Das Haus der Ryzan, das Schakalhaus, lag im hinteren Teil Menek’urs, direkt nahe der Straße, die zum Hafen führte. Hinter den Stallungen und direkt neben der großräumigen Taverne. Ein hervorragender Platz, so war es damals einfach gewesen, sich dafür zu entscheiden. Es war kein allzu prunkvoller Bau, das war nie das Ansinnen der Familie gewesen, aber es war einladend, geräumig und was am wichtigsten war: Es trug die Spuren von den vielen Händen, die hier mitgewirkt hatte, um eine persönliche Nuance zu hinterlassen. Seit Zayns Abreise hatte sich einiges innerhalb dieser Mauern verändert, aber die Ordnung bestand weiter, wenn auch getragen von neuen Schultern, die wohl niemals gedacht hätten, diese Last tragen zu müssen.
Der große Gemeinschaftsraum war vom warmen Schein mehrerer Öllampen erleuchtet und alles war in einem goldenen bis grünen Ton gehalten. Die Farben der Familie und des Sonnenreiches. Noch war es verdächtig ruhig innerhalb der Mauern des Gebäudes, aber jeder wusste, dass sich das schnell und jederzeit ändern könnte. Asahi stand in der geräumigen Küche am Herd und rührte langsam in einem Topf, aus dem der Duft von Gewürzen aufstieg, sie wusste, dass bald einige hungrige Mäuler nach Hause kommen würden und so war es selbstverständlich, dass das Essen bereit war. Neben ihr sortierte Aliza getrocknete Kräuter und kümmerte sich um den frischen Mocca.
Bei den Ryzan hatte nahezu jedes Familienmitglied seine ganz eigene Vorliebe, wie der Mocca sein musste. So war Aliza über die letzten Mondläufe zu einer sehr zuverlässigen Hilfe und noch viel wichtiger, zu einer Freundin geworden. Sie wusste stets, wie sie helfen konnte und Asahi kannte kaum eine Natifah, die fürsorglicher war als die junge Khaliq. Sie kannte die Umstände ihres Weges nicht, sie wusste nur, dass der Ausschluss aus ihrer alten Familie einen Schatten auf Aliza hinterlassen hatte, der vermutlich sehr viel Licht brauchte, um endgültig vertrieben zu werden und wenn jemand wusste, wie so etwas am besten geschah, dann wohl die Familie der Schakale.
Am großen Tisch hatte Ishmael einige Pergamente ausgebreitet, obwohl man es ihm mehrfach gesagt hatte, dass er sich ein Schreibraum oder einen Arbeitsbereich zulegen sollte, beharrte er darauf, dies im Gemeinschaftssaal zu erledigen. Die Pergamente lagen in unordentlichen Stapeln vor ihm und sein Blick verriet wenig Freude daran. Asahi glaubte, dass die Wahl seines Arbeitsplatzes nur darauf abzielte, sich von der Arbeit abzulenken oder sie ein wenig unterhaltsamer zu gestalten - was sie natürlich missbilligte, aber er tat am Ende doch, was er wollte. So saß er oft dort, zog eine Linie nach der anderen, notierte Liefermengen, Ausgaben, Namen. Ab und zu hielt er inne, seufzte hörbar und rieb sich die Stirn, als hätte er ein furchtbares Schicksal zu ertragen. So war er, der Barde. Ein wahrer melodramatischer Schauspieler. Die Führung der Familie brachte eben mehr Schreibarbeit mit sich, als ihm lieb war und auch wenn er sie trug, tat er es mit sichtlicher Ungeduld.
Die Tür wurde schließlich aufgestoßen und die Kälte der Abendluft drang herein, zusammen mit dem Geruch von Blut, Leder und feuchter Erde. Nun war es so weit und die Ruhe des Hauses würde verschwinden - ein Umstand, der zumindest Ishmael sehr erfreute. Über die Schwelle trat schließlich Arash, das Gewand staubig und an mehreren Stellen aufgeschlitzt, die Waffen noch blutig hingen an seinem Gurt hinab, als hätte er sich mit einem riesigen Haufen empörter Harpyien auseinandersetzen müssen. Hinter ihm folgte der doch recht korpulente Faizullah, schwer atmend und eine Schulter verbunden, zusammen mit Zhour im Schlepptau, die alles andere als erfreut wirkte.
Aus der Küche konnte Asahi allerdings nur Wortfetzen vernehmen, die gewechselt wurden, eifrige Worte zwischen Zhour und den beiden Männern über die Sicherheit bei solchen Ausflügen. Sie brauchte es auch gar nicht verstehen, um genau zu wissen, wie die Heilerin den Beiden einen Vortrag darüber hielt, wie sie an einem Stück wieder nach Hause kommen sollten.
Eigentlich war es ein Wunder, dass Faizullah überhaupt mit Arash mithalten konnte. Der ehemalige Salzschürfer war ursprünglich ein begnadeter Gold- und Waffenschmied gewesen, ein herausragender Händler, der es nicht nur wusste, mit den Metallen und Salz umzugehen, sondern auch mit Worten. Doch ein Unfall mit Feuer hatte seine Arme und Hände fürchterlich vernarbt, so das feine Dinge mit seinen Fingen einfach nicht mehr möglich waren - ein Umstand, der ihn wohl doch recht belastete, auch wenn Asahi ihm versichert hatte, das die All-Mara für jeden einen Weg hatte und auch aus diesem 'Schlechten' würde Gutes entstehen. So war das eben immer.
Faizullah überspielte diese Sorge um seine Berufung meist geschickt und ließ sich nur allzu gern von den Natifahs mit Gebäck und Mocca bedienen und hatte so entsprechend eben eine gewisse Fülle... eine Fülle, die zwei Plätze am Familientisch einnahm, mindestens! Aber kaum einer war herzlicher als er, kaum einer loyaler zur eigenen Familie. Asahi würde ihm sogar zutrauen, dass er nur Arash begleitete, aus Sorge ihn allein losziehen zu lassen, auch wenn die Anwesenheit von ehemaligen Salzschürfers wohl nichts am Gefahrengrad ändern würde.
Angelockt vom Lärm im Erdgeschoss, hauptsächlich ausgehend von der Diskussion zwischen Arash, Faizullah und Zhour, kamen auch Liyanah und Kelani schließlich aus dem geräumigen Keller des Hauses, dort wo die meisten Handwerksbereiche und die Schlafzimmer lagen. Tuchweberin besah sich die Kleidung der Drei und den Zustand der Waffengurte und schürzt ein wenig die Lippen, während Kelani die ganze Situation eher mit einer gewissen Belustigung begegnete.
»Kelani hilf Zhour mit den Beiden. Die beiden sehen aus, als wären sie von Skarabäen durch den Sand gezogen worden.«
Ishmael hatte sich von Gemeinschaftstisch aufgedrückt, um sich die Situation genauer anzusehen und hatte zumindest Asahis Vermutung nur bestätigt, dass er genau wegen so etwas hier saß und nicht dort, wo er Ruhe hatte. Entsprechend hatte sie sich mit einem eindringlichen Blick im Durchgang zur Küche platziert, Aliza mit besorgtem Blick hinter ihr, um Ishmael bohrend in den Hinterkopf zu starren. Was er noch ignorierte. Kelani kniff die Augen zusammen, wie immer, wenn ihr Oberhaupt ihr etwas vorschreiben oder befehligen wollte, um den kläglichen Versuch zu starten, Autorität über sie auszuüben. Ishmael starrte zurück. Abwartend. Schließlich war es aber Liyanah, die gute Seele, die zusammen mit Zhour und den beiden Männern im Keller verschwand, damit sie sich um die Verletzungen kümmern konnten.
»Essen ist gleich fertig!«
Rief Asahi den Vieren nur hinterher, bis sie wieder Ishmael blickte, der sich noch immer das Starrduell mit Kelani lieferte. Ein kleines Seufzen ging von ihr aus und sie schritt schließlich ein, mit gewohnt sanfter Stimme, vielleicht ein wenig lieblicher noch als sonst. Sie wusste, wie sie ihren Mann dazu bewegen konnte, das zu tun, was sie wollte.
»Wir brauchen den Tisch gleich zum Essen, mein Ranim.«
Mit einem Schmatzen wandte Ishmael sich, wenn auch recht trotzig, von Kelani ab, die nun einfach auch im Keller verschwand und Aliza huschte fürsorglich dem Oberhaupt hinterher, um ihm beim Aufräumen des Tisches zu helfen. Sie war noch kein offiziell fester Teil der Familie, aber jeder hatte sie gern hier und so die Zeit und Zeichen es zulassen würden, da war sich jeder sicher, würde die junge Khaliq bestimmt genau so sehr ein Schakal sein, wie alle anderen Mitglieder auch, denn ein Motto war wichtig, und das war, niemals aufzugeben.
Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
- Asahi Sada Ryzan
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Aliza Inaya Ryzan
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Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Jeden Morgen, noch bevor die Sonne ihr erstes goldenes Licht über die Durrah sandte, saß Aliza am See der Oase. Ein schmaler Wasserfall ergoss sich dort aus hellem Felsgestein in das klare Becken darunter. Sein leises Rauschen durchzog die Stille wie ein ruhiger Atem und machte die Oase zu einem Ort des Gleichgewichts.
In ihren Händen hielt Aliza eine kleine Schale Mokka. Der Duft von Zimt und Kardamom stieg warm zu ihr auf, vermischte sich mit der kühlen Frische des Wassers und den Duft der Blüten. Langsam trank sie, ließ den Geschmack auf der Zunge verweilen, während sie die Augen schloss und zu meditieren begann.
Der Wasserfall half ihr, die Gedanken fließen zu lassen. Wie das Wasser stürzten Erinnerungen herab, wurden aufgefangen und beruhigten sich wieder. Sie dachte an die letzte Zeit – eine Zeit, die sie sich nach dem Verstoß aus ihrer eigenen Familie kaum hatte vorstellen können.
Die Familie Ryzan hatte diese Leere gefüllt. Sie hatten sie aufgenommen, behutsam und aufrichtig, als wäre sie schon immer Teil ihres Kreises gewesen. In ihrem Schutz hatte Aliza begonnen, wieder Vertrauen zu fassen.
Ihr Herz wurde weich bei dem Gedanken an Asahi. Asahi, die stets zuhörte, selbst wenn Aliza schwieg. Ihre aufbauenden Worte waren wie das stetige Rauschen des Wasserfalls – niemals aufdringlich, aber immer da, verlässlich und stärkend.
Auch Liyanah erschien vor ihrem inneren Auge. Ihre Cousine, die schon vor vielen Monden zur Familie Ryzan gefunden hatte. Liyanah, deren Hände Wunder wirkten, wenn sie Stoffe webte. Ihre Tücher erzählten Geschichten aus Farben und Mustern, von Wüstenwinden und Sternennächten. In ihrer Nähe spürte Aliza etwas Vertrautes, eine Verbindung zu dem Leben, das sie verloren hatte – und doch auch zu dem neuen, das vor ihr lag.
Zuletzt dachte sie an Ishmail, das Oberhaupt der Familie. Ein gerechter Mann, dessen Strenge aus Verantwortung geboren war. Wie der Wasserfall stand er fest an seinem Platz, versuchte die Strömung zu lenken, ohne sie zu brechen. Unter seiner Führung fühlte sich Aliza sicher, gehalten von klaren Regeln und ehrlicher Fürsorge.
Als sie die Augen öffnete, funkelte das Sonnenlicht im herabfallenden Wasser. Der Mokka war fast leer, doch sein Duft hing noch in der Luft. Aliza atmete tief ein, lauschte dem Wasserfall und erhob sich langsam.
Sie war verstoßen worden – doch sie war angekommen.
Und wie das Wasser der Oase hatte auch ihr Leben einen neuen Lauf gefunden
In ihren Händen hielt Aliza eine kleine Schale Mokka. Der Duft von Zimt und Kardamom stieg warm zu ihr auf, vermischte sich mit der kühlen Frische des Wassers und den Duft der Blüten. Langsam trank sie, ließ den Geschmack auf der Zunge verweilen, während sie die Augen schloss und zu meditieren begann.
Der Wasserfall half ihr, die Gedanken fließen zu lassen. Wie das Wasser stürzten Erinnerungen herab, wurden aufgefangen und beruhigten sich wieder. Sie dachte an die letzte Zeit – eine Zeit, die sie sich nach dem Verstoß aus ihrer eigenen Familie kaum hatte vorstellen können.
Die Familie Ryzan hatte diese Leere gefüllt. Sie hatten sie aufgenommen, behutsam und aufrichtig, als wäre sie schon immer Teil ihres Kreises gewesen. In ihrem Schutz hatte Aliza begonnen, wieder Vertrauen zu fassen.
Ihr Herz wurde weich bei dem Gedanken an Asahi. Asahi, die stets zuhörte, selbst wenn Aliza schwieg. Ihre aufbauenden Worte waren wie das stetige Rauschen des Wasserfalls – niemals aufdringlich, aber immer da, verlässlich und stärkend.
Auch Liyanah erschien vor ihrem inneren Auge. Ihre Cousine, die schon vor vielen Monden zur Familie Ryzan gefunden hatte. Liyanah, deren Hände Wunder wirkten, wenn sie Stoffe webte. Ihre Tücher erzählten Geschichten aus Farben und Mustern, von Wüstenwinden und Sternennächten. In ihrer Nähe spürte Aliza etwas Vertrautes, eine Verbindung zu dem Leben, das sie verloren hatte – und doch auch zu dem neuen, das vor ihr lag.
Zuletzt dachte sie an Ishmail, das Oberhaupt der Familie. Ein gerechter Mann, dessen Strenge aus Verantwortung geboren war. Wie der Wasserfall stand er fest an seinem Platz, versuchte die Strömung zu lenken, ohne sie zu brechen. Unter seiner Führung fühlte sich Aliza sicher, gehalten von klaren Regeln und ehrlicher Fürsorge.
Als sie die Augen öffnete, funkelte das Sonnenlicht im herabfallenden Wasser. Der Mokka war fast leer, doch sein Duft hing noch in der Luft. Aliza atmete tief ein, lauschte dem Wasserfall und erhob sich langsam.
Sie war verstoßen worden – doch sie war angekommen.
Und wie das Wasser der Oase hatte auch ihr Leben einen neuen Lauf gefunden
- Liyanah Rya Ryzan
- Beiträge: 87
- Registriert: Freitag 9. Mai 2014, 23:36
Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
So viele Monde gehörte Liyanah nun dem Hause Ryzan an. Und sie fühlte sich dort wohler denn je. Sie war dem Schicksal und Eluive mehr als dankbar, dass ihre Wege sie damals noch ins Staubviertel ins viel zu kleine, aber gemütliche Haus der Ryzan geführt hatte. Sie war von dieser Familie so herzlich aufgenommen worden und war stolz auf den Weg, auf den sie nun gemeinsam zurückblicken konnten.
Sie hatten es geschafft, aus dem Haus des Schakals wieder eine angesehene Familie zu machen, die ihren Sitz in der goldenen Stadt hatte. Sie waren zu einer starken Gemeinschaft zusammengewachsen, in der sich jeder auf den anderen verlassen konnte.
Ihre neuen Cousins und Cousinen füllten das Haus auch wahrlich mit Leben, liebevollen Neckereien und den ein oder anderen Zankereien. Aber wie sollte es auch anders sein, bei den heißblütigen Gemütern.
Kein Wunder also, dass Aliza mittlerweile auch sehr häufig dort anzutreffen war. Gerade Liyanah konnte ihre Beweggründe bestens nachvollziehen und freute sich, dass ihre Cousine endlich wieder eine Gemeinschaft gefunden hatte, der sie sich zugehörig fühlte, und die sie - genauso wie sie Liyanah damals mit offenen Armen empfangen hatten - ganz selbstverständlich in ihrer Mitte aufnahmen.
Nun wurde es langsam Zeit, dass Aliza diese Zugehörigkeit auch nach außen hin zeigen und sich zu den Ryzan bekennen durfte.
Sie hatten es geschafft, aus dem Haus des Schakals wieder eine angesehene Familie zu machen, die ihren Sitz in der goldenen Stadt hatte. Sie waren zu einer starken Gemeinschaft zusammengewachsen, in der sich jeder auf den anderen verlassen konnte.
Ihre neuen Cousins und Cousinen füllten das Haus auch wahrlich mit Leben, liebevollen Neckereien und den ein oder anderen Zankereien. Aber wie sollte es auch anders sein, bei den heißblütigen Gemütern.
Kein Wunder also, dass Aliza mittlerweile auch sehr häufig dort anzutreffen war. Gerade Liyanah konnte ihre Beweggründe bestens nachvollziehen und freute sich, dass ihre Cousine endlich wieder eine Gemeinschaft gefunden hatte, der sie sich zugehörig fühlte, und die sie - genauso wie sie Liyanah damals mit offenen Armen empfangen hatten - ganz selbstverständlich in ihrer Mitte aufnahmen.
Nun wurde es langsam Zeit, dass Aliza diese Zugehörigkeit auch nach außen hin zeigen und sich zu den Ryzan bekennen durfte.
- Faizullah Ryzan
- Beiträge: 22
- Registriert: Mittwoch 3. Dezember 2025, 23:05
Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Viele habe ich kommen und gehen sehen, so wahr mir die Sonne der Durrah Zeugin ist. Händler mit Stimmen wie leere Krüge, Krieger mit Armen voll Narben und Herzen voll Staub, Natifahs, die glaubten, ein neues Haus sei nichts weiter als ein schattiger Platz für müde Füße.
Doch Aliza war neda eine von ihnen. Neda. Bei weitem neda.
Wenn ich ehrlich bin – und bei All-Mara, ich bin ein Mann, der die Ehrlichkeit gern erst nach dem dritten Mocca aus der Tasche zieht –, dann habe ich sie anfangs kaum wahrgenommen. Neda, weil sie klein gewesen wäre oder farblos. Sondern weil sie jene Stille trug, die neda schweigt, sondern wartet. Eine Stille, die erst dann spricht, wenn das Gegenüber endlich aufhört, sich selbst zuzuhören. Und ich… ich höre mir selbst gern zu.
Sie bewegte sich durch die Küche wie ein Gedanke, der weiß, dass er richtig ist, aber niemanden drängt. Stets nahe bei Asahi, stets mit beschäftigten Händen, als müsse sie dem Haus beweisen, dass ihr Dasein Gewicht habe. Ach, dieses Bedürfnis kenne ich nur zu gut. Ich habe es selbst getragen wie eine zweite Haut, damals nach dem Feuer, als meine Hände mir fremd wurden und die Schmiedekunst mich ansah wie eine Geliebte, die ich nicht mehr berühren durfte.
Aliza kochte den Mocca richtig. Und glaube mir: Das ist neda eine Kleinigkeit, kein beiläufiger Umstand, kein Nebensatz im Buch der Ryzan. Wer bei uns den Mocca verdirbt, der ist schneller wieder fort, als Ishmael ein Pergament falsch herum halten kann (was doch zumeist der Fall ist, wenn er in den Kissen sitzt und geschäftig tut, doch leise schnarcht). Sie wusste, wie stark er für Zhour sein musste, wie sanft für Liyanah, wie geordnet für Ishmael – und für mich…
Nun. Für mich ein wenig kräftiger, als es nötig gewesen wäre. Aber ein Mann meines Volumens darf Großzügigkeit erwarten.
Oft betrachtete ich sie aus dem Augenwinkel, wenn ich mich ächzend auf ein Kissen sinken ließ, als würde die Welt selbst unter meinem Gewicht nachgeben. Sie hörte zu. Wirklich. Nicht dieses höfliche Nicken, das viele aufsetzen, wenn Faizullah zu reden beginnt und sie ahnen, dass der Weg lang wird. Nein. Sie hörte, als wären Worte kleine Kostbarkeiten, die man aufhebt, um sie später zu verstehen.
Einmal fragte ich sie, warum sie jeden Morgen vor der Sonne wach sei. Sie antwortete nicht sofort – eine kluge Natifah eilt nicht mit ihren Wahrheiten. Dann sagte sie:
„Weil sonst der Tag entscheidet, wer ich bin.“
Diese Worte setzten sich schwer in meine Brust, wie Gold in eine noch warme Form.
Ich weiß, wie es ist, aus der eigenen Bestimmung zu fallen. Wenn der Weg, den man vor Augen hatte, plötzlich endet – schwarz, rauchend, schmerzhaft. Aliza trägt diesen Bruch leiser als ich. Aber er ist da. Und gerade deshalb gehört sie zu uns. Die Ryzan sind kein Haus der Makellosen. Wir sind ein Haus der Narben, der Umwege, der Menschen, die weitergehen, selbst wenn der Sand die Spuren sofort verschluckt.
Ich sah, wie Ishmael sie betrachtete. Nicht mit Misstrauen, nein – mit jener prüfenden Ruhe eines Anaans, der weiß, dass Familie mehr ist als Blut und mehr kostet als Gold. Asahi brauchte diese Prüfung nie. Sie hatte Aliza längst aufgenommen, noch bevor Worte dafür erfunden waren. Liyanah ebenso. Sie erkennt verlorene Seelen schneller, als ich Gebäck verschwinden lassen kann.
Und ich?
Ich bin kein Oberhaupt. Kein Heiler. Kein Lenker von Schicksalen.
Ich bin nur ein alter, schwerer Salzschürfer mit verbrannten Händen, einem lauten Lachen und einem Herzen, das größer ist, als es mir manchmal gut tut.
Aber ich weiß, wann jemand bleibt.
Aliza bleibt.
Nicht aus Not. Nicht aus Mangel. Sondern weil sie hier atmet. Weil ihr Lächeln – selten, aber ehrlich – nicht bittet, sondern anbietet. Weil sie den Mocca kocht, als wäre er ein Versprechen an den kommenden Tag. Weil sie sich nicht vordrängt und doch immer da ist, wenn man sie braucht.
Eines Tages wird man sagen, sie sei schon immer eine Ryzan gewesen. So ist es mit den Richtigen. Man vergisst, dass sie jemals woanders waren.
Und wenn es an mir liegt – bei All-Mara, und ein wenig liegt es immer an mir –, dann wird sie ihren Platz finden.
Am Tisch.
Im Haus.
Unter dem Zeichen des Schakals.
Und ich werde zwei Portionen essen.
Für sie.
Und für mich.
Doch Aliza war neda eine von ihnen. Neda. Bei weitem neda.
Wenn ich ehrlich bin – und bei All-Mara, ich bin ein Mann, der die Ehrlichkeit gern erst nach dem dritten Mocca aus der Tasche zieht –, dann habe ich sie anfangs kaum wahrgenommen. Neda, weil sie klein gewesen wäre oder farblos. Sondern weil sie jene Stille trug, die neda schweigt, sondern wartet. Eine Stille, die erst dann spricht, wenn das Gegenüber endlich aufhört, sich selbst zuzuhören. Und ich… ich höre mir selbst gern zu.
Sie bewegte sich durch die Küche wie ein Gedanke, der weiß, dass er richtig ist, aber niemanden drängt. Stets nahe bei Asahi, stets mit beschäftigten Händen, als müsse sie dem Haus beweisen, dass ihr Dasein Gewicht habe. Ach, dieses Bedürfnis kenne ich nur zu gut. Ich habe es selbst getragen wie eine zweite Haut, damals nach dem Feuer, als meine Hände mir fremd wurden und die Schmiedekunst mich ansah wie eine Geliebte, die ich nicht mehr berühren durfte.
Aliza kochte den Mocca richtig. Und glaube mir: Das ist neda eine Kleinigkeit, kein beiläufiger Umstand, kein Nebensatz im Buch der Ryzan. Wer bei uns den Mocca verdirbt, der ist schneller wieder fort, als Ishmael ein Pergament falsch herum halten kann (was doch zumeist der Fall ist, wenn er in den Kissen sitzt und geschäftig tut, doch leise schnarcht). Sie wusste, wie stark er für Zhour sein musste, wie sanft für Liyanah, wie geordnet für Ishmael – und für mich…
Nun. Für mich ein wenig kräftiger, als es nötig gewesen wäre. Aber ein Mann meines Volumens darf Großzügigkeit erwarten.
Oft betrachtete ich sie aus dem Augenwinkel, wenn ich mich ächzend auf ein Kissen sinken ließ, als würde die Welt selbst unter meinem Gewicht nachgeben. Sie hörte zu. Wirklich. Nicht dieses höfliche Nicken, das viele aufsetzen, wenn Faizullah zu reden beginnt und sie ahnen, dass der Weg lang wird. Nein. Sie hörte, als wären Worte kleine Kostbarkeiten, die man aufhebt, um sie später zu verstehen.
Einmal fragte ich sie, warum sie jeden Morgen vor der Sonne wach sei. Sie antwortete nicht sofort – eine kluge Natifah eilt nicht mit ihren Wahrheiten. Dann sagte sie:
„Weil sonst der Tag entscheidet, wer ich bin.“
Diese Worte setzten sich schwer in meine Brust, wie Gold in eine noch warme Form.
Ich weiß, wie es ist, aus der eigenen Bestimmung zu fallen. Wenn der Weg, den man vor Augen hatte, plötzlich endet – schwarz, rauchend, schmerzhaft. Aliza trägt diesen Bruch leiser als ich. Aber er ist da. Und gerade deshalb gehört sie zu uns. Die Ryzan sind kein Haus der Makellosen. Wir sind ein Haus der Narben, der Umwege, der Menschen, die weitergehen, selbst wenn der Sand die Spuren sofort verschluckt.
Ich sah, wie Ishmael sie betrachtete. Nicht mit Misstrauen, nein – mit jener prüfenden Ruhe eines Anaans, der weiß, dass Familie mehr ist als Blut und mehr kostet als Gold. Asahi brauchte diese Prüfung nie. Sie hatte Aliza längst aufgenommen, noch bevor Worte dafür erfunden waren. Liyanah ebenso. Sie erkennt verlorene Seelen schneller, als ich Gebäck verschwinden lassen kann.
Und ich?
Ich bin kein Oberhaupt. Kein Heiler. Kein Lenker von Schicksalen.
Ich bin nur ein alter, schwerer Salzschürfer mit verbrannten Händen, einem lauten Lachen und einem Herzen, das größer ist, als es mir manchmal gut tut.
Aber ich weiß, wann jemand bleibt.
Aliza bleibt.
Nicht aus Not. Nicht aus Mangel. Sondern weil sie hier atmet. Weil ihr Lächeln – selten, aber ehrlich – nicht bittet, sondern anbietet. Weil sie den Mocca kocht, als wäre er ein Versprechen an den kommenden Tag. Weil sie sich nicht vordrängt und doch immer da ist, wenn man sie braucht.
Eines Tages wird man sagen, sie sei schon immer eine Ryzan gewesen. So ist es mit den Richtigen. Man vergisst, dass sie jemals woanders waren.
Und wenn es an mir liegt – bei All-Mara, und ein wenig liegt es immer an mir –, dann wird sie ihren Platz finden.
Am Tisch.
Im Haus.
Unter dem Zeichen des Schakals.
Und ich werde zwei Portionen essen.
Für sie.
Und für mich.
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Ishmael Mahir Ryzan
- Beiträge: 44
- Registriert: Sonntag 25. Juni 2023, 13:11
Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Ishmael sass noch immer am Tisch, als der Lärm im Haus langsam abebbte. Die Pergamente zusammengerollt und das Tintchenfässchen wieder fest verschlossen. Die safrangelben Iriden lagen noch eine Weile auf dem Pergamenthaufen, den er noch nicht angerührt hatte und darauf warteten, abgearbeitet zu werden, in der Hoffnung, sie würden sich von selbst erledigen.Ein Seufzen entwich ihm, leise doch laut genug, um aus der Küche gehört zu werden. Er sah Asahi um die Ecke linsen und wie sich ihr Schleier bewegte, als ihre Mundwinkel darunter ihr allzu bekanntes Schmunzeln bildeten. Verwaltung war nie sein Weg gewesen. Sein Herz gehörte der Kunst; Musik, Malerei, Bewegung. Ein Ventil für die kreative Ader, die ihn ihm schlummerte - davon war er jedenfalls selbst überzeugt.
Während er seinen Blick schweifen liess und der Arbeit damit für den Moment zu entkommen versuchte, erfasste Aliza seine Aufmerksamkeit. Beinahe unscheinbar bewegte sie sich durch den Wohnbereich, bedacht darauf ihn bei der Arbeit nicht zu stören, während sie Asahi beim Abräumen unterstützte. Niemand forderte sie dazu auf, denn sie nahm sich der Arbeit immer selbst an, als wäre sie schon längst Teil der Familie. Wie zu ihrer Hochzeit, als sie sich ohne weiteres bereit erklärte, die Gäste zu bedienen, wo sie selbst eine war.
Manchmal fragte er sich, ob sie das selbe empfand, wie er als er noch auf der Strasse lebte; Einsamkeit. Die Angst, fortgeschickt zu werden, den man mit dem Versuch der Zuvorkommenheit nach hinten zu drängen hoffte. Unentdeckt bleiben und sich als Teil einer Masse einzugliedern. Auch wenn er bei weitem nicht die Geduld aufwies, wie sie es in diesem Haus tat. Aber nein - er glaubte fest daran, dass sie sich hier wohl fühlte und wusste darum, dass ihre Anwesenheit geschätzt wurde. Das liess er sich nämlich von der Familie bestätigen, ehe er ihr offerierte, sich den Schakalen anzuschliessen.Er war froh um die Entwicklung. Froh, jemandem einen Platz bieten zu können, der verloren schien. So, wie er einst von Zayn und den anderen aufgenommen wurde, obwohl sein Auftritt davon zeugte, welche Art Person er war. Ein Taugenichts, von anderen verstossen.
Asahis sanfter Fingerdruck auf seiner Schulter riss ihn wieder aus diesen Erinnerungen und liess ihn zu ihr aufblicken. Sie brauchte ihm nichts sagen, das Lächeln in ihren Augen war genug, um ihn wissen zu lassen, dass sie um seine Gedanken wusste. Seine Liebste, die sich schon unzählige male dankbar gegenüber Aliza zeigte und jene war, die dem Barden nahelegte, Aliza ein neues Zuhause zu offerieren. So, wie sie es einst vor dem Emir erbat, der seinen Segen dafür aussprach.
Nun war einiges an Zeit vergangen. Genug Zeit, damit sich Aliza beweisen und in ihrem neuen Umfeld einleben konnte. Die nächsten Schritte liessen auf sich warten; Ein offizielles Schreiben an das herrschende Haus. Die Bitte um eine Audienz, um Alizas Aufnahme offiziell zu machen.
Während er seinen Blick schweifen liess und der Arbeit damit für den Moment zu entkommen versuchte, erfasste Aliza seine Aufmerksamkeit. Beinahe unscheinbar bewegte sie sich durch den Wohnbereich, bedacht darauf ihn bei der Arbeit nicht zu stören, während sie Asahi beim Abräumen unterstützte. Niemand forderte sie dazu auf, denn sie nahm sich der Arbeit immer selbst an, als wäre sie schon längst Teil der Familie. Wie zu ihrer Hochzeit, als sie sich ohne weiteres bereit erklärte, die Gäste zu bedienen, wo sie selbst eine war.
Manchmal fragte er sich, ob sie das selbe empfand, wie er als er noch auf der Strasse lebte; Einsamkeit. Die Angst, fortgeschickt zu werden, den man mit dem Versuch der Zuvorkommenheit nach hinten zu drängen hoffte. Unentdeckt bleiben und sich als Teil einer Masse einzugliedern. Auch wenn er bei weitem nicht die Geduld aufwies, wie sie es in diesem Haus tat. Aber nein - er glaubte fest daran, dass sie sich hier wohl fühlte und wusste darum, dass ihre Anwesenheit geschätzt wurde. Das liess er sich nämlich von der Familie bestätigen, ehe er ihr offerierte, sich den Schakalen anzuschliessen.Er war froh um die Entwicklung. Froh, jemandem einen Platz bieten zu können, der verloren schien. So, wie er einst von Zayn und den anderen aufgenommen wurde, obwohl sein Auftritt davon zeugte, welche Art Person er war. Ein Taugenichts, von anderen verstossen.
Asahis sanfter Fingerdruck auf seiner Schulter riss ihn wieder aus diesen Erinnerungen und liess ihn zu ihr aufblicken. Sie brauchte ihm nichts sagen, das Lächeln in ihren Augen war genug, um ihn wissen zu lassen, dass sie um seine Gedanken wusste. Seine Liebste, die sich schon unzählige male dankbar gegenüber Aliza zeigte und jene war, die dem Barden nahelegte, Aliza ein neues Zuhause zu offerieren. So, wie sie es einst vor dem Emir erbat, der seinen Segen dafür aussprach.
Nun war einiges an Zeit vergangen. Genug Zeit, damit sich Aliza beweisen und in ihrem neuen Umfeld einleben konnte. Die nächsten Schritte liessen auf sich warten; Ein offizielles Schreiben an das herrschende Haus. Die Bitte um eine Audienz, um Alizas Aufnahme offiziell zu machen.
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Arash Ryzan
- Beiträge: 7
- Registriert: Donnerstag 14. September 2023, 12:08
Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Ein Windhauch. Knurren. Eine gefurchte Stirn.
Der Akemi aus dem Hause der Ryzan stand während seines Wachdienstes auf den Mauern der goldenen Stadt. Des Nachts pfiff der Wind um seine Wangen und trug Sand, Kälte und schlechte Laune an ihn heran. Grummelnd wurde die Maske ein Stück weit hinauf gezogen. Doch das Knurren des Magens war noch ein Problem. Die Augenlider wurden nach und nach schwerer, während er immer und immer wieder den Blick über die schier unendliche Weite der Durrah gleiten ließ. Doch musste er wachsam sein, immerhin hatte er eine wichtige Aufgabe. Er schüttelte sich und vertrieb damit die Müdigkeit aus Körper und Geist. Der Griff um den langen Stiel des Shamshirs wurde fester und das Gewicht wurde auf die mächtige Waffe verlagert. Der Blick wanderte und wanderte und der Magen knurrte immer lauter!
Seufzend fummelte er an seinem Gurt herum und ertastete dort etwas, eine Kleinigkeit. Die Mundwinkel hoben sich und eine wohlige Wärme breitete sich in seinem Herzen aus. Aliza hatte ihn kurz vor Beginn seiner Wachrunde am Hause des Schakals abgepasst und ihm noch etwas zugesteckt. Eine aufmerksame Natifah! Er öffnete den kleinen Beutel an seinem Gurt und erblickte dort ein paar gefüllte Weinblätter. Wie freundlich es doch war, dass sie ihm seine Leibspeise zur nächtlichen Patrouille mitgegeben hatte! So ließe sich eine jede Wachrunde als einfacher Akemi spielend erledigen! Die Maske wurde herabgezogen und das erste Weinblatt sofort in den Schlund gestopft. Während er schmatzend kaute, sinnierte er und wenngleich er natürlich! aufmerksam seinen Dienst ausübte schwelgte er in Erinnerungen ...
Die Khaliq verbrachte schon einige Monde im Haus der Ryzan und sie war stets eine anständige, hilfsbereite und auch freundliche Natifah gewesen. Stets hatte sie ein Lächeln, ein gutes Wort oder auch zahlreiche Köstlichkeiten für ihn und seinen Vetter Faizullah bereit. Am Ende musste er noch aufpassen, dass er nicht die Ausmaße des Faizullah annahm! Die Neckerei wurde beiseite gewischt. Das Haus der Ryzan war belebt wie lange nicht mehr und nicht nur seine geliebten Cousins und Cousinen, nein! auch Aliza trug eine große Menge dazu bei. Das Haus des Schakals wäre nicht mehr das selbe ohne sie. Nachdem der Hunger gestillt war, konnte der Akemi seinen Wachdienst mit wachsamen Blick und Freude im Herzen fortsetzen.
Nach der Beendigung des Wachdienstes kehrte Arash zum Haus der Ryzan zurück. Ein Gedanke schoss ihm erneut durch den Kopf! Es war an der Zeit aus Aliza eine richtige, echte Natifah aus dem Haus der Ryzan zu machen!
Alsbald wollte er sich mit seiner Familie beratschlagen, doch zuerst fiel er in sein Bett und die Augen fielen ihm zu. Wachdienste in der nächtlichen Durrah waren auch mit den bestesten Weinblättern nicht immer leicht zu verkraften ...
Der Akemi aus dem Hause der Ryzan stand während seines Wachdienstes auf den Mauern der goldenen Stadt. Des Nachts pfiff der Wind um seine Wangen und trug Sand, Kälte und schlechte Laune an ihn heran. Grummelnd wurde die Maske ein Stück weit hinauf gezogen. Doch das Knurren des Magens war noch ein Problem. Die Augenlider wurden nach und nach schwerer, während er immer und immer wieder den Blick über die schier unendliche Weite der Durrah gleiten ließ. Doch musste er wachsam sein, immerhin hatte er eine wichtige Aufgabe. Er schüttelte sich und vertrieb damit die Müdigkeit aus Körper und Geist. Der Griff um den langen Stiel des Shamshirs wurde fester und das Gewicht wurde auf die mächtige Waffe verlagert. Der Blick wanderte und wanderte und der Magen knurrte immer lauter!
Seufzend fummelte er an seinem Gurt herum und ertastete dort etwas, eine Kleinigkeit. Die Mundwinkel hoben sich und eine wohlige Wärme breitete sich in seinem Herzen aus. Aliza hatte ihn kurz vor Beginn seiner Wachrunde am Hause des Schakals abgepasst und ihm noch etwas zugesteckt. Eine aufmerksame Natifah! Er öffnete den kleinen Beutel an seinem Gurt und erblickte dort ein paar gefüllte Weinblätter. Wie freundlich es doch war, dass sie ihm seine Leibspeise zur nächtlichen Patrouille mitgegeben hatte! So ließe sich eine jede Wachrunde als einfacher Akemi spielend erledigen! Die Maske wurde herabgezogen und das erste Weinblatt sofort in den Schlund gestopft. Während er schmatzend kaute, sinnierte er und wenngleich er natürlich! aufmerksam seinen Dienst ausübte schwelgte er in Erinnerungen ...
Die Khaliq verbrachte schon einige Monde im Haus der Ryzan und sie war stets eine anständige, hilfsbereite und auch freundliche Natifah gewesen. Stets hatte sie ein Lächeln, ein gutes Wort oder auch zahlreiche Köstlichkeiten für ihn und seinen Vetter Faizullah bereit. Am Ende musste er noch aufpassen, dass er nicht die Ausmaße des Faizullah annahm! Die Neckerei wurde beiseite gewischt. Das Haus der Ryzan war belebt wie lange nicht mehr und nicht nur seine geliebten Cousins und Cousinen, nein! auch Aliza trug eine große Menge dazu bei. Das Haus des Schakals wäre nicht mehr das selbe ohne sie. Nachdem der Hunger gestillt war, konnte der Akemi seinen Wachdienst mit wachsamen Blick und Freude im Herzen fortsetzen.
Nach der Beendigung des Wachdienstes kehrte Arash zum Haus der Ryzan zurück. Ein Gedanke schoss ihm erneut durch den Kopf! Es war an der Zeit aus Aliza eine richtige, echte Natifah aus dem Haus der Ryzan zu machen!
Alsbald wollte er sich mit seiner Familie beratschlagen, doch zuerst fiel er in sein Bett und die Augen fielen ihm zu. Wachdienste in der nächtlichen Durrah waren auch mit den bestesten Weinblättern nicht immer leicht zu verkraften ...
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Aliza Inaya Ryzan
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- Registriert: Montag 6. Januar 2020, 23:05
Re: Davon niemals aufzuhören, seinen Weg zu gehen
Manchmal verliert man die Familie,
mit der alles begann.
Nicht laut,
nicht plötzlich —
eher so,
dass etwas fehlt,
bevor man weiß, was es war.
Lange habe ich mich gefragt,
was Familie für mich bedeutet.
Ob sie an Erinnerungen hängt
oder an dem Wunsch,
irgendwo dazugehören zu dürfen.
Mit der Zeit habe ich gemerkt,
dass Familie dort entsteht,
wo ich mich nicht erklären muss.
Wo ich leiser werden darf.
Wo meine Unsicherheiten
keinen Raum einnehmen müssen.
Sie haben sich um mich bemüht.
Nicht mit großen Worten,
sondern mit Geduld.
Mit Nachfragen,
mit offen gelassenen Türen,
mit dem ehrlichen Wunsch,
dass ich bleibe,
so wie ich bin.
Heute spüre ich vor allem Dankbarkeit.
Für liebe Worte, die mich tragen,
für Verständnis, das mich hält,
für die stille Sicherheit,
die mich hier ankommen lässt.
Für Nähe,
die sich nicht beweisen muss.
Vielleicht ist das Familie:
Ein Ort im Leben,
an dem ich mich sicher fühle —
und ganz still weiß,
dass ich angekommen bin.
mit der alles begann.
Nicht laut,
nicht plötzlich —
eher so,
dass etwas fehlt,
bevor man weiß, was es war.
Lange habe ich mich gefragt,
was Familie für mich bedeutet.
Ob sie an Erinnerungen hängt
oder an dem Wunsch,
irgendwo dazugehören zu dürfen.
Mit der Zeit habe ich gemerkt,
dass Familie dort entsteht,
wo ich mich nicht erklären muss.
Wo ich leiser werden darf.
Wo meine Unsicherheiten
keinen Raum einnehmen müssen.
Sie haben sich um mich bemüht.
Nicht mit großen Worten,
sondern mit Geduld.
Mit Nachfragen,
mit offen gelassenen Türen,
mit dem ehrlichen Wunsch,
dass ich bleibe,
so wie ich bin.
Heute spüre ich vor allem Dankbarkeit.
Für liebe Worte, die mich tragen,
für Verständnis, das mich hält,
für die stille Sicherheit,
die mich hier ankommen lässt.
Für Nähe,
die sich nicht beweisen muss.
Vielleicht ist das Familie:
Ein Ort im Leben,
an dem ich mich sicher fühle —
und ganz still weiß,
dass ich angekommen bin.