*Zu später Stunde wird Ilyra selbst einen Botengang zur Garde machen und folgendes Schreiben mit dem Siegel der Statthalterin überreichen:*
Düstersee, 10. Alatner 268
Des All-Einen Segen mit Euch,
im Namen der Statthalterin ersuche ich die Garde um Mithilfe beim Sammeln der Werke des Verräters Althan im Hort des Wissens.
Aufgrund ausbleibender Reaktion und fehlender Unterstützung seitens der Leitung des Hortes sehen wir uns gezwungen, die Werke nun durch die Garde beschlagnahmen zu lassen. Dies kann in Zusammenarbeit mit der Leitung geschehen, nötigenfalls jedoch auch ohne deren Mitwirkung.
Es soll an dieser Stelle keine weitere Zeit verloren werden.
Möge Ihm gefallen, was Er sieht.
Stadtverwaltung Düstersee
Assistenz der Statthalterin
Der Weg zum Hort des Wissens wurde an diesem Abend aufgrund der Order recht zügig zurückgelegt. Vielleicht war es einfach ein guter Tag für die Pferde, vielleicht wollten die Gardisten auch einfach schnell aus der Kälte, oder vielleicht lag es auch daran, dass man nur wenig Lust hatte, sich mit einem Haufen staubiger Bücher anzulegen, die irgendwie immer so taten, als wären sie die wahren Herrscher über die Stadt. Aber immerhin würde es dort warm sein.
Vor dem Eingang stand der wachhabende Gardist, der aussah, als hätte er in den letzten Stunden mehr Druck ausgehalten als ein schlecht befestigtes Regalfach. Er salutierte hastig, wahrscheinlich froh, dass jemand kam, der ihm seinen schnöden Alltag ein wenig aufhellte.
Jynela nickte knapp, sah einmal in die Runde der Gardisten und zog dann die schwere Tür des Hortes auf.
Der Geruch nach Pergament und Leder schlug ihr entgegen. Das hier war sehr lange ihre Welt gewesen, die Welt der Bücher. Und obwohl es ihr widerstrebte, auch nur eines davon zu verbrennen - in ihren Augen sollte das Schicksal eher dem Autor zukommen, als den unschuldigen Büchern - machten sie sich an die Arbeit.
„Gut“, sagte Jynela und schlug das Kinn minimal an. „Wir teilen uns auf. Schnell, gründlich, und ohne dass uns irgendwer erklärt, warum er genau heute keine Schlüssel findet.“
Ein paar Gardisten scharrten enthusiastisch mit den Stiefeln.
"Ein Trupp durchsucht den Westflügel, ein weiterer Trupp nimmt den Ostflügel. Der Rest geht nach oben."
Der wachhabende Gardist bekam die Aufgabe, Türen freizuhalten, benötigte Schlüssel zu besorgen und generell den Eindruck zu erwecken, dass die Garde wusste, was sie tat – was sie tatsächlich tat, solange man nicht zu sehr ins Detail ging.
Der Hort füllte sich mit gedämpften Schritten, dem gelegentlichen Räuspern eines Gardisten, der versuchte, möglichst unauffällig ein Spinnennetz aus einem Bücherregal zu entfernen und dem resignierten Seufzen, als Finger über die Buchrücken glitten.
Nach nicht einmal einer Stunde war der Hort schweigsam wie ein besiegtes Archiv und die Beute, wie umfangreich auch immer, wurde in einem Sack verstaut.
Und so verschwand die Garde in Richtung Düstersee, während hinter ihnen die Türen des Hortes zufielen. Auftrag erledigt.
Ein Schreiben wurde in Düstersee ebenso hinterlassen.
Macht und Stärke, Fräulein Falkhain!
Der Auftrag wurde im Zuge des Appells am heutigen Abend erledigt. Alles Gefundene wurde in Düstersee im Rathaus abgegeben.
Für das Reich. Für seine Sicherheit. Für Alatar.
Scharfschütze der Bruderschaft des Herrn
Hauptmann der Legion des Panthers