[MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

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Aaryon von Hohenfels
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[MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

(Fortsetzung von "Blutherbst" - oder auch ein "Spin-Off")


Sir von Alsted würde den misslungenen Angriff auf die Burg der rahaler "Bruderschaft" - was für eine hanebüchene Bezeichnung einer Versammlung von ehrlosen priveligierten Totschlägern im Namen Alatars - also nicht auf sich sitzen lassen. Na schön.
"Er kann auf mich zählen!" Auch ihn wurmte es, dass er irgendwie sinnloserweise die ganze Zeit zuvor die Füße still gehalten hatte und dann als Eichhörnchen mitgekommen und unverrichteter Dinge in Valentins Kapuze zurück geschaukelt worden war. Auch wenn das eine sehr komfortable Form des Transport gewesen war, das musste man schon sagen. Jedenfalls besser als die Drohung von Elisabeth, ihn in menschlicher Gestalt vom Hospital zum Adelsviertel quer durch die Stadt zu tragen.

Aber gut. Zurück zur Burg. Die aus ungehörig viel Stein gebaut war. Morgosh Hammergrund hatte ihm gemütlich einen halben Vortrag darüber gehalten, wie viel Hitze Basalt aushielt, als er hörte, dass man menekanisches Brandöl gegen die Burg hatte einsetzen wollen.
Und dass ausgerechnet tragende Elemente der Burg dann nur aus Holz sein würden, das gut brannte... mh, eher unwahrscheinlich.
Er lehnte sich vor. Der Gedanke kam ihm nicht erst jetzt, und mit irgendwem hatte er doch auch schon darüber geredet, als er die Geschichte von Adorans Zerstörung zum ersten Mal gehört hatte, mit wem war das gewesen? Nyome? Arne?
"Diese Käfer, die Adoran zerstört haben, so dass man es mit Lydit neu bauen musste... fressen die eigentlich auch Basalt?", fragte Aaryon interessiert.
Das wusste Morgosh nicht zu sagen. Er wusste nur, dass die Felsenbeißer, die die Kaluren nutzten, Basalt nicht besonders mochten. "Nicht mal die Käfer mögen Rahal!", fuhr es ihm kurz spöttisch durch den Sinn, aber der Gedanke ließ ihn nicht los. Ob man die Käfer gegen die Burg einsetzen konnte?

Morgosh sprach von Tunneln. "Älteste Maßnahme der Welt, Wassergläser auf die Mauern zu stellen, um zu merken, ob es unter der Burg vibriert...", dachte Aaryon skeptisch. Erdbeben? "Ja klar, wir machen mal ein Erdbeben." Er verkniff es sich, unhöflich zu werden. Zumal spätestens mit Magie sehr viel möglich sein mochte. Aber genauso rechnete er damit - und das sagte er auch Morgosh offen - dass die Rahaler und die Erbauer der schon von außen SEHR stabil wirkenden Burg an die üblichsten bedrohenden Einflüsse sicher gedacht hatten.
Egal, wie man es drehte und wendete: sie würden genauere Baupläne der Burg von innen brauchen. Und das bedeutete - er seufzte innerlich - das bedeutete, dass man ihm wieder von allen Seiten den Marsch blasen würde, wie gefährlich das alles für ihn werden könnte.

Fast wollte er seinen Ohren deshalb nicht trauen, als er die Erlaubnis beider gräflichen Kronritter bekam, die Burg auszuspionieren:
"Aye. Unter gebotener Vorsicht. Nehmt jemanden mit, der Schmiere steht", sagte Helisande.
"Bei Temora, macht doch was ihr wollt. Erwartet nur keine Rettung", sagte Heinrik.

Der Kronritter wurde sogar ausführlicher:
"Ich könnte euch darauf hinweisen, welchen Stand ihr im Reich habt." Aaryon nickte ein mal.
"Welche Einschränkung ihr bereits erlitten habt." Aaryon nickte ein mal.
"Den Mangel an Ausbildung, wenn ihr nicht wegfliegen könnt." Aaryon nickte ein mal.
"Ebenso euren Mangel die Konsequenzen eures Handelns oder eurer Pläne begreifen zu können." Aaryon nickte zögernd ein mal.
"Doch am Ende wird Euch dies nicht aufhalten." Er schüttelte bestätigend den Kopf.
Wobei?
"Ihr könntet es mir verbieten, Sir - ich schätze, ich würde mich sogar daran halten", erklärte er höflich. Wirklich, er nahm Heinrik ernst! "Aber wer macht es dann?"
"Außerdem habe ich mir noch Verdienste zu erarbeiten. Und 'gute Feinde', wie es Dame von Alsted nennt. Und Mutter ist zum Schluß mit einer ganzen Armee direkt in Rahal einmarschiert..!
Da war sie Ritter. Und führte die Garde. Und es kamen die Tiefländer unter Falk Hinrah mit. Und Una Llasthobar mit dem Konvent... wie immer es sich damals nannte. Phönix? Ja, irgendwas mit Phönix.
... und jedenfalls werde ich mir dann doch schon mal so eine Burg von innen ansehen können!
Ja, klar. Von der Streckbank aus.
Halt die Klappe!"
Er beendete den inneren Disput mit sich. "Immerhin haben sie noch Efeu an den Mauern."

Und die Käfer?
"Ich nehme an euer Plan ist es eine Herde an Käfern aus dem Käfergraben möglichst ungesehen durch feindliches Gebiet zur Burg zu treiben in der Hoffnung das sie jene fressen?", fragte der Kronritter.
"Himmel, hält er mich wirklich für so doof?!" Aaryon beschloss, nicht darauf einzusteigen.
"Ich müsste erforschen, wie sie sich vermehren - ob man heimlich Eier platzieren kann. Wie lange sowas dauert, wie viel sie in welcher Zeit fressen...", drang seine durch den Konvent geförderte wissenschaftliche Neugier durch.
"Erstmal müsste man erforschen, ob sie Basalt fressen", meinte Helisande und schien den Gedanken gar nicht mal so absurd zu finden, was ihn ungemein freute, "Dann finde ich die Idee mit Käferbrut gar nicht mal schlecht. Wir sollten das prüfen."
Heinrik schien eher den praktischen Aspekt daran zu sehen, den Studiosus mit etwas anderem als der Burg zu beschäftigen:
"Erforscht erstmal den Lebenszyklus und die Umstände die ein Schlüpfen der Eier erfordert."

Ja. Klar. Also würde er sich nur im Käfergraben jetzt herum treiben und zuhause Insekteneier studieren... nix da! Das ging auch beides, Käfer UND Burg!

Tatsächlich aber war er am nächsten Tag dann erstmal im Käfergraben: Proben nehmen.

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"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
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Aaryon von Hohenfels
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Re: [MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Stippvisite


In Ordnung, er hatte für seinen ersten Besuch sogar zwei Leute dabei gehabt, die "Schmiere standen". Und er war nicht übermütig geworden, sondern hatte sich vorerst nur draußen gründlich umgesehen und sich dabei so gut es irgend ging, wie ein normales Eichhörnchen verhalten. Dass es nicht Nüsse waren, sondern passende Steinchen, die er sich in die Wangentaschen stopfte, sah ja aus der Entfernung keiner.
Die Burg war schließlich aus zweierlei Steinarten errichtet, so hellbraunerem Bruchstein, teils Mauerwerk und dunkelgrauem Mauerwerk - ob das nun alles Basalt war oder war auch immer, mussten Arne oder Morgosh wissen. Und an einer Stelle, wo der Mörtel bröckelig war, klaubte er auch von diesem ein Stück auf und stopfte es sich ins Maul. Es kostete ihn einiges an Konzentration, die Dinger nicht aus Instinkt auszuspucken oder darauf herum zu kauen.
"Wenn das schon so wichtige Nüsse sind, können wir sie vergraben!"
"Nein!"


Eines war fast sofort klar: Sie hatten die Wachmannschaft empfindlich verstärkt. Was für ein Wunder. "Mist."

Er kundschaftete aus, was für einen ersten Anlauf ging, für mehr... müsste er rein. Und das war definitiv eine andere Kragenweite an Unternehmung. Nachdem alle verständigt waren, dass das Unternehmen beendet war, verwandelte er sich zurück und teleportierte sich in den Konvent. Fast hätte er sich verschluckt - ach, die Steine! Bäh!
Also, falls die Käfer keinen Basalt mochten, hatten sie immerhin eine Sache gemeinsam: er auch nicht.
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Danach galt es, so wenig Zeit wie möglich verstreichen zu lassen: Die Erinnerungen waren frisch, Zahlen schwirrten durch seinen Kopf. Drei gestreckte Eichhörnchenhoppser waren etwa ein Menschen-Schritt. Der südöstliche Wehrturm war sechs Schritt breit. Das hieß... boah...
"Ich bin Studiosus, kein Architekt, verdammt!", fluchte er, über seinen Schreibtisch gebeugt. Hm. Hatte er so etwas in der Art nicht schon mal gesagt? Ach, egal.
"Wenn Morgosh darüber nicht mault, dass das ungenau ist, fress ich 'n Besen. Aber dann muss er das selber vermessen!"
Er streckte den Rücken durch. Naja, die Pläne waren ja auch noch nicht fertig. Und einen Keller hatte die verdammte Burg sicher auch.
Erstentwurf Burg EG
Erstentwurf Burg OG 1
Erstentwurf Burg OG2

"Und wenn ich sie in-und auswendig kenne, machen wir sie kaputt... klasse." Gar nicht drüber nachdenken!
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
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Jynela Dhara
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Re: [MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Jynela Dhara »

Die Mauern rochen noch immer ein wenig nach Rauch.
Nicht stark, nicht mehr beißend. Aber der Geruch war noch da, Folgen des Feuers. Nur so, dass man es spürte, wenn man die Hand über den Stein legte – eine Spur von Hitze, die nur in der Erinnerung existierte.
Wie ein Geruch, der nicht vergeht, egal wie oft man das Fenster öffnet.

Jynela blieb im Torbogen stehen, die Stiefel lösten Staub vom Boden. Ein Stück verkohlter Balken lehnte gegen die Wand, und darüber hatte jemand mit Kreide ein grobes Zeichen gezogen, vermutlich einer der Handwerker, die den Schaden beheben würden. Irgendwann. Ihre Prioritäten lagen noch in Grenzwarth.
Das war einer der verlässlichen Grundsätze des Lebens, gleich neben „Befehle kommen immer zu spät“ und „Schicksal hat einen beschissenen Sinn für Humor“.
Handwerker kamen selten pünktlich und selten genau dann, wenn man sie brauchte.
Sie schnaubte leise, mehr aus Gewohnheit als aus echtem Spott.

„Wärst du schneller gewesen, nur ein paar Schritte schneller…“
Die Worte klangen in ihrem Kopf nach – unfertig, ohne Ziel.
Sie hatte sie in den Nächten seit dem Angriff ab und an in ihren Träumen gehört: von ihren Gardisten, von den Heiligkeiten, aber die meiste Zeit nur von sich selbst.
Aber Worte hielten keine Wände aufrecht und Träume blieben nur ein flüchtiger Schatten zwischen Nacht und Wirklichkeit.

Heinrik war entkommen.
Er und seine Leute.
Natürlich war er das.
Wie ein Hund, der den Stock sieht und im letzten Moment wegrennt – und dabei noch so tut, als wäre es sein eigener Plan gewesen.
Manche Leute hatten einfach Glück und andere hatten eine Aura der Unzerstörbarkeit, die ihnen von den Göttern persönlich verliehen worden sein musste.
Oder vom Zufall, der bekanntlich keine Ahnung von Gerechtigkeit hatte.
Sie trat an das zerbrochene Fenster des östlichen Ganges, von dem aus man den Hof überblickte. Dort, wo das Feuer in jener Nacht den Boden zum Glühen gebracht hatte.
Die Steine waren rußgeschwärzt, einiges an Holz verkohlt, doch das Feuer war nie wirklich übergesprungen.
Es war, als hätte die Burg selbst beschlossen, sich nicht verbrennen zu lassen.

„Wenigstens einer mit Verstand,“ murmelte sie und strich mit den Fingern über die geschwärzte Mauer.

Sie erinnerte sich an das Leuchtfeuer.
An den Wind auf der Haut, den Rauch in den Augen, an das Flackern, das ihr Gesicht erhellte, während unten Chaos herrschte.
Und dann doch das Gefühl, vielleicht noch rechtzeitig gewesen zu sein. Nicht, um Heinrik einen Pfeil in den Hintern zu jagen – sie hätte definitivnicht auf seinen Hintern gezielt – aber immerhin, um die Burg zu retten und ihre eigenen Leute durch das Leuchtfeuer zu holen.


Sie ging weiter, den Gang entlang, wo das Licht in schmalen Streifen durch die Fenster fiel. Der Stein war hier kälter, der Klang ihrer Schritte hallte dumpf wieder, als laufe sie durch einen Schlaf, aus dem die Mauern noch nicht erwacht waren.

Die Burg atmete wieder, langsam, schwer, als müsse sie sich erst erholen.

In einem Winkel lag geborstenes Holz, Federn verschmort.
Sie bückte sich, hob ein Stück davon auf. Ein fremdes Zeichen war in den Schaft geritzt, kaum sichtbar, halb weggebrannt.
Sie kannte es nicht.
„Nicht von unseren Leuten und auf keinen Fall von mir,“ murmelte sie und drehte das Stück zwischen den Fingern.

Ein weiterer Schatten aus jener Nacht, einer von vielen und im Licht der herbstlichen Abendsonne schienen sie länger zu werden. Jynela konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt so genau auf sie geachtet hatte. Jeder Winkel, jeder dunkle Spalt schien eine eigene Geschichte zu erzählen – und wahrscheinlich auch irgendeinen Ärger zu verstecken.
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, bitter und flüchtig wie das Flackern einer Kerze im Wind.
Die Ruhe hier war trügerisch.
Die Burg war längst nicht so harmlos, wie sie gerade tat – voll von Erinnerungen, von Blut, von Heldentaten und verpassten Chancen, von Gelächter und Schreien, die sich in den Stein eingebrannt hatten.

Sie lehnte sich gegen die kühle Mauer, ließ den Blick in die Dunkelheit treiben, dorthin, wo der Wald begann.
Die Bäume wirkten friedlich, doch sie wusste, dass Frieden ein notorisch unzuverlässiger Zustand war.
Ein leises Rascheln ließ sie den Kopf drehen.

Unter ihr bewegte sich etwas im Efeu – schnell, behände, lautlos.
Ein Schatten, kaum mehr als eine Andeutung von Bewegung gegen das matte Licht.
Sie blinzelte, und da war es: ein kleines Wesen, kaum größer als ihre Hand, das über die Äste huschte.
Der Schweif fing einen Lichtstrahl ein, ein kurzes Aufflammen von Gold.

Ein Eichhörnchen.

Natürlich.

Nichts Dramatisches.
Kein Dämon, kein dunkler Vorbote.
Nur ein Eichhörnchen, das vermutlich auf der Suche nach ein paar Nüssen für den Winter war.

Und dann verharrte es, nur einen Wimpernschlag, sah in ihre Richtung, still und aufrecht, wie ein Beobachter, der genau wusste, dass er unbemerkt bleiben sollte.

Und im nächsten Moment war es fort.

Ein Sprung, ein Rascheln, nichts mehr.
Nur das Flattern eines Blattes, das viel zu laut klang.

„Na schön, futter dich satt, Kleines“, murmelte sie leise, ohne zu wissen, warum sie überhaupt mit ihm sprach. Sie schnaubte leise und richtete sich auf.
Mit einem leisen Knacken brach sie die Spitze des Pfeiles ab, ließ sie in die Tasche gleiten. Den Rest des verkohlten Holzes ließ sie fallen.
Er prallte dumpf auf den Boden und in der Stille danach hallte nur das ferne Rauschen des Meeres – und der Nachgeschmack einer Nacht, die sie längst hätte vergessen sollen.

Jynela atmete tief durch, wandte den Blick ab und trat die Treppe hinab.
Und während ihre Schritte im Gang verklangen, blieb das Gefühl zurück, dass irgendetwas, irgendwo, wieder still geworden war, um zuzuhören.
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Aaryon von Hohenfels
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Re: [MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Koleopterologie


"Ich habe dir etwas mitgebracht", sagte Serina lächelnd und lud etwas von Trappel ab. Aaryon hatte erst gelächelt, dann irritiert die Stirn gefurcht. Holzrahmen, Glasscheiben... ihm fiel die Kinnlade ein wenig herunter, als er begriff. "Du hast jetzt wirklich ein Terrarium gebaut?!", lachte er und überlegte kurz überfordert, wo er das Ding, das angesichts der Leisten doch recht groß angelegt schien, hin stellen konnte. Eigentlich wollte er sie ungern im Haus haben. Aber wenn es im Garten stand, wollte er weder Fragen aufwerfen, noch, dass es überhaupt groß entdeckt wurde; zum Glück hatte er ein, zwei sichtgeschützte Ecken. Sogar Efeu wuchs hier an Spalieren, dass eine zufällige Aufklärung durch Luftspionage reichlich unwahrscheinlich war.
Aber vertrugen die Käfer Tageslicht? Immerhin lebten sie unterirdisch. Hm. Nun, ein Faktor mehr, den es zu erforschen galt.

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Einige Tage später holte er sich von Arne maßgeschnittene Platten aus Lydit. Nach wie vor wusste er nicht, ob sie Holz fraßen, aber es war anzunehmen, dass das kein ernstes Hindernis für die Viecher war.
Wobei? Er hatte im Käfergraben Holz gefunden, das zwar ziemlich verrottet, aber nicht angefressen wirkte, dabei tauchten hier immer wieder Käfer aus dem Boden auf.

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Sicher würde Serina identifizieren können, was das für Holz war. Oder sie entdeckte doch Fraßspuren. Außerdem bat er sie, ihm mehrere Späne der gerimorischen Holzsorten mitzubringen, damit er prüfen konnte, welche davon gefressen wurden.

Ein wesentlicher Fortschritt ergab sich, als er einen Abend im "Kleeblatt" mit Nyome sprach. Adelena wunderte sich zwar, warum zum Kuckuck der Studiosus sich so sehr für die Käfer interessierte und machte leichte Scherze, dass er wohl ein Forschungsprojekt gefunden hatte, aber er schaffte es, ihren direkten Fragen, warum er die Viecher studieren wollte, auszuweichen.
Dafür erzählte im die damalige Vogtin des aufgefutterten Adorans, dass die Käfer Basalt fraßen! HA! Zwar würde er das verifizieren, aber er machte innerlich einen freudigen Hüpfer! Außerdem deuteten bisher viele Hinweise darauf hin, dass sie Kalk bevorzugten: die meisten Gelege schienen sich dort zu befinden, wo die alten Gräber waren; fast alle Knochen dort zeigten Fraßspuren.
Kalk. "Wie für Mörtel... gnihihihihi..."
"Sie fressen alles. Außer Chirmit", berichtete Nyome.
"Und warum kein Chirmit?", wunderte sich Adelena. Aaryon fand das weniger verwunderlich. Die Vorstellung, dass diese dämonisierten Käfer in den Nilzadan zur Geburtsstätte der Götter vordringen könnte, war für ihn absurd.
"Und kein Lydit", fügte er stattdessen an, "schließlich ist doch das das Gestein, aus dem Adoran dann neu gebaut wurde. Ihr habt Lydit in die Fundamente mit reinmischen lassen?"
"Nein, Chirmit", korrigierte ihn die Erzmagierin und er wurde doch kurz etwas blass.
Himmel! Zum Glück hatte er in das mit Lyditplatten ausgekleidete Terrarium noch keine Käfereier eingesetzt gehabt!

*wenige Wochen später*

Unzufrieden stellte er fest, wie sich das Projekt in die Länge zog. Er wollte mehrere Proben von Cecilia analysieren lassen, unter anderem die Magensäure, aber sie war mit der Pflege von Rago beschäftigt, und er wollte ihr nicht noch mehr Arbei aufhalsen, bevor sie sich nicht anständig ausgeruht hatte.
Und er selber hatte so viel um die Ohren, dass er es nicht schaffte, Arne für Chirmitplatten für das Terrarium aufzusuchen. Eigentlich wollte er die Bodenproben auch Luisa oder Yette zeigen, um sicher zu gehen, dass die Eier bevorzugt in kalkhaltigen Boden gelegt wurden - aber ihn holte zunehmend das ein, was man gemeinhin "gesellschaftliche Verpflichtungen" nannte: Kindstaufe hier, Schiffstaufe da, neue Leibwächterin, Unterricht, und ab und zu musste er auch mit Valentin zusehen, Geld heran zu schaffen.
Ob er den Alsteds einen Zwischenbericht liefern sollte? Nachher dachten sie, er nähme die Sache nicht ernst...
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Aaryon von Hohenfels
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Re: [MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Es war soweit:
Das Terrarium war passgenau nun mit Chirmitplatten ausgekleidet, statt mit Lydit. Die Lyditplatten, die kaum zu was anderem noch zu gebrauchen waren, ließ er von Arne in handliche Bruchstücke zerlegen, um später die Käfer damit zu füttern. Zusätzlich hatte er knapp faustgroße Proben aller Gesteinssorten zurechtgelegt. Zudem hatte Serina alle auf Gerimor verfügbaren Holzarten in ähnlichen "Portionen" bereitgestellt.
Gestern erst kam ihm durch ein Gespräch mit Luisa der Gedanke, auch Metalle durchzutesten. Und Glas, natürlich. Auch wenn er sich bei Glas - geschmolzenem Quarz - keinerlei Hoffnungen machte, dass das die Käfer aufhielt, er würde es testen.
Achso ja und natürlich die drei Steinproben, die er von der Burg gesammelt hatte: zwei unterschiedliche Basaltarten und Mörtel; wahrscheinlich völlig gewöhnlicher Mörtel. Aber auch von diesem kratzte er eine kleine Probe ab und prüfte das.

Frau Mondschein hatte ihm zu den Bodenproben bestätigt, was er vermutet hatte: stark kalkhaltig. Warum er erst bei und nach dieser Aussage auf die Idee kam, das durch den Einsatz von Essig zuhause einfach zu prüfen, war eine andere Frage.
Aber er konnte nun anfangen! Beharrlich füllte er je zwei Eimer mit Erde aus dem Käfergraben, die er mit einem Strick zusammen band und mit einem beschworenem Pferd zur Villa brachte und dort das Terrarium befüllte. Nach jeder Ladung deckte er das Terrarium sorgfältig wieder mit den Steinplatten ab. Zum Einen, um den Einfall von Sonnenlicht auf die Erde zu reduzieren, zum Anderen, weil er keine Lust hatte, dass unbemerkt auch nur ein Käfer schlüpfte und eventuell ausbüxte. Fehlte noch, dass sein eigenes Haus durch die Käfer Schaden nahm! Oder die benachbarten Häuser - waren ja bloß das Haus der Gräfin und der Palast...

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Er atmete nach getaner Arbei durch und notierte das Datum der ersten Befüllung. Ein mal morgens und abends würde er nachsehen, ob sich was tat. Zudem stand eine Gießkanne bereit, um die Erde so feucht zu halten, wie sie im Käfergraben war. Leider würde der erste Schlupf, so er denn hoffentlich stattfand, nur einen ungenauen Anhalt geben, wie lange eine Ei-Phase währte, denn in der Befüllung waren höchstens mit Glück frisch gelegte Eier. Es würde mehrere Durchläufe brauchen. Und leider hatte er kein zweites Terrarium, in dem er geschlüpfte Käfer separieren konnte, als musste er diese zunächst so früh wie möglich töten.
Immerhin konnte er so leichter für Cecilia die benötigten "sauberen" Proben der Magensäure sammeln. Bei den ersten Proben hatte sie nur gefragt, wie er die Käfer getötet hatte, denen er die Säure entnahm - tja, mit Feuer, wie üblich... es war also anzunehmen, dass diese Proben in irgend einer Weise verändert sein konnten. Um die Käfer sicher zu ergreifen, hatte er sich von Arne eine Zange mit Greifflächen aus Chirmit fertigen lassen und einen Langdolch bereit gelegt, um sie mit einem gezielten Stich zu töten.
Wenn sie die Magensäure analysieren konnten, konnten sie heraus finden, ob man diese sammeln konnte. Womöglich gar "nachbrauen"? Was reagierte wie darauf, wenn es äußerlich mit der Säure in Berührung kam? Und: wie neutralisierte man sie?

Mehrere Schüsseln diesbezüglich vielversprechender Erde nahm er mit in sein Labor und durchsiebte sie gründlich, um heraus zu finden, was überhaupt die Käfereier waren und wie sie aussahen. Seine Anfangsvermutung lautete, dass die Käfer den Kalk ähnlich wie Hühner brauchten, um die Eischale zu festigen. Er zerlegte also jedes erdungewöhnliche Klümpchen, das er vor die Pinzette bekam. Alle so untersuchte Erde glühte er draußen an einem geeigneten Platz mit magischem Feuer gründlichst durch, um garantiert alles darin abzutöten, bevor er sie im Meer entsorgte. Zudem studierte er möglichst detailliert die Struktur auf der Liedebene. Nach einem ersten Testlauf zuhause tat er dies mehrmals auch im Käfergraben, denn eine weitere Vermutung von ihm war, dass die Käfer überhaupt bloß "überkäferische Größe" durch den nahen Sphärenschwachpunkt und die Präsenz des großen schwarzen Käfer-Externars, des "Käferon" erlangen konnten? Gab es also Verunreinigungen der Liedstruktur? Gar wiedererkennbare Muster? Konnte er gar die Sphäre lokalisieren, aus der sie kamen? Wobei er bei letztem Punkt kein unnötiges Risiko einging: er hatte mit Sphärenreisen bisher nur wenigste Erfahrungen. Hier würde er wohl Arenvirs Erfahrung und Anleitung brauchen. Und dieses Wissen diente eher nur der Befriedigung persönlicher Neugier und einem möglichst theoretischem "Für den Fall, wenn...". Niemand, wirklich NIEMAND wollte einen zweiten Fraßangriff auf Adoran!
"Abrissunternehmen von Hohenfels, welche Stadt möchten Sie zerstört haben?", murmelte er im väterlichen Zynismus trocken, während er eine Probe nach den Eiern durchsuchte und seine Gedanken kurz unkonzentriert abschweiften.

Nach und nach ergab sich ein ganzer Stapel an Fragen, die es abzuklären galt, zunächst für die Eier:
- in welcher Tiefe werden sie gelegt?
- wie lange braucht ein Schlupfzyklus?
- was genau kommt aus den Eiern heraus? Der Kenntnis üblicher Käfer nach müssten ja Larven schlüpfen, er hatte bisher jedoch nie welche gesehen.
- wie reagierten Eier und eventuelle Larven, wenn man sie gezielt dem Sonnenlicht aussetzte? Immerhin bevorzugten es die Käfer ja für gewöhnlich dunkel.
- wie empfindlich reagierten die Eier, wenn die Erde austrocknete?

Über die Larven, wenn es sie gab, wusste er bisher noch gar nichts. Gegebenenfalls würde es hier aber also zu den ersten Tests kommen, was sie fraßen, wie ihre Entwicklung verlief und auf was sie empfindlich reagierten.

Die Käfer... tja, an denen war fast am wenigsten zu studieren, denn wenn sie erstmal da waren, durften sich andere mit deren Vernichtung herum plagen. Trotzdem:
- was fraßen sie und was nicht?
- wie viel fraßen sie in welcher Zeit?
- durch was konnten sie sich notfalls befreiend durch beißen, auch wenn sie es nicht "aus Appetit" fraßen und durch was nicht, oder nur langsam? Dies würde später recht einfach zu erforschen sein: er brauchte bloß eine Ecke des Terrariums mit einer Platte des zu prüfenden Materials verschließen und dahinter zwei drei Käfer einsperren.
- wie verlief ihr Wachstum? War dies manipulierbar?
- ab wann und unter welchen Bedingungen vermehrten sie sich und wie viele Eier legten sie?
- wie reagierten sie auf Tageslicht?
- wie lange überlebten sie, bis sie verhungerten?
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Re: [MMT] Ein feste Burg wird sie gewesen sein

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Wieder nichts. Mürrisch furchte er die Stirn, denn es mochte gut möglich sein, dass das nur daran lag, dass noch nicht allzu viel Zeit verstrichen war. Aber wenn der Zeitraum bis zum Schlupf viel zu lange dauerte, würde seine Idee, wie man die Eier in die Burg bringen könnte, fast undurchführbar werden.

Aber vor allem hatte er den Eindruck, dass es zu kalt war! In der Höhle der Käfer war es nun zwar sicher nicht kuschelig warm, aber ... nun ja: gleichmässig kühl.
"Jetzt entwickle ich schon Feingefühl für KÄFER?! Ganz toll, Aaryon, wirklich, ganz toll!", schüttelte er für sich den Kopf und grübelte trotzdem.
"Ich könnte Ziegelsteine ins Terrarium legen und sie regelmäßig so weit erwärmen, dass die Erde eben nicht durchfriert", sinnierte er später in Serinas Gesellschaft. "So ein Blödsinn", dachte er noch etwas später wieder am Terrarium stehend, "wenn da schon Steinplatten drum rum sind, brauch ich doch nicht noch Ziegelsteine..." Er fing also an, die Chirmit-Verkleidung zu erwärmen. Gleichmäßig und moderat. Dass der Innenraum des Terrariums mit den Platten komplett umschlossen war, machte die Sache nun tatsächlich einfacher, und der sorgfältig schließende Steindeckel hielt die Wärme eine Weile gut drinnen.
Ein paar Stunden später das gleiche Spiel... Nun musste er heraus finden, welchen Zeitraum es im Schnitt brauchte, um die Erde vor der Durchfrostung zu schützen, klasse. Wenigstens stand das Terrarium gut witterungsgeschützt.
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