Aus der Dunkelheit zurück ins Licht...

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Althan
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Aus der Dunkelheit zurück ins Licht...

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1. Tag meines Lebens...

Das Erste, was ich wahrnahm, als ich aus einer Welt tiefster Dunkelheit auftauchte, war ein blendendes Licht und dann kam sofort der Schmerz. Mein Schädel dröhnte,jeder Muskel fühlte sich an, als wäre er zermalmt worden. Panik griff nach mir, das Atmen fiel mir schwer. Ich wusste nicht, wo ich war, wer ich war oder was man mir angetan hatte. In diesem Moment traf mich die Erkenntnis mit voller Wucht: Da war nichts. Keine Erinnerung, kein Name, nur Leere und ein dunkles Nichts.

Als ich die Augen öffnete, erkannte ich einen alten Steinboden unter mir. Eine zierliche Frau beugte sich über mich. Instinktiv zuckte ich zurück, kurz überzeugt davon, dass nun weitere Schmerzen folgen würden... durch sie. Doch sie taten es nicht. Stattdessen bemerkte ich die Ketten an meinen Handgelenken, den Dreck auf meiner Haut, der Gestank und das protestierende Stöhnen, als ich mich bewegen sollte. Doch dann, sie half mir auf. Was gesprochen wurde, ging an mir vorbei meine ganze Aufmerksamkeit galt dem Versuch, nicht zu schwanken, mich nicht zu schwer auf sie zu stützen. Ich wusste nicht, wer sie war, aber ich war dankbar für ihre Hilfe.

War ich ein Gefangener? Verurteilt? Warum waren so viele Menschen da, warum diese Blicke? Die Fragen häuften sich, doch die Erschöpfung und Müdigkeit waren stärker. Also ließ ich davon ab. Sie führte mich aus dem Gebäude hinaus. Ich hielt den Blick zum Boden gesenkt, Schritt für Schritt, immer bemüht, nicht zu stolpern. Eine bleierne Schwäche steckte mir in den Knochen, begleitet von einem dumpfen, allgegenwärtigen Schmerz. Sie roch frisch und sauber… ich nicht. Für einen Moment schämte ich mich dafür.
Inmitten steinerner Gebäude und stummen Beobachtern wurde ich geführt wie durch einen Traum, den ich nicht verstand. Worte über Urteile und Glauben hallten um mich herum, erreichten mich aber kaum.
Meine Welt schrumpfte auf den Halt ihres Armes und den Weg hinaus... wohin auch immer. Schritt für Schritt verließ ich die Stadt. Wachen musterten mich, doch niemand hielt uns auf. Alles schien entschieden, unumstößlich. Ich durfte wohl gehen, aber ich war auch nicht mehr der, der ich einmal war.
Auf dem Weg verlor ich mich weiter in mir selbst. Immer wieder sah ich auf die Ketten an meinen Handgelenken, als könnten sie mir erklären, warum sie dort waren. Gedanken formten sich und zerfielen sofort wieder. Schließlich gab ich auf und ließ mich durch sie führen, sie war mein Anker in diesen Momenten.
Sie bat die Wachen darum, Magie wirken zu dürfen. Ich nahm nur Bruchstücke wahr: ein Ziehen, als würde sich die Welt selbst beugen, dann Regen, warm auf der Haut. Als etwas zusammenbrach, hielt sie mich fest. Ich fiel nicht. Das war alles, was zählte.

Irgendwann fragte ich sie, wer sie sei. Ihre Antwort war leise, beruhigend. Sie versprach mir Ruhe, versprach, dass die Fesseln bald abgenommen würden. Das genügte mir. Ich nickte und folgte. Das Zimmer, in das sie mich brachte, fühlte sich fremd an. „Hier wohne ich?“, fragte ich, unsicher. Die Bestätigung beruhigte und verwirrte mich zugleich. Meine Kräfte reichten kaum noch. Ich setzte mich,
bat um Verzeihung, weil ich nicht mehr konnte.
Sie kniete sich zu mir, betrachtete die Fesseln und begann, sich zu konzentrieren. Während sie arbeitete, stellte ich wirre Fragen, verlor mich in einzelnen Worten... Wiederholungen. Als die Ketten sich endlich lösten, fiel eine unsichtbare Last von mir ab doch die Müdigkeit blieb, tief und schwer. Angelica ihr Name, nicht meine Frau... aber eine alte Freundin. Ich sei nun auf K'awi... in Sicherheit.
Sie sprach von Ruhe, von einem Bad, von einem Freund Namens Andarc. Ich wiederholte die Worte leise, als müsste ich sie festhalten. Sie brachte mich zum Bett, sagte, sie müsse noch Dinge erledigen, würde aber wiederkommen. Sie gab mir eine Phiole, etwas gegen die Schmerzen und etwas Dämpfendes. Ich wollte die Welt gerade nicht sehen. Draußen, sagte ich, sei die Welt schmerzhaft. Sie nickte und ließ mich zurück.
Allein begann ich, mich zu versorgen. Ich fand den Weg zur Wanne, wusch Schmutz
und Blut von mir ab, verbrannte die stinkende, verwahrloste Kleidung.
Das warme Wasser linderte das Zittern später ein wenig. Der Blick in den Spiegel zeigte mir einen Fremden, langer Bart… lange Haare, kein Erkennen. Resigniert wandte ich mich ab und durchsuchte die Truhen in der spartanischen Bleibe nach etwas zum Anziehen. Na herrlich, nichts... nur eine Badehose. Eine Badehose war das Einzige, was von mir hier geblieben war etwas Alltägliches, etwas Reales. Ich war also mittellos, arm und hatte gerade meine letzte Gewandung verbrannt... wundervoll, Althan.
Erschöpft legte ich mich nieder, egal. Die kleine Phiole, die sie mir gegeben hatte, hielt ich eine Weile fest, als wäre sie etwas Kostbares, dann nahm ich sie ein. Dankbarkeit und Resignation mischten sich, ohne dass ich wusste warum. Mit dem Rauschen des warmen Regens im Hintergrund, und dem dumpfen Nachhall der Schmerzen schlief ich ein... gereinigt, erschöpft und noch immer gefangen, diesmal in der Leere meiner eigenen Erinnerung.

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"Ich denke, ein Mann tut, was er kann, bis sein Schicksal offenbart wird." (Algren)
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Althan
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Tag 4: Angelica/Arenvir/Andarc

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4. Tag meines Lebens…

Nachmittags...

Angelica klopfte behutsam an meine Tür. Leise kratze meine Schreibfeder über das Pergament, dann… hielt ich inne. Besuch? Ich blickte auf, erhob mich langsam sah prüfend durch das Fenster und öffnete, sobald ich sie erkannte. In ihren Händen trug sie ein paar einfache Habseligkeiten Gewänder, Schuhe, eine Kopfbedeckung. Sie grüßte mich in der alten Form K’awis und entschuldigte sich beinahe dafür, mich zu stören. Ich erwiderte den Gruß mit einem kurzen Lächeln, freundlich gemeint, aber vorsichtig, und trat zur Seite, um sie eintreten zu lassen. Sie erklärte mir, dass man mich mit erstaunlich wenig Besitz hatte gehen lassen, und reichte mir die Schuhe. Ich nahm sie dankbar an, ein wenig verlegen, und schlüpfte hinein. Dabei musste ich einräumen, dass ich nicht wusste, wo meine übrigen Dinge geblieben waren falls es sie überhaupt noch gab. Das Zimmer wirkte karg, beinahe fremd, als hätte ich hier nie wirklich gelebt. Angelica vermutete, dass mein Eigentum auf einer Bank liege, entweder hier auf K’awi oder in Bajard, wo sich angeblich der Großteil meines Vermögens befinde. Ich stellte trocken fest, dass ich ihr wohl sehr vertraut haben müsse, wenn sie das wisse, auch wenn mir dieses Wissen selbst nicht mehr zugänglich war. Schließlich bat ich sie, mich zur Bank zu begleiten um nachzusehen. Allein hinauszugehen traute ich mir noch nicht zu.

Gemeinsam verließen wir das Zimmer. Meine Bewegungen waren vorsichtig, jeder Schritt bedacht, jeder kleine Richtungswechsel erinnerte mich daran, dass mein Körper noch unter den Nachwirkungen litt. Draußen erklärte Angelica mir geduldig die Umgebung: die Garnison der Stadtwache, deren Leiter Andarc zugleich einen der Ratsitze innehatte, die Taverne über den Zimmern – das trunkene Seepferdchen –, die Wege und Gebäude der Stadt. Ich hörte aufmerksam zu und prägte mir alles ein, als müsste ich mir eine Welt neu zusammensetzen, die mir einst vertraut gewesen war und nun wie ein Puzzle ohne Vorlage vor mir lag. Im Gespräch erwähnte sie ihren bevorstehenden Vortrag an der Akademie und lud mich ein, daran teilzunehmen, sofern man für meine Ruhe und Sicherheit sorgen könne. Diese Bemerkung ließ Unruhe in mir aufsteigen. Auf meine Nachfrage hin erklärte sie offen, dass ich zwar nicht gesucht würde, aber kaum noch Freunde hätte. Einst sei ich ein erklärter Feind Alumenas gewesen, später auch vom alatarischen Reich abgefallen, und damit zwischen alle Fronten geraten. Es sei damit zu rechnen, dass Besucher aus beiden Lagern anwesend sein würden, und mein Zustand sei noch zu kritisch, um Risiken einzugehen. Ich nahm diese Worte still hin. Mir war bewusst, dass ich mich nicht verteidigen konnte, nicht einmal verstand, wogegen genau. Als Angelica schließlich erwähnte, dass ich früher als einer der gefährlichsten Kampfmagier Gerimors gegolten habe, reagierte ich mit Skepsis und einem schwachen Schmunzeln. Es klang, als spräche sie von einem anderen Menschen, von jemandem, der mir fremd war. Doch sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinte. Schließlich winkte sie mich weiter, in Richtung Bank. Ich nickte nur und folgte ihr. Still, aufmerksam, und mit dem Gefühl, dass jeder Schritt durch die Straßen K’awis mich nicht nur räumlich voranbrachte, sondern auch ein kleines Stück näher an ein Leben, das mir einmal gehört hatte und das ich selbst noch nicht wiedererkannte.

Gerade als wir uns in Richtung Bank wenden wollten, trat ein Fremder in einer weißen Robe um die Ecke. Angelica kannte ihn, ich erkannte ihn nicht wieder. Schweigend lauschte ich ihren Worten, mich dabei im Hintergrund halten ihnen lauschend und wahrnehmend… er kannte mich. Angelica führte uns ohne Zögern in ihr Haus. In jeder ihrer Bewegungen lag eine Selbstverständlichkeit, als gäbe es keinen Zweifel daran, dass ich hier richtig war. Ich zog die Schuhe aus, wie sie es verlangte, und der Raum füllte sich bald mit leiser Wärme und dem vertrauten Geräusch von Wasser, das erhitzt wurde. Ich folgte ihren Anweisungen wortlos, ihr vertrauend, während Arenvir eintrat mit der Ruhe eines Mannes, der Gefahren nicht mehr zählen musste. In einer Ecke lag Leia, die alte Raubkatze. Sie hob kaum den Kopf, und allein das reichte mir, um zu wissen, dass hier keine unmittelbare Bedrohung lauerte. Als wir am Tisch Platz nahmen, legte sich eine gespannte Stille über uns drei. Angelica stellte Tee bereit, fügte kommentarlos eine Flasche hinzu, und Arenvir nahm das Angebot mit einem Hauch trockenen Humors an. Ich schwieg. Ich beobachtete. Mein Blick tastete nach etwas, das ich nicht greifen konnte… Vertrautheit ohne Erinnerung, Nähe ohne Vergangenheit. Es war, als säße ich in einer Szene, die mir einst vertraut gewesen sein musste, deren Bedeutung mir nun aber entglitt. Angelica übernahm das Wort. Ruhig, beinahe dozierend, erklärte sie mir das Unmögliche: dass Arenvir und ich einander einst als Feinde gegenübergestanden hatten, auf entgegengesetzten Seiten zweier Reiche, gebunden an Ideologien und Götter, die mir beide fern und abstrakt erschienen. Und doch sei diese Feindschaft nie blind gewesen. Höflich. Ehrlich. Merkwürdig stabil. Arenvir, so sagte sie, sei der Mann gewesen, dem ich mehr vertraut habe als jedem anderen gerade, weil er mein Gegner war. Skeptisch nahm ich ihre Worte auf. Ich hörte zu und hielt den Becher mit beiden Händen umklammert, als könnte er mir Sicherheit geben, die gerade mehr und mehr schwankte. Entschuldigungen rutschten mir unbeholfen über die Lippen, reflexhaft, ohne dass ich genau wusste, wofür ich mich eigentlich entschuldigte. Arenvir wies sie scharf zurück, fast grob, doch ohne wirkliche Härte. Entschuldigen war unerwünscht. Und die Vergangenheit offenbar ebenso wenig verhandelbar. Als Arenvir schließlich selbst sprach, tat er es ohne Leidenschaft, recht nüchtern. Er sagte, ich sei ein würdiger Widersacher gewesen, manchmal unerquicklich, aber berechenbar. Einer, den man nicht töten musste, weil man wusste, wer er war. Und wer er nicht war. Nun jedoch sei er hier, nicht um etwas zu Ende zu bringen, sondern um zu sehen, was von diesem Mann übriggeblieben war. Offiziell wie inoffiziell. Um sich ein eigenes Bild zu machen, jenseits von Berichten und Gerüchten. Er sprach offen über die Spannungen in Alumenas, über Stimmen, die mich fordern würden, andere, denen ich gleichgültig sei, und jene, die kein weiteres Blut wollten. Solange ich auf K’awi blieb, seien die Chancen gering, dass jemand ernsthaft eingreifen würde. Der Aufwand lohne nicht mehr. Das Spektakel, das man um mich veranstaltet habe, sei überzogen gewesen… ich sei kein Gott, kein uraltes Unheil. Ich nahm all das auf, ohne dass sich etwas in mir regte, doch die Nervosität stieg… ich wusste inzwischen, dass alte Erinnerung zu meinen Kopfschmerzen führen könnten. Keine Namen lösten etwas aus, keine Andeutungen weckten Kopfschmerzen. Was blieb, war mein Körper: die Schmerzen, das Ziehen, die dumpfe Erschöpfung. Als Arenvir beiläufig erwähnte, dass ich bei meiner Auslieferung zu Boden geschleudert worden war und dass selbst ein Gott sich an meinem Fall beteiligt hatte, fügte sich zumindest ein Teil meines körperlichen Leidens logisch zusammen. Arenvir wich aus woher er das wusste und er es musste, antwortete knapp, wo er konnte. Kein Magier sei beteiligt gewesen. Was geschehen sei, reiche tiefer. Schließlich benannte Angelica es selbst: Eingriffe auf der primären Ebene. Nachhaltig. Schmerzhaft. Monströs. Ich dachte nur… was auch immer, ich will es nicht mehr wissen. Ich wurde unruhig und senkte den Blick. Als Angelica mir schließlich leise sagte, dass ich froh sein könne, mich nicht zu erinnern, dass das Wissen selbst eine Qual wäre, die mich jeden Moment heimsuchen würde, zog ich mich innerlich zurück. Ich bat darum, nichts mehr zu hören. Das, was ich empfunden hatte, als ich sie als das Erste sah an das ich mich erinnerte hatte, hatte mir gereicht.

Ich trank meinen Tee weiter, langsam, ergeben. Nicht aus Verständnis, sondern aus Akzeptanz. Was immer ich gewesen war, lag außerhalb meiner Reichweite. Was blieb, war der Schmerz, das Jetzt und zwei Menschen mir gegenüber, die mehr über mich wussten als ich selbst. Ich stand aus und lies sie allein reden während ich mit ihrer Erlaubnis durch die oberen Stockwerke streifte mich so zurückzog. Ich blätterte durch Bücher, strich über Holzoberflächen, atmete die Düfte von Kräutern ein und verlor mich für kurze Zeit in stiller, vorsichtiger Neugier. Währenddessen setzte sich unten das Gespräch zwischen Angelica und Arenvir fort. Es war ruhig und sachlich, getragen von jener nüchternen Ernsthaftigkeit, die Menschen verbindet, die wissen, dass sie über Dinge sprechen, deren Gewicht größer ist als Worte. Ich bekam davon oben nichts mit. Angelica erklärte ihm wohl, was sie selbst nur bruchstückhaft wusste: dass ich nicht nur meine Stellung als Maestro verloren hatte, sondern auch meinen Glauben an Alatar, weil dieser mir im entscheidenden Moment nicht beigestanden hatte. Dass ich mich gestellt hatte, im Wissen, dass mich der Tod erwarten könnte oder dieser jetzige Zustand, dieses leere, schmerzhafte Weiterleben. Arenvir hörte zu, fragte nach, ordnete ein. Er machte deutlich, dass Alumenas kein Interesse daran habe, wegen mir einen Krieg vom Zaun zu brechen. Die politische Lage sei zu angespannt, und ich, so wie ich nun war, keine reale Bedrohung mehr. Sein Bericht würde wahrheitsgemäß ausfallen und zurückhaltend. Mehr nicht. Schlafende Hunde zu wecken, lehnte er ab. Er nannte es offen einen Freundschaftsdienst. Als ich schließlich wieder die Treppe hinab kam, war ich ruhiger, aber auch müde. Der heutige Tag hatten mich angestrengt. Dennoch hörte ich aufmerksam zu, stellte einfache, direkte Fragen und versuchte zu verstehen, warum man mich jetzt für gefährlich hielt, obwohl ich mich selbst so schwach und orientierungslos fühlte. Arenvir erklärte es ohne Grausamkeit, aber ohne Beschönigung: Ein Magier ohne Erinnerung an seine eigenen Grenzen sei immer ein Risiko für sich selbst wie für andere. Der Weg zurück zu meinem Zimmer war still, fast beiläufig. Angelica führte uns bis zu meiner Tür und erklärte Arenvir, wo er mich finden könne, falls er noch einmal mit mir sprechen wolle. Arenvir verabschiedete sich mit einer knappen Verbeugung, trockenem Humor und der Zusicherung, dass sein Bericht niemanden unnötig alarmieren würde. Ich entschuldigte mich ein weiteres Mal unbeholfen, ehrlich, was er nur mit einem Augenrollen quittierte. Entschuldigungen, befand er, passten nicht zu jemandem, der einst mit voller Überzeugung gehandelt hatte. Als Arenvir ging, blieb ein seltsamer Nachhall zurück. Ich sah ihm nach und stellte fest, dass ich diesen Mann irgendwie mochte.

Zurück vor meiner Tür, müde und schmerzgeplagt, ließ ich die Worte des Tages langsam sacken. Vier Tage erst existierte dieses neue Leben, und doch war es bereits voller Geschichte, an die ich mich erinnern konnte.

Gegen Abend...

Der Besuch bei Andarc fühlte sich für mich seltsam wichtig an, auch wenn ich nicht genau sagen konnte, warum. Angelica begleitete mich zu ihm, stellte mich vor, nannte mich seinen Patienten ein Wort, das sich schwer, aber auch irgendwie richtig anfühlte. Andarc kannte ich von seinen ersten Besuchen bereits für mich war er eine Konstante mit ruhiger Stimme und wachsamen Augen. Nichts an ihm wirkte bedrohlich. Eher… vorsichtig. Bedacht. Als trüge er Verantwortung wie ein gutsitzendes Kleidungsstück. Während Angelica mit ihm sprach, ging es um Politik, um Arenvir, um Berichte und den Rat. Ich hörte zu, verstand manches nur halb und spürte dabei dieses unangenehme Gefühl, über das eigene Leben zu hören, ohne selbst etwas beitragen zu können. Als Angelica sich schließlich zurückzog und mich allein mit Andarc ließ, war ich erleichtert und gleichzeitig unsicher. Ich legte mich auf die Behandlungsliege, langsam, jeder Handgriff bedacht, weil mein Körper schmerzte, als wäre er einmal zu oft falsch zusammengesetzt worden. Andarc ließ mir Zeit. Er drängte nicht, fasste mich ruhig an, prüfte Wunden, Narben, alte Brandmale. Ich spürte, dass er mir nicht wehtun wollte und dieses Wissen ließ mich mich langsam entspannen. Die Bisswunden heilten gut, sagte er, keine Entzündungen. Die Druckstellen an den Handgelenken verschwanden bereits. Mein Körper heilte also, auch wenn er müde und geschunden war. Ich erzählte ihm von den Kopfschmerzen, davon, dass sie kamen, wenn ich zu viel nachdachte. Dass Gedanken auftauchten und sofort wieder verschwanden, begleitet von jenem Kopfschmerz. Er hörte zu, ohne mich zu unterbrechen, und schlug vor, dass es eine Art geistige Überlastung sein könnte. Es klang vernünftig. Tröstlich, sogar. Als er die Salbe auftrug, roch sie nach Brennnessel und Schafgarbe. Der Duft war überraschend angenehm, beinahe süßlich. Ich fragte nach, neugierig, und er erklärte mir geduldig, wie dieselbe Pflanze als Salbe oder Tee wirken konnte außen und innen, je nachdem, wie man sie nutzte. Während er sprach, merkte ich, dass mein Kopf ruhig blieb. Keine Schmerzen. Ich konnte zuhören, mir Dinge merken. Pflanzen… das fühlte sich richtig an. Als hätte mein Geist darin etwas gefunden, woran er sich festhalten konnte.
Wir sprachen über meine Erschöpfung, über mein fehlendes Gewicht, über Orangen, die ich mochte, ohne zu wissen warum. Er machte sich Sorgen, aber ohne Mitleid, eher praktisch. Essen, Trinken, langsam wieder Kraft aufbauen. Schritt für Schritt. Auch über meine Sorge sprach ich davon, jemandem zu schaden, falls mich jemand angreifen würde. Dass Magie vielleicht intiutiv kommt, obwohl ich mich nicht erinnerte. Andarc nahm diese Sorge ernst. Er versicherte mir, dass mein Verhalten nicht das eines „wilden“ Magiers sei. Irgendwann ging es wieder um Politik, um den Rat, um Wahlen und Entscheidungen, die über mich gefällt würden. Ich hatte nicht das Gefühl, ausgeliefert zu sein eher ließ man mich warten und das verstand ich. Als sei mein Leben gerade ein angehaltener Atemzug. Ich sagte ihm, dass ich Angelica nichts schuldig bleiben wolle, dass ich etwas zurückgeben möchte, auch wenn ich noch nicht wusste, was. Als ich schließlich ging, war ich erschöpft, aber ruhiger als zuvor. Mein Körper schmerzte noch, doch er fühlte sich wieder ein kleines Stück mehr wie meiner an. Andarc verabschiedete mich freundlich, mit dem Versprechen, dass ich jederzeit wiederkommen könne. Draußen atmete tief durch und dachte: Vielleicht ist das hier kein Ende. Vielleicht ist es wirklich ein neuer Anfang.
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Althan
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Tag 5: Ein Bote von Arenvir? (Aaryon)

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5. Tag meines Lebens…

Unten in einem der Zimmer der Taverne „Zum trunkenen Seepferdchen“…

Ich erinnere mich daran, wie der Tag begann, ohne dass ich wusste, dass er sich von den anderen Tagen unterscheiden würde. Oben im Gasthaus war es ruhig, fast schläfrig zu dieser spät nachmittäglichen Zeit, das Kratzen meiner Feder auf dem Pergament eines der wenigen beständigen Geräusche hier. Mein Tagebuch, in dass ich Seiten um Seiten füllte mit Erinnerungen der vergangenen Tage. Ich merkte rasch, dass ich mit dem Schreiben nicht mehr hinterherkam, es geschah einfach zu viel. Das war bestimmt gut, vielleicht auch eine Übung für mich... mich kürzer zu fassen oder ab nun nur noch das Wichtigeste aufzuschreiben. Doch konnte ich das tun? Woher sollte ich wissen ob nicht die kleinste Begebenheit doch wichtig für mich war. So schnaufte ich und einem gewissenhaften Schüler gleich schrieb und schrieb ich weiter. Worte ordneten sich, wie sie es immer taten, und für einen Moment war alles einfach: Schreiben, Atmen, Dasein.

Oben in der Taverne „Zum trunkenen Seepferdchen“…

Da trat ein Fremder ein. Ein junger Mann, gehüllt in der weissen Robe der Akademiemagier aus Adoran, höflich, wachsam, mit einem Blick, der mehr wahrnahm, als er zeigte. Er fragte, nach Wein, nach Aushängen. Das Fräulein an der Bar tat, was sie immer tat: sie beantwortete Fragen, schenkte ein, verwässerte den Wein wie gewünscht (und weil sie ihn als jungen Burschen einschätzte war das Wasser großzügig gemessen worden), und dachte sich nichts weiter dabei. Er war aufmerksam, als suche er etwas. Vielleicht war es das leichte Zögern, mit dem er sich bewegte, was ihr auffiel.

Unten in der Taverne „Zum trunkenen Seepferdchen“…

Als es dunkler wurde, veränderte sich etwas… es geschah intuitiv. Ich konnte durch die beginnende Dunkelheit schlechter sehen, die Kerze nur einen kleinen Lichtschein spendend. Wirkte ich im Lied ohne mir dessen bewusst zu sein, zu Beginn… ich tat es einfach ohne nachzudenken. Kurz danach kam etwas was wie eine Antwort nachhallte? Ich stutzte. Etwas war da, etwas Unsichtbares, das ich nicht benennen konnte. Ein Zug, ein Flackern, ein Gefühl, als würde jemand unter der Oberfläche an etwas rühren, das besser still geblieben wäre. Ich verstand nicht, was geschah, nur dass mein Körper reagierte, bevor mein Verstand es tat. Ich legte die Feder weg, sprang auf, der Schlüssel zweimal umgedreht, suchte Halt in mir selbst. Ich versuchte, ruhig zu werden, mich zu erden. Es gelang nur teilweise. Was war los? Warum war ich von dem was eben geschehen war alarmiert worden?
Ich weiß noch, wie ich in meinem Raum stand, das Badewasser schimmerte seltsam, der Vorhang bewegte sich ohne Wind. Angst packte mich unvermittelt. Ich griff nach dem erstbesten… einem Handtuch und schlug damit gekonnt nach dem Funkeln das herumirrte. Ein Angriff? Erst später wurde mir bewusst, wie lächerlich das gewesen sein musste. In dem Moment aber fühlte es sich richtig an. Dann wurde es wieder ruhig. So plötzlich, wie es begonnen hatte. Kurze Zeit später hörte ich unregelmäßige Schritte vor meiner Türe. Erinnerte mich an Angelicas Worte niemanden einzulassen den ich nicht kannte. Ich sollte vorsichtig sein. Ich sah durch das Fenster, sah ihn draußen stehen, zögerte ob Angelicas Worte, öffnete dann doch die Tür.

Er trug die weiße Robe, eine ähnliche Robe wie Arenvir. Ich hielt ihn für einen Boten, vielleicht von Arenvir? Ich ließ ihn ein, bot ihm Orangen an, weil ich nichts anderes hatte. Ich bin nicht reich, nicht im Moment, und Orangen wachsen hier nun einmal. Er stellte sich als Schüler Arenvirs vor, als Studiosus. Sein Name blieb er zunächst schuldig. Er beobachtete mich aufmerksam, fast wie ein Gelehrter ein Studienobjekt. Ich merkte, dass er etwas suchte… Antworten vielleicht, oder Bestätigung.
Ich konnte ihm wenig geben. Ich habe nur Erinnerungen an die letzten fünf Tage. Alles davor ist Dunkelheit und schmerzhaft der Beginn. Wenn ich versuche, weiter zurückzugehen, pocht es in meinem Kopf, bis alles dunkel wird und ich den Gedanken loslasse.
Er sprach offen aus, was andere nur andeuteten: dass ich verändert bin, aus der Form geraten, nicht mehr der, der ich war. Ich widersprach nicht. Ich weiß ja selbst nicht, wer ich gewesen bin. Ich weiß nur, wer ich jetzt bin. Und dieser Mann heute will niemandem schaden.

Wir sprachen über Magie. Über wilde Magier. Über Eskalation. Über Orte, an denen man jene verwahrt, die ihre Kräfte nicht kontrollieren können oder wollen. Die Akademie der Erleuchteten. Der Name klingt freundlich, aber nichts an der Beschreibung fühlte sich so an. Ich stellte viele Fragen.
Ich wollte verstehen. Wissen fühlt sich sicher an, auch wenn es wehtut. Er erklärte mir, dass Magie nicht einfach abgelegt werden kann. Dass sie Teil von uns ist, so notwendig wie der Atem. Dass man stirbt, wenn man sie verliert. Diese Vorstellung ließ mich frösteln. Angelica hatte davon nichts gesagt.
Vielleicht wollte sie mich schützen. Vielleicht wollte sie mir Zeit geben. Ich erzählte ihm, dass ich mich hier sicher fühle. Dass man sich um mich kümmert. Dass Angelica für mich da ist. Dass ich das Zimmer kaum verlasse, weil ich Freund und Feind nicht unterscheiden kann und sie mich wohl besser erkennen als ich sie. Er stimmte mir zu. Das tat gut und tat zugleich weh.

Er fragte mich, was ich mit diesem neuen Leben anfangen wolle, wenn man mich ließe. Ich sagte die Wahrheit: Ich warte. Auf Entscheidungen. Vom Inselrat hier. Von der Akademie der arkanen Künste. Ich suche Wissen. Mehr nicht. Vielleicht noch Ruhe.
Seinen Namen wollte er mir lange nicht sagen. Er meinte, er sei nicht ungefährlich. Das verstand ich nicht ganz, akzeptierte es aber. Namen haben Macht, sagt man. Vielleicht gilt das hier mehr als anderswo. Am Ende versprach ich ihm, Arenvir nichts von seinem Besuch zu sagen und wusste gleichzeitig, dass Arenvir es ohnehin erfahren würde.
Er lachte darüber. Offenbar ist er es gewohnt, seinem Lehrer Sorgen zu bereiten. Ich folgerte, dass Arenvir sich um ihn sorgt. Das schien ihn nicht zu überraschen.
Als er ging, blieb ich zurück mit meinen Orangen, meinen Notizen und dem Gefühl, dass ich heute mehr über mich erfahren hatte, ohne mich an irgendetwas zu erinnern. Ich weiß nicht, wer ich war. Aber ich weiß, dass ich jetzt hier bin. Ich weis was ich jetzt will und was ich nicht mehr möchte.
Und dass ich jeden Tag neu entscheiden kann, wer ich jetzt bin.
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Althan
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Re: Aus der Dunkelheit zurück ins Licht...

Beitrag von Althan »

6. Tag meines Lebens...

Das leise Kratzen der Feder auf dem Pergament war das Einzige, was meinen kleinen Raum erfüllte. Ich schrieb nicht viel, doch ich schrieb konzentriert auf, was ich eben nicht vergessen wollte. Das Schreiben meines Tagesbuches hatte ich nach nur zwei Tagen aufgegeben, es geschah so viel und ich kam einfach nicht mehr hinterher. Da erklang ein Geräusch an der Tür. Zögernd. Ein Pochen, nicht fordernd, eher prüfend. Ich sah auf, runzelte die Stirn und erhob mich. Als ich die Tür öffnete, stockte mir für einen Herzschlag der Atem. Ich hatte jemand anderen erwartet. Ich war unvorsichtig geworden und hatte Angelica erwartet ohne nachzuprüfen, ob sie auch vor der Tür stand.

„Angeli…“, entfuhr es mir, doch noch während das Wort meine Lippen verließ, erkannte ich den Irrtum. Mein Gegenüber sah den erschrockenen Ausdruck. Ohne ein weiteres Wort knallte ich die Tür zu und drehte hastig den Schlüssel zweimal im Schloss um. Als ob mich das wirklich vor irgendwas schützen könnte, wenn jemand hineinkommen wollte. Einen Moment stand ich reglos da. Stille. Dann trat ich ans Fenster und blickte hinaus. Dort stand ein schlanker, hochgewachsener Elf mit gleichmäßigen Gesichtszügen. Ich straffte mich kurz. Nur Mut. „Wer seid ihr und was wollt ihr?“, fragte ich angespannt durch das Fenster und musterte den Fremden misstrauisch. Der Elf beugte sich zum Fenster hinab.
Als er sprach, wurde schnell klar, dass ihm die menschliche Sprache Mühe bereitete. Seine Worte klangen weich, melodisch, die Betonung ungewohnt verschoben, Konsonanten gemieden.
„Mae Govannen.“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust, schützend den Abstand so demonstrierend, dass ich nicht gewillt sei die Tür zu öffnen. Die Tür und das Fenster boten mir kaum Sicherheit, das wusste ich. Der Fremde nannte seinen Namen, Arkalimon… sprach von Drachenmagie, von Ered Luin, davon, Gesandter seines Volkes bei den Edain zu sein. Ich fühlte mich überfordert, als würde jedes Wort an mir vorbeiziehen, ohne Halt zu finden. Drachenmagie? Ered… was? Edain? Immerhin verstand ich Arkalimon und dass er ein Gesandter war. Meine Gedanken rasten, dann ein Lichtblitz…
„Kommt ihr von Arenvir?“, fragte ich schließlich. Er verneinte. Er sei aus eigenem Antrieb gekommen und habe den Einäugigen seit Monden nicht gesehen. Hm, immerhin schien er Arenvir zu kennen.
Ich beschloss ihm weiter auf den Zahn zu fühlen. „Und ich kenne euch?“ Meine Stirn blieb gerunzelt. Meine Haltung war abwartend, nervös. Er meinte, wir seien uns wohl einmal begegnet. Ich erinnerte mich nicht daran, wie sollte es auch anders sein. „Freund oder Feind?“ Die Frage kam vorsichtig, beinahe zurückhaltend.
„Woher wisst ihr, dass ich hier bin?“ Die Worte sprudelten aus mir heraus, getrieben von dem Rumoren in meinem Kopf, dass meine Überlegungen auslösten. Mein Blick glitt zur Tür, als überlegte ich, ob ich sie öffnen sollte. Angelicas Warnung hallte schon deutlich leiser in meinem Kopf als zu beginn, ich wurde neugierig und er sah eigentlich... freundlich aus. Er erklärte, er sei niemandes Feind, aber auch nur wenigen ein Freund. Halb Gerimor wisse offenbar, wo ich sei. Und was er wolle, sei einfach: sehen, ob er helfen könne. Ich atmete schwer aus. „Mir kann niemand helfen“, sagte ich. „Aber euer Wort, dass ihr mir nicht schaden wollt, wäre ein Anfang.“ Ich wandte mich der Tür zu, zögerte, warf einen letzten Blick zum Fenster. Dann seufzte ich resigniert, drehte den Schlüssel um, zweimal… und murmelte einen förmlichen Gruß, während ich ihn bat einzutreten. Er kam an die Tür, blieb jedoch stehen und kam nicht sofort hinein. Ich nickte angespannt. Begeisterung sah anders aus. Drinnen bot ich ihm eine Orange an. Er verstand nicht recht, sprach von einer Fruchtkugel. Er reichte mir eine Fruchtkugel. Ich nahm sie entgegen, kostete sie aber nicht und setzte mich schließlich. „Gut“, begann ich leise, um einiges abzukürzen.
„Kurze Zusammenfassung. Mein Leben begann neu vor sechs Tagen.“

Ich erzählte von der Leere, den fehlenden Erinnerungen, den Kopfschmerzen, die jeder Versuch hervorrief, hinter das Dunkel zu blicken, und vom Vergessen… das Wissen erzählten mir Andere. Jene die mich hier seit Tagen betreuten. Ich bat ihn, Platz zu nehmen, nannte ihn bei seinem Namen und stellte mich selbst vor Althan, sagte man mir, sei mein Name. Ich musste ausgezehrt wirken, als hätte ich viel Gewicht verloren. Mein Körper war übersät mit Bissspuren und anderen Verletzungen, deren Ursprung ich nicht kannte. Er hörte zu und sprach von seiner Gefährtin Lomé, die man einst ohne Erinnerung im Wald gefunden hatte. Sie habe nichts behalten außer ihrem Namen. „Mein Fall ist anders“, entgegnete ich bitter. „Schlimmer. Unwiederkehrbar. Niemals wieder.“ Nicht einmal meinen Namen hatte ich gehabt. Angelica hatte ihn mir genannt. Man musste mir ansehen, wie sehr mich dieser Zustand frustrierte, wie hungrig ich zugleich nach Wissen war. Er fragte, ob ich den Namen annehmen wolle oder mit dem Vergangenen brechen. Ich könne ein anderer sein. „Nein“, sagte ich ohne Zögern. „Was auch war tat ich, als Althan. Also ist es entschieden.“ Ich wollte auch Angelica vielleicht nicht verwirren. Sie hatte wegen mir schon so viel erleiden müssen. Diese Schuld konnte ich nicht abtragen, schon gar nicht, indem ich alles verleugnete. Dann sah ich ihn direkt an. „Also… waren wir Freunde oder Feinde?“ Er antwortete ruhig, die Betonung klar: Feinde.
Aber, fügte er hinzu, was gewesen sei, müsse nicht für immer so bleiben. Ich schwieg. Arenvirs Worte hallten in mir nach, dass ich mich nicht länger für die Taten meiner Vergangenheit verantwortlich fühlen solle.

Ich wusste nicht ganz genau, wo wir standen nur, dass es sich wie ein Anfang anfühlte. Arkalimon sagte es auch so: Da, wo ich stand, am Anfang. Und vielleicht hatte er recht. Ich war bereit, neu anzufangen, auch wenn mir noch alles fehlte, was andere ein Leben nannten. Erinnerungen. Gewissheiten. Vergangenheit. Ich war unruhig, Gedanken schossen mir durch den Kopf, unterbrachen mich selbst, während ich sprach. Arkalimon erklärte mir geduldig, dass es keinen Grund gebe, mich für etwas zu bestrafen, an das ich mich nicht erinnerte. Alles, was ich mit dem Mann teilte, der ich einmal gewesen war, sei der Leib. Der Körper. Mehr nicht. Ich schwieg eine Weile und versuchte, das zu begreifen. Waren wir derselbe? Würde ich unbewusst denselben Pfad erneut gehen? Nein, sagte er. Das Schicksal sei nicht unabwendbar. Und ich wusste, ohne lange nachdenken zu müssen, was ich wollte: Angelica etwas zurückgeben. Sie hatte mich gerettet. Es war mein Wille. Ich wollte sie beschützen, die Ihren und diese Insel. Dafür zu sorgen, dass sie sicher war, dies fühlte sich richtig an. Als Aaryon erschien, ich nannte ihn im Geheimen Studiosus Hirsch, war ich erst misstrauisch gewesen. Ich hatte ihn das letzte Mal für einen Boten Arenvirs gehalten. Doch schnell wurde klar, dass sie sich sogar kannten, gleiche Akademie… Lehrer und Schüler. Ich beobachtete Aaryon und Arkalimon eine Weile schweigend, während ich meine Orangen schälte und aß mein Abendessen, wie so oft in diesen Tagen. Die Insel gab reichlich. Es schien, als würden heute ungewöhnlich viele Menschen an meine Tür klopfen.

Angelica kam schließlich ebenfalls herein, und ich spürte sofort dieses merkwürdige Gefühl, als hätte ich etwas Verbotenes getan, obwohl ich genau wusste, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Nun ja, eigentlich doch… ich hatte Fremde hereingelassen, aber sie hatten alle gute Gründe hervorgebracht, die zum Öffnen der Türe führten am Ende.
Sie waren behutsam mit mir. Zu behutsam vielleicht. Aber ich verstand warum. Die Dinge, die man mir angetan hatte, sollten besser stumm bleiben. Keine Erinnerungen daran zu haben, war ein Segen, sagte Angelica. Und ich stimmte ihr zu. Ich erinnerte mich nur an das Erwachen und an die Schmerzen danach. Das reichte mir. Ich wollte nicht wissen, was geschehen war. Ich wollte leben. Arkalimon erzählte von Lomé, die ohne Erinnerungen glücklich geworden war, und ich wusste in diesem Moment sicher: Ich will mich nicht erinnern. Nicht zurück. Vor mir lag zu so viel Wissen, alles neu, das ich lernen wollte, aber Angelica mahnte mich zur Geduld. Mein Verstand sei leergefegt worden. Zu viel auf einmal würde mir schaden. Und auch wenn Geduld nicht zu meinen Tugenden zu gehören schien, versprach ich, zu gehorchen. Aaryon erklärte mir, was mit wilden Magiern geschehen konnte, und ich fragte Angelica offen, wie viel Zeit mir blieb. Sie sagte, es gebe keine Eile. Frühestens nach einem Jahr, und ich stünde unter Aufsicht. Als Aaryon anmerkte, dass ich bereits gewirkt hatte, war ich überrascht ich hatte es selbst nicht einmal bemerkt. Später brachte sie mir Kleidung. Keine Akademierobe, aber etwas Passendes. Ich war fast beschämt über das Geschenk. Die Insel gab doch schon so viel. Dennoch nahm ich es an. Gin Hannon, lernte ich Danke. Ich prägte mir das Wort gut ein.

Wir sprachen über den Vortrag an der Akademie, über mögliche Spannungen, über einen Kartoffelsack über meinen Kopf und andere halb scherzhafte, halb ernste Ideen, wie man mich unauffällig unterbringen könnte.
Am Ende entschied Angelica, mich zwischen viele Akademiemagier zu setzen. Kein Verstecken. Kein Sack. Als wir schließlich aufbrachen, schloss ich meine Tür zweimal ab. Alte Gewohnheit oder neue Vorsicht, wer wusste das schon genau. Ich folgte Angelica, während sich unsere Wege kurz trennten: Arkalimon wollte noch zu Tom, Aaryon verabschiedete sich mit Wissen und Weisheit. Draußen trafen wir Tom Levitt. Er stellte sich mir vor die Stimme der Insel. Ich kannte ihn nicht. Niemanden. Mein Leben hatte vor sechs Tagen begonnen, sagte ich ihm. Er wirkte nachdenklich, aber freundlich. Willkommen auf K’awi.
Während wir weitergingen, blieb dieses Gefühl in mir: Alles war im Fluss. Nichts hatte Bestand. Aber ich war nicht allein. Und vielleicht reichte das für einen Anfang. Heute würde ich dem Unterricht über die Geschichte K’awis lauschen…
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Helisande und Heinrik von Alsted

Beitrag von Althan »

Ein Mond und 8 Tage...

Ich erinnerte mich noch lange danach an dieses heutige Gespräch und es erzeugte in mir ein seltsames Gefühl der Resignation. Weniger wegen den Fakten, die ich von ihnen erfahren hatte, sondern mehr das Gefühl tief in meinem Inneren was nicht so einfach zu verdrängen war.

Die letzten Tage waren nicht erfreulicher gewesen, Sienara wollte mich mit ihrem Magiestab verprügeln sollte ich Anzeichen seines alten ‚Ichs‘ zeigen. Im Wirken von Magie übte ich eine deutliche Zurückhaltung als könnte das was dort in mir ruhte, mich zu etwas werden lassen was ich nicht mehr bin, oder nicht mehr sein wollte. Das einzig Erfreuliche in diesen Tagen war Melissa gewesen, ein freundliches Gespräch und das Angebot Bajard zu erkunden, was ich ihr leider absagen musste. Was mich noch mehr in Nachdenklichkeit versinken ließ. Ich war in der Stadt hier sicher, aber außerhalb war ich in Gefahr… weiterhin. Zudem bestand das Verbot die Stadt nicht zu verlassen, alles zu meinem Schutz...

Helisande von Alsted trat mir mit einer Ruhe entgegen, die weder freundlich noch feindselig war, eher prüfend als betrachte sie etwas Zerbrochenes, das einst gefährlich gewesen war. Sie er kannte mich... ihn? Oder besser: Sie kannte den Mann, dessen Gesicht ich trage. Immer wieder musste ich sie korrigieren, innerlich wie äußerlich: Er war es, nicht ich. Ich merkte schnell, dass für sie da keine große Trennung da war. Doch Worte ändern wenig an dem Gewicht einer Vergangenheit, die an mir haftet wie ein Schatten. Einer Vergangenheit, mit der ich immer wieder vergleichen und beurteilt wurde auch wenn sie es nicht offen aussprachen. Aber ich erfuhr von Königreichen, Herzogtümern, vom Osten Gerimors, von Lichtenthal und von Kronrittern Begriffe, die mir fremd waren und doch selbstverständlich ausgesprochen wurden, als hätte ich sie einst selbst in mir getragen und auch gelehrt. Ich war überfordert und fragte so viel nach, um zu verstehen was sie bedeuteten. Es war ernüchternd, zu begreifen, wie viel Wissen mir fehlt, und zugleich beängstigend zu wissen, dass mein Körper und mein Geist zu Dingen fähig sind, deren Ursprung ich nicht kenne. Ich bin Magister, Veneficus der Akademie, doch mein Wissen gleicht weiterhin dem eines Kindes, etwas was mir immer wieder bewusst werden ließ, ich weiß nichts von dieser Welt hier. Alles, was ich weiß, begann am 16. Alatner und genau darin bestand weiterhin eine Gefahr, auch wenn ich hier in Ruhe gelassen wurde.

Heinrik von Alsted machte keinen Hehl daraus, dass er mein Feind ist. Nicht aus persönlichem Hass, sondern aus Überzeugung. Er sagte offen, dass er mich töten würde, sollte ich diese Insel verlassen und sollte es diplomatisch vertretbar sein. Seltsamerweise war es diese Offenheit, die mir weniger Angst machte als die Ungewissheit bei anderen. Wenigstens wusste ich nun, woran ich bin. Eine Hälfte der Kronritter hier könnte vergeben, sagte er. Eine Hälfte. Mehr als nichts. Ich wusste, dass er immerhin offen aussprach was andere nur dachten, das hielt ich ihm zugute. Aber es machte mir auch klar, dass ich bereit sein musste. Ich konnte mich nicht nur auf das Erlangen von Wissen konzentrieren, ich musste ebenso bereit sein mich verteidigen zu können… sollte man mich angreifen.

Ich erzählte, dass Angelica Mondstein die Einzige gewesen war, die mir half, als ich verletzt und halbverhungert ihr zu Füßen geworfen wurde, und dass ich ihr deshalb vertraue. Sie sagte, dass wir alte Freunde waren und auch das glaubte ich ihr. Dass ich ihr glaubte, weil mir sonst jeder Maßstab fehlt. Freund oder Feind, Wahrheit oder Lüge das sind für mich keine moralischen Fragen mehr, sondern praktische Probleme. Bei jedem Gespräch, bei jeder Begegnung und bei jedem Gedanken danach. Ich suche nach Wissen, nach Orientierung, nach einem Halt in einer Welt, die mich zu kennen scheint, während ich sie nicht erkenne.

Helisande bot mir einen Briefwechsel an. Einen langsamen, vorsichtigen Austausch. Karten, Bücher, Eindrücke. Ich freute mich innerlich wie ein kleines Kind darüber mehr zu lernen, ohne es deutlich zu zeigen und erwartete fast ungeduldig das Versprochene. Vielleicht Antworten auf Fragen, die ich noch nicht einmal richtig formulieren kann. Sie sagte, ich hätte trotz allem Scharfsinn, Neugier und Verstand behalten. Dass daraus noch etwas Gutes erwachsen könne. Ich weiß nicht, ob sie recht hat. Aber als sie ging, blieb etwas zurück, das ich lange nicht gespürt habe. Hoffnung war es nicht mehr, dies hatte ich hier in den wenigen Wochen aufgegeben nach einigen Gesprächen, aber die Möglichkeit eines Weges nach vorn. Ich werde hierbleiben. Auf dieser Insel. Lernen. Mich in der Verteidigung üben. Fragen stellen. Und mich eines Tages dort draußen der Vergangenheit stellen, die nicht die meine ist, aber doch meinen Namen trägt.
K’awi xan’yasha.
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Der Besuch von Arkalimon, Miriel und Meril in der Akademie der arkanen Künste

Beitrag von Althan »

Heute war ein wichtiger Tag für mich, der Besuch einiger Vertreter des Volkes der Elfen aus Ered Luin. Ich bat sie, Platz zu nehmen. Es schien mir angemessen, beinahe notwendig, ihnen diese kleine Geste der Gastfreundschaft zu bieten. Die Reise hierher mochte beschwerlich gewesen sein, und die Witterung nun, ich wusste selbst, wie unbarmherzig sie für Fremde sein konnte. Während ich auf die Bänke und die bereitgestellten Erfrischungen deutete, fragte ich mich unweigerlich, ob diese einfachen Dinge genügen würden, um ein Gespräch zu tragen, das offensichtlich mehr Gewicht hatte, als ich zunächst annahm.

Als sie sich setzten, nahm auch ich Platz und legte die Hände offen vor mich eine Haltung, die Offenheit signalisieren sollte, vielleicht auch ein wenig Schutzlosigkeit. Mein Blick wanderte zwischen ihnen hin und her, suchte Halt, suchte Verständnis. Besonders bei ihr blieb er einen Moment länger verweilen. Nicht aufdringlich, aber aufmerksam.
Eine Begegnung im Norden der Insel. Vor der Weltenverschiebung.
Ihre Worte trafen auf eine Leere in mir. Ich konnte nichts greifen, nichts erwidern, das auf echter Erinnerung beruhte. Nur diese schmerzliche Grenze, die ich nicht überschreiten durfte. Ich entschuldigte mich, beinahe automatisch. Alles, was jener Mann erlebt hatte, war nicht mehr mein Leben. Er war tot. Ich sagte es mit Nachdruck vielleicht mehr für mich selbst als für sie.
Denn es war die Wahrheit, an die ich mich klammerte.
Der Versuch, mich zu erinnern, brachte nur Schmerz. Kopfschmerzen, die wie ein Mahnmal waren. Eine Warnung. Also ließ ich es. Ich wollte es nicht wissen. Nicht um diesen Preis.
Sie akzeptierte es, und dafür war ich dankbar. Wir beschlossen, diesen heutigen Moment als unseren Anfang zu nehmen. Den ersten Tag unseres Kennenlernens. Ein Gedanke, der zugleich beruhigend und beunruhigend war.
Das Gespräch nahm seinen Lauf.
Sie wollten sich ein Bild von mir machen. Ich fragte mich, ob Worte dazu überhaupt ausreichen konnten. Ob ein Gespräch wirklich zeigen konnte, wer ich war. Oder vielleicht eher, wer ich sein wollte.
Ich erklärte, dass ich die Lüge hasste. Dass Ehrlichkeit mir wichtig war auch wenn ich gelernt hatte, dass Schweigen manchmal ebenso notwendig sein konnte. Eine Lektion, die ich wohl noch nicht vollständig verstand.
Als sie von „Klängen“ sprach, war ich neugierig. Meinte sie meine Worte? Doch es ging tiefer. Ihre Sprache selbst war mehr als nur Worte. Sie sprach von einem Klang, den ich niemals vollständig würde nachahmen können von zwei Stimmbändern, einem Geschenk ihres Gottes.
Phanodain.
Ein Name, den ich nur am Rande kannte. Ein Teil eines lichten Pantheons, wie sie erklärte. Ich versuchte, mir diese Namen einzuprägen, als wären sie Schlüssel zu einem größeren Verständnis, das mir noch verschlossen blieb.
Doch dann wurde das Gespräch… schwerer.

Arkalimon sprach von Vergessen. Von einer Schwäche unseres Volkes. Von einem Panther, der diese Schwäche ausgenutzt hatte. Seine Worte waren voller Bedeutung, doch ich konnte ihnen kaum folgen. Es war, als würde ich ein Buch lesen, dessen erste Kapitel mir fehlten. Ich verstand nicht alles vielleicht sogar nur sehr wenig. Aber eines wurde mir klar: Mein Zustand war kein Zufall.
Sie sprachen davon, dass ich mein eigenes Wesen vergessen hatte. Dass ich ein anderer gewesen war. Dass ich Dinge getan hatte, von denen ich nichts wusste und auch nichts wissen wollte. Und dennoch stand ich hier.
Mit etwas in mir, das geblieben war. Ein Kern. Etwas Unveränderliches.
Die Frage, die er stellte, traf mich tief: Wie konnte jemand, der die Lüge hasst, zu jemandem werden, der anders war?
Ich hatte keine Antwort.
Und vielleicht war genau das die ehrlichste Antwort, die ich geben konnte.
Miriel versuchte es mir einfacher zu erklären. Mit einem Bild. Ein Instrument zu lernen. Fehler zu machen, immer wieder, bis man es beherrscht. Ein Gedanke, den ich nachvollziehen konnte auch wenn ich selbst kein Instrument spielte.
Doch sie hatte recht.
Man lernt. Der Körper lernt. Der Geist lernt.
Und manchmal erinnerte sich der Körper sogar an Dinge, die der Geist vergessen hatte.
Reiten. Schwimmen. Klettern. Selbst das Wirken im Lied Eluives, all das fiel mir leicht. Als hätte ich es nie verlernt. Als wäre es immer noch ein Teil von mir.
Im Gegensatz zu anderen Dingen. Das faszinierte mich. Und es machte mir Hoffnung. Vielleicht, so dachte ich, konnte ich daran erkennen, wer ich war. Oder zumindest, wer ich sein konnte. Was mir lag. Und was nicht.
Und während ich ihnen zuhörte, spürte ich zum ersten Mal seit langer Zeit nicht nur Verwirrung sondern auch so etwas wie einen Weg vor mir. Unklar, gewiss. Aber vorhanden.

Ich erinnere mich, wie sich die Atmosphäre veränderte, noch bevor ich verstand, warum. Ein kaum wahrnehmbares Ziehen in der Luft, ein leiser Wandel im Klang des Raumes und dann trat sie in den Lehrsaal der Akademie ein.
Mein Blick hob sich automatisch, während ich mich erhob und mein Haupt neigte. Es war fast schon zur Gewohnheit geworden, diesen Gruß zu zeigen, doch diesmal lag eine gewisse Anspannung darin. Ich wusste nicht, wer sie war nur, dass sie von Bedeutung sein musste, so wie die beiden, die bereits bei mir saßen.
Sie bewegte sich mit einer Ruhe, die nicht gespielt wirkte. Ihre azurblauen Augen glitten durch den Raum, streiften ihre Geschwister und blieben schließlich an mir haften. In dieser kurzen Zeitspanne fühlte ich mich… betrachtet. Nicht bewertet, nicht verurteilt, aber gesehen.
Ich stellte mich schlicht vor. „Ich bin Althan.“ Mehr gab es nicht zu sagen. Mehr konnte ich nicht sagen.
Ihre Antwort war keine, die ich verstand. Eine melodische Folge von Lauten, die sich meinem Verständnis entzog. Für einen Moment fühlte ich mich fehl am Platz, beinahe wie ein Fremder in meinem eigenen Raum. Erst als Arkalimon ihre Worte übersetzte, entspannte sich etwas in mir. Sie grüßte und bat um Verzeihung für ihre Verspätung.
Ich neigte erneut dankbar mein Haupt und lud sie ein, sich zu setzen. Meine Geste war ruhig, mein Lächeln bemüht, aber ehrlich. Sie nahm es an mit einer kleinen Bewegung, die mehr sagte als Worte.
Ich setzte mich wieder, richtete meine Robe und versuchte, meine Haltung zu festigen. Anfangs noch angespannt, ließ diese Anspannung nach und nach nach. Mein Blick glitt immer wieder zu ihr, fast unbewusst, während ich versuchte, mich auf das Gespräch zu konzentrieren.
Doch das Gespräch kehrte schnell zu einem Thema zurück, das ich zu vermeiden suchte. Meine Vergangenheit.

Ich hörte Arkalimon zu, doch innerlich zog sich alles in mir zusammen. Als er davon sprach, dass ein Pfad existiert hatte, der mich zu dem gemacht hatte, was ich einst war, unterbrach ich ihn ruhig, aber bestimmt. Ich konnte und würde mich nicht erinnern. Diese Grenze war fest. Unerschütterlich.
Und doch sprachen sie weiter darüber. Über einen Kern in mir. Etwas, das mich womöglich wieder auf denselben Weg führen könnte.
Ich antwortete nicht sofort. Stattdessen sah ich kurz zu ihr… zu Meril… als suchte ich unbewusst Halt in ihrer Gegenwart. Dann sprach ich leise davon, dass jemand auf mich achtgab… Angelica. Dass ich nicht allein war. Dass ich wusste, was ich wollte und vor allem, was ich nicht mehr wollte.
Als das Gespräch sich weiterentwickelte, griff ich nach etwas, das ich greifen konnte. Etwas, das mir Halt gab. Die Gesetze K’awis. Ich fragte sie danach, und als sie bestätigten, sie zu kennen, sprach ich den Kernsatz aus, der sich tief in mir verankert hatte: Dass das Leben hier heilig sei. Dass es geschützt werde. Alles Leben.
Während ich sprach, spürte ich, wie sich meine Stimme festigte. Das war keine Unsicherheit. Das war Überzeugung.
Ich wollte das schützen. Bewahren. Hier… an diesem Ort… hatte ich etwas gefunden, das sich richtig anfühlte. Etwas, das ich als mein Zuhause bezeichnen konnte. Und ich meinte es so.
Als das Thema schließlich auf Wiedergutmachung kam, spürte ich erneut dieses Ziehen in mir. Ich sprach davon, dass ich bereit war, etwas zu tun. Für Dinge, an die ich mich nicht erinnerte. Für Taten, die ein anderer begangen hatte und doch ich gewesen war. Ein Widerspruch, den ich selbst kaum verstand.
Doch ich wollte helfen. Etwas ausgleichen. Nicht aus Schuld, denn ich fühlte keine konkrete Erinnerung daran… sondern aus dem Wunsch heraus, das Richtige zu tun.
Ihre Antwort überraschte mich. Vielleicht war keine Wiedergutmachung nötig. Vielleicht war es vielmehr eine Aufgabe. Ein Weg. Eine Entwicklung. Ich nahm diesen Gedanken an. Vorsichtig, aber offen.
Dann wurde es stiller.

Die Gespräche ebbten ab, und mein Blick senkte sich für einen Moment auf meine Hände. Rau, von Arbeit gezeichnet, mit kleinen Narben, die Geschichten erzählten, an die ich mich nicht erinnerte. Als ich wieder aufsah, begegnete mir Miriels Frage.
Warum mir dieser Ort gefiel. Die Antwort kam ohne Zögern. Es war mein Zuhause.
Hier war ich hergebracht worden. Hier war ich gepflegt worden. Hier hatte ich einen Platz gefunden. Sicherheit. Ich glaubte daran. Wirklich.
Und dann geschah etwas, das ich nicht erwartet hatte.
Ich bemerkte ihre Bewegung erst im letzten Moment… Merils Hand, die sich langsam von ihrem Schoß löste und sich meiner näherte. Für einen Augenblick war ich unsicher. Mein Blick folgte ihrer Geste, suchte nach Bedeutung, nach Absicht.
Doch da war nichts Bedrohliches. Nur Sanftheit. Ich ließ die Berührung zu. Zögernd.
Ihre Hand legte sich auf meine, leicht, behutsam und in diesem Moment durchströmte mich etwas, das ich kaum beschreiben kann. Wärme. Nicht nur auf der Haut, sondern tiefer. Als würde ein Sonnenstrahl durch ein Blätterdach brechen und genau den einen Punkt treffen, den man selbst nicht erreichen kann.
Ich sah auf ihre Hand. Dann wieder auf sie. Und plötzlich… brach etwas in mir auf.
Für einen flüchtigen Augenblick huschten Gefühle durch mich hindurch, ungebändigt und roh. Trauer. Schmerz. Verzweiflung. Eine Müdigkeit, die tiefer ging als bloße Erschöpfung. Es war, als hätte ich zu lange gegen etwas angekämpft, das ich nicht einmal kannte.
Ich war es leid, mich zu rechtfertigen. Für etwas, an das ich mich nicht erinnern konnte. Für etwas, das ich vielleicht gewesen war, aber nicht mehr sein wollte.
Ich räusperte mich leise, versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. Es gelang mir nur teilweise.
Doch ich entzog mich der Berührung nicht. Im Gegenteil. Ich ließ sie zu. Nahm sie an. Während ich das tat, merkte ich, wie mein Atem ruhiger wurde. Tiefer. Gleichmäßiger. Mein Körper entspannte sich, Stück für Stück, als hätte er etwas erkannt, dass mein Verstand noch nicht greifen konnte. Ich blieb still.
Mein Blick ruhte auf ihrer Hand, auf diesem einfachen, aber bedeutungsvollen Kontakt. Es war… neu. Alles daran. Und doch fühlte es sich nicht falsch an.
Eher wie ein Anker.
Etwas, an dem ich mich festhalten konnte, während alles andere in mir noch im Fluss war. Ich erinnere mich daran, wie ich den Blick von ihrer Hand löste und ihn wieder zu den anderen hob. Es fiel mir nicht leicht, mich von diesem Moment zu lösen von der Wärme, die noch immer in mir nachklang. Doch das Gespräch war noch nicht beendet.

Miriel sah mich an, ihre Augen ruhig wie ein stiller Bergsee, und fragte, ob ich noch Fragen hätte. Für einen Moment suchte ich in mir nach Neugier, nach Zweifeln, nach all den Dingen, die ich hätte sagen können. Doch da war nichts, was sich in Worte fassen ließ.
„Im Augenblick… nein“, antwortete ich schließlich und räusperte mich leise, als müsste ich meine eigene Stimme erst wiederfinden. „Es wird die Zeit kommen… vielleicht in Zukunft… so es erlaubt wird.“
Sie nahm es an, ruhig wie alles an ihr. Wir würden bis nach der Sonnenwende warten. Zwei Monde… eine Zeitspanne, die sich zugleich fern und nah anfühlte.
Ich erinnerte sie noch an den Maskenball, den Angelica mit so viel Hingabe vorbereitet hatte. Ein warmes Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich daran dachte. Es tat gut, über etwas Leichtes zu sprechen. Etwas, das nicht von Vergangenheit oder Schuld geprägt war. Doch auch das war nur ein kurzer Moment.
Als sich das Gespräch seinem Ende näherte, entstand etwas Neues. Eine Frage, die nicht von mir kam. Meril wollte wissen, ob ich mich frei auf dieser Insel bewegen durfte. Und ob es einen Ort gab… einen Ort, der mich besonders berührte.
Ich nickte.
Ja, es gab ihn.
Einen Ort, an den ich mich zurückzog, wenn die Gedanken zu laut wurden. Wenn ich einfach nur… sein wollte. Ohne Fragen. Ohne Erwartungen.
Als sie fragte, ob ich bereit wäre, ihn ihr zu zeigen, zögerte ich nicht lange. Ich nickte erneut, diesmal bewusster.
Es war mir eine Freude…

Nachdem Miriel sich verabschiedet hatte und ihre Gegenwart sich wie ein sanfter Schleier aus dem Raum löste, blieb ich einen Moment still stehen. Dann sah ich zu Meril und Arkalimon, die geblieben waren.
„Er liegt etwas abseits… hinter den Toren der Stadt“, erklärte ich leise. „Es ist ein Ort… an dem man mich nicht findet.“
Ein kurzes Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. „Ein kleines Geheimnis.“
Doch ich war bereit, es zu teilen.
Als ihre Hand sich schließlich von meiner löste, war es, als würde etwas von mir genommen werden nicht schmerzhaft, aber spürbar. Ein Rest dieser Wärme blieb zurück, doch ich bemerkte ihr Fehlen sofort. Für einen kurzen Moment sah ich ihr nach, dann richtete ich mich langsam auf.
Ich bat sie, mir zu folgen.
Der Weg führte uns hinaus, fort von den Mauern, hinein in eine ruhigere, ursprünglichere Welt. Als wir ankamen, hielt ich kurz inne und deutete vor uns.
„Dies ist der Ort.“
Vor uns breitete sich das Meer aus wild und ungezähmt. Die Wellen schlugen gegen die Felsen, höher und unruhiger als an den sanften Stränden. Gischt spritzte in die Luft, und der Wind trug den salzigen Duft bis zu uns.
„Hier kann man nicht schwimmen“, erklärte ich leise. „Die Strömungen sind zu stark.“
Hinter uns lag der Wald. Dichter, lebendig. Ich erwähnte das Jaguarweibchen, das dort lebte, doch heute blieb es verborgen. Vielleicht spürte auch es, dass dieser Moment nicht gestört werden sollte.
Als ich bemerkte, dass Meril die Augen geschlossen hatte, verstummte ich. Ich wollte diesen Ort nicht mit unnötigen Worten füllen. Stattdessen beobachtete ich sie ruhig, aufmerksam, ohne sie zu bedrängen.

Die Geräusche des Dschungels, das Rauschen des Meeres, die sanfter werdende Wärme des Tages all das schien sich um uns zu legen wie ein lebendiger Mantel.
Und dann begann sie sich zu bewegen.
Ihre Gesten waren fließend, beinahe spielerisch, und doch lag darin eine Tiefe, die ich nicht verstand. Ich konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Es war… faszinierend. Anders. Schön.
Als der Kristall an ihrem Stab zu leuchten begann, hielt ich unwillkürlich den Atem an.
Ein schwaches, weißes Licht pulsierte darin, wie ein Herzschlag. Und mit ihm veränderte sich die Welt um uns herum. Der Wind drehte, wurde lebendiger. Trug etwas mit sich.
Klänge.
Zuerst kaum verständlich. Ein Flüstern. Doch nach und nach formten sie sich zu etwas Greifbarem. Zu Worten.
Zu meiner Sprache.
Ich blinzelte irritiert, sah mich kurz um, suchte nach der Quelle und verstand dann, dass sie es war. Obwohl sich ihre Lippen nicht bewegten, wusste ich, dass die Worte von ihr kamen.
Ich sah sie an. Fragend. Doch ohne Angst.
Ihre Frage traf mich sanft: Ob sich meine aufbrausenden Gefühle beruhigt hatten.
Ich nickte. Langsam. Ehrlich. Ich spürte noch immer die Nachwirkungen all dessen, was in mir aufgewühlt worden war. Doch es war… ruhiger geworden.
Sie sprach weiter. Von der Last, die ich trug. Davon, wie schwer es sein musste, immer wieder zwischen dem zu stehen, was war, und dem, was ich sein wollte.
Und sie entschuldigte sich.
Ich lächelte schwach und schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Es ist gut… es muss sein… für die Zukunft“, sagte ich leise. Ich sah sie an, diesmal fester. „Ich weiß… ihr wollt mir nicht schaden.“ Und ich meinte es so.
Dann kündigte sie an, dass sie sich mir nun in einer Weise vorstellen wolle, die Menschen gewöhnlich nicht verstanden. Ich wusste nicht, was das bedeutete.
Doch ich war bereit.
Als sie ihre Hand hob und sie mir entgegenstreckte offen, ruhig, ohne Zwang zögerte ich. Mein Blick glitt von ihrer Hand zu ihrem Gesicht und wieder zurück.
Ich verstand die Geste nicht.
Ein leises, fast entschuldigendes Lächeln lag auf meinen Lippen, als ich fragte, was mir erlaubt sei zu tun. Doch sie antwortete nicht. Der Wind blieb still.
Und ich begriff, dass dies etwas war, das ich selbst entscheiden musste.
Langsam hob ich meine eigene Hand. Vorsichtig, als würde ich etwas Zerbrechliches berühren wollen. Ich trat einen kleinen Schritt näher, ließ jedoch bewusst Abstand.
Meine Finger formten sich ähnlich wie die ihren.
Zögernd.
Unsicher.
Und dann… legte ich meine Hand in ihre.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als sich ihre Finger sanft auf meine Hand legten. Es war keine fordernde Berührung, keine, die Besitz ergreifen wollte eher ein leiser Impuls, ein Angebot. Und ohne zu zögern ließ ich es geschehen. Mein Blick ruhte auf ihrer Hand, während mein Atem zunächst schneller ging, dann ruhiger wurde. Etwas in mir verstand, dass ich mich nicht dagegen wehren musste.
Als ich schließlich aufsah, begegnete ich ihren Augen diesem klaren Azurblau. Doch da war mehr. Für einen flüchtigen Augenblick legte sich ein silberner Schimmer über ihre Iris, kaum greifbar und doch unmissverständlich vorhanden. Ich blinzelte, unsicher, ob ich mich täuschte. Doch ich wich ihrem Blick nicht aus. Im Gegenteil ich ließ ihn zu, ließ zu, dass sie tiefer sah, als es Worte je könnten.
Und dann geschah es.
Etwas berührte mich. Nicht körperlich es war, als würde etwas mein Innerstes streifen, ohne es zu vereinnahmen. Meine Gedanken wurden still. Meine Abwehr fiel, eine nach der anderen, bis nichts mehr blieb, was sich hätte verschließen können. Ich ließ es geschehen.
Vor meinem inneren Auge begann sich ein Bild zu formen.
Zuerst war da nur Weite. Ein Meer aus Gras, sanft im Wind wogend, als folgte jeder einzelne Halm einem lautlosen Lied. Ich stand mitten darin oder vielleicht war ich nur ein Teil davon. Der Wind strich über die Ebene, trug Bewegung, Rhythmus, Leben.
Langsam wandte ich mich, neugierig, tastend. In der Ferne erkannte ich einen See. Ich näherte mich ihm, Schritt für Schritt, und mit jedem Augenblick wurden die Eindrücke klarer, greifbarer. Der Duft von Blumen lag in der Luft süß, betörend, beinahe schwerelos. Hohe Gräser und Rohrhalme säumten das Ufer, bewegten sich im gleichen Takt wie das Gras, als wären sie Teil derselben Melodie.
Ich atmete tief ein. Selbst hier, in der Wirklichkeit, reagierte mein Körper darauf.
Das Wasser des Sees lag ruhig da, nur gelegentlich von sanften Wellen durchzogen, wenn der Wind darüberstrich. Und dann sah ich es das Spiegelbild. Hohe, schneebedeckte Berge zeichneten sich auf der Oberfläche ab. Ich hob den Blick und fand sie schließlich auch am Horizont, gewaltig und doch fern, als würden sie die Ebene beschützen.
Zu ihren Füßen erstreckte sich ein dichter Wald, dunkel und geheimnisvoll, ein weiteres Stück dieses sich entfaltenden Bildes.
Die Zeit verging oder vielleicht spielte sie hier keine Rolle. Die Wärme blieb, selbst als das Licht des Tages schwand. Die Dämmerung kam leise, ohne Kälte, ohne Bruch. Und dann erhob sich der Mond.
Sein silbernes Licht legte sich über die Gipfel der Berge, floss hinab in die Ebene, bis schließlich alles davon erfüllt war. Auch der See fing dieses Licht ein. Das Spiegelbild des Mondes lag klar auf seiner Oberfläche – und doch verzerrte es sich mit jeder kleinen Welle, nur um sich im nächsten Moment wieder zu sammeln, zu finden.
Ich konnte den Blick nicht davon lösen. Dieses Spiel das Verlieren und Wiederfinden fesselte mich. Dann wurde der Wind stärker. Er spielte mit den Blüten, riss einige mit sich, ließ sie durch die Luft tanzen. Die hohen Gräser wichen auseinander und gaben den Blick frei auf etwas Unspektakuläres.
Eine einzelne Blume.
Unscheinbar. Klein. Fast verloren in all der Schönheit um sie herum.
Doch als das silberne Mondlicht sie berührte, begann sie zu leuchten.
Ein vertrauter Schimmer.
Mein Fokus richtete sich ganz auf sie. Und in diesem Moment… verstand ich.
Es war kein Gedanke, kein klar formulierbares Wissen. Es war ein Gefühl, eine Erkenntnis, die tiefer ging als Worte. Meine Lippen bewegten sich, als wollte ich es aussprechen doch ich wusste, dass jeder Versuch es nur zerstören würde.
Dann begann das Bild zu verblassen.

Nicht abrupt, nicht schmerzhaft eher wie ein sanftes Loslassen. Eine Erinnerung, die sich zurückzog, weil ihre Zeit gekommen war. Ich kehrte zurück.
Mein Körper fühlte sich schwer an, meine Augen wollten sich kaum öffnen. Ein leises Seufzen entwich mir, als ich schließlich wieder in die Wirklichkeit fand. Ihr Blick lag noch immer auf mir, doch das Silber war verschwunden. Nur das klare Azur blieb.
Langsam hob ich meine Hand, legte sie auf meine Brust. Worte fehlten mir. Also verneigte ich mich… tief, aufrichtig.
Es war das Einzige, was diesem Moment gerecht werden konnte.
Erst später fand ich meine Stimme wieder. Rau, leise fast widerwillig, als müsste ich mich erst wieder daran gewöhnen, zu sprechen.
Das Gespräch, das folgte, war… anders. Schwerer. Realer.
Sie fragte mich nach dem, was in mir lag. Nach dem Funken, von dem andere gesprochen hatten. Doch ich wusste meine Antwort. „Er ist tot. Fort. Für immer.“
Und ich meinte es so.
Doch ihre Fragen gingen tiefer. Zweifel. Versuchung. Der eigene Wille.
Ich hielt inne, dachte nach. Ich wusste nicht immer, was ich wollte, aber ich wusste genau, was ich nicht wollte. Und das war genug, um weiterzugehen.
Der Weg vor mir war steinig. Das spürte ich. Aber ich hatte nicht vor, ihn zu verlassen.
Nicht, weil er schwer war.
Nicht, weil er mich prüfte.
Sondern weil er mein Weg war.
Als wir uns schließlich verabschiedeten, blieb ein Gefühl zurück. Kein endgültiger Abschluss, eher der Anfang von etwas Neuem.
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