Ich schreibe, sonst bleibt es

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Zyn'tuin
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Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

10. Hartung 269
Ich schreibe das nicht, um es festzuhalten.
Ich schreibe es, weil es mir sonst im Kopf bleibt.

Sie wurde mir gebracht wie so viele zuvor. Ohne Worte, ohne Bedeutung. Eine Made, ungeformt, ohne Rang. Dreck an Haut und Haltung. Nichts Besonderes. So beginnt jeder von uns. Doch schon in dem Moment, in dem sie vor mir stand, wusste ich, dass etwas nicht passte.

Sie kniete nicht. Nicht sofort.
Sie knurrte.

Leise, fast unbewusst, als käme der Laut nicht aus dem Hals, sondern aus etwas Tieferem. Er begleitete sie selbst dann, wenn sie schwieg. Zorn habe ich oft gesehen, doch bei ihr lag er offen, roh, als wüsste er selbst noch nicht, wohin er wollte. Ich erinnere mich, dass ich länger hinsah, als nötig gewesen wäre.

Ich tat, was richtig war. Ich setzte Druck an, vielleicht mehr als notwendig. Doch nichts hat Bestand, was nicht gelernt hat, die Ordnung zu akzeptieren. Worte hätten hier nichts bewirkt. Diese Made lernte nur durch starke Führung und Schmerz. Das war mir sofort klar.

Der Zorn wich nicht. Er blieb in ihren Augen, in der Spannung ihres Körpers, in diesem Knurren, das nie ganz verstummte. Wegsehen wäre ein Fehler gewesen. Also blieb ich in ihrer Nähe, beobachtete sie, prüfend und wartend.

Sie suchte mich. Nicht offen, nicht bittend. Eher so, als wüsste sie, dass dort etwas ist, das sie braucht, auch wenn sie es selbst nicht benennen konnte. Sie wollte den Pfad meiner Kaste gehen und wusste, dass dieser Weg seinen Preis fordert.

Ich reizte sie bewusst, vielleicht zu bewusst. Ich wollte sehen, wo ihre Grenze liegt – ob sie bricht oder ob sie sich zeigt. Als es geschah, überraschte es mich nicht. Ihr Zorn brach hervor, ungezügelt und ohne jede Führung. Er prasselte auf mich ein, roh und ehrlich. Zornerfüllt schrie sie auf und sprang vor, wie ein Tier, das nur noch Angriff kennt. Rang, Abstand und jede Ordnung gingen verloren. Erst danach spürte ich ihre Nägel an meiner Wange. Das Brennen war scharf, real. Die Kratzer sind geblieben.

Ich hätte es beenden können.
Ich tat es nicht.

Was folgte, war stiller, als ich es erwartet hatte. Worte wurden selten. Die Nacht verging ohne Eile, ohne Bruch, und blieb innerhalb der Ordnung. Was darin geschah, veränderte nicht sie – sondern meine Sicht auf sie. Ich erkannte Potenzial, roh und ungeformt, nichts Gewachsenes, nichts Vollendetes. Etwas, das Führung braucht, um nicht zu vergehen. Wann genau mir das klar wurde, kann ich nicht benennen.

Am Morgen war nichts entschieden. Und doch war alles anders.

In ihr liegt Potenzial. Roh, ungeformt, vielleicht gefährlich, aber echt. Ich weiß nicht, was aus ihr wird. Das liegt nicht an mir allein.

Sie ist nicht zebrochen.

*Darunter ist eine Detaillierte Kohlestiftzeichnung von Zys im moment des Kontrolverlustes*

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Zuletzt geändert von Zyn'tuin am Donnerstag 15. Januar 2026, 21:40, insgesamt 5-mal geändert.
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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

13.Hartung 269
Es ist nicht nur Hunger.
Das weiß ich inzwischen sicher.

Ich bin eingeschlafen, irgendwann. Nicht geplant. Nicht bewusst. Nur dieser kurze Moment, in dem der Körper entscheidet, bevor der Kopf Einspruch erheben kann. Als ich wieder zu mir komme, ist es stiller als zuvor. Das Feuer ist fast heruntergebrannt, nur ein matter Schein bleibt. Wärme neben mir. Bewegung in den Fellen. Atem.

Jael liegt noch da.

Am Pool hatte sie gesessen, als sie mein Auge behandelte. Ruhig, konzentriert, obwohl die Erschöpfung ihr längst in den Schultern hing. Sie blieb sitzen, bis ihre Hände ihre Arbeit beendet hatten. Danach gab es keinen Übergang, kein Zögern. Der Schlaf kam einfach. Ihre Hülle gab nach, noch im Sitzen, bevor sie selbst hätte eingreifen können.

Ich habe sie aufgenommen.
Nicht hastig. Nicht grob.
Sie hat sich nicht gerührt.

Jetzt liegt sie neben mir in den Fellen, so wie ich sie abgelegt habe. Der Schlaf ist tief, gleichmäßig, so fest, dass selbst mein Erwachen sie nicht erreicht. Es ist kein Vertrauen, das sie hierhergebracht hat. Es ist Erschöpfung.

Seit sie hier ist, lässt sie mich nicht mehr los. Nicht dauerhaft, nicht beherrschend – aber hartnäckig. Seit dem Tag, an dem sie mir die Bratpfanne übergezogen hat, taucht sie immer wieder in meinen Gedanken auf, ungefragt, unbeirrbar. Selbst jetzt, in dieser Stille, reicht ihre Nähe, um alles andere zurückzudrängen.

Als ich die Beine minimal verlagere, spüre ich das Gewicht an meinen Knöcheln. Metall. Vertraut. Ordnung. Die Fesseln liegen schwer um meine Knöchel. Sie sind Strafe, Erinnerung, Pflicht. Ich trage sie, wie es sich gehört. Sie hat sie angelegt, weil es notwendig war. Ohne Zögern. Ohne Bedeutungsschwere. Und genau diese Selbstverständlichkeit hat etwas in mir verschoben.

Sie schläft ruhig. Gleichmäßig. Erschöpft, nicht schwach. Wenn ich den Arm heben würde, wäre sie erreichbar. Mühelos. Ich tue es nicht.

Wenn sie nahe ist, wird die Gier lauter. Drängender. Sie schiebt sich vor, fordert, verlangt. Und doch liegt etwas darunter, das sie bremst. Ein Gedanke, der nicht weichen will. Dass es mir nicht genügt, sie zu wollen. Dass es mir nicht reicht, sie zu nehmen.

Ich will sie.
Nicht beiläufig. Nicht, weil meine Gier es fordert.

Dieser Unterschied ist klein, aber er ist da. Und er zwingt mich zur Kontrolle. Immer wieder. Die Gier schlägt dagegen an, sucht nach Rissen, nach Müdigkeit, nach Unachtsamkeit. Jetzt, nach dem Erwachen, ist sie besonders wach. Manchmal fühlt es sich an, als würde sie mir von innen die Haut spannen.

Und trotzdem nehme ich sie nicht.

Nicht, weil ich es nicht könnte.

Sondern weil ich etwas anderes will.

Ich will, dass sie mich will.

Sie liegt mit dem Rücken zu mir, eine Hand unter dem Fell, die andere locker davor. Ihr Atem ist ruhig, nichts in ihr fordert etwas von mir. Ich merke, wie mein Blick zu lange an ihr hängen bleibt, wie mein Atem flacher wird, wie mein Körper reagiert, noch bevor ich es mir erlaube.

Sie merkt es, wenn sie wach ist. Davon bin ich überzeugt.
Und sie weicht nicht.

Das ist der Punkt, an dem ich am härtesten kämpfen muss. Nicht gegen sie. Gegen mich. Meine Gier flüstert mir zu, dass Geduld unnötig ist. Dass Wollen genügt. Dass Nehmen schneller wäre.

Aber ich will kein Nehmen.
Ich will Entscheidung.

Jedes Mal, wenn ich mich beherrsche, wächst die Gier weiter. Sie lernt. Sie wartet. Sie versucht es erneut. Und ich weiß: Je länger ich sie zurückhalte, desto gefährlicher wird sie.

Es geht nicht mehr nur um Gier.

Es geht darum, was ich zulasse.
Und warum.

Ich bleibe liegen. Ich drehe mich zu ihr.
Sie trägt das Kleid, welches ich ihr angezogen habe. Doch der Geruch, der an ihm haftet, ist nicht der ihre.
Er riecht nach Vergangenheit.

Die Gier kehrt zurück, hämmert in meinem Kopf.
Nimm sie. Jetzt. Es ist dein Recht.

Meine Kiefer pressen sich zusammen.

Ich halte stand.

Noch.

*Die Visualisierung eines Moments mit Kohle aufs Papier gebracht*

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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

17.Hartung 269


Die erste Nacht endet ohne Abschluss.
Nicht, weil etwas offen bleibt, sondern weil ich es offen lasse.

Jael geht. Kein Zögern. Kein Blick zurück. In dem Moment, in dem sie sich abwendet, lasse ich mich ins Wasser fallen. Nicht, um zu fliehen. Um mich selbst aufzuhalten. Solange das Wasser mich hält, halte ich sie nicht fest. Das ist keine Schwäche. Es ist Kontrolle.

Ich bleibe, bis der Impuls verebbt. Bis der Körper wieder mir gehört.
Als ich aus dem Pool steige, tropfend, ruhig, ist sie fort. Wirklich fort. Die Stille danach ist klar, fast sauber. Kein Nachhall ihrer Schritte. Nur mein Atem, der Stein, das Wasser.

Erst jetzt sehe ich das Haarband.
Ich nehme es auf und lege es mir um das linke Handgelenk. Keine Geste. Kein Zeichen nach außen. Eine Markierung für mich.

Der nächste Tag trägt diese Nacht weiter.
Nicht funktional. Nicht leer. Ordnung nach außen. Zerreißen nach innen. Die Begierde richtet sich nicht neu aus. Sie bleibt, wo sie war. Bei ihr.

Am Abend klingelt es.

Zys’sira.

Sie kommt, um Bericht zu erstatten. Eine Aufgabe erledigt. Fakten, Ablauf, Ergebnis. Ihre Haltung ist angespannt, aber sachlich. Kein Spiel. Kein Angebot. Ich höre zu, stelle Fragen, bestätige. Alles läuft, wie es soll. Ordnung. Struktur. Kontrolle.

Und trotzdem lässt mich die Begierde nicht los.

Nicht nach ihr.
Nach Jael.

Der Tee folgt danach. Nicht als Teil des Gesprächs, sondern als Reaktion darauf. Ich weiß, was er tut. Ich trinke dennoch. Nicht aus Lust. Nicht aus Interesse an Zys. Sondern weil die Begierde nach Jael keinen Raum mehr lässt. Sie zerrt. Sie frisst Struktur. Der Tee ist ein Versuch, sie zu brechen. Oder wenigstens zu verschieben.

Der Effekt setzt zu schnell ein.

Die Begierde löst sich nicht auf. Sie wird roh. Ungeduldig. Sie sucht Nähe, ein Ventil. Und Zys ist da. Nicht gewollt. Nur verfügbar. Der Impuls richtet sich auf sie, nicht aus Begehren, sondern aus Notwendigkeit. Nicht, weil ich sie will – sondern weil etwas in mir jetzt einen Ausweg sucht.

Bevor es kippt, geht sie.

Und alles, was entfesselt wurde, bleibt bei mir.

Als sie fort ist, verliere ich nicht sie.
Ich verliere mich.

Der Ausbruch ist kurz. Heftig. Gegen mich gerichtet. Stein, Holz, Atem. Der Raum hält stand. Ich nicht. Es ist kein Ziel darin. Nur der Versuch, etwas loszuwerden, das sich nicht abschütteln lässt.

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Dann ist Jael da.

Ruhig. Wach. Unaufdringlich.
Sie kommt näher, ohne zu drängen. Wir küssen uns. Kurz. Kontrolliert. Ohne Steigerung. Der Kuss ist kein Ausdruck von Nähe, sondern eine Maßnahme. Er reicht aus, um die Begierde zu binden, die Kontrolle wiederherzustellen und den Zustand von Eskalation auf Erholung zu verschieben.

Sie bleibt.
Sie stellt keine Fragen und fordert nichts. Ihre Nähe ist da, bewusst gesetzt, aber ohne jede Forderung. Sie berührt nichts, was offenliegt, und greift nicht ein – sie hält den Raum ruhig, damit ich mich sammeln kann. Sie bleibt die ganze Nacht, nicht als Körper, sondern als Präsenz. Keine Annäherung, kein Griff. Nur Nähe, die stabilisiert, bis die Nachwirkungen des Tees abklingen und der Druck wieder kontrollierbar wird.


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Als der Morgen kommt, ist sie noch da.
Und das Haarband ist es auch.

Zwei Nächte. Zwei Entscheidungen.
Und die bittere Klarheit, dass Begierde sich nicht ersetzen lässt –
nur aushalten oder verdrängen.

Und dass Verdrängen immer seinen Preis fordert.
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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

20.Hartung 269

Der Körper erinnert sich schneller als der Verstand.
Nicht an Einzelheiten, sondern an Zusammenhänge.

Die Erkenntnis entsteht in dem Moment, in dem ich die Linien ihrer Rune mit dem Messer nachziehe.Nicht später. Nicht im Rückblick. Genau dort. Der gesetzte Schmerz ruft keine Abwehr hervor. Kein Entziehen. Er sammelt Atem, bindet Spannung, schärft den Blick. In dieser Reaktion wird sichtbar, was der Reiz freilegt – und dass es bereits vorhanden war.

Schmerz ist seitdem kein Fremdkörper mehr in dem, was zwischen uns steht. Er ist erkannt. Benannt. Nicht entschärft, sondern verstanden als einer der Wege, auf denen sich Begierde bündelt. Gefährlich wird er nicht durch sein Vorhandensein, sondern durch Blindheit ihm gegenüber.

Was in der Nacht folgte, war kein Verlust von Kontrolle. Es war ihr bewusster Einsatz unter veränderten Bedingungen. Nicht als Gegenwehr. Nicht als Flucht. Sondern als Annäherung an etwas, das zuvor nur als Risiko markiert war. Gesehen. Gehalten. Nicht isoliert.

Ich habe beobachtet, wie der Reiz wirkt, wenn er eingebettet bleibt. In Nähe, Blick, Haltung. Schmerz treibt dann nicht. Er bündelt. Er schärft. Er zwingt nichts, sondern legt offen, wo Begierde beginnt, die Führung zu beanspruchen.

Auch bei mir.

Was folgte, war keine Entladung. Kein Ausbruch. Nähe entstand nicht aus Druck, sondern aus Präsenz. Rhythmus statt Hast. Entscheidung statt Trieb. Kontrolle ging nicht verloren, sie verlagerte sich. Geteilt. Getragen. Gerade so weit, dass sie hält.

Die körperliche Nähe war keine Antwort auf Begierde, sondern ihr erkannter Verlauf. Keine Kompensation. Kein Ausweg. Sondern Konsequenz aus dem, was zuvor erkannt, geprüft und nicht vermieden worden war. Danach blieb Ruhe. Klar. Wach. Und der Zug zur Wiederholung – nicht aus Gier, sondern aus Wissen.

Wir wissen nun, dass der andere sieht, wenn der eigene Blick versagt. Dass Nähe nicht blind macht, sondern ordnet, wenn Begierde beginnt, die Kontrolle zu verschieben. Das nimmt der Gefahr nichts von ihrem Gewicht. Aber es gibt ihr einen Rahmen.

Was bleibt, ist Haltung.

Nur die Gewissheit, dass Konfrontation nicht zerstört,
sondern ordnet –
wenn man aufhört, ihr auszuweichen.
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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

27. Hartung 269

Die Tage davor haben getragen. Nähe war kein Ereignis mehr, sondern Zustand. Sie musste nicht gesucht werden und nicht verteidigt. Das genügte – bis sie vom Training zurückkehrt.

Der Körper ist noch warm, die Bewegung kontrolliert. Nichts deutet auf Überforderung hin. Erst als ich die Verletzung sehe, verschiebt sich der Fokus.

Mehrere parallele Risslinien über der Schulter, noch offen genug, um Aufmerksamkeit zu verlangen. Der erste Gedanke geht nicht in Richtung Fehltritt.

Albtraum?

Ich beginne zu arbeiten, bevor eine Antwort kommt. Wasser. Druck. Reinigung. Die Wunde ist frisch, der Schmerz präsent, aber nicht außer Kontrolle. Sie hält still. Der Atem bleibt geführt.

Erst nachdem die Wunde gereinigt und gesichert ist, korrigiert sie mich.

Echse.

In diesem Moment wird mir klar, dass sie nicht schwach ist.

Die Verletzung ist kein Zeichen von Unfähigkeit. Sie ist das Ergebnis von Erfahrung – aber ohne Führung.

Ich prüfe den Sitz des Verbandes noch einmal. Die Blutung ist gestillt, die Ränder geschlossen, die Spannung unter Kontrolle. Das genügt.

Schonung würde nichts lehren. Alleingang hat seinen Preis gezeigt.

Wenn sie weiter allein trainiert, wird sie stärker – aber nicht präziser. Erfahrung ohne Struktur bleibt zufällig. Die Wunde ist kein Fehler. Sie ist ein Hinweis.

Von hier an ist Führung keine Option mehr, sondern Konsequenz.


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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

15.Eisburch 269

Der Tisch ist unordentlich. Getrocknete Fischreste, dunkle Flecken, alte Schnittspuren im Holz. Keine Theorie. Nur Überbleibsel misslungener Versuche, Gift auf Filet aufzutragen, ohne dass es zerfällt oder auffällt. Ich kenne jede Spur.
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Hier habe ich nicht gelernt, Gift herzustellen. Nur, es unsichtbar einzufügen. Fisch war der Maßstab. Zu viel Druck – die Faser verrät dich. Zu viel Substanz – die Oberfläche glänzt. Zu wenig Geduld – es wirkt zu früh.

Cyr’itha war die Erste nach mir. Länger im Axorn als viele andere. Sie kannte die Ordnung. Die Blicke. Die Konsequenzen.
Ihr Ehrgeiz war echt.
Ihre Angst war älter.

Am Ende besiegte sie kein Fehler. Sondern ihre Furcht.

Tar’lae folgte. Ruhiger im Auftreten, sprunghaft im Kern. Sie vergiftete. Dann suchte sie das Vertrauen von Tieren.
Dann kehrte sie zurück. Keine Linie, nur Wechsel.
Unruhe ersetzt Fokus.

Auch sie ging. Nun steht Jael vor dem Tisch.

Ich trete hinter sie.

„Zwei Lethrae hat dieser Platz gesehen.

Und beide haben ihre Aufgabe nicht beendet.
Ich stelle die Phiole mit der schwarzen Flüssigkeit neben das Glas mit der gallertartigen Masse.

Mein Blick bleibt auf ihr. „Ihnen fehlte etwas, was du hast.“

Eine Pause.

„Ehrgeiz.“
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Zyn'tuin
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Re: Ich schreibe, sonst bleibt es

Beitrag von Zyn'tuin »

24. Eisbruch 269

Die Ordnung auf dem Tisch hat sich verändert.

Wo einst eingetrocknete Ränder lagen, stehen nun regelmäßig ersetzte Schalen mit Blutwasser. Geklärtes Fett wird neu angesetzt. Knochenleim geprüft, bevor er genutzt wird. Das Fischfilet liegt nicht mehr achtlos da, sondern bewusst geschnitten.
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Unordnung bleibt.
Aber sie ist gewollt.

Ich verschiebe nur Kleinigkeiten.

Eine Schale näher an den Rand. Das Fett weiter von der Wärme entfernt. Ein Filet leicht gegen die Faser gedreht.

Keine neuen Stoffe. Nur veränderte Stellung.

Ich sage nichts.
Ich bleibe.

Nicht nah genug, um ihre Hand zu führen. Nah genug, um zu sehen, ob sie es bemerkt.
Sie bemerkt es.

Die Glasnadel verharrt. Ihr Blick geht erst zur Anordnung, dann zum Träger. Sie richtet das Filet aus. Lässt das Blutwasser ruhen. Prüft den Leim, bevor sie setzt.

„Fang nicht an, ohne zu verstehen.“

Ich habe es gesagt.

Sie hat es behalten.

Mit der Zeit wird ihr Setzen leiser. Weniger sichtbares Suchen. Der Tropfen im Blutwasser hält seine Linie. Im Fett verschwindet er ohne Glanz. Im Leim bindet er sich ohne Riss.

Dann kommt der Moment, in dem sie nicht mehr prüft.
Sie weiß.

Die Glasnadel senkt sich. Kein Verrat an der Oberfläche. Keine Spannung im Fleisch.

Ich trete näher.
Perfekt.
Nicht, weil nichts mehr zu lernen bleibt. Sondern weil sie verstanden hat.

Während sie arbeitet, verliere ich mich für einen Atemzug nicht im Gift, sondern an ihr. An der Linie ihres Nackens. Am gleichmäßigen Rhythmus ihres Atems. Am Geruch von Blutwasser, Fett – und ihrer Wärme darunter.

Ich lasse es zu.
Und kehre zurück.

Der Anfang liegt im Sehen.

Und ich sehe, dass sie beinahe blind anwenden kann,
was andere nie vollendet haben.
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