Hermann Hesse
Da brach er an der 03. Goldblatt 268. Unspektakulär wie Herbsttage oft anbrechen. Der erste Bodenfrost gefolgt von Nebel und danach kurzen Sonnenfeldern. Vor der Burg in den Wäldern segelten die ersten bunten Blätter noch sehr spärlich zu Boden. Dennoch war die Freude der Kinder darüber unbezwungen. Helle Stimmen rühmten sich das schönste Blatt, die schönste Eichel oder den bestn Stock gefunden zu haben. Aleva mit ihren noch sehr kurzen Beinen hielt tapfer mit ihren langbeinigen Brüdern mit.
"Wie lange werdet ihr weg sein?" Unvermittelt kam die Frage des Ältesten. Conrad schaute mit seinem stillen gewittergrauen Blick zu seiner Mutter auf, fragend und abschätzend.
"Tage, vielleicht ein oder zwei Wochen."
"Wir sind's ja gewohnt, Mama. Wenn's länger wird bringt Helleth uns wieder zu Oma und Opa, aye?"
"Aye, Conrad. Aye." Sie musste sich leise räuspern und erlaubte sich erst ein tiefes Durchatmen und Schlucken als er wieder auf herbstliche Schatzsuche aufbrach. Hier im Wald, wo alles still war, wo es das Konzept von Krieg und Schlacht und Heeren nicht zu geben schien. Verabschieden von den Kindern und diesmal konnte sie es und sie wurden nicht Hals über Kopf von der Amme in Sicherheit gebracht. Diesmal hatte sie eine letzte Nacht mit ihnen, einen letzten Tag und ein letztes buntes Blatt im Wind.
Still arbeiteten beide Kronritter Seite an Seite. Die eigenen Pferde gesattelt und die Satteltaschen gepackt. Waffen überprüft und in den Gurten und Haltern gesichert. Die Rüstung bequem zum Reiten geschnallt und dann gemeinsam das letzte Gebet gesprochen.
Nicht laut. Sie beteten beide nicht laut. Es war eine stille Andacht, die beide gemeinsam begingen an dem Ort, der ihnen beiden wichtig war und der nur ihnen beiden gehörte. Heiniks Gesicht war in der für ihn üblichen fast väterlichen Strenge gefasst mit einem Schuss militärischer Haltung darin, die so sehr er war, dass es nicht von ihm zu trennen war. Ihre Gedanken selbst rasten von Punkt zu Punkt. Sie hatte alle wichtigen Notizen in ihrem Dienstbuch dabei. Die Feinplanungen, die man nicht in Kriegsräten bespricht, sondern vor Ort mit denen festigt, die am Ende auch bereit waren notfalls ihr eigenes Blut auf fremdem Boden zu vergießen.
Heinrik würde mit einem Trupp und Material vorreiten und sich zum ausgewählten Lagerplatz vorarbeiten. Ihre Aufgabe war es dann mit möglichst viel TamTam und Prozedere, Auffäligkeit und Stolz die Heerschau zu leiten. Das Heer würde dem Trupp folgen. Welche Route das Heer schlussendlich nehmen würde, würde am heutigen Abend entschieden werden. Bis dahin hieß es weiter ausrüsten und die Nervostät loswerden. Sie hatte schon derartig viel Mocca heute getrunken, dass sie beinahe zur Hälfte aus dem Gebräu zu bestehen schien. Und trotzdem glitten die Gedanken immer wieder ab.
Das Regiment - voller Tatendrang bereiteten sich die Soldaten vor. Ruhige und routinierte Abläufe und trotzdem spürte man seit Tagen in jedem Soldaten diese Anspannung. Wie ein Seil sich spannt, sobald Gewicht daran hängt.
Emsig und unverdrossen werkelten die Sappeure an allem, was benötigt wurde. Arne hatte es sich wohl auf die Fahne geschrieben, dass das Lager so effizient und störungsfrei wie nur möglich aufgebaut werden konnte.
Die Akademie bereitete im Stillen alles vor, an das alle anderen nicht dachten und würden vermutlich jede Versorgungslücke dreimal schließen können. Die Lichtwacht - still war es um jene Gemeinschaft, doch sie spürte dass deren Vorbereitungen auf den Kampf hin bis ins letzte durchstrukturiert war.
Die Gedanken glitten auch zu den Verbündeten, hoffend dass sie ihre Vorbereitungen rechtzeitig beenden würden und zum Heer stoßen konnten. Womöglich würden auch einige nachkommen, sobald sie ihre Siedlungen gesichert hatten.
Stein um Stein - Mauer um Mauer.
Nochmal der kurze Weg an den Schreibtisch um Boten zu den Vogten zu schicken. Auch das Herzogtum musste sich absichern. Man lässt die Tür nicht offen, wenn man Panther jagen geht.









