[MMT] Blutherbst - Mauer um Mauer, Stein um Stein

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Helisande von Alsted
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[MMT] Blutherbst - Mauer um Mauer, Stein um Stein

Beitrag von Helisande von Alsted »

Das Licht veränderte sich bereits, auch wenn es vielleicht nicht jedem auffallen würde. Doch die Sonne stand tiefer, die Wärme traf nur noch nachmittags auf die reife Erde. Abgeernte Felder und Wälder deren Grün sich bereit machte sich zu lösen und dem Gold und Rot das Feld zu überlassen.

Doch das Feld würde Anfang Goldblatt erstmal Blau werden und dann Rot vom Blut der Feinde. Es war genug. Berchgard hatte genug geblutet und geopfert in diesem Jahr. Die Bevölkerung hatte gefochten, sich aufgerafft, aufgebaut und Stand wieder sicher. Doch das Herzogtum selbst wurde erfüllt vom gerechten Zorn über die Taten der Feinde. Es gab keinen Nachlass in den Schändlichkeiten mit denen das Alatarische Reich und seine Streiter den guten Bürgern und aufrechten Verbündeten das Leben schwer machte.

Die Zeit war reif.
Wie die Herbstäpfel.

Oder wie sagte Mutter Senheit in Aschenfeld so gern: "Wer oft genug am Ohrfeigenbaum rüttelt, muss ich nicht wundern, wenn er irgendwann reichlich erntet."

Die Weisheiten gesprochen und die Planungen wuchsen. Aufgaben waren verteilt. Lydia und Keylon waren direkt ans Werk geschritten und die Berichte waren vielversprechend. Der Kriegsrat war einberufen.
Tapferkeit
Loyalität
Tatkraft

Es war soweit.
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Ryx'tar
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Registriert: Mittwoch 25. Mai 2016, 16:06

Beitrag von Ryx'tar »

TW: Blutige Bilder


Der Letharf ließ den Blick über Bitterforst schweifen. Dann weiter nach Osten, auf das Flachland vor Varuna.
Wo die Zitadelle gestern als Lehrort fungierte, gemäß dem fünften Gebot, diente sie heute wieder ihrem eigentlichen Zweck - als Festung in Vaters Reich. Ein Bollwerk das den Einmarsch des Feindes aufhalten oder erschweren wird. So es denn je dazu kommt. Der letzte Versuch vor 3 oder 4 Jahren endete in einem Gemetzel zu Ungunsten der vereinten Ketzerbanden jeglicher Couleur.

Im Reich selbst machte sich derweil eine Trägheit breit, die ihm missfiel. Von ihm berufene Kriegssitzungen wurden verschwendet mit Thematiken, die die langfristigen Notwendigkeiten beiseite schoben. Von den Zweifeln schwacher Geister ganz zu schweigen an diesem Treffen. Die von den Alkas beorderte Truppenübung ließ ebenfalls auf sich warten - nicht mehr lange, und er würde sein Wohlwollen gegenüber der Bruderschaft zumindest in dieser Frage fallen lassen und eine eigene Truppenübung ausrufen. Es wurde Zeit.

Die Gegenwart der Menschen wurde zunehmend zu einer Belastungsprobe für den Letharfen. Besonders, seit Vater ihm die Wunde der Mael'Qil vor über anderthalb Jahresläufen schlug, ist jeder Besuch in der heiligen Stadt ein Ringen um Beherrschung und Zurückhaltung. Nicht selten spielen sich in seinem Kopf grausige Bilder von Schlachtungen und Gemetzel ab, für die es in der Sprache der Menschen keine Worte gibt, nur um dann ein für menschliche Verhältnisse normales Gespräch fortzuführen. Gestern hätte er ein Menschenweibchen, das in der Vergangenheit zu leben schien, hinrichten können. Und doch gewann er die Oberhand über seinen Zorn, traf eine langfristig klügere Entscheidung entgegen dem sehnlichsten Wunsch, die Kehle, die an seiner Klinge schmiegte, mit einem Ruck aufzureißen; und knüpfte dadurch weitere Bindungen zu den Menschen. So wurde das Leben der wandelnden Toten zum Hochzeitsgeschenk von Darion Dracones und Victoria Deklie erklärt und gerettet.

Sein Blick glitt vom Osthorizont gen Nord, nach Wetterau und dann zu dem Gebirge, das Rahal umringt. Trägheit. Ein unzufriedenes Murren drang aus seriner Kehle.


War es um sein eigenen Volk besser bestellt?

Es gab viele im Leth'Axorn, die in ihren Aufgaben gefangen waren und kaum mehr erübrigen konnten, als das.
Es gab daneben aber auch eine Hand voll Geschwister, mit denen sich Ziele umsetzen ließen. Die Einsatz zeigen konnten, präsent waren. Sein Geist schweifte zu jenen Geschwistern, letharische Gesichter formten sich vor seinem inneren Auge.

  • Ily'zyae, seine Lethra. Gefangen in ihren Lehren der Disharmonie. Doch wenn er sie brauchte - wenn das Axorn sie brauchte, wäre sie zur Stelle.

    Qy'lhor, der Van'leth'axorn. Beim ersten Blick auf den Bruder vor langer Zeit, war dieser noch ein Runenloser gewesen. Heute beugte Ryx'tar das Knie vor ihm, wie es Vaters Ordnung vorsah. Ohne Hintergedanken, ohne Gram. Er war von Vater erwählt zu führen und nur das zählte.

    Q'in, die konzentrierte Masse von Fleisch, die zum Morden geschaffen war. Bevorzugt mit schweren, stumpfen Waffen. Doch hinter der Wortkargheit, die an den Geist eines Kindes erinnerte, verbarg sich Erfahrung und Weisheit.

    Velvyr'tae. Er hatte sie länger nicht mehr gesehen und an einen wirklichen Austausch mit ihr erinnerte er sich seit Berchgard nicht mehr. Doch sie war da, wenn das Axorn sie benötigte.

    Zyn'tuin. Der junge Bruder überzeugte durch Präsenz und Tatkraft. Doch er wird an seiner Rhetorik arbeiten müssen, um die Menschen besser zu umgarnen, wie es seine Aufgabe als Letherx vorsieht. Und vielleicht auch die eigenen Geschwister. Entweder eignet er sich eine verlogene Silberzunge an, oder er wird niemals in die Fußstapfen vergangener Letherxe treten.

    Drin'belrak. Der Hass in seinem Herzen ist rein und reichhaltig, seine sozialen Kompetenzen aber lassen ihn hin und wieder straucheln. Als Lethoryx muss er lernen zu führen und sich gegen Widerstände durchsetzen.

    By'nar. Einst die Steinmade. Hat sich entwickelt von der wertlosen Sagotri zu einer Dienerin des Tempels. In ihr schlummert Potential, das war spätestens vor Bajard zu sehen. Es wird sich zeigen, ob und wie sie es nutzen wird.

    Iryl'fae. Eine stille Stütze im Axorn. Sie verrichtet ihre Arbeiten ohne großes Aufsehen, ohne Effekthascherei. Beständig. Und sie ist stets zur Stelle, wenn das Axorn sie benötigt.

    Liha'xae. Es wird schwer zu vergessen sein, wer den Rammbock fertigte, mit dem wir die Tore Berchgards aufrissen; wer die Katapulte zusammen mit Ardhar fertigte, die die Mauern und die Stadt in Schutt und Asche legten. Somit trägt sie einen Anteil an jenem Sieg, den Anteil der stillen Handwerker im Hintergrund.

    Je'yuxalae. Sie war schon alt, als es das heutige Axorn noch nicht gab. Sie war diejenige, die seine erste Wunde im alten Axorn "versorgte". Vermutlich ist ihr Geist irgendwann in der Ausbildung gebrochen und sie lernte, auf andere Weise zu überleben.

    Mino'lyn. Tot oder verschollen. Eine Schwester, die da war, als das Axorn nicht einmal halb so viele Geschwister zählte wie heute.

Ein schweres Einatmen. Dann verließ er den Wehrgang und widmete sich seinen Aufgaben.
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Keylon von Salberg
Beiträge: 1801
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Keylon von Salberg »

Endlich !!!
Bald war es soweit und sie würden erneut in die Schlacht ziehen.
Helisande und Heinrik hatten einen Plan geschmiedet den Keylon nur Begrüßen konnte.
Natürlich barg eine Schlacht, eine direkte Konfrontation immer die Gefahr von Verlusten.
Verletzte? Gar Tote, aber nur zu Gut erinnerte er sich an den Kampf um Berchgard.
Der Feind ließ keine Gelgenheit aus sie zu demütigen.
Unlängst der Tod der Gardisten vor der Bibliothek...
Immer und immer wieder tauchten sie auf als wäre er nichts, als gehörte ihnen die Welt, und oftmals hinterließen sie Chaos und Tod, während Lichtenthal immer wieder nur stumm zusah.

Die erste Offensieve gegen den Westen war Geglückt, danach hatten sie Berchgard angegriffen.
Aber sollten sie selber deswegen klein bei geben und sich hinter den Rockzipfeln der Bauern verstecken?
Sie waren keinesfalls Wehrlos
Er war Ritter ... es gab das Regiment, die Lichtwacht und viele Andere zu den verbündeten Völkern und viele waren wie er ...verdrossen von der Trägheit und Tatenlosigkeit die man an den Tag legte, durch die Furcht welchen Gegenschlag man zu Erwarten hätte.
Doch er war ehrlich.
Der Westen brauchte keinen Grund um sie an zu greifen. Sie taten es einfach so ohne von jeglichen Rachegelüsten getrieben zu sein .
Einfach weil sie .. SIE waren.

Seine Aufgabe in diesem Teil der Vorbereitungen war einfach.
Die Lichtwacht, die Akademie und den Klerus über ihr Vorhaben informieren, das sie sich bereit halten sollten.
Durch die Information an die Lichtwacht würden auch Rago und Keldion Bescheid wissen und sicherlich die Kaluren informieren würden.
Keylon hegte keinen Zweifel daran das diese sich diese Offensieve nicht entgehen lassen würden, genauso wie er selber.
Wie hatte Adelena so treffend bei der Tjoste gesagt ?
„Die würde er sich nur entgehen lassen wenn er Tod wäre.“
Genauso wie diese Offensieve
Endlich würde der Adler wieder seine Krallen ausfahren und der Ritter hoffte das sie ihnen so richtig weh tun würden.

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Arne Levar
Beiträge: 927
Registriert: Montag 19. November 2018, 19:02

Beitrag von Arne Levar »

Einige Tage nach dem Treffen mit der Dame von Stahl macht sich Arne an die Vorbereitung der anstehenden Aufgabe.

Der Aufbau der Katapulte und Ballisten sollte einigen Rekruten und Gardisten erklärt werden.

Alle Metallteile waren seine Aufgabe, die Lager an den Rädern, die Beschläge, die Achsen und viele viele Nägel würde er brauchen. Also stand er in der Zeit wo keine Kunden in der Werkstatt waren am Amboss und fertigte die benötigten Sachen.

Immer wieder musste er die Arbeit unterbrechen, um das Tageswerk auch noch zu verrichten.

Trotzdem war er nach drei Tagen mit allem fertig was für den Bau von Belagerungsgeräten benötigt wurde.

Diese Sachen, wie die Eisenreifen aus Bandstahl, die Achsen der Räder, die Beschläge und die großen Nägel, brachte er zu Serina der Schreinerin. Diese war für die Fertigung der Holzteile zuständig.

Natürlich würde er ihr bei Bedarf zur Hand gehen.
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Serina Marcel
Beiträge: 190
Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 13:04

Beitrag von Serina Marcel »

Die benötigten Metallteile der Belagerungswaffen waren endlich angekommen. Was zu bauen nun anstand, war zu sperrig für die Werkstatt, nein dort unten konnte sie die nötigen Arbeiten nicht vornehmen. Der Garten war eigentlich auch zu auffällig. Also was tun?

Hastig liess sie sich von Amelie eine sehr große Plane geben und alles verschwand unter dieser, welche an den Enden durch Fässer beschwert wurde. Ohja sehr unauffällig. Dankenswerterweise war Flocke ein eifriger Gartenwächter.

Für einen kurzen amüsierten Moment überlegte sie, ob Minki auf der Plane vorübergehend Quartier nehmen sollte. Eine Katze im Gesicht allzu neugieriger Gartenbesucher würde die Neugier sicher schnell beenden. Sie schüttelte den Kopf, Minki fühlte sich im Haus zu wohl.

Am hellichten Tag wollte sie die Arbeit nicht vornehmen. Endlich einmal würde eine gewisse Halskette mehr sein als nur eine Spielerei, die man sich halt mal geleistet hatte. So waren es die späten Abende und noch viel mehr die sehr frühen Morgenstunden, in denen sie die nötige Arbeit leistete.

Holz abmessen und zurechtsägen. Pläne immer wieder durchsehen, sowohl für die gewünschten Ballisten als auch die Katapulte. Am Ende war alles vorbereitet. Bereit für einen Zusammenbau. Aber das vorzunehmen war in Kronwalden noch weniger angemessen. Ein großer Karren wurde schliesslich erneut spät am Abend hinter dem Haus aufgestellt.

Sehr früh am Morgen, über einige Tage verteilt, fuhr sie in Richtung Adoran. Liess sich dort von den anwesenden Garnisonsmitgliedern beim Abladen helfen. Bis schliesslich alles zum Zusammenbau vor Ort war. Ballisten zum leichteren Transport mit zwei Rädern am vorderen Teil und zwei Haltegriffen hinten versehen, damit zwei Garnisonsmitglieder sie würden schieben können, sowie einem Holzkeil am unteren hinteren Teil, um einen sicheren Stand zu gewährleisten. Auch die Katapulte waren mit stabilen Rädern ausgestattet, für einen leichteren Transport. Keile um die Räder vor Ort festzusetzen waren ebenso gefertigt.

Alles war bereit, bis auf die Munition für die Ballisten. Sie hatte die nötigen Maße für die Bolzen. Die nächsten Tage würden auch diese nach und nach gefertigt und gen Adoran verfrachtet werden.
Zuletzt geändert von Serina Marcel am Donnerstag 11. September 2025, 13:22, insgesamt 2-mal geändert.
Ich bin kein saurer Apfel und beissen lass ich mich auch nicht!
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Aaryon von Hohenfels
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Registriert: Samstag 4. Januar 2025, 13:02

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

(#ooc: Hier stehen fiese, unfaire Sachen über andere Charaktere. Das ist alles rein ig, bitte, und ich hab euch alle lieb! XD )

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"Hauptsache, für das leibliche Wohl ist schon mal gesorgt und die Heiler streiten sich nicht!", motzte er fast in Zimmerlautstärke vor sich hin und knallte die Haustür mit einer Wucht zu, dass Bello erschrocken aufbellte. "Die werden nicht nur vom Festlandadel gefressen, die werden auch von den Letharen gefressen!", fluchte er und schmiss seinen Umhang auf den Sessel.

Wütend wechselte er das feine Hemd gegen seinen Lederharnisch, in der festen Absicht, seine Wut an ein paar Frosttrollen abzureagieren. Immerhin würde ihm Arenvir das nicht vorwerfen, statt wenn er einen blöden Piepmatz grillte! Was hatte denn auch ein Neuntöter im Kaminzimmer der Ritterfestung zu suchen?! Das MUSSTE doch schon fast ein Spion sein!
"Den kann man aufsammeln und raus bringen", äffte er nach, "Wie soll ich einen Waldvogel einfangen, soll ich ihn mit der Krücke bewusstlos schlagen, nachdem ich hoch genug gehüpft bin? Und draußen lacht mich dann Emilia aus und sagt noch Dankeschön, nachdem sie sich zurück verwandelt hat oder was?! Aber Hauptsache, man weiß noch, wie niedlich es war, wenn sich sonstwann die stellvertretende Praeceptor in Helisandes Haaren einnistete!"
Er schäumte vor Wut und ließ seinen ganzen Frust in Gemecker raus, während er durch die Villa humpelte, dass die Krücken nur so auf die Fliesen klackten.

"Hat diese Frau überhaupt selber Zigarillos? Jedes Mal seh ich sie nur bei Arenvir schnorren!", machte sich seine Motzigkeit über die Baronin von Silbersteyn her. "Die halbe Runde viel zu spät, waren die noch auf dem Kunstmarkt vorher?! Aber schön, wenn die Vogtin noch kommt! Dann kann sie einen Wein trinken, bevor sie wieder geht!" Am liebsten hätte er einen Feuerball durch die Gegend gejagt. Aber er hatte keine Lust, sein Haus anzuzünden.
"Nachher verbrenn ich noch...!", griff er Worte von Sir Heinrik auf und knallte vor Wut selbst seine linke Krücke nun auf den Boden. Und zuckte notgedrungenermaßen zurück, als er das zurück prallende Holz fast selber ab bekam.
Man musste Fräulein Eichengold loben: die Krücke brach nicht.
"Halt die Klappe und tu, was man dir sagt! Und heirate vorher am besten noch! 'Nein, ich werde bei dem Feldzug nicht dabei sein und dir den Arsch retten, weil du noch nicht genügend Unterricht hattest, um zu wissen, wann ein Magier zu bemerken ist und wann nicht, aber ich guck mal einen Lagerplatz aus, ich kann ja fliegen!
ACH, DAS HAB ICH DIR NOCH NICHT BEIGEBRACHT?! Upsi! Aber guck mal, ich hab hier nen Hohepriester mit ner Liste, wieso heiratest du nicht ne Runde? Die Rheaonna, die sieht doch hübsch und naiv aus! Dann machst du vielleicht nicht so viel Blödsinn!"

"EINEN FEUCHTEN KEHRICHT WERD ICH!!", brüllte er und wischte sich die Frusttränen aus dem Gesicht, mit der anderen Hand an der Wand abgestützt.
"Wie kommt ihr darauf, mich JETZT zu fragen, wo das Lager hin sollte und mir gleichzeitig zu verbieten, die Gebiete zu erkunden?! Und wer ist auf die BESCHEUERTE Idee gekommen, das halb leere Grenzwarth anzugreifen, ohne sich einen Kopf um eine dicke, fette LETHARENfestung zu machen, die da herum steht?!"
Der Dolchgurt, den er gerade hatte schließen wollen, landete plonkend wieder in einer Ecke. Es war völlig sinnfrei, jetzt noch raus zu wollen. Und er merkte, dass ihn gleich ein enormer Anteil seiner Kraft verlassen würde, nachdem er sich den gröbsten Frust von der Seele gepöbelt hatte.

Arenvir... Arenvir würde nicht da sein. Und Heinrik traute ihm offenbar nichts mehr zu. Er hatte mit Arenvir REDEN wollen, verdammt, seit Tagen belagerte er sein Büro - und stattdessen machten er und Heinrik ihn rund wie einen Idioten!
"GRAAAARRRRRRRH!" Der Feuerball flog in den Kamin und ließ eine Stichflamme nach oben durch den Schlot schießen. Dann brannte der klägliche Rest des zuvor dort aufgeschichteten Holzes nach ein paar unruhigen Lidschlägen, als wäre das Feuer schon seit Stunden am brennen.
Schwer atmend und mit dumpf pochenden Schläfen stützte sich Aaryon an eines der Erkerfenster und starrte nach draußen in die Nacht, ohne etwas zu fixieren. "Das wird Montag eine Katastrophe...", mutmaßte er und schob trotzig den Unterkiefer vor.
Sollte ihm egal sein.
Die Verantwortung trugen andere.
"Ich steck als Eichhörnchen in Heinriks Tasche und guck nach magischen Fallen. Da sind bestimmt total viele... genau. Also nichts zu tun, aber gut aussehen dabei. Das sollte ich ja wohl hin kriegen, nicht? Jawohl...", grollte er abstumpfend und mit einem heiseren Gefühl im Hals vom Brüllen.
"Vielleicht lösen sich deine Probleme. Wenn du bei dem Feldzug drauf gehst, brauchst du dir um Serina keine Gedanken mehr machen...
Dispens...
Ich will aber nicht...! Und das ist nicht so einfach! Und keiner versteht, warum. Und mit Arenvir kann ich jetzt auch nicht mehr reden. So ein verfluchter Dreck!"

Innerliches Ächzen.
Feldzug.
Wo das Lager hin soll? Mir doch scheiß egal.
Ich muss aber auf Cecilia aufpassen...
Wie sollen wir denn Katapulte durch den Wald kriegen, verflucht?
Nicht mein Bier...!
Wir gehen noch alle drauf bei diesem Mist."
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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Marlan Kabo
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Registriert: Samstag 19. April 2025, 01:12

Beitrag von Marlan Kabo »

Das Zeltmikado

Als das Regiment von Lichtenthal endlich den Platz am Waldrand erreichte, war die Stimmung zunächst ausgelassen. Endlich Rast! Doch kaum fiel das Kommando, die Zelte aufzubauen, brach das blanke Chaos aus.

Stangen lagen kreuz und quer, Planen wurden falsch herum gespannt, und ein besonders übereifriger Rekrut versuchte, gleich zwei Zelte aneinanderzuknoten – was eher wie ein zerrissenes Segel im Sturm wirkte. Ein anderer schwor, dass die Heringe „zu krumm geschmiedet“ seien, und suchte den Schuldigen beim Schmied.

Dann kam der Angriff.
Nicht von Feindesscharen, sondern von einer schier endlosen Wolke Motten, die sich aus den alten Leinen erhoben, sobald man sie entfaltete. Ganze Schwärme flatterten den Soldaten ins Gesicht, setzten sich auf Rüstungen und machten sogar vor den Feldkochern nicht Halt. Für einen Moment wirkte es, als würden die Motten das Regiment regelrecht in die Flucht schlagen.

In diesem Durcheinander trat Serina Marcel, die Schreinerin, hervor. Mit fester Stimme und einem Blick, der keinen Widerspruch duldete, übernahm sie die Leitung.
„Reihe bilden! Stangen sortieren nach Länge, und wer noch einmal versucht, Planen diagonal zu spannen, den schicke ich zurück zum Fluss zum Wasserholen!“

Unter ihrer Anleitung verwandelte sich das Chaos langsam in Ordnung. Heringe wurden mit geübtem Schlag in den Boden getrieben, Seile korrekt verspannt, und die Motten – soweit möglich – mit Rauch vertrieben. Stück für Stück erhob sich ein ordentliches Feldlager aus dem Schlachtfeld der Verwirrung.

Als schließlich das letzte Zelt stand und die Sonne hinter den Bäumen verschwand, atmete das Regiment erleichtert auf. Man hatte zwar gegen Motten und eigenes Ungeschick gekämpft, doch am Ende siegte die Disziplin – und Serinas unerschütterliche Geduld.

So entstand, wenn auch holprig, ein Übungslager des Regiments nach langer Zeit.

Die Tage danach im Lager von Lichtenthal

Nachdem das Regiment unter Schreinerin Serina Marcels eiserner Hand das Chaos der Zeltaufstellung überlebt hatte, kehrte allmählich eine gewisse Routine ein. Die folgenden Tage standen ganz im Zeichen der Ausbildung:

Tagsüber dröhnte der Platz von Schwerthieben, Kommandorufen und dem rhythmischen Stampfen von Stiefeln im Takt. Die Ausbilder bestanden darauf, dass jeder Rekrut nicht nur seine Waffe führen konnte, sondern auch verstand, warum er sich in Formation bewegte. So wechselten sich praktische Nahkampfübungen mit Kartenstudium und taktischen Planspielen ab. Nicht jeder verstand auf Anhieb die feinen Unterschiede zwischen einem Schachbrett und einem Schlachtplan – doch die Geduld der Ausbilder war ebenso unerschütterlich wie die Sonne, die erbarmungslos auf den Lagerplatz brannte.

Als währenddessen die Lieferung der Belagerungsgeräte eintraf, wurden alle verfügbaren Gardisten abgestellt um sich in den Aufbau und die Bedienung einweisen zu lassen.

Abends jedoch verwandelte sich das Lager. Rund um das große Feuer sammelten sich die Soldaten. Hier wurden Geschichten aus der Heimat erzählt, Lieder angestimmt und Späße getrieben, die manchmal derb, aber immer herzlich waren. Neue Kameraden wurden in den Kreis aufgenommen, alte Bande vertieft.

Ein besonderer Vorfall prägte die Lagerabende: mysteriöse Tortenstücke und Pralinen, die jemand aus unerfindlichen Quellen aufgetrieben hatte. Wer davon kostete, berichtete von den seltsamsten Halluzinationen – fliegende Pferde, singende Rüstungen oder sprechende Waffen waren nur einige der Erscheinungen. Manche schworen, im Feuerschein das Gesicht eines Drachen gesehen zu haben, während andere einfach lachend in den Sand fielen und von bunten Sternen faselten.

So wuchs das Regiment von Lichtenthal in diesen Tagen enger zusammen: im Kampf, in der Taktik – und im gemeinsamen Gelächter über Drachen, die sich angeblich über verbrannte Hosen beklagten.
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Arne Levar
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Registriert: Montag 19. November 2018, 19:02

Beitrag von Arne Levar »

Nachdem Arne die Nachricht erhielt, dass die Teile der Ballisten und Katapulte im Regiment angekommen waren, machte er sich auf den Weg zum Zeltlager. Als er dort eintraf warteten einige Gardisten schon darauf, dass ihnen der Aufbau der Belagerungsgeräte und dessen Handhabung erklärt wurden.

Zuerst erfolgte eine mündliche Unterweisung in den Aufbau der Geräte. Immer wieder wurden die einzelnen Teile bezeichnet und die Lage an den Geräten dargestellt. Dafür wurde das Buch Alumenische Kriegsgeräte benutzt, welches Arne vor Jahren für eine Besprechung mit der Ritterschaft Lichtentahls erarbeitet hatte. In diesem Buch wurden alle möglichen Angriffs- und Verteidigungsgeräte ausführlich vorgestellt.

Nachdem dieses Buch, welches Zweck mehrfach hergestellt wurde, durchgearbeitet war begannen die praktischen Übungen. Zuerst wurden die Bauteile der Reihe nach an die Positionen gelegt, wo sie später zusammengebaut werden müssen. Diese Handgriffe wurden am Anfang immer und immer wiederholt. Bei den ersten Übungen glichen die Reihe der Gardisten einem aufgeschreckten Hühnerhaufen. Aber mit jeder Wiederholung wurde es besser und besser. Man merkte, dass sie langsam verstanden welches Teil wohin gehörte. Danach begann der erste Aufbau. Bauteil für Bauteil wurde zusammengefügt und das Katapult und die Balliste waren im Entstehen. Viele Beschläge, Verbindungsbolzen und Nägel mussten gesetzt werden. Nachdem die erste Unterweisung beendet war, fielen die Soldaten erschöpft ins Gras, da die Arbeit für sie doch sehr ungewohnt war.

Aber zum Ende hin hat man bemerkt, dass die Gardisteen langsam wussten wo welches Teil hingehörte und auch froh waren über ihren Erfolg, als sie das erste Mal einen fertig von ihnen aufgebauten Katapult sahen.

Damit war der erste Tag das Trainings zum Aufbau von Katapult und Balliste beendet.

In den darauffolgenden Tagen fanden weitere Übungen im Feldlager statt. Von mal zu mal wurde es besser und die Handgriffe saßen. Ein jeder Gardist hatte jetzt seinen Platz gefunden. Am Ende des letzten Übungstages wurden die Geräte wieder auseinandergebaut und säuberlich auf Wagen verladen. Diese wurden von starken Ochsen gezogen.

Nun konnte das Regiment eigenständig den Aufbau der Ballisten und Katapulte realisieren.

Nachdem Arme seine Arbeit getan hatte, machte er Meldung beim Diensthabenden des Regiments. Nun konnte er wohl verdient seine Reise aufs Festland antreten und die seinen zu Hause besuchen.
Zuletzt geändert von Arne Levar am Sonntag 14. September 2025, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Renold Breg
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Renold Breg »

Das Kastell liegt nicht still. Schon im Morgengrauen hallen Schritte über den Hof, das Rufen von Offizieren mischt sich mit dem Poltern von Kisten und dem dumpfen Schlagen von Hämmern. An jeder Ecke herrscht Bewegung: Soldaten schleppen Pfeilbündel, Fässer und Säcke in die Magazine, während andere an langen Tischen die Riemen ihrer Rüstungen nachziehen.

Vor den Schmieden sprühen Funken, die Luft ist schwer von Rauch und glühendem Eisen. Junge Rekruten reiben mit groben Tüchern Helme blank, während die erfahreneren Männer ihre Klingen mit fast andächtiger Ruhe über den Wetzstein ziehen. Hinter den Mauern hört man Pferde schnauben; die Stallknechte haben alle Hände voll zu tun, Sättel zu prüfen und die Tiere auf den Marsch vorzubereiten.

Im Lazaretttrakt stapeln sich Verbände, kleine Fläschchen mit Tränken werden gezählt und neu verteilt. Die Lagermeisterei gleicht einem Ameisenhaufen – jeder will noch rechtzeitig seine Ausrüstung ergänzen, Ersatzriemen, Pfeile oder Trankvorräte sichern.

Über all dem liegt eine spürbare Spannung. Kein Laut verhallt ungehört, jedes Klirren von Eisen, jedes Rufen, jedes dumpfe Aufschlagen von Kisten trägt den Nachhall dessen, was bevorsteht. Die Soldaten arbeiten schweigend oder mit wenigen Worten, einander kaum aus den Augen lassend – wissend, dass die Zeit des Wartens sich dem Ende neigt.

Die Vorbereitungen sind mehr als bloße Routine. Sie sind das sichtbare Zeichen, dass das Regiment bereitsteht – bereit für die Offensive, die den nächsten Schlag gegen den Feind führen wird.

Ein Soldat mit blauem Barett und goldenem Umhang wird gut sichtbar für alle Soldaten ein Pergament anbringen:

Bild









  • Befehl zur Mobilmachung und Heerschau
    ausgegeben durch Feldwebel Renold Breg


    Jeder Soldat hat seine beste Rüstung und seine besten Waffen am Mann zu tragen.
    - Alle Teile der Rüstung müssen vollständig, gereinigt und einsatzbereit sein.
    - Waffen sind geschärft und gepflegt mitzuführen, Ersatzwaffen wenn vorhanden ebenso.

    Trankvorräte sind aufzustocken!
    - Jeder Soldat hat Heil- und Stärkungstränke in ausreichender Zahl mitzuführen.
    - Bei Bedarf oder fehlenden Vorräten meldet euch umgehend bei Lagermeisterin Cecilia.

    Private Rüstungen, die besser als die Dienstrüstung sind, können getragen werden, sofern sie in den Regimentsfarben gehalten sind.
    - Wer eine Lackierung benötigt, hat sich unverzüglich bei Lagermeisterin Cecilia zu melden.

    Am Tag der Heerschau muss alles in tadellosem Zustand sein!
    - Rüstung und Waffen sind blank und frei von Rost oder Schmutz.
    - Dienstkleidung darunter ist sauber und ordentlich.
    - Stiefel geputzt, Abzeichen und Regimentsfarben sichtbar und korrekt angebracht.

    Darüber hinaus führt jeder Soldat mit sich:
    - Waffenpflegezeug (Öl, Lappen, Wetzstein)
    - Notration und Wasser für mindestens zwei Tage
    - Verbandspäckchen oder Heilsalbe für Erste Hilfe
    - Seil oder Schnur, Feuerstahl oder Fackel
    - Ersatzriemen und kleine Reparaturmittel für Rüstung und Ausrüstung
    - Persönliches Dienstabzeichen in Ordnung und sichtbar
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Lydia von Stahl
Beiträge: 268
Registriert: Freitag 7. Dezember 2018, 15:08

Beitrag von Lydia von Stahl »

Der Abend im Esszimmer war schlicht. Lydia hatte Eintopf mit Fleisch gekocht, kräftig und sättigend, und ihre Brüder aßen schweigend. Garvin brummte nur zwischen zwei Bissen, dass ihm der Auftrag für vier Schiffskanonen übertragen worden sei - er müsse noch überschlagen, wie viel Eisen das verschlingen und was es kosten werde. Vincent lachte leise und meinte, besser Eisen zu zählen als Pfeile. Lydia hörte ihre Worte, aber ihre Gedanken waren schon woanders.

In wenigen Tagen sollte das Heer aufbrechen. Lydia hatte der Führung eine Empfehlung für das Lager gegeben. Doch nagte die Frage, ob es die richtige Wahl gewesen war. Nun lag es in Antarians Händen, das Feldlager zu führen, und er zählte auf ihre Unterstützung. Und dann noch das Regiment. Brauchte man sie im Regiment? Sie war nur Wachtmeisterin. Eine Stimme, die hier und da Marlan mahnte, Renold erinnerte oder Elisabeth zur Besinnung rief. Nichts, was das Gewicht eines Schlachtfeldes entscheidend verändern konnte.
Und doch … sie würde nicht fehlen dürfen. Ob in den Reihen oder davor, sie konnte den Männern und Frauen des Regiments beistehen. Ihre Ritterrüstung war mehr als Schutz - sie war ein Symbol. Wenn sie in voller Pracht unter den Soldaten stand, dann würden diese wissen, dass sie nicht allein kämpften.
Aber für Lichtenthal, das wusste sie, würde sie unter ihrem Banner reiten müssen. Als Ritterin, nicht als einfache Soldatin. Ihr Platz war doppelt, ihre Pflicht zweigeteilt: Kameradin und Wachtmeisterin für das Regiment. Bannerträgerin und Schutzschild für das Herzogtum.

Später, als ihre Brüder die Treppe hinaufstiegen, zog sie sich hinab in den Keller, zu ihrem Schrein. Dort entzündete sie die alte Kerze aus dem Kloster. Es war Friedrichs Kerze. Das Licht breitete sich warm im Gewölbe aus. „Sei bei mir, Friedrich“, flüsterte sie. „Du siehst mich, ich weiß es.“ Sie kniete nieder, sprach lange Gebete, nicht nur an Temora, sondern auch an den Mann, der ihr so nahe war und doch nie ihr geworden ist. Für einen Moment fühlte sie, als legte sich eine Hand beruhigend auf ihre Schulter.
Mit festem Griff nahm sie die Teile ihrer Rüstung hervor. Sie legte den Brustharnisch auf das Tuch, strich Öl darüber, rieb, bis das Metall spiegelte. Den Helm hielt sie ins Kerzenlicht, prüfte die Kanten, die Riemen, das Visier. Gürtel, Stiefel, Handschuhe - alles wurde kontrolliert, gereinigt, neu gefettet. Jede Spur von Vernachlässigung musste weichen. Daneben legte sie sorgsam die Klingen aus, schärfte sie, prüfte das Arsenal, dass sie stets in die Schlacht begleitete. Dann legte sie auch Ersatzriemen, Verbände und die Tranktasche zurecht.
Stück für Stück wuchs aus der Arbeit ein Bild. Vor ihr lag nicht nur eine Ausrüstung, sondern das Versprechen einer Rolle, die größer war als sie selbst. Lydia atmete tief, die Kerze flackerte und warf ihren Schatten lang über den Stein.

Schließlich hielt sie inne. Die Kerze spiegelte sich im blanken Stahl, das Symbol Temoras erhob sich im warmen Schein. Lydia neigte das Haupt und sprach leise:

„Temora, schenke mir Mut, Kraft, Tapferkeit. Klare Sinne und ein scharfes Schwert.“

Dann schwieg sie, und die Stille des Schreins antwortete mit Frieden.

Bild
Zuletzt geändert von Lydia von Stahl am Mittwoch 1. Oktober 2025, 23:59, insgesamt 1-mal geändert.
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Serina Marcel
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Registriert: Dienstag 7. Januar 2025, 13:04

Beitrag von Serina Marcel »

Ein weiterer Auftrag, ja der Sinn dahinter leuchtete ein. Der Begriff erklärte sich ja von selbst. Sturmleitern, sowas brauchte keine Baupläne. Sie mussten lang sein, stabil genug und breit genug.. Sie seufzte ja und sie würden schwer werden und lang und sperrig und so unglaublich leicht zu transportieren...

Vielleicht nur die Planken bereithalten, den Zusammenbau vorbereiten und dann vor Ort kräftige Bäume schlagen? Ja wie viele Wochen hatten sie noch Zeit dafür? Keine Wochen.. nur Stunden. Gut also keine Lösung.

Klappscharniere, das Wort kam ihr in einem Anfall verzweifelter Belustigung in den Sinn. Ja sicher, wenn sie bei einigen Lachanfälle auslösen wollte, gepaart mit einem Tadel, was dieser Unsinn bitte solle. Man wolle keinen Balkon streichen sondern eine Festung einnehmen.

Gleich vier hiervon sollten es sein. Der Transport würde schwer werden, wie die Leitern selbst. Wenn die Katapulte in gleichmässiger Formation geschoben würden, könnte man die Leitern dort jeweils rechts und links anhängen. Das würde zumindestens nicht noch zusätzliche Männer nötig machen, diese verdammt langen Leitern zu tragen. Die Halterungen dafür zu bauen war das Leichteste hieran.

Eifrig suchte sie alles weitere zusammen. Kräftige Planken in ausreichender Anzahl waren bald gefunden und auf einen großen Karren geladen. Was ein gut sortiertes Lager doch Wert war. Lederschnüre, Nägel und Leim.. Dreifache Befestigung, mehr Stabilität ging wohl nicht. Alles brachte sie zur Garnison und erbat dort die Hilfe von einigen kräftigen Männern.

Die entsprechenden Bäume die es brauchen würde waren bald gewählt, geschlagen und nach Adoran verbracht. Die nächsten Tage arbeitete sie nun an den Leitern. Die Stämme entsprechend bearbeiten, die Planken anbringen. Es brauchte Zeit. Aber letztlich war auch diese Arbeit geschafft.
Die Katapulte stattete sie zudem mit den Halterungen aus. Es musste, nein sollte, funktionieren.
Ich bin kein saurer Apfel und beissen lass ich mich auch nicht!
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Jynela Dhara
Beiträge: 629
Registriert: Montag 28. Dezember 2020, 18:02

Beitrag von Jynela Dhara »

Der Abend war längst hereingebrochen, als Jynela nach dem Appell den Palasthof verließ und den Heimweg antrat. Der Klang ihrer eigenen Schritte hallte in der Stille, ungewohnt einsam, da sonst die Stimmen der Wachen und das Scharren von Waffen und Rüstungen den Hof belebten.

Heute aber lag alles gedämpft, wie in einen Schleier gehüllt – ein Spiegel der geschwächten Garde.

Daheim angekommen, sparte sie sich, eine Kerze zu entzünden. Sie setzte sich an den Tisch und verharrte lange im Dunkel. Lediglich die letzten Flammen aus dem Kamin zitterten und warfen Schatten über ihr Gesicht, während ihre Gedanken schweiften. Der Kampf gegen die Krankheit schien schwerer als jede Schlacht, die sie bislang geschlagen hatte. Einer nach dem anderen war gefallen, nicht durch Klingen, sondern durch Fieber und Husten.

Besonders schmerzte sie, dass nun selbst Lingor aufgeben musste. Er war stets der Fels gewesen, der selbst dann nicht wankte, wenn andere schon strauchelten. Ihre rechte Hand, ihr stärkster Halt – nun fortgerissen von dieser Welle. Und mit ihm der letzte Rest von Sicherheit, dass es schon irgendwie weitergehen würde.

Jynela fuhr sich über die Augen, spürte die Müdigkeit brennend hinter den Lidern. Der Tisch vor ihr verschwamm, als wolle der Schlaf sie mit Gewalt niederzwingen. Für einen Augenblick war da das Verlangen, einfach aufzugeben, ins Bett zu sinken, die Verantwortung abzustreifen, wenn auch nur für eine Nacht. Doch sie wusste, das konnte sie nicht.
Nicht jetzt.
Nicht, da die Reihen so dünn geworden waren, dass kaum noch Wachen an den Toren standen, kaum noch Streifen durch die Straßen zogen.

Sie atmete tief durch, presste die Kiefer zusammen und erhob sich. Nein, heute würde sie nicht schlafen. Heute musste etwas geschehen.

Mit schweren Schritten ging sie die Treppe nach oben und trat an den Schreibtisch, entzündete dort einige Kerzen und griff nach Feder und Tinte.
Die Worte flossen stockend, aber entschlossen: ein Hilferuf an die Gilden, an die Institutionen des Reiches, an jeden, der über Männer und Frauen verfügte, die er abstellen konnte. Die Garde allein konnte Rahal vielleicht schützen, aber die Patrouillen für die Siedlungen brauchten Unterstützung, die Wachen auf den Mauern von Düstersee ebenso. Sie waren nun einfach zu wenige, zu schwach, zu krank. Und jene die noch standen, litten unter der doppelten und dreifachen Anstrengung die Kameraden aufzufangen. Sie bat um Unterstützung, um Kameraden auf Zeit, um jede Hand, die fähig war, eine Waffe zu führen oder eine Wache zu halten.

Als der Bogen gefüllt war, sank sie zurück auf den Stuhl. Der Entschluss stand. Sie mochte müde und angeschlagen sein, aber untätig würde sie nicht zusehen, wie die Garde zerfiel. Wenn sie selbst schon kaum noch stand, dann würde sie wenigstens dafür sorgen, dass Hilfe auf dem Weg war.

Die Kerzenflamme flackerte, als ein Luftzug durch den Raum strich, und für einen Herzschlag lang meinte sie, einen Schatten über die Wände huschen zu sehen – doch es war nur das Spiel des Lichts. Jynela schloss die Augen und rieb sich die Schläfen. Sie dachte an die Männer und Frauen, die heute noch aufrecht standen, an die Torwachen, die trotz Fieber die Zähne zusammenbissen, und an jene, die in den Baracken schwitzend in den Laken lagen. Alles hing an einem seidenen Faden.


Doch was ihr Blick nicht sah und was ihr Herz noch nicht ahnte: jenseits der östlichen Grenzen hatte sich längst etwas in Bewegung gesetzt. Dort, wo das Reich sich sicher wähnte, rüsteten sich Hände. Während in Rahal Kerzen erloschen und Menschen zur Ruhe gingen, formten sich fernab Pläne, die wie ein Sturm über das Reich hereinbrechen würden.

Sie hatte an jenem Abend keine Ahnung, was das Schicksal für ihr Reich bereithalten würde. Dass die ausgedünnten Reihen der Garde nicht nur eine Last für die Gegenwart waren, sondern eine offene Wunde, in die der Feind bald schon gnadenlos stoßen würde. Und während die Tinte auf dem Pergament trocknete, schrieb sie, ohne es zu wissen, an einem Hilferuf, der über den Fortbestand von mehr als nur einer Stadt entscheiden konnte.
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Arjen Elsinga
Beiträge: 69
Registriert: Sonntag 26. Mai 2024, 07:07

Beitrag von Arjen Elsinga »

Der Searum hatte begonnen, die sommerliche Wärme aus den Adern der Welt zu treiben. Gerimor wurde stiller, rückte unter dem dräuenden Gewicht von bewölkten Himmeln und der jedes Jahr wiedergeborenen Notwendigkeit von angefachten Kaminfeuern, in geschützten Behausungen zusammen. Schutz und Gemeinschaft. Zwei Prinzipien, die Lichtenthal - nein, das Königreich als solches - ausmachten und die der frisch beförderte Gardist mit jedem Tag stärker gefühlt hatte, den er Dienst im Regiment tat. An diesem Morgen sah er von seiner Behausung in der Oberstadt Berchgards über die felsigen Pfade hinab in den Ortskern am Fuße des Berges, in deren schützender Obhut der Dreh- und Angelpunkt der Grafschaft Tiefenberg lag. Es war still.

Hier und dort hörte man vereinzelte Arbeiter ihr Tagewerk verrichten, aber es war fast, als spürte man im gesamten Herzogtum, dass sich ein Sturm zusammenbraute, als wollte das östliche Reich noch einmal durchatmen, bevor es Zeit war, Rechnungen zu begleichen, die längst überfällig waren. Für viele war die letzte Offensive des Häretiker-Reiches noch frisch und gerade die Bewohner Berchgards spürten ihre Wunden zum Teil noch immer wie einen Phantomschmerz, der beharrlich nicht weichen wollte. Es gab diese seltenen Momente, in denen selbst die nobelsten, selbst die friedvollsten Seelen einen Blutzoll forderten - nach einem Ausgleich, der sich nicht in wieder aufgebauten Dächern und Festen der Zerstreuung messen ließ. Die sicheren Mauern Lichtenthals hatten ob wiederkehrender Angriffe Schaden genommen - kleine Haarrisse, die drohten, sich zu veritablen Sprüngen im Mauerwerk zu vergrößern wenn man sie nicht versorgte. Und der Mörtel würde in dem Blut westlicher Ketzer gewogen, die ihre dreckigen Stiefel auf der moralischen Unbeflecktheit Lichtenthals abgetreten hatten. Das Land brauchte das und Arjen Elsinga würde seine Pflicht tun, wie immer.

Während der Seemann den Blick von seinem Panorama eines schlafenden Ortes abwandte, führten ihn seine Schritte in den Keller, wo er eine kleine Waffenwerkstatt unterhielt. Er hatte die vergangenen Tage damit verbracht, Rohmaterialien für Unmengen an Munition, Ausrüstung und Vorräte aufzustocken. Tausendfach ausgeführte Handgriffe pressten mehr Munition verschiedenster Art. Außer den Geräuschen, die Handgriffe und Werkzeug verursachten, durchbrachen Worte einer unüblichen Andacht die Stille: Wo andere zu Temora beteten oder ihre Schwüre zu ihren Herren erneuerten, war die Stille des Kellergewölbes unterhoben von Worten nicht nur an die Schildmaid, sondern auch von selten gesprochenem Bitten an den Sternenvater. Arjen wusste was man sich sagte: Horteras kümmerte sich nicht mehr um die Belange der Bewohner der bekannten Welt und doch war da dieses Gefühl - oder eher ein Hoffen - dass er sie trotzdem hörte. Er hatte oftmals auf See in die Sterne geblickt, hatte gelernt, anhand der Gestirne einen Kurs zu bestimmen und war sich seither sicher, dass der Sternenvater subtiler zu den Menschen sprach, leiser und vielleicht weniger vernehmbar, aber er sprach.

Wenngleich der Gardist in Treu und Glauben zu Temora stand, schlug in seiner Brust der Glaube für den Sternenvater in gleicher Stärke - ungeachtet dessen was Gelehrte sagten: Seemänner die sich verloren glaubten und die wieder ihren rechten Weg gefunden hatten, waren das wiederkehrende Beispiel dafür, dass der Sternenvater über sie wachte.

Also bat der Seemann nicht nur die Schildmaid, sein Herz mit dem Feuer gerechter Rache zu füllen, sondern auch den Sternenvater, ihm den rechten Weg zu weisen, auf das seine Hand stets den Weg ins Ziel finden möge - nicht in das Herz des Feindes, sondern in dessen Gesicht, auf dass die entstellte Fratze des Ketzertums noch lange für alle sichtbar sein möge.

Es war eine kalte, kalkulierte Vorfreude, die er in Alrynes und an Bord der Silberspeer gelernt hatte und die dennoch stark und hell brannte. Das letzte Bündel an Munition fand schließlich den Weg in sein Feldgepäck. Seine Waffen waren überprüft und in tadellosem Zustand. Als der Seemann seine Vorbereitungen schließlich abgeschlossen hatte, befuhren seine Finger das Amulett, welches er seit einiger Zeit trug. Die feinen Intarsien, die Kraft und Anmut verbanden, trugen ein weiteres, noch zartes und frisches Versprechen - und als er es öffnete und auf den feinen Ausschlag des darin verborgenen Kompasses sah, lächelte der Seemann. Kein Rückzug. Kein Zweifel.

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Viktoria Hamberg
Beiträge: 377
Registriert: Freitag 4. Februar 2022, 12:08

Beitrag von Viktoria Hamberg »



  • Nur langsam schälte sich Viktoria aus den Resten ihres Traums, wie aus einem feinen, zu eng gewordenen Schleier. Das warme Glühen, das sie eben noch umfangen hatte, zerfiel in mattes Grau. Sie spürte noch, wie es sich anfühlte, jenes sanfte, wohlvertraute Lächeln, das ihr aus einer anderen Welt gefolgt war. Ein Lächeln, das jetzt fehlte, wie ein plötzlich herausgerissener Ton aus einer Melodie. Der Verlust brannte dumpf in ihrer Brust.

    Das Zimmer war still, zu still. Der Duft getrockneter Kräuter hing schwer in der Luft. Draußen lag der Morgen wie eine gläserne Fläche, kalt und durchsichtig. Eine Weile blieb sie liegen, zwischen Traum und Wachen gefangen, dann zwang sie sich hoch. Die Dielen unter ihren nackten Füßen gaben knarrend nach, kein vertrautes Heimgefühl, sondern ein Aufschrei, der sie an die Wirklichkeit erinnerte.

    Heute würde nichts sie erwarten, dachte sie, und wusste doch: Alles würde sie erwarten. Wieder Schlacht. Wieder Blut. Wieder dieser schmale Grat zwischen Töten und Retten. Ihr moralischer Kompass hatte lange gegen diese Last gekämpft. Sie hatte geschworen, Leben zu schützen, nicht zu nehmen. Aber der Schwur hatte Risse bekommen. Jemand hatte ihr einst beigebracht, dass man manchmal ein Leben opfern musste, um viele andere zu bewahren und heute war so ein Tag.

    Sie war Soldatin mit Leib und Seele. Für Krone, Reich und Glauben würde sie alles geben. Nicht aus blindem Gehorsam, sondern aus jener rauen Überzeugung, die ihr Herz inzwischen wie ein zweiter Puls durchzog.

    Ihre Tasche wartete stumm in der Ecke. Bandagen, Salben, Seife - das kleine, unscheinbare Rüstzeug, das auf dem Schlachtfeld Leben verlängern oder retten konnte. Viktoria wusste, dass sie nicht nur Heilerin sein würde, sondern auch Schild und Pfeil, mitten im Getümmel, den Bogen gespannt auf den Feind und gleichzeitig die Augen auf jene Seelen, die ihre Prinzipien teilten. Der Gedanke an eine offene Rechnung mit einem Templer des dunklen Dämons ließ etwas in ihr aufflackern, kein Feuer, sondern eher ein kaltes, zielgerichtetes Leuchten. Es gab sie noch, diese Momente, in denen Pflicht und Rache ineinandergriffen wie Zähne.

    Entschlossen streifte sie das Nachthemd ab, der Stoff fiel wie eine abgeworfene Haut zu Boden. Noch ein Bad, dachte sie. Noch einmal das Wasser spüren, klar und warm, bevor die nächsten Tage wieder Kälte, Schmutz und Blut brachten. Ein schmerzlich vermisster Luxus, den sie sich an diesem Morgen fast trotzig nahm.

    Doch Ruhe wollte nicht einkehren. Das Wasser konnte ihre Gedanken nicht glätten, und sie verließ das Bad früher, als sie geplant hatte. Ihre Uniform hing bereit: auf Hochglanz poliert, der Umhang gefaltet, die Stoffbahnen glatt wie gespannte Segel. In der Nacht hatte sie alles gestärkt, gebügelt, ausgebessert und doch wusste sie, wie sinnlos diese Mühe sein würde. In wenigen Tagen würde der Umhang zerrissen, beschmutzt, getränkt von Blut, das hoffentlich nicht ihr eigenes war.

    Sie nahm ihn in die Hände, spürte das Gewicht, die Kälte der Schließe, das weiche Gewebe. Langsam schloss sie die Augen, atmete tief, strich mit den Fingerspitzen über den Saum. Ein stilles Ritual, das sie sammelte. Sie wusste, wofür sie diesen Umhang trug. Er war mehr als Stoff, er war Schwur und Schutzhaut, bis alles überstanden war.

    Und doch - unter der Schwere des Stoffes begann etwas in ihr zu glimmen. Kein warmes Feuer, sondern eine unruhige Glut, die in den Tiefen ihrer Brust pochte. Sie spürte, wie sich die Schärfe der kommenden Schlacht in ihr Blut mischte, wie die Aussicht auf Gefahr und Entscheidung ihr Herz schneller schlagen ließ. Da war keine Angst mehr. Nur ein eigentümlicher Rausch, ein kaltes, grimmiges Verlangen, endlich hinauszutreten, den Bogen zu heben und die Schatten zu durchbohren. Es war eine Vorfreude, die wehtat und die sie dennoch mit jedem Atemzug gierig in sich aufnahm.

    Ein leises Gebet löste sich von ihren Lippen - an Eluive, an Temora, an die eigene Seele. Ein Flüstern, das kaum die Luft bewegte und doch alles umfasste: die Kameraden, die Unschuldigen, die Gefallenen, das Regiment, das Haus Dynal. Alle, die sie kannte. Alle, die sie tragen musste. Alle, die ihr Herz füllten.

    Als sie die Augen öffnete, lagen ihre graublauen Iriden wie gehärteter Stahl auf einem unbestimmten Punkt in der Stube. Ein Gedanke stach hervor, klar und scharf wie die Schneide eines Messers: Sie durfte nicht wieder schweigen. Nicht diesmal. Wenn dies die letzte Gelegenheit war, jene Augen zu sehen, die ihr Herz in Flammen setzten, durfte sie nicht länger zurückweichen.

    Zu lange hatte sie ihre Gefühle verschlossen gehalten, wie eine Wunde, die man nicht berührt aus Angst, dass sie neu aufreißt. Doch nun brannte die Erkenntnis in ihr: Worte, unausgesprochen, waren schlimmer als jede Narbe. Diesmal würde sie es sagen. Ganz sicher. Und dennoch - ein winziger Rest Zweifel, ein hauchdünner Schleier von Furcht, legte sich über den Entschluss. Ein einziges Wort schlich sich in die eiserne Gewissheit, kaum hörbar, kaum greifbar: Hoffentlich.

    In voller Montur stand sie eine halbe Stunde später in der Apotheke, den Teebecher warm in den Händen. Der Tee schmeckte nach Kräutern, nach Erde, nach Wachsein und doch legte sich unter den bitteren Schluck ein metallischer Nachhall, als koste sie im Voraus schon Blut. Sie starrte aus dem Fenster in ihren Garten. Um sie herum stapelten sich Kisten: Proviant, Verbandsmaterial, Waffen. Schilde und Bogen, sauber geordnet, warteten wie schweigende Zeugen.

    Ihr Blick war fest, nicht hart. In ihm lag jene stille Zuversicht, die nichts und niemand ihr nehmen konnte. Doch tief unter dieser Ruhe, kaum spürbar für andere, arbeitete es in ihr: ein nervöses Beben, das sich wie ein Strom durch ihre Adern zog. Die bevorstehende Schlacht hatte schon Besitz von ihr ergriffen, hatte sich wie ein dunkler Pulsschlag in ihr Herz genistet. Angst war da keine mehr - nur Erwartung. Grimmig, unerbittlich, fast wie ein süßer Rausch.

    Sie wusste genau, wofür sie in die Schlacht zog. Und nichts auf der Welt hätte sie in diesem Moment dagegen eintauschen wollen.

    - Sie war bereit -
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Zuletzt geändert von Viktoria Hamberg am Freitag 3. Oktober 2025, 13:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Jynela Dhara
Beiträge: 629
Registriert: Montag 28. Dezember 2020, 18:02

Beitrag von Jynela Dhara »



Man konnte, wenn man gerade zufällig in der Nähe der Straße nach Düstersee stand, eine Reiterin sehen, die im Galopp an einem vorbeipreschte, als hätte sie persönlich den Teufel im Nacken.

Und vielleicht hatte sie das auch.
Zumindest sah der Hauptmann so aus: der Blick starr geradeaus, das Pferd schnaubend, die Zügel angespannt wie der Bogen eines sehr nervösen Schützen. Man konnte meinen, sie reite um ihr Leben.
Oder um das Leben von ungefähr allen anderen gleich mit.


Später – man hätte schwören können, kaum eine Stunde danach – verließ sie wohl das Rathaus in Düstersee und dem Gemunkel einiger Wachen nach, wurde dieselbe Frau gesehen, wie sie mit einer Axt in der Hand in den Wald stapfte.
Es war nicht die Art von Axt, mit der man Brennholz spaltet, sondern die Sorte, bei der sich die Bäume gleich in Gruppen überlegen, ob sie nicht von selbst umfallen sollten, um Ärger zu vermeiden.

Kurz darauf grollte vom Gebirge her ein dumpfer Laut. Er war so tief, dass sogar ein paar Steine vom Hang kullerten, als wollten sie die Gelegenheit nutzen, auch mal etwas Bewegung ins Spiel zu bringen. Dann folgten einige Axtschläge.
Kräftige, entschlossene Schläge, das konnte jeder hören.
Und dann – nichts.

Stille.

Die Art Stille, die sich nur über ein Land legt, wenn alle Lebewesen kollektiv beschließen: Da hören wir jetzt lieber mal ganz genau hin, bevor wir uns bewegen.


Und während Düstersee den Atem anhielt und das Reich noch nichts ahnte, begann sich langsam, ganz langsam, etwas zu verändern.
Denn diejenigen, die das Schreiben des Hauptmanns erhalten hatten – jene, die es tatsächlich lasen, anstatt es in der Schublade zu vergessen, und jene, für die immer noch das Reich wichtig war, die Gemeinschaft und die deswegen: „Natürlich, wir helfen gern!“ gesagt hatten – setzten sich nun in Bewegung.
Es waren nicht viele, doch es waren genau die Richtigen.
Leute, die wussten, an welchem Ende man eine Balliste anschiebt, und die die beeindruckende Fähigkeit besaßen, sich dabei nicht sämtliche Finger einzuklemmen.
Knarrende Räder, die sich in Bewegung setzen, laute Rufe, die endlich der Stille ein Ende setzten.

Noch war es nur Bewegung am Rande, noch ahnte niemand, welche Gewitterwolke sich da über den Osten auftürmte. Aber irgendwo, zwischen Axtschlägen im Wald und rumpelnden Ballistenrädern auf Kopfsteinpflaster, begann das Schicksal langsam, mit einem sehr großen Löffel im Topf des Reiches umzurühren.
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