[MMT] Im Kerker Adorans

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Khaltor
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[MMT] Im Kerker Adorans

Beitrag von Khaltor »

Das dumpfe Dröhnen der schweren Metalltür hallte noch lange in dem kleinen Raum nach, nachdem Korpal Marlan Kabo die hinter sich zuschlug. Einzig gestört von dem Klicken eines Schlüssels der im Schloss gedreht wird.
.
Kurz verharren seine braunen Augen noch die die Tür gerichtet, dann wendet er den Kopf und sieht in die Zelle zu seiner Rechten. Die gefangenen Kleidung schmeichelte der ansonsten makellosen Vic kein bisschen. Die Wölbung ihres Bauches zeichnete sich dennoch deutlich ab. Scheinbar erschöpft saß sie auf ihrer Liege, die Augen halb geschlossen. Die Laterne an der Wand ihr gegenüber warf die Schatten der Gitterstäbe auf die und ließ sie grotest erscheinen.
“Geht es dir und deinem Kind wenigstens gut?”. Seine Stimme nun klar und ruhig im Gegensatz zu den vorangegangenen Stunden, in denen er sich einen Spass daraus gemacht hatte die Mitglieder des Regiments und den Baron mit einer gespielten aufgedrehtheit zu tode zu quasseln.
Wenigstens, das wusste er, hatte er sie deutlich genervt.
“Ja” kam es leise und erschöpft von ihr. Mehr nicht.
Sie hüllte sich in Schweigen, die Hände auf ihren Bauch gelegt, wie um das ungeborene Leben darin zu beschützen und ihm Geborgenheit zu schenken.

“Ich bin gespannt wie schnell das hier die Runde macht. Gut, dass Ron aktuell nicht in Bajard anzutreffen ist - das macht meine Geschichte glaubwürdiger. Und gut, dass ich meinen Bürgerbrief zu Hause gelassen habe, so kann ich sie weiter vollquasseln ich sei er” Bei der Vorstellung legte sich eins chiefes Grinsen auf sein Gesicht.

Wortlos wandte er sich um und ließ sich den Wind ins Gesicht wehen.
Gut, er kommt aus Osten von der Stadt. Immerhin nicht so stark, wie wenn er von Süden kommt”
Zielstrebig macht er die zwei Schritte zur vergitterten Öffnung in der Südseite des Turms und holt sein Gemächt heraus.
Ein leises seufzen geht von ihm aus, als er Wasser lässt, welches sich auf dem kleinen Vorsprung außerhalb des Gitters zu einer Pfütze sammelt. kurz behält es die Oberflächenspannung und tritt dann doch über den Rand des Vorsprungs. Langsam aber beständig folgt der Urin dem eigenen Sog und rinnt die Außenmauer der Wehranlage hinab. Er fröstelt kurz und schüttelt sich. die letztes trophen fallen von seinem Gemächt. “Da hat der All-Eine nun auch diese Feste geweiht!” Mein er leise und zufrieden.
Als er Anstalten macht zu seiner liege zurück zu kehren fällt sien Blick wieder auf Vic, die scheinbar im Sitzen eingeschlafen ist. Ihre position unverändert, das Kinn auf die Brust gesenkt, die Hände auf dem Bauch.
Ein flüchtiges Lächeln huscht über sein Gesicht als er sie so betrachtet. Nie zuvor konnte er sie so unverhohlen Mustern. Wahrlich eine attraktive Frau, schießt es ihm durch den Kopf - Und er hat ihr bis zuletzt beigestanden.

Der Wind frischte nun ein wenig auf und trug den Geruch seines Urins gen Westen in Richtung Vorstadt und Kutsche…sollen alle wissen, welches Pack sich hier in Adoran aufhält.
In der relativen Sicherheit seiner verriegelten Zelle lässt er sich größtenteils entspannt auf der Liege nieder. seine Hände als Kopfkissen hinter dem Kopf verschränkt.
Er ließ noch ein wenig seine Gedanken scheifen. Dachte über seine Freunde nach ob sie ihn holen würden und musterte die Befestigungen am Hafen, den er in der Ferne von seiner Position aus sehen konnte.So dämmerte er langsam in den Schlaf hinüber.


Er schreckte auf. Kurz orientierungslos blickte er sich hektisch um ehe die Erinnerungen an den Vorabend jäh zurück kehrte. Zorn sitieg in ihm auf. Zorn über seine Situation, Zorn über die unverhötnismäßigen Angriffe auf eine Schwangere und Zorn über sich selbst, nicht das direkte Duell gesucht zu haben.

Er rieb sich die Arme - die Kälte hatte ihn geweckt. Unter der minderwertigen Gefangenenkleidung hatten sich seine Haare aufgestellt um mehr Wärme einfangen zu können.

Er stand auf und nahm sich einen Krug Wasser. Gierig nahm er große Schlucke. Der Krug war bereits zur hälfte gelehrt, als sein Blick über den Rand des Kruges in die Zelle zu seiner Rechten gleitet.
Kurzerhand warf er den Krug durch den Raum. Er zerschellte an der Gegenüberliegenden Wand, nahe der Tür durch die der Korporal sie gestern verlassen hatte.
Die Scherben bedenkten den Boden vor an der westlichen Wand und befriedigten ihn ein wenig.

Die Zelle zu seiner Rechten war leer…..
Zuletzt geändert von Khaltor am Sonntag 14. September 2025, 13:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Marlan Kabo
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Registriert: Samstag 19. April 2025, 01:12

Beitrag von Marlan Kabo »

Eine einzelne Wache trat eilig vor Marlan, sichtbar außer Atem und mit Schweiß auf der Stirn. Er salutierte hastig und rang nach Worten, ehe er endlich hervorbrachte:
„Korporal… die Gefangene… sie ist verschwunden. Wir haben die Zellen überprüft, doch von ihr fehlt jede Spur. Der männliche Gefangene hingegen benimmt sich wie ein ungehobelter Unhold.“
Marlan schwieg einen Moment. Sein Blick verfinsterte sich, und in den Augen funkelte Ärgernis. Dann erhob er sich langsam, das Gewicht seiner Autorität lastete auf dem Raum.
„So sei es“
sprach er mit fester Stimme.
„Die Rüstungen, die sie bei sich trugen, sollen nicht ungenutzt bleiben. Lasst sie reinigen und den Bedürftigen spenden – der Stahl soll denen dienen, die unsere Mauern schützen, nicht solchen, die Unruhe ins Reich tragen.“
Die Wache nickte hastig, doch Marlan fuhr bereits fort:
„Den Mann führt an die Grenze. Macht ihm auf dem Weg klar, dass er hier nichts mehr zu suchen hat. Sollte er sich widersetzen, zeigt ihm, wie ernst es uns mit diesem Befehl ist. Er soll das Reich verlassen – und nie mehr zurückkehren. Sagt ihm, er sei unerwünscht und würde beim nächsten Schritt über die Schwelle mit dem Schwert empfangen.“

Ein kurzer, unheilvoller Moment der Stille lag im Raum, bevor die Wache tief durchatmete, salutierte und davoneilte, um den Befehl auszuführen. Marlan sah ihr nach, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
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Victoria Dracones
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Victoria Dracones »

Tief in der Nacht öffnete Victoria langsam ihre Augen. Mittlerweile war Ruhe im Kerkerturm eingekehrt. Der Abend hatte ein unerwartetes Ende gefunden...

Eine Schatzkarte, zwei im besten Fall wollten sie den Tiefen der Erde entreißen. Eigentlich ein zu großes Wagnis in ihrem derzeitigen Zustand, doch gut geschützt von einem Krieger und Bogenschützen, machbar. Sie selbst hielt genug Abstand ein, um mit ihren von Kra'thor gegebenen Gaben das Leben der Bestien langsam erlöschen zu lassen, während Khaltor als Schild diente und sie nach und nach mit seiner Waffe durchbohrte... enthauptete, zu Grunde richtete. Auf dem Weg zur ersten Karte hatten sie mehrere kleine, naheliegende Waldstücke durchstriffen und irgendwann den richtigen Platz gefunden. Dabei hatten sie natürlich nicht darauf geachtet, ob und wo sich irgendwelche Grenzsteine befanden, bis sie sich von mehreren Regimentlern, Schützen und Magiern umzingelt fanden.


Hin und wieder durchzog eine kühle Brise die Gitter des Turms und lies den Wind leise singen. Ihr Blick wanderte durch die Zelle. Keine Wache.... Khaltor war wahrlich gut in seinem Schauspiel. Irgendwann waren selbst die Wachen derart genervt von seinem unaufhaltsamen Gerede, dass sie ihre Posten verließen und die beiden Gefangenen schließlich alleine gelassen hatten. Ein dummer Fehler....

Sie hatte die Augen geschlossen und den Anschein hinterlassen, als würde sie schlafen. Der Abend erschöpfte sie mehr als erwartet also nahm sie sich die Zeit, meditierte in sich hinein, sammelte ein paar Kraftreserven und fühlte sich durch das klerikale Gefüge, so weit sie nur konnte. Selbst die Hals- und Handfesseln wurden vorsichtig überprüft. Nichts.... keine priesterliche Einwirkung lag auf dem Metall. Immerhin etwas.... Auch die Unruhe in ihrem Leib hatte sich wieder gelegt.

Müde, von Langeweile geplagt und erschöpft zählte sie jede einzelne Fliese vom Boden ihrer Zelle, bis ihr Blick auf einer speziellen unter der Liege haften blieb. Eine Kante hob sich leicht und doch sehr unauffällig vom Boden ab. Langsam rutschte Victoria leise näher zur Liege und betastete die Ränder der Steinplatte mit ihren Fingern, welche unter leichtem Druck nachgab. Wenn sie schon verschwand, dann würde sie ihnen ein Geschenk hinterlassen, welches das Regiment nicht so schnell vergessen würde. Ein schwacher Versuch, aber immerhin ein Versuch. Möglichst leise zog sie die Steinplatte heraus, welche sich schabend aus ihrem Platz heben lies. Immer wieder schaute die Rabendienerin zur Seite und hinter sich in die Zelle zu ihrer Linken. Als sie die Fliese vor sich legte, neigte sie sich zur den Gitterstäben, welche die Nachbarzelle und ihre eigene voneinander trennten und pickte von dort eine kleine, gläserne Scherbe vom Boden. Khaltor mochte zwar sein Schauspiel verstehen, doch änderte das nichts an der Tatsache, welch schreckliche, schier ohrenbetäubende Laute er von sich gab, die er als Gesang bezeichnete. Vor lauter Zorn und Entnervtheit nahm sie ihren Wasserkrug und warf ihn gegen die Gitterstäbe. Die Scherben kamen ihr ganz gelegen und so wurde die nächstbeste ergriffen, gefolgt von einem Schnitt in ihren Finger, der tief genug war, um Blut fließen zu lassen. Bedauerlicherweise ihr eigenes. Der tiefrote Lebenssaft sickerte mit jedem Schriftzug, jedem Zeichen in die steinerne Platte. Ein Fluch nach dem anderen hatte leise und raunend ihre Lippen verlassen.

''Mögen all jene die hier gefangen sind, all jene die einen schwachen Geist beherbergen dem Wahnsinn verfallen und jeden anderen in den Wahnsinn treiben.''

Nachdem sie ihr Werk vollbracht hatte, drehte sie die Fließe wieder um und legte sie wieder auf ihren alten Platz, die sie vorsichtig in den Boden drückte, damit man ja nicht die verdächtige Kante erblicken würde, welche sich zuvor von den anderen Platten abhob. Erst dann suchte sie nach einem passenden Schatten, dem sie sich bemächtigte, sich in ihm verbarg und nach einem letzten Blick zum schlafenden Khlator anschließend lautlos verschwand.

Aus der Dunkelheit des Bajarder Friedhofs heraustretend war ihr nächstes Ziel Christine. Wenig verwundert löste sie ihre Fesseln und schon kurz darauf fand ein Schreiben seinen Weg zur Garde, um über die Umstände und den gefangenen Khaltor zu berichten.

Der grantige Zwergenbaron würde noch sein blaues Wunder erleben...
Zuletzt geändert von Victoria Dracones am Montag 15. September 2025, 13:15, insgesamt 1-mal geändert.
Khaltor
Beiträge: 9
Registriert: Samstag 17. August 2024, 23:12

Beitrag von Khaltor »

Das gleichmäßige Tropfen irgendwo in den Tiefen des Turmes war das Einzige, was die Stille durchbrach. Khaltor hatte längst aufgehört, die Minuten zu zählen, die er hier verbrachte. Die Schatten der Gitterstäbe zogen sich im Licht der schwachen Laterne über die kahlen Wände, wanderten nur träge, kaum merklich, wenn der Wind draußen die Flamme erzittern ließ.

Stunden waren vergangen – oder Tage? Sein Körper wusste es nicht mehr. Er hockte auf seiner Liege, die Ellbogen auf die Knie gestützt, das Kinn in die Hände gedrückt. Die anfängliche Wut war abgeflaut und hatte einer bleiernen, quälenden Langeweile Platz gemacht, die sich tiefer in seine Knochen grub als die Kälte.

Sein Blick wanderte immer wieder zur Zelle zu seiner Rechten. Leer. Das Bild von Vic, wie sie dort saß, die Hände auf ihrem Bauch, war noch frisch in seinem Geist eingebrannt. Doch die Wirklichkeit zeigte nur Leere, ein leeres Bett, Schatten und Eisenstäbe.

„Hat man sie weggebracht?“, murmelte er in die Stille hinein. „Oder… hat sie es geschafft?“

Ein Schmunzeln zuckte über sein Gesicht, halb bitter, halb hoffnungsvoll. Der Gedanke, dass sie vielleicht entkommen war, dass sie vielleicht schon Hilfe holte, war tröstlich – auch wenn er wusste, wie gering die Chancen standen.

Er legte sich zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte zur Decke. Seine Gedanken schweiften. Wenn Vic frei war, würde sie dann nach Rahal gehen? Würde sie nach HIlfe schicken? Würde sie überhaupt an ihn denken, Khaltor, der in dieser Zelle verrottete?

Die Langeweile brannte. Er begann, Muster in den Rissen der Decke zu suchen, zählte die Steine im Mauerwerk zum zehnten, zwanzigsten Mal. Immer wieder glitten seine Augen zurück zur Nachbarzelle, als würde er dort eine Bewegung erhaschen – nur um sich erneut der Leere stellen zu müssen.
Er dachte an seine Freunde. Würden sie kommen? Oder würden sie glauben, er sei längst verloren? Er malte sich aus, wie sie den Kerker stürmten, wie die Türen zersprangen, wie er lachend hinaustrat – nur um wieder von der Stille des Turmes verschluckt zu werden.

Seine Gedanken kreisten, wieder und wieder, und er wusste nicht, ob es der Schlaf war, der ihn übermannte, oder die Monotonie der Langeweile, die ihn benebelte.

Doch ein Gedanke blieb: Wenn Vic wirklich entkommen war, dann war er vielleicht nicht so allein, wie es diese Mauern ihn glauben lassen wollten.
Khaltor
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Registriert: Samstag 17. August 2024, 23:12

Beitrag von Khaltor »

Grenzpassage

Das Kettenrasseln verstummte erst langsam, als die eisernen Fesseln von seinen Handgelenken genommen wurden. Khaltor blieb einen Herzschlag lang reglos, ließ die Hände kurz aneinander reiben und musterte die roten Druckstellen, ohne sich groß darum zu kümmern. Die Worte des Korporals waren knapp und ohne Umschweife: man setzte ihn vor die Wahl, das Reich zu verlassen, und machte deutlich, dass eine Rückkehr härter geahndet würde als das bisher geduldete Kerkeraufenthalt. Keine lange Verhandlung, keine Gnade — nur ein Befehl und die kalte Konsequenz dahinter.

Er nahm es mit einer Mischung aus Spott und Gleichmut. Sein Blick verweilte auf der Gardistin, die mit aufrechter Haltung und routinierter Sicherheit neben dem Korporal stand; in ihrem Gesicht lag mehr Pflicht als Triumph, und für einen Augenblick glaubte er eine flackernde Unsicherheit darin zu erkennen. Er knickste kaum merklich, eine kleine, ironische Verbeugung, mehr Geste als Dank — so stellte er die Welt gern dar: er selber, der lächelnde Narr, der in jeder Lage noch eine Pointe parat hat.

Die Grenzsteine unter seinen Füßen gaben mit jedem Schritt ein kleines, endgültiges Geräusch von sich. Hinter ihm verblasste die Enge: der dumpfe Geruch des Kerkers, die flackernden Laternen, das monotone Tropfen irgendwo in den Gemäuern. Vor ihm öffnete sich die Ebene — die Freiheit fühlte sich zugleich unfassbar weit und unsicher an. Khaltor atmete tief, die Luft schmeckte nach Staub und Möglichkeit.

Doch während er ging, nagte der Gedanke an ihm: Warum hatten sie ihn überhaupt gefangen genommen, wenn sie ihn jetzt einfach so ziehen ließen? War es bloß ihr Zeitvertreib gewesen, eine kleine Vorstellung zu ihrer eigenen Belustigung? Man hatte ihn ja nicht einmal als Geisel benutzt, nicht als Druckmittel, nichts. Nur eingesperrt, befragt, provoziert — und nun wieder entlassen. Wollten sie ihn wirklich nur piesacken? Dafür so einen Aufriss zu veranstalten, ganze Wachen, Verhöre, Drohungen — lächerlich. Ein Schauspiel, das kaum mehr hinterließ als die Frage, wer hier eigentlich wen an der Nase herumgeführt hatte.

Er ließ die Krümel des letzten Kekses achtlos durch die Finger rieseln, ein lässiges Ritual, mit dem er Abschied nahm von den kleinen Dingen, die ihm dort geblieben waren. Dann warf er den Zurückgebliebenen einen Blick zu — nicht herausfordernd, eher verspielt, als würde er sagen: Wir sehen uns anderswo.

Während er weiterging, kreisten seine Gedanken wieder um Vic. Ihr Verschwinden nagte an ihm; er stellte sich vor, wie sie irgendwo auf dem Weg sein könnte — vielleicht in Sicherheit, vielleicht bereits damit beschäftigt, Hilfe zu organisieren. Die Möglichkeit, dass sie tatsächlich Unterstützung holte, war wie ein Funke, den er heimlich nährte. Ebenso dachte er an seine Freunde, an jene, die noch an den Hafen zurückkehren könnten, und daran, wie er seine Geschichte auftischen würde: eine Mischung aus Wahrheit, Übertreibung und jener verschmitzten Anekdote, mit der er immer die Sympathien zu ködern wusste.

Sein Lächeln, als es kam, war diesmal weniger ein Schutzschild als ein leiser Ausdruck von Erleichterung. Die Freiheit lag vor ihm, aber auch die Verpflichtung, aus dem, was geschehen war, etwas zu machen — eine Erzählung, ein Plan, ein neuer Anfang. Er ging, ohne den Kopf groß zu drehen; das Reich blieb hinter ihm, die Grenze schloss sich zwar nicht physisch, aber symbolisch mit jedem Schritt.

Frei. Vorerst.
Khaltor
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Registriert: Samstag 17. August 2024, 23:12

Beitrag von Khaltor »

Der Regen hatte aufgehört, aber der Dreck klebte noch an seinen Schuhen, schwer und kalt wie Erinnerung. Er stolperte durch die Gassen Bajards, jeder Schritt ein Ziehen in den Knien, das Gewicht der vergangenen Nächte in den Schultern. Sein Gefangenenhemdchen roch nach Moder und Kerkerluft, die Haare hatten sich zu matten Strähnen verknotet. Als er die hölzerne Fassade der Herberge sah, klang das Quietschen der Tür wie ein Versprechen.

Drinnen war es warm, ein schwaches Lichtspiel aus Kerzenflammen und dem Rauch der Küche. Stimmen und das Klirren von Krügen füllten den Raum, doch Khaltor nahm kaum etwas wahr. Er ließ sich auf einen Schemel fallen, die Muskeln schrieen nach Ruhe, der Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Eine Schale Eintopf und etwas Brot wurden ihm gebracht; er aß, als wäre dies das erste Mal, dass Nahrung normal schmeckte — und doch blieb ein bitterer Nachgeschmack, als würde jede Speise nur die Stille zwischen den Zähnen füllen.

Als das Feuer in seinem Innern langsamer flackerte, zog er die fehlenden Minuten der Nacht vor seinem inneren Auge entlang: die kalten Steine, die Gitter, das stumpfe Klirren von Schlüsseln. Jeder Rückblick nährte etwas, das sich nicht beruhigte. Sein Hass — zuerst nur eine heiße Glut — hatte sich zu einem lauten, hungrigen Brand ausgeweitet. Er spürte ihn in den Adern, in der trockenen Zunge, in den Fäusten, die sich immer wieder unwillkürlich krampften. Gedanken an Vergeltung stiegen wie düsterer Rauch auf; Bilder von Osten, von Adorans Toren, von Gesichtern, die er nie wieder sehen wollte, formten sich in seinem Kopf. Nicht bloß Rache — eine gerechte, rohe Antwort, die das Unrecht spiegeln und auslöschen sollte.

Doch Khaltor wusste, dass hastige Taten töricht waren. So badete er seine Hände, wusch den Staub von den Nägeln, glättete das Pergament und den Federkiel vor sich. Mit mühsamer Sorgfalt setzte er die Worte. Nicht, um zu beschönigen, sondern damit jene, die lesen würden, die Schwere und den Brand in seinem Innern verstehen konnten. Während die Feder kratzte, wuchs der Hass weiter — ungestillt, hungrig — und mit jedem Strich schien er sich zu ordnen, von einem rohen Schmerz in eine gezielte Flamme verwandelt.

Als er das Siegel setzte, legte sich für einen Augenblick Stille über ihn; nicht Ruhe, eher der kalte Appell eines Kriegers, der seine Wut sammelte wie Vorrat. Er faltete das Schreiben, steckte es unter seinen Mantel und trat hinaus in die kühle Luft der Straße. Die Nacht war still, und in Khaltors Brust pochte ein Herz, das nicht ruhen wollte, bis es Antwort gefunden hatte — nicht nur im Wort, sondern in der Tat.
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