Aufbruchstimmung
- Raena Wolkental
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Aufbruchstimmung
Ihr Ziel? ...Gerimor...
Das Land in dem einst ihre Großmutter geboren worden war, bevor sie der Liebe folgte und ihrem Mann über die große See hinweg in eine neue Heimat nachzog. Dort in der Ferne, zwischen fremd klingenden Namen und doch vertraut wirkenden Hügeln, hatten ihre Eltern und später auch Raena selbst das Licht der Welt erblickt.
Es war eine schöne Zeit gewesen, doch heute ist alles anders.
Der Hof auf dem sie gelebt hatten war still geworden. Zu still. Jeder Balken, jeder Pfad, jeder Raum war durchzogen von Erinnerungen an jene, die gegangen waren. Stimmen, die sie noch zu hören glaubte. Blicke, die sie suchten, wenn sie allein war. Die Orte, die ihr einst Halt gegeben hatten, hielten sie nun fest – nicht aus Liebe, sondern aus Schmerz.
"Die Zeit heile alle Wunden", so sagt man. Raena hatte lange versucht, daran zu glauben. Doch manche Wunden schlossen sich nicht, solange man auch darauf wartete.
So fasste sie schließlich einen Entschluss.
Nicht aus Flucht, sondern aus Hoffnung heraus. Hoffnung darauf, dass Abstand die Schärfe der Erinnerungen mildern könne. Dass neue Wege, neue Gerüche, neue Himmel den alten Schmerz nicht auslöschten, ihn aber leiser werden ließen.
Als sie den Hof verließ, blickte sie nicht zurück. Nicht, weil sie vergessen wollte – sondern weil sie wusste, dass die Vergangenheit in ihr weiterlebte, wohin auch immer sie ging.
Und so machte Raena sich auf den Weg. Nicht wissend, was sie erwartete. Aber bereit, es zu finden.
Das Land in dem einst ihre Großmutter geboren worden war, bevor sie der Liebe folgte und ihrem Mann über die große See hinweg in eine neue Heimat nachzog. Dort in der Ferne, zwischen fremd klingenden Namen und doch vertraut wirkenden Hügeln, hatten ihre Eltern und später auch Raena selbst das Licht der Welt erblickt.
Es war eine schöne Zeit gewesen, doch heute ist alles anders.
Der Hof auf dem sie gelebt hatten war still geworden. Zu still. Jeder Balken, jeder Pfad, jeder Raum war durchzogen von Erinnerungen an jene, die gegangen waren. Stimmen, die sie noch zu hören glaubte. Blicke, die sie suchten, wenn sie allein war. Die Orte, die ihr einst Halt gegeben hatten, hielten sie nun fest – nicht aus Liebe, sondern aus Schmerz.
"Die Zeit heile alle Wunden", so sagt man. Raena hatte lange versucht, daran zu glauben. Doch manche Wunden schlossen sich nicht, solange man auch darauf wartete.
So fasste sie schließlich einen Entschluss.
Nicht aus Flucht, sondern aus Hoffnung heraus. Hoffnung darauf, dass Abstand die Schärfe der Erinnerungen mildern könne. Dass neue Wege, neue Gerüche, neue Himmel den alten Schmerz nicht auslöschten, ihn aber leiser werden ließen.
Als sie den Hof verließ, blickte sie nicht zurück. Nicht, weil sie vergessen wollte – sondern weil sie wusste, dass die Vergangenheit in ihr weiterlebte, wohin auch immer sie ging.
Und so machte Raena sich auf den Weg. Nicht wissend, was sie erwartete. Aber bereit, es zu finden.
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Ankunft
Die lange Reise über die See lag hinter ihr, das endlose Schwanken der Planken war verstummt, und unter ihren Füßen spürte sie wieder festen Boden. Raena blieb einen Moment stehen, als müsse sie sich vergewissern, dass die Welt nicht erneut ins Wanken geriet. Die See hatte sie stets geliebt – diese unbegreifliche Weite, die sich dem Blick entzog und doch alles versprach. Schon als Kind hatte sie dem Horizont nachgesehen und sich geschworen, eines Tages herauszufinden, was jenseits davon lag.
Nun hatte dieses Versprechen Gestalt angenommen, wenn auch aus Gründen, die ihr schwer auf der Seele lagen. Von dem, was einst ihr Zuhause gewesen war, war nichts geblieben außer ihr selbst – und der Leere. Eine Stille, die nicht tröstete, sondern schmerzte. Die Hoffnung auf einen Neubeginn hatte sie schließlich fortgetragen, über die Wellen hinweg, fort von Orten, die kein Abschließen zuließen. Die Erinnerungen wollte sie bewahren, doch den Schmerz, der sich an sie klammerte wie ein Schatten, wollte sie hinter sich lassen.
Und nun war sie hier.
Bajard...
Was in ihrer Heimat als Dorf gegolten hatte, wirkte im Vergleich wie ein flüchtiger Gedanke. Bajard erschien ihr beinahe wie eine Stadt aus Geschichten: größer, lauter, lebendiger.
Die Straßen waren erfüllt von geschäftigen Menschen, Stimmen vermischten sich mit fremden Klängen, und überall schien Bewegung zu herrschen. Es war, als hätte sie eine andere Welt betreten. Die Luft fühlte sich anders an, der Himmel spannte sich in ungewohnten Farben über ihr, und selbst die Blicke der Menschen trugen etwas Neues, Unbekanntes in sich.
Ein Knoten aus Anspannung zog sich in ihrem Bauch zusammen, begleitet von einem leisen, neugierigen Kribbeln. Ungeduld regte sich in ihr, ein unbewusster Drang, dieses Land zu entdecken, das sie bislang nur aus den Erzählungen ihrer Großmutter gekannt, und die dieses Land einst ihre Heimat genannt hatte. Mit einem tiefen Atemzug setzte sie sich in Bewegung.
Raena zog aus, um Land und Leute kennenzulernen – und vielleicht, ganz leise, auch einen Weg zu finden, auf dem Vergangenheit und Zukunft nebeneinander bestehen konnten.
Nun hatte dieses Versprechen Gestalt angenommen, wenn auch aus Gründen, die ihr schwer auf der Seele lagen. Von dem, was einst ihr Zuhause gewesen war, war nichts geblieben außer ihr selbst – und der Leere. Eine Stille, die nicht tröstete, sondern schmerzte. Die Hoffnung auf einen Neubeginn hatte sie schließlich fortgetragen, über die Wellen hinweg, fort von Orten, die kein Abschließen zuließen. Die Erinnerungen wollte sie bewahren, doch den Schmerz, der sich an sie klammerte wie ein Schatten, wollte sie hinter sich lassen.
Und nun war sie hier.
Bajard...
Was in ihrer Heimat als Dorf gegolten hatte, wirkte im Vergleich wie ein flüchtiger Gedanke. Bajard erschien ihr beinahe wie eine Stadt aus Geschichten: größer, lauter, lebendiger.
Die Straßen waren erfüllt von geschäftigen Menschen, Stimmen vermischten sich mit fremden Klängen, und überall schien Bewegung zu herrschen. Es war, als hätte sie eine andere Welt betreten. Die Luft fühlte sich anders an, der Himmel spannte sich in ungewohnten Farben über ihr, und selbst die Blicke der Menschen trugen etwas Neues, Unbekanntes in sich.
Ein Knoten aus Anspannung zog sich in ihrem Bauch zusammen, begleitet von einem leisen, neugierigen Kribbeln. Ungeduld regte sich in ihr, ein unbewusster Drang, dieses Land zu entdecken, das sie bislang nur aus den Erzählungen ihrer Großmutter gekannt, und die dieses Land einst ihre Heimat genannt hatte. Mit einem tiefen Atemzug setzte sie sich in Bewegung.
Raena zog aus, um Land und Leute kennenzulernen – und vielleicht, ganz leise, auch einen Weg zu finden, auf dem Vergangenheit und Zukunft nebeneinander bestehen konnten.
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Altlasten
Einige Monde war Raena nun schon in diesem Land, das ihr fremd geblieben war, auch nachdem sie gelernt hatte, sich darin zu bewegen. Die Luft roch anders, leichter vielleicht, und doch ungewohnt. Der Himmel spannte sich weiter über sie, klarer, fremder in seinen Farben. Orte zogen an ihr vorbei, Namen, Gesichter, Stimmen – Menschen, die sie sah, aber noch nicht wirklich kannte.
Was sie begleitet hatte, war kein Gepäck, das man ablegen konnte. Es war der Wunsch, einen neuen Weg zu finden, mit jenen Ereignissen umzugehen, die sich der Zeit widersetzt hatten. Erinnerungen, die nicht verblassten, sondern hartnäckig blieben, scharfkantig und unversöhnt. Lange hatte sie gehofft, die Zeit würde ihre Arbeit tun, würde glätten, heilen, leiser werden lassen. Doch sie hatte gelernt: Manche Wunden gehorchen dieser Regel nicht. Nicht immer. Nicht von selbst.
Und dennoch hielt sich Hoffnung in ihr, still, aber standhaft. Vielleicht irrte sie sich. Vielleicht verlangte das Vergangene nicht nach Vergessen, sondern nach einem anderen Blick darauf.
Warum es sie ausgerechnet in die Wüste zog, wusste Raena selbst nicht genau. Es war kein Plan, kein Ziel, das sie benennen konnte. Eher ein Ziehen tief in ihr, ein Bauchgefühl. Dort, wo Sand und Sonne alles Überflüssige forttragen, wo nichts verborgen bleibt, dachte sie, könnte Klarheit wachsen. In der Weite, im Schweigen, im beständigen Wandel der Dünen lag vielleicht ein neuer Blickwinkel verborgen.
Während sie den Horizont betrachtete, wusste sie eines sicher: Sie war nicht auf der Flucht. Sie war auf dem Weg. Und vielleicht war das bereits der erste Schritt zu einem erträglicheren Umgang mit dem, was gewesen war.
Was sie begleitet hatte, war kein Gepäck, das man ablegen konnte. Es war der Wunsch, einen neuen Weg zu finden, mit jenen Ereignissen umzugehen, die sich der Zeit widersetzt hatten. Erinnerungen, die nicht verblassten, sondern hartnäckig blieben, scharfkantig und unversöhnt. Lange hatte sie gehofft, die Zeit würde ihre Arbeit tun, würde glätten, heilen, leiser werden lassen. Doch sie hatte gelernt: Manche Wunden gehorchen dieser Regel nicht. Nicht immer. Nicht von selbst.
Und dennoch hielt sich Hoffnung in ihr, still, aber standhaft. Vielleicht irrte sie sich. Vielleicht verlangte das Vergangene nicht nach Vergessen, sondern nach einem anderen Blick darauf.
Warum es sie ausgerechnet in die Wüste zog, wusste Raena selbst nicht genau. Es war kein Plan, kein Ziel, das sie benennen konnte. Eher ein Ziehen tief in ihr, ein Bauchgefühl. Dort, wo Sand und Sonne alles Überflüssige forttragen, wo nichts verborgen bleibt, dachte sie, könnte Klarheit wachsen. In der Weite, im Schweigen, im beständigen Wandel der Dünen lag vielleicht ein neuer Blickwinkel verborgen.
Während sie den Horizont betrachtete, wusste sie eines sicher: Sie war nicht auf der Flucht. Sie war auf dem Weg. Und vielleicht war das bereits der erste Schritt zu einem erträglicheren Umgang mit dem, was gewesen war.
- Raena Wolkental
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Nach Menek'Ur
Die Reise war anstrengend...
Diese Hitze war sie nicht gewohnt, hatte sie doch noch nie einen Fuß in die - oder vielmehr überhaupt irgendeine - Wüste gesetzt. Die Lippen waren mit der Zeit trocken und spröde geworden. Ihre Augen brannten vom feinen Sand, den der Wind mit unbeirrter Beständigkeit mal sanft, mal nachdrücklicher in den Teil ihres Gesichtes wehte, der nicht von ihrem dünnen Stoffschal bedeckt war.

Die für die Reise mitgenommenen Wasserschläuche leerten sich auch schneller, als sie es angenommen hatte.
Raena hatte sich so einiges vorstellen können, was ihre erste Reise in diese Region betrifft, doch keiner davon schien nahe an die Realität heranzureichen. Sie hatte die Umstände ihres Unterfangens schlichtweg unterschätzt.
Zum Glück führte der Weg durch die Sande sie an einem Ort vorbei, an dem man ihr gestattete ihre Wasservorräte für den Rest der Reise aufzufüllen.
Da stand sie schließlich...
Sie schob den dünnen Stoffschal etwas zurecht, den sie sich um Kopf, Nacken und Hals gelegt hatte damit sie vor der direkten prallen Sonne geschützt waren und ließ den Blick etwas schweifen.
Hohe Mauern aus Sandstein ragten, bedrohlich für einen Feind doch schützend für jene die sie beherbergten aus dem Sand empor, und gingen fast fließend zu ihrer Rechten in den natürlichen Felsen des Berges über.
...Menek'Ur...

"Perle der Wüste", so sagte man ihr wird sie auch genannt.
Die Fassung...wirkte auf Raena schon einmal sehr beeindruckend.
Umso neugieriger wurde sie auf den Anblick der Perle, die sie umschloss.
Ehe sie ihrer Neugier geschlagen geben konnte, hatte sie jedoch noch etwas zu erledigen, weswegen sie eigentlich überhaupt erst hierhergekommen war.
Sie fragte eine der Wachen, von denen es hier viele zu geben schien - es muss wohl irgendwo ein Nest von ihnen geben - welcher Weg sie wohl zum Tempel führe.
Denk Kopf dankend etwas tiefer neigend, beschritt Raena dann gleich den ersten Weg in nördliche Richtung entlang der Perlenfassung. Sie fand irgendwie Gefallen an diesem Namen für die Stadtmauer, war er doch irgendwie stimmig.
Der Pfad führte den Berg hinauf in dessen Schatten sich die Stadt schmiegte.
Nachdem sie ihr Schreiben an den Toren des Tempels einer der Wachen übergeben hatte, führte der Weg sie in die Herberge zum wilden Lama, wo sie sich nach den Anstrengungen der letzten Tage erholen wollte.
Der Sand wollte vom Körper gewaschen werden, auch wenn dieser Zustand wohl nicht lang anhalten würde. Ihr Magen knurrte bereits mit Nachdruck, und auch ihre Kehle rief nach Flüssigkeit.
Ein Tee...ja, der wäre nun genau das richtige...
Diese Hitze war sie nicht gewohnt, hatte sie doch noch nie einen Fuß in die - oder vielmehr überhaupt irgendeine - Wüste gesetzt. Die Lippen waren mit der Zeit trocken und spröde geworden. Ihre Augen brannten vom feinen Sand, den der Wind mit unbeirrter Beständigkeit mal sanft, mal nachdrücklicher in den Teil ihres Gesichtes wehte, der nicht von ihrem dünnen Stoffschal bedeckt war.

Die für die Reise mitgenommenen Wasserschläuche leerten sich auch schneller, als sie es angenommen hatte.
Raena hatte sich so einiges vorstellen können, was ihre erste Reise in diese Region betrifft, doch keiner davon schien nahe an die Realität heranzureichen. Sie hatte die Umstände ihres Unterfangens schlichtweg unterschätzt.
Zum Glück führte der Weg durch die Sande sie an einem Ort vorbei, an dem man ihr gestattete ihre Wasservorräte für den Rest der Reise aufzufüllen.
Da stand sie schließlich...
Sie schob den dünnen Stoffschal etwas zurecht, den sie sich um Kopf, Nacken und Hals gelegt hatte damit sie vor der direkten prallen Sonne geschützt waren und ließ den Blick etwas schweifen.
Hohe Mauern aus Sandstein ragten, bedrohlich für einen Feind doch schützend für jene die sie beherbergten aus dem Sand empor, und gingen fast fließend zu ihrer Rechten in den natürlichen Felsen des Berges über.
...Menek'Ur...

"Perle der Wüste", so sagte man ihr wird sie auch genannt.
Die Fassung...wirkte auf Raena schon einmal sehr beeindruckend.
Umso neugieriger wurde sie auf den Anblick der Perle, die sie umschloss.
Ehe sie ihrer Neugier geschlagen geben konnte, hatte sie jedoch noch etwas zu erledigen, weswegen sie eigentlich überhaupt erst hierhergekommen war.
Sie fragte eine der Wachen, von denen es hier viele zu geben schien - es muss wohl irgendwo ein Nest von ihnen geben - welcher Weg sie wohl zum Tempel führe.
Denk Kopf dankend etwas tiefer neigend, beschritt Raena dann gleich den ersten Weg in nördliche Richtung entlang der Perlenfassung. Sie fand irgendwie Gefallen an diesem Namen für die Stadtmauer, war er doch irgendwie stimmig.
Der Pfad führte den Berg hinauf in dessen Schatten sich die Stadt schmiegte.
Nachdem sie ihr Schreiben an den Toren des Tempels einer der Wachen übergeben hatte, führte der Weg sie in die Herberge zum wilden Lama, wo sie sich nach den Anstrengungen der letzten Tage erholen wollte.
Der Sand wollte vom Körper gewaschen werden, auch wenn dieser Zustand wohl nicht lang anhalten würde. Ihr Magen knurrte bereits mit Nachdruck, und auch ihre Kehle rief nach Flüssigkeit.
Ein Tee...ja, der wäre nun genau das richtige...
Zuletzt geändert von Raena Wolkental am Montag 9. Februar 2026, 01:56, insgesamt 2-mal geändert.
- Raena Wolkental
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Schatz in der Wüste
Raenas Ziel war erreicht.
Das Schreiben war dem Tempel übergeben, die Pflicht erfüllt – zumindest für den Moment. Nun lenkte sie ihre Schritte zur Herberge „Zum wilden Lama“, in der leisen Hoffnung, dort noch ein freies Zimmer für die kommenden Tage zu finden. Das Glück war ihr hold: Man hatte noch Platz für sie.
Die Reise hierher hatte Spuren hinterlassen. Nicht nur in ihren Gliedern, die sich schwer und müde anfühlten, sondern auch in ihrem Spiegelbild wie sie feststellte. Ihre Augen brannten noch immer vom allgegenwärtigen Sand, den der Wind unermüdlich durch jede noch so kleine Öffnung trug. Über den Zustand ihrer Kleidung verlor sie lieber kein weiteres Wort.
Sie entledigte sich der staubigen Gewänder und wusch sich den Sand von Haut und Haaren. Das kühle Wasser war eine Wohltat, auch wenn ihr bewusst war, dass dieser Zustand nur von kurzer Dauer sein würde. Dennoch genoss sie den Moment.
Kurz darauf kehrte sie in den Schankraum zurück. Flache Tische standen dort auf dem Boden, umringt von dicken, weichen Sitzkissen – keine Stühle, keine Hocker. Der Anblick war ihr fremd. Unentschlossen wanderte ihr Blick mehrmals zwischen den hohen Barhockern am Tresen und den einladend wirkenden Kissen hin und her.
Schließlich wandte sie sich an die Frau, die gerade Tassen in einen Schrank räumte, erkundigte sich nach den einheimischen Tees und entschied sich für einen davon. Zunächst noch mit dem Gedanken spielend, am Tresen Platz zu nehmen, ließ sie sich dann doch auf eines der Sitzkissen nieder.
Zu ihrer Überraschung saß man erstaunlich bequem – nur eben näher am Boden. Beinahe unbewusst entspannte sich ihre Haltung, als sie den Tee entgegennahm, vorsichtig darüber pustete und einen ersten Schluck nahm.
Köstlich … einfach köstlich.
Frisch gewaschen, gestärkt und mit gestilltem Durst war es nun an der Zeit, ihrer Neugier freien Lauf zu lassen. Die fremden Straßen Menek’Urs riefen nach ihr. Jeder Schritt brachte etwas Neues hervor, etwas Unbekanntes, das ihren Blick fesselte und sie immer wieder innehalten ließ.
Die Wachen, die sie mit Fragen bestürmte, mochten innerlich seufzen – doch nach außen ließen sie sich nichts anmerken.
Die Zeit verging wie im Flug. Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont entgegen, als Raena an einem Gebäude vorbeikam, dessen Schild sofort ihre Aufmerksamkeit fesselte.
„Bibliothek Menek’Ur“
Ihre Züge hellten sich auf. Mit einer respektvollen Verbeugung gegenüber den Wachen trat sie nach kurzer Rückfrage ein. Im Inneren schweifte ihr Blick suchend umher, ohne recht zu wissen, wohin sie zuerst schauen sollte. Ganz von der Umgebung eingenommen machte sie ein paar Schritte – da vernahm sie ein Räuspern.
Erschrocken wandte sie den Kopf. Hinter einem massiven Schreibtisch aus Sandstein saß ein Mann, der wortlos mit ausgestrecktem Arm auf ein Regal neben der Eingangstür deutete.
Erst verstand sie nicht, dann hob sich ihre Braue in plötzlicher Erkenntnis. Entschuldigend hob sie die Hände, trat zurück, zog ihre Schuhe aus und stellte sie ins Regal. Stattdessen nahm sie sich ein Paar der bereitliegenden Socken.
Als sie erneut vorsichtig eintrat, nickte der Mann ihr knapp zu.
Die eigentliche Bibliothek lag in einem Nebenraum – hoch aufragende Regale, dicht gefüllt mit Büchern jeder Größe und Dicke. Ein wahrer Schatz an Wissen. Ein leises Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus, während sie durch die Reihen schritt.
Bände über Magie, Abhandlungen, Aufzeichnungen – schließlich blieb sie vor einem Regal stehen, das mit „Eluive“ beschriftet war. Sie griff nach einem Buch, schlug es auf und begann zu lesen.

Die Stunden verrannen wie Sand zwischen den Fingern. Erst ein Geräusch hinter ihr riss sie aus der Lektüre – es war bereits das fünfte Buch, das sie in den Händen hielt. Der Mann aus dem Vorraum war zurückgekehrt.
Nach einem kurzen Gespräch stellte sie die Bücher an ihren Platz zurück und machte sich auf den Weg zum Ausgang.
Dieser Ort barg so viel Neues, so viel Wissenswertes.
Eines war gewiss: Am morgigen Tag würde sie zurückkehren.
Es gab noch so vieles, das darauf wartete, entdeckt zu werden.
Das Schreiben war dem Tempel übergeben, die Pflicht erfüllt – zumindest für den Moment. Nun lenkte sie ihre Schritte zur Herberge „Zum wilden Lama“, in der leisen Hoffnung, dort noch ein freies Zimmer für die kommenden Tage zu finden. Das Glück war ihr hold: Man hatte noch Platz für sie.
Die Reise hierher hatte Spuren hinterlassen. Nicht nur in ihren Gliedern, die sich schwer und müde anfühlten, sondern auch in ihrem Spiegelbild wie sie feststellte. Ihre Augen brannten noch immer vom allgegenwärtigen Sand, den der Wind unermüdlich durch jede noch so kleine Öffnung trug. Über den Zustand ihrer Kleidung verlor sie lieber kein weiteres Wort.
Sie entledigte sich der staubigen Gewänder und wusch sich den Sand von Haut und Haaren. Das kühle Wasser war eine Wohltat, auch wenn ihr bewusst war, dass dieser Zustand nur von kurzer Dauer sein würde. Dennoch genoss sie den Moment.
Kurz darauf kehrte sie in den Schankraum zurück. Flache Tische standen dort auf dem Boden, umringt von dicken, weichen Sitzkissen – keine Stühle, keine Hocker. Der Anblick war ihr fremd. Unentschlossen wanderte ihr Blick mehrmals zwischen den hohen Barhockern am Tresen und den einladend wirkenden Kissen hin und her.
Schließlich wandte sie sich an die Frau, die gerade Tassen in einen Schrank räumte, erkundigte sich nach den einheimischen Tees und entschied sich für einen davon. Zunächst noch mit dem Gedanken spielend, am Tresen Platz zu nehmen, ließ sie sich dann doch auf eines der Sitzkissen nieder.
Zu ihrer Überraschung saß man erstaunlich bequem – nur eben näher am Boden. Beinahe unbewusst entspannte sich ihre Haltung, als sie den Tee entgegennahm, vorsichtig darüber pustete und einen ersten Schluck nahm.
Köstlich … einfach köstlich.
Frisch gewaschen, gestärkt und mit gestilltem Durst war es nun an der Zeit, ihrer Neugier freien Lauf zu lassen. Die fremden Straßen Menek’Urs riefen nach ihr. Jeder Schritt brachte etwas Neues hervor, etwas Unbekanntes, das ihren Blick fesselte und sie immer wieder innehalten ließ.
Die Wachen, die sie mit Fragen bestürmte, mochten innerlich seufzen – doch nach außen ließen sie sich nichts anmerken.
Die Zeit verging wie im Flug. Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont entgegen, als Raena an einem Gebäude vorbeikam, dessen Schild sofort ihre Aufmerksamkeit fesselte.
„Bibliothek Menek’Ur“
Ihre Züge hellten sich auf. Mit einer respektvollen Verbeugung gegenüber den Wachen trat sie nach kurzer Rückfrage ein. Im Inneren schweifte ihr Blick suchend umher, ohne recht zu wissen, wohin sie zuerst schauen sollte. Ganz von der Umgebung eingenommen machte sie ein paar Schritte – da vernahm sie ein Räuspern.
Erschrocken wandte sie den Kopf. Hinter einem massiven Schreibtisch aus Sandstein saß ein Mann, der wortlos mit ausgestrecktem Arm auf ein Regal neben der Eingangstür deutete.
Erst verstand sie nicht, dann hob sich ihre Braue in plötzlicher Erkenntnis. Entschuldigend hob sie die Hände, trat zurück, zog ihre Schuhe aus und stellte sie ins Regal. Stattdessen nahm sie sich ein Paar der bereitliegenden Socken.
Als sie erneut vorsichtig eintrat, nickte der Mann ihr knapp zu.
Die eigentliche Bibliothek lag in einem Nebenraum – hoch aufragende Regale, dicht gefüllt mit Büchern jeder Größe und Dicke. Ein wahrer Schatz an Wissen. Ein leises Kribbeln breitete sich in ihrem Bauch aus, während sie durch die Reihen schritt.
Bände über Magie, Abhandlungen, Aufzeichnungen – schließlich blieb sie vor einem Regal stehen, das mit „Eluive“ beschriftet war. Sie griff nach einem Buch, schlug es auf und begann zu lesen.

Die Stunden verrannen wie Sand zwischen den Fingern. Erst ein Geräusch hinter ihr riss sie aus der Lektüre – es war bereits das fünfte Buch, das sie in den Händen hielt. Der Mann aus dem Vorraum war zurückgekehrt.
Nach einem kurzen Gespräch stellte sie die Bücher an ihren Platz zurück und machte sich auf den Weg zum Ausgang.
Dieser Ort barg so viel Neues, so viel Wissenswertes.
Eines war gewiss: Am morgigen Tag würde sie zurückkehren.
Es gab noch so vieles, das darauf wartete, entdeckt zu werden.
- Raena Wolkental
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Unverhofft
Noch etwas müde von der späten Stunde des Vorabends trat Raena am nächsten Morgen in den Schankraum der Herberge. Sie suchte sich einen Platz, in der Hoffnung auf ein Gegenmittel für ihr Magenknurren und eine Tasse Tee, um die Schwere aus ihren Gliedern zu vertreiben.
Unerwartet wurde ihr ein kleines Stoffbündel überreicht. Irritiert hielt sie inne, umso mehr, als ihr Blick auf das Siegel des Tempels fiel, das es zierte. Für einen Moment blieb sie reglos sitzen. Dann neigte sie den Kopf ein Stück tiefer und bedankte sich vielmals, während sie das Bündel in ihren Händen wog und einen ersten Blick hineinwarf.
Ihre schmalen Brauen hoben sich zunehmend an, und die Züge erhellten sich sichtlich bei dem, was sich ihr offenbarte. Als sie die Worte auf dem beiliegenden Zettel gelesen hatte, neigte sich ihr Blick von ihrem Sitzplatz aus leicht zur Seite. Durch den Rundbogen in der Wand spähte sie hinaus, hinauf zu dem Berg, auf dem der Tempel erhaben thronte – gerade noch war ein Teil von ihm zu erkennen.
Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen, während diese ein kaum hörbares
„Danke…“ formten.
Unerwartet wurde ihr ein kleines Stoffbündel überreicht. Irritiert hielt sie inne, umso mehr, als ihr Blick auf das Siegel des Tempels fiel, das es zierte. Für einen Moment blieb sie reglos sitzen. Dann neigte sie den Kopf ein Stück tiefer und bedankte sich vielmals, während sie das Bündel in ihren Händen wog und einen ersten Blick hineinwarf.
Ihre schmalen Brauen hoben sich zunehmend an, und die Züge erhellten sich sichtlich bei dem, was sich ihr offenbarte. Als sie die Worte auf dem beiliegenden Zettel gelesen hatte, neigte sich ihr Blick von ihrem Sitzplatz aus leicht zur Seite. Durch den Rundbogen in der Wand spähte sie hinaus, hinauf zu dem Berg, auf dem der Tempel erhaben thronte – gerade noch war ein Teil von ihm zu erkennen.
Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen, während diese ein kaum hörbares
„Danke…“ formten.
- Raena Wolkental
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Lesestoff - Teil I
Das Bündel mit dem Siegel des Tempels lag in Raenas Händen. Vor wenigen Stunden erst wurde es ihr übergeben, und schon vom ersten Augenblick an haftete ihm etwas an, das ihre Aufmerksamkeit verlangte.
Nachdem sie den Bergpfad zum Tempel hinauf hinter sich gebracht hatte, hielt sie im Eingangsbereich einen Moment inne. Wie es hier Sitte war, schlüpfte sie aus ihren Schuhen und tauschte sie gegen ein paar schlichte Socken, die sie dieses Mal sogar selbst mitgebracht hatte. Der kühle Stein unter ihren Füßen ließ sie diesen Ort bewusster wahrnehmen, und erdete sie auf eine gewisse Weise.
Der Tempel strahlte eine stille Erhabenheit aus. Hohe Säulen trugen das Dach wie gewachsene Stämme. Licht fiel gedämpft durch die Buntglasfenster, und ließ hier und dort feinste Sandkörner in der Luft tanzen. Raena blieb stehen, hob den Blick an und ließ die Weite im Innern des Gebäudes auf sich wirken. Eine Größe, die nicht einnahm, sondern einlud.
Erst nach einer kurzen Weile setzte sie sich wieder in Bewegung und folge den Beschreibungen der Wachen vom Tor zur Bibliothek.
Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, hielt sie unwillkürlich für einen Augenblick den Atem an. Reihen um Reihen von Regalen erstreckten sich vor ihr, gefüllt mit Büchern, Schriften und Rollen. Der Geruch von altem Papier und Leder lag in der Luft. Ein leises Lächeln zeichnete sich auf Raenas Lippen ab, während sie langsam zwischen den Regalen entlang ging.
Ihre Finger glitten über das Holz der alten Regale, die Augen folgten den Beschriftungen. Gelegentlich blieb sie stehen, las einen der Buchtitel, ließ ihn wirken, ohne jedoch gleich danach zu greifen.
Letztlich zog sie sich etwas abseits an einen ruhigen Platz zurück. Sie setzte das Bündel ab, dass sie mit hergebracht hatte und öffnete es. Das erste Buch wurde herausgenommen. Schon der Einband verriet, dass es das Erste einer ganzen Reihe war. Für einen Moment lang hielt sie es nur in Händen, ehe sie den Titel las:
„Lehren der Eluive“
Dann ließ sie sich langsam nieder, sank in einer etwas entspannteren Haltung zusammen, das Buch aufgeschlagen auf ihrem Schoß gebettet. Seite um Seite begann sie darin zu lesen. Anfangs mit der Aufmerksamkeit einer Fremden, die sich in unbekanntes Gebiet vorwagte doch schon bald mit wachsendem Interesse.
Die Texte erzählten von Herkunft, von Prüfungen…von einem Volk, das durch Mangel geformt worden war. Raene verharrte immer wieder, las vereinzelt Passagen ein zweites Mal, ließ Begriffe wie „Tradition“, „Sitte“ oder auch „Brauch“ auf sich wirken.
Besonders blieb sie an Beschreibungen hängen, wie aus Entbehrung Gemeinschaft erwuchs, wie Reinlichkeit, Gastfreundschaft und Mäßigung nicht bloß Regeln, sondern Überlebensnotwendigkeiten waren. Die Schriften waren in keinem belehrenden Ton verfasst, sondern erklärend, beinahe einladend. Raena spürte wie sich eine Spur von Verständnis in ihr regte- nicht in Form blinder Zustimmung, sondern in einer Art anfänglichem begreifen, warum Dinge geworden waren, wie sie waren. Das Bild vom Baum, dessen Wurzeln tief in der Vergangenheit lagen begleitete ihre Gedanken noch lange, während sie weiterlas.
Zeit verlor an Bedeutung. Seiten wurden umgeschlagen, das Licht im Raum dass durch die Fenster drang veränderte sich kaum merklich, bis es schließlich dunkler wurde. Erst als die Augen der jungen Frau müde zu brennen begannen und sie merkte, dass sie Absätze mehrfach lesen musste, schloss sie das Buch vorsichtig. Sie verharrte noch einen Moment, den Blick gesenkt und den Kopf voller Eindrücke, Fragen und Bildern.
Schweigend führte sie ihr Weg zurück in die Herberge durch die nächtlichen Straßen Menek’Urs. Oben in ihrem Zimmer ließ sie sich kaum Zeit. Das Bündel wurde sorgfältig beiseitegelegt und sie sank rücklings auf ihr Bett. Die Decke wurde gar nicht weiter beachtet, ihr Blick verlor sich für einen Herzschlag an der Zimmerdecke – dann nahm die Erschöpfung sie sanft mit sich. Vom Schlaf davongetragen…mit einem Kopf voller neuer Gedanken…
Nachdem sie den Bergpfad zum Tempel hinauf hinter sich gebracht hatte, hielt sie im Eingangsbereich einen Moment inne. Wie es hier Sitte war, schlüpfte sie aus ihren Schuhen und tauschte sie gegen ein paar schlichte Socken, die sie dieses Mal sogar selbst mitgebracht hatte. Der kühle Stein unter ihren Füßen ließ sie diesen Ort bewusster wahrnehmen, und erdete sie auf eine gewisse Weise.
Der Tempel strahlte eine stille Erhabenheit aus. Hohe Säulen trugen das Dach wie gewachsene Stämme. Licht fiel gedämpft durch die Buntglasfenster, und ließ hier und dort feinste Sandkörner in der Luft tanzen. Raena blieb stehen, hob den Blick an und ließ die Weite im Innern des Gebäudes auf sich wirken. Eine Größe, die nicht einnahm, sondern einlud.
Erst nach einer kurzen Weile setzte sie sich wieder in Bewegung und folge den Beschreibungen der Wachen vom Tor zur Bibliothek.
Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, hielt sie unwillkürlich für einen Augenblick den Atem an. Reihen um Reihen von Regalen erstreckten sich vor ihr, gefüllt mit Büchern, Schriften und Rollen. Der Geruch von altem Papier und Leder lag in der Luft. Ein leises Lächeln zeichnete sich auf Raenas Lippen ab, während sie langsam zwischen den Regalen entlang ging.
Ihre Finger glitten über das Holz der alten Regale, die Augen folgten den Beschriftungen. Gelegentlich blieb sie stehen, las einen der Buchtitel, ließ ihn wirken, ohne jedoch gleich danach zu greifen.
Letztlich zog sie sich etwas abseits an einen ruhigen Platz zurück. Sie setzte das Bündel ab, dass sie mit hergebracht hatte und öffnete es. Das erste Buch wurde herausgenommen. Schon der Einband verriet, dass es das Erste einer ganzen Reihe war. Für einen Moment lang hielt sie es nur in Händen, ehe sie den Titel las:
„Lehren der Eluive“
Dann ließ sie sich langsam nieder, sank in einer etwas entspannteren Haltung zusammen, das Buch aufgeschlagen auf ihrem Schoß gebettet. Seite um Seite begann sie darin zu lesen. Anfangs mit der Aufmerksamkeit einer Fremden, die sich in unbekanntes Gebiet vorwagte doch schon bald mit wachsendem Interesse.
Die Texte erzählten von Herkunft, von Prüfungen…von einem Volk, das durch Mangel geformt worden war. Raene verharrte immer wieder, las vereinzelt Passagen ein zweites Mal, ließ Begriffe wie „Tradition“, „Sitte“ oder auch „Brauch“ auf sich wirken.
Besonders blieb sie an Beschreibungen hängen, wie aus Entbehrung Gemeinschaft erwuchs, wie Reinlichkeit, Gastfreundschaft und Mäßigung nicht bloß Regeln, sondern Überlebensnotwendigkeiten waren. Die Schriften waren in keinem belehrenden Ton verfasst, sondern erklärend, beinahe einladend. Raena spürte wie sich eine Spur von Verständnis in ihr regte- nicht in Form blinder Zustimmung, sondern in einer Art anfänglichem begreifen, warum Dinge geworden waren, wie sie waren. Das Bild vom Baum, dessen Wurzeln tief in der Vergangenheit lagen begleitete ihre Gedanken noch lange, während sie weiterlas.
Zeit verlor an Bedeutung. Seiten wurden umgeschlagen, das Licht im Raum dass durch die Fenster drang veränderte sich kaum merklich, bis es schließlich dunkler wurde. Erst als die Augen der jungen Frau müde zu brennen begannen und sie merkte, dass sie Absätze mehrfach lesen musste, schloss sie das Buch vorsichtig. Sie verharrte noch einen Moment, den Blick gesenkt und den Kopf voller Eindrücke, Fragen und Bildern.
Schweigend führte sie ihr Weg zurück in die Herberge durch die nächtlichen Straßen Menek’Urs. Oben in ihrem Zimmer ließ sie sich kaum Zeit. Das Bündel wurde sorgfältig beiseitegelegt und sie sank rücklings auf ihr Bett. Die Decke wurde gar nicht weiter beachtet, ihr Blick verlor sich für einen Herzschlag an der Zimmerdecke – dann nahm die Erschöpfung sie sanft mit sich. Vom Schlaf davongetragen…mit einem Kopf voller neuer Gedanken…
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Lesestoff - Teil II
Am Folgetag führte Raenas Weg sie erneut den Tempelberg hinauf. Ihre Schuhe stellte sie wie üblich an der Schwelle ab, schlüpfte in ihre Socken und ließ den Staub und Sand von draußen hinter sich. Dieses Mal zögerte sie nicht lange. Die Erhabenheit dieses Ortes war ihr ein kleines Stück weit vertrauter geworden, nicht weniger eindrucksvoll, doch wirkte es nun etwas weniger überwältigend wie noch beim ersten Anblick, eher wie ein stiller Wächter der jeden ihrer Schritte prüfen, aber wohlwollend begleitete.
Die Bibliothek empfing sie mit derselben ruhigen Würde des gestrigen Tages. Raenas Blick schweifte kurz über die Regale, ehe ihre Schritte sie zielstrebig zu dem Platz führten an welchem sie auch das letzte Mal gesessen hatte. Aus dem mitgeführten Bündel entnahm sie nun das nächste Buch. Der Einband zeigte eine Art pyramidenartige Darstellung des Herrschaftssystems dieses Reiches. Sie strich mit den Fingern darüber, bevor sie es aufschlug.
Auf den ersten Seiten glaubte sie zu spüren, dass dieser Band ihr noch mehr abverlangte als der Vorherige. Die Worte darin sprachen von Dingen wie Ordnung, von Herrschaft, von Blutlinien und göttlicher Legitimation. Raena lehnte sich etwas zurück, begann langsamer und bedächtiger zu lesen.
Sie ließ die Beschreibungen der Führung des Reiches der Sonne auf sich wirken, der Rolle des Erhabenen, der engen Verflechtung von Glauben, Gesetz und Macht. Ein ums andere Mal hielt sie in ihrem Lesefluss inne, hob den Blick und dachte nach.
Nein, es war kein leichtes Lesen.
Manches stieß in ihrem Verständnis auf Widerstand. Fragen keimten auf, wo zuvor nur Neugier war. Besonders die Unumstößlichkeit der Herrschaft, die enge Bindung zwischen Zweifel und Frevel, ließ sie die Stirn runzeln. Dennoch erkannte sie auch die Logik die sich dahinter verbarg, die aus einem Leben in Entbehrung, aus Notwendigkeit einer klaren Führung erwachsen war.
Wie der Stamm eines Baumes, der sich – wenn er bestehen wollte – nicht beugen durfte.
Sie verlagerte den Blick während sie weiter las. Die Rollenbilder, Beschreibungen von Wüstensohn und Blüte forderten sie auf eine andere Weise heraus. Raena spürte die innere Distanz mit der sie manches betrachtete, anderes wiederum mit stiller Anerkennung. Sie verstand durchaus den Ursprung dieser Aufgabenverteilung, die Schutzgedanken und die Sorge um den Fortbestand und Gemeinschaft. Sie ließ zeitgleich jedoch zu, dass ihre eigenen Gedanken daneben stehen durften – nicht wertend, nicht verwerfend, sondern lediglich vergleichend.
Vor allem bei den Abschnitten über die Art der Bekleidung, Anstand und Verschleierung verweilte sie ein wenig länger. Was sie las, handelte von Schutz und Demut, von Hitze und Blicken sowie von Sitte und Gesetz. Sie begriff, dass es hier weniger um Stoffe als um Grenzen ging, und um das was sie für ein Volk bedeuten.
Die Stunden verstrichen unbemerkt. Das Licht in der Bibliothek wurde weicher, tiefer. Längst hatte Raena vergessen wie lange sie schon dort saß. Erst als sie eine Passage ein drittes Mal gelesen hatte ohne den Inhalt wirklich wahrzunehmen, schloss sie das Buch. Einen Moment lang verharrte sie noch reglos sitzend, das Gewicht dessen was sie gelesen hatte in sich sammelnd.
Der Rückweg zur Herberge, war wir schon gestern still. Die Eindrücke die der Tag hinterlassen hatte schwirrten in ihrem Kopf umher. Oben in ihrem Zimmer angekommen, letzte sie den zweiten Band sorgsam beiseite. Als sie sich auf ihr Bett fallen ließ, war ihr Geist noch wach. Voller Fragen und Gedanken, doch die Erschöpfung hatte rasch die Oberhand gewonnen.
Noch bevor sie einen dieser Gedanken hatte zu Ende führen können, glitt sie in den Schlaf. Getragen von Bildern eines Baumes, dessen Stamm fest verwurzelt war, auch wenn seine Äste sich im Wind bewegten…
Die Bibliothek empfing sie mit derselben ruhigen Würde des gestrigen Tages. Raenas Blick schweifte kurz über die Regale, ehe ihre Schritte sie zielstrebig zu dem Platz führten an welchem sie auch das letzte Mal gesessen hatte. Aus dem mitgeführten Bündel entnahm sie nun das nächste Buch. Der Einband zeigte eine Art pyramidenartige Darstellung des Herrschaftssystems dieses Reiches. Sie strich mit den Fingern darüber, bevor sie es aufschlug.
Auf den ersten Seiten glaubte sie zu spüren, dass dieser Band ihr noch mehr abverlangte als der Vorherige. Die Worte darin sprachen von Dingen wie Ordnung, von Herrschaft, von Blutlinien und göttlicher Legitimation. Raena lehnte sich etwas zurück, begann langsamer und bedächtiger zu lesen.
Sie ließ die Beschreibungen der Führung des Reiches der Sonne auf sich wirken, der Rolle des Erhabenen, der engen Verflechtung von Glauben, Gesetz und Macht. Ein ums andere Mal hielt sie in ihrem Lesefluss inne, hob den Blick und dachte nach.
Nein, es war kein leichtes Lesen.
Manches stieß in ihrem Verständnis auf Widerstand. Fragen keimten auf, wo zuvor nur Neugier war. Besonders die Unumstößlichkeit der Herrschaft, die enge Bindung zwischen Zweifel und Frevel, ließ sie die Stirn runzeln. Dennoch erkannte sie auch die Logik die sich dahinter verbarg, die aus einem Leben in Entbehrung, aus Notwendigkeit einer klaren Führung erwachsen war.
Wie der Stamm eines Baumes, der sich – wenn er bestehen wollte – nicht beugen durfte.
Sie verlagerte den Blick während sie weiter las. Die Rollenbilder, Beschreibungen von Wüstensohn und Blüte forderten sie auf eine andere Weise heraus. Raena spürte die innere Distanz mit der sie manches betrachtete, anderes wiederum mit stiller Anerkennung. Sie verstand durchaus den Ursprung dieser Aufgabenverteilung, die Schutzgedanken und die Sorge um den Fortbestand und Gemeinschaft. Sie ließ zeitgleich jedoch zu, dass ihre eigenen Gedanken daneben stehen durften – nicht wertend, nicht verwerfend, sondern lediglich vergleichend.
Vor allem bei den Abschnitten über die Art der Bekleidung, Anstand und Verschleierung verweilte sie ein wenig länger. Was sie las, handelte von Schutz und Demut, von Hitze und Blicken sowie von Sitte und Gesetz. Sie begriff, dass es hier weniger um Stoffe als um Grenzen ging, und um das was sie für ein Volk bedeuten.
Die Stunden verstrichen unbemerkt. Das Licht in der Bibliothek wurde weicher, tiefer. Längst hatte Raena vergessen wie lange sie schon dort saß. Erst als sie eine Passage ein drittes Mal gelesen hatte ohne den Inhalt wirklich wahrzunehmen, schloss sie das Buch. Einen Moment lang verharrte sie noch reglos sitzend, das Gewicht dessen was sie gelesen hatte in sich sammelnd.
Der Rückweg zur Herberge, war wir schon gestern still. Die Eindrücke die der Tag hinterlassen hatte schwirrten in ihrem Kopf umher. Oben in ihrem Zimmer angekommen, letzte sie den zweiten Band sorgsam beiseite. Als sie sich auf ihr Bett fallen ließ, war ihr Geist noch wach. Voller Fragen und Gedanken, doch die Erschöpfung hatte rasch die Oberhand gewonnen.
Noch bevor sie einen dieser Gedanken hatte zu Ende führen können, glitt sie in den Schlaf. Getragen von Bildern eines Baumes, dessen Stamm fest verwurzelt war, auch wenn seine Äste sich im Wind bewegten…
- Raena Wolkental
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Lesestoff - Teil III
Am dritten Tag, hatte der Weg hinauf zum Tempel beinahe schon etwas von Gewohnheit. Die Schritte waren vertrauter, und das Ablegen der Schuhe an der Schwelle eine selbstverständliche Geste. Der Tempel empfing die junge Frau wie zuvor schweigend, doch es fühlte sich auch dieses Mal an, als begab man in eine warme offene Umarmung hinein.
Am Zielort angelangt nahm sie Platz, zog das nächste Buch aus dem Bündel das sie mit sich führte und hielt es einen Moment lang in Händen. Als sie es aufgeschlagen hatte, bemerkte sie gleich den anderen Ton der Worte. Wo die vorherigen von Ordnung und Rollen sprachen, ging dieses auf Vergangene Zeiten ein. Namen, Jahre, Aufbrüche und Verluste.
Raena las von Visionen und Kriegen, Götterbrüdern und von einem Propheten der inmitten von Zwietracht den Ruf der Mutter vernommen hatte. De ersten Seiten zogen sie tief in die alten Zeitalter hinein, in den Exodus einer kleinen Schar, die sich aus Hoffnung und Verzweiflung zugleich auf den Weg gemacht hatte. Die Müdigkeit der Wandernden war für sie fast greifbar, sie spürte den Hunger, den Salzregen, das langsame begreifen, dass ein Zurück keine Option war.
Mit jedem Wort, dass sie las wurde deutlicher, wie eng der Glaube und die Geschichte hier miteinander verwoben waren. Die Entstehung von Tempel, Handel und der Stadt erschien ihr nicht als geradliniger Aufstieg, sondern als ein ständiges Ringen gegen die Umwelt und innere Zerwürfnisse. Die Beschreibung des Zeitalters der goldenen Blüte hielt sie besonders lange fest. Der Reichtum, neue Künste sowie der Austausch mit fremden Völkern, aber auch das leise, schleichende Kippen ins Maßlose, das Verlernen der alten Vorsicht.
Raena machte oft eine kleine Pause, und ließ vereinzelte Abschnitte auf sich wirken. Der Niedergang kam nicht plötzlich, sondern schleichend. Macht, Gier und Zweifel fraßen sich durch das Gefüge, bis selbst die Gunst der Göttin schließlich versiegte. Die Schilderungen über die ausgetrocknete Oase ließ sie unwillkürlich schlucken. Wasser verschwand, als die Ordnung zerbrach. Ein Bild, dass sich fest in ihrem Kopf verankerte.
Doch dieses Ende war kein endgültiges. Die weiteren Zeilen sprachen von Rückkehr und Reinigung, von harter Hand und erneuertem Glauben. Sie erzählten von einem Volk, das aus den Trümmern heraus seine alten Wurzeln suchte. Neue Kriege, neue Bündnisse folgten, und man schottete sich nach außen hin weitgehend ab. Das jüngste Zeitalter, maßgeblich geprägt vom Ringen der beiden Menschenreiche, wirkte wie ein Spiegel der Gegenwart auf sie. Nichts eindeutig, nichts abgeschlossen, alles ist in Bewegung. Dies ermöglichte dem Volk jedoch neue Mittel und Wege, nachdem sie sich aus ihrer weitgehenden Abschottung langsam wieder herauswagten.
Als Raena schließlich am letzten Abschnitt angelangte, war es längst still um sie geworden. Die Bibliothek lag in dämmrigem Licht, und sie schloss das Buch langsam, beinahe etwas ehrfürchtig. Dieses Werk hatte ihr nicht beigebracht, „was“ sie denken sollte, sondern ihr gezeigt, wie sehr die Vergangenheit nachwirkte und wie sehr jede Entscheidung Spuren hinterließ.
Mit Gedanken vollgepackt bis oben hin, machte sie sich auf den Rückweg zur Herberge. In ihrem Zimmer angekommen, fand das Buch den Weg zu den Anderen. Als sie sich rücklings auf ihr Bett fallen ließ, sah sie für einen Augenblick deutlich die Bilder vor sich. Eine wandernde Schar im Salzregen, eine sprudelnde Oase, eine Stadt aus Gold und Sand.
Dann verloren sich alles im Schlaf. Die Bilder verschwanden wie sie kommen waren, einer Fata Morgana gleich vor ihrem inneren Auge, und die Geschichte nahm Raena mit sich in das Reich der Träume.
Am Zielort angelangt nahm sie Platz, zog das nächste Buch aus dem Bündel das sie mit sich führte und hielt es einen Moment lang in Händen. Als sie es aufgeschlagen hatte, bemerkte sie gleich den anderen Ton der Worte. Wo die vorherigen von Ordnung und Rollen sprachen, ging dieses auf Vergangene Zeiten ein. Namen, Jahre, Aufbrüche und Verluste.
Raena las von Visionen und Kriegen, Götterbrüdern und von einem Propheten der inmitten von Zwietracht den Ruf der Mutter vernommen hatte. De ersten Seiten zogen sie tief in die alten Zeitalter hinein, in den Exodus einer kleinen Schar, die sich aus Hoffnung und Verzweiflung zugleich auf den Weg gemacht hatte. Die Müdigkeit der Wandernden war für sie fast greifbar, sie spürte den Hunger, den Salzregen, das langsame begreifen, dass ein Zurück keine Option war.
Mit jedem Wort, dass sie las wurde deutlicher, wie eng der Glaube und die Geschichte hier miteinander verwoben waren. Die Entstehung von Tempel, Handel und der Stadt erschien ihr nicht als geradliniger Aufstieg, sondern als ein ständiges Ringen gegen die Umwelt und innere Zerwürfnisse. Die Beschreibung des Zeitalters der goldenen Blüte hielt sie besonders lange fest. Der Reichtum, neue Künste sowie der Austausch mit fremden Völkern, aber auch das leise, schleichende Kippen ins Maßlose, das Verlernen der alten Vorsicht.
Raena machte oft eine kleine Pause, und ließ vereinzelte Abschnitte auf sich wirken. Der Niedergang kam nicht plötzlich, sondern schleichend. Macht, Gier und Zweifel fraßen sich durch das Gefüge, bis selbst die Gunst der Göttin schließlich versiegte. Die Schilderungen über die ausgetrocknete Oase ließ sie unwillkürlich schlucken. Wasser verschwand, als die Ordnung zerbrach. Ein Bild, dass sich fest in ihrem Kopf verankerte.
Doch dieses Ende war kein endgültiges. Die weiteren Zeilen sprachen von Rückkehr und Reinigung, von harter Hand und erneuertem Glauben. Sie erzählten von einem Volk, das aus den Trümmern heraus seine alten Wurzeln suchte. Neue Kriege, neue Bündnisse folgten, und man schottete sich nach außen hin weitgehend ab. Das jüngste Zeitalter, maßgeblich geprägt vom Ringen der beiden Menschenreiche, wirkte wie ein Spiegel der Gegenwart auf sie. Nichts eindeutig, nichts abgeschlossen, alles ist in Bewegung. Dies ermöglichte dem Volk jedoch neue Mittel und Wege, nachdem sie sich aus ihrer weitgehenden Abschottung langsam wieder herauswagten.
Als Raena schließlich am letzten Abschnitt angelangte, war es längst still um sie geworden. Die Bibliothek lag in dämmrigem Licht, und sie schloss das Buch langsam, beinahe etwas ehrfürchtig. Dieses Werk hatte ihr nicht beigebracht, „was“ sie denken sollte, sondern ihr gezeigt, wie sehr die Vergangenheit nachwirkte und wie sehr jede Entscheidung Spuren hinterließ.
Mit Gedanken vollgepackt bis oben hin, machte sie sich auf den Rückweg zur Herberge. In ihrem Zimmer angekommen, fand das Buch den Weg zu den Anderen. Als sie sich rücklings auf ihr Bett fallen ließ, sah sie für einen Augenblick deutlich die Bilder vor sich. Eine wandernde Schar im Salzregen, eine sprudelnde Oase, eine Stadt aus Gold und Sand.
Dann verloren sich alles im Schlaf. Die Bilder verschwanden wie sie kommen waren, einer Fata Morgana gleich vor ihrem inneren Auge, und die Geschichte nahm Raena mit sich in das Reich der Träume.
- Raena Wolkental
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Abreise aus Menek'Ur
Der neue Tag begann unscheinbar. Raena erwachte im Halbdunkel ihres Zimmers, noch einen Moment lang zwischen Schlaf und Wachsein gefangen, während ihr Geist langsam zurückkehrte. Die Eindrücke der vergangenen Tage lagen noch wie ein ungeordneter Berg an Informationen in ihr. Wie lose Fäden, die sich erst mit der Zeit zu einem Bild verbinden lassen.
Jetzt erst, in der Stille des Morgens wurde ihr bewusst, wie viel sie gelesen, und wie wenig davon sie jedoch bisher erst wirklich begriffen hatte. Nicht weil es unverständlich gewesen wären, sondern vielmehr, weil manche Dinge einfach Zeit brauchten. Zeit zum Nachklingen. Zeit um sich mit ihren eigenen Erfahrungen zu verweben. Solch tiefgründige Lehren ließen sich nicht in wenigen Tagen erfassen. Weder vollständig, noch endgültig.
Sie erhob sich schließlich von ihrem Bett, richtete sich und begab sich in den Schankraum hinab. Dort nahm wie sie üblich an einem der niederen Tische Platz, aß etwas und genoss die lauwarme Tasse Tee, wie jeden Morgen. Während sie da saß und trank, schweiften ihre Gedanken immer wieder zurück was sie im Tempel gesehen, gelesen und gespürt hatte.
Die Worte aus den Büchern hatte durch den Ort selbst Gewicht bekommen, sowie durch die Menschen, die Sitten und die gelebte Ordnung. Das alles hatte ihr vieles verständlicher…greifbarer gemacht.
Heute war der Tag ihrer Abreise. Zurück in andere Gefilde. In ihren Gedanken aber würde vieles von dem, was sie hier erfahren und erlebt hatte nachklingen und sie noch eine Zeit lang begleiten.
Als Raena schließlich ihr Zimmer geräumt, den Schlüssel übergeben und zum Aufbruch bereit war, trat sie hinaus auf die Straßen. Nachdem sie das große Tor passiert hatte, sah sie noch einmal über die Schulter, und ein sachtes Lächeln formte sich auf ihren Lippen. Sie war mit nichts, außer einer Bitte gekommen, und kehrte mit so Vielem wieder zurück in die Heimat. Das Bündel mitsamt seinem Inhalt, welches man ihr vor wenigen Tagen überbrachte, hatte sie mit aufrichtigem Dank zuvor wieder in die Hände des Tempels übergeben wo es hingehörte.
Sicher war: Sie war nicht das letzte Mal hier gewesen.
Menek’Ur barg noch so vieles, dass sie nicht kannte, oder verstanden hatte, dass nicht zu Ende gedacht war. Eines Tages würde sie zurückkehren, um weiter zu fragen, weiter zu lernen, und vielleicht ein wenig mehr zu begreifen als zuvor…
Jetzt erst, in der Stille des Morgens wurde ihr bewusst, wie viel sie gelesen, und wie wenig davon sie jedoch bisher erst wirklich begriffen hatte. Nicht weil es unverständlich gewesen wären, sondern vielmehr, weil manche Dinge einfach Zeit brauchten. Zeit zum Nachklingen. Zeit um sich mit ihren eigenen Erfahrungen zu verweben. Solch tiefgründige Lehren ließen sich nicht in wenigen Tagen erfassen. Weder vollständig, noch endgültig.
Sie erhob sich schließlich von ihrem Bett, richtete sich und begab sich in den Schankraum hinab. Dort nahm wie sie üblich an einem der niederen Tische Platz, aß etwas und genoss die lauwarme Tasse Tee, wie jeden Morgen. Während sie da saß und trank, schweiften ihre Gedanken immer wieder zurück was sie im Tempel gesehen, gelesen und gespürt hatte.
Die Worte aus den Büchern hatte durch den Ort selbst Gewicht bekommen, sowie durch die Menschen, die Sitten und die gelebte Ordnung. Das alles hatte ihr vieles verständlicher…greifbarer gemacht.
Heute war der Tag ihrer Abreise. Zurück in andere Gefilde. In ihren Gedanken aber würde vieles von dem, was sie hier erfahren und erlebt hatte nachklingen und sie noch eine Zeit lang begleiten.
Als Raena schließlich ihr Zimmer geräumt, den Schlüssel übergeben und zum Aufbruch bereit war, trat sie hinaus auf die Straßen. Nachdem sie das große Tor passiert hatte, sah sie noch einmal über die Schulter, und ein sachtes Lächeln formte sich auf ihren Lippen. Sie war mit nichts, außer einer Bitte gekommen, und kehrte mit so Vielem wieder zurück in die Heimat. Das Bündel mitsamt seinem Inhalt, welches man ihr vor wenigen Tagen überbrachte, hatte sie mit aufrichtigem Dank zuvor wieder in die Hände des Tempels übergeben wo es hingehörte.
Sicher war: Sie war nicht das letzte Mal hier gewesen.
Menek’Ur barg noch so vieles, dass sie nicht kannte, oder verstanden hatte, dass nicht zu Ende gedacht war. Eines Tages würde sie zurückkehren, um weiter zu fragen, weiter zu lernen, und vielleicht ein wenig mehr zu begreifen als zuvor…
- Raena Wolkental
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Eine neue Aufgabe
Kaum ein paar Tage war es her, dass Raena aus Menek’Ur zurückgekehrt war, da nahm sie bereits wieder einen kleinen Auftrag an, um sich ihr tägliches Auskommen zu sichern. Kräuter und Pilze sollte sie beschaffen. Nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht die Jahreszeit gewesen. Zwar hatte sich der Schnee bereits vom Festland zurückgezogen, doch die Kälte hielt sich hartnäckig. Die Erde schlief noch, und die Pflanzen schienen es nicht eilig zu haben, sich zu zeigen.
So führte ihr Weg sie nach K’awi.
Ein seltsamer Ort, wie sie fand. Jenseits der Brücke schien der Winter einfach… vergessen worden zu sein. Während auf dem Festland noch kalte Luft die Lungen füllte, konnte man hier beinahe kurzärmlig umhergehen. Der Frühling herrschte, als hätte er nie weichen wollen. Für Raena war das ein willkommener Umstand, denn hier wuchsen Kräuter, die sie andernorts vergeblich gesucht hätte.
Mit Bedacht sammelte sie nur das, was ihr Auftrag verlangte. Nicht mehr, nicht weniger auch wenn dieser Ort so viel mehr hergab. Die Dämmerung war längst hereingebrochen, als sie sich bereits in den letzten Zügen ihrer Arbeit befand. Da begegnete sie Annika, die mit ruhigen, müden Schritten auf dem Weg zu ihrer kleinen Parzelle war, um noch die letzte Aussaat des Tages zu erledigen.
Annika war selbst erst seit wenigen Tagen in diesen Landen. Eigentlich hatte sie auf dem Hof nur einkaufen wollen, doch wie es manchmal kam, hatte sich daraus eine Anstellung ergeben. Ein glücklicher Zufall, wie sie lächelnd erzählte.
Raena hörte aufmerksam zu. Während Annika bereits begann, sich an einem Ort einzurichten, streifte sie selbst noch immer durch die Lande. Sie lernte Wege, Orte und Menschen kennen, nahm kleine Aufträge an, wo immer sie sich ergaben. Botengänge, Abschriften, das Sammeln dessen, was die Jahreszeit gerade noch hergab. Raena war überzeugt davon, dass es einen Weg für sie gab, sie musste ihn nur noch finden.
Die Zeit verging unbemerkt zwischen ihren Worten. Geschichten wurden geteilt, Fragen gestellt und leise in die Nacht getragen. Irgendwann kamen sie auf das Kochen zu sprechen. Annika erzählte mit leuchtenden Augen davon, dass es irgendwann auch bei ihr wieder richtig gutes Essen geben würde. Etwas, das man auch probieren könne. Raena lächelte und fragte zögernd, ob neben dem Probieren vielleicht auch ein „Zuschauen und Lernen“ möglich wäre.
„Sehr gerne“, hatte Annika geantwortet. Doch dann folgte ein Seufzen. Es fehlte an allem: Zutaten, Geschirr, selbst an einfachen Holzschüsseln. Und die Zeit, einen Schreiner aufzusuchen, war zwischen all der Arbeit kaum zu finden.
Raena bot an, die Augen und Ohren offen zu halten, da sie ohnehin viel herumkam. Wenn sie dafür ein wenig mehr übers Kochen erfahren dürfte. Annika willigte ein. War das Kochen doch schon immer das gewesen, was sie am liebsten getan hatte.
So fand Raena, fast beiläufig, eine neue Aufgabe. Sie einigten sich darauf, dass sie zunächst das Nötigste besorgen würde. Fünfhundert Holzschüsseln, große wie kleine. Im Austausch für ein gemeinsames Kochen in der Küche der Taverne, in der Annika offenbar ein Zimmer hatte.
Raena zog ihr kleines Büchlein hervor, das sie stets bei sich trug, und machte sich eine kurze Notiz. Dann verabschiedeten sich die beiden. Jede kehrte zu den letzten Arbeiten des Tages zurück - spät in der Nacht - aber mit einem leisen Lächeln und dem Gefühl, dass sich an diesem Abend mehr ergeben hatte als nur ein Gespräch.
So führte ihr Weg sie nach K’awi.
Ein seltsamer Ort, wie sie fand. Jenseits der Brücke schien der Winter einfach… vergessen worden zu sein. Während auf dem Festland noch kalte Luft die Lungen füllte, konnte man hier beinahe kurzärmlig umhergehen. Der Frühling herrschte, als hätte er nie weichen wollen. Für Raena war das ein willkommener Umstand, denn hier wuchsen Kräuter, die sie andernorts vergeblich gesucht hätte.
Mit Bedacht sammelte sie nur das, was ihr Auftrag verlangte. Nicht mehr, nicht weniger auch wenn dieser Ort so viel mehr hergab. Die Dämmerung war längst hereingebrochen, als sie sich bereits in den letzten Zügen ihrer Arbeit befand. Da begegnete sie Annika, die mit ruhigen, müden Schritten auf dem Weg zu ihrer kleinen Parzelle war, um noch die letzte Aussaat des Tages zu erledigen.
Annika war selbst erst seit wenigen Tagen in diesen Landen. Eigentlich hatte sie auf dem Hof nur einkaufen wollen, doch wie es manchmal kam, hatte sich daraus eine Anstellung ergeben. Ein glücklicher Zufall, wie sie lächelnd erzählte.
Raena hörte aufmerksam zu. Während Annika bereits begann, sich an einem Ort einzurichten, streifte sie selbst noch immer durch die Lande. Sie lernte Wege, Orte und Menschen kennen, nahm kleine Aufträge an, wo immer sie sich ergaben. Botengänge, Abschriften, das Sammeln dessen, was die Jahreszeit gerade noch hergab. Raena war überzeugt davon, dass es einen Weg für sie gab, sie musste ihn nur noch finden.
Die Zeit verging unbemerkt zwischen ihren Worten. Geschichten wurden geteilt, Fragen gestellt und leise in die Nacht getragen. Irgendwann kamen sie auf das Kochen zu sprechen. Annika erzählte mit leuchtenden Augen davon, dass es irgendwann auch bei ihr wieder richtig gutes Essen geben würde. Etwas, das man auch probieren könne. Raena lächelte und fragte zögernd, ob neben dem Probieren vielleicht auch ein „Zuschauen und Lernen“ möglich wäre.
„Sehr gerne“, hatte Annika geantwortet. Doch dann folgte ein Seufzen. Es fehlte an allem: Zutaten, Geschirr, selbst an einfachen Holzschüsseln. Und die Zeit, einen Schreiner aufzusuchen, war zwischen all der Arbeit kaum zu finden.
Raena bot an, die Augen und Ohren offen zu halten, da sie ohnehin viel herumkam. Wenn sie dafür ein wenig mehr übers Kochen erfahren dürfte. Annika willigte ein. War das Kochen doch schon immer das gewesen, was sie am liebsten getan hatte.
So fand Raena, fast beiläufig, eine neue Aufgabe. Sie einigten sich darauf, dass sie zunächst das Nötigste besorgen würde. Fünfhundert Holzschüsseln, große wie kleine. Im Austausch für ein gemeinsames Kochen in der Küche der Taverne, in der Annika offenbar ein Zimmer hatte.
Raena zog ihr kleines Büchlein hervor, das sie stets bei sich trug, und machte sich eine kurze Notiz. Dann verabschiedeten sich die beiden. Jede kehrte zu den letzten Arbeiten des Tages zurück - spät in der Nacht - aber mit einem leisen Lächeln und dem Gefühl, dass sich an diesem Abend mehr ergeben hatte als nur ein Gespräch.