Saiten einer Harfe

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Jadia Conandil
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Saiten einer Harfe

Beitrag von Jadia Conandil »

„Schach also. Du willst spielen. Gut.“
Und nun hing das schmale Weib in der Tinte ohne Paddel. Schach. Spielen. Famos!
Die vernarbten Fingerkuppen glitten über die sparsamen Worte, dann erfolgt ein hartes Schlucken, gefolgt von einem tiefen Seufzen. Wenn er wüsste und sein analytischer Freund wie wenig Ahnung sie davon hatte. Von allem! Vor allem von dem hier. Kein Buch in der großen Bibliothek des Herrenhauses hatte irgendwelche weisen Lehren über solche verzwickten Situationen. Über Gefühle, vor allem der weiblichen Natur und Geschmacksrichtung gab es insgesamt erstaunlich wenig Bücher mit hilfreichem Inhalt. Aber über Schach hatte sie eins gelesen. Das war Jahre her und sie erinnerte doch nur Fetzen davon.
„Einfach mal Füße stillhalten, Jadia. Einfach mal nicht Schreiben, bevor du denkst. Halt den scheiß Stift still!“
Noir wäre jetzt gut. Sie würde das ganze mit irgendeiner wahnsinnigen Idee umlenken oder sich ausziehen oder beides. Doch Noir war gegangen. Sicher schon lange überfällig, der Ruhestand hatte ihr zugesetzt und nun war sie fort und nur noch Fragmente dessen, was ihr Schutzschild in höchst unsicheren Momenten gewesen war, war da. Als integraler Teil ihrer selbst, keine Rolle mehr, in die sie schlüpfte um wie ein Spiegel die Umwelt zu reflektieren.
„Jetzt sitze ich schön in der Patsche und muss lernen und denken. DENKEN, nicht fühlen.“ Und doch fühlte sie. Den subtilen Kitzel der Herausforderung, die nun noch eine Schicht mehr freigelegt hatte. Sie fühlte das dämliche Lächeln auf ihrem Gesicht in der Gewissheit doch ernst genommen zu werden und sie fühlte noch etwas, was erstmal gründlich weggeschoben wurde. Stört nur. Wer sich auf Spiele mit gleich zwei erfahrenen Spielern einlässt, der tut besser daran zartere Empfindungen auf passendere Zeitpunkte zu verschieben.
Sie würde einen Brief schreiben müssen und dann achtsam berichten, was in dem Brief stand, ohne dem zu offensichtlich Bedeutung beizumessen, was in dem Brief stand- wenn sie denn selbst wissen würde was in dem Brief stehen sollte. Nach dem Ball. Erst die Musik alle Gefühle ausspülen lassen, ruhen und dann die Taktik festlegen. Eines war jetzt schon sehr klar im schwarzen Lockenkopf. So klar wie der arschkalte Rabenmondmorgen, der ihr jetzt schon die Gänsehaut einmal über den Körper jagte. Und am Abend dann bei der klaren Kälte Harfe und Klavichord spielen und wenn sie ganz mutig war, ein Lied sogar singen. Aber das würde man sehen. Hören. Das würde man hören. Oder auch nicht.

Männer spielen Spiele wie Schach, um zu gewinnen. Nichts ist brüchiger als ein männliches Ego, dass gegen vermeintliche leichte Beute verloren hat. Jäger müssen Jäger sein. Wachen, Schützen, Planen, Lauern, taktisch Positionieren, dann kontrolliert zuschlagen und die Beute, den Preis stolz heimtragen können.
Sie wollte nicht gewinnen. Nicht das Spiel, nicht dieses Spiel. Ein anderes schon, doch das war kein Spiel mehr. In diesem hier? Ein Remis vielleicht. Eher eine Niederlage in der sich lange und tapfer aber leider vergebens gewehrt wurde. Erneut ein tiefer Seufzer.
„Das wird Ärger geben. Akzentuiert von Wutausbrüchen und Genknurre.“
Die Hände griffen in die Harfe und wie von selbst kam die Melodie des einzigen Liedes mit einem Text seit Noirs Abschied hervor. Ein langsamer Walzer, Harmonie in der Melodie, die an den Herzfäden ziehen konnte. Absolut rührend, absolut weiblich und absolut verloren in den Gefühlen dahinter.
Schach. Die Dame ist die stärkste Figur im Spiel. Sie muss nur wissen, wo sie stehen muss.
„Ich könnte auch einen Rückzieher machen.“ Die Harfe wurde abrupt zur Ruhe gebracht.
"Bin ich stark genug dafür? Auch wenn es schief geht?"
Er hatte sie einen Feigling genannt. Sie. Feige. Am Arsch.
„Gut. Wir spielen.“
Nicht stark genug. Nur wütend genug. Das musste fürs Erste genügen.
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Jadia Conandil
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Re: Saiten einer Harfe

Beitrag von Jadia Conandil »

Und irgendwie war es früher eskaliert als sie gewünscht, gehofft oder geplant hatte. Vorhergesehen sicherlich. Vorgesehen, sicherlich nicht. Die sachte glimmende Kohleschale warf wilde Muster an die Wand, die von ihr betrachtet wurde. Der Schlaf kam nicht. Obwohl sie über ihre Kräfte hinweggegangen war. Die Erschöpfung lag bleischwer in ihren Gliedern, doch der Geist fand keine Ruhe. Der Beitrag des inneren Gespräches aus dem wunden Herzen hinaus war ebenfalls nicht einschläfernd. So lag sie wach, die Wand im Blick mit halbgeschlossenen und doch wachen Augen. Das Brennen der Müdigkeit darin lies Trugbilder aufkeimen und wieder erlöschen.

Nun kann ich nicht mehr gehen. Nun ist es in der Welt.

Sie hatte alles in die Waagschale geworfen in der Hoffnung, dass es reichen würde, dass es genug war, dass sie einmal selbst genug war. Im Ergebnis hatte sie nur ihre Schlüsselfiguren eingebüßt. Den anderen unter Zugzwang zu setzen war eine brutale Strategie gewesen. Er hatte Recht damit in die Rochade zu gehen und ihr alles entgegenzuwerfen, verzweifelt und doch effektiv. Seinen Springer hatte sie gebunden, doch der Läufer hatte ihre Dame nun gestellt. Ihre Schlüsselfiguren vom uneinnehmbaren Turm geschlagen, zermahlen und aus dem Spiel entfernt.

Was von den Worten und Zügen des Abends in ihr blieb war eine verzweifelte Leere, die auch die Harfe nicht hatte füllen können. Wie ein Fass, aus dem der Spund hinausgeschlagen war, floss ihre Kraft aus ihr hinaus. In Worte, die gehört aber nicht angenommen werden konnten. In Gesten, die ankamen, aber noch nicht die nötige Tiefe erreichten. Ihre Kraft floss in die Stille, die manchmal härter trifft als jeder Schlag.

Und doch…
… doch hatte sie einen Fuß in der Tür. Eher einen gequetschten großen Zeh, aber da war ein Spalt. Ein Riss im Mauerwerk. Sie war durchgedrungen und sie hatte es gehört, nicht die Worte, deren Ursprung und Ursache nicht sie war. Dieses Gehör war Segen und Fluch in einem Atemzug. Der Plan der Götter sie irgendwann doch wahnsinnig zu machen. Ein winziger Spalt. Nicht groß genug für ihre Hand aber groß genug, dass sich mit der Zeit dort Licht in das tiefe und schmerzende Dunkel stehlen würde. Kein grelles Licht, keine blendende Erleuchtung, ein sanftes Dunkelblau gefolgt vom Geruch nach Lavendel und Sandelholz und einer geduldigen Frau.

Und doch…
… immer noch die schwache Hoffnung genug zu sein. Nicht heute. Nicht morgen. Irgendwann.
Schach. Matt. Partie geschlossen.
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Jadia Conandil
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Re: Saiten einer Harfe

Beitrag von Jadia Conandil »

Eine kleine Schatulle, gefertigt aus Holz und Metall. Kein Schlüssel liegt dabei. Das Kistchen könnte fast für unscheinbar gehalten werden, wenn – ja wenn dort nicht diese feinen Details wären. Schwarze Metallleisten, die nicht nur zum Schutz und für die Stabilität da zu sein scheinen. Schlichte Ornamente, bewegliche Metallschieber, die je nachdem wie sie bewegt werden, ein Geräusch von sich geben. Nur ein leises Klicken oder Schaben oder auch nur bodenlose Stille, als würden sie ins Nichts geschoben werden. Auf einer Seite tatsächlich Tasten, wie bei einem Klavichord. Die vernarbten Fingerkuppen gleiten mit zärtlicher Ehrfurcht über dieses komplexe Konstrukt. Dann ein Verharren der Hände als die versteckten Fugen gefunden werden.
Ein Rätsel.
Sie ist nicht verschlossen, nur nicht bereit für Ungeduld.
Kein Schlüssel.
Kein Trick.

Geduld.
Der Veilchenblick ruhte noch für einige Momente auf der Begleitnotiz, dann wieder auf der Schatulle. Sie war immer noch nicht angezogen für den Tag, quasi noch im Nachtgewand. Noch kein Frühstück, kein Tee. Nur die morgendliche Bewegung, um flexibel und beweglich zu bleiben, die hatte sie schon hinter sich. Wie jeden Morgen. Doch diese Schatulle hatte sie auf dem Weg zum Teekessel und zum Frühstück begrüßt.

Ein Rätsel. Für mich!

Die Hände glitten nochmal forschend und sachte tastend über die Schatulle. Mit geschlossenen Augen wurde alles aufgenommen. Lauschen. Warten. Atmen. Sanft und bedächtig wurde das Kunstwerk dann auf dem Teppich abgesetzt. Tee. Mindestens. Das fühlte sich nach einem zwei Kannen Problem an. Jeder Schritt vom Rätsel weg brachte Gedanken mit sich. Trotz der noch nicht alltagstauglichen Kleidung fror sie nicht und bemerkte nicht einmal, dass ihr nicht kalt war. Die nackten Füße tanzten in der Küche während der Teezubereitung über die Dielen und die empfindlichen Ohren öffneten sich dem Lied des Winters in den Gassen der Stadt.

Ein Rätsel. Für mich… doch soll ich es lösen können oder scheitern. Wenn ich es lösen können soll… Wie gut kennst du mich? Wie gut kenne ich dich?

Ein kurzes Innehalten bei der Idee, dass das Scheitern vielleicht das Ziel sein sollte. Doch die Bewegungen des Teekochens flossen weiter, wie der Stoff um ihre Beine. Abstand zum Rätsel. Nähe zur Lösung. Der Tee tat gut, er beruhigte die Gedanken und ließ sie zu Atem kommen. Der Weg führte nicht zur Schatulle zurück, sondern zur Harfe. Sie Saiten des Instrumentes waren so vertraut, die unterschiedlichen Stärken der Materialien fühlten sich wie gute Freunde an, die immer Rat wussten. Unbewusst begann sie eine Melodie zu spielen, dabei fühlte ihr ganzer Körper an das Instrument gelehnt die Schwingungen, die leichten Veränderungen in der Spannung und die Töne, die dahinflogen vereinten sich mit ihrem Blick zum Rätsel hin.
Stille. Mehr Tee.
Es brauchte noch mehr Zeit an der Harfe und dem Lied des Winters in den Ohren, bevor sie mit einem tiefen Seufzen die Zweifel beiseite schob. Es ist nur ein Rätsel. Du kannst nichts mehr verlieren. Aber du kannst noch immer denken.
Dann näherten sich die lautlosen Schritte wieder der kleinen Schatulle und sie kniete sich ab. Langsam und ohne Hast wurde das Kistchen herangezogen und gehalten wie die Harfe. Die Finger bewegten sich von selbst, das Lauschen auf die Klicks, das Fühlen der Schwingungen mit dem Körper. Es dauerte. Doch Zeit war schon immer nicht von Bedeutung, wenn etwas sie in seinen Bann schlug. Zeit war, Zeit verging, Zeit verharrte. Hunger und Durst wurden zweitranging, so wie wenn eine Melodie sich nicht fassen lies und sie tagelang dem einen Klang nachspüren musste.

Dann öffnete sich der Deckel. Nicht wie bei einem Kastendämon mit Pomp und Taraa, sondern nur ein leises, fast zärtliches Nachgeben. Offen. Du kennst mich gut.Verflixt gut. Scheiße.
Was jedoch darin zum Vorschein kam, dass lies die Hände erstmal ein wenig Zittern.

[...]einen Zug im Schachspiel frei.
Wähle klug, Mädchen[..]


Scheiße. Und Mädchen…Am Arsch mit Mädchen… Gut. Spielen wir.
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Jadia Conandil
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Re: Saiten einer Harfe

Beitrag von Jadia Conandil »

Das Monster in den Tiefen des Verstandes, das immer mal seine Ketten loswurde hob seinen Kopf an.
Du bist zu schwach – schwach wie deine Mutter.
Ein Kind im Stich lassen…
Du musst dir deinen Platz verdienen.
Bring deinen Unterhalt ein, oder iss nicht! Dummes, kleines Ding.
Du schaffst das nicht, das ist zu groß für dich.
Man wird dich durchschauen… beschädigte Ware.
Träume.
Träume waren ein schwieriges Thema, denn selten waren sie ruhig oder voller Verheißungen. Diese Träume waren eine seltene Abwechslung zu dem was nach dem Abgleiten in die übermäßige Aktivität meist kam. Die Erschöpfung hätte eigentlich für traumlosen Schlaf sorgen müssen. Vielleicht war genau das das Ziel, dass sie unbewusst damit verfolgte. Rennen, keine Pausen, Hineinwerfen in eine Aufgabe oder eine Idee. Das vollständige Abtauchen in Klänge oder Melodien oder ein Problem. Ein Problem wie das den Leierkasten dazu zubringen das Winterlied zu spielen. Angetrieben von dem Widerhall von längst verklungenen Worten im Kopf. Monsterworte.

Im Schlaf keine Ruhe, der immer wieder gleiche Albtraum, der nicht zu lösen war. Bilder von Blut, dem längst durch die Zeit verschwommenen Gesicht der eigenen Mutter, das beißende Gefühl von Kälte. Dunkelheit. Und die Angst. Die Angst, die noch da war, wenn sie längst wach im Bett saß. Namenlos.
Mairi und Nika hatten über Mohnsaft gesprochen, doch der betäubte nur, aber Wildkraut könnte wohl alles weicher und langsamer machen. Weicher und langsamer. Würde der Traum damit noch länger dauern? Die Angst nur länger verweilen oder würde sie weicher werden? Konnte es Kontrolle bringen? Der Geschmack war eigenartig. Süß und irgendwie beerig und dazu gesellte sich ein eindeutiger Geschmack einer Pflanze, den sie nicht zuordnen konnte. Baldrian war es sicher nicht. Sie schluckte. Noch immer im Unklaren mit sich selbst, warum sie das nun tat. Es könnte auch alles schlimmer machen…
Träge und nur langsam kam der Schlaf, wie eine dicke behäbige Katze, die erstmal den Lieblingsplatz platt treten muss und sich exakt dreieinhalb Mal um die eigene Achse dreht, bis sie sich ablegt. Alles lief langsam ab, die Bilder wie von einem Maler mit weichem Kreidestift übermalt, um dem Gesehenen eine Weichheit zu geben, die im Grunde nicht da war. Und doch war da nun Kontrolle, die Bilder versteckten sich nicht mehr vor ihr und noch weniger die Klänge.

Der Geruch nach Blut. Unverwechselbar und nicht fremd, nicht mehr fremd. Im Traum roch es fremd. Ein Gesicht damit verschmiert, das nicht ihr eigenes war. "Mama. Mama, steh auf." Blut klingt anders, wenn es tropft als Wasser oder Wein. Es tropft zäher, der Klang ist voller und bricht sich etwas länger. Zähes tropfen auf die hellen Dielen, die Flecken würden später die Form eines Schmetterlings haben, trotz allem Schrubben. Sie erinnerte sich an den Schmetterling.
Mama stand nicht auf. Mama konnte nicht. Hargrim schob sich ins Bild, das schiefe Gesicht zu einer Fratze verzerrt. "Das passiert, wenn man nicht brav ist, Mädchen. Das passiert, wenn man seine Schulden nicht zahlt".
Dunkelheit. Wasser tropfte in eine größere Menge Wasser, der Schall füllte den ganzen kalten Raum. Die Kälte fraß sich hinauf in das Bein. Das Bein eines Kindes. Eiseskälte. Alles schmerzte von dieser Kälte. Zählen. Noch 100 Tropfen. Noch 50. Noch 10. Das Knarren der Tür. Verlässlich. Die schweren Schritte. Verlässlich. Der grobe Griff. Verlässlich.
"Hast du deine Lektion gelernt, Balg?"
Licht, Wärme, Essen. Frauenstimmen voller Sorge und die Angst blieb.

Ihr Körper zitterte. Nicht ihrer und doch ihrer. Der Nachhall von etwas, was Jahre zurücklag. Sorgsam verpackt in einer Kiste, auf der das Monster saß und ab und zu ein Wort, einen Satz, ein Bild herausholte. Sie schlug die Augen auf, das Kissen an sich geklammert, die Nase darin verborgen und den Körper fest zusammengerollt. Sie war in Sicherheit. Es war warm, alles war weich.
So war es also. Das war es.
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Jadia Conandil
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Re: Saiten einer Harfe

Beitrag von Jadia Conandil »

Die Harfe schweigt derzeit im Haus der Tänzerin. Alles wirkt verräumt, gesichert, gepackt und dunkel. Die Instrumente sind in Leder gehüllt, sorgsam eingepackt. Als hätte ein liebende Hand alte Freunde zur Ruhe gebettet. Die Noten der komponierten Lieder liegen auf dem Küchentisch, das Feuer glimmt. Darin schon das erste Pergament, das von den Flammen zerfressen wird.
Hingeworfen auf ein Stück Pergament in dünner, zarter Schrift ein Gedicht. Wohl auch bald Raub der Flammen.
Wer wird es bemerken, wenn ich vergehe,
mich vermissen, wenn ich nicht mehr aufstehe.
Wer wird für mich kämpfen, kämpfen um mich,
mich neu entfachen, wenn mein Feuer erlischt.
Wer wird mich vermissen, wenn ich verblasse,
mich halten wollen und nicht zulassen,
dass ich ins Dunkel über gleite,
wer läuft mit mir wild und frei, an meiner Seite?
Wer?
Gefragt in einen leeren Raum,
Stille. Die Antwort.
Warten.
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Jadia Conandil
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Klänge der Vergangenheit

Beitrag von Jadia Conandil »

Manche Klänge verhallen in der Welt, manche werden Teil von ihr und manche schwingen durch die Zeit. So als hätte Zeit keine Bewandnis für sie. Jeder Klang, der eine starke Quelle hat kann überdauern. Bis e er endlich gehört wird.
Talminhof, Alyrnes – vor etwa zwei Jahrzehnten

„Wo ist Grainnè?“

„Pff, Kerl. Weiß immer noch nicht, wo das rote Miststück ist. Abgehauen ist sie.“

„Dann hätte ich sie finden müssen. Wo ist, Grainnè, Hargrim? Wo?“ Die tiefe Stimme hatte etwas Drängendes, gar Zwingendes an sich. Der direkte Blick der dunkelblauen Augen durchdrangen den verschlagenen Ausdruck des Gegenübers mit einer Wucht, die keine Lautstärke brauchte.

„Junge, halt dein Maul endlich wegen dem Weib. Hab ne Menge anderer Rothaariger hier. Such dir eine aus. Die ist weg… aufn Schiff und weg…Rote Segel, sah nach Freihandel aus.“ Mit keinem Wort erwähnte er das kleine schwarzhaarige Mädchen, das unten im Eiskeller vor sich hin zitterte und auf die schweren Schritte wartete. Mit keinem Wort erwähnte, er dass Grainnè in einem unmarkierten Grab auf dem Armenfriedhof lag. Beigesetzt bei Nacht und ohne Zeugen. Hargrim spielte sein eigenes Spiel mit den Menschen und an diesem hatte er seine helle, perverse Freude.

Der Trottel war so blind vor Liebe. Liebe. Er liebte eine Hure, eine nun sehr tote Hure. Und das Mädchen unten, das gehörte Hargrim und würde die Schulden seiner Mutter und der eigenen Aufzucht abarbeiten. Sobald sie alt genug war. Bis dahin galt es nur das kleine Aas zu brechen. Gebissen hatte es ihn. Miststück. Miststück wie die Mutter.
Der Zuhälter ahnte da noch nicht, dass der Mann vor ihm nicht ewig jung und ahnungslos bleiben würde. Aodh Conandil war Seemann, hochgewachsen und eher von schlankem Wuchs mit mehr Kraft im Körper als man ihm ansah. Dichtes schwarzes Haar und dunkelblaue Augen markierten ihn unverkennbar als den Vater des Mädchens im Eiskeller. Doch sein Gesicht war jetzt schon hart. Es würde mit jedem Jahr, das auf seiner Suche verstrich, noch härter werden.

„Wieso kommst du erst nach Jahren her und fragst nach der Schlampe? Und dann gleich jedes Jahr aufs Neue? Gewissenbisse? Dagegen hilft sich ordentlich besaufen und über ne andere steigen.“
Das Gewissen kochte in Aodh hoch. Er hatte ablegen müssen damals. Befehle. Soldat der Marine sein ist kein Wunschkonzert, vor allem nicht für junge Matrosen. Er war in Kriegsgebiete geschickt worden, verwundet, versetzt und dann doch endlich wieder hier. Die Wut kochte in ihm hoch, alles in ihm schrie dem elenden Luden den Bauchnabel bis zum Kinn zu erweitern. Doch ihn hielt die Hoffnung zurück, irgendwann etwas aus ihm rauszukriegen. Er hörte an der Stimme des Gegenübers, dass der Kerl log. Log wie geduckt. Alles klang falsch, nach Unwahrheit, nach etwas für das er keinen Begriff hatte. Jetzt nicht.
Doch später im ruhigen dumpfen Plätschern des Wassers gegen den Bug des Schiffes, als die Geräusche des Meeres seine Kabine einnahmen, da wurde ihm plötzlich bewusst, was er gehört hatte.

Grausamkeit.

Er würde wiederkommen.
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Jadia Conandil
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Rückblende

Beitrag von Jadia Conandil »

Talminhof, Alrynes
Vor mehr als 15 Jahren

„Mach deine Haare zu einem Zopf, kleines Miststück! Diesen Wildwuchs rasier ich dir sonst ab!“ Das zierliche Mädchen in dem viel zu knappen Kleid für sein Alter neigte die Stirn brav. Die schmalen Hände servierten ihm in verdächtig braver Demut seinen Rum. Lautloses Zurücktreten, dann flochten die flinken Finger einen Zopf so dick wie ihr eigenes Handgelenk.
„Braves Kind, brav. So gefällst du mir.“ Hargrim grinste sein schiefes Grinsen, die Hand ging zum Rum hin. Der dunkelblaue Blick folgte der Bewegung, eine kleine Anspannung in den Schultern, doch das Gesicht blieb ruhig, fast verdächtig ausdrucksarm. Das Glas angehoben an die wulstigen Lippen, die Augen fixierten das schmale Geschöpf. Sein Eigentum, noch nicht vermarktbar. Doch die längste Zeit würde es gedauert haben. Ein Schluck. Das Entsetzen. Das Würgen. Das Husten. Das Schäumen.
Flink brachte sich der schmale Körper des Mädchens hinter einem der schweren Sessel in dem Hinterzimmer in Sicherheit. Nach dem Schäumen kam der riesige Kerl hinter ihr her und versuchte sie zu packen. Durch die Aufregung der Jagd wurde das Schäumen jedoch nicht besser, der Schaum trat auch durch die Nase und die Augen tränten. Die Schläger polterten durch die Tür, einer packte sie.
Die grobe Hand riß an ihrem Zopf. Hargrim hob sie fast damit vom Boden hoch, schleuderte sie weg. Nur um sie wieder hochzureißen. „Miststück.“, schäumte er. Wörtlich. Zwei Treppen runter, die Steintreppe in den Eiskeller wurde sie geworfen, das Kleid heruntergerissen. Nur ein Hemd am Leib wieder in der Kälte.

„Jadia, Kind. Du musst damit aufhören ihn dauernd zu provozieren. Spiel mit, sonst bringt er dich um.“ Babette wickelte sie in eine warme Decke, Yline brachte heißen Tee.
„Dann hat er gewonnen.“
Allgemeines Kopfschütteln bei den Tanten, Hände wurden über dem Kopf zusammengeschlagen. Doch dann mischte sich Isolde von hinten in ihrer ruhigen Art ein. „Lass ihn in dem Glauben. Du hast nur noch höchstens zwei Jahre, dann lässt er dich anschaffen. Er sucht die Freier aus, weißt du? Sei klug, Kind. Lass ihn in dem Glauben und nutze deine Chance dich zu verpissen, sobald sie sich zeigt. Geht mit nen bisschen Gold leichter.“
Der Mund des Mädchens bildete einen schmalen Strich. Die wilden Haare hüllten den langsam wärmer werdenden Körper wieder ein. Sie hatten recht. Alle. Aber es hatte ihr so gut getan ihm das Seifenpulver in seinen verdammten Rum zu rühren.

Hargrim grunzte in tiefer Unzufriedenheit vor sich hin. Das schwarze Miststück hatte seine Lektionen wohl nun doch gelernt. Bedauerlich. Trug brav den Zopf, ließ sie älter wirken, was seinen Plänen voll entsprach. Braver, handhabbarer und nicht so verflucht jung sah sie aus mit dem strengen Zopf und dem kurzen, engen Kleid. Verdiente gut mit Tanzen, spielte alle möglichen Instrumente und sorgte immer für Stimmung im Schankraum. Ein gutes, gezähmtes Mädchen. Es missfiel ihm zutiefst. Die für die anderen Huren ersichtlichen Gründe sie zu bestrafen, gingen ihm aus. Und er sah es so gern, wie das Biest vor Kälte schlotterte. Er konnte sich dann erfolgreich einreden, sie würde aus Angst vor ihm zittern.
Sein einziges Vergnügen bestand noch darin den Vater des kleinen Luders durch die Welt zuschicken auf der Suche nach einer toten Hure. Unwissend, dass sein kleines Spielzeug hier die Tochter war, die der Mann nicht mal kannte oder von ihr wusste.

Sadisten hatten es nicht leicht. Diesmal war es schwerer geworden, das Mädchen vor Aodh zu verbergen. Dem Kerl waren die Gäule durchgegangen und er hatte wirklich zugeschlagen. Aber eine gebrochene Nase war ein kleiner Preis für die Freude an der Grausamkeit, die er sich nun ausmalte. Nicht mehr lange und sie würde anschaffen. Die Schläger hatten den Seemann gut zugerichtet, der würde eine Weile nicht auftauchen. Allein dieser Irrsinn nicht abschließen, nicht loslassen zu können war für Hargrim faszinierend. Ein herrliches Spiel…
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Jadia Conandil
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Rahal im Frühling 269

Beitrag von Jadia Conandil »

In den Tagen hört man aus den Räumen der Zunft und manchmal auch aus dem Haus Jadias die Klänge eines Liedes. Teilweise nur die Melodie, aber dann doch an einem Abend als die Kunden schon gegangen waren und nur noch versprengte Zunftler arbeiteten das Lied gesungen. Eine Melodie, die alt war und vielleicht aus Buidheann stammen konnte, deren Text abgewandelt und nicht mehr in Fhacal war und doch unverkennbar das Lied einer Kindheit.

Meine Ma sagt, ich hab nen Blick wie das dunkle Meer,
dunkle Meer, dunkle Meer,
Tränen stehen meinen Augen nicht so sehr,
von irgendwo zieht oft Sturm einher,
und doch ist’s ruhig das dunkle Meer.

Mein Pa sagt ich hab Haar schwarz wie die Nacht
schwarze Nacht, schwarze Nacht,
wie Kohle und Sumpf, Moor und Dornenpracht,
nach dem der Regen der schwarzen Nacht,
der die Erde schwer und fruchtbar macht.

Ich bin beides nicht und doch eins,
gehör zu beidem und bin doch keins,
bin eine Karte von Land und See,
Sturm und Frieden, wohin ich geh.





[Idee und Melodie schamlos kopiert und adaptiert von: Irish Eyes, Rose Betts]
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Jadia Conandil
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Rückblende II

Beitrag von Jadia Conandil »

[OOC] Triggerwarnung: Gewalt

Talminhof, Alrynes
Vor ungefähr 10 oder mehr

Hargrim ließ den Blick über die Zahlenkolonnen huschen. Er rechnete. Doch egal wie oft er rechnete, es blieb eine Diskrepanz, die er sich nicht erklären konnte. Er hatte den armen Tropf, der die Karten unten am großen Tisch gab, schon durch die Mangel gedreht. Bei ihm lag der Fehler nicht. Alles sauber notiert. Es waren auch keine großen Beträge, die fehlten. Nur ein wenig hier, ein bisschen dort und doch fort. Nicht in der Kasse, nicht in seiner Tasche. Das Buch wurde zugeschlagen und die Faust donnerte darauf. „Dieses kleine Miststück.“

„Du hast mich beschissen, du Luder. BESCHISSEN. Gold, hast du abgezweigt am großen Tisch unten! Ich sollte dir nen Finger abschneiden dafür, vögeln können dich die Kerle trotzdem noch!“ Sie stand vor ihm, zierlich und doch die Haltung gerade. Den Blick hielt das Geschöpf gesenkt. Das tiefrote Kleid mit dem tiefen Ausschnitt war bewusst ein Stück zu kurz gehalten. Mit jedem zu großem Schritt bestand die Gefahr, dass der Hintern aufblitzte. Der Zopf bändigte die Locken und gab ihr mehr Reife, als ihre Lebensjahre im Grunde hergaben. „Du bist ein verfluchter Dorn in meinem Fleisch, bedienst die Kunden nicht anständig, bescheißt bei den Karten und kassierst noch dreist für deine Tanzerei ab. Hast du deine Lektion immer noch nicht gelernt, Miststück?“ Das Mädchen neigte nur die Stirn, schwieg beharrlich. „Sprich gefälligst!“ Da hob sich der Veilchenblick an, träge und auf eine eigene Art ungerührt. Mit einer gut einstudierten lasziven Bewegung wurde der Rock glattgestrichen. „Was immer du sagst, Hargrim. Du bist der Herr hier, Hargrim.“ Lieblos heruntergeleierte Worte, wie ein Pflichtgebet zum Feiertag Boresals.

Der grobschlächtige Mann ballte die Fäuste, bis man ein Knacken hörte. Er würde nur zu gerne die Knochen des Weibes da knacken hören. Aber nach allen Maßnahmen, die er bisher getroffen hatte, um sie genug Gold einspielen zu lassen, wäre das unwirtschaftlich. Der Bader hatte dafür gesorgt, dass sie keine Bälger in die Welt setzte und ausfallen würde, er selbst hatte dafür gesorgt, dass sie gehorchte und die anderen Huren hatten dafür gesorgt, dass sie sich bewegte wie eine Frau. Die meisten Hurenkunststücke konnte sie wohl auch, zumindest waren die Freier zufrieden.
Er starrte sie eine Weile an. Eine lange Weile, dann zog ein fast schon fideles Lächeln auf seine schiefen Züge. „Gut, du kleine Hure, gut. Wie du willst…“

Jadia stand in ihrer Kammer, die Kammer die zuvor von ihrer Mutter bewohnt war und nun seit Jahren schon ihre war. Der Schmetterling aus Blut war nachgedunkelt auf den Dielen und immer noch sichtbar. Manchmal träumte sie so leicht zu sein wie der Schmetterling und einfach durch das Fenster davon zu fliegen. Dann kletterte sie auf das Dach hinaus und saß dort, roch die Luft, fühlte den Wind und richtete den Blick zum Meer aus. Jonte, einer der Kerle fürs Grobe war eben gegangen, er hatte ihr einen Trank eingetrichtert. Mohnsirup, würde sie betäuben und wehrlos machen und tief in ihr ahnte sie warum. Doch Noir, die Dunkle in ihr,war wach, hellwach. Kaum war Jonte draußen, hatte sie das Zeug hervorgewürgt und in den Nachttopf gespuckt. Mit kontrollierten Bewegungen zog sie das Strumpfband über den rechten Oberschenkel. 20 Kronen. Das war ihr Preis.

Mit verschränkten Armel lehnte Hargrim an der Wand gegenüber der Tür zu Jadias Kammer. Vor Jahren hatte er schon mal hier gestanden, so wie gerade. Jonte hatte am selben Fleck gestanden wie jetzt, nur damals noch mit mehr Zähnen. Gleich würde es beginnen, erst würde er das Wimmern hören. So wie bei der Mutter von dem Miststück. Ein süßer Klang würde das in seinen Ohren sein, vor Vorfreude stellten sich schon die Haare an seinen Unterarmen auf. Dann vermutlich ein Würgen, das Betteln, das erstickte Geschrei. Er verlagerte sein Gewicht leicht. Ruhig, schon viel zu lange. Dabei war auf den alten Kunden sonst Verlass. Balthos Sturm war bekannt und gefürchtet bei den Huren. Ein paar Schrammen würden dem kleinen Luder gut stehen, doch diesmal sollte er drauf achten die Ware nicht zu zerstören.
Immer noch Stille. Langsam wurde Hargrim doch nervös. Hatte das Luder den Sturm am Ende um den Finger gewickelt?

Dann endlich!
Ein Schrei. Hoch, schrill.
Doch Moment?!

Ein Schrei des ultimativen Schmerzes, geboren aus einer Männerkehle.
Poltern, ein schwerer Körper schien zu fallen. Dann das Aufrappeln und die Tür wurde aufgerissen. Balthos fiel vornüber auf den Flur, immer noch schreiend und geifernd, zudem spritzte Blut unter den verkrampften Händen hervor. Hinter ihm trat das schwarzhaarige Weib hinaus, vollkommen ungerührt. Der träge Veilchenblick glitt einmal über den sich windenden Mann am Boden. Mit weichen Bewegungen lehnte sich die zierliche Gestalt in den Türrahmen, suchte Hargrims Blick und spuckte einen Batzen Blut und Gewebe aus. Mitten auf den Flur. Mit dem Handrücken wurde der Mund abgewischt. Bereits in der Vorwärtsbewegung der kleinen Hure eine zu verpassen, wurde der Zuhälter gestoppt. In ihrem Blick lag keine Angst, nur eine träge Sicherheit, fast eine Herausforderung. Er stoppte und wich zurück.

Ungebrochen. Scheiße.

Balthos wurde vom Bader in einem Nebenzimmer zusammengeflickt. Er würde dieses Haus nie wieder betreten. Insgesamt hatte schon nach wenigen Augenblicken die gesamte Sache die Runde im Tanzenden Taler gemacht. Jeder wusstes.

„Das Weib muss weg.“ Mit nervösen Händen zog Hargrim ein Pergament aus der Schublade. Ein Angebot eines Händlers namens Husmann. „Jung, schwarze Haare, blaue Augen, zierlich.“ Ein Nicken, dann wurde dem Händler eine Antwort übersandt. Er würde Jadia „fliehen“ lassen, eine Geschichte konstruieren, dass sie wegwollte. Nur ein Schiff würde noch ablegen, das würde man genau planen. Dann wäre das Weib nicht mehr sein Problem und er um eine hübsche Summe reicher.

In der Kammer hatte sich das frische Blut mit dem Schmetterlingsfleck auf den Dielen vereinigt. Als hätten beide jahrelang aufeinander gewartet. Sühne, wenn auch unvollkommen. Jadia wischte über die Dielen, der Abdruck einer Motte würde nun bleiben. Einer großen, prächtigen Motte mit weiten Schwingen. Noch wusste sie nicht, dass sie viele Beinamen tragen würde in ihrer Zukunft…Dachs, Kätzchen, Dienerin…. Noch wusste sie nicht, dass sie wie eine Motte stetig von Wärme angezogen werden würde. Noch wusste sie nicht, dass sie finden würde, was sie suchte und dass die Kälte des Eiskellers weichen konnte.
Noch war Noir. Noch war da der Geschmack von Blut.
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