[MMT] Blutherbst - Mauer um Mauer, Stein um Stein

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Aaryon von Hohenfels
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Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Doppelt überrannt
Das Lager wurde bereit gemacht, um verlassen werden zu können.
Was so harmlos klang und so überwiegend geordnet wuselig wirkte, machte ihn innerlich so nervös und äußerlich so gesammelt und bei sich wirkend wie eine maximal zusammen gepresste Sprungfeder. Alle überflüssigen Pferde wurden fort gebracht. Die Katapulte nicht. Sie würden sie auch sicher nicht umsonst her gebracht haben, und er wunderte sich glatt, dass sie diesen dritten Tag überhaupt noch erlebten. Die ganze Zeit war ihm immer wieder der Gedanke gekommen, was Arenvir und sein Meteorregen mit diesem Holzlager, den Katapulten und den Zelten angestellt hätten: 'gefeiert'.

Aber nun gut. Die Steine lagen bereit, fast alles war gepackt, viele aßen noch eine Kleini...
"FEINDKONTAKT IM SÜDEN!"
"Das müssen sie dringend noch zu präzisieren lernen", schüttelte Aaryon fast synchron mit Valentin leicht den Kopf und beobachtete, wie viele Leute sich in Bewegung setzten. "Eine Rashari auf ihrem morgendlichen Waldlauf? Oder zwei handvoll Rabendiener, die sich vor dem Tor postieren?" "Komm...", sagte er nur leise, und Valentin folgte ihm. Zum Nordtor. Sie hatten schon in den wenigen Tagen zu viele Ablenkungsmanöver erlebt, um dieses nun verwaist zu lassen. Und so nickte er zufrieden, als er den Wachturm und die Plattformen am Nordtor trotz des Alarm besetzt vorfand.
Der junge Herr Taran, den er eigentlich als Heiler kennen gelernt hatte, marschierte an ihnen vorbei, öffnete das Tor und ging unter den ungläubigen Blicken aller Beobachter dieses Vorganges nach draußen.
"Öhm?", entfuhr es Valentin, ein "Was zum..." war von Gardist Elsinga zu hören.
"Auf eigene Gefahr", stellte Aaryon fest, auch wenn er die Skepsis teilte. "Aber nein: ihm werden jetzt nicht ungeordnet einzelne Leute hinterher laufen!"
"Ist der lebensmüde?!", rief Elsinga aus, was alle dachten und Aaryon befürchte, dass das jetzt der Punkt sein könnte, wo sich jemand oder etwas in Gang setzte, was sie dann nicht mehr aufhalten konnten...
"Ignorieren, weiter Wache", sagte er also viel härter und vor allem ruhiger, als er es gerade fühlte.
"Jawohl, Hochedler." Die aufgewallte Unruhe legte sich und alle sahen wieder nach draußen. Keiner hörte, wie dem jungen Studiosus ein Stein vom Herzen fiel.
"Wieso hören die eigentlich auf mich...?", raunte er, damit nur sein Leibwächter den Zweifel hören konnte: "Als hätte ich Befehlsgewalt..."
"Weil Ihr ein Hohenfels seid", erwiderte Valentin, als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt.
"Ist das so?", grübelte Aaryon, während er pflichtbewusst das geschlossene Tor anstarrte, als würde er freiwillig keinen fingerbreit Boden preis geben, während er eigentlich Angst hatte, dass gleich links und rechts die Wachen getroffen von ihren Plattformen fielen, das Tor aufkrachte, ein schwarzes rahaler Heer sich ins Lager ergoss und ihn als einen der ersten überrollte, während sie allen anderen in den Rücken fielen. "Ist das so? Nur weil ich ein 'von Hohenfels' bin? Dulden sie mich nur und gehorchen, so wie du, Valentin, eigentlich bloß meinem Vater?
Aber viele können mit dem Namen doch eigentlich schon fast nichts mehr anfangen. Sie bräuchten sich doch nur auf den hiesigen Adel oder ihre eigenen Vorgesetzten berufen.
Die sind aber gerade nicht hier. Wozu sollten sie sich auflehnen oder verweigern?
Ich bin hier nur Hochedler.
Du gibst doch keine unsinnigen Anweisungen. Du bekräftigst sie nur in einer Richtung, die ohnehin notwendig ist.
So, wie Vater?
So wie Vater."

Ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen und schien zeitlich schon kaum noch etwas mit Valentins Antwort zu tun zu haben.

Das Tor öffnete sich. Aber herein kamen nur erst Taran und bald darauf mehrere Thyren und Alaun. Sie hatten wirklich den Nerv gehabt und waren durch Grenzwarth marschiert, um letzte Verbliebene vor dem zu erwartenden Katapultbeschuss zu warnen. Sie hatten aber kaum wen gesehen. "Schien schon recht leer zu sein", meinte Djurgeirr. "Naja, 'recht leer' war es schon vor dem Angriff", erwiderte Aaryon trocken, "Halb bewohnt, bestenfalls. Wäre hier nicht diese verdammte Blauhaut-Festung, wäre mir dieses Nest absolut egal."
Ob sie den Ort aufgeben würden? So lange und ungestört, wie die Katapulte schossen, wirkte es, als wäre dem Feind die Siedlung selber egal.
"Nachladen", hieß es immer wieder. Sie verschossen tatsächlich sämtliche bereit gelegten Felsen, und das waren nicht wenige gewesen. Der Wehrturm, um den tags zuvor gekämpft worden war, brannte lichterloh.
Dann geriet mehr und mehr Bewegung in alles:
"AUFMARSCH IM NORDEN!" Dunkler Nebel waberte aus dem Wald heraus. Stöhnend wankten Untote auf das Nordtor zu: Zombies. Ganze... zwei.
Innerlich nickend wunderte sich Aaryon nicht, als die nächsten Alarmrufe von Südtor kamen und auch dringender klangen. Wenigstens schwappten nun nicht sämtliche Bewaffneten hin und her, bis sie aus der Puste waren, sondern ein Teil verharrte, wartete ab.
"Valentin? Robe oder Rüstung?"
"Ihr seid in der Robe eine Zielscheibe..."
In Ordnung. Er ließ die dünne Herbeirufung der Robe fallen und legte den grünen Umhang an. Sattgrün wie sein Wappen, und das fast völlig weiß gebleichte Balronleder, das Emilian erst vor wenigen Tagen fertig genäht hatte.
"Weniger Zielscheibe", nickte Valentin und gab sich damit schon zufrieden. Adel verpflichtete eben.

Es schien sich im Süden zu sammeln.
Sir Heinrik nahm, was noch beim Nordtor stand und führte die Leute in gestrecktem Schritt um den kleineren der Gebirgsausläufer herum nach Süden. Aaryon schwang sich auf den Krücken mit und war glatt stolz, dass er einigermaßen folgen konnte. Sie betraten den schmalen Waldausläufer, der an die Spitze der schwarzen Felsen stieß. Die ersten hatten ihn durchquert, Aaryon stand mitten drin, als er Sir Heinrik hörte:
"Ritter Drapenstein." Es klang glatt wie eine höflich-kühle Begrüßung. "Wir fallen den Feinden in den Rücken!", frohlockte Aaryon. Die Freude wich mittelprächtigem Entsetzen, als er registrierte, dass direkt auf der anderen Seite des Baumes, wo er stand, eine Klerikerin war - eine Hohepriesterin des Panthers! Die Robe und die Selbstverständlichkeit ihrer Haltung ließen kaum einen anderen Schluss zu. "Das wird hart!" Oder noch härter: Die handvoll, die sie stellten, schien nur ein Lockvogel gewesen zu sein. Während Aaryon noch fast wie gelähmt war und sich nicht recht traute, dem feindlichen Ritter näher zu kommen, strömten erst seine Leute an ihm vorbei, auch Valentin ging auf die Wiese... und er kam mit diesen verdammten Krücken im weichen Waldboden kaum voran, verflucht! - und dann kamen da Feinde. Viele Feinde.
Sehr viele.
"Scheiße, ich bin tot!"
Er stolperte zur Seite, drohte zu fallen, ließ sich auch fallen: in ein Gebüsch. Neben einem Stein. Und so, wie er zuerst die Tetrarchin im Gewirr der Bäume übersehen hatte, schien auch er nun übersehen zu werden - und er tat alles dafür, dass es auch so blieb! Das Gebüsch war hoch, und neben ihm war ein halbrunder, sperriger Felsen...
Moment, er erkannte, wo er war: hier hatte Andra doch lauter Fallen ausgelegt, weil man vom Felsen aus über die Palisade sehen konnte?!
Tatsache, da lag auch eine: regelrecht sauber abgebaut und zusammen gelegt. Wer auch immer das gewesen war, Aaryon dankte ihm in Gedanken kurz, aber heftig, weil er sich nicht ausmalen wollte, wie er hier in eine von Andras Fallen gelaufen aufgeschrien und damit garantiert sämtliche Aufmerksamkeit all dieser Letharen, Rabendiener, Schwarzgerüsteten und Arkorither auf sich gehabt hätte...!

Stattdessen beobachtete er, wie all diese finsteren Gestalten sich gruppierten und ihrerseits vorbereiteten: Rabendiener stimmten dunkle Liturgien an, dunkler Nebel wallte zunehmend durch die Bäume, und aus dem matschigen Waldboden gruben sich nicht nur Zombies, sondern auch Skelette und sogar ein Lich. "Die werden mich entdecken!" Nein. Sie folgten stöhnend, grunzend und klappernd ihren Beschwörern.
"Studiosus!", hörte er Lester rufen, "Zu mir!"
"Tut mir leid, ich kann grad nicht!", brüllte er zurück und hoffte, dass er es nicht tatsächlich laut gedacht hatte, während er auf die Bündelung schwarzer Arkoritherroben in seiner Nähe starrte. Ob es eine Espe war, zwischen deren Laub er gerade hockte? Er zitterte jedenfalls wie welches. Er hörte das Zischen von Letharen und hätte sich am liebsten in den Boden vergraben, aus dem das Skelett sich gerade raus gebuddelt hatte. Unsichtbarkeitstrank? Er hatte Angst, dass ihm die Phiole aus der zitternden Hand fiel. Zum Konvent teleportieren? Er hätte sich nicht mal konzentrieren können. Und irgend etwas in ihm weigerte sich selbst jetzt, sich einfach 'zu verpissen', während seine Leute sich erst zum Kampf stellen mussten.
Vielleicht zogen die Rahaler vorbei und er konnte in ihrem Rücken...
da bekam er einen Tritt in den Rücken ab, sah eine Frau stolpern und zog den Kopf ein, sank völlig in sich zusammen. "Jetzt ist es aus.
Sie wird mich sehen. Sie kann mich gar nicht übersehen."

Doch. Konnte sie. Denn in dem aufgezogenen dunklen Nebel war seine Rüstung beim besten Willen nicht vom hellen Stein zu unterscheiden, an dem er hockte, und sein fröhlich-grüner Umhang entsprach fast den Blättern des herbstresistenten Gesträuchs, in dem er hockte. Selbst seine Krücken fielen hier als so etwas ähnliches wie Äste kaum auf. Lange verschwendete die Frau auch keine Zeit auf den Grund ihres Stolperns: "Ich hab da noch was", sagte sie und hängte einen Beutel an die Palisade - offenbar gefüllt mit Schwarzpulver. Tatenlos musste Aaryon mit zusehen, wie keine fünf Schritt von ihm entfernt ein Lethar mit einer Feueraxt auf die Palisade einhieb und sich offenbar genau so gerne auf die andere Seite gewünscht hätte wie der junge Magier - nur aus anderen Gründen.
"INS LAGER!", brüllte Heinrik und Aaryon heulte fast. "Würd ich gern!"
Endlich bewegte der schwarze Pulk sich weiter. Er hockte da immer noch wie gelähmt. Wenn er sich jetzt bewegte und auf die Wiese trat, würde der Feind ihn dann entdecken? Er musste sich aber bewegen: in seiner Nähe waberte ein Lavaelementar über den Boden und drohte das Holz in der Nähe anzuzünden. Aaryon wusste hinterher gar nicht mehr, wie er es zurück in den Stand geschafft hatte, aber er torkelte an den Waldrand.
Da! Valentin! Er kam in seine Richtung und winkte ihn mit heftiger Geste heran.
"Kommt!"
Ohne viel Federlesens lotste er den kalkbleichen jungen Mann ins und durchs Lager.

Es blieb keine Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Nun an der Nordpalisade war Lester dabei, sowohl die offenbar zwischenzeitlich in Flammen gesetzte Palisade zu löschen und gegen Kreaturen vorzugehen, die draußen gegen die rußgeschwärzten Balken hämmerten. Aaryon eilte einfach näher und stellte ihm seine Kraft zur Verfügung, die der Magister dankbar aufnahm.
Ausfall. Es ging nicht anders: sie würden in Grenzwarth kämpfen müssen.
Mit leichtem Kopfschütteln versuchte Aaryon, Schritt zu halten, bis er keuchend nicht mehr konnte und Valentin ihn anwies, an einem Heuwagen auf ihn zu warten. "Das kann's nicht sein!", dachte er frustriert, als er wieder zu Atem gekommen war und lauschte in die Stille und den Lärm: da. Eine Häuserecke weiter sah er mehrfach blau-gold vorbei hasten! Hinterher.
Er verlor völlig den Überblick, wo sie waren. Oder so ziemlich. Eigentlich orientierte er sich mehr am Lärm und dem magischen Geknister diverser Wände. Und an den Rücken seiner Leute. Er fühlte sich wie in einem Meer, wenn die Brandung einen hin und her warf.
Da, Innes! Er hatte zuvor gemerkt, dass sie häufig in seiner Nähe gewesen war, aber plötzlich sah er sie an einer Gebäudeecke im Gras liegen. In ihrer Nähe brannte etwas. Feinde waren nicht weit weg, aber ein paar seiner Leute hatte er noch vor sich... ohne nachzudenken, zog er Innes einen, vielleicht anderthalb Schritt fort, weg von den Flammen, dichter ins hohe Gras, nur hoffen könnend, dass sie so übersehen wurde wie er zuvor. "Valentin wird stinkig, wenn er sie verliert!", war die völlig logische Motivation.

Bald darauf war es Valentin selber, zu dem er sah, denn sein Leibwächter folgte nicht, dabei rückten Feinde näher! Paralysiert? Mitten auf dem Weg stehend hielt Aaryon inne und versuchte allen Ernstes, Valentin mit einem kleinen Energiefunken zu treffen, um die Starre zu lösen, als er sah, dass es zu spät war: mehrere Gegner waren heran und mähten ihn nieder. "Ich glaube, du hättest gerade besser 'Mikh! ROT!' rufen sollen, wir hatten doch vereinbart... oder wo sind die anderen?"
Er kam nicht ein mal so weit, seinen Blick um 180 Grad zu wenden: Als er von Valentin aus nach links blickte, sah er gerade noch das schwarze Pferd von ... wie hatte Heinrik ihn genannt?
Bild
Drapenstein.
Und wohl noch ein paar andere.
Zuletzt geändert von Aaryon von Hohenfels am Montag 6. Oktober 2025, 18:14, insgesamt 1-mal geändert.
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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Helisande von Alsted
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Registriert: Mittwoch 8. Mai 2013, 05:42

Beitrag von Helisande von Alsted »

Gewinner haben keine Angst vor dem Verlieren.
Verlierer schon. Misserfolge sind Teil des Erfolgsprozesses.
Wer Misserfolge vermeidet, vermeidet den Erfolg.

Robert T. Kiyosaki



Sie spielten mit ihnen. Katz und Maus vom Südtor zum Nordtor und zurück. Sie duckte sich aus dem Tor heraus und rannte nach Westen. Das brennende Pulver flog ihr um die Ohren, die Luft roch nach Schwefel. Scheiß. Elende Scheiße! Einen Pulverbeutel konnte sie wegtreten, ein Regimentler mühte sich mit einem Fass ab, das der Feind an die Westpalisade gestellt hatte. Ein Warnruf von oben. Dann der Einschlag
Ein Brandpfeil steckte in ihrer Brustplatte, sie spurte wie sich die Spitze in ihre Schulter bohrte. Reflexiv griff sie zu und riß den Pfeil heraus. Der Schmerz in der Hand rüttelte sie wieder ins Bewusstsein zurück. Sie warf sich auf den Boden und rannte gen der brennenden Palisade. Ihre Befehle wurden gehört und weiter gegeben. Sie hörte das Zischen von Wasser, man löschte. Temora sei gepriesen.

Der Befehl zum Sammeln kam, alle waren ausgerüstet und sie rückten vor nach Grenzwarth. Angriff. Sie hielt sich an Rago, Heinrik und Thorlav sie rannten mit gezogenen Waffen auf die Gegner zu. Schildwall voran. Hinter ihnen die Gebet der Geweihten und das Surren der Pfeile der Schützen. Der Kampf wogte hin und her, immer mal wieder stürzte ein Gegner zu Boden, dann riß es einen aus ihren Reihen. Der Lethar auf seiner Dreckechse, den würde sie sich holen! Jedesmal jedoch rannte sein Vieh in Deckung als hätte es den Herd angelassen. Drappenstein, da war er wieder hinter seinen Reihen verschwunden. Dann traf sie ein wuchtiger Hieb aus dem Nichts, die Klammer der Rabendinerflüche legte sich über sie...

Das Lager wurde aufgegeben. Cecilia hatte die Packpferde fertig. Die Triage der Verletzten war schnell und nüchtern, dann wurde abtransportiert nach Menek'ur. Sahid führte sie sicher durch die Durrah und dann auf die Schiffe. Die Heiler hielten alle am Leben und flickten das Gröbste schon mal im Schiff zusammen. Die Verbrennung an ihrer Hand begann zu pochen. Ignoriert bis jetzt. Jetzt nicht mehr zu ignorieren.

***
Sie wurde wach im Hospital von Adoran. Sie hatte traumlos geschlafen in Heinriks Arm. Er hielt immer noch ihre verbrannte Hand geschützt, doch die Hand war nun gereinigt und versorgt. Auch der Schmutz war aus ihrem Gesicht gewaschen worden. Sie wurde wach von Kinderkörpern, die auf das schmale Bett kletterten. Ihre Augen klappten auf. Kinderküsse auf ihren Wangen.
"Wie kommt ihr hier her?!"
"Ducken und Rollen, Ablenkung nutzen." Conrad war wieder altklug über seine Jahre hinweg.
"Helleth fragt die Heiler wegen der Versorgung deiner Hand und wir sind durchgewischt, Mama." Wenigstens kam von Rikard ein anständiger Bericht. Aleva kam auf ihren kurzen Beinen auch hinterher gestoppelt und lies sich von ihren Brüdern in einer offensichtlich geübten Operation auf das Bett hochziehen.
"Papa släft"
"Aye, Papa schläft noch. Lass ihn schlafen aye? Papa hat Mama gerettet und braucht noch Ruhe". Ein Kleinkindernicken erfolgte, dann mit der groben Anmut zu der nur kleine Kinder fähig sind, warf sich das Mädchen auf Heinrik und ruschte in seinen Arm. Mit dem Popo wurde die Mama rigoros zur Seite gedrängt. "Aleva auch slafen!"
So lagen sie noch eine Weile gemeinsam im viel zu schmalen Hospitalbett. Zurück. Lebend und irgendwie doch siegreich.
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Aliyahna
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:19

Beitrag von Aliyahna »

Hier lagen sie nun also, die Toten. Die, die ihren letzten Kampf hinter sich hatten und einziehen durften, in sein Reich -
das Reich Nileth Azhur.
Mit Leichentüchern bedeckt und nebeneinander aufgebahrt, am Schrein der blutroten Hand. Dort wurden sie hingebracht, auf Befehl der Tetrarchin. Im Freien brannten sie besser.

Gedankenverloren ruhte der Blick auf den Toten, als ein Messdiener mit der brennenden Fackel näher trat.

„Dir zu dienen, heißt sich völlig aufzugeben, denn nur in Nileth Azhur, an deiner Seite können wir zur absoluten Vollkommenheit finden.“

Einer der zehn Leitgedanken - der letzte - zog in ihren Gedanken vorbei.
Vollkommene Aufgabe. Ein Ziel, das zu erreichen nicht einfach war. Und doch strebten alle wahrhaft Gläubigen danach.
Für den All-Einen zu sterben, welch höheres Ziel konnte es geben?

Der Geruch verbrannten Fleisches riss die Tetrarchin aus ihren Gedanken. Kein angenehmer Geruch und doch war er ihr in den letzten Jahren zu vertraut geworden. Nicht die letzten Streiter des alatarischen Reiches würden hier und heute ihre letzte Reise antreten. Nein, viele würden noch folgen. Denn der Kampf gegen die Fehlgeleiteten war mühsam und oftmals zermürbend.

Kniend vor dem Altar des Schreines sprach Aliyahna das letzte Gebet für jene, die in der Belagerung der Irrgläubigen gefallen waren.

Allmächtiger,
Jene, die ihr Leben für dich gaben,
taten dies in dem Wissen, dass der Feind zurück getrieben wurde,
geschlagen im Kampf, den wir in deinem Namen führten.
Niemals werden wir zulassen, dass die Falschgläubigen sich im Reich breit machen.
Mit aller Härte müssen wir sie verfolgen und auslöschen.
Erst wenn der letzte Ketzer gefallen ist oder deine Allmacht anerkennt,
werden wir ruhen.

Blicke auf deine treuen Diener, die am gestrigen Abend gefallen sind.
Mögen ihre Seelen in dein Reich finden und mögen sie dort ihren rechten Platz einnehmen.
Wir trauern nicht um die Toten, denn wir wissen, dass sie ihr höchstes Gut gaben. Ihr Leben.
Auf ewig werden wir dienen, ob hier auf der Irdischen oder in deinem Reiche.
Unser Leben, unsere Seelen sind dein.



Nachdem das Gebet gesprochen war, gab es nicht mehr viel zu sagen.
Die Toten brannten und schon bald würde der Wind ihre Asche davon tragen.

Mit steinerner Miene verfolgte Aliyahna das brennende Schauspiel, bis der Rauch sie zwang, die Augen zu schließen.
Die Finger der behandschuhten Rechten schlossen sich fest um die silberne Gebetskette in ihrer Hand.
„Büßen sollen sie, für die Frechheit, sich in das heilige, alatarische Reich zu wagen!“, sprach die Templerin so leise, dass der Wind, genauso wie die Asche, auch ihre Worte forttrug.
Zuletzt geändert von Aliyahna am Montag 6. Oktober 2025, 21:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Aliyahna
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:19

Beitrag von Aliyahna »

Die Dunkelheit hatte sich bereits über die Welt gelegt wie ein Totentuch, als Aliyahna in ihrem Polstersessel vor dem Kamin saß und die Flammen beobachtete.
Hier, in ihrem Heim, durfte sie alle Masken fallen lassen. Nun kroch Wut in ihre dunkelbraunen Augen und mischte sich mit dem flackernden Licht.
Die Flammen loderten unruhig in dieser Nacht, als ob sie spiegelten, wie es im Inneren der Templerin aussah.

Am Ende hatten sie den Sieg errungen und den Feind vertrieben. Aber warum schmeckte jeder Erfolg und jede Niederlage am Ende immer mehr nach fahler Asche in ihrem Mund?

Die Wunde an ihrer linken Schulter juckte. Eine lästige Erinnerung, an diese verfluchte Heilerin. Drei Tage war es nun her, als sich der Feind tief in das alatarische Reich gewagt hatte. Erste Kämpfe und Scharmützel fanden sich schnell.
_______________


Mit erdrückender Macht, der Macht des All-Einen, wollte Aliyahna eine Temorapriesterin in die Knie zwingen, ihren Willen brechen. Sie und ihre Mitreiter hatten sich Grenzwarth als Ziel auserkoren. Also waren sie losgezogen, die Streiter des heiligen Reiches, unter der Führung des Ahads, um sich dem Feind entgegenzustellen.
Aliyahna schnaubte beim Anblick der Verblendeten. Vermutlich war es diese Priesterin, die die Dreistigkeit besaß Laternen und Bücher vor die Pilgerstätte zu legen. Ein Buch mit den Tugenden der Temora. „Pah, schwächliche Gedanken und schöne Worte, die keinen Sinn ergeben.
Behalte dein Licht und deine Hoffnungen, deine Ehre und Demut. Du wirst die Allmacht des Herrn schon noch zu spüren bekommen!“

Zugegeben, einfach war es nicht. Die ihr unbekannte Priesterin war zäher, als gedacht. Aliyahna musste mehr Kraft aufbringen, als ihr lieb war, aber am Ende konnte die Priesterin der Gegenseite dem Sturm nicht standhalten. Gleich würde sie niedergezwungen, gleich brechen – da kam der Schuss.
Zu sehr ins klerikale Gefüge vertieft, hatte die Tetrarchin den Blick für das Irdische verloren. Erst als der Bolzen ihre Schulter durchbohrte, riss der glühende Schmerz sie ins Hier und Jetzt. Während die Heilerin bereits den nächsten Bolzen lud, ging Aliyahna rasch hinter den Pferden in Deckung. Und da war dann plötzlich Kevke, der für Ablenkung sorgte, indem er Skelette und andere Kreaturen zum Feind schickte.
Aliyahnas Einfluss auf die Priesterin ebbte ab, doch in einem letzten Aufbegehren entlud sie Zorn und Schmerz sturzflutartig auf die Heilerin Esther.
Ein letzter Abschiedsgruß, bevor zum Rückzug gerufen wurde.


_______________

Aliyahna starrte bei der Erinnerung mörderisch ins Kaminfeuer.
„Dich krieg ich noch, Esther“, zischte sie. Ein Versprechen, dessen Zeuge nur die Hauskatze war, die sich davon nicht beeindrucken ließ.
„Und dich auch, Priesterin“.
Ein leiser Schwur. Dann Stille, die nur vom leisen Knacken des Kaminfeuers unterbrochen wurde.
Zuletzt geändert von Aliyahna am Dienstag 7. Oktober 2025, 21:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Lester van Schrevenau
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Registriert: Freitag 8. Mai 2020, 16:07

Beitrag von Lester van Schrevenau »

Es war ausreichend.

Der Geruch von verkohlten Holz lag dem Magister noch auf der Zunge. Es war nicht der frische Rauch der ein geselliges Lagerfeuer, sondern eher dieser ganz typische Geruch, den ein erloschener Brand hatte, wenn das Holz schon feucht vom Morgentau oder Regen wurde. Unangenehm. Der frische Brand war ihm deutlich angenehmer gewesen, aber allzu oft war es so, dass es nach der Schlacht selten schöner war, als vor ihr.
Das Lager ist gefallen, was kein großer Verlust war. Die paar Zelte und Palisaden könnte das Regiment sicher verkraften, die gefallenen Männer und Frauen wohl eher weniger. Aber wenn es danach ginge, müsste man die Insel verlassen, sie im Meer versenken und dann alles neu aufbauen, ohne ein Rahal oder Düstersee. Eigentlich ein beruhigender Gedanke.
Immerhin wäre dann auch Varuna weg. Ein Ort, mit dem der Magier durch sein Erwachen verbunden war und der ihn in unruhigen Nächten wiederkehrend heimsuchte. Der Wunsch nach einer Flamme, so mächtig, dass sie niemand löschen könnte und die Varuna für immer reinigen würde war vorhanden. Und doch wusste er, dass dies nur seine Karikatur einer Hoffnung auf eine bessere Zukunft war, in der das Leid der Seelen in Varuna ein Ende haben könnte. Dieses Feuer war er nicht. Er war nur einer von vielen Funken.

Feuer wärmt, Feuer vernichtet.

Und so war das Chaos des Feldzuges der ideale Rahmen, um frei von Tadel oder Strafe seiner Natur zu folgen. Diesmal hat es Grenzwarth getroffen. Getrampel, Gebrüll und Hektik: während die anderen den Turm in Brand steckten, nutzte der Magister die Chance und lies die Flammen auf andere Gebäude überspringen. Das Element war in reichlicher Menge vorhanden und so war es ein leichtes einige der Flammen auf andere Gebäude überspringen zu lassen. Ein Surren erklang im Lied, als hätte man über eine Harfe gestriffen. Entlang eben jenes Fadens aus Luft sprang das Feuer vom Turm auf ein Haus und ein zweites danach...
Was sollte schon geschehen? Es war kein anderer Liedwirker im Trupp anwesend und selbst wenn, was dann? Würde man ihn dafür tadeln, dann könnte er es abstreiten oder behaupten es wäre ein Versehen. Vielleicht waren auch Gardisten im Gebäude und bereiteten einen Hinterhalt vor? Die Möglichkeiten wären endlos und so ist es ein erheiterndes Gedankenspiel gewesen, sich mögliche Ausreden für das Geschehene einfallen zu lassen. Nur ungeschehen machen wolle er es nicht und würde er es nicht, selbst wenn es in seiner Macht stünde. Er fühlte sich ausgeglichener und besonnener, als hätte das Feuer etwas Schmutz von seiner Seele hinfortgebrannt. Ein Unbehagen, dass ihn lange begleitete und doch dessen Ursprung er noch nicht kannte. Kam es auch, dass er dafür im Nachhinein umgeritten wurde und im Dreck lag war dies doch ein Preis, den nur er persönlich zahlen musste. Und auch wenn die Erfahrung ihm immer noch in den Knochen lag, sicher noch Tage spürbar war, so würde er am Ende nur einige Wochen davon abgeschreckt werden, den Konflikt erneut zu suchen. Wie ein Brand, dessen Glut nach dem Löschen noch heimlich weiter glimmt, nur um wieder beim nächsten Windstoß aufzuflammen.

Katharsis.

Der Magister schmunzelte leicht und blickte aus dem Fenster zur untergehenden Sonne, als er die Kleidung in die Holzwanne tunkte und wieder mit der Lavendelseife über das Waschbrett trieb. Im Hintergrund flackert das Licht der Öllampe leicht. Es roch angenehm.
Schon bald würde der Geruch des kalten ausgebrannten Holzes verflogen sein - und keiner im Osten würde sich mehr daran erinnern.
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Keylon von Salberg
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Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Keylon von Salberg »

Tagebuch Angriffsoffenive Goldblatt unter dem Grafen und Kronritterpaar Alsted

05. Goldblatt 268


Dieser Tag verlief für ihn Ereignislos.
Pläne wurden geschiedet.
Cecilia sorgte für ihr Leibliches Wohl.
Immer wieder tauchte sie irgendwo auf, verteilte Brot Tee oder Eintöpfe. Keiner musste Hungern
Fast machte er sich ein wenig Sorgen um die junge Heilerin. Sie sorgte sich immer um Alle ohne dabei richtig auf sich selber zu Achten.

Dann war da noch Gwenna.
Immer wieder suchten seine Augen die Hochedle. Das sie dabei war, war zwar einleuchtend, sie bekam so direkt alle mit für ihre Zeitung, doch war eigentlich klar das es noch zum Kampfe kommen würde, und er hoffte das sie in dem Getümmel nicht umkommen würde.
Er wusste nicht einmal ob sie eine Rüstung trug. Er hoffte es zumindest.
Wenn nicht würde er dafür Sorgen das sie in naher Zukunft eine bekommen würde.

Die Spannung in ihm nahm zu, je später es wurde.
Dann riefen die Geweihten zum Gebet, und Keylon folgte dem Ruf sofort. Es war ihm ein Anliegen den Segen Temoras zu empfangen. Es war immer eine Offenbahrung für ihn wenn sie den Segen sprachen und er fühlte sich danach immer gänzlich von ihrer Kraft umfangen.

Nach dem Gebet rief Helisande ihn auf, und er straffte sich sofort. Noch immer, seit seiner Regimentszeit versuchte er sich ihr zu beweisen.
Sie gab ihm den Auftrag mit einem Trupp aus zu ziehen um den Wachturm nieder zu brennen.
Sie selber würde den Angriff mit den Katapulten leiten.
Düstersee würde Leiden so wie es Berchgard getan hatte.
Stein für Stein ... Feuer für Feuer.
Er besorgte das Fass Brandöl und übergab dieses seinem Knappen Siran.
Dann brach man mit einem Trupp auf.
Weit war der Turm nicht. und als man ankam befahl er Siran das Öl zu verteilen, Oben an zu fangen.
Dann entzündete er die Fackel.
Gerade als er diese in den Turm werfen wollte trat Gwenna neben ihn und meinte kühl
„Ich muss das sehen ... Für Berchgard.“
Keylon verstand sie nur zu gut und Kurzerhand wiederholte er die Worte. „Für Berchgard“
um dann die brennende Fackel mit diesen Worten der Vogtin zu übergeben.
Sichtlich gefasst trat sie in den Eingang des Turmes und war die brennende Fackel ins Innere.
Das Brandöl tat sein Bestes und der Turm meist aus Stein begann lichterloh zu brennen.
Die Flammen schlugen in die Höhe, fraßen sich durch das Innere und man konnte sich sicher sein das sie diesen vernichten würden.
Sicher war das der Rauch Kilometer weit zu sehen sein würde. Der Feind würde sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.
So befahler er direkt den geordneten Rückzug.
Man konnte jetzt alles, nur in kein Scharmützel geraten.
So kamen sie zurück ins Lager, wo die Katapulte „heiß liefen.“
Stein um Stein schoßen sie gen der Häuser, und es dauerte wirklich nicht lange bis der Feind erwschien.
Kurz probierten sie im Süden ein Ablenkungsmanöver zu starten, während sie begannen zu versuchen ins Lager ein zu dringen, und sich im Norden zu sammeln.
Als der letzte Fels verschossen war, wurde klar das sie nur kämpfender Weise aus dem Lager gelangen konnten
Keylon schlug vor im Süden aus zu fallen um den Feind von hinten her an zu greifen, da man im Norden nicht hinau kommen konnte, und so hielten sie es auch.

Doch der Feind schien ihren Schachzug zu erahnen. Kam ihnen schon entgegen
Schnell spielte man Katz und Maus miteinander.
Sie durften ihm nicht auf freiem Feld begegnen, so viel war sicher so wich man ihnen immer wieder aus.
Zogen sich bis nach Düstersee zurück zwischen die Häuser und dann ...
Begann die Schlacht.
Diesmal waren es keine geordneten Kämpfe.
Man schlug auf Gegner ein, blieb zusammen in Trupps um sich ein oder zwei Gegnern zu stellen.

Inmitten der Kämpfe vermochte er nicht mehr auf Gwenna zu achten und konnte nur hoffen das es ihr gut ging.
Dann sah er seinen Bruder Rago. ..
Wie immer hatte sich der Kalure in die Schlacht geworfen, und war diesmal von mindestens 6 Kämpfen umringt.
Sofort begann er sich vor zu kämpfen um um ihm zu Hilfe zu eilen, was ein Feher war.
Er hatte sich damit von der Haupttruppe entfernt und war denn selber von 4 Feinden umgeben, die er nicht ab zu schütteln vermochte.
Das letzte was er spürte war ein Axthieb der in seiner Schulter einschlug, abgebgebremst von dem Stahl seiner Rüstung, dann noch einen Schlag gegen seinen Kopf und er verlor das Bewusstsein.
Als er wieder Wach wurde, waren hier und da noch Kämpfe im Gange, aber er selber fühlte sich nich wirklich im Stande helfend ein zu greifen.
Er hoffte Gwenna und Rago würde es gut gehen und so schloss er sich den sich zurück ziehendem Heer an.

Im Lager sammelten sie sich.
Gwenna war wohl auf und auch Helisande und Heinrik standen noch.
Verwundet wie er ihnen ansehen konnte, aber sie standen und ordneten den Rückzug nach Adoran über Menekur an. Keylons Schulter pochte zwar aber er vermochte den Schmerz zu unterdrücken.
Dann sah er Rago.
Der Kalure war in so einem schlechtem Zustand, wie er ihn noch nie gesehen hatte.
Schnell kümmerte er sich um ihn und schaffte ihn mit einem Mann namens Taran Telian darum das sein Bruder auf ein Lazarett Wagen gebracht wurde um dann mit all den Anderen dern Rückzug an zu treten.

Cecilia Zola
Beiträge: 301
Registriert: Montag 6. März 2023, 00:07

Beitrag von Cecilia Zola »

Sie saß im Hospital zu Adoran mit einer Tasse Tee in der Hand und dachte zurück an die Tagesläufe im Feldlager:
  • Es waren verhältnismäßig ruhige erste Tage im Feldlager. Zumindest war das der Gedanke der jungen Heilerin, welche die Situation immer wieder mit Berchgard verglich. Dass dieser Vergleich schlimmer als jeder von Äpfeln und Birnen war, kam der naiven jungen Gestalt nicht in den Sinn.

    Sie überprüfte am ersten Tageslauf stündlich das Lazarett. Am zweiten Tageslauf war es nur noch morgens, einmal am Nachmittag und Abends nachdem alle wieder kamen. So konnte sie sich problemlos um die Verpflegung kümmern. Mithilfe von Celilomea und Marius schälte und schnitt sie das Gemüse. Lies die Eintöpfe köcheln und hatte in der Versorgungstruhe eine Flasche Rizinusöl bereit stehen. Irgendwo las sie, dass dies bei einer Übernahme des Lagers durch feindliche Truppen die Eintöpfe sehr interessant gestalten würde. Und seit Berchgard gab es von ihr diese besondere Verbindung zu Rizinusöl auf einem Kampfeinsatz.

    Das Aufwachen des Lagers am dritten Tageslauf war noch nichts ungewöhnlich. Sie verteilte Mocca an Dame von Alsted. Sie trug Speisen zu den Kämpfern, welche ihr bisher dadurch aufgefallen waren, dass sie selten zu den Essensaufrufen ankamen. Und Tee setzte sie auf, als Gegenmittel zu dem einsetzenden Regen.
    Mit dem Wach werden des Lagers legte sich eine merkwürdige Stimmung über die meisten Anwesenden. Es war, als spürte ein jeder, dass dieser Tageslauf nicht so ruhig zu Ende gehen würde wie die letzten beiden. Als würde dieser Tageslauf eine Entscheidung bringen.
    Cecilia selbst huschte nervöser umher, überprüfte hier und da Bestände und auch Befestigungen. Sie schaute bei den Lagerbewohnern genauer hin, nicht nur bei den persönlich auserkorenen Schützlingen. Sie verteilte direkt die Speisen und auch Tee. Die diensthabenden Wachen erhielten Tassen Tee und der ein oder andere auch ein Gebäckstück zugeschoben. Und dann kam der Befehl vom Sir. Zusammen packen der nicht benötigten Dinge und Aufladen. Wie sollte sie entscheiden, was in einem Lazarett wichtig sei und was nicht, wenn sie nicht wüsste, was für Verletzungen sie behandeln muss? Sie beschloss, das Lazarett blieb unangetastet. Aber der Rest könnte verladen werden.

    Nach dem Befehl ging es Schlag auf Schlag. Ein kleiner Moment Ruhe war die kleine Messe der Priester. Einen Moment Stille und in sich kehren im sonst immer geschäftigen Lager. Die junge Heilerin horchte in sich hinein. So viele Aufgaben diesmal, viel mehr als nur "die Verwundeten am Leben halten". Und sie trug sie alle. Mit Stolz, mit Einsatz und vor allem mit Willen. Sie wollte die Kameradin sein, die sie selbst gern hätte.

    Und dann flogen weitere Befehle nur so durch das Lager. Der eine Trupp marschierte los und sollte den Wachturm nieder brennen. Ein kleiner Trupp sollte die Sappeure an den Katapulten unterstützen. Die Zelte haben naß gehalten zu werden! Die Kämpfer wurden in Alarmbereitschaft gesetzt. Und sie? Sie wollte sich ins Lazarett zurückziehen und bereit sein. Celilomea wich kaum von ihrer Seite, sie war dankbar und unglücklich zugleich. Sie wusste so immer, dass es der Elfe gut ging und war nicht alleine. Gleichzeitig war die Elfe in großer Gefahr an der Seite einer Uniform des Regiments.
    Plötzlich stand der Feind vor den Toren. "Zahlreich im Norden", brüllte es durch das Lager. "Sichtung im Süden", kam es etwas leiser zurück. Auf der Höhe vom Lazarett hörte man die Rufe von beiden Seiten noch. Gebangt ruckte ihr Kopf von einer Seite zur anderen. Warum rennt keiner? Der nächste Ruf von feindlichen Truppenbewegungen und noch immer lief keiner. Da eilte sie selbst los. Zum Süden - die Nachricht des Nordens weitergeben - und zurück zum Norden - die Sichtungen des Südens erzählen. Wo war die Gräfin? Da hinten stand sie auf einem Podest. Sie eilte dort hin und gab beide Informationen weiter. Eilte zurück, rannte von oben nach unten. Ihre Lunge brannte und irgendwann verlor sie auch Celilomea aus dem Blick. Ein Schluck und weiter ging es. Dann der panische Ruf: Feuer! Sogleich gefolgt von einem fast alles übertönenden "Löschen!" von der Gräfin. Sie weiß nicht mehr, wer alles beim Löschen half. Der Rauch war dicht, die Luft schwer, alle husteten und der Blick war nur für die Nordwestpallisade. Die Flasche wurde geleert und wieder ging es weiter. Es musste weitergehen. Keine Zeit für Schwäche. Wir müssen das gelöscht bekommen, sonst sind wir in einem brennenden Kessel. Der Gedanke kam Cecilia immer wieder, während sie sich gleichzeitig fragte, wie das überhaupt so schnell brennen konnte. Es hat seit Tagen immer wieder geregnet und heute haben sie alle zusätzlich das Lager naß gehalten. Irgendwo schnappte sie arkanes Wirken als Begründung auf. Oh, wie sie anfing die Liedwirker zu verabscheuen.
    Von jetzt auf gleich wurde es sehr still im Lager. Das Feuer war gelöscht, ein Teil der Pallisade eingebrochen, und die Truppe ausgefallen den Feind von dem Lager wegzudrängen. Feldwebel Kabo gab noch die Genehmigung, das Lazarett in das Kommandozelt zu verlegen. Das Lazarettzelt war am dichtesten zur angebrannten und instabilen Pallisadenwand und Cecilia gefiel dies gar nicht. Plötzlich war Celilomea wieder da und gemeinsam zogen und schoben und zerrten sie die Sachen umher.
    Bis nach Grenzwarth ging der Ausfall gut, hieß es. Dort in den Gassen zwischen den Häusern brach die große finale Schlacht aus, erfuhr sie später. Die Kampfgeräusche wurden teilweise zurück zum Lager geweht. Sie schaute durch das leere Lager und suchte nach Celilomea. Cecilia hatte die Elfe doch nur zum Lager geschickt, wo wurde sie aufgehalten? Jetzt war keine Zeit für Sorgen. Das Lazarett musste weiter vorbereitet werden. Wer weiß, was auch immer noch kam. Celilomea würde schon wieder zurück kehren. Wo sollte sie auch in einem Lager hinkommen? Wie naiv die kleine Heilerin doch sein konnte. Und dann fielen sie ein.
    Der erste Verwundete war Frau Oberstleutnant, wo kam sie her? Wieso war sie die Erste? Wo waren dann alle anderen? Mühsam schob sie all die panischen Gedanken zurück und konzentrierte sich auf die Pfeilwunde vor ihr. Es sollte die letzte Wunde sein, die bis in Adoran vernünftig versorgt ist und die letzte, die sie überhaupt noch im Feldlager versorgen würde. Danach fand sie keine Ruhe mehr. Ein Verwundeter nach dem anderen tauchte auf, sie stolperten ins Lager zurück. Es wurde sich am Feuer gesammelt. Sie gab Anweisungen, versorgte. Sah Wunden, aber keine Gesichter. Sie funktionierte einfach nur. Hat sie gerade den Feldgeweihten rumgescheucht? Das würde noch Ärger geben. Keine Zeit, sie wurde zu einem Kaluren gerufen. Rago, der unerschütterliche Wühler, wurde rangeschleppt. Dass sie einige Stundenläufe später im Hospital seinen Bart teilweise abschneiden müsste um die tiefe Schnittwunde auf der Wange zu nähen, das ahnte Cecilia jetzt noch nicht einmal ansatzweise. Mitten drin kam der Befehl zur sofortigen Evakuierung des Lagers. In diesem Moment war sie Serina dankbar für die Idee mit den Transportwägelchen. Der Kalure wurde darauf verfrachtet und von Sir von Salberg mithilfe von Taran evakuiert. Und der Tross marschierte angeführt von einem Menekaner durch die Wüste zum nächstgelegenen verbündeten Hafen.

    Und die Flasche Rizinusöl? Diese steht vergessen in der Verpflegungstruhe.


Cecilia blinzelte und schaute in ihren erkalteten Tee. Die Finger umklammerten die Tasse. Die meisten Verwundeten waren entlassen oder anderweitig untergebracht. Nur Rago lag noch unten auf der Behandlungsliege. Sie hatte Angst vor dem danach. Warum sie sich weigerte das Hospital zu verlassen? Es lag nicht nur an den Patienten, die sie nicht zurück lassen wollte. Sie hatte pure Angst. Pure Angst vor den Albträumen und den Angstattacken, die nach Berchgard alle da waren. Diesmal hat sie sogar einen Pfeil auf Feinde geschossen. Sie hat eine Feindin versorgen müssen und ward dabei vergiftet worden. Mehrfach. In die Antlitze irgendwelcher Fratzen - waren das Letharen? - gesehen, als diese durch das Nordtor ins Lager stürmten, während sie gerade im Süden die Pferde hinter dem Krankenwägelchen herzog. Der Tag, wo sie sich dem zwangsläufig stellen müsste, rückte näher. Doch sie versuchte ihn noch rauszuziehen. Die kleine Heilerin mit dem viel zu großem Herz straffte die Schultern, brachte den kalten Tee weg und ging wieder runter zu Rago.
Zuletzt geändert von Cecilia Zola am Sonntag 12. Oktober 2025, 19:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Rago Getwergelyn
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Beitrag von Rago Getwergelyn »

Ein Zwerg, ein Bett und zu viel Salbe.
  • Man könnte meinen, ein Kalur wie Rago Getwergelyn würde nach einer Schlacht ruhen wie ein Stein, still, würdevoll und unerschütterlich.
    Die Wahrheit ist, der halbe Berg würde sich die Ohren zuhalten.

    Seit dem die Schlacht vorbei ist, liegt er da, eingewickelt wie ein schlecht verpackter Braten, überzogen mit so viel Salbe, dass er glänzt wie ein frisch polierter Amboss.
    Wenn er nicht schläft, brummt er vor sich hin, über die dünnen Decken, den nach Kräutern stinkenden Menschenkram und die unverschämte Lautstärke des eigenen Herzschlags.

    Zwischendurch wird es still und die Heiler denken, er sei wieder eingeschlafen.
    Dann ertönt aus dem Haufen Laken ein kehliges Murmeln.
    „Wenn die mich noch einmal einwickeln, wach ich als Räucherzwerg auf.“

    Trotz allem ist klar, dass er wieder aufstehen wird.
    Und wenn es soweit ist, wird halb Adoran wissen, dass Rago überlebt hat,
    denn sein Fluchen wird man bis zur Frostklamm hören.

    Wer ihn besucht, sollte sich nicht wundern, wenn aus dem Krankenzimmer eine tiefe Stimme hallt:


    „Mâhal! Hat jemand Bhîr dabei oder nur wieder Wasser?“
Zuletzt geändert von Rago Getwergelyn am Sonntag 12. Oktober 2025, 18:48, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitrag von Rago Getwergelyn »

Ein Zwerg, ein Bett und zu viel Salbe – Teil II
Hospital zu Adoran, 11. Goldblatt 268 – eine Woche nach der Schlacht um Grenzwarth
  • Akh erinnere mich an Feuer, an Splitter in der Luft, an das Krachen von Rüstung und Schild.
    Dann war da Wasser, zu viel Wasser und Stimmen die fluchten.
    Man lud mich auf einen Karren, dann aufs Schiff.
    Ein Kalur auf See, einen schlimmern Fluch gibt’s nicht.
    Das Schaukeln hat mich mehr gequält als jeder Schlag der Rukhs.

    Seit einer Woche lieg akh nun hier, unter Decken, zwischen Kräuterdunst und Menschenstimmen.
    Cecilia wacht über mich wie eine Kommandantin – streng, aber mit warmem Blick.
    Wenn sie spricht, klingt’s nach Disziplin, nicht nach Trost.
    Sie streicht mir über den Arm, prüft Wunden, murmelt Gebete.
    Akh brumme nur leise, wenn sie mich lobt.

    Die Tage verschwimmen und ich sah oft meine Freunde in Träumen:
    Morgosh war da, laut wie ein Amboss, fluchte über die Salben.
    Keldion kam, ernst, schweigend – sein Blick prüfte, ob ich noch Stein im Leib hab.
    Lester brachte Bücher und Essen, als könne er mich herausschreiben.
    Und Keylon hielt Wache, treu wie Mithrill.
    Alle standen sie da, redeten über mich, als wär akh Teil des Inventars.
    Ihre Stimmen hallen noch in mir, selbst im Schlaf.
    Und dann war da noch ein Drache, der durch die ganze Halle laut schrie.

    Vor einigen Tagen brachte Cecilia mir einen Brief.
    Sie setzte sich neben mein Bett, zog den Hocker heran und las leise,
    damit die anderen Kranken nicht aufwachten.
    Ich lag da, halb im Dämmer, halb im Traum.
    Die Worte klangen, als sprächen sie aus weiter Ferne,
    wie durch Gestein gefiltert.

    „An den Bezwinger dô s Lütfenz...“
    Die Stimme war warm, ruhig.
    „Du hast dich gut geschlagen. Wir haben ein Zeichen gesetzt… Rahal und Düstersee waren genug…“
    Ich glaubte, Lester selbst zu hören, wie er neben dem Bett steht.
    „Ich bin stolz, dich als Waffenbruder zu wissen. – Lester.“

    Für einen Moment spür akh, wie der Stolz durch die Müdigkeit drang.
    Ein schweres Lächeln zog sich über meine Lippen.
    Cecilia legte die Hand auf meine Brust, wohl um zu prüfen,
    ob ich noch atmete – akh nahm’s als Zeichen.

    Akh wollte ihr sagen, sie solle Lester danken.
    Aber die Worte blieben stecken.
    Nur ein kehliges Geräusch kam, mehr ein Grollen als Sprache.
    Sie nickte trotzdem, als hätte sie verstanden.
    Dann roch’s wieder nach Salbe,
    nach Leben, nach Rauch.

    Manchmal, wenn der Schlaf mich packt,
    hör akh ihre Stimmen alle durcheinander –
    Cecilia, Morgosh, Keylon, Lester –
    als hämmerte jeder im gleichen Takt auf denselben Amboss.
    Und tief darin, irgendwo zwischen Traum und Atem,
    hör akh Cirmias flüstern:
    Noch nicht fertig, Wühler. Noch ein Schlag.

    Akh bin Rago Getwergelyn, Kalur, Wühler, Lichtwächter.
    Und bald steh akh wieder.
    Dann weiß halb Adoran,
    dass der Zwerg nicht untergeht –
    nicht im Wasser, nicht im Krieg,
    und schon gar nicht in Salbe.
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Rago Getwergelyn
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Beitrag von Rago Getwergelyn »

Ein Zwerg, ein Bett und zu viel Salbe – Teil III: Das Erwachen
Hospital zu Adoran, der Morgen danach.

  • Das Licht des Morgens kroch über den hölzernen Boden des Hospitals.
    Feine Staubkörner schwebten im goldenen Schimmer und ließen die Luft warm und still wirken.
    Der Geruch von Kräutern, Öl und kaltem Eisen hing schwer zwischen den Mauern.
    Kein Laut störte die Ruhe, nur das tropfende Wasser irgendwo in der Ferne begleitete den Atem der Schlafenden.

    Rago lag auf einer Liege, gerade noch so genug platz um nicht rauszufallen.
    Decken lagen schwer über ihm, die Haut glänzte noch von der Salbe.
    Sein Atem war ruhig, die Brust hob und senkte sich gleichmäßig.
    Man hätte meinen können, er schlafe friedlich, doch unter der Ruhe regte sich etwas, wie Glut unter Asche.

    Neben ihm stand ein Tisch, ordentlich wie ein Altar.
    Darauf lagen seine Rüstungsteile, poliert und geölt, in sorgfältiger Ordnung ausgelegt, als warte jedes Stück auf den Moment, an dem es wieder gebraucht würde. Der Burk lag über den Dornenfäusten, der Griff glänzte matt im Licht. Daneben stand ein Krug, halb gefüllt, und eine Münze ruhte auf einem gefalteten Tuch – ein stilles Zeichen der Achtung, das jemand in der Nacht dort gelassen hatte.

    Das Licht kroch weiter über den Raum, wanderte über Bart und Stirn, über Narben und Runen. Dann bewegte sich etwas. Ein Zucken lief über seine Finger, kaum sichtbar, doch es reichte, um die Stille zu brechen.
    Ein tiefer Atemzug folgte, schwer und unregelmäßig, wie ein Blasebalg, der nach langer Rast wieder zu arbeiten beginnt.

    Dann kam der Laut. Zuerst war es nur ein kehliges Grollen, dumpf und brüchig. Doch es wuchs, nahm Form an, wurde zu einem Schrei, so tief, dass die Mauern bebten. Es war kein Schrei des Schmerzes allein, sondern einer, der aus dem Kern eines Zwerges geboren wurde. Ein Schrei aus Wut, Erinnerung und Erleichterung.

    Das Hospital zitterte. Die Luft vibrierte, die Fenster erzitterten im Rahmen.
    Der Klang raste durch die Flure, hinaus über die Treppen und Plätze, durch die Straßen von Adoran bis hin zu den Toren. Draußen blieben Stimmen stehen, Wachen griffen instinktiv nach den Waffen und selbst die Tiere auf den Dächern erstarrten.

    Für einen Atemzug schien es, als habe der Berg selbst gesprochen. Dann erstarb der Laut, langsam, als verlöre er sich in der Tiefe. Das Echo kroch über Stein und Mauer, bis nur noch die Stille blieb – eine Stille, die schwerer war als zuvor.

    Ragos Körper sackte zurück in die Decken. Die Hände lösten sich, die Muskeln entspannten sich, die Brust hob sich ruhig, der Atem fand wieder seinen Takt. Seine Augen öffneten sich. Bernsteinfarben glimmte der Blick im Dämmerlicht. Ein Moment verging und der Wühler sah, wo er war.

    Der Krieg wich aus seinen Zügen. Zurück blieb Müdigkeit und Leben. Das Licht fiel auf den Bart, auf die Narben, auf die Spuren des Kampfes. Die Luft roch wieder nach Heilung, nicht mehr nach Feuer.

    Der Schrei hatte Adoran geweckt. Und tief im Hospital, zwischen Mauern und Gebet, lag ein Kalur, der nicht gebrochen war.
Zuletzt geändert von Rago Getwergelyn am Sonntag 12. Oktober 2025, 21:55, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: [MMT] Blutherbst - Mauer um Mauer, Stein um Stein

Beitrag von Rago Getwergelyn »

Ein Zwerg, ein Bett und zu viel Salbe – Teil IV: Der zweite Schlag
Hospital zu Adoran, kurz nach dem Erwachen des Kaluren.

  • Das Hospital war erfüllt vom Geruch nach Stein, Metall und Bhîr.
    Cecilia hatte den Kaluren versorgt, die Wunden gereinigt, frische Verbände gelegt
    und ihm den Krug mit dem bernsteinfarbenen Trunk gereicht.
    Rago nahm ihn mit schwerer Hand, setzte an und trank.
    Das Bhîr brannte in der Kehle, aber das Brennen fühlte sich nach Leben an.
    Ein kehliges Brummen folgte, kurz und zufrieden.

    „So heilt man richtig“, murmelte er und für einen Moment war Ruhe.
    Das Licht fiel weich durch das Fenster, Staub glitzerte im Strahl.
    Cecilia überprüfte die Verbände, nickte, dann legte sie den Krug beiseite.

    Da fuhr Rago sich durch den Bart.
    Die Finger blieben hängen.
    Die Augen öffneten sich weit, dann schmal.
    Er betastete die Haare, prüfte sie, drehte Strähnen zwischen den Fingern.
    Sie fühlten sich anders an.
    Zu glatt, zu weich, zu fremd.

    Ein leises Grollen stieg in seiner Brust auf.
    „Bei allen Hammerschlägen des Berges… was ist das?“
    Er griff fester zu, als könne er das Problem herausreißen.
    „Mein Bart! Er fühlt sich an wie von’n Elfen gezüchtet!“

    Cecilia erstarrte, das Tuch in der Hand und schwieg.
    Sie wusste, dass sie das Haarwuchsmittel während seiner Bewusstlosigkeit benutzt hatte,
    um die kahlen Stellen zu füllen.
    Der Bart war gewachsen: schnell, kräftig, aber nicht wie früher.
    Der Glanz war fremd, der Wuchs ungezähmt.

    Rago hob den Kopf, die Stimme wurde lauter.
    „Wer hat an meinem Tarâg rumgedoktort?“
    Der Ruf hallte über die Steinwände, ließ die Krüge zittern.
    Cecilia wich nicht zurück, aber ihr Blick war angespannt.
    Sie konnte nichts sagen. Noch nicht.

    Der Kalur war aufgebracht, sein Atem ging schnell,
    der Griff in die Decke fest wie in einen Schildriemen.
    „Akh schwör bei Cirmias, wenn akh den erwisch,
    dann wäscht keiner mehr was außer seinem eigenen Blut!“


    Die Tür öffnete sich. Keylon trat ein.
    Er musterte den tobenden Zwerg, dann sprach er sachlich nachdem Rago ihn aufforderte sich zu rüsten,
    um einen Rachfeldzug für seinen Bart zu starten.
    „Morgosh sagt, deine Rüstung ist Schrott.
    Aber er passt dir eine neue an.“


    Für einen Moment verstummte alles.
    Dann weiteten sich Ragos Augen.

    „Was?“
    Ein kaum hörbares Wort, gefolgt von tiefer Stille.
    „Schrott?“
    Die Stimme überschlug sich.
    „Meine Rüstung?!“

    Das Bhîr im Bauch brodelte.
    Der Körper spannte sich, der Blick flammte auf.
    „Schrott?! Bei Cirmias’ Zorn, der Mann soll selbst geschmolzen werden!“

    Er versuchte aufzustehen, riss den Arm hoch,
    das Bett kippte, die Decke flog.
    Ein letztes kehliges Fluchen füllte den Raum,
    bevor er rücklings stürzte.

    Der Aufprall dröhnte.
    Der Boden nahm ihn auf, dumpf und schwer.
    Der Krug Bhîr kippte, die Flüssigkeit rann über Stein und Holz.
    Cecilia stieß einen Ruf aus, Keylon sprang vor,
    doch Rago lag schon still, bewusstlos, die Stirn leicht angeschlagen,
    der Bart zerzaust und glänzend wie nie.

    So endete der zweite Tag seines Erwachens.
    Der Kalur hatte Schlachten überstanden,
    doch diesmal besiegte ihn ein Trunk, ein Bart und ein einziges Wort.
    Und während Bhîr über den Boden tropfte,
    stand fest, dass Rago auch ohnmächtig
    noch der lauteste Patient Adorans war.
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