[MMT] Die Überlebenden von Fjordheym

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Ulfur Wikrah
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[MMT] Die Überlebenden von Fjordheym

Beitrag von Ulfur Wikrah »

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OOC: Dies ist der RP-Thread zum Spielerprojekt "Die Überlebenden von Fjordheym". Bei Interesse ist es immer noch möglich hier mitzumachen, weitere Informationen findet ihr hier: Klick mich
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Schaukelnde See, der Geruch nach Salz und ungewaschenen Leibern. Müde öffnete er die verkrusteten Augen, den Blick auf endlose, tiefblaue Weiten gerichtet.
Seit Tagen befanden sie sich in der Schwebe, gefangen auf einem Schiff zwischen Himmel und sanften Wellen. Hungrig, ausgelaugt, doch noch nicht vollends gebrochen.
Vorsichtig tastete er die Wunde an seinem Bauch ab - zwei breite, klaffende Kratzer, wie die todbringenden Spuren eines Berglöwen. Doch wie hätte ein solches Tier es auf die Bretter von Fjordheym schaffen sollen?
Zumindest trat kein frisches Blut mehr aus seinem Körper, sicherlich ein gutes Zeichen. Auch die Schmerzen verblassten langsam.
Mit einem rasselnden Atemzug versuchte er sich aufzusetzen, die geschwächten Hände klammerten sich an die niedrige Reling, doch seine Beine waren nicht kooperativ. Verdammte Füße, war ihnen eine schmerzfreie Existenz denn nicht genug?

Irgendwo kamen ein paar helfende Hände her, doch er wusste nicht, wem sie gehörten. Es war schwer, die Augen zu fokussieren, die Ränder seiner Sicht waren dunkel und eingeschränkt. Die Eindrücke des Liedes jedoch, die tausend Stimmen der Welt, welchen die Schamanen lauschten…sie sickerten immer noch in sein Bewusstsein. Wieder atmete er durch, sog die Meeresluft in seine Lungen, um sie, mit einem Wunsch und einem Ruf verwoben, wieder auszustoßen.
Ein Flehen an die Dame im Wind, die Schutzpatronin seines Volkes. Eine Bitte an die Geister der Winde und der Gischt, auf dass sie diese Gruppe von ausgelaugten Überlebenden an sichere Ufer begleiten mochten.
Bild
“Die Winde tragen Kunde mit sich.”

Ulfur schlug die Augen auf. Die bekannte Stimme seines Vertrauten, des vieräugigen Wolfsgeists, klang wie immer trocken und ein wenig gelangweilt an seine Ohren. Suchend flackerte der Blick des blonden Geisterwächters durch die abgedunkelte Kerlehalle, über schnarchende Leiber hinweg, bis er die Umrisse des Geistes am Rande eines Schattens erspähte. Die vier rötlich schimmernden Augen des Wolfs starrten ihn unverwandt an.

“Die Lüfte wispern von Unheil und Schmerz. Nur wenige haben überlebt.”, meinte sein Vertrauter nachdenklich, den Kopf geneigt wie ein horchender Wachwolf.

Mit einem unzufriedenen Knurren kämpfte Ulfur sich von seinem Lager hoch, wobei er wenig Rücksicht auf den Schlaf der anderen Kerle nahm. Es war sicherlich nicht das erste Mal, dass sie den Schamanen wirr zu sich selbst murmeln sahen. Kaum ein Grund dafür den eigenen, wohlverdienten Schlaf zu unterbrechen.
Mit tiefblauem Clanskilt und einer Fellweste über dem Leib verließ der Wikrah schon einige Momente später den Raum, auf der Suche nach einem höher gelegenen Platz im Fort - ein Ort, an dem er in Ruhe dem unsichtbaren Flüstern luftiger Stimmen und ihren Nachrichten lauschen könnte.

Später an diesem Tag wird sich eine Nachricht unter den Mitgliedern des Rudels verbreiten, von Mund zu Mund getragen - es steht eine Ankunft bevor. Man sollte den Fjord im Auge behalten und nach Schiffen suchen. Nach angeschwemmten Körpern.

Der Jarl der Sturmheuler, Thorlav vom Clan der Hinrah, wird allerdings eine gesonderte Nachricht erhalten.
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Eyn großes Unglück ist in der Ferne geschehen.
Die Dame im Wind sendet die Überlebenden nach Wulfgard.

Sey werden wohl zu Beginn des kommenden Wochenlaufes antreyben.
Mey weiß nicht in welchem Zustand sie seyn mögen,
doch der Wind palavert von Blut und Krallen.

Ulfur

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Thorlav Hinrah
Beiträge: 732
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Re: [MMT] Die Überlebenden von Fjordheym

Beitrag von Thorlav Hinrah »

Folgende Kunde wird von Elof im Auftrag des Jarls verbreitet

Sons und Dottrs Wulfgards!
Der Wind trägt schwere Kunde aus der Ferne – und mit ihm kommen Fremde, vom Sturm gezeichnet und vom Blut geprüft.
Die Dame im Wind selbst hat sie gesandt, auf dass sie unter uns Schutz und Stimme finden mögen.

Drum rufe ich das Rudel zum Thing am Abend des kommenden Mondtages.
Kommt zur Großen Halle, bringt Fleisch und Met, und lasst uns hören, was in der Ferne geschehen ist,
wenn von Klauen, die sich im Dunkel regen, und Blut palavert wird.

Mögen die Ahnen und Geister Zeuge sein, wenn wir die Überlebenden willkommen heißen, oder richten, wenn die Not es gebietet.
Stigandr Tryant

Re: [MMT] Die Überlebenden von Fjordheym

Beitrag von Stigandr Tryant »

Das Erste, was Stigandr in dieser Nacht auffiel, war die Stille. Das Boot hatte Segel und diese hätten für Vortrieb gesorgt. Was aber fehlte, war der Wind. Auf einem stillen Meer konnte er jeder kleinen Welle lauschen, wie sie leise gegen den Rumpf schwappte. Das Atmen der anderen Geretteten. Die beunruhigenden Pausen, die man vom Schamanen vernahm. Seine Verletzung wirkte ernst, seine Verfassung geschwächt. Keiner an Bord wusste, wie ihm zu helfen wäre - normalerweise wäre Gorm einer von denen gewesen, die mit Tinkturen und Kräutern das Gröbste behandelt hätten. Aber welche Tinkturen? Welche Kräuter? Das Boot war eine Insel im Ozean, die kaum mehr zu bieten hatte als hungrige, durstige, kränkliche und erschöpfte Thyren und die Reste einer erjagten Robbe. Die übereilte Flucht hatte nicht den Luxus gelassen, diese kleine Nussschale vollständig auszurüsten. Jeder fand sich mit dem dort, was in den hektischen Momenten des Chaos mitgezerrt werden konnte - und das war nicht viel.

Stigandr blickte hinauf in das andere Meer: Das der Sterne. Der Mond war nicht mehr als eine schmale Sichel, der Himmel frei von Wolken und so trieben die Überlebenden von Fjordheym in Stille unter einem Firmament aus unzählbaren hellen Punkten, die von Horizont bis Horizont reichten. Es war nicht das erste Mal, dass er die Sterne sah. Aber alleine in einer Welt, die zu allen Seiten nur aus schwarzem Wasser zu bestehen schien, verlangte dieser Anblick noch mehr Ehrfurcht.

Das Zittern setzte wieder ein. Er rückte das letzte Fell, welches er nicht weitergegeben hatte, an seiner Gestalt zurecht. Die Kälte war trügerischer ohne den Wind, stellte er schon wieder fest. Es war die Feuchtigkeit in der Luft, die konstante Arbeit, das Boot davon abzuhalten, vollzulaufen. Sie kroch unter die Felle, machte alles klamm und saugte den matten Leibern das Leben aus dem Körper.

Stigandr blickte zu Halldis. Sie war in diesem Grüppchen - neben Gorm, dem Schamanen - die Älteste. Aber wie auch jeder andere war sie getroffen von dem Unglück und stiller als sonst. Sie war hier - ihre Söhne nicht. So saß sie in sich gekehrt da, die Augen ins Nichts gerichtet. Selbst Alrik mangelte es an Scherzen. Stumme und zumeist eher kurze Blicke machten die Runde auf dem Schiff. Niemand sprach. Die, die schlafen konnte, schliefen. Sei es vor Erschöpfung, oder weil sie das Fieber geholt hat. So wie Brina und Irmlind - trotz der Kälte sah man den beiden Schlafenden den Schweiß auf der Stirn stehen.

Sturheit war eine Qualität, die sich das Volk zueigen gemacht hatte. Ein Bild davon konnte Stigandr von seiner sitzenden Position am Bug sehen: Fenja stand dort als würde sie die Wellen selbst dazu anstacheln, das Boot weiterzubewegen aus dem Nirgendwo, in dem sie sich nun alle fanden. Mit einer Hand an der Vertäuung und einem Fuß auf der Reling war sie wie eine Statue mit Blick abgewandt vom Elend hinter ihr. Auch sie fror, auch ihre Finger zeigten das verräterische Tiefrot. Aber bejammert wurde es nicht. Zuletzt stierte Stigandr vor sich, auf die Backbordseite. Dort saß Manne. Ihn schien die Situation trotz des miserablen Lichts kreativ werden zu lassen: Das wenige unverbaute Holz - wohl Planken und Stützen für Ausbesserungsarbeiten - wurde von ihm kombiniert mit Pfeilspitzen, um kleine Harpunen zu produzieren. „Für die Wale oder Robben oder…“ hatte er erklärt mit dem Enthusiasmus der Verbissenheit. Aber dieser Ozean schien frei von Leben abseits des Thyrentrüppchens zu sein. Kein Schnauben in der Ferne, kein verräterischer Geysir, wenn ein Wal oder Delfin auftauchte. Kurzum: keine Andeutung von Beutetieren.

Die fünfte Nacht der Reise ohne Ziel und Hoffnung. Stigandr wusste, dass bald etwas geschehen müsse. Jeder an Bord verstand im Stillen, dass die kleine Gemeinschaft, die Fjordheym einst war, sonst bald weitere Opfer zu beklagen hätte. Angefangen mit einem Schamanen, der mit glasigem Blick zu den Sternen sah und dessen Lippen sich fast ununterbrochen bewegten, ohne auch nur ein Wort zu sprechen.
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