, trüberen Rituale die sie miterlebt hatte, nur heute war es so, dass die Templer sehr zielstrebig auch an ihren Kräften zogen, rascher, fordernder als sonst und ohne Rücksicht. Das war wohl der zusätzliche Preis, den man als Messdienerin zahlen musste, die nicht nur kurzweilig im Tempel aushalf, eine, die zu mehr mitgenommen wurde als nur zum Schwenken des Weihrauches. Wie straffe Fäden entglitt ihr die Kraft, ließ sie immer weiter voransinken bis ein guter Teil ihres Arms im Blutbecken versunken war, kaum noch fähig sich irgendwie in der knieenden Position zu halten. Die Templer forderten mehr als das übliche, sie forderten bis zur Grenze und darüber hinaus. Vielleicht war der veränderte Tonfall untereinander bereits ein Indiz gewesen?
Das Blut hatte sich bewegt, sie hatte sich eingebildet Bilder dort drin zu sehen die für sie nicht da waren, Bilder, die mit alledem nichts zu tun hatten, Bilder die sie anschrien und am Ende nur das Ergebnis ihrer Entkräftung waren.

Und irgendwann... war es vorbei. Nur schwer durchdrangen die Worte der Templer ihr nebeliges Bewusstsein und irgendwo ein harscher Ruf... sie versuchte sich aufzurichten, nur um fast als Ganzes ins Blutbecken zu fallen als nicht nur die Kräfte nachgeben wollten, sondern sie selbst auch ausrutschte. Der Versuch Horatios hatte das nötige Gegengewicht gebracht, dass es nur bei einem Bein geblieben war, gekrönt von einem scharfen, klärenden Schmerz, der wohl ihrer Nachlässigkeit zuschulden war, weil sie sie mit falschem Titel angesprochen hatte. Das würde vermutlich noch ein Nachspiel geben, wenn nicht verdiente Peitschenhiebe.
Horatio bugsierte sie noch zum Altar, sorgte dafür, dass sie auch bloß nicht vergaß dem Herrn den Ihm zustehenden Respekt entgegenzubringen.
Sie fühlte sich an diesem Abend als wäre sie zweihundert Jahre gealtert, jeder Schritt rang ihr mehr als nur ein Quäntchen Kraft ab... der Weg nach Hause wäre zu lang geworden sodass sie im Glaubenshaus nächtigen wollte. Sie durfte, aber sie musste putzen. Der Wind war gedreht und wer wusste schon, wohin der Wind sie noch weiter tragen würde. Die Blicke waren anders, nicht nur durch den Fluch verursacht, nein, da war etwas anderes...

Der nächste Tag wollte jedoch nichts Gutes verheißen, sie war gebrechlicher geworden, dünner... man konnte mittlerweile die Knochen durch die Haut hindurchsehen, das einst so volle Haar auf dass sie als einziges stolz war am Ausdünnen und farbloser werden. Die grauen Strähnen waren graue Bahnen und ein Blick in den Spiegel ließ sie nicht wiedererkennen. Sie musste es akzeptieren, denn es war nun einmal wie es war und ließ sich im Moment nicht ändern. Die Templer hatten an ein jeden eine Aufgabe verteilt, dieser musste nachgegangen werden, gleich wie beschwerlich es auch sein, gleich wie oft sie dabei einschlafen würde, gleich wie schwer das Schreiben gehen würde und wieviel sie nach dem Aufschreiben vergessen hätte; sie zogen alle an einem Strang. Entweder sie siegten gemeinsam oder sie würden gemeinsam zugrunde gehen. Immerhin wäre es dann im Dienste am Herrn geschehen.

Der Wind hatte sich gedreht...




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Asyrian Corveth
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Registriert: Sonntag 8. März 2026, 17:05

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Asyrian Corveth »

Der Weg zur Kapelle war derselbe wie an jedem anderen Tag und doch fühlte er sich anders an, nicht länger, nicht fremd, sondern schwerer, als würde jede Bewegung mehr Aufmerksamkeit und Willen verlangen als zuvor, als wäre selbst das Gehen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Worte der anderen hallten noch in ihm nach, Fragmente von Gesprächen über Mahu, über Möglichkeiten, über Zweifel, über Wege, die alle unsicher wirkten, und doch notwendig waren. Asyrian hielt seinen Gang aufrecht und kontrolliert, doch sein Atem begleitete ihn inzwischen hörbar, ruhig geführt und dennoch nicht mehr so leicht, wie er es gewohnt war, während die langsam vertrauteren Gassen Rahals unverändert vor ihm lagen und ihm nur umso deutlicher wurde, dass nicht die Welt sich verändert hatte, sondern er selbst.
Als er die Stufen zur Kapelle erreichte, hielt er inne, nicht aus Ehrfurcht, sondern weil sein Körper es verlangte, seine Brust hob sich schwer zu einem tiefen Atemzug, dann zu einem zweiten, bevor er die letzten Schritte nahm und eintrat. Die Stille im Inneren war geordnet und beständig, so wie sie sein sollte. Sein Blick glitt zum Altar und diesmal vergaß er es nicht, trat langsam näher, jede Bewegung bewusst gesetzt, als müsse er sie seinem eigenen Körper aufzwingen, bevor er auf ein Knie sank, nicht makellos und nicht so sauber, wie es seinem Anspruch entsprochen hätte, aber ausreichend. Sein Kopf senkte sich und seine Stimme erklang leise, rauer als sonst und doch klar, als er sprach: „Der Eine prüft nicht ohne Grund. Wenn dies eine Prüfung ist, dann nehme ich sie an.“ Ein Atemzug unterbrach ihn kurz, schwer und hörbar, ehe er fortfuhr: „Doch dies fühlt sich nicht an wie eine Prüfung, die ohne Ursache kommt. Zu viele sind betroffen. Zu gleichmäßig. Zu… zielgerichtet.“ Seine Finger spannten sich leicht, während er die Worte formte, als würde er sie nicht nur sprechen, sondern festhalten wollen. „Wenn dies eine Reaktion ist… dann haben wir sie ausgelöst.“ Für einen Moment verharrte er in dieser Haltung, den Blick gesenkt, den Atem kontrollierend, so gut es ihm noch möglich war. „Dann ist es keine Frage des Durchhaltens allein“, murmelte er leiser, mehr zu sich selbst als in den Raum hinein, „sondern des Verstehens.“ Ein weiterer Atemzug folgte, rau und unvollständig, bevor er den Kopf ein wenig anhob, ohne sich ganz vom Altar zu lösen. „Mahu…“ Das Wort lag kurz in der Luft, prüfend, als würde er es erst jetzt wirklich greifen. „Wenn dies von dir ausgeht, dann ist es keine blinde Bosheit. Dann ist es Antwort.“ Seine Stirn legte sich leicht in Falten, nicht nur durch den Verfall, sondern durch den Gedanken selbst. „Und jede Antwort hat eine Ursache.“ Er schwieg einen Moment, als lausche er, doch es war nicht der Raum, dem seine Aufmerksamkeit galt, sondern den eigenen Gedanken, die sich langsamer formten als noch vor wenigen Tagen. „Dann liegt der nächste Schritt nicht im Widerstand allein“, sprach er schließlich, leise, aber gefasst, „sondern darin, zu erkennen, was genau wir berührt haben.“ Erst danach löste er sich langsam aus der knienden Haltung, bedächtig, mit spürbarer Anstrengung, und richtete sich wieder auf, sein Atem ruhig gehalten, auch wenn er schwerer ging als zuvor. Sein Blick ruhte noch einen Augenblick auf dem Altar, fest und klar trotz allem, was an ihm zehrte. „Stillstand wird nichts ändern“, murmelte er leise. „Unwissen ebenso wenig.“ Dann wandte er sich langsam ab, Schritt für Schritt, kontrolliert und unbeirrt, auch wenn jede Bewegung mehr von ihm verlangte als zuvor, und verließ die Kapelle so, wie er sie betreten hatte – nicht als der Mann, der er gewesen war, sondern als jemand, der begonnen hatte zu verstehen, dass dies erst der Anfang war und der nächste Schritt würde nicht bei ihm alleine liegen…
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Horatio Bes
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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Horatio Bes »

Die Nacht, unruhig, schwer und wenig erholsam.
Hatte Mahu erneut ihren Mantel um den Templer gelegt? In Gedanken, es drängte immer mehr, vielleicht auch aufgrund der davon rinnenden Zeit, Mahu versuchen selbst herbei zu locken und zu einem Gegenüber zu bringen.
Doch ist dies Ratsam?

Die Sonne wecke den alt gewordenen Bes, mühsam und schwerfällig führte der morgendliche Weg vor seine Türen, der Blick über die Isla schweifend, fiel ihm ein Brief in seinem Briefkasten auf.
Herausgefummelt, geöffnet und gelesen - dies brachte noch mehr Fragen in das eh schon faltige Gesicht.

Fräulein Lisann Naiensee, jene müsse er dringend sprechen, nur wie?
Niemand kannte sie.
Die Kunde, der Vicarius suche nach Fräulein Naiensee, würde der Bänker Avaller jedem mitgeben.
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Horatio Bes
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Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Horatio Bes »

Was wird Mahu verlangen?

Diese Frage beherrschte den Vicarius seitdem bekannt werden, dass es eine Art Schamanin der einstig Lameriast genannten Insel sein soll.
Viel wurde inzwischen abgewogen. All jene Wege führten immer wieder zu einem, einer Art Abkommen, Handel oder Pakt.
Dies bedeutet allerdings, dass er etwas geben muss - von sich, des Tempels, des alatarischen Reiches?

Am Nachmittag schoss es ihm in den Kopf, wie ein schneidender Schlag eines Schwertes auf weiches Fleisch. Lisann Naiensee, jene Frau die einen Tag vor der angesetzten Weihe der Inselkapelle schüchtern wurd und unsicher. Sie hatte Horatio abermals geschrieben, ihr Verhalten erklärt und dargelegt. Sie bekundete immer noch, bereit zu sein, bereit als absolut Gläubige für Alatar einzustehen.
So es der Münzverwalter arrangiert hatte, besuchte die junge, rothaarige Frau den Vicarius am Abend in seiner Hütte auf der Isla.
Das Gespräch, erst erklärend der Vorkommnisse und das Geschehen während der Weihe, dann die Zeit danach bis zum heutigen Zeitpunkt. Langsam aber sicher tastete sich der Diener des Tempels an seine Idee heran. Lisann schien zu ahnen auf was der Vicarius langsam hinarbeitete, war dies doch auch ihr Wunsch insgeheim.



Was der Vicarius zuvor noch wissen wollte, waren Eckpunkte der jungen Frau.
Mit krickliger Handschrift schrieb er es sich rasch auf, so sollte es doch nicht in Vergessenheit geraten.
Lisann Naiensee, etwa 30 Frühling alt, zartes Gesicht, wohler Körperbau, rötliche Haare - ein Fräulein aus Cantir, dort entsprungen einem kleinen angrenzendem Fischerdorf.
Später zog es sie nach Trigolsburg. Tätig als Dienstmagd, später Lehrmädchen, aber kein fundamentaler bedeutender Dienst im dortigen Reich.
Der See nicht abgeneigt landete sie irgendwann hier im alatarischen Reich auf Gerimor.
Kaum Hab und Gut, niemand würde in ewiger Trauer verfallen.
Das Einzige was stehts Hoffnung gab – der Glaube.
Die Frage wie sie Alatar ihren Dienst im Glauben zeigen könnte, beschäftigte sie -

heute mit der Antwort.
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Ilyra Falkhain
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Registriert: Freitag 22. August 2025, 00:11

Ilyra und das Vergessen

Beitrag von Ilyra Falkhain »

Sie hatte es versprochen. Das kleine Knäul Papier wird geschluckt.

Die Tür fällt ins Schloss.

Oder war das nur ein Klopfen und ihr Kopf macht mehr daraus, als es ist?

Ilyra bleibt sitzen. Die Finger noch an der Wange. Kleine Tropfen, Tränen. Verwirrt Blickt sie darauf bevor sich ihren Blick zur Tür wendet.

Gleich würde die Tür aufgehen. Die meisten warten nicht einmal auf Einlass. Eigentlich hätte das schon passieren müssen.

Eine ganze Weile...Nichts.

„Hauptmann?“

Ihre Stimme klingt vorsichtig. Ja fast schon fremd, als würde sie jemand anderem gehören.

Keine Antwort.

Natürlich keine.

Ein Gedanke formt sich und bricht ab. Einfach weg. Als hätte jemand ihn mit einem Messer sauber herausgeschnitten.

Ilyra blinzelt.

Da ist der Schreibtisch. Pergamente. Tinte.

Alles ordentlich. Alles richtig.

Gut.

Ordnung bedeutet, dass noch nicht alles verloren ist.

Oder?

Ihr Blick fällt auf ihre Hand. Tinte an den Fingern. Dunkel, noch nicht ganz getrocknet.

Sie kann sich nicht erinnern geschrieben zu haben.

Ein leises, trockenes Lachen entweicht ihr.

„Das fängt ja gut an.“

Sie greift nach einem Pergament, zieht es näher zu sich. Die Bewegung sitzt. Routine. Wenigstens das funktioniert noch.

Die Feder kratzt leise.

Sie hält inne.

Was wollte sie schreiben?

Wieder vergehen die Momente.

Momente laut schreiender Stille.

Ein Zittern läuft durch ihre Finger, kaum sichtbar, aber da. Sie presst die Lippen zusammen.

„Denk nach.“

Nichts.

Stattdessen etwas anderes.

Kühl. Feucht.

Ilyra hebt die Hand und streift über ihre Wange. Starrt dann auf die Fingerspitzen.

Reste einer Träne.

Sie betrachtet ihren Finger, als wäre es ein interessantes Schriftstück.

„Warum?“

Keine Antwort. Woher auch? Es war ja niemand da. Oder?

Ihr Blick schweift durch den Raum.

„Sehr Hilfreich.“

Der Sarkasmus in ihren Worten ist ungewohnt und bitter.

Die Feder senkt sich wieder aufs Papier. Langsam diesmal, mit viel Bedacht.
Hauptmann
Angst
Mittagessen?
Die Buchstaben sind sauber und filigran. Als würde Kontrolle das Chaos im Kopf ausgleichen.

Ilyra starrt auf das Wort Angst.

Unangenehm.

Sie tippt mit der Feder dagegen.

„Wovor?“

Wieder nichts.

Ihr Blick wandert zur Tür.

War da jemand gewesen?

Natürlich. Hier kommt ständig jemand herein. Das ist ihr Arbeitsplatz.

Ein Geschmack macht sich in ihrem Mund breit und sie schreibt die Worte "- Pfirsich, Papier" neben das Wort Mittagessen?

Ein Schatten von Erinnerung. Ein Gesicht. Streng. Vertraut.

Und dann...

weg.

Ilyras Finger beginnen auf dem Tisch zu trommeln. Unruhig.

Das ist nicht normal.

Nein. Das ist ein Problem.

Und Probleme haben Ursachen.

Und Ursachen kann man finden.

Langsam zieht sich ein schiefes Lächeln über ihr Gesicht.

Da ist sie wieder.

Diese verdammte Neugier.

Zäh wie Unkraut.

Gut.

Wenn schon alles andere versagt, dann wenigstens das nicht.

Sie lässt etwas Abstand und schreibt nun:
Fluch
Weihe
La Cabeza
Wer
Die Feder kratzt härter über das Papier.

Ein Funken Trotz glimmt in ihr auf.

„Das finde ich heraus.“

Ihre Hand hält inne.

Ihr Blick bleibt auf den Worten hängen.

„La…“

Die Stirn legt sich in Falten.

„…Cabeza?“

Das Wort fühlt sich fremd an.

Falsch.

Als hätte es jemand anderes geschrieben.

Langsam hebt sie den Kopf. Blinzelt.

Der Raum wirkt… anders.

Zu groß...oder zu leer.

Sie richtet sich auf, glättet automatisch ihr Kleid.

Ein kleines, höfliches Lächeln huscht über ihr Gesicht.

„Hauptmann? Kommt herein.“

Ihre Stimme ist klarer diesmal. Die stets freundliche Stimme der Schreiberin.

Ein kurzer Blick zur Tür.

Dann zurück auf den Tisch.

Die Pergamente.

Die fremden Worte.

Ihr Lächeln verliert sich.

„Oh.“

Ein leiser Laut. Kaum mehr als ein Atemzug.

Ihre Finger streichen über die Schrift, als könnten sie Bedeutung daraus ziehen.

Nichts.

Nur Tinte.

Und ein Gefühl.

Unangenehm.

Tief in der Brust.

Ilyra zieht die Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt.

„Das… gehört wohl mir.“

Ein schwacher Versuch von Humor.

Sie greift nach der Feder.

Zögert.

Setzt an.
Wichtig
Hauptmann
Angst
Mittagessen? -Pfirsich, Papier?

Fluch
Weihe
La Cabeza
Wer
Das Wort wird drei mal unterstrichen.

Sie hält inne.

Der Blick verschwimmt.

Ein leerer Moment.

Dann noch einer.

Wieder formt sich eine kleine Ansammlung von Wasser am Rand ihrer Augen.

Langsam sinkt die Feder aus ihrer Hand.

Ein leises Klacken auf dem Holz.

Ilyra starrt darauf.

Als hätte sie vergessen, was es ist.
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Raven Vandokir
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Stille Gedanken im Nebel der Erinnerungen

Beitrag von Raven Vandokir »

Raven merkte wie das Vergessen langsam aber unaufhaltsam in seinen Kopf einkehrte. In seiner Hand hielt er inzwischen einige Zettel mit Stichpunkte, die für ihn wichtig waren, wo er Sorge hatte, dass er jene vergessen würde. Doch er wollte eines noch hinter sich bringen, wo er noch bei klarem Verstand war. Vielleicht eine Bitte an Mahru oder eine Bitte, denn er hoffte, dass dies der Schlüssel war. Er schlief diese Nacht bei seinem Freund welcher noch friedlich neben ihm lag und erhob sich und zog sich an, doch von dem Blick in den Spiegel, seine Schönheit zu bewundern war nichts mehr zu sehen, er ignorierte den Spiegel komplett und nahm seine Kleidung um dann nach La Cabeza zu reisen. Dort angekommen sah er sich um und entdeckte eine Höhle mit Feuerechsen und dabei schüttelte er den Kopf. "Ich denke nicht dass dies der ruhigste Ort dafür wäre, ich will unentdeckt sein...." Seine Schritte trieben ihn über die Insel und ab und an merkte er, wie schleichend seine Sinne schwanden doch seine Zettel waren sein Anker an jenen er sich festklammerte. "Krathor, Alatar, Lorius, K'awi....Ravena aus Kokon befreien...." Er könnte sich so gut vorstellen hier zu leben, da ihm diese Hexe doch neugierig machte...
...alles auf dieser Insel war belebt und die Wachen liefen ihre Wege ab..."Hier kann ich schlecht alleine sein..." Er schloss seine Augen und genoss die tropische Ruhe, hier und da hörte er den einen oder anderen Vogel seine Laute abgeben und dann wurde die Stille von Lauten von Gorillas untermalt....der Klang der Wellen tat ihn in diesen Momenten der Ruhe gut...doch er merkte, wie die eine oder andere Erinnerung nicht mehr so klar war wie er es sonst gewohnt war, ja für ihn wurde das Vergessen normaler als gedacht und doch erinnerte er sich gerade noch so an den Grund warum er hier war...er wollte vielleicht Kontakt zu der Hexe aufnehmen...er vergaß aber dabei dass man ihn davon abriet...so konnte er sich noch gerade noch so an diesen Steg erinnern der hinter der Schmugglerhöhle war und ging dahin. Es standen vier Botte dort und ein Delphin begrüßte ihn fröhlich. "Ein Gefühl von zu Hause....bin ich zu Hause...? Es fühlt sich so an..." Er setzte sich auf den Steg und betrachtete die Wellen und schloss seine Augen.

Leise, fast unhörbar flüsterte er mit geschlossenen Augen...

"Mahru, wenn du mich hören kannst und ich glaube dass du mich hören kannst so höre mich. Ich bin selbst ein Diener Krathors, welcher sich mit den einen oder andren Fluch auskennt und ich ich weiß, dass alles seinen Preis hat gerne würde ich von dir erfahren was wir tun können, um diesen Fluch von uns nehmen zu lassen. Ich weiß dass man Pläne schmiedet um dich vielleicht auszulöschen. Doch dieses ist nicht in deinem Sinne oder? Ich wäre dankbar, wenn du uns Zeichen gibst wie wir den FLuch los werden, wie wir unser Ansehen bei dir verbessern. Ich denke auch, dass jeder der Anwesenden diese Schuld auf ihre Weise bei dir begleichen müssen. Auch ich war Teil dieser Weihe...auch ich habe....Teil genommen....auch ich wurde mit dem Blut dieser Frau bespritzt...Ich bitte dich, oh Mahru, Seele der Insel, gebe jeden von uns ein Zeichen, wie wir diesen Fluch los werden...ich wäre selbst dazu bereit, hier sesshaft zu werden. Wenn es dann doch das große Ganze betrifft dann sende uns bitte Zeichen, Zeichen die uns Wege zeigen, wie wir es schaffen wieder in deiner Gunst zu stehen. Ich möchte nicht schwach erscheinen aber das ist ein jeder von uns, denn du hast gezeigt, wer hier über allem steht...das sind wir nicht....Oh Mahru, sende uns bitte Zeichen, denn ich hab verstanden, wer hier die Seele der Insel ist.....das sind wir nicht....Ich habe verstanden..."

Als er diese Worte zu ende brachte ließ er seinen Kopf andächtig und voller Respekt der Inselhexe senken und schloss seine Augen. Als er sie wieder öffnete merkte er erneut, wie seine Erinnerungen schwanden, schnell wurde der Zettel hervor geholt und las sich diese Ankerworte vor....um sich noch an das Wesentliche zu erinnern...
Die Erzaehlerin
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Registriert: Dienstag 29. Oktober 2024, 13:03

Re: Das Flüstern der Insel La Cabeza

Beitrag von Die Erzaehlerin »

Es wird jene geben, welchen es erst am nächsten Morgen auffällt, wenn der gewohnte Gang zum Spiegel führt und jene, welche gerade in einer Unterhaltung verweilen, überrascht von dem was da plötzlich geschieht. So oder so, kommt es plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung, zumindest für einen Teil der Betroffenen.

Was noch vor Augenblicken verzerrt und fremd erschien, beginnt sich zu ordnen. Stunden verlieren ihre zähe Schwere, wirken wieder greifbar, vertraut. Die Kräfte kehren zurück, nicht schleichend, sondern spürbar, als würde eine unsichtbare Last von einem genommen werden. Die Veränderung ist nicht zu übersehen.

Gesichter beginnen sich zu wandeln.

Was zuvor vom Alter gezeichnet war, glättet sich. Falten verlieren an Tiefe, Altersflecken verblassen, die Haut gewinnt sichtbar an Spannkraft zurück. Der müde, schwere Blick weicht einem klareren Ausdruck, als würde etwas in den Augen selbst wieder aufleben.

Der Körper folgt diesem Wandel.

Bewegungen werden wieder sicherer und geschmeidiger. Das Zittern in den Händen lässt nach, die Gelenke verlieren ihre Steifheit. Die Kraft kehrt in die Glieder zurück.

Auch der Geist klärt sich.

Gedanken greifen wieder ineinander, Erinnerungen treten deutlicher hervor. Worte fallen leichter, Entscheidungen wirken sicherer. Die Momente der Verwirrung verlieren sich, als hätten sie nie existiert.
Hinzu tritt ein weiteres Gefühl, Vertrautheit. Der eigene Körper wirkt wieder wie der eigene. Bewegungen fühlen sich richtig an, Spiegelbilder verlieren ihre Fremdheit. Das, was zuvor entglitten war, kehrt zurück an seinen Platz.

Und während sich all dies vollzieht, wird eines deutlich:
Der Fluch ist gebrochen.
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