Die Straßen Lichtenthals waren schmal, gepflastert, und das Salz des Hafens hing schwer in der Luft. Lucan Thane stand vor den verschlossenen Türen des Marinequartiers, sein Stock lehnte fest in seiner Hand, der graue Hut schützte den Blick vor dem flackernden Laternenlicht. Es war einer jener Abende, an denen die Gedanken lauter waren als die Stimmen ringsum.
Da trat ein Mann in roter Robe und braunem Haar an ihn heran. Mit einem Schmunzeln bemerkte er, Lucan sehe aus, als sei er soeben einem Schiff entstiegen. Lucan erwiderte es mit trockener Gelassenheit, sprach von Gedanken als Schiffen, die ihn trügen, mal voran, mal zurück, selten dorthin, wo er es erwarte. Ein kleines Spiel aus Worten entstand zwischen den beiden Fremden.
Der Mann stellte sich schließlich als Baldur vor – ein Barde, der seit Jahren in der Stadt verweilte. Er sprach von Regeln, die man brechen müsse, um Geschichten zu erleben, die erzählenswert seien. Lucan neigte dazu das Haupt, gab jedoch zu bedenken, dass nicht jeder Bruch Neues erschaffe. Manchmal sei das Bemerkenswerte nicht das Zerbrechen, sondern das Finden im Bestehenden.
Es war ein Austausch, leichtfüßig und doch durchzogen von jener Schwere, die Lucans Worte oft begleiteten. Zwei Welten, die sich kurz berührten: der Barde, der aus Liedern Geschichten spann, und der Spätberufene, der noch immer seine Berufung suchte.
Als Baldur weiterzog, ließ Lucan den Blick dem roten Gewand nachwandern, bis es im Halbdunkel der Gasse verschwand. Der Stock tippte zweimal auf das Pflaster, ein Takt gegen die Stille. Und er murmelte, kaum hörbar:
„So ziehen die Erzähler dahin… und zurück bleibt man selbst, vielleicht nur als Teil der Geschichte, die sie bald singen.“
Dann wandte er sich ab, den Hafenlichtern zu, und ging langsam weiter in die Nacht von Lichtenthal.
Ein Barde, ein Suchender - Wo Worte wie Schiffe treiben
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Lucan Thane
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- Registriert: Dienstag 5. August 2025, 17:06